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    Ich mach Dich oft wütend damit, oder? Diese Sturheit und das Festhalten an Lügen, die ich eigentlich längst durchschaue.

    Wütend? Nö, eigentlich nicht mehr. Da bin ich drüber. Traurig hin und wieder.

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    Wenn ich jetzt nochmal zunehmen würde, wäre es vorbei.

    Und wieso wäre das schlimm? Was an deinem momentanen Leben hält dich?

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    Weil ich es erlebt habe. Es war letztes Mal fast beflügelnd.

    Das hält nicht. Das ist halt der Moment des Erfolges, aber das nutzt sich schnell ab. Weißt du eigentlich auch.

    Vielleicht ist doch nicht Bäume umarmen das Richtige. Hm, ich sollte mehr zu extrem lauter Musik tanzen. Das Konzert war superschön, die Musik ist halt auch wunderwunderschön x:) . Es ist ja nicht so, dass ich in Menschenmengen Probleme habe, aber ich glaube, das kam hier manchmal so rüber. Zumindest wenn ich feiern gehe, dann bin ich ja auch mitten auf der Tanzfläche ;-). Sonst mag ich Menschen tatsächlich nicht so sehr.


    Dieses Rumgerämpel ist aber nicht unbedingt das Problem dabei. Ich drehe ja auch nicht durch, wenn jemand aus Versehen meine Hand streift oder sowas, so ist das mit der Angst vor Berührungen auch nicht gemeint. Da geht es wirklich primär um Umarmungen und mehr. Aber vielleicht bin ich auch einfach ein Mensch, der sowas nicht mag? Solls ja auch geben.


    Vielleicht sind all diese Dinge, die mir schwer fallen oder die ich nicht mag, einfach Teil meiner Persönlichkeit?


    Ich habe bei der Musik ein wenig nachgedacht und vielleicht greift keine Therapie, weil ich einfach so bin? Es gibt Menschen, die fügen anderen gerne Schmerz zu, andere stehen selbst auf Schmerz, manche Menschen essen gerne, manche nicht.


    Vielleicht bin ich z.B. ja doch eher ein Einzelgänger, der halt manchmal Menschen okay findet, aber Berührungen eben nicht mag und auch nicht so gerne isst? Wer sagt, dass der Mensch gerne isst? Ja, wenn ich diesen Heißhunger habe, dann esse ich auch leckere Sachen, aber gerne ja wohl eher nicht. Für mich erfüllt Essen vielleicht einfach nur den Zweck, dass ich noch stehen kann und gut. Ich koche nicht wirklich, deshalb kann ichs auch nicht. Ich mache eigentlich jeden Tag das selbe (wenn ich denn für mich koche, aber die Essenssituation hier ist ja immer noch sehr sehr schwer) und das ist okay. Ich brauche keine Geschmacksexplosion.


    Ich habe auch darüber nachgedacht, wie ich meine Situation gerade so einschätze und ich empfinde mich selbst als absoluten Versager. Für andere mag das okay sein, aber für mich ist es nicht okay, Zuhause zu wohnen und ein Ende ist ja nicht in Sicht. Ich kann ja nicht arbeiten. Studium läuft auch nicht. Ich fühle mich, als wäre ich im Leben gescheitert und jetzt wohne ich wieder bei Mami.

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    Und wieso wäre das schlimm? Was an deinem momentanen Leben hält dich?

    Mit "dann wäre es vorbei" meinte ich eigentlich, dass ich dem Ganzen dann ein Ende setze. Entweder ich finde jetzt zu einem Körpergefühl, mit dem ich leben kann (und eine Gewichtszunahme führt da garantiert nicht zu) oder ich lebe nicht mehr. Mir reichts. Ich kann mir nicht vorstellen, jeden Tag diesen Krieg zu führen und da der Weg, das auszuhalten bzw. das Gefühl aktiv zu verbessern nicht geklappt hat, bleibt mir nur ein Weg. Die Frage, was mich momentan am Leben hält, kann ich aber nicht beantworten. Und ich will da, glaube ich, auch nicht genauer drüber nachdenke, weil ich sonst womöglich zu dem Entschluss komme, dass mich gar nichts hält.


