Comran


    Musik hat mir auch immer sehr geholfen, aber ich spiele derzeit nicht. Ich habs versucht, aber es macht gerade überhaupt gar keinen Spaß mehr. Mag zum Teil auch daran liegen, dass ich kein richtiges Klavier habe, aber auch, weil aus mir einfach nichts mehr kommt. Ich bin leer. Normalerweise kann ich diese undefinierbaren Gefühle in Musik stecken, aber in mir sind gerade einfach keine Gefühle mehr. Herzleer?

    Zitat

    Interessant, dass du die Essstörung auf einen Level wie eine Fähigkeit hebst. Ist nicht eine Störung gerade das Gegenteil von Können?

    Hm, nein. Ich beweise mir dadurch, dass ich stärker bin als das Verlangen zu essen, stärker als die menschlichen Triebe. Und stärker als mein Körper, weil ich ihn bezwingen kann.

    Zitat

    Passivität rettet nicht, sie würfelt.

    Das kam falsch rüber ;-) . Natürlich habe ich nicht einfach nur abgewartet, sondern eben auch in der Therapie am Körpergefühl gearbeitet, aber es wurde eben immer nur schlechter. So ein schlechtes Körpergefühl wie jetzt hatte ich wirklich noch nie und für mich ist es ein Grund, nicht mehr leben zu wollen, wenn der Körper, der eigentlich die Basis eines Menschen ist, weil er ohne ihn gar nicht leben kann, anstatt zum Freund zum Feind wird. Ich bin müde, täglich gegen mich anzukämpfen. Und jetzt brauch mir niemand damit kommen, dass ich es dann einfach lassen soll, denn das habe ich versucht und es ist gescheitert. Das meinte ich damit, mit abwarten. Eben, dass es besser werden würde, wenn ich daran arbeite und geduldig bin und warte, bis die Therapie greift, aber die hat nicht gegriffen, sondern so eine enorme Wut in mir geschürt, dass ich Angst habe, zu was ich fähig bin, wenn ich das, was passiert ist, nicht wieder gutmachen kann. Und so wie es gerade aussieht, kann ich es nicht gutmachen. Wahrscheinlich zur Freude aller anderen, aber mir geht es dadurch nur noch viel schlechter und ich warte ganz ehrlich nur noch auf den Tag, an dem es mir endgültig reicht. Keine Ahnung, wann er kommt, aber irgendwann wird er kommen.


    Natürlich fühle ich mich schon seit Jahren, als könnte ich nicht mehr. Man kann so lange entgegen dieses Gefühls immer und immer weiterkämpfen, aber irgendwann ist es nicht mehr nur eine Phrase, sondern Ernst. Dann kann man wirklich nicht mehr und wahrscheinlich wird man nicht einmal vor diesem Tag vorgewarnt. Er ist einfach da. Man wacht morgens auf und weiß, heute ist der Tag. So stelle ich mir das vor. Erschreckenderweise friedlich und erlösend und noch erschreckenderweise sehen ich mich anscheinend danach, dass ich endlich mutig genug bin. Mich hindert immer daran, dass ich weiß, dass ein paar Menschen traurig sein werden, aber ich weiß auch, dass diese Menschen das schnell wieder vergessen werden und dass es dann okay ist. Bzw. wissen kann ich es nicht, aber das sage ich mir einfach. Ich stelle mir manchmal vor, dass ich einen anderen Menschen, wenn er sich täglich so quälen würde, auch irgendwann verstehen würde, wenn er nicht mehr kämpfen will und kann. Ich habe erlebt, wie sich alle meine Freunde von mir verabschiedet und mich verlassen haben, weil sie das nicht mehr mit ansehen konnten, also ist es ja möglich, mit einem Menschen abzuschließen.


    Hoffnung ist so eine Sache. Du hast Recht, ich habe davon nicht mehr viel, vielleicht auch gar keine mehr. Ja, wahrscheinlich eher das, denn - wie gesagt - ich glaube nicht mehr, dass ich gesund werde. Es ist ganz egal, was ich tue, es wird sich nichts daran ändern. Ich kann gerade nur versuchen, das auf meine Art und Weise abzuwenden. Mir ist durchaus bewusst, dass ich damit ein ebenso großes Risiko eingehe, aber es ist mein letzter Ausweg und mein letzter Versuch. Ich habe Hoffnung, dass ich mich mit meinem Körper wieder auf ein Körpergefühl einigen kann, dass ich zumindest morgens aufstehen will. Der Preis und das Risiko sind hoch, aber das war es beim Alternativweg auch und hier wird doch immer von Akzeptanz geschrieben. Vielleicht muss man auch irgendwann akzeptieren, dass irgendwas einfach nicht geht.


