Nicht nachvollziehbare Angstzustände seit 10 Jahren

    Hi,


    ich bin 27 und meine Geschichte beginnt 2009. Es fing mit leichter Übelkeit an, die jeden Tag etwas stärker wurde bis dahingehend, dass ich mich täglich erbrechen musste. Später kamen zum Erbrechen dann auch noch Angstzustände und Panikattacken dazu.

    Nach geraumer Zeit des Leidens einen Psychiater aufgesucht, der zuerst verschiedene AD und Neuroleptika verschrieb, leider ohne gewünschten Erfolg, und daraufhin Benzodiazepine verordnete, die auch wirkten.

    Zur Ursache konnte man mir nichts genaues erzählen, eine Angst- und Panikstörung sei am wahrscheinlichsten sagte man mir.


    Viele Hochs und Tiefs später, nach ca. 10 Jahren, haben die Benzos langsam aber sicher aufgehört zu wirken und ich bekam zunehmend sehr sehr starke Angstzustände und Panikattacken.

    Das ganze ging soweit, dass ich das Haus nicht mehr verlassen konnte und ich Schritt für Schritt an mir arbeiten musste, um wieder nach draußen zu können, was jetzt zum Glück funktioniert, ich aber immer noch sehr sehr weit vom Berufsleben entfernt bin .

    Bis heute weiß ich nicht genau was ich habe, ich wache mit Angstzuständen auf und gehe damit ins Bett.

    Es gibt keinen Moment, nicht einmal alleine beim Sport draußen, an dem ich Beschwerdefrei bin. Es ist ein einzelner, durchgehender Angstzustand, bei allem was ich tue.

    Gedanklich kann ich es auch nicht nachvollziehen, da ich keine auffallenden bewussten Ängste vor irgendetwas habe, schließlich habe ich ja auch nichts mehr zu verlieren, das macht einen gedanklich relativ unbeschwert.

    Ich weiß einfach nicht mehr weiter, vielleicht fällt euch ja was dazu ein X-\

    Über jede Nachricht bin ich dankbar :)z

  • 30 Antworten
    philipp100 schrieb:

    Viele Hochs und Tiefs später, nach ca. 10 Jahren, haben die Benzos langsam aber sicher aufgehört zu wirken und ich bekam zunehmend sehr sehr starke Angstzustände und Panikattacken.

    Das ganze ging soweit, dass ich das Haus nicht mehr verlassen konnte und ich Schritt für Schritt an mir arbeiten musste, um wieder nach draußen zu können, was jetzt zum Glück funktioniert, ich aber immer noch sehr sehr weit vom Berufsleben entfernt bin .

    Wie sehr Du an dir und einer Lösung gearbeitet hast, zeigt deinen Willen und die Bereitschaft etwas verändern zu wollen.

    Für mich ist es unverständlich, warum Du über 10 Jahre nur Med. verschrieben bekommen hast? Seis drum, ist eh gelaufen.


    Was Du brauchst ist eine Therapie, am Besten bei einem Psychologen. Psychater bieten selten Gesprächstherapien an, weil sie die sind, die sich überwiegend auf körperlich verursachte psychische Probleme und deren med. Behandlung konzentrieren. Jedenfalls soweit ich es weiss.


    Hast Du denn schon mal über eine Therapie nachgedacht und /oder das mit deinem HA besprochen? Ängste, Panikattacken kommen nicht ohne Grund. Es gibt oder gab dafür Ursachen oder Auslöser durch bestimmte Situationen, die man evtl. viele Jahre ertragen hat. Das kann niemand - behaupte ich mal - alleine für sich stemmen und solange nicht die (mögliche) Ursache gefunden wird, kann sich auch nichts verändern.

    ...10 Jahre und ohne klinische Therapie?


    Wahrscheinlich ist, dass du nie die Ursache rausfinden wirst. Also auch die Fixierung loslassen, warum, wieso und überhaupt.


    Wenn jedermann wüßte, warum er Angst hat, Krebs kriegt, in der Nase popelt oder Fußpilz hat, dann wäre es ja schön, das Leben ist aber nicht so.


    Suchen: Klinik, auf Angst spezialisiert. Dort Strategien erlernen, wie man trotzdem leben kann, evtl. Konfrontation etc.


    An Krebs kann man sterben, an Angst stirbt es ich eher weniger.


    Würde auch heißen, hier und jetzt Nägel mit Köpfen machen, sich vom Arzt eine Einweisung holen, aktiv werden und nach dem Klinikaufenthalt in Programmen zu landen, wo man auch beruflich wieder Fuß finden kann.


    Entweder, man will das wirklich oder man eiert mit Forenmitgliedern um <ich kann nicht< weiter rum, lernt keine Strategien und bleibt schön in der gewohnten Angstkomfortzone....


    Die kennt man und mit der lebt man, aber um die Sache besser zu machen, muß man die schon verlassen. Das kann hart werden, könnte aber für den Rest des Lebens eben auch Freiheit bedeuten.

