• Meine Mutter möchte mit niemandem etwas zu tun haben

    Es gibt etwas was mich die letzten Jahre zusehends belastet. Meine Mutter hat seit ich denken kann nie gerne etwas mit uns Kindern unternommen. Es ist mir nie so aufgefallen, erst jetzt im Erwachsenenalter fange ich langsam an es zu realisieren. Früher habe ich gedacht, gut sie mag keinen Strandurlaub, also sind wir mit meinem Papa alleine gefahren. Sie…
  • 87 Antworten
    Eleonora schrieb:

    Aber es wäre wohl zumindest drin, dass ihre Mutter ihr ihre Einstellung mal erklärt und sich da nicht ausschweigt.

    was soll sie da erklären - sie mag es nicht.

    Der Mann den ich beschrieben habe kann das auch nicht erklären. DAs setzt ihn nur unter Druck, so nach dem Motte: das erwarte alle , du bist da irgendwie "falsch"...

    mnef schrieb:

    Gut, das wäre eine Sache. Aber dieses Persönlichnehmen finde ich ziemlich übel :-/

    na das finde ch nicht ... es ist schwer, so ein Verhalten nicht auch auf sich zu projizieren... so nach dem Motto: sie ist nicht gerne mit mir zusammen , warum nur?

    Wäre es möglich, anlässlich der Hochzeit mal mit ihr drüber zu reden? „Du wärst und bist immer für mich da, wenn es mir nicht gut geht. Dafür bin ich dir unendlich dankbar. Ich würde mich sehr freuen, wenn du auch an meinem Hochzeitstag für mich da wärst - ich die guten Zeoten mit mir teilst“. Ich habe noch nicht herausgelesen, wie explizit die TE ihren Wunsch wirklich gemacht hat. Vielleicht muss sie sie einfach drum bitten? Ihr zeigen dass sie sie braucht, genau so wie in schlechten Zeiten?

    Ich finde nicht, dass meine Erwartungen überzogen sind. Eine Hochzeit ist etwas sehr emotionales, auch zwischen Kindern und ihren Eltern. Natürlich verletzt es mich, da so abgebwiesen zu werden.


    Alle „reiten“ jetzt auf diesen „Events“ rum, aber das ist ja auch bei den ganz persönlichen Momenten nur zwischen mir und ihr so.


    Gesprochen darüber haben wir auch schon, sie sagt es wäre nicht so. Bei wirklich jeder Gelegenheit merke ich aber, dass es so ist.


    Das mit den Depressionen war nur rein spekulativ. Sie macht auf mich in dem Sinne keinen Eindruck, als hätte sie Depressionen. Aber das kann ja auch täuschen. Man kann ja nicht in einen Menschen hineinsehen.


    Sie erkundigt sich auch immer was bei mir los ist, nimmt Teil aber halt aus der Ferne. Fragt lieber 10 mal wie es mit dem neuen Pferd läuft, als sich ein mal die Mühe zu machen mal mitzukommen für ne Stunde.


    Es ist ganz komisch, ich kenne wirklich niemanden der auch nur annähernd so ist.

    Mia_1986 schrieb:

    Naja ich sehe das etwas anders. Ein Kind zu haben bedeutet für mich nicht nur in schwierigen Zeiten da zu sein, sondern auch in Guten, am Leben teilhaben, anfeuern, sich für die Kinder freuen, gemeinsame Unternehmungen etc.

    Und für mich bedeutet ein Kind zu haben nicht, dass ich mich selbst aufgeben muss und so sein muss, wie mein erwachsenes Kind es möchte, damit es nicht "verletzt" ist.

    Was macht man denn dann, wenn man mehrere Kinder hat und z. B. das eine ganz, ganz viel kuschelig mit der Mama zusammen sein will und das andere bitte in seinem Leben in Ruhe gelassen werden möchte. Bedeutet Mutter-Sein, für immer einen Spagat hinzulegen zwischen den Wünschen der Kinder? Wo bleibt die Mutter da selbst? Hat sie nicht ein Recht darauf, so zu leben, wie sie es möchte?

    Aber warum verletzt es Dich? Ich verstehe, dass Du es Dir anders wünschst, ich würde auch Traurigkeit bis zu einem gewissen Grad durchaus verstehen, aber Verletzung? Deine Mutter ist, wie sie ist, und sie scheint ja im Rahmen dessen, was ihr entspricht, wirklich für Dich da zu sein. Nur dass dieser Rahmen eben begrenzter oder einfach ganz anders gelagert ist als etwa bei Deiner Schwiegermutter in spe.

