"Negative" Menschen

    Bei uns in der Firma ist eine Frau, die derartig Negatives ausstrahlt, dass ich das hier gerne mal thematisieren möchte. Sie ist etwa Mitte vierzig, hat einen Sohn, ist berufstätig. Ob sie einen Mann hat, weiß ich nicht. Ich arbeite nicht mit ihr zusammen, aber bei Betriebsfeiern oder beim Essen sitzt man dann ja doch mal an einem Tisch. Dann hört man eigentlich nur Negatives von ihr. Nicht, dass sie jammert, im Gegenteil, sie ist vielmehr kämpferisch, aber eben in negativer Hinsicht. Jedesmal, wenn ich ihr zuhöre, geht es um irgendwas, wo sie gegen vorgeht, weil das ja nun nicht so geht, sie will dann Stunk machen oder den besagten Leuten auf die Füße treten, und es ist ihr immer ziemlich egal, lt. ihren Aussagen, ob dann dieses oder jenes passiert, sie spielt sich dann ziemlich auf. Sie sitzt - sicherlich kein Zufall - im Elternbeirat, sie hat diverse Ehrenämter, u.a. arbeitet sie mit Jugendlichen im Handballsport.... noch nie habe ich von ihr was Nettes gehört, sie scheint auch selbst zu wissen, dass sie ungeduldig ist. Eine Kollegin hatte mal was für eine andere gebastelt, etwas, das Fingerspitzengefühl erfordert, jeder fand das, was die Kollegin da fabriziert hat, total niedlich, aber diese Frau fand nichts anderes zu sagen als dass ihr da viel zu viel Fummelei wäre und sie da ausflippen würde. Kurz: Ich hab in ihrer Gegenwart noch nie ein nettes Wort gehört, ich hab sie auch noch nie fröhlich lachen sehen. Sie scheint nicht wirklich depressiv zu sein, aber ihr Universum scheint sich nur um Dinge zu drehen, wo sie gegen vorgehen kann.


    Kennt jemand solch einen Menschenschlag? Wie geht man mit diesen Leuten am besten um? Ich war schon mal kurz davor zu sagen, Mensch, gibt es auch mal was nettes zu berichten? Aber das bringt sicher nichts außer Unverständnis, weil ja jeder Mensch einen Grund haben dürfte, warum er so ist wie er ist. Was meint ihr?

  • 15 Antworten

    Ja, ich kenne so eine Person, der kann man nichts recht machen, ich mache alles nur falsch, was alles nur falsch zu machen geht. Sie ist einfach nur böse, herrisch, barsch, befehlerisch, bestimmend usw. Ich kann mich leider nicht aus der Affäre ziehen, ich würde sie meiden, geht aber leider nicht :-X

    Ich kenne ebenfalls eine solche Person. Sie hat mich eingearbeitet in meinen neuen Job und ist nun in Rente gegangen. Gott sei Dank, denn ich hätte es keine Woche länger mit ihr ausgehalten.


    Mein Trick im Umgang mit ihr war, dass ich sie immer wenn sie wieder einmal ins Böse abdriftete, die ganze Welt um sie herum schlecht war (ich habe tolle Kollegen!) und sie die einzige ist, die alles richtig macht: ablenken. Entweder mit einem schönen Thema oder mit beruflichen Fragen, wo sie dann ihr "Können" unter Beweis stellen konnte.


    Eigentlich kann man solchen Menschen nur aus dem Weg gehen. Das haben meine Kollegen auch gemacht bzw. mich unterstützt und wegen irgendwelcher Vorwände aus dem gemeinsamen Büro geholt. Mit Verständnis kommt man da nicht weiter. Wenn ein Mensch einsam ist, weil ihn alle meiden (beruflich wie privat) und nicht selbst ein Reflektionsprozess einsetzt, dann ist das traurig. Sie haben sich diesen Lebensweg dann selbst ausgesucht.


    Mein Vater hat Tendenzen in diese Richtigung alles negativ sehen und er allein weiss wo es lang geht. Er kriegt aber immer die Kurve, wenn er merkt, dass sich die Menschen zurückziehen.