    In einer Serie kam mal ein Zitat vor: "Du weißt was man über Hoffnung sagt. Sie bedeutet ewig währendes Leid."


    Ich finde, das ist ebenso was dran wie an der Annahme, dass man mit Hoffnung alles überstehen kann. Es kommt wahrscheinlich auf die Sichtweise an.

    luomaren

    Zitat

    Du hast ja generelle Schwierigkeiten, jemanden zu vertrauen, weil die Leute dich wieder verlassen. Kannst du dein Vertrauen auf Gott stützen?

    Ich bin so gar nicht gläubig. Aber ich glaube auch, dass ich eigentlich sehr wohl Menschen vertraue. Ich vertraue Menschen auf eine gewisse Art - ich mein, ich schreibe hier praktisch öffentlich, ohne zu wissen, wer hier alles liest? Ich rede und schreibe sowieso viel zu schnell und fühle mich danach schlecht, weil ich etwas verraten habe. Es müsse eine Erleichterung sein, wenn man etwas erzählt, was einen belastet, aber mittlerweile fühlt sich das wie Verrat an.


    Ich entwickel so eine Energie und einen Trotz, was die Essstörung anbelangt. Als würde ich sie jetzt umso fester halten wollen, damit sie mir niemand wegnimmt.

    Zitat

    Ich glaube, du brauchst momentan einen ordentlichen Schluck aus der Pulle Spiritualität.

    Mir fällt nicht ein wie. Ich bin nicht sonderlich spirituell.


    Ankelina


    Doch, ich glaube schon, dass ich zu dumm bin. Dann bin ich vielleicht zu dumm, zu misstrauisch, um offener zu werden. Ich weiß nicht, wie man offener wird. Es gibt Dinge und Gedanken in mir, die ich nicht preisgeben kann und vermutlich sind das relevante Dinge, aber ich kann es einfach nicht. Das sind Dinge, die ich noch nie jemandem mitgeteilt oder geschrieben habe und gerade kann ich mir auch nicht vorstellen, dass sich diese Sichtweise ändert. Ich vertraue Menschen, aber es gibt Dinge, die ich einfach nicht mitteilen kann. Das würde sich falsch anfühlen und das Gefühl, falsch zu sein oder etwas falsches getan zu haben, das ertrage ich nicht mehr. Mir ist durchaus bewusst, dass ich in den Augen vieler Menschen so allerhand falsch mache. Jeder würde die Essstörung falsch finden, das Selbstverletzen und den Selbsthass. Aber das sind mittlerweile die einzigen Dinge in meinem Leben, die sich noch richtig anfühlen. Richtig für mich, weil ich glaube, dass ich genau das verdient habe. Es war einfach schon immer so, dass ich falsch war. Ich bin drüber hinweg, dass mich früher nie jemand mochte, aber ich bin es so gewohnt, dass ich das Gefühl nicht ertrage, wenn mich jemand mag. Ich habe es sehr lange versucht, aber irgendwann kommt der Punkt, an dem ich anfange, Menschen wegzustoßen. So fühlt sich das hier auch gerade an. Nicht nur gerade, sondern schon eine ganze Weile. Für mich ist es leichter nachzuvollziehen, warum ich scheiße bin und was ich alles falsch mache, als wenn jemand irgendetwas von dem, was ich tue, gut findet oder mich mag. Deshalb ist es gerade auch für mich leichter, das Haus nicht zu verlassen und niemanden zu sehen. Außerdem wächst auch immer mehr mein Gefühl, dass ich nach und nach immer mehr zu einem Störfaktor werde. Ich selbst empfinde mich zumindest schon lange so, aber jetzt habe ich das Gefühl auch stärker, wenn ich unter Menschen bin.

    Zitat

    Vielleicht eine Art " Selbstschutz " der es dir bis jetzt noch nicht möglich machen will an der Ursache richtig zu arbeiten .