    Ich würde nach Deiner Schilderung vermuten, dass es für sie sehr anstrengend und nicht unbedingt superangenehm ist, zu Deiner Hochzeit zu kommen - nicht, weil Deine Hochzeit, sondern weil EINE Hochzeit. Sie kommt trotzdem, weil Du ihr wichtig bist, aber sie begrenzt es eben zeitlich. Das würde ich bei jemandem, der so gern ganz zurückgezogen lebt, als Kompromisslösung aus Liebe zu Dir betrachten, nicht als "zu wenig und deshalb verletzend".

    Mia_1986 schrieb:

    Sie erkundigt sich auch immer was bei mir los ist, nimmt Teil aber halt aus der Ferne. Fragt lieber 10 mal wie es mit dem neuen Pferd läuft, als sich ein mal die Mühe zu machen mal mitzukommen für ne Stunde.

    Das find ich übrigens völlig normal, das würde meine Mutter nicht anders machen. Was sollte sie denn beim Pferd?


    Kann es sein, dass Du jetzt, da Du gerade frisch begriffen hast, dass Familienleben auch anders laufen kann, ganz extremen Nachholbedarf hast und Dir im Grunde eine ganz andere Mutter wünschst?

    Stille Liebe. So hat meine Oma das mal genannt. Ihr Mann, also mein Opa, war nämlich auch ein bisschen so. Sie hat gesagt, dass man bei stiller Liebe ganz genau hinlauschen muss, um sie zu spüren. Und sie fand das auch manchmal schwierig. Ich hab erst nach dem Tod meines Opas in Gesprächen mit meiner Oma begriffen, dass er uns sehr geliebt hat. Er wusste alles Mögliche, hat wohl nie etwas vergessen, was wir gesagt oder getan oder erzählt haben, aber oft war er einfach nur da und hat nicht viel gesagt, und mir war nicht klar, dass er ganz still, aber intensiv an allem teilhat und wir, also meine kleine Schwester und ich, ein riesengroßer Teil seiner inneren Welt sind. Ich hab nicht gemerkt, dass er immer unser Lieblingsessen gemacht hat, dass er im Frühling darauf bestanden hat, dass im Garten Löwenmäulchen gepflanzt werden, weil ich die so liebe, dass er meinetwegen die Ameisen im Garten gelassen hat, obwohl er sie gehasst hat, weil ich denen, wenn wir zu Besuch waren (und das war nur so drei, vier Mal im Jahr) gern Zucker hingestreut hab. Dass er unterschiedliche Sorten Walderdbeeren gepflanzt hat, um zu schauen, welche wir am liebsten mögen, und dann von denen ganz viele besorgt und im ganzen Garten gepflanzt hat. Dass er vor Weihnachten tagelang nervös war, weil er nicht wusste, ob uns die Farben der Pullover, die unsere Oma uns gestrickt haben, wohl gefallen werden. Dass er immer vor unserem Besuch trotz seiner Angst vor Spinnen das Gästezimmer von Spinnen und Spinnweben befreit hat, weil er davon ausging, dass kleine Mädchen wohl auch Angst vor Spinnen haben müssen, auch wenn er da zumindest in meinem Fall irrte. Dass er immer mehrere Tafeln Nussschokolade gekauft hat, ehe wir gekommen sind, damit er immer abends die Schublade nachfüllen kann, aus der wir sie geklaut haben, fest überzeugt, es merkt keiner.

    Er hat nie, nie was gesagt. Und ich war noch recht klein und meine Schwester noch viel kleiner, als er gestorben ist. Ich bin sehr froh, dass meine Oma mir das alles erzählt hat, und es fügt sich im Nachhinein gut ins Bild.


    Wenn Deine Mutter Dich liebt, dann ist das ein Geschenk. Es sollte immer so sein, aber es ist nicht immer so. Eltern sind nur Menschen. Freu Dich über Deine Schwiegermutter, deren Art, euch gernzuhaben, für Dich so leicht zu erspüren und zu begreifen ist. Und lausch bei Deiner Mutter nach, auf welche Weise sie Dich liebt. Viel, viel stiller und manchmal ganz leicht zu überhören, und vieles fehlt Dir und wird Dir auch in Zukunft fehlen, aber das lässt sich nicht ändern. Aber weißt Du - irgendwann wird sie sterben. Und es ist viel schöner, wenn Du vorher gelernt hast, ihre Art Liebe zu spüren und wertzuschätzen, als wenn Du Dir danach wünschst, Du hättest darauf mehr geachtet.