    Sei froh, dass du nicht mit dieser Frau zusammen arbeiten musst.


    Dann muss man nämlich handeln und ggf. die Konsequenz ziehen, den Arbeitsplatz zu wechseln.

    Da muss auch ich mich anschließen, ich hatte ebenfalls eine solche Kollegin. Sie erschien falsch, hinterhältig, rechthaberisch, befehlend, hetzerisch, unkollegial, aufrührerisch und in mancher Hinsicht regelrecht böse - aber auch unglücklich.


    Später hieß es, sie litt vermutlich unter einer grenzfälligen Paranoia - in einer Form, die sie im Alltag noch so durchkommen ließ (möglicherweise (vergleichbar jemandem, der nur ab und zu Stimmen hört und im übigen ganz normal wirkt).


    Diese Erkenntnis machte es allerdings für das fassungslose Umfeld keineswegs leichter, mit ihr umgehen zu müssen, oder besser: sie ertragen zu können, ohne selbst an ihr zu verzweifeln. Zum Glück wurde sie schließlich gekündigt, eben weil sie den Bogen arg überspannt hatte - und somit weiß ich nicht, was aus ihre geworden ist.

    Wie gesagt, ich arbeite nicht mit ihr zusammen, so dass es mir eigentlich egal sein kann, sie hat mir nichts zu sagen oder so. Nur ist es ein Wahnsinn, dass es offenbar nur negative Themen gibt bei ihr. Ich weiß gar nicht, wie das ein Partner (falls vorhanden, ich wollte bislang nicht nachfragen) aushält, oder ihre Tochter. Jedenfalls scheint sie, wann immer ich sie sichte, ständig im Kampfmodus zu sein, und das mit einer äußerst negativen Grundstimmung. Sie wirkt auch etwas gehetzt oder wie jemand, der permanent unter Druck ist, sich so bei einer Tasse Kaffee mal entspannt zurücklehen, das hab ich bei ihr noch nie gesehen.

    Hatte auch "fast" so eine Kollegin (Mund aufmachen wie deine, aber nichts ändern wollen, denn dann müsste man zu seinem Wort stehen), die kann man sich halt leider nicht aussuchen. Sei froh, dass du die nicht ständig um dich hast.


    Ich verstehe solche Leute auch nicht, aber bei ihr konnte man einfach merken, dass in ihrem Lebens alles scheiße war. Das war wohl ihr Ventil. Ich habe bis zur Kündigung (also meiner, hab den Betrieb gewechselt) keine gute Strategie gefunden damit umzugehen. Den Raum verlassen war zwar eine, aber das ging auf der Arbeit ja nicht immer und außerdem hat man ja schon wieder die Anfänge des Gequakes mitbekommen und das hat mich irgendwann schon genervt.


    Willst du sie denn überhaupt ansprechen? Falls ja, dann würde mir wohl nebenbei lächelnd ein "Meine Güte, hast du auch mal irgendwas positives zu berichten?" rausrutschen. Eventuell denkt sie in einer stillen Minute mal darüber nach, wie sie auf andere wirkt. Vor allem wenn das jemand sagt, den sie nicht oft sieht. Aber ändern wird sie sich bestimmt nicht, von daher wäre das wohl dein Atem, den du verschwendest... Sie scheint ja sehr überzeugt von ihrer Weltanschauung zu sein.

    Ein anderer Aspekt: Angeblich kann ja alles, was uns im Umfeld irgendwie aufstößt, eine "Entsprechung" in uns selber haben.


    Wenn wir also diesem Annahmemodell folgen, wäre es hier also das, was in uns selbst negativ ist. Hier wird uns (also nur vielleicht, aber kann ja sein?) ein Spiegel vorgehalten. Ich schließe das bei mir auch gar nicht aus, ich habe schon sehr mit eigenen negativen Strömungen zu kämpfen gehabt, schon weit vor dieser Frau. An ihr ist es mir in sehr übersteigerter Form bewusst, "sichtbar" geworden, und ich habe versucht, daraus zu lernen.


