Mutter kritisiert alles, total anstrengend

    Hallo,

    meine Mutter ist ein sehr anstrengender Mensch und fast jedes Mal bin ich ziemlich kaputt nach einem Treffen mit ihr.

    Sie hat viele sehr starke Überzeugungen, die sie auf keinen Fall aufgibt und worüber man mit ihr nicht normal reden kann. Sie akzeptiert keine andere Meinung und macht keine Kompromisse.

    Sie hat z.B. eine extrem starke Abneigung gegen Medikamente jeglicher Art, Therapeuten, notwendige Behandlungen (z.B. bei Zahnschmerzen, Hautproblemen), Flüssigseife etc. Sie denkt immer, dass alles gleich schädlich, gefährlich oder giftig ist... Ich habe z.B. leichte Depressionen und dann wird sie regelrecht panisch, wenn ich sage, dass ich mit einem Psychologen darüber spreche. Sie kommt dann aus dem

    Auf-mich-Einreden, wie dumm das wäre, einem Fremden irgendwelche Sachen zu erzählen, nicht mehr raus.

    Wenn sie bei mir ist, will sie meine ganz normale Flüssigseife nicht benutzen und sie will auch nicht aus einem Glas trinken, weil das nicht mit einem Sensitiv-Bio-Spülmittel von ihr gespült ist...

    Das ist alles total anstrengend. Sie redet und redet und redet mein Leben lang immer auf mich ein und dass nur ihre Sichtweise die einzig richtige wäre und alles andere, was eigentlich jeder normale Mensch macht, wäre dumm, leichtsinnig, gefährlich usw.

    Das bezieht sich nicht nur auf solche Hygiene- oder Krankheitssachen, sondern auch auf Menschen. Sie wertet Menschen mit bestimmten Eigenschaften (z.B. die nicht studiert haben) gleich total ab. Wenn ich mal einen Freund hatte, der nicht studiert hat, war das die ganze Zeit immer Thema (Sticheln gegen den Beruf oder immer äußern, dass er doch noch studieren soll).

    Bei anderen Menschen (wobei sie eh keine sehr engen Kontakte hat) kann sie sich zusammenreißen und halbwegs normal tun, aber im ganz Privaten und bei mir lässt sie das total raushängen und kritisiert einfach alles als dumm, schädlich usw. Sie ist dann fast in so einem Wahn oder bekommt einen Tunnelblick. Für eine normale Diskussion oder Gegenargumente ist sie überhaupt nicht zugänglich, sondern will immer nur weiter ihre Meinung sagen.

    Ich halte das nicht mehr aus. :( Und ich habe auch immer mehr Angst, ihr von meinem Leben zu erzählen, z.B., wenn ich beim Arzt war, wer meine Freunde sind, wenn ich einen Freund habe. Es ist unheimlich anstrengend, dass dann immer so auf mich eingeredet und alles kritisiert wird.

    Für Therapie ist meine Mutter natürlich auf keinen Fall zugänglich. Auch sonst könnte ich mich niemandem anvertrauen, weil es so wenige Kontakte von ihr gibt bzw. sie sich bei anderen auch mehr zusammenreißt.

    Also wie verhalte ich mich am besten? Kontakt ganz abbrechen schaffe ich nicht.. weil sie mir in ihrer Situation auch leid tut und ich auch weiß, woher das alles kommt (aus ihrer Kindheit). Ich weiß nur nicht, wie der Kontakt aussehen soll. Soll ich ihr immer offen alles erzählen, was ich so mache, welche Menschen ich kenne, auch wenn sie total abwertend reagiert und mich dann nur noch kritisiert? Ich habe schon angefangen, ihr von Sachen in meinem Leben nicht mehr zu erzählen (Freunde, Arztbesuche, Therapie, was ich so mache), aber dann merkt sie auch immer schnell, dass ich nicht offen bin und kritisiert auch wiederum das und ist enttäuscht und fühlt sich ausgeschlossen.

