Nicht Lebensfähig

    Hallo,


    ich bin 23, lebe bei meinen Eltern, habe mein Abi damals abgebrochen und habe keine Ausbildung und auch keinen Führerschein. Das Haus habe ich seitdem auch nicht mehr verlassen. Ich bin enorm unselbstständig und weiß im Grunde nicht wie das Leben eigentlich funktioniert und wie ich es schaffen soll, ein normales Leben zu führen. Ich bin sehr ängstlich und unsicher, kann nicht auf Menschen zugehen und vieles traue ich mir nicht zu z.B. zur Bank zu gehen, oder den Führerschein zu machen, ich traue mich auch nicht, mit öffentlichen verkehrsmitteln zu fahren, weil ich da auch nicht weiß wie das genau funktioniert. Vorstellungsgespräche oder eine Ausbildung traue ich mir überhaupt nicht zu, da kriege ich die Krise wenn ich nur dran denke. Habe immer angst dass mich die Leute dumm ansehen wie es früher schon oft der Fall war oder dass man negativ über mich urteilt. NIchtmal telefonieren kann ich und ich verlasse das Haus einfach nicht mehr. Habe sogar Probleme, aus dem Fenster zu schauen, wenn da Leute sind. Ich fühle mich total hilflos dem Leben gegenüber und mir erklärt auch keiner etwas. Mein ganzes Leben habe ich total isoliert verbracht und ich habe mich mit dem Leben nie wirklich auseinandergesetzt. Ich hatte nie Freunde oder eine Freundin. Anderen Menschen fühle ich mich unterlegen und ich habe zunehmend Angst, dass ich nie eine Freundin haben werde. Ich kriege das Leben nicht auf die Reihe, ich wüsste spontan nichtmal, was genau ich eigentlich machen soll.

  • 66 Antworten

    Was sagen denn Deine Eltern dazu, dass sie Dir offenbar nichtmal beigebracht haben eine Fahrkarte im Bus zu lösen?

    Kein Mensch kommt ja wissend zur Welt. Und auch für bereits erwachsene Menschen gilt: Wenn man etwas nicht weiß, dann fragt man jemanden, der es weiß und lernt von ihm.


    Bei Dir klingt das ganze aber durchaus sehr festgefahren und mit sozialen Ängsten belegt. Hier rate ich zu professioneller Hilfe. Denn jetzt bist Du noch jung und hast ausreichend Zeit die Kurve zu kriegen. Du hast nur dies eine Leben, pack es an und hol Dir Hilfe.


    Der erste Schritt ist ja schon getan, indem Du Dich hier geöffnet hast und daher weiß, dass es so nicht auf Dauer gut ist, wie Du jetzt lebst. Vielleicht müssen Dich da auch Deine Eltern mehr fallen lassen, sprich: nicht immer soviel "pampern", so dass Du Dinge alleine angehen musst.

    Ich kenne solche Ängste. Mir hat geholfen zu akzeptieren, dass man auf jeden Fall immer von der Umgebung bewertet wird, egal, was man tut. Man wird schief angeschaut oder nicht, aber bewertet wird man immer, offen und versteckt.

    Dagegen kann man nichts tun, ABER man kann versuchen, die Umgebung passend zu beeinflussen, so, dass sie einen so einschätzen, wie man möchte, dass sie das machen. Sprich: übe den Alltagskram und zwar so, dass Du es beherrschst, dann sieht Dich auch keiner schief an. Schritt für Schritt. Als erstes mal das Haus verlassen, spazieren gehen. Passende Kleidung anziehen, unauffällig werden. Anfangen, zu telefonieren. Deine Eltern bitten, dass sie Dich Telefonate mit Versandhäusern, Behörden etc.. übernehmen lassen, mit ihnen im Hintergrunde. Familie anrufen etc..

    Was ist überhaupt mit Deinen Eltern, was führen die denn für ein Leben, auch Einsiedler?