    Das Körpergefühl nutzt sich allerdings nicht schnell ab, da muss ich Dir widersprechen. Das Gefühl des Erfolges, ja, aber mir ging es psychisch tausendmal besser als ich knapp 10kg leichter war. Ja, da waren viele meiner jetzigen Gedanken auch da, aber dafür waren ganz viele eben auch nicht da. Vor allem die, die mich jetzt so zerreißen.


    Ich bin letztes Jahr auf der Geschlossenen gelandet, weil die Essstörung eskaliert ist, nicht die Depression. Die Essstörung erweist sich mir gegenüber aber als unbesiegbarer Gegner. Kann ja sein, dass andere sie besiegen können, ich nicht. Ich sitze jetzt nur hier an meinem Computer, weil ich Tag für Tag damit kämpfe, mir nicht

    , weil ich ganz genau weiß, dass ich, wenn ichs tue, wieder so eskaliere. Denn mein Körper ist immer noch mein Fremdkörper. Ich kann ihn nicht lieben und nicht akzeptieren.


    Kann ich wahrscheinlich auch nicht, wenn ich leichter bin, aber dann ersticke ich wenigstens nicht an mir selbst. Ich finde es immer schwer, anderen zu versuchen zu verdeutlichen, wie sich das anfühlt, wenn das Körpergefühl so schlecht ist. Manche kennen es vielleicht, dass man sich unwohl fühlt, aber das ist weitaus mehr. Die Depression, die ich hier gerade parallel noch schiebe, ist dagegen ein Witz. Und resultiert zudem noch aus dem Körpergefühl.


    Es ist nicht der klügste Weg, den ich hier gerade gehe, aber es ist anscheinend der einzige, den ich gehen kann.


    Ihr könnt das nicht nachvollziehen, oder?

    Ich kann das mit dem Ekel-Körpergefühl, denke ich, ansatzweise nachvollziehen, oder zumindest mit dem Ekel auf sich selbst als Ganzes, nicht unbedingt nur körperbezogen, ich hab nur leider auch keine Lösungsansätze dafür :-/ ??selbst eine Geschichte mit Essstörung hinter und Selbsthass ist mir auch nichts unbekanntes??


    Ich hänge mich gerade nur deswegen ein, weil ich gestern im Fitness-Center rumüberlegt hab (musste an dich denken wegen einem Mädel, dass ich aus einem anderen Forum kannte): Hast du schon mal Krafttraining gemacht, so richtig mit schweren Gewichten, wo du nach 3x8 Wiederholungen kaum mehr gehen kannst? Der Gedanke kam mir deswegen, weil es auch eine Art Körper-Kontrolleistung sein könnte, so wie du jetzt die Abnahme beschreibst - nur positiv bzw. in die andere Richtung, nämlich Aufbau statt Abbau. Beim Fitnessen kann man sich auch wunderbar wehtun, und das sogar konstruktiv, weil Krafttraining mit ordentlich Gewicht nämlich verdammt zwiebeln kann. Es wäre ebenfalls ein Leistungsdenken möglich, nämlich statt "stetig weniger auf der Waage" "stetig mehr an Hantelgewicht".


    Nur eben wesentlich gesünder, auch noch, wenn einigermaßen obsessiv betrieben, und vielleicht kannst du deinem Körper dann mehr gönnen, weil du beim Gewichte stemmen keinen dauerhaften Erfolg haben kannst, wenn du nicht den richtigen Brennstoff einfüllst. Funktioniert natürlich eher, wenn es dir beim Gewicht hauptsächlich um den Kontroll- und Leistungsaspekt geht, den du vor ein paar Seiten beschrieben hast - keine Ahnung, was das mit deinem Körpergefühl anstellt ":/ Aber so wie sich das anhört, kann es ja kaum noch schlimmer werden?


    ...war nur so ein Gedanke, vielleicht kannst du ja was damit anfangen @:)

    was mir grad noch zum Thema Ekel einfällt: ??ich kann bzw. konnte es überhaupt nicht haben, wenn bei einer leichten Zunahme meine Kleidung an Hüften oder Oberschenkeln spannt. Superekelhaft. Wenn ich aber weiß, dass ich Krafttraining gemacht habe, dann hab ich da deutlich weniger ein bzw. kein Problem damit, weil es meistens von Wassereinlagerungen in den Muskeln kommt ("Pumpeffekt" nach dem Training). Funktioniert aber natürlich auch nur, wenn man (mehr) Muskeln als etwas positives sieht??