    LG

  • 9 Antworten

    Da sagst selber das sie sich nicht ändern wird, auch nicht dir zuliebe. Deshalb würde ich ihr nur noch das nötigste erzählen und den Kontakt auf das nötigste beschränken. Manche Menschen werden auch dadurch nicht schlau und bleiben in ihrem "Wahn" gefangen. Wenn du merkst das dir deine Mutter nicht gut tut, lass sie links liegen. Sie kannst du nicht ändern, nur dich bzw. den Umgang mit ihr. Sie machst das vermutlich auch nicht aus reiner Böswilligkeit dir gegenüber, sie ist eben einfach so.


    Beispiel Trinkglas: Da ist Flasche mit Flüssigkeit, da ist Glas. Fertig. Will sie das Glas nicht: Ihr Problem, nicht deines.


    Hast du Zahnschmerzen, geh zum Zahnarzt, dafür ist der da. Bist du depressiv, sprich mit einem Psychologen, dafür ist der da. Und wenn du statt des Bio-Sensitive-Reinigers eben dein gewohntes Binford Superätzend nutzt, ist das eben so. Wenn dein Freund nicht studiert hat, ist das eben so. Piloten oder Fluglotsen mit einem 6-stelligen Jahresgehalt haben auch nicht studiert...


    Wenn man mit ihr nicht vernünftig über ihre ansichten sprechen kann, dann lass es.

    Bist Du bei ihren „Tunnelblick-Reden“ schon einmal einfach aufgestanden und gegangen? Und wie würde sie dann reagieren?

    Ich würde den Kontakt jetzt auch nicht total abbrechen wollen, aber zumindest reduzieren. Und vielleicht solltest Du eure Treffen nicht mehr in Deiner Wohnung stattfinden lassen, dann gibt es für sie wenigstens keinen Grund mehr, an Deiner Flüssigseife ect herumzumäkeln....

    Will Deine Mutter denn häufig Kontakt mit Dir? Und wieso meinst Du ihr Verhalten würde aus ihrer Kindheit kommen?

    Leider sind verbohrte, rechthaberische Menschen selten für Argumente zugänglich, da wirst Du sie auch nicht ändern können...

    Es bleibt nur, bei ihren Vorwürfen gelassener zu reagieren und Dir den „Schuh“ eben nicht anzuziehen. Das ist nicht immer einfach, hast Du dieses Thema auch schon mit dem Psychologen besprochen?

    *:)

    Zitat

    Also wie verhalte ich mich am besten? Kontakt ganz abbrechen schaffe ich nicht.. weil sie mir in ihrer Situation auch leid tut und ich auch weiß, woher das alles kommt (aus ihrer Kindheit).

    meine mutter ist manchmal genauso. ich hab mich zeitlebens auch gefragt, wie ich "richtig" mit ihr umgehen kann und habe dann irgendwann auch extrem darunter gelitten.


    was mir dann irgendwann geholfen hat, war dass ich prioritäten in meinem leben gesetzt habe.

    ist mir meine mutter wichtig, weil sie ein hartes leben hatte und eine schwere kindheit? für beides kann ich ja nix, richtig? warum soll ich dann also ihre negative art ertragen, wenn es doch mir selbst schadet?

    viel eher muss ich selbst mir wichtig sein. das heisst dann eben auch, zu erkennen wenn leute um einen herum sich in eine opferrolle begeben, um aufmerksamkeit, liebe, nähe und energie zu bekommen - und einen so letztendlich emotional erpressen.


    daher versuche ich, mit meiner mutter auf einer anderen ebene zu interagieren: wenn ich lust habe, ihr was zu erzählen, tu ich es. wenn nicht, dann eben nicht.

    wenn sie sich dann ausgeschlossen fühlt oder rummäkelt, ist das IHR problem und nicht meins. sie soll mal schön damit aufhören, ihr leben durch ihr kind zu führen. an dem punkt bin ich dann hart. und wenn sie mal wieder über die stränge schlägt, melde ich mich auch mal mehrere wochen nicht, bis ich eben das gefühl habe, es ist für mich wieder okay.