    Erst einmal danke für eure Antworten.


    Einen 3 monatigen stationären Aufenthalt in einer Fachklinik habe ich erst vor kurzem gehabt, die wussten auch nicht wirklich weiter als "vermutlich eine Angststörung", dementsprechend ist das Ergebnis dieses Aufenthaltes.

    Was mich dabei aber noch irritiert ist, warum es dann nicht einmal zu Hause mit der Familie oder gar wenn man alleine ist, besser wird sondern immer gleich bleibt?

    Aufenthalte in einer Tagesklinik hatte ich auch schon 2 , und einen Therapeuten zum reden habe ich auch.

    Leider kann ich mit ihm nicht wirklich reden, er fragt auch nicht was ich bisher gemacht habe, wie mein Alltag aussieht, woher das kommen könnte oder sonst etwas.

    Er sagt lediglich ich solle wieder arbeiten und alles wie zuvor so tun als ob nichts wäre,

    wird zwar hart und vieles wird schiefgehen aber sonst sagt er nichts.

    Wenn ich also einfach "normal" weiterleben könnte, wäre ich ja auch nicht krank.

    Ist ja nicht so als hätte ich diesen Mist erst seit einer Woche.

    Meiner Meinung nach muss man erst einmal die Ursache finden, erst dann kann man behandeln.

    An was ich auch noch gedacht habe und was zu fast 100% passt ist Hochsensibilität.

    Ich reagiere leider äußerst empfindsam auf sämtliche Reize wie Helligkeit, Lärm, Emotionen etc. und nehme auch alles viel stärker war als mein Umfeld, das ist so frustrierend.

    philipp100 schrieb:

    Einen 3 monatigen stationären Aufenthalt in einer Fachklinik habe ich erst vor kurzem gehabt, die wussten auch nicht wirklich weiter als "vermutlich eine Angststörung", dementsprechend ist das Ergebnis dieses Aufenthaltes.

    Darüber muss es doch einen Bericht geben, den auch dein HA erhalten sollte. Wenn nicht, kann er diesen anfordern. Denn eine Begründung muss es schon geben, sonst wäre u. U. ein dreimonatiger Aufenthalt nicht erforderlich gewesen. Die KK zahlen jedenfalls keine Therapie ohne eine Notwendigkeit.

    philipp100 schrieb:

    Aufenthalte in einer Tagesklinik hatte ich auch schon 2 , und einen Therapeuten zum reden habe ich auch.

    Leider kann ich mit ihm nicht wirklich reden, er fragt auch nicht was ich bisher gemacht habe, wie mein Alltag aussieht, woher das kommen könnte oder sonst etwas.

    Könnte es sein, dass Du den Verlauf der Therapie gerne unter Kontrolle haben möchtest?

    Warum sollte ein Therapeut sich auf das Jetzt einlassen, wenn die Ursache schon lange zurück liegt. Das während einer Therapie auch die jeweilige Situation angesprochen wird, werden könnte, ist etwas anderes.

    philipp100 schrieb:

    Was mich dabei aber noch irritiert ist, warum es dann nicht einmal zu Hause mit der Familie oder gar wenn man alleine ist, besser wird sondern immer gleich bleibt?

    Wenn alles gleich bleibt, bist Du für dich noch nicht in die Tiefe gegangen. Könnte bedeuten, dass Du nicht wirklich etwas verändern willst, oder?


    Das was ich sicher dazu sagen kann, dass keine Therapie in der man wirklich an sich arbeitet, ohne Hoch und Tief verläuft.

    Du kannst noch so lange drauf rumreiten, dass du willst, dass man da was rausfindet. Es wird nicht funktionieren. Das Augenmerk muß auf Strategien beruhen, dass du leben kannst, dass arbeiten gehen kannst, ohne großartig beeinträchtigt zu sein. Zu erkennen, was man trotzdem machen kann.


    Entweder hast du dich nie darauf einlassen wollen, solche Strategien zu erlernen, die auf Achtsamkeit, auf Ausbremsen beruhen, sonst würdest du nicht so auf Dingen die nichts bringen, so rumreiten.


    Was genau würde es nützen, wenn du wüßtest, dass ein Albtraum das ausgelöst hat, oder ein Streit deiner Eltern? Du willst jetzt nicht im Ernst annehmen, beim Wissen darum sei die Angst dann ins Nirwana geschickt.


    Man weiß heut ziemlich gut, welche Partien im Gehirn aktiv werden bei Angstzuständen und man hat Strategien entwickelt, dass man eben durch Erlernen neue Muster erzeugen kann, die diesen Kack übertünchen können.


    Noch mal: du bist fixiert wie ein Klammeraffe auf etwas, was nichts bringt (Ursache). Damit hast du schon 10 Jahre verdaddelt.

    Es schließt dann auch quasi aus, dass du dich tief und ernsthaft mit wirklich erfolgreichen Methoden und vor allem mit dem aktiven Einbringen in solche Methoden beschäftigt hast.