    Danke für Deine Idee!


    Ich kenne auch viele, die ihre Essstörung damit überwunden haben, dass sie sich darauf geeinigt haben, zuzunehmen, aber ab einem gewissen Gewicht Krafttraining zu machen und an Muskelmasse zuzunehmen.


    Mir gehts allerdings sehr viel um die Zahl. Ganz oft weiß ich ja, dass es Wassereinlagerungen sind, weil ich da extrem zu neige, aber selbst dann drehe ich durch. Mir gehts ja aber neben der Kontrolle und der Macht um diesen Bestrafungsgedanken. Ich glaube immer, dass ich bei meinem Wunschgewicht diesen Klick-Effekt haben werde, dass es jetzt genug ist, dass ich mich genug bestraft habe und dass ich aufhören darf. Bzw. nicht einmal das Wunschgewicht. Ich habe ziemlich genaue Vorstellungen, was die Essstörung für mich bedeutet und wann ich aufhören darf. Und ich kann nicht aufhören, wenn alles in mir danach schreit, dass es nicht genug ist. Dann nehme ich zwar zu, so wie es jetzt geschehen ist, aber bin wieder viel weiter von meinem "Ziel" entfernt und muss wieder von vorne anfangen. Das ist dann der Zeitpunkt, an dem mir die Kraft ausgeht, weil das furchtbar anstrengend ist und dann kommen die Suizidgedanken. Ich will nicht so bleiben, aber ich schaffe diese heftigen Gewichtsschwankungen auch nicht mehr, also will ich gar nicht mehr. So ungefähr.


    Jetzt rein auf das Körperbild bezogen passen da Muskeln nicht rein. Ich will nicht ansprechend aussehen, sondern das genaue Gegenteil. Wäre ich trainiert, könnte man das ja schön und anziehend finden, aber knochig schreckt man Menschen eher ab. Ich lege nicht sonderlich viel wert auf Muskeln, viele meiner Muskeln stören mich sogar ebenso wie das Fett. Ich neige dazu, extrem schnell Muskeln aufzubauen, liegt bei uns in der Familie, und mir gefällt das gar nicht... jetzt momentan z.B. sieht man ziemlich viele Muskeln, weil ich bei zwei Umzügen die Umzugskartons getragen habe (dafür sind die Winkeärmchen jetzt weg ;-D ) und ich schaffe fast 3mal so viel Gewicht wie am Anfang. Dafür baue ich aber auch sehr schnell wieder Muskeln ab, wenn ich nicht dran bleibe, was ich ja nicht tue. Ich weiß, dass ich momentan fast gar nicht schwabbelig bin, aber ich bin halt trotzdem zu viel.

    Gerade bei sowas merke ich immer wieder, wie festgefahren alles doch ist. Diese Seite in mir ist aber halt auch so gar nicht kompromissbereit. Man kann eine gewisse Zeit gegen die eigene innere Einstellung handeln, aber irgendwann dreht man durch, wenn man ständig genau das Gegenteil von dem tut, was man vermeintlich will. Ich zumindest drehe da durch.


    Diese Ambivalenz wird mich irgendwann zerstören, aber ich finde keinen Weg aus ihr raus. Und das Unfaire an der Sache ist, dass es leichter ist, entgegen der "guten" Stimme zu handeln als gegen die destruktive, weil der Selbsthass mein ganzes Leben vereinnahmt und diese kleine, zarte Piepsstimme da überhaupt keine Chance hat...

    Immerhin zwinge ich mich gerade, hier sitzen zu bleibe... entgegen meines äußerst stark ausgeprägten Dranges, laufen zu gehen %:| . Ich bin ja reichlich genervt, dass da jetzt schon wieder eine neue Baustelle dazu gekommen ist... naja, halbneu.