    Zitat

    Anderen Menschen fühle ich mich unterlegen und ich habe zunehmend Angst, dass ich nie eine Freundin haben werde

    Das ist auch tatsächlich so. Es hilft nichts,

    wenn man das hier beschönigt, sonst lässt Du Dir gedanklich immer Fluchtmöglichkeiten. Dir fehlen grundlegende Kenntnisse und Fähigkeiten für menschliches Miteinander.

    Dass sich darauf auswirken wird, ob und wie Du eine Partnerin findest, macht doch Sinn. Wie gesagt kannst Du das nur ändern, wenn Du aufholst und das geht nur in kleinen Schritten.

    Wie kommt es, dass Deine Eltern dem so tatenlos zuschauen? Schulabbruch klingt so, als ob das Problem seit Jahren besteht. Was konkret hat bewirkt, dass Du in der Position bist? Wie haben die Ängste/Unsicherheiten sich entwickelt?
    Es ist nie zu spät, Dinge zu lernen.

    Dir würde ich aber ehrlich gesagt eine stationäre therapeutische Behandlung empfehlen in einer Fachklinik.. Und danach ggf. betreutes Wohnen mit entsprechendem Hilfsangebot, um all die wichtigen Dinge zu lernen und dabei weiterhin professionelle Unterstützung zu haben.

    Wichtig wäre nämlich herauszufinden, ob es "nur" Unselbständigkeit ist oder viel mehr (psychische Diagnose) hintersteckt. Und das dann anzugehen.


    Deine Probleme kann man bewältigen, auch wenn Du vielleicht nicht der selbstbewussteste Partytyp aller Zeiten sein wirst. Du solltest es aber in Angriff nehmen. Sprich mit Deinen Eltern oder Deinem Hausarzt!

    Ich bin in sehr distanzierten familiären Verhältnissen aufgewachsen. Zuwendung und Liebe habe ich nicht kennengelernt. Mein Vater gab mir schon immer das Gefühl, dass ich nicht in Ordnung bin und nicht gut genug bin und machte mir für alles Vorwürfe. Mir mal geholfen hat man auch nie wirklich. Selbst mit meinen eigenen Eltern habe ich kaum ein Wort gewechselt. Ich spreche so gut, wie gar nicht, mit niemandem. Ich habe Hemmungen, mit meinen Eltern zu sprechen oder mich ihnen mitzuteilen.


    Sonst waren die meisten Erfahrungen, die ich mit Menschen gemacht habe, negativer Natur. Ganz früher bin ich inder Schule gemobbt wurden. Ich hatte schon immer Schwierigkeiten, mit anderen in Kontakt zu kommen und war schon immmer sehr verschlossen. Respekt, Anerkennung und Wertschätzung habe ich nie kennengelernt. Ich kam mir immer so vor, als wenn ich ungewollt wäre. Und meinen Platz im Leben habe ich nicht gefunden. Ich habe Angst vor Menschen und fühle mich zu schwach und zu minderwertig, um mich in dieser grausamen und brutalen Welt behaupten zu können.


    Alles, was ich will, ist Liebe. Aber die werde ich nicht bekommen, weil nur hochwertige und konkurrenzfähige Menschen, die sich gegen schwächeres Leben durchsetzten können, es wert sind, geliebt zu werden. Ich fühle mich unfassbar minderwertig. Ich will nur wissen, wie es ist, geliebt zu werden!!!

    aber verstehst du, wie wichtig es in deiner situation ist, dir hilfe zu holen?


    ich wurde als kind auch gemobbt und hat mich entsprechend geprägt, aber das ist jetzt vergangenheit, jetzt heißt es nach vorne blicken.


    es kommt bestimmt die zeit in der du einen partner kennenlernst und erfährst was liebe heisst, aber erstmal musst du an dein selbstvertrauen arbeiten, unter die leute kommen, ein hobby suchen etc.