    Musst Du natürlich nicht, mach es ganz so, wie Du meinst, aber frag Dich halt: Wenn sie nun mal so ist und ihre Liebe nur auf ganz stille und zurückgezogene Weise zeigt - wie möchtest Du, wenn sie irgendwann nicht mehr da ist und Du daran zurückdenkst, damit umgegangen sein?

    Jetzt heule ich Shojo, mein Opa war genauso. Nur bei uns waren es keine Ameisen sondern "Elefanten".


    Zum Thema, du scheinst vom Typ her einfach anders zu sein als deine Mutter. Während deine Mutter anscheinend lieber die Ruhe genießt willst du lieber gemeinsame Erlebnisse. Ich kenne es nur umgekehrt, daher kann ich deine Mutter ganz gut verstehen. Für mich ist es wirklich anstrengend mit der Familie beisammen zu sein. Und das hat nichts mit den einzelnen Personen zu tun, aber alles was mehr als 3 Familienmitglieder am einem Ort zur gleichen Zeit betrifft ist für mich einfach anstrengend. Weniger als 3 auch nach ca 2 Tagen, aber selbst als Kind, Familienurlaub war der Horror. Spätestens an Tag 3 gab es einen riesen Streit weil ich nicht die für mich so wichtigen Rückzugsmöglichkeiten hatte. Ich brauche einfach meine Ruhe, so ticke ich nun mal.


    Auch jetzt, ich bin die "schlechtere Tochter", da ich nicht dauernd bei meinem Eltern zu Besuch bin. Mein Bruder und meine Schwägerin sind spätestens alle 14 Tage dort, für mich reicht einmal im Monat bis alle 6 Wochen lange. Das heißt aber nicht, dass ich meine Familie nicht liebe. Aber die Familie stellt Ansprüche. Dass ich mich unterhalte. Dass ich gute Laune habe,... Und das ist nach einer Arbeitswoche oder einen Arbeitstag einfach irre erschöpfend.

    Zitat

    Naja ich sehe das etwas anders. Ein Kind zu haben bedeutet für mich nicht
    nur in schwierigen Zeiten da zu sein, sondern auch in Guten, am Leben
    teilhaben, anfeuern, sich für die Kinder freuen, gemeinsame Unternehmungen etc.

    Ich finde man kann sich das wünschen, aber verlangen oder erwarten kann man das nicht. Sie ist doch dabei, wenn sie zum Beispiel nach dem Pferd fragt und sie kommt doch zur Hochzeit obwohl sie es nicht sonderlich zu mögen scheint. Sie ist da wenn du sie brauchst. Verdammt, weißt du eigentlich was für ein riesen Glück du hast? Und nun bekommst du auch noch eine Schwiegermutter, die deinem Bedürfnis nach körperlicher Nähe entgegen kommt, dass ist doch ganz ganz viel.


    Weißt du, es gibt Leute für die ist die Anwesenheit anderer Menschen total anstrengend, kann schön sein, ist aber sehr sehr anstrengend. Die tun sich mit Distanz leichter. Es gibt Leute die nicht gerne berührt werden, aber wissen, dass das erwartet wird, wenn man so zusammen durch den Wald geht. Statt nun da immer wieder sagen zu müssen:"Fass mich nicht an." gehen sie einfach nicht mit, weil sich immer wieder abgrenzen zu müssen auch sehr anstrengend ist und für das Gegenüber sehr verletzend sein kann.


    Ich finde, du hast verdammt viel. Richtig viel. Ganz viel von dem was ich mir für mein Leben gewünscht hätte. Wenn du lernen könntest das zu achten, wertzuschätzen, könntest du echt richtig glücklich und zufrieden sein. Du kannst dir natürlich auch weiter etwas von deiner Mutter wünschen, was sie nicht leisten kann oder will und daran unzufrieden werden.


    Ich wüsste übrigens auch nicht, was ich zum Teufel beim friseur wollte, wenn mein Kind da die Haare gemacht bekäme. Bei meiner Hochzeit hätte ich auch nicht gewusst was meine Ma da soll, die kann da doch gar nichts machen und bewunders kann sie mich auch später noch. Und wenn da noch eine riesen Party im Ausland geplant ist, zu der ich kommen soll, würde ich das Standesamt vielleicht auch ausfallen lassen. Das Wichtige kommt dann ja noch. Vielleicht ist sie einfach wesentlich pragmatischer und unromatischer als du.