    Es gibt einfach keine Ursache, das ist das Problem. Und deshalb weiß auch niemand, wie er mit mir arbeiten soll. Diese ständigen Therapeutenwechsel hatte ich nicht ohne Grund.

    Zitat

    Vielleicht muss man erst ganz unten ankommen um was verändern zu können und auch zu wollen .

    Ich glaube, dass genau das der Punkt ist. Ich wollte mal, aber wahrscheinlich will ich überhaupt gar nicht mehr. In meinem Kopf quaken manche Gedanken den ganzen Tag und ich wollte sie wegschubsen, ignorieren, übertönen, aber vielleicht ist das, was sie sagen ja auch wahr. Vielleicht will ich jetzt tatsächlich nicht mehr gesund werden.


    nochmal Comran


    Ich will die Essstörung gerade so krampfhaft ausleben, weil sie mir jeden Tag ein Erfolgserlebnis vermittelt. Naja, derzeit nicht, weshalb ich gerade mit Schwung ins nächste Desaster stürze, weil die Essstörung eben nicht das macht, was ich will, aber ich habe jeden Morgen die Hoffnung, dass ich da stehe und sehe, dass ich was kann. Da kann man nicht so viel falsch machen und wenn es nicht klappt, dann weiß man, wo man zu suchen hat. Das ist so einfach, viel einfacher als all das andere, was man im Leben sonst so tut.

    Und ich weiß, wie ich gerade klinge. Ich bin ständig am Überlegen, was ich hier noch schreiben soll, weil ich finde, dass das, was ich schreibe, son unfair, abweisend und pessimistisch ist, aber es sind meine Gedanken. So bin ich halt.


    Ich fühle mich seit langem das erste Mal wieder so, als würde ich nicht mehr nur ständig jammern. Ja, ich finde mein Leben scheiße, aber ich fange an, es zu akzeptieren, glaube ich. Akzeptanz bedeutet für mich aber eben auch, dass ich aufhöre, ständig etwas anderes zu wollen. Ich muss aufhören, ein schöneres Leben haben zu wollen, damit ich akzeptieren kann, dass ich es nicht haben werde. Deshalb klinge ich wahrscheinlich auch so, wie ich gerade eben klinge.

    Nein ein Jammern ist es nicht nur eine ziemlich destruktive Sichtweise von dir selbst


    Als ich deine letzten Zeilen gelesen habe habe ich mich gefragt was hat dieses junge Menschenkind nur schlimmes erlebt oder was wurde ihr angetan um sich selbst so zu hassen ?


    Dann kam in mir der Gedanke hoch vielleicht provoziert sie mit Absicht so schreibt wissentlich so schlecht über sich um auszuloten wie weit sie gehen kann bis auch wir hier das " Handtuch " werfen und es nicht mehr aushalten können wenn sie sich selbst so dermaßen herunterzieht.


    Damit sie dann letztendlich wieder einmal ihre Bestätigung erhält dass sie wirklich so scheisse ist wie sie sich hier darstellt.


    Aber nein meine Liebe bei mir funktioniert diese Strategie nicht .


    Ich mag dich und deine Art zu schreiben ich sehe hinter deine Fassade und was ich sehe ist dass du ein ganz verletzlicher und hilfesuchender Mensch bist .


    All dein Trotz über dich liest sich für mich wie ein Hilfeschrei dich nicht aufzugeben .


    Auch wenn du zu vermitteln versuchst dass du es nicht wert bist gesehen gehört und in deiner ganzen Individualität angenommen zu werden .


    Und ich sage dir dazu nur soviel : DOCH DU BIST ES WERT !!


