Normaler Sex nach Vergewaltigung irgendwann möglich?

    Hi.


    Ich habe mich hier neu angemeldet, weil mich ein Thema beschäftigt. Um die Problematik zu verstehen, muss ich wohl erstmal mein Umfeld beschreiben. Ich bin 26 Jahre alt, habe zwei Kinder und bin verheiratet. Das als solches ist erstmal kein Problem.


    Ich bin als Kind über einen längeren Zeitraum vergewaltigt worden. Als ich die Beziehung mit meinem jetztigen Mann einging, hatte ich bis auf die Vorfälle keine sexuelle Erfahrung. Ich glaube, ich rutsche schnell in mein altes Schema. Machte, was mein Mann sich wünschte und versuchte betont offen zu sein. Er sollte nicht darunter "leiden" was mir widerfahren ist.


    Bis vor einigen Monaten war es bis auf wenige Male okay so für mich. Ich machte es nicht unbedingt aus Spaß daran, sondern weil mein Mann es sich wünschte. Ich geriet dadurch irgendwie in eine Bringschuld. Nun fällt es mir seit einigen Monaten garnicht mehr leicht. Beziehungsweise findet der Sex seit guten 12 Wochen nicht mehr statt. Ich kann es einfach nicht. Mein Mann versteht es nicht, obwohl er alles von damals weiß und auch ebenfalls weiß, dass ich seit einigen Wochen darunter leide.


    Sex mit ihm ruft Flashbacks bei mir aus. Je mehr er Druck ausübt, desto schlimmer werden diese. Ich habe einmal aus einem Pflichtgefühl heraus versucht mit ihm zu schlafen und es endete in einem wirklich üblen Flashback. Über Stunden hinweg war ich nicht ich selbst.


    Nun versteht mein Mann das Ganze noch weniger, macht sich lustig drüber und übt mehr Druck aus, als jemals zuvor.


    Kann ich lernen, normal mit Sex umzugehen, ohne davon getriggert zu werden? Ich habe absolut kein Bedürfnis mit ihm zu schlafen. Im Gegenteil. Es macht mich nervös. Hilfe!

  • 52 Antworten

    Weißt Du - die Antwort darauf

    Zitat

    Kann ich lernen, normal mit Sex umzugehen, ohne davon getriggert zu werden? Ich habe absolut kein Bedürfnis mit ihm zu schlafen. Im Gegenteil. Es macht mich nervös. Hilfe!

    hängt, wenn es um Sex mit ihm geht, sicher ganz massiv auch davon ab, wie er damit umgeht. Und wenn ich lese:

    Zitat

    Nun versteht mein Mann das Ganze noch weniger, macht sich lustig drüber und übt mehr Druck aus, als jemals zuvor.

    ... dann sehe ich da erstens nur bedingt brauchbare Chancen, und zweitens frage ich mich, wie es insgesamt um eure Beziehung bestellt ist.
    Weiß er, was Dir passiert ist? Was heißt, "er macht sich lustig"? Und: Es klingt, als hätte er da seit jeher Druck auf Dich ausgeübt - wie genau sieht das aus?

    Also erstmal grundsätzlich: Natürlich geht das ganz grundsätzlich, man ist danach nicht dazu verdammt Sex für immer und mit jedem scheußlich zu finden.


    Allerdings scheint mir mangelnder Sex gerade nicht dein echtes Problem zu sein. Das scheint gerade der Druck und die Unzufriedenheit deines Mannes zu sein. Du willst deine "Leistung" wieder bringen können, damit wieder Ruhe herrscht. Es geht offensichtlich gerade nicht darum, dass du um deinetwillen eine erfüllte Sexualität wünscht.


    Das aber ist in meinen Augen ein ganz anderer Punkt, als die Frage ob man (wieder) Freude am Sex finden kann, nachdem man vergewaltigt wurde. Hier geht es um viel mehr, es geht um ein Trauma das gerade wieder hochkommt. Eventuell bist du jetzt bereit es zu bearbeiten, dein Unterbewusstsein scheint die Schutzschranken langsam fallen zu lassen und das ist oft ein Moment in dem es erstmal schlimm wird, bevor ein thema wirklich erledigt werden kann. Grundsätzlich ein gutes Zeichen weil es bedeutet, dass du dich nicht mehr selbst instrumentalisieren willst, irgendwie scheint sich dein Gefühl für dein Selbstwert verändert zu haben. Also nichts was man möglichst sofort wegkriegen und unterdrücken sollte.


    Und dann ist da die Beziehungsdynamik zu deinem Mann, die gerade grundsätzlich auf den Kopf gestellt wird. Klar, für ihn ist das gerade schwer zu verstehen. Immerhin ging es Jahre lang und ihr habt sogar gemeinsam Kinder, aber plötzlich soll das ein Problem sein? Ist sicherlich nicht fein dann mit Druck und dummen Witzen zu reagieren, aber manche Leute reagieren so ja, wenn sie verunsichert sind. Und Verunsicherung könnte ich an seiner Stelle durchaus verstehen.


    Ich würde also sagen, dass du gerade ganz andere Baustellen als den Sex hast, der ist nur ein Symptom dessen was ansonsten so in dir vorgeht. Deshalb mein Tipp: lass das Thema erstmal, sieh zu das du dir überlegst wie du mit deine Erlebnisse in der Kindheit aufarbeiten kannst, wie sich das was in dir vorgeht mit deinem Mann kommunizieren lässt, damit ihr eine Chance auf einen gemeinsamen weg habt und guck einfach mal, was das mit deinem sexuellen Bedürfnis macht. Zwing dich nun nicht irgendwie da zu funktionieren und vergewaltige dich damit selbst. :)_

    Bei uns war es tatsächlich schon immer so, dass wenn ich mal nicht wollte, er mich bequatscht hat oder eben auch mal stinkig reagierte. Ich bin oft an diesem Punkt eingeknickt und dachte mir: einmal ohne zu wollen schadet auch nicht. Nun merke ich langsam, dass ich selten wollte. Eigentlich nie.