    Ich habe leider nicht wirklich einen Tipp für dich, ich wollte dir aber sagen dass ich dich verstehen kann.

    Meine Mutter ist auch so ähnlich, wenn man sie überhaupt überredet bekommt zum Essen zu kommen, obwohl es fußläufig ist (z. Bsp. an meinem Geburtstag), gibt sie einem ständig das Gefühl als müsse man für ihren Besuch sehr dankbar sein. Sie hat im übrigen auch ihre festen Sendungen, während denen man sie auf keinen Fall stören darf.

    Ansonsten war sie aber auch immer eine gute Mutter, war und ist immer für mich da, hat mich immer unterstützt. Aber ich hätte schon sehr gerne mehr mit ihr unternommen/erlebt. Ich war in meinem ganzen Leben zweimal mit meinen Eltern im Urlaub.

    Mein Vater ist allerdings noch viel schlimmer, aber zu ihm hatte ich eh noch nie eine Bindung. Auf meine Hochzeit hatte der überhaupt keine Lust, nur widerwillig war er die meiste Zeit anwesend und das merkte man ihm auch deutlich an.

    Es macht einen einfach alles sehr traurig.

    Meine Schwiegereltern sind das ganz krasse Gegenteil meiner Eltern. Die würden sich am liebsten jeden Tag mit uns treffen, jedes Wochenende was zusammen unternehmen, zusammen in Urlaub fahren... wollen alles wissen, überall mitreden. Das ist mir alles viel zu viel und zudem mag ich sie auch nicht.

    Ist schon alles nicht so einfach mit den verschiedenen Menschen...

    Shojo schrieb:

    Deine Großeltern hatten Elefanten im Garten?!? :-D;-D

    Maulwurfsgrillen. Kompliziertes Wort für Kinder. Der Name kam auch von meinem Opa. Weil die Viecher ziemlich groß werden waren es Elefanten.

    Was meinst wie meine Mutter geschaut hat als wir ihr zum ersten Mal erzählt haben, dass wir auf Elefantenjagd waren.

    Hallo Mia_1986, ich kann verstehen, dass Dich das scheinbare Desinteresse Deiner Mutter traurig macht, und ich finde nicht, dass man das wegwischen kann, indem man sagt: "Du kannst nicht einfach was von Deiner Mutter erwarten, was ihr nicht entspricht, Mütter sind auch nur Menschen."


    Es geht ja eben nicht nur um ihre heutige Zurückhaltung, was die anstehende Hochzeit betrifft. Ich denke, das Thema begleitet und belastet Dich seit Deiner Kindheit, denn Du schreibst ja: "Meine Mutter hat seit ich denken kann nie gerne etwas mit uns Kindern unternommen." Keine gemeinsamen Urlaube, kein sichtbares Interesse am Hobby (wenn ich Dich da richtig verstanden habe, hattest Du auch als Kind schon ein Pferd?), nur der Vater hat sich Tanzaufführungen der Schwester angeguckt,... Das IST schwer für ein Kind, denn, wie es ja auch Shojo beschreibt, ein Kind nimmt Liebe eher über liebevolle Handlungen wahr, über Zuwendung und das (aktive) Teilhaben an seiner kleinen Welt. Wenn dieses Interesse (scheinbar) ausbleibt, entsteht irgendwann das Gefühl, nicht richtig geliebt zu werden, nicht wichtig und interessant genug für den anderen zu sein. Das immer wieder zu erleben, ist wirklich schwer für ein Kind, und ich denke, diese Enttäuschung aus der Vergangenheit schleppst Du immer noch mit Dir herum.


