Ich nehme ganz einfach mal an das es keine Absicht von deinem Mann ist dich unter Druck zu setzen. Er ist sicherlich an einer erfüllten Sexualität mit dir interessiert. Daher möchte ich vorschlagen viel mit ihm zu reden und auch gemeinsam professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen.

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    Für mich ist es mit der Ehe gerade wirklich schwer. Vom Gefühl her nicht.

    In Ordnung. Es stellt sich halt die Frage ob das eher an der Angst vor dem Thema "Sexualität" liegt und das es dir einfacher erscheint die Ehe zu beenden oder ob es wirklich um die Beziehung geht.


    Könntest du dir eine Beziehungspause vorstellen?

    Es geht dabei glaube ich vielleicht wirklich um die sexuelle Ebene. Ich habe einen Termin bei einem Psychiater, wo ich hoffentlich zunächst erst einmal ein Antidepressivum bekomme. Ob dort auch ein Termin frei ist, weiß ich nicht. Höre ich dann aber.


    Es hat sich in den Jahren die gesamte Dynamik verändert. Dadurch, dass ich nun dazu gerade nicht in der Lage bin, ist er bei einigen Dingen auch nicht willig, auf mich zuzukommen und entzieht sich einiger seiner Verpflichtungen. Beziehungspause klingt gut, um zu schauen, ob das Verlangen nach Nähe vielleicht wiederkommt.

    Natürlich geht es da um mehr, es geht um das ganze Grundkonzept eurer Beziehung. Welche Wünsche und Bedürfnisse haben Vorrang für jeden Einzelnen? Wie entsteht Konsens? Es manifestiert sich wohl hauptsächlich an diesem neuraligischen Punkt, aber das sind ja schon grundsätzliche Themen.


    Mit Angst vor dem Thema "Sexualität" meinte ich auch eher ob die Angst sich dem Traum und allem damit verbundenen Themen so groß ist, dass du dir lieber sagst, die Ehe sei generell das Problem. Denn wenn der Partner und damit der Druck weg ist, dann ist der Zwang zur Auseinandersetzung mit deiner Vergangenheit, deinen Kommunikationsstrukturen, deiner Selbstwahrnehmung in Bezug zu jemand anderem weg. Eine Trennung kann also der (auf den ersten Blick oder auch tatsächlich) kleinere Konflikt sein und du wärest wahrlich nicht der erste Mensch auf Gottes weiter Erde, der da die Trennung vorzieht.


    Meiner Erfahrung nach hilft einem das nicht wirklich, man nimmt sich selbst ja mit und wenn man nicht wie ein Eremit leben will, dann stellen sich all die Fragen eh wieder. Es kann aber in der Tat leichter seins ich selbst erstmal ausserhalb zu finden und das Selbstbild zu überarbeiten um sich dann der Königsdisziplin, der Beziehung zu widmen. Bei anderen stellt die Partnerschaft eine Stütze dar die es leichter macht. Muss man gucken, je nach Situation.


    Wenn sich für dich eine Beziehungspause gut anfühlt, dann würde ich die Idee an deiner Stelle mal verfolgen. Nicht nur um zusehen ob die Anziehung wieder kommt, sondern vorallem damit du in Ruhe mit dir selbst ins Gleichgewicht kommen kannst. Wenn dann das Chaos innen wieder einigermaßen sortiert ist, kannst du dich ja wieder dem Außen zuwenden und sehen wie du zu deinem Mann stehst und er kann gucken wie es dann zu dir steht, denn sowas verändert einen ziemlich und nicht immer passt man danach überhaupt noch zusammen.


    Was den Psychiater angeht: der ist erstmal für Medikamente und nicht für eine Therapie die richtige Ansprechadresse. Für letztere brauchst du einen Psychotherapeuten, in deinem Fall am besten einen mit Ahnung von Traumatherapie.

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    Mein Mann versteht es nicht, obwohl er alles von damals weiß und auch ebenfalls weiß, dass ich seit einigen Wochen darunter leide. (...) Nun versteht mein Mann das Ganze noch weniger, macht sich lustig drüber und übt mehr Druck aus, als jemals zuvor. (...) Das Verständnis scheint weg zu sein und nun ist nur noch der pure Trieb und die Lust auf Sex da. Er wird immer drängender und deutlicher dabei.