    Immer wieder aufs Neue :)_

    Ich wollte noch pflichtgemäß antworten, wie du Spiritualität finden kannst. Ich habe in der Antwort von Comran gemerkt, dass es eine Sache ist, die von außen kommt und für die man auch offen sein muss. Insofern kann es sein, dass es zeitlich noch nicht so weit ist oder du gerade sowieso keinen Nerv für Experimente hast. Grundsätzlich ist es insoweit einfach, als dass du einfach mal wieder in einen Gottesdienst gehst und schaust, ob dich das auf irgendeine Weise emotional bewegt. Wenn du merkst, es tut dir gut, dann kannst du häufiger hingehen. Ein Gottesdienst ist nach meiner Ansicht halt der einfachste Zugang, weil man in unserer Kultur in gewisser Weise christlich erzogen wird und damit zumindest noch ein Kinderglaube da gewesen sein sollte. Du kannst dir auch buddhistische Mantras auf Youtube anhören oder Lieder von Marie Boine (das hat etwas Schamanisches). Da gibt es viele Möglichkeiten, was es mir auch gerade schwierig macht, etwas konkretes zu empfehlen. Mach das nicht, weil ich dir es sage, sondern dann, wenn du es selbst möchtest.


    Ich gehe immer noch davon aus, dass irgendetwas in deiner Kindheit beschädigt worden ist, was sich immer noch auswirkt. Ich vermute allerdings, dass es mit massiven Tabus belegt worden ist, so dass du da immer noch nicht herankommst.


    Das Thema mit der Akzeptanz klingt gut. Ich hatte eh das Gefühl, dass dein gewünschtes "schöneres Leben" etwas utopisch war. Vielleicht kommt jetzt etwas Realistischeres dabei heraus.


    Viel Glück und pass auf dich auf! @:)

    Mich beschleicht so oft das Gefühl, dass ich einfach nur eine Memme bin. In der Welt passiert so vielen Menschen so viel schlimmes und ich, ich jammere bei sowas. Ich weiß nicht, wieso ich mich so hasse, aber ich tue es.


    Zum Leben: ich habe mir nie etwas besonderes gewünscht, nicht, immer glücklich zu sein oder sowas, nur einfach in Ansätzen sowas wie ein normales Leben? Ich werde wahrscheinlich mein Leben lang alleine bleiben, allein zwischen Pärchen, Familien... gefühlt so ein Anhängsel. Ich bin einfach übrig?


    Vielleicht wünsche ich mir, einem anderen Menschen so wichtig zu sein? Die Lücke, die wäre, wenn ich weg wäre, wäre nicht sonderlich groß, das Gefühl wird immer größer...


    Ich wollte nur, dass mich diese Schwärze nicht mehr verschlingt, mehr nicht.

    Zitat

    Vielleicht wünsche ich mir, einem anderen Menschen so wichtig zu sein?

    Was bedeutet "wichtig" für dich? Wenn du uns hier im Forum schon nicht egal bist, reicht das schon? Oder muss es Freundschaft sein? Oder gar Liebe?


    Körperlich hältst du Menschen von dir fern. Du hast geschrieben, dass dich niemand anfassen soll und dass du Berührungen nicht willst. Es ist sehr schwer, einen Kontakt aufzubauen, wenn man Angst vor Berührung hat. Dabei sind Berührungen die Urformen der Kommunikation und des Vertrauens. Ob dies irgendwie mit deiner Essstörung und deinem falschen Körpergefühl zusammenhängt, egal ob Ursache oder Wirkung, kann ich natürlich nicht sagen. Aber es macht es nicht einfacher, Menschen an sich heranzulassen. Den ersten Schritt musst du immer noch selbst machen. Und ich glaube auch nicht, dass es so einfach wäre, dich durch die Aufmerksamkeit eines anderen Menschen da rausziehen zu lassen. Außerdem hast du selbst von deiner Maske geschrieben. Menschen, die einem wichtig sind, darf man nichts vorspielen, sonst enttäuscht oder verunsichert man diese. Daher hatte ich dir im September empfohlen, eine Bezugsperson ohne emotionale Bindung zu suchen, die dich begleitet. Das muss kein Therapeut sein. Sondern jemand mit dem Willen, anderen zu helfen. Und wenn du es zulassen kannst, kann dich dieser Mensch auch mal in den Arm nehmen. Nur so, um das Gefühl zu erlernen und die Gegenwehr aufzugeben.

    Nimmst du deine ADs?

    Zitat

    Ich wollte nur, dass mich diese Schwärze nicht mehr verschlingt, mehr nicht.

    Mach das Licht an. ;-D Den Lichtschalter musst du blöderweise selbst finden. Versuche dich abzulenken, damit du nicht die ganze Zeit im Gedankenkarussel steckst. Gehe an die frische Luft, auch wenn du ein Störfaktor bist. Gewöhne dich daran, dass du ein Störfaktor bist. Wenn es zu schwarz wird, gehe in die Notklinik. You are the master of disaster.