    Umso wichtiger ist es da, Dir vor Augen zu halten, dass es verschiedene Formen von Liebe gibt (ich finde den Beitrag von Shojo über die "stille Liebe" ihres Grossvaters wunderschön zu dem Thema), nicht jeder Mensch drückt seine Liebe auf die gleiche Weise aus. Es gibt da z. B. das Buch "Die fünf Sprachen der Liebe" (bezieht sich auf die Kommunikation der jeweiligen "Liebestypen" innerhalb einer Paarbeziehung und ist vielleicht ein bisschen klischeemässig-vereinfachend, aber zum ersten Nachdenken über verschiedene Ausdrucksformen von Liebe eventuell ganz hilfreich), das "Liebe" beschreibt in den verschiedenen Formen von "Lob und Anerkennung", "Zweisamkeit- die Zeit nur für Dich", "Geschenke, die von Herzen kommen", "Hilfsbereitschaft" und "Zärtlichkeit". Keine Ahnung, ob diese Formen so 100%ig sinnig sind, ob es noch mehr und/oder Mischformen gibt; wichtig ist meiner Meinung nach nur, dass Du Dir jetzt, als erwachsener Mensch, klarmachst, dass 1. das "Desinteresse" Deiner Mutter kein Zeichen für mangelnde Liebe sein muss (also auch kein Grund für Dich, Dich davon verletzt zu fühlen), und dass 2. Ihr beide wohl Menschen seid, die ihre Liebe unterschiedlich ausdrücken und auch unterschiedliche Bedürfnisse und Erwartungen an die Liebesbekundungen Eurer Mitmenschen habt. Das ist doof, weil erstmal unbefriedigend, aber nicht wirklich schlimm, wenn es da doch immer wieder Momente gibt, in denen Du ihre Liebe spüren kannst.
    Du hast geschrieben:

    "Wenn es mir gesundheitlich nicht gut geht oder ich irgendwas von ihr brauche (Hilfe, Geld, egal was), ist sie immer da. Immer. Und sorgt sich auch sehr. Bekocht mich wenns sein muss, geht einkaufen etc. Also schon sehr aufopfernd." Deine Mutter zeigt Ihre Liebe also eher, indem sie sich hilfsbereit um Dich kümmert, wenn es Dir schlecht geht. Das ist nicht das, was Du gerne von ihr bekommen würdest, Dir wäre gemeinsam verbrachte Zeit an "guten Tagen", Interesse an Deiner "Welt" wichtiger, aber das schmälert dennoch nicht ihre Liebe zu Dir.

    Dass Dir als Kind ihr Interesse und ihre Präsenz gefehlt haben, kann ich total verstehen, und ich finde es normal, dass Dir das noch nachhängt. Ich würde deshalb auch nicht sagen, dass Du ein "riesen Glück" hattest oder hast, denn für Dich passte und passt es ja nunmal nicht. Aber als erwachsener Mensch kannst Du Dir nun auch klarmachen, dass das Verhalten Deiner Mutter nicht an mangelnder Liebe lag und liegt, sondern daran, dass Ihr einfach sehr verschieden gestrickt seid. Nicht immer einfach, das weiss ich (mein Vater war Deiner Mutter da sehr ähnlich), aber sehr wichtig, damit Du Dich nicht dauerhaft grämst, und damit Du, wie Shojo schrieb, die Liebe Deiner Mutter jetzt schon wertschätzen (und Dich daran erfreuen!) kannst.

    Eleonora schrieb:

    Aber es wäre wohl zumindest drin, dass ihre Mutter ihr ihre Einstellung mal erklärt und sich da nicht ausschweigt. Die Einstellung Kinder hätten ihre Eltern zu kennen und stumm zu akzeptieren, ist creepy.


    WEnn ich nach ca. 20 Jahren Zusammenleben jemanden nicht kenne, wird die Erklärung auch nichts nützen. Ich stelle mir grad vor, dass ich meine Mutter oder Vater mal auf ihre Einstellung gefragt hätte. Wäre ein völlig sinnloses Unterfangen gewesen. Genauso habe ich in jungen Jahren gemeint, es wäre eine Freude für meine Mutter, wenn ich sie mal zu einer gemeinsamen Reise einlade oder mit ihr einfach Kaffee trinken gehe, usw. Die hat mich angeschaut und ich habe nur lauter Fragezeichen in ihren Augen gesen, die meinten, was soll das? Einen Zusammenhang zwischen diesen Unternehmungen und unserer Mutter-Tochter-Beziehung hat sie nicht gesehen und wusste überhaupt nicht, was ich von ihr will. Aber das gehört auch zum Abnabelnd und dem Prozess, wenn sich erwachsene Kinder und Eltern eine neue Beziehungsebene schaffen.


    Zitat

    Mia_1986 schrieb:

    Ich finde nicht, dass meine Erwartungen überzogen sind. Eine Hochzeit ist etwas sehr emotionales, auch zwischen Kindern und ihren Eltern. Natürlich verletzt es mich, da so abgebwiesen zu werden.