    Sonst würdest du eben nicht von diesen unfruchtbaren Gesprächen erzählen. Therapeuten, die dir da vielleicht Strategien empfohlen haben, aber an ihre Grenzen stoßen, weil du hartnäckig weiter auf Ursachen pochst, geben dann wahrscheinlich auf.

    Wenn Patient nicht will, dann eben nicht.... Kann ich auch verstehen.... fDann gibt es auch keine Erfolge.

    philipp100 schrieb:

    An was ich auch noch gedacht habe und was zu fast 100% passt ist Hochsensibilität.

    Mir wurde das z.B. von einem Therapeuten gesagt, ich selbst hatte bis dato keine Ahnung von HS. Ist aber auch kein Grund, nicht daran zu arbeiten oder das als Lösung (Ausrede) zu akzeptieren.

    Ihr habt mich da etwas missverstanden, ich suche nicht einfach nur krampfhaft nach einer Ursache weil ich gerade so lustig bin, sondern weil ich dann vielleicht ein kleines bisschen besser weiß, was mich verängstigt und wie ich damit umgehen kann. Um das einmal zu verdeutlichen, ich habe Angst vor meiner Kaffeemaschine wenn sie Bohnen malt, Angst Suppe zu essen, Angst wenn mich eine Biene anfliegt, Angst wenn ein Auto an mir vorbeifährt, Angst wenn ich in meinem Bett liege, Angst beim Duschen, einfach immer.

    Wie soll ich damit ohne Ursache umgehen? Die Angst vor dem Mahlen von Kaffeebohnen trainieren? Ja ich habe sogar Angst wenn der Wind pfeift. Es gibt nichts was nicht Angst macht. Das ist mein Problem.

    philipp100 schrieb:

    Das ist mein Problem.

    Das solltest Du mal näher beschreiben, weil ich das nicht nachvollziehen kann.

    Was passiert denn deiner Meinung nach, wenn Du dich duschst, der Wind bläst, Du Suppe isst usw. Wie macht sich deine Angst bemerkbar, was fürchtest Du in diesen Momenten?

    Es ist ein Zustand, mit dem ich aufwache und schlafengehe, der nie aufhört. Ohne Pause. Symptome sind dabei: übertriebene Schreckhaftigkeit, Zittern, Zuckungen, sehr starkes Schwitzen, Herzrasen, Panik, Gefühl durchzudrehen, den Verstand zu verlieren, es fühlt sich an als stände man richtig übertrieben unter Starkstrom, voll mit Adrenalin. Deshalb wird es auch etwas besser wenn ich Sport mache, als würde das dass Adrenalin etwas abbauen.

    Fürchten tue ich dabei nichts, das ist ja das kranke, mir ist dabei auch egal ob ich vor anderen zittere oder ähnliches, daran habe ich mich gewöhnt, es ist einfach nur wie unter Starkstrom ununterbrochen.

    Du hast hier die Auswirkungen beschrieben, die automatisch einsetzen, weil sie schon über Jahre mit immer gleichen Ritual oder Mechanismus so ablaufen. Mir fehlt immer noch die Begründung, warum Du Angst hast vor:

    Fizzlypuzzly schrieb:

    Was passiert denn deiner Meinung nach, wenn Du dich duschst, der Wind bläst, Du Suppe isst usw. Wie macht sich deine Angst bemerkbar, was fürchtest Du in diesen Momenten?

    Angst vor Menschen, sprich eine soziale Phobie habe ich, aber ich weiß nicht was genau ich an Menschen fürchte, einfach jede Interaktion mit Menschen ist mir unangenehm. Hängt vielleicht auch damit zusammen, dass man dabei meistens ruhig sitzen oder stehen muss um sich zu unterhalten und mir das sehr schwer fällt, selbst zuhause. Das ganze dann noch kombiniert mich Hochsensibilität, so könnte ich es mir am ehesten erklären.

    philipp100 schrieb:

    Angst vor Menschen, sprich eine soziale Phobie habe ich, aber ich weiß nicht was genau ich an Menschen fürchte, einfach jede Interaktion mit Menschen ist mir unangenehm.


    philipp100 schrieb:

    Das ganze dann noch kombiniert mich Hochsensibilität, so könnte ich es mir am ehesten erklären.

    Von einer Phobie hast Du vorher nichts erwähnt und ziehst jetzt auch die HS mit rein, damit Du es dir am ehesten erklären kannst. Darum geht es aber nicht, bzw. sollte es nicht, weil Du dir die Antworten selbst gibst um nichts verändern zu müssen. Das sagt dir dein Kopf, dein Ego und das hat mit deinen Ängsten nichts zu tun, ausser dass Du damit psychische Probleme kontrollieren kannst.


    Ich frage jetzt auch ein 3. Mal nach:

    Fizzlypuzzly schrieb:

    Was passiert denn deiner Meinung nach, wenn Du dich duschst, der Wind bläst, Du Suppe isst usw. Wie macht sich deine Angst bemerkbar, was fürchtest Du in diesen Momenten?