    Hilft es dir, wenn ich dir sage, dass du mir nicht egal bist? Allerdings bist du extrem uneinsichtig, was deine Krankheit anbelangt. Das führt zu vielen Wiederholungen.

    Hm, ich glaube, ich weiß, dass ich auf der Welt nicht egal bin. Keine Ahnung, was ich meine, aber irgendwie fühle ich mich halt so allein? Es gibt Menschen, die mich mögen, aber letztendlich bin ich irgendwie trotzdem alleine? Ich kann schwer erklären, was ich meine... ich glaube auch, dass ihr hier nicht schreiben würdet, wenn es Euch egal wäre.


    Menschen an mich heranlassen, hm. Ich habe ja immer das Gefühl, dass ich das tue? Ich fühle mich so offen wie ein aufgeschlagenes Buch... jeder kann in mir lesen, aber mir wird oft gesagt, dass ich eigentlich sehr verschlossen bin?


    Das finde ich eben gar nicht. Ich finde, hier gebe ich z.B. sehr viel preis. Ich spiele auch gar nicht bewusst etwas vor, es ist wie ein Automatismus. Ich funktioniere und damit glauben dann eben sehr viele, dass es mir gut geht. Wenn mich jemand fragen würde, würde ich aber nur bedingt lügen. Ich würde nicht erzählen, was ich hier schreibe, aber ich würde auch nicht sagen, dass es mir gut geht. Aber es fragt halt niemand. Es ist dieses Small-Talk "Na?", kein interessiertes "Wie geht es Dir?".

    Zitat

    Daher hatte ich dir im September empfohlen, eine Bezugsperson ohne emotionale Bindung zu suchen, die dich begleitet.

    Das klappt nicht, weil ich sehr schnell eine Bindung aufbaue. Entweder bleibe ich distanziert oder ich rutsche genau ins Gegenteil und "klammere". Ich werde sehr schnell emotional abhängig, weshalb ich hier auch ruhiger werden wollte und auch wurde. Ich will ja dé.liée sein und nicht liée. Losgelöst, nicht festgebunden.


    Ich hatte z.B. eine Sozialarbeiterin, da war auch schnell eine gewisse Bindung da. Naja, und anfassen ging trotzdem nicht, auch nicht tröstend umarmen. Manchmal machen Menschen das und manchmal kann ich nicht schnell genug entwischen, aber ich halte es nur schwer aus. Aber jeder hier kennt wahrscheinlich dieses Begrüßungsumarmen. Das ist okay. Ich mache das nicht ständig und nur bei für mich wichtigen Menschen, aber das ist okay.


    Vielleicht sehne ich mich auch danach, umarmt zu werden, aber habe vor dieser Sehnsucht so riesige Angst, keine Ahnung? Ich habe Angst, dass sich dann irgendwas in mir löst, was ich nicht mehr aufhalten kann, ja.


    Wie paradox, ich fühle mich so schrecklich alleine, aber wenn mich jemand halten will und mir das Gefühl geben wollen würde, nicht mehr allein zu sein, könnte ich das auch nicht aushalten. Ja, paradox. Ich glaube, da gibt es einen Text zu. Also von mir. Komischerweise handeln viele meiner Texte vom Hunger nach Nähe oder davon, dass Menschen nicht dafür gemacht sind, alleine zu kämpfen.

    Zitat

    Mach das Licht an. ;-D

    Was sind wir heute wieder witzig ;-D . Trotzdem eine wahre Metapher ;-D .


    Ich weiß übrigens, dass ich sehr uneinsichtig bin. Hm, ich bin es aber nicht auf ganzer Linie. Ein paar meiner Diagnosen erkenne ich ja so halbwegs an. Der Fehler, den sehr viele Menschen machen, ist einfach, dass sie jemand als gesund anerkennen, wenn er zugenommen hat. Mir wurde das so eingetrichtert, dass die Essstörung kein Problem ist, solange ich nicht ganz schlimm untergewichtig bin, weshalb sie deshalb ja auch gerade kein Problem ist. Da hilft es aber auch nicht, wenn jemand das Gegenteil behauptet, weil das SO fest sitzt. Ich weiß durchaus, dass ich nicht normal esse und über Essen denke, aber das ist eben okay. So ist das halt. Deshalb wirke ich sehr oft immer uneinsichtig. Ich weiß, dass mein Gewichtsziel nicht gesund ist, aber genau deshalb will ich es ja. Der Sinn der Essstörung ist doch, mich krank zu machen, mich zu zerstören. Ich bin also durchaus einsichtig, dass ich krank bin, aber ich handle eben noch sehr im Sinne der Krankheit.