    Nein, das ist es eben nicht so pauschal. Ich z. B. wüsste nicht, was es das mit den Eltern groß Emotionales zu tun haben sollte. Da geht es doch um die Hochzeit, das Paar und deren emotionale Verbindung. Egal wer da alles dabei ist, keiner von den Gästen ist in die Beziehung des Brautpaars involviert. Sie sehen, dass sie glücklich sind, verlibt, blabla. Dann gehen sie nach Hause. Es ist nicht ihr Leben, sondern das, des Brautpaars. Alles andere ist nur deine eigene Emotionalität und eine Erwartungshaltung an deine Eltern und speziell deine Mutter, die offensichtlich nicht so mitgetragen wird, wie du es gerne hättest. Und damit habe ich sofort ein Bild von einem Kleinkind vor mir, das auf den Boden stampft, weil es nicht so läuft, wie es will.

    Es geht um eine Beziehung und da spielen nicht nur deine Bedürfnisse eine Rolle, sondern auch die deiner Mutter.



    Zitat

    Alle „reiten“ jetzt auf diesen „Events“ rum, aber das ist ja auch bei den ganz persönlichen Momenten nur zwischen mir und ihr so.


    Ja und das war immer so. Wenn es dir um deine Kindheit geht und das, was du von deiner Mutter nicht bekommen hast, aber gerne gehabt hättest. Dann gilt es damit umgehen zu lernen. Du bist jetzt aber Erwachsen und siehst doch wie sie ist. Du bist kein Kind mehr.


    Zitat

    Gesprochen darüber haben wir auch schon, sie sagt es wäre nicht so. Bei wirklich jeder Gelegenheit merke ich aber, dass es so ist.


    Du merkst also bei jeder Gelegenheit, dass sie so ist, wie sie ist? Hast du ein Problem andere so zu respektieren, wie sie sind?


    Zitat

    Das mit den Depressionen war nur rein spekulativ. Sie macht auf mich in dem Sinne keinen Eindruck, als hätte sie Depressionen. Aber das kann ja auch täuschen. Man kann ja nicht in einen Menschen hineinsehen.


    Die Fragen hast du nicht beantwortet: Hat sie selbst denn ein Problem damit, wie sie ist? Hat sie dich um Hilfe gebeten?


    Zitat

    Sie erkundigt sich auch immer was bei mir los ist, nimmt Teil aber halt aus der Ferne. Fragt lieber 10 mal wie es mit dem neuen Pferd läuft, als sich ein mal die Mühe zu machen mal mitzukommen für ne Stunde.


    Sorry, aber wenn das ein 10jähriges Kind sagt, klar. Völlig nachvollziehbar. Eine Erwachsene, die so etwas schreibt – da sage ich, das Erwachsenwerden hat nicht geklappt. Und damit meine ich eine selbstverantwortliche Einstellung.


    Zitat

    Es ist ganz komisch, ich kenne wirklich niemanden der auch nur annähernd so ist.


    Ich kenne keine zwei Menschen, die gleich sind. Worauf willst du hinaus?


    Du selbst schreibst, dass sich deine Mutter für dich interessiert, immer da ist und auch da war, wenn du sie brauchst. Was also ist dein Problem, denn scheinbar geht es doch um deine Bedürfnisse, die du da unbefriedigt siehst? Was machst du vom Verhalten deiner Mutter abhängig? Was wäre anders, wenn deine Mutter so wäre, wie du sie dir erträumst?


    Deine Geschichte erinnert mich an die Hochzeit einer Freundin, die ihre Hochzeit mit ihrem Partner im Ausland gefeiert haben. Alle Gäste mussten anreisen. Die Mutter des Bräutigams kam knapp vor der Hochzeit und 2 Tage später war sie weg. Kein Mensch hat ein Theater gemacht, weil man sie einfach kennt, wie sie ist. Alle anderen Gäste kamen für eine ganze Woche, die meisten machten mit, halfen bei den Vorbereitungen, usw. usw. Keiner hat versucht die Schwiegermutter dazu zu nötigen, dass sie früher kommt oder länger bleibt.

    Zitat

    da sage ich, das Erwachsenwerden hat nicht geklappt

    Das finde ich aber schon etwas rauh. Eine Eltern-Kind-Beziehung kann sehr warm und nahe sein. Wenn jemand in einer guten Partnerschaft immer ablehnend / abweisend auf "Bitten um Nähe" oder "Bitten um gemeinsame Unternehmungen" reagiert, ist es bald keine gute Partnerschaft mehr. Die TE fühlt sich zurückgewiesen, und möchte im übertragenen Sinne die Partnerschaft mit ihrer Mutter verbessern, weil sie sie als einseitig empfindet. Das finde ich verständlich.