    Zitat

    Alles, was ich will, ist Liebe. Aber die werde ich nicht bekommen, weil nur hochwertige und konkurrenzfähige Menschen, die sich gegen schwächeres Leben durchsetzten können, es wert sind, geliebt zu werden. Ich fühle mich unfassbar minderwertig. Ich will nur wissen, wie es ist, geliebt zu werden!!!

    Aha. Dann analysiere erst mal das Wort liebenswert.


    Wenn du meist, du bist es wert, geliebt zu werden, dann fange mit dir selbst an. Liebe dich.


    Was völliger geistiger Dünnpfiff ist: nur hochwertige und konkurrenzfähige Menschen sind es wert, geliebt zu werden.


    Damit hast du dich selbst geimpft und natürlich hast du nie hinterfragt, ob das die endgültige Wahrheit ist.


    Geh in eine therapeutische Einrichtung, wo du mal lernst, den Fokus woanders drauf zu lenken. Und klar, du wirst einiges lernen müssen, ohne geht nun gar nicht.


    Da macht man Fehler, aus denen wird man sogar klug. Leute wie du werden zum Beispiel in so einer Klinik mit der Aufgabe betraut, im Speisesaal ihr Tablett fallen zu lassen, sie müßen ein potthäßliches T-Shirt tragen mit blödem Spruch drauf, dürfen sich nicht kämmen usw.


    Lerneffekt: es passiert gar nüschte, wenn man was falsch macht, man lache am besten herzlich mit, gebe Shit Happens von sich und mache sich klar, ma überlebt diese Situationen.


    Was genau machst du denn den ganzen Tag im Kämmerlein? Finden die Eltern das gut? Auch dass sie dich als erwachsene Person weiter ernähren müssen, dich kleiden müssen?


    Wäre es nicht ein toller Vorteil, nach einer Therapie ein selbständiges Leben führen zu können? Sich das bereits vorzustellen?


    Du stellst Dir eben vor, nicht lebensfähig zu sein. Das ist aber deine Denkentscheidung. Die ist falsch. Und klar, du müßtest dich ändern. Aber solange du da den Hintern nicht hoch kriegst, wird das nichts. Sich ändern bedeutet, sich in eine andere Richtung, ins Leben hinein zu bewegen.


    Aber ob du das wirklich willst? Oder ob das so nicht einfach das Einfachste ist. Jammern, falsch denken, den Eltern zur Last fallen.

    Du brauchst wirklich Hilfe und das meine ich nicht negativ. Du kommst da nur mit Hilfe raus.


    Du wirst es nicht ändern können, dass es auch Mistbienen unter den Menschen gitb, die nerven uns alle gelegentlich. Aber: Du kannst erkennen, dass es Dir so wie es jetzt ist nicht gut tut und das ändern.

    Irgendwann ist die zeit da erwachsen zu werden und seine eigenen Entscheidungen zu treffen, da kann man sich auch dafür entscheiden nicht immer nur aufgrund der Vergangenheit zu reagieren, sondern auch mal selbst die eigene Reaktion auf andere Menschen zu ändern.

    Du hast es in der Hand wie Du jetzt lebst, was war ist vorbei. Wenn die Vergangenheit schlimm war, dann ist das so, lass nicht zu, dass die Vergangenheit auch noch Deine Gegenwart und Deine Zukunft einnimmt.

    Du kannst nur an Dir arbeiten, andere Menschen kannst Du nicht ändern.


    Und nein, es sind nicht alle Menschen sch......


    Pack es an ... jetzt!

    Hilfesuchende schrieb:

    Alles, was ich will, ist Liebe. Aber die werde ich nicht bekommen, weil nur hochwertige und konkurrenzfähige Menschen, die sich gegen schwächeres Leben durchsetzten können, es wert sind, geliebt zu werden. Ich fühle mich unfassbar minderwertig. Ich will nur wissen, wie es ist, geliebt zu werden!!!

    Wenn Deine Eltern nicht in der Lage sind, Dir Liebe zu zeigen, ist das traurig und überhaupt. Es bedeutet aber nicht, dass sie richtig liegen und Dich auch niemand anders lieben wird.