    Natürlich unterstelle ich damit jetzt nicht anderen, dass das bei ihnen auch so ist, aber ich finde die Theorie interessant. Seitdem fällt es jedenfalls mir viel mehr auf, wenn ich selber in ein negatives Terrain abgleite, und wenn ich will, auch meine Handlungen und daraus folgend oft auch meine Sicht (auch schon mal umgekehrt) verändern kann.

    Zitat

    Wie gesagt, ich arbeite nicht mit ihr zusammen, so dass es mir eigentlich egal sein kann, sie hat mir nichts zu sagen oder so. Nur ist es ein Wahnsinn, dass es offenbar nur negative Themen gibt bei ihr. Ich weiß gar nicht, wie das ein Partner (falls vorhanden, ich wollte bislang nicht nachfragen) aushält, oder ihre Tochter. Jedenfalls scheint sie, wann immer ich sie sichte, ständig im Kampfmodus zu sein, und das mit einer äußerst negativen Grundstimmung. Sie wirkt auch etwas gehetzt oder wie jemand, der permanent unter Druck ist, sich so bei einer Tasse Kaffee mal entspannt zurücklehen, das hab ich bei ihr noch nie gesehen.

    Also, ich meine, wenn Du nicht mit ihr zusammenarbeitest, könntest Du ihr auch aus dem Weg zu gehen - und warum machst Du das nicht?


    Bei mir entsteht dadurch der Eindruck, Du hast das Bedürfnis, Dich an ihr zu reiben, Dich mit ihr zu streiten.


    Was meinst Du? Ist das zu zynisch?

    Wir haben und hatten keinen Streit. Wir unterhalten uns ab und zu und ich merke, dass es nur negative Themen sind, aber auch wenn sie mit anderen im Gespräch ist, bekomme ich mit, dass es da auch nicht besser ist. Und das verstehe ich nicht.

    Also ich gerade eher an die "gierig selbstmitleidige" Variante :-). Menschen, die sich prinzipiell als Opfer sehen. Die finden, Undank sei der Welten Lohn. Niemand schätzt sie angeblich. Und gleichzeitig häufen sie materielle Güter an, und streben mehr und mehr Macht an.


    Ja, das ist die hohe Schule, mit solchen Menschen (die andere Menschen als feindselig wahrnehmen, die denken, hintergangen zu werden, die ständig auf der Hut sind etc) umzugehen, ohne sich zu verstricken oder runterzuziehen zu lassen.


    Ein Rezept gibt es nicht. Vielleicht: Sich nicht den Schneid abkaufen lassen, nicht mitspielen, Distanz wahren. Keinesfalls sich um Komplizen machen lassen, und sich in mit ihnen "ins gleiche Bett legen".

    @ Audrey Tattoo,

    deinen letzten Beitrag finde ich sehr gut. Es ist der einzige bisher der eine Lösungsmöglichkeit beschreibt. Das gefällt mir wesentlich besser als hier in den Kanon einzustimmen und einen weiteren Fall aus meinem Umfeld zu schildern.


    Klar es ist unangenehm mit solchen Menschen umgehen zu müssen. Aber man kann sich schon mal fragen, warum triggert dieser Mensch mich so dermaßen an? Habe ich auch solche Anteile in mir? Diese müssen ja nicht so extrem sein, aber sie könnten vorhanden sein. Und wenn ich solche Anteile entdecke, wie gehe ich mit ihnen um? Ich glaube es hilft schon mal diese Anteile in sich selber zu entdecken und sie bewußt wahrzunehmen.

    Louisiana

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    Kennt jemand solch einen Menschenschlag?

    Ja, sicher. Deine Zeilen klingen so, als würdest Du nur diese eine Person kennen, die so ist. Ich kenne einige, die viel Negatives sehen. Nur, wenn man sie darauf anspricht, was sie mögen, dann wird ihre Sicht heller, ansonsten sehen sie für sich alles düster.

    Zitat

    Wie geht man mit diesen Leuten am besten um?

    Unterschiedlich. Ich gehe mit Menschen sehr ähnlich um, egal ob ihre Weltsicht positiv oder negativ ist. Ihre Einstellung hat ja nichts mit mir und wie ich auf andere zugehe zu tun.

