Mutter-Dilemma

    Liebes Forum,


    meine Tochter ist 20 Monate alt und ein absolut pflegeleichter Sonnenschein. Seit sie ein Jahr alt ist, geht sie in die Kita und sie geht sehr gerne hin, freut sich jeden Morgen, ihre "Freunde" zu sehen und die Erzieher*innen.


    Ich arbeite 80 Prozent als Lehrerin, mein Mann in einer anderen Branche Vollzeit. Er bringt sie meistens hin, es sei denn, ich habe spät Unterricht. Dafür hole ich sie an den meisten Tagen ab, weil ich nachmittags deutlich früher fertig bin. Habe noch zwischen 30 und 40 Min. Fahrtzeit und dann gehe ich eigentlich immer direkt. So, und darin liegt nun eigentlich auch schon das Problem: Wenn der Unterricht vorbei ist, sind weder Vorbereitung noch Korrekturen und Klassenleitungsangelegenheiten erledigt und ich mache das natürlich nicht, wenn ich meine Tochter abgeholt habe. Dafür habe ich einen freien Tag, der aber leider meistens nicht für alles ausreicht, weil ich dann auch manchmal wenig Energie habe, die Zeit konsequent und effektiv zu nutzen. Also sitze ich doch fast jeden Abend und am Wochenende mehr oder weniger lange am Schreibtisch. Ich hab das Gefühl, wenn ich Vollzeit arbeiten würde, wäre die Situation kaum anders, nur dass wir dann mehr Geld hätten.


    Aber um das Geld geht es gar nicht in erster Linie. Mir geht es um das schlechte Gewissen, das sich bei dem Gedanken, meine Tochter einfach ein oder zwei Stunden länger in der Kita zu lassen und nach dem Unterricht noch das Gröbste zu erledigen, breitmacht. Oder bei der Vorstellung einfach mal in Ruhe noch einen Kaffee zu trinken. Oder was für mich einkaufen zu gehen. Irgendwie funktioniere ich momentan nur noch für die Familie. Auf der anderen Seite denke ich aber, es wäre unfair, dass sie dafür, dass ich mich mehr entspannen will, statt sechs oder sieben Stunden ab und zu mal acht oder neun Stunden am Tag in der Kita ist. Ist es das denn überhaupt, wenn sie sich dort wohl fühlt?


    Anmerkung: Mit Fremdbetreuung unter drei Jahren habe ich an sich überhaupt kein Problem. Ich sehe, wie es ihr gut tut, da ich ihr gar nicht genügend Input geben könnte und ich weiß, wie wichtig das Arbeiten für mich und damit auch für sie ist. Es geht mir wirklich nur um die Dauer der Kitazeit. Ich habe nun einmal den Luxus, nachmittags "frei" zu haben und frage mich sozusagen, wie ich das sinnvoll für uns alle nutzen kann.

  • 8 Antworten

    Bei mir ist es viel entspannter geworden, als ich einen halben Tag länger Betreuung hatte als ich eigentlich gearbeitet habe (im Moment sind es 3 volle Tage bei einem 50% Pensum). Auch ich habe oft ein schlechtes Gewissen, aber es hat sich gezeigt, dass es anders auf die Dauer einfach zu stressig wird.


    Diesen halben Tag extra bin ich auch nicht im Kaffee oder liege auf dem Sofa, sondern ich brauche ihn. Sei es, dass bei der Arbeit mal mehr anfällt, oder ich mal einen Artztermin habe, oder noch etwas einkaufen gehe (was ohne Kinder viel stressfreier ist, schneller geht - und sei mal ehrlich - hat Dein Kind wirklich viel davon, wenn es mit Dir einkaufen ist?).


    Ich kann Dir das nur empfehlen und dabei versuchen, das schlechte Gewissen etwas runter zu fahren. Ich schaffe das auch nicht immer.

    Das kommt ja auch auf's Kind an. Mein Sohn war ab 24 Monate für 8 Stunden in der Betreuung, vorher waren es etwa 6 Stunden. Er fand es immer doof, wenn ich ihn früher geholt habe, weil er am liebsten das letzte Kind sein wollte.


    Ein anderes Kind, das oft erst kurz vor Ende geholt wurde, hat bei jedem anderen Kind das geholt wurde, regelrecht gelitten.


    Ich glaube beide haben sich in der Krippe gleich wohl gefühlt, aber dem anderen Kind hätten auch 5-6 Stunden vollkommen gereicht.


    Wenn sich Deine Kleine wohlfühlt, könnt ihr die Betreuungszeit ja mal testweise steigern. Du hast eben einen Job, bei dem Du auch zu Hause noch Arbeit hast. Ich arbeite auch 80% und da ich die Zeit im Büro verbringe, war mein Sohn entsprechend lange in der Krippe. Anfangs hat mein Mann ihn gebracht und ich ihn geholt. Später haben wir immer zusammen gefrühstückt, er ging seine 8 Stunden in den KiGa und abends hatten wir trotzdem noch 3-4 Stunden Freizeit zusammen.

    Es wäre eine Alternative, die ich erst zum nächsten Schuljahr umsetzen könnte, soweit ich weiß.


    Aber will ich das? 10 Prozent sind gerade einmal zwei Unterrichtsstunden. Das macht den Kohl auch nicht fett und es gibt weiterhin Aufgaben, die einfach erledigt werden müssen. Dazu der Fahrtweg. Ich hätte dann womöglich noch mehr das Gefühl, dass mein Arbeitspensum (Kind, Arbeit) in einem Missverhältnis zum Verdienst stehen.

    Ob du das willst weiß ich nicht. ;-D ;-D Ich wollte es nur als weitere Alternative in den Raum werfen. Wenn man so ein allgemeines Unwohlsein hat ist es ja erstmal sinnvoll in alle Richtungen zu denken. Vom Schulwechsel zur längeren Betreuung bis zur Option, dass der Mann eventuell ein paar Stunden reduziert und so Zeit für Unterrichtsvorbereitung und dich frei schaufelt ist der Rahmen der Möglichkeiten ja immer unterschiedlich und manchmal übersieht man ja einfach was. ;-D

    Ich hätte kein schlechtes Gewissen. Meine 2 jüngeren Kinder waren ab 18 Monaten alt 9 Stunden in die Kita. Aber als ich die abgeholt habe, war alle Arbeiten erledigt und ich könnte mich voll auf sie konzentrieren.


    Ich glaube eine Mutter die geistig voll anwesend ist, ist besser als eine immer mit Arbeit im Hinterkopf.