    Du steckst quasi in einer selbserfüllenden Prophezeiung: Meine Eltern lieben mich nicht, also bin ich nicht liebenswert. Also versuche ich gar nicht erst, Dinge in meinem Leben anzugehen, weil ich es eh nie schaffen werden. Mit dem Rückzug/Nichtstun lieferst Du Deinen Eltern und Dir selber wieder die Argumente, weswegen Du keine Anerkennung und Zuwendung verdienst. Und rutscht immer tiefer in dieser Spirale.


    Schließe mich im Wesentlichen Benita an... Auch mit der Frage, wie Deine Eltern auf die jetzige (tatsächlich durchaus kritisch zu sehende Situation) reagieren.


    Und ergänze um eine Frage:

    Willst Du Deinen Eltern, mit ihren Defiziten (u.a. Dir Liebe zu zeigen), für den Rest Deines Lebens diese wahnsinnige Macht über Dich geben? Oder Dich freimachen und Dir DEIN Leben aufbauen?


    Es liegt an Dir, weiter an diese negativen Gedanken zu glauben. Oder zu entscheiden, dass es auch noch was anderes geben muss, selbst wenn Du es aktuell nicht siehst. Aber daran zu arbeiten, wenigstens diese Perspektive zu erarbeiten.

    Was nur mit professioneller Hilfe gehen dürfte. Aber trotz aller Herausforderungen und Kraft, die es kosten wird, dürfte es sich lohnen. Gehen musst Du den Weg; Hilfe ist möglich und hast Du auch verdient.

    BenitaB und Sunflower_73 haben völlig Recht mit dem was sie schreiben.

    Ich bin mir sicher mit Hilfe eine erfahrenen Therapeuten wird es dir gelingen all das zu tun was andere Menschen auch tun.

    Was ich hier allerdings nicht verstehe, wieso erkennen deine Eltern den Ernst der Lage nicht und ermutigen dich dir Hilfe zu suchen?Oder ist es so, dass deine Eltern nur sagen mach was und wenn von deiner Seite aus nichts passiert dann vermitteln sie dir dass du selbst dazu nicht in der Lage bist?

    Du kannst alles erreiche wenn du dir Hilfe suchst.

    Ich bin allen Beteiligten dieses Fadens für die konstruktiven Ratschläge, die mir gegeben wurden, sehr verbunden. Mir ist bewusst, dass eine verbesserung meiner derzeitigen Lebenssituation nur mit externer Hilfe bewerkstelligt werden kann und werde mit meinen Eltern bezüglich der vorliegenden Thematik in Dialog treten. Angstbesetzt sind Situationen, die zwischenmenschliche Interaktion erfordern, daher kostet es mich reichlich Überwindung, eine psychologische Dienstleistung in Anspruch zu nehmen. Ich bin nicht unfähig, einen Haushalt zu führen und übernehme mitunter derartige anstehende Aufgaben - dies ist nicht Gegenstand meines Hilfegesuches. Ausschließlich das Verlassen der Wohnung bereitet mir Schwierigkeiten.

    Maerad schrieb:

    Was sagen denn Deine Eltern dazu, dass sie Dir offenbar nichtmal beigebracht haben eine Fahrkarte im Bus zu lösen?

    Vielleicht müssen Dich da auch Deine Eltern mehr fallen lassen, sprich: nicht immer soviel "pampern", so dass Du Dinge alleine angehen musst.

    Ich wäre glücklich gewesen, hätten mir meine Eltern mehr Zuwendung entgegengebracht oder hätten mir gewisse Dinge erklärt. Stattdessen haben sich beide weitestgehend aus der Erziehung rausgehalten und haben mich mir selbst überlassen. Meine Mutter nimmt die Siutation relativ widerwillig hin, mein Vater ist mir gegenüber ablehnender eingestellt. Jugendliche verfügen in der Regel über hinreichende Sozialkontakte und das Leben betreffende Dinge werden gemeinsam ausgeübt und erlernt. Solche Prozesse fanden in meiner Entwicklung nicht statt.

    criecharlie schrieb:

    Ich kenne solche Ängste. Mir hat geholfen zu akzeptieren, dass man auf jeden Fall immer von der Umgebung bewertet wird, egal, was man tut. Man wird schief angeschaut oder nicht, aber bewertet wird man immer, offen und versteckt.