    Nach allem, was du hier beschrieben hast, hatte dein Mann mMn zu keinem Zeitpunkt ein echtes Verständnis für deine Problematik und die sich daraus ergebenen Einschnitte in eurem Sexualleben. Sei es, ob es nun daran liegt, dass er es nicht haben will, weil er dann auch konsequent auf deine Bedürfnisse Rücksicht nehmen müsste, oder er es nicht kann, weil ihm das Einfühlungsvermögen und der Verständnis-Horizont fehlen. Sich erst verständnisvoll zu geben, und sich dann über dich lustig zu machen, ist zudem ein Vertrauensbruch.

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    Am Anfang zeigte er Verständnis. Zumindest sagte er es so. Am nächsten Tag kam er wieder näher, bedrängte mich, fasste mich sogar im Schlaf so an, dass er Anstalten machte, mit mir zu schlafen. Das Verständnis scheint weg zu sein und nun ist nur noch der pure Trieb und die Lust auf Sex da. Er wird immer drängender und deutlicher dabei.

    Das hier zeigt ebenfalls gut auf, dass es dieses Verständnis bei ihm nie gegeben hat. Ihm war in eurer Beziehung offenbar schon immer wichtig, dass er seine sexuellen Bedürfnisse erfüllt bekommt, egal, ob er dich teils dazu drängen musste oder er nicht wahrnehmen/spüren wollte, dass du nur ein Pflichtprogramm absolvierst. Ihm geht es ausschließlich um seine Bedürfniserfüllung, sei es, weil er häufig Sex braucht, er sich durch den Sex Selbstbestätigung holt, sich nur dann von dir "geliebt" fühlt, sich dir nur dabei wirklich nahe fühlen kann oder dadurch seinen Stress abbaut. Egal, was von all dem: Dein Wohlergehen hat für ihn nur begrenzte Priorität.


    Das lässt sich auch sehr gut an folgendem ablesen:

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    dass wenn ich mal nicht wollte, er mich bequatscht hat oder eben auch mal stinkig reagierte.

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    Dadurch, dass ich nun dazu gerade nicht in der Lage bin, ist er bei einigen Dingen auch nicht willig, auf mich zuzukommen und entzieht sich einiger seiner Verpflichtungen.

    Er rechnet ganz klar auf: Bekommt er keinen Sex, kannst du dich auf ihn auch nicht mehr verlassen. Er nimmt dir dein Verhalten und deine Entscheidungen übel.

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    Sex mit ihm ruft Flashbacks bei mir aus. Je mehr er Druck ausübt, desto schlimmer werden diese. Ich habe einmal aus einem Pflichtgefühl heraus versucht mit ihm zu schlafen und es endete in einem wirklich üblen Flashback. Über Stunden hinweg war ich nicht ich selbst.

    Es ist gut möglich, dass gar nicht der Sex an sich diese Flashbacks auslöst, sondern sein Verhalten. Er war (vermutlich schon von Beginn an) ein fordernder und ist, mittlerweile, ein aufdringlicher und bestimmender Mann. Dass dich dieses Verhalten abstößt und schlußendlich dein Trauma reaktiviert, ist nur zu verständlich.

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    Kann ich lernen, normal mit Sex umzugehen, ohne davon getriggert zu werden? (...) ob es im Grunde, mit Therapie und viel Zeit überhaupt möglich ist, Sex jemals zu genießen. Ohne jeglichen Hintergedanken.

    Ja, die Chancen dafür stehen sehr gut. Mit einer Traunatherapie und einem einfühlsamen und rücksichtsvollen Partner.

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    Ich habe absolut kein Bedürfnis mit ihm zu schlafen.

    Dann bleibe dabei, gehe jetzt nach dem, was dir gut tut.

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    Bin ich genau das Beispiel, dass in Büchern beschrieben wird? Das nach so einer Geschichte in genau den gleichen Strudel wieder hineingerät?

    Klingt sehr wahrscheinlich. Viele Menschen leben Missbrauchs-Muster in ihren Beziehungen weiter.

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    Und hin und wieder mit Ihm schlafen, auch wenn man nicht möchte, gehöre vielleicht auch zu einer Beziehung dazu.

    Es gibt Menschen, die das können und daran keinen Schaden nehmen. Und es gibt Menschen, die das nicht wollen und auch dazu stehen.