    Ja, also bei irgendwelchen talentierten oder supergut bezahlten Menschen würde sie das mit dem Studium nicht so essentiell sehen. Aber sonst ist das halt immer Thema und sie erwähnt auch 100x wie toll das doch wäre, dass irgendein Verwandter/Bekannter Arzt, Ingenieur usw. ist und gleichzeitig ja sooo gebildet und menschlich. Während irgendjemand anders aus der Nachbarschaft z.B. Pfleger oder Verkäufer und total übergewichtig ist und nichts aus sich machen würde..

    Das wird oft so indirekt kommuniziert. Nicht direkt „Der Freund von dir ist scheiße/dumm“, sondern eher von anderen Studierten geschwärmt oder bei Leuten mit unstudierten Berufen auf die negativen Seiten konzentriert.

    Dieses Indirekte macht mich fast noch wütender. :(

    Ich bin schon mal gegangen oder am Telefon öfter aufgelegt.. dann fühlt sie sich in dem Moment bestätigt, dass ich ein schlechtes Kind bin, alle was gegen sie haben.. Nach kurzer Zeit ist sie dann aber wieder normal, als wäre nichts gewesen.

    Aber es ist halt null Akzeptanz oder Respekt für andere Sichtweisen da oder es wird halt scheinheilig zurückgerudert (natürlich sind Müllmänner/Pfleger/Taxifahrer auch wichtig für unsere Gesellschaft, aber man selbst möchte ja nicht gerade mit so jemandem zusammen sein..).

    Es werden auch immer irgendwelche nicht belegbaren Quellen angegeben für diese Krankheits-/Hygiene-Themen. Z.B. sie hätte irgendwo im Internet oder in einer Zeitung mal gelesen, man sollte AUF KEINEN FALL xyz machen/benutzen. Wenn ich dann aber genauer frage, wo das denn so steht, kann sie mir nichts sagen.

    Ja, ich hab’s schon mal bei einem Psychologen angesprochen, der hat das aber nicht so ernstgenommen, vielleicht habe ich das Ausmaß auch nicht so klar erzählt.


    Aus ihrer Kindheit, weil ihre Eltern ihr immer übertrieben Angst gemacht haben, was alles Schlimmes passieren könnte und ihr viele normale Sachen verboten haben. Auch mit ihrem Mann waren sie nicht zufrieden. Deshalb denke ich, dass es schon klar daher kommt, aber es wurde halt nie behandelt.

    Alias 940547 schrieb:

    Ich bin schon mal gegangen oder am Telefon öfter aufgelegt.. dann fühlt sie sich in dem Moment bestätigt, dass ich ein schlechtes Kind bin, alle was gegen sie haben.. Nach kurzer Zeit ist sie dann aber wieder normal, als wäre nichts gewesen.

    Bist du denn ein Kind? Lebst du bei deiner Mutter? Wie alt bist du denn?

    >>Bei anderen Menschen (wobei sie eh keine sehr engen Kontakte hat) kann sie sich zusammenreißen und halbwegs normal tun...<<


    Das bedeutet aber, dass sie ein Bewusstsein für ihr Verhalten und die Reaktion anderer Menschen darauf hat. Sie kann sich selbst steuern und manipulativ handeln.


    Du schreibst, dass sie keine engen Kontakte hat. Hat sie einen Partner? Kontakte zu ihrer Herkunftsfamilie? Hast Du Geschwister? Was bist Du für sie?


    Mich erstaunt ein wenig, dass Dein Psychologe auf die schwierige Beziehung zu Deiner Mutter nicht mehr eingegangen ist. Sie schränkt Dich mit ihrem Verhalten in fast allen Lebensbereichen ein und verunmöglicht ein freies, selbständiges Leben.

    Alias 940547 schrieb:

    Anfang 20, ich wohne nicht mehr bei ihr, aber im gleichen Ort

    Es klingt aber, dass ihr sehr viel Kontakt habt, oder?


    Du bist also kein Kind. Du hast deine eigene Wohnung und möchtest dir ein Leben aufbauen. Du machst eine Therapie. Was ist das Ziel der Therapie?