    übe den Alltagskram und zwar so, dass Du es beherrschst, dann sieht Dich auch keiner schief an. Schritt für Schritt. Als erstes mal das Haus verlassen, spazieren gehen. Passende Kleidung anziehen, unauffällig werden. Anfangen, zu telefonieren. Deine Eltern bitten, dass sie Dich Telefonate mit Versandhäusern, Behörden etc.. übernehmen lassen, mit ihnen im Hintergrunde. Familie anrufen etc..

    Was ist überhaupt mit Deinen Eltern, was führen die denn für ein Leben, auch Einsiedler?

    Schwierig. Ich habe große Angst davor, negativ aufzufallen und die Aufmerksamkeit anderer Menschen zu erregen. In der Schule z.B. hat mir die mündliche Mitarbeit zu schaffen gemacht, besonders, wenn ich aufgerufen wurde und meine Wortmeldung tatsächlich falsch war. Dann habe ich mich zusätzlich selbst noch fertig gemacht und der Tag war für mich gelaufen.


    Meine Eltern führen ein völlig normales Leben. Die aufgeführten Punkte werde ich umsetzen. Telefonieren wird mir Schwierigkeiten bereiten, besonders, wenn ich selbst anrufe.


    Sunflower_73 schrieb:

    Wie kommt es, dass Deine Eltern dem so tatenlos zuschauen? Schulabbruch klingt so, als ob das Problem seit Jahren besteht. Was konkret hat bewirkt, dass Du in der Position bist? Wie haben die Ängste/Unsicherheiten sich entwickelt?

    In meiner gesamten Entwicklung ist viel falsch gelaufen. Ich möchte nicht alles im Detail ausführen. Schon ganz früher wurde deutlich, dass meine Entwicklung gestört ist, ich war enorm introvertiert und hatte Probleme,mit Gleichaltrigen in Kontakt zu treten. Meine Eltern ließen oftmals ihren Frust an mir aus, indem ich von meiner Mutter lautstark verbal attackiert wurde und mein Vater gab mir zu verstehen, ich sei nicht in Ordnung. Geholfen hat mir niemand wirklich. Eine Zahnspange z.B. habe ich nie gehabt und trage heute ganz schiefe Zähne. Als Jugendlicher bin ich in der Schule gemobbt wurden und auch dort vermittelte man mir den Eindruck, dass ich nur Defizite habe. Ich habe mit niemandem mehr gesprochen und habe auch heute das Problem, dass ich stark nuschel und sehr undeutlich spreche. Auch früher, als ich noch draußen war, haben andere Menschen mit dem Finger auf mich gezeigt, als wenn ich kein normaler Mensch wäre. In der Schule, wenn ich eine Arbeit in einer anderen Klasse nachschreiben musste oder wir einen Stuhl zu wenig hatten und ich nachgefragt habe, war da immer irgendjemand, der einen blöden Spruch losließ. Jedes Mal. In der Öffentlichkeit war ich immer verkrampft und wusste nie, wie ich mich überhaupt noch verhalten soll. Ich habe mich nicht getraut, mir mit einem Taschentuch die Nase zu putzen, weil mich andere Menschen dann wieder hätten bemerken können. Irgendwann habe ich mich komplett in meinem Zimmer eingesperrt und grundsätzlich alles vermieden, was mit Menschen zu tun hatte. Auch das Fenster habe ich zu gemacht und das Tageslicht habe ich abseits der Schulzeit nichtmehr gesehen. Habe nur im Dunkeln gelebt. Irgendwann bekam ich Wahnvorstellungen und habe mich selbst verletzt. Meine Eltern schritten nie ein. In der Schule bekam ich zunehmend Probleme, obwohl ich vorher eigentlich relativ gut war (nur mündlich nicht) und irgendwann bin ich gar nicht mehr hin und habe das Leben im grunde komplett aufgegeben. Auch weil ich nicht wusste, wie ich es hätte hinkriegen sollen. Da waren mehrere Dinge vorgefallen, die ich an dieser Stelle nicht erwähnen möchte. So zogen die Jahre vorbei und ich habe überhaupt keinen Bezug mehr zur Welt da draußen. Wie die Luft riecht oder sich die Sonne anfühlt, weiß ich schon gar nicht mehr.