    Laufen war und ist mein Skill und jetzt habe ich keinen Skill mehr. Laufen war neben Klavier spielen der einzige, der funktioniert hat, in letzter Zeit überhaupt der einzige. Ich war fast schon friedlich, wenn ich wieder abends mit der Dunkelheit wieder Zuhause ankam und hatte das Gefühl, nicht ganz so ohnmächtig und hilflos zu sein. Der Ekel war weniger, wenigstens bis zum nächsten Morgen.

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    Und ich will da, glaube ich, auch nicht genauer drüber nachdenke, weil ich sonst womöglich zu dem Entschluss komme, dass mich gar nichts hält.

    Das glaube ich auch. Und wenn du zu dem Schluß kommst, dann hast du vielleicht endlich die Grundlage und den Mut die Essstörung gehen zu lassen. Solange ihr die Rolle zukommt dich im leben zu halten, was als DAS ziel definiert ist, geht es nicht. Klar. Wenn aber am Leben bleiben nicht mehr um jeden Preis das Ziel ist, dann geht es vielleicht.


    Ging bei mir vorher auch nicht so. Erst als Sterben durchaus eine Option war, ging was. Dann konnte ich mit einem Mal alles riskieren und damit auch alles loslassen.

    Aber sterben ist in gewisser weise ja schon lange Option? Ich weiß, dass viele meiner Aktionen schiefgehen können, auch heute noch. Und da rede ich ja jetzt nicht nur vom SVV oder mal ein paar Tage wenig essen.


    Ich meinte damit, dass ich nicht zu dem Entschluss kommen will, dass mich gar nichts mehr hält, weil ich dann Angst hätte, dem ganzen doch ein Ende zu setzen. Und zwar sehr konkret. Für was denn kämpfen und die Darlegung loslassen, wenn mich nichts hält?

    Na, bisher schreckst du ja immer zurück wenn es richtig hart wird. Du gehst den Weg, aber wenn du glaubst du kannst nicht mehr, dann drehst du um und rennst zurück. Kein Wunder übrigens das du dabei immer müder wirst. Deine Erklärung für das Verhalten ist: "Ich bringe mich um, ich halt das nicht aus, besser also zurück."


    Wenn du dir aber sagst: Da wohin ich zurück kann wartet nur der Tod weil ich das kein Leben ist sondern so eine Art Zombiedasein, dann kannst du auch an der Stelle weitergehen bei der du bisher immer umgedreht bist.


    Bisher hast du dir eingeredet es gäbe einen anderen Weg daraus, einen der nicht durch das "ich kann das nicht, dass tut zu weh" führt. Gibts aber nicht. Gibt es einfach nicht. Der Weg geht dadurch oder im Kreis. Man kann ihn in Etappen gehen, da wo man es gerade noch aushält eine Pause machen und dann ein Stück weiter und wieder Pause und so weiter, dann ist es aber ziemlich lange ziemlich scheiße weil man länger in dem "scheißescheißescheiße" steckt. Oder man rennt durch, dann ist es kurz, aber so heftig das die Chance das man liegen bleibt und einfach krepiert steigt. Und die Chance ist immer da.


    Du musst die Hoffnung auf einen einfachen Weg aufgeben. Entweder da bleiben wo du bist, als Zombie, oder durch den Schmerz durch, durch all das was du glaubst nicht beweltigen zu können. Und ich glaube das du es wohl kannst, auch wenn es sich nicht so anfühlt. Ich bin ganz fest davon überzeugt, selbst wenn du gelegentlich scheiterst und eskalierst und genährt werden musst und und und, ich glaube du kannst da durch.


    Solange du dich aber bescheißt und dir einredest die Essstörung würde dir die Chance auf Leben erhalten und dich nicht davon abhalten, solange du Leben nur als "Puls haben" definierst, wird das nichts. Solange wirst du zurückschrecken.


    Und deshalb kann es hilfreich sein zu sagen: Mir egal ob ich noch Puls habe oder nicht, tot bin ich innen drinne eh. Entweder ich werde nun durch Schmerz neu geboren oder ich geb den Puls halt auch noch ab. Und ich finde es wirklich mit einer Geburt vergleichbar. Also, ich weiß natürlich nicht wie es Kindern dabei geht, aber für Mütter kommt der Moment an dem sie glauben: "Ich kann das nicht. Ich schaff das nicht, ich hör hier auf, ich geh Heim." Meine Hebamme meinte, wenn Frauen das sagen, dann wäre das Kind fast da, sie könne dann meist schon den Anfang vom Kopf sehen.