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    Kann man das als Beziehung überhaupt kitten?

    Ich sehe da nur eine Möglichkeit, und zwar, wenn ihr beide (!!!) langfristig an einem Strang zieht. Aber diese Bereitschaft sehe ich bei ihm, ehrlich gesagt, nicht.

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    ob es gerade zum Teil auch ein normaler Weg ist, wo sich zwei Menschen entzweien,

    Ja, Menschen trennen sich aus den unterschiedlichsten Gründen.

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    Woran merke ich, dass ich mich einfach von meinem Mann nicht mehr angezogen fühle und es deswegen diese Gefühle in mir auslöst, oder es das nicht verarbeitete Trauma ist?

    Sich Zeit geben, um genau das heraus zu finden, z. B. auch im Zuge einer Therapie. Das gleiche gilt für seine Annahme, dass es bei deiner Sexverweigerung "um mehr " ginge als eben nur das. (Gut möglich, dass er so argumentiert, dass du ihn nicht mehr lieben würdest.)

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    Aber im Grunde ist es nicht seine Schuld. Er kann es wahrscheinlich nicht besser. Was verlange ich dort auch? Dass er ein Leben lang sich auf das intime Minimum niederlässt, was ich vorgebe?

    Deine Schuld ist es aber auch nicht. Und du "verlangst" auch nichts, sondern du hast eine absolut legitime Entscheidung getroffen, für dich. Er kann für sich genauso eine Entscheidung treffen: Zu versuchen, an seinen Verhaltens- und Denkweisen nachhaltig zu arbeiten und dir bei deinem Trauma zu helfen oder sich zu trennen.

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    Ist das wirklich eine "Erkrankung"?

    Ja, es ist eine seelische Erkrankung. Und dafür gibt es als Heilmaßnahme eine Therapie. Die wird idR auch von den Krankenkassen getragen.

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    Beziehungspause klingt gut, um zu schauen, ob das Verlangen nach Nähe vielleicht wiederkommt.

    Und nicht nur das. Eine Beziehungspause kann ebenfalls aufzeigen, wo es auch in anderen Bereichen bei euch nicht so gut läuft, und inwieweit ihr im Gesamten überhaupt kompatibel seid.

    Danke für deine lange antwort Minimia. Ich glaube langsam auch, dass ich die Zeit für mich mal brauche. Als Beziehungspause oder räumlichen Abstand. Im Grunde habe ich ihn mir im Haus irgendwie geschaffen. Sex kann und will ich mir gerade nicht vorstellen. Also mache ich es nicht mehr. Ich wollte nie in so eine Art Beziehung geraten. Nun stecke ich glaube ich mitten drin. Vielleicht und vor allem wahrscheinlich, weil ich keine Grenzen klar gesteckt habe. Zu allem habe ich mich ja hinreißen lassen, alleine aus dem Aspekt, dass ich das Gefühl der Enttäuschung und vielleicht auch Wut nicht ertragen wollte. Leine Ahnung.

    Na ja, sowas ist halt einfach eine Dynamik. Er war dein erster und einzige Partner, ich gehe mal davon aus, dass du nicht gerade Mitte 20 warst, als ihr euch kennengelernt habt. Will heißen, eure Muster haben sich schon zu einem Zeitpunkt herausgebildet, an dem ihr beide noch nicht viel Beziehungserfahrung hattet. Ich würde da einfach mal darauf verzichten Schuld zu verteilen. Jeder hat kommuniziert wie bekannt, erfolgreiche Muster haben sich verfestigt und lange ihren Dienst getan, nun wird alles in Frage gestellt und das führt zu Irritationen und logischerweise zu Streit.


    Sprich mit ihm über eine Beziehungspause damit du dich nicht weiter abgrenzen musst. Dann wisst ihr beide woran ihr seid und vielleicht kehrt dann schon wieder mehr Ruhe ein.

    Ich gebe keinem die Schuld. Ich suche nur nach der Ursache und hoffe irgendwie, dass ich für ihn die alten Gefühle wieder bekomme, die ich noch vor einigen Monaten hatte. Jetzt gerade triggert er mich mehr und ich bin in einer absoluten Abwehrhaltung angekommen. Aber jedem gegenüber, nicht nur ihm. Nur bekommt er es am deutlichsten mit und ab.


    Ich habe heute Nacht das erste Mal wieder seit