    Das ist soweit der erste Teil. Ich gehe auf alle anderen Beiträge später auch noch ein.

    TimFaber schrieb:

    aber verstehst du, wie wichtig es in deiner situation ist, dir hilfe zu holen?

    Ich habe mir einige Adressen in der Nähe rausgesucht, traue mich aber nicht, anzurufen. Schon beim Gedanken, das Haus zu verlassen und dorthin zu gehen, wird mir schlecht.


    BenitaB. schrieb:

    Aha. Dann analysiere erst mal das Wort liebenswert.
    Wenn du meist, du bist es wert, geliebt zu werden, dann fange mit dir selbst an. Liebe dich.

    Nach meinem Empfinden hat diese Aussage einen abwertenden Beiklang(?)


    BenitaB. schrieb:

    Da macht man Fehler, aus denen wird man sogar klug. Leute wie du werden zum Beispiel in so einer Klinik mit der Aufgabe betraut, im Speisesaal ihr Tablett fallen zu lassen, sie müßen ein potthäßliches T-Shirt tragen mit blödem Spruch drauf, dürfen sich nicht kämmen usw.

    Lerneffekt: es passiert gar nüschte, wenn man was falsch macht, man lache am besten herzlich mit, gebe Shit Happens von sich und mache sich klar, ma überlebt diese Situationen.

    Ähnliches habe ich einige Male erlebt und war fertig mit den Nerven. Besonders wenn ich mich aufgrund meiner sozialen Defizite seltsam verhalte und die Leute mich blöd angucken, ertrage ich derartiges nicht. Ich fühle mich unwohl, wenn ich mich daran zurückerinnere.

    BenitaB. schrieb:

    Was genau machst du denn den ganzen Tag im Kämmerlein? Finden die Eltern das gut? Auch dass sie dich als erwachsene Person weiter ernähren müssen, dich kleiden müssen?


    Wäre es nicht ein toller Vorteil, nach einer Therapie ein selbständiges Leben führen zu können? Sich das bereits vorzustellen?

    Ich beteilige mich an der Finanzierung des Haushaltes.


    Wäre toll, ein normales Leben zu führen.

    Sunflower_73 schrieb:

    Du steckst quasi in einer selbserfüllenden Prophezeiung: Meine Eltern lieben mich nicht, also bin ich nicht liebenswert. Also versuche ich gar nicht erst, Dinge in meinem Leben anzugehen, weil ich es eh nie schaffen werden. Mit dem Rückzug/Nichtstun lieferst Du Deinen Eltern und Dir selber wieder die Argumente, weswegen Du keine Anerkennung und Zuwendung verdienst. Und rutscht immer tiefer in dieser Spirale

    Da ist zu differenzieren. Das Gefühl, minderwertig, nicht liebenswert zu sein, resultiert aus mangelnder Liebe und Zuwendung und ist ein separates Thema. Meine Passivität erfolgt aus Angst vor Abwertung.

    Sunflower_73 schrieb:

    Schließe mich im Wesentlichen Benita an... Auch mit der Frage, wie Deine Eltern auf die jetzige (tatsächlich durchaus kritisch zu sehende Situation) reagieren.


    Und ergänze um eine Frage:

    Willst Du Deinen Eltern, mit ihren Defiziten (u.a. Dir Liebe zu zeigen), für den Rest Deines Lebens diese wahnsinnige Macht über Dich geben? Oder Dich freimachen und Dir DEIN Leben aufbauen?