    *


    Ich fahre morgen tatsächlich in die Stadt. Ohgott, was habe ich mir da eingebrockt. Ich gehe abends auf ein Konzert, also eine Beschäftigung unter Menschen mit weniger Menschennähe und Gedränge und Berührungen hätte ich mir ja fast nicht aussuchen können %:| . Es ist auch mehr oder weniger mein erstes richtiges Konzert, sehr guter Zeitpunkt ;-D . Am Freitag bin ich in meiner alten Stadt eingeladen, aber da bin ich mir noch sehr unschlüssig. Mal schauen, ist halt eine Abschiedsparty meiner Lieblingsveranstaltungsreihe und die Veranstalter sind zudem auch noch meine "Freunde" bzw. mein ehemaliger Mitbewohner von dort. Hm. Ich schaue erst einmal, wie das morgen da läuft.


    Die erste Hürde ist ja schon einmal die Hinfahrt und der Großstadtdschungel an sich. ich bins nicht gewohnt, da rumzulaufen und wenn doch, dann wurde ich immer umgerannt. Ich brauche eindeutig noch den "Aus dem Weg, hier komme ich"-Blick ;-D . Am dortigen Hauptbahnhof wurde es schon etwas besser, seit ich da immer umsteigen musste ;-D .

    Zitat

    anfassen ging trotzdem nicht, auch nicht tröstend umarmen. Manchmal machen Menschen das und manchmal kann ich nicht schnell genug entwischen

    Bei der Formulierung musste ich jetzt schmunzeln und stellte mir vor, wie dich jemand herzen möchte und du unten durchrutschst und das Weite suchst ;-) .

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    Vielleicht sehne ich mich auch danach, umarmt zu werden, aber habe vor dieser Sehnsucht so riesige Angst, keine Ahnung? Ich habe Angst, dass sich dann irgendwas in mir löst, was ich nicht mehr aufhalten kann, ja.

    Vielleicht die Angst, dass es danach zu lange nicht mehr passiert und in dir das Bedürfnis geweckt wurde? So wie jemand, der kurz vor dem Verdursten ist und dann vom Arzt gesagt bekommt, er muss nach einem Becher eine Pause machen. Oder eher wie jemand, der aus dem Knast kommt und Angst vor der Freiheit hat?


    Gibt es nicht so Berührungs-Coaches? Mit denen du so etwas trainieren kannst (auch wieder ohne emotionale Bindung und ohne Klammern)? Fahr mal statt auf ein Konzert auf ein Sommer-Open-Air - da laufen viele nette Menschen rum und bieten "Free Hugs" an ;-) .


    Ansonsten, wenn man deinen letzten Beitrag mal so ohne Wut liest, könnte man fast meinen, bei dir ist alles in Ordnung. Es ist schon sehr merkwürdig für einen Außenstehenden. Also ich glaube dir ja alles, was du schreibst. Aber ich verstehe es (noch) nicht, weil ich innerlich halt anders funktioniere. Deswegen muss dir mancher Rat sicherlich total albern und naiv vorkommen. Aber viele Dinge sind nicht zu doof, um sie nicht auszuprobieren.

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    Und genau deshalb spielt die Essstörung für mich gerade diese lebenswichtige Rolle.

    Das ist mein Stichwort. Ich hab in den letzten Tagen viel über dich nachgedacht. (Jaha, auch ohne hier gelesen zu haben, denkt jemand an dich, mach nen Kreuz). Endlich hatte ich mal Ruhe und da bin ich auch auf den Ursprung des Knotens gekommen den dein GEschreibsel so gerne bei mir auslöst.


    Du schreibst immer wieder das du Angst hast die Kontrolle zu verlieren, zu sterben und das die Essstörung dich da rettet. Das ist die eine Erklärung die so nicht angreifbar scheint, weil wer will schon soviel Druck aufbauen das du dich umbringst?