    Seit der Geburt meines zweiten Sohnes war es immer mal wieder schwieriger. Die Geburt hatte mich damals geschockt und noch unter der Geburt kamen alte Bilder hoch, die durch das Blut am Ende zum völligen Blackout geführt haben. An den Moment meinen Sohn das erste Mal gesehen zu haben, kann ich mich seither nicht mehr erinnern.


    Kurz danach dachte ich aber, auch das wieder hinbekommen zu haben. Habe mit meinem Mann geschlafen und es ging wieder. Bis wie gesagt vor gut 12 Wochen.

    Sorry, Du hattest ja schon im Eingangsbeitrag geschrieben:

    Zitat

    Mein Mann versteht es nicht, obwohl er alles von damals weiß und auch ebenfalls weiß, dass ich seit einigen Wochen darunter leide.

    Puh.

    Ich dachte immer, wenn ich besonders offen damit umgehe, überzeuge ich auch mich selbst davon, dass da ja wirklich nichts bei ist. Und hin und wieder mit Ihm schlafen, auch wenn man nicht möchte, gehöre vielleicht auch zu einer Beziehung dazu. In den letzten Wochen lerne ich aber erst richtig, was es bedeutet meine Wünsche auch hin und wieder hinter meiner Maske hervorzuholen. Darunter leidet die Beziehung immens. Mein Mann kommt damit nicht zurecht und weiß glaube ich auch gerade nicht, woran er bei mir ist. Ich bin mir selbst dessen nicht sicher und stelle unsere Beziehung in Frage. Er triggert mich, massiv. Kann man das als Beziehung überhaupt kitten?

    Vorweg: Ich schreibe dies nicht aus eigener Erfahrung, sondern berichte von der Erfahrung einer guten Freundin von mir.


    Sie wurde als Kind von ihrem Vater über Jahre sexuell missbraucht. Als ich sie kennenlernte, war sie 19 und hatte bis dahin noch keine sexuelle Erfahrungen (außer jenen Horrorerlebnissen mit ihrem Vater). Mir sagte sie damals, dass sie vielleicht nie normalen, genussvollen Sex haben könne, und womöglich finde sie deshalb auch keinen Partner, weil doch alle möglichst schnell ins Bett wollen. Zwei Jahre später kam sie einem Kollegen näher, mit dem sie schon länger locker befreundet war. Weitere zwei Jahre später heirateten die beiden. Das liegt nun fast 30 Jahre zurück. Die beiden sind bis heute verheiratet und haben zwei erwachsene Kinder. Nachdem das erste Kind geboren war, trafen wir uns, und sie meinte, Ihr Mann sei Gold wert, denn er habe es mit viel Einfühlungsvermögen geschafft, ihr den Ekel vor dem Geschlechtsakt zu nehmen. Dass Sex wirklich toll und erfüllend sein kann, hätte sie sich noch vor fünf Jahren nicht vorstellen können.


    Die Freundin schaffte es mit Hilfe ihres einfühlenden Manns. Dein Mann hingegen scheint diesbezüglich wenig empathisch zu sein. Dich unter Druck zu setzen, verschlimmert alles nur. Das müsste ihm doch klar sein!


    Ob Dir eine Therapie helfen kann, vermag ich nicht zu beurteilen. Eine sexuelle Beziehung zweier Menschen ist sehr privat und von vielen, z.T. winzigen Faktoren abhängig. Ich habe bezüglich einer Therapie eher Zweifel. Sinnvoll wäre aber bestimmt eine Paartherapie, was natürlich voraussetzt, dass Dein Mann gewillt ist, eine solche mit Dir zu absolvieren.

    Danke. Dein Beitrag macht mir Mut. Die Frage, die ich mir stelle, ob es gerade zum Teil auch ein normaler Weg ist, wo sich zwei Menschen entzweien, der einfach mit dem Faktor Vergangenheit etwas radikaler ist, als sonst. Weißt du wie ich das meine? Woran merke ich, dass ich mich einfach von meinem Mann nicht mehr angezogen fühle und es deswegen diese Gefühle in mir auslöst, oder es das nicht verarbeitete Trauma ist?

    Genauso ist es.


    In Krisenphasen zwischen meinem Mann und mir war mein sexuelles Interesse als Allererstes wie weggeblasen - und ich wurde nie sexuell missbraucht!!! Da half auch kein Überreden. Ich wollte einfach nicht, weil für mich zur Sexualität neben der körperlichen Anziehung sehr, sehr großes Vertrauen gehört. Es ging während einer richtig schweren Ehekrise, als mein Vertrauen am Boden gelegen hatte, soweit, dass ich extrem schmerzhaften Vaginismus hatte und Geschlechtsverkehr unmöglich wurde. Mein Körper hatte komplett dicht gemacht.


    Mein Mann und ich haben alle Krisen überstanden. Mittlerweile sind wir seit über 30 Jahren verheiratet.


    Kurzum: Ich befürchte, Ihr seid tatsächlich auf dem Weg, Euch zu entzweien. Und ja, möglicherweise wirkt dabei Dein Trauma mit, was ja auch nur verständlich wäre. Unter Druck "Sex haben zu müssen" (eheliche Pflicht ...) ist für Dich sicher der blanke Horror. Je mehr Dein Partner Druck auf Dich ausübt, desto mehr entfernst Du Dich von ihm. Das ist zwar bedauerlich, aber nur logisch.