    Mein Vater ist in keiner Weise bereit, mir zu helfen. Hat er zuvor auch nie getan. Meine Mutter nimmt es so hin.


    Ich will meine eigene Existenz. Es bereitet mir massive Schwierigkeiten, den ersten Schritt zu tun.

    Plüschbiest schrieb:

    BenitaB und Sunflower_73 haben völlig Recht mit dem was sie schreiben.

    Ich bin mir sicher mit Hilfe eine erfahrenen Therapeuten wird es dir gelingen all das zu tun was andere Menschen auch tun.

    Ich bin zuversichtlich. Warum sollen andere Menschen besser sein als ich.

    Plüschbiest schrieb:

    Was ich hier allerdings nicht verstehe, wieso erkennen deine Eltern den Ernst der Lage nicht und ermutigen dich dir Hilfe zu suchen?Oder ist es so, dass deine Eltern nur sagen mach was und wenn von deiner Seite aus nichts passiert dann vermitteln sie dir dass du selbst dazu nicht in der Lage bist?

    Um mich besorgt waren meine Eltern nie so wirklich. Da wäre schon viel früheres Eingreifen erforderlich gewesen. Geholfen hat keiner.

    Google einmal sozialpsychiatrischer Dienst und deine Stadt.

    Dort sitzen geschulte Mitarbeiter die dich auch gerne zu Terminen hin begleiten.

    Trau dich, ruf dort an und schildere dein Problem.

    Wenn es sein muss stehen die bei dir zu Hause auf der Matte und holen dich dort ab.

    Du schreibst, dass du dich an den Haushaltskosten beteiligst.

    Behalten deine Eltern das Kindegeld ein, oder bekommst du von woanders noch Geld?

    Kindergeld wird dir ja nicht mehr ewig gezahlt.

    Und spätestens wenn das ausläuft hättest du ein anderes Problem.

    Je länger du untätig bist umso größer werden deine Probleme.

    Ruf am besten morgen Vormittag beim sozialpsychiatrischen Dienst deiner Stadt an.

    Was hat eigentlich seinerzeit dazu geführt dass du die Schule abgebrochen hast?

    Der erste Schritt ist doch bereits getan, Du hast Dich hier gemeldet und Dein Thema zur Diskussion gestellt. Was Du aber sicherlich auch merkst ist, dass die Menschen Dir helfen wollen, Dir Tips geben, Dir Verständnis entgegenbringen.

    So negativ kann das Bild also nicht sein, was Du abgibst ;-)


    Du liest Dich gebildet, intelligent und sympathisch. Das sind super Vorraussetzungen. Jetzt muss der Sprung ins kalte Wasser erfolgen. Du weißt, dass Du auf Deine Eltern nicht zählen kannst, also hak das ab und kümmer Dich alleine.

    Sage nicht vorher mehrfach auf, was Du am Telefon sagen willst, wenn Du einen Termin machst. Ruf an ohne vorher drüber nachzudenken, dann kommen einem nicht vorher so Horrorszenarien hoch. (ich weiß wovon ich rede, ich hasse Telefonieren bis heute)


    Du brauchts Hilfe und dazu musst Du mit Menschen in Kontakt treten. Mit Menschen deren Beruf es ist anderen Menschen zu helfen.


    Hast Du nur das Abitur nicht beendet? Dann hast Du ja zumindest einen Abschluss. Damit kannst Du schon was anfangen. Aber jetzt erstmal Therapie. Und darin lernen Dich komplett abzunabeln, Du siehst ja selbst, dass es so nicht bleiben kann und es Dir nicht gut geht.


    Du weißt was Du willst...Deine eigene Existenz. Dann geh es an. Das kann Dir niemand abnehmen jetzt den nächsten Schrit zu machen. Geh den Weg, er kann spannend und inspirierend sein, wenn man nicht weiß was nach der nächsten Kurve kommt. Und das wissen wir alle nicht.:)*