    Zitat

    Ich war schon mal kurz davor zu sagen, Mensch, gibt es auch mal was nettes zu berichten?

    Warum? Hast Du den Anspruch und/oder die Erwartung wie andere für sich die Welt sehen sollen? Sagst Du jenen, die positiv sind, dass sie auch mal was negatives sagen sollen? Du berichtest hier ja z. B. auch nichts Positives. Trotzdem ist es Deine Sicht und nicht meine. Warum sollte es mich stören. Es ist Deine Bewertung und nicht meine. Ich sehe darin jetzt nichts Negatives, dass es Menschen gibt, die die Welt negativ sehen oder Du die Kollegin negativ siehst.

    Zitat

    Aber das bringt sicher nichts außer Unverständnis, weil ja jeder Mensch einen Grund haben dürfte, warum er so ist wie er ist. Was meint ihr?

    Hängt davon ab, was Du unter "es bringt nichts" verstehst. Was soll es denn bringen, jemanden verändern zu wollen - mal abgesehen davon, dass man andere nicht verändern kann?

    Zitat

    Nur ist es ein Wahnsinn, dass es offenbar nur negative Themen gibt bei ihr. Ich weiß gar nicht, wie das ein Partner (falls vorhanden, ich wollte bislang nicht nachfragen) aushält, oder ihre Tochter.

    Es muss ja nicht sein, dass sie zu ihnen genauso ist. Aber klar, es gibt Menschen, die generell so sind, auch zu ihrer Familie.

    Zitat

    Jedenfalls scheint sie, wann immer ich sie sichte, ständig im Kampfmodus zu sein, und das mit einer äußerst negativen Grundstimmung. Sie wirkt auch etwas gehetzt oder wie jemand, der permanent unter Druck ist, sich so bei einer Tasse Kaffee mal entspannt zurücklehen, das hab ich bei ihr noch nie gesehen.

    Die meisten, die ich kenne, sind gehetzt und mehr oder minder unter Spannung. Viele von ihnen sind auch ständig im Kampfmodus. Die wenigsten, die ich kenne, gehen mit ausgebreitetn Händen und einem "Ohm" auf dem Mund durch die Gegend. Vielen fällt es nur nicht auf, dass sie angespannt sind, denn wenn sie selbst etwas negativ sehen und jemand stimmt zu, dann gehen viele in solchen Gespräch geradezu auf und lästern halt ab. Es macht ihnen Spaß, zumindest habe ich das so beobachtet, wenn sie gemeinsam über etwas oder jemanden lästern können. Negativ wird das Gegenüber nur dann, wenn es etwas betrifft, was sie selbst nicht negativ sehen.

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    Wir haben und hatten keinen Streit. Wir unterhalten uns ab und zu und ich merke, dass es nur negative Themen sind, aber auch wenn sie mit anderen im Gespräch ist, bekomme ich mit, dass es da auch nicht besser ist. Und das verstehe ich nicht.

    Wenn ich jemanden nicht verstehe und verstehen will, dann frage ich nach. Hast Du sie mal nach ihrer Begründung gefragt? Oder ist es nur so dahergeschrieben, dass Du sie nicht verstehst und es auch nicht wirklich willst?

    Nein, ich will sie nicht darauf ansprechen, dafür kennen wir uns nicht gut genug, ich bin auch nicht ihre Therapeutin. Ich habe nur bis jetzt eigentlich noch niemanden mit einer derartig negativen Ausstrahlung kennengelernt. Sonst hätte ich hier nicht geschrieben und gefragt. Ich selbst bin ein Mensch, der das Leben sowohl in Moll als auch in Dur spielt, es ist für mich nur ungewohnt auf Menschen zu treffen, die so durchweg aggressiv-negativ gestimmt sind.

    Also, ich sehe diese Frau nicht so negativ wie Du. ;-)


    Es gibt viele Dinge, die sie ärgern. Dieser Ärger ist ihr Motor, um etwas zu bewegen. Sie hat deshalb Ehrenämter und engagiert sich im Elternbeirat.


    Also, eine energetische Frau, die nicht immer alles einfach klaglos hinnimmt. Ich finde das gut.