    Ich halte das für einen erstklassigen Selbstbeschiß, einfach weil das nicht logisch ist. Du kannst dein Leben nicht aushalten, du willst es nicht leben, aber es ist wie es ist vorallem und beherrschend weil du magersüchtig bist. Wie soll ein Leben mit Magersucht dann jemals lebenswerter werden? Deine Einsamkeit und deine Gefühle sind ja weiter da und müssen durch mehr Disziplin bekämpft werden, immer weiter.


    Woran also hängst du? An deinem Leben offensichtilch nicht, das gefällt dir ja nicht, so sehr nicht, dass es nur unter beinahe selbstmörderischer Quälerei überhaupt weitergeht. Wieso also willst du das sobeharrlich nicht riskieren? Was hindert dich? Die Aussicht dies Leben weiter leben zu dürfen? Dann solltest du wirklich versuchen dich darin einzurichten. In deiner Einsamkeit, in deinem Selbsthass, in dem Hunger und und und.


    Du willst was gewinnen? Ein Leben? Dann musst du auch eines setzen. Du musst ja auch in gewisser Hinsicht einen Tod sterben. Dein altes Leben muss ja vorbeigehen. Das geht nur durch sterben.


    Die Unlogik besteht darin, dass du etwas mit der Magersucht halten willst, was du gar nicht behalten willst.

    Comran

    Zitat

    Bei der Formulierung musste ich jetzt schmunzeln und stellte mir vor, wie dich jemand herzen möchte und du unten durchrutschst und das Weite suchst ;-) .

    So ungefähr sah das auch manchmal aus ;-D . Wenn ich nicht flink genug bin, kommt mittlerweile aber immerhin ein klägliches "Lass mich looohooos".

    Zitat

    Vielleicht die Angst, dass es danach zu lange nicht mehr passiert und in dir das Bedürfnis geweckt wurde?

    Hm, ich weiß nicht. Ich glaube, ich habe einfach viel zu viel Angst davor, was mein Kopf damit macht. Da kommen dann Bilder, Gefühle und Erinnerungen. Zusätzlich eben auch dieses Körperding. Ich denke dann immer, dass mein Gegenüber meine Konturen jetzt erfühlen kann und das mag ich nicht. Ich neige dazu, mich so zu kleiden, dass man meine Figur nur bedingt einschätzen kann. Wenn mein Körpergefühl besser ist, dann etwas weniger, aber derzeit extrem. Aber auch, weil ich nicht will, dass Menschen sehen, dass ich wieder zugenommen habe.

    Zitat

    Ansonsten, wenn man deinen letzten Beitrag mal so ohne Wut liest, könnte man fast meinen, bei dir ist alles in Ordnung.

    Wie meinst du das? Weil ich so "ruhig" und sachlich bin? Ich weiß mittlerweile ziemlich gut, wie ich ticke, glaube ich. Man mag es kaum glauben, aber auch viel von meinem Selbstbetrug ist mir bewusst. Ich halte nur so sehr daran fest, dass ich die Augen davor verschließe und mir stattdessen versuche, das Gegenteil einzureden.

    Zitat

    Aber viele Dinge sind nicht zu doof, um sie nicht auszuprobieren.

    Eigentlich ist nichts zu doof.


    Wäre ich ein kleines bisschen gläubig, würde ich auch das mit der Kirche ausprobieren, aber damit kann ich wenig anfangen. Dafür aber damit, rauszugehen, zu laufen und die Natur zu genießen. Deshalb gefällt mir luomarens Bäume-Umarmen-Vorschlag viel mehr ;-D .


    danae


    Ich mach Dich oft wütend damit, oder? Diese Sturheit und das Festhalten an Lügen, die ich eigentlich längst durchschaue.