    Und ich habe den verdacht für die Kinder ist es ähnlich, wenn auch noch nicht so bewusst. Da ist dieser lange und dunkle Tunnel. Sie kämpfen sich durch, Millimeter für Millimeter, sie werden zusammengedrückt, die ganze Umwelt ist von sicher und geborgen zu fremd und bedrohlich mutiert und dann kommt die Kurve. Da müssen sie, um gut durchzukommen, den Kopf demütig senken, sich klein machen und trotzdem scheint es einfach nicht weiter zugehen, das Ende scheint da zu sein. Und dann, ganz plötzlich, nach Schmerz und Druck und dem Gefühl das es einfach nirgendwo mehr hingeht, gibts nach und man ist DA. Es ist fremd und anders und macht Angst, aber es ist auch vertraut und ähnlich. Man riecht was man kennt, hört Stimmen die man kennt, spürt einen Rythmus den man kennt, aus der guten, der sicheren Zeit. Es gibt Essen, es ist anders, aber gut, man ist fertig, müde, geschafft, aber noch da. Erstmals überhaupt da, auch wenn man das noch entdecken muss.


    So hab ich die übelste Phase meiner Therapie und meiner Entwicklung erlebt. Die Frage ist also: bleibst du im Geburtskanal stecken und stirbst? Denn einen Kaiserschnitt gibts bei diesem Versuch nicht. Oder gehst du langsam durch, wie meine Kleine, vorsichtig und keinesfalls demütig das Haupt senkend sondern Hindernisse beharrlich bearbeitend bis sie nachgeben, oder rennst du durch wie meine Große, sich abstoßend und nach langem zögernd mit aller Gewalt nach vorne stürmend?

    Hm, ich sehe das anders. Ich finde nämlich nicht, dass ich mich umgedreht habe und zurück gelaufen bin, sondern das stattdessen lange durchgemacht habe. Ich gehe jetzt ja auch nicht wirklich zurück, sondern bleibe halt stehen. Oder liegen, wie mans sieht.


    Mir ist das zu kryptisch mit diesem "durchgehen", da kann ich nichts mit anfangen. Das ist aber bei all diesen psychologischen Metaphern so. Ich kann physisch gehen, aber das ist einfach kein wirklicher Weg, den man gehen muss, sondern eben so was gedachtes. Da kann einem niemand sagen, wie man sowas geht. Und deshalb kann ichs nicht. Aufstehen und Tag überstehen ist es ja anscheinend nicht, also was dann? Ich bin da wohl einfach zu rational, aber da gibt es keine rationale Lösung.


    Vielleicht kann ich mich deshalb auch nicht auf Therapien einlassen, weil mir das alles zu kryptisch ist. Ich bin nicht fantasielos, ich habe theoretisch einen wunderschönen inneren, sicheren Ort, aber ich kann damit einfach nichts anfangen, ebenso wenig mit dem Tresor. Es hilft mir kein bisschen, wenn ich mir mein Bild anschaue, denn ich kann mich da weder rein- und somit wohlfühlen noch verschwindet irgendein Gefühl oder wird weniger erdrückend.