    Aber ja, diese Erklärung ist so simpel. Aber an sie glaube ich tatsächlich. Wenn ich jetzt nochmal zunehmen würde, wäre es vorbei. Diesmal fühlt sich dieser Gedanke so real an, als würde ich es durchziehen und eigentlich will ich genau das ja nicht. Deshalb ist mir das Risiko zu groß. Schon die wenigstens Schwankungen reichen für eine morgendliche Krise. Ich weiß aber gleichzeitig, dass ich so eingesperrt bin wie lange nicht mehr. Ich bin wie besessen. Aber ich weiß, dass es so ein Morgen gibt. Wenn ich 5kg mehr wiege, kann ich das nicht mehr garantieren. Dass ich mir dessen eigentlich sogar so sicher bin, DAS ist beängstigend. Ich bin mir relativ sicher, dass ich es durchziehen würde und das will ich verhindern. Dafür muss ich gerade in Kauf nehmen, so eingesperrt zu sein. Ich hoffe sehr sehr viel. Ich hoffe z.B., dass alles besser ist, wenn ich ein bestimmtes Gewicht erreicht habe. Ich habe da SO genaue Vorstellungen davon, wann es genug ist. Ich sage ja, wie besessen. Ich weiß, dass nicht alles besser sein wird, aber mein Körpergefühl wird es sein. Woher ich das weiß? Weil ich es erlebt habe. Es war letztes Mal fast beflügelnd. Wahrscheinlich hindert mich genau dieses Wissen daran. Dass es diesen Wohlfühlmoment in meinem Körper gibt und ich mich fühle, als hätte ich was geschafft. Ich fühle mich dann so unglaublich stark, so anders als jetzt. Ich werde dann fast schon selbstbewusst. Naja, wie high halt?

    Zitat

    Wäre ich ein kleines bisschen gläubig, würde ich auch das mit der Kirche ausprobieren, aber damit kann ich wenig anfangen. Dafür aber damit, rauszugehen, zu laufen und die Natur zu genießen. Deshalb gefällt mir luomarens Bäume-Umarmen-Vorschlag viel mehr ;-D .

    Dann sorge doch bitte dafür, dass du bis Ende der Woche ein paar Bäume umarmt hast. Ich würde gerne mal wissen, wie sich das anfühlt. Und mit der Kirche ist mir das zu früh aufgegeben. Ich will dich ja nicht missionieren und dich zum Glauben zwingen. Mir geht es darum, ob du aus den Ritualen und Predigten etwas ziehen kannst, was dir gut tut. Es ist ja nicht so, dass ich nicht auch mal dasitze und mir denke, welchen Humbug ich gerade höre. Du solltest mittelfristig auch noch mal einen Kirchbesuch einplanen, je nach dem, wie es mit den Bäumen läuft.


    Wenn du Berührungen nicht gewohnt bist, ist es nicht einfach. Das kann dann irgendwie elektrisierend wirken. Ich finde den Entzug von Berührungen eigentlich am schlimmsten. Es wäre nicht so ungewöhnlich, wenn es dir Angst macht.


    Toll, dass du morgen auf dem Konzert bist. :)^ Der "Aus dem Weg, hier komme ich"-Blick funktioniert übrigens so, dass du dir vorstellst deine Augen wäre auf der Brust. Wenn du entsprechend läufst, dass du alles mit diesen Augen siehst, dann gehen dir die Leute aus dem Weg.

    Hallo kleiner Trotzkopf


    wie schön dass du auf dieses Konzert gehen willst das ist doch mal ein guter Anfang.


    Mach weiter so schaffe dir kleine Glücksmomente und gestehe dir diese dann aber auch ohne ein schlechtes Gewissen zu haben zu .


    Übrigens die Idee mit dem Bäume umarmen finde ich gar nicht so schlecht .


    Wenn es mir früher schlecht ging habe ich mich aufgerafft und bin stundenlang im Wald spazieren gegangen .


    Die Natur , die Stille und die Einsamkeit haben mich " geerdet " und mir wieder ein Stück Kraft gegeben um meinen Kampf weiter kämpfen zu können .


    Ich wünsche dir für das Konzert viel Spaß und vor allem Kraft und Mut es aushalten zu können .


    Damit hast du glaube ich schon mal einen Schritt in die richtige Richtung getan .


    Ich habe morgen auch grosses vor zum ersten Mal werde ich Kontakt mit meiner Stiefschwester die ich noch nie im Leben gesehen habe aufnehmen. Um uns in entspannter Atmosphäre kennenzulernen gönnen wir uns ein paar Tage in einem wunderschönen Wellnesshotel.


    Und wieder wird ein neues Kapitel in meinem Lebensbuch aufgeschlagen