    Ich glaube nicht einmal, dass mir die Essstörung ein Leben garantiert, da ich ja weiß, dass ich dabei auch irgendwann einfach umfallen kann, aber es ist mir gerade einfach schlichtweg egal, weil die Essstörung derzeit eben mein Lebensinhalt ist. Traurig, dass es meine Leidenschaft ist, mich zu quälen, aber ich versuche schon seit ein paar Beiträgen auszudrücken, dass ich vielleicht so bin. Ständig will man mir einreden, dass ich da keinen Spaß dran habe, aber was ist, wenn doch? Ist es dann trotzdem falsch? ??Andere fesseln sich, peitschen sich aus. Mir wurde mal nahegelegt, ob die BDSM-Szene nicht was für mich wäre :D, ich wurde auch schon mal gewürgt, allerdings unfreiwillig, ich hatte ihm eigentlich gesagt, dass nicht, allein aufgrund dieser sexuellen Komponente, die mich anekelt. Also zu wissen, dass es ihn anmacht, mich zu würgen, aber ich war nicht schnell genug und dann nicht mehr in der Lage zu sprechen. Ich habe mich auch durchaus widerlich gefühlt danach und benutzt usw., aber vielleicht bin ich so ähnlich, nur etwas anders? Weil ich stehe drauf, meine Grenze zu spüren. Ich liebe es, wenn mir schwarz vor Augen wird, ich liebe es, mein Blut zu sehen. Ich bin nicht stolz drauf, dass ich so bin, aber kann das nicht auch sein? Es macht mich nicht sexuell an, aber es macht mich glücklich? Weil es sich anfühlt, als wäre ich high??


    Vielleicht kann ich nicht loslassen und meinen Körper akzeptieren und glücklich sein, weil ich es vielleicht nicht will?


    Vielleicht bin ich dann ja glücklich? Wenn es mir darum geht, mich zu quälen... Weißt du, was ich meine? Das sind Gedanken, die schon länger durch meinen Kopf schwirren, aber ich tue mich sehr schwer damit, sie zu verbalisieren, weil ich mich auf eine gewisse Art dafür schäme. Das ist so gewalttätig und aggressiv, irgendwie. Ich könnte anderen Menschen nie(!) bewusst wehtun, ich kann ja noch nicht einmal jemanden beschimpfen oder groß lauter werden, aber eigentlich bin ich schon verdammt böse aggressiv.


    Wie gesagt, dieses "den Weg gehen" ist mir zu kryptisch... das klingt als könnte ich mich entscheiden, wie ich das tue und das kann ich faktisch einfach nicht, weil ich keine reale Vorstellung davon habe, wie. Weder auf die eine noch auf die andere Art. Vielleicht bin ich eben genau deshalb zu blöd für Therapie.

    Drei kurze Anmerkungen von mir:


    Mir wird gerade bewußt, was das Süchtige an der Magersucht ist. Diese Suche nach den kurzen Kicks, die einen Erfolg darstellen. Das Tanzen hat da auch etwas befriedigt. Da hängst du ziemlich drin.


    Dir geht es schon lange Zeit Scheiße, weil du ewig nach dem Ausweg suchst. Ich glaube, du musst einfach loslaufen, ohne zu wissen, wie sich das anfühlt. Ein Bild hatte ich auch nicht, das kam auf dem Weg. Ansonsten bleibst du da einfach kleben. Und ich glaube nicht, dass du glücklich bist. Es ist einfach nur gewohnt.


    Mir ist es auch erst besser gegangen, als ich in der Lage war, anderen Menschen wehzutun (auch wenn es denen nicht wehgetan hat). Menschen sind von ihrer Natur her extrem aggressiv. Du wirst in unseren Horden nicht überleben, wenn du nicht auch austeilen kannst. Inwieweit du das wirklich auch machen musst, ist eine andere Frage. Wenn du einen Weg aus der Situation suchst, dann schau doch mal, wie du die Aggression gegenüber jemandem anderen in einer Weise ausleben kannst, dass es denen und nicht dir wehtut.


    P.S.: Wie hat sich der Baum angefühlt?

    Ich hatte das Bedürfnis genau das was danae schreibt zu sagen, nur fehlt mir gerade die Kraft und ich hätte es nicht so gut ausdrücken können. Du bist noch nicht an dem Punkt, denke ich, sonst wäre es nicht abstrakt für dich. Das Gefühl, dass das Leben in diesem Zustand absolut keine Option mehr ist, ist kein bisschen abstrakt, wenn es da ist.


    Das Gewohnte fühlt sich immer sicherer an. Lies dir mal deine beiden Fäden durch, hättest du so geschrieben, wenn du glücklich wärst? Dein Symptom schützt dich wahrscheinlich davor, das Gewohnte zu verlassen und dich ernsthaft auseinanderzusetzen. Die Zeit ist wohl einfach noch nicht da, aber sie wird irgendwann kommen, da bin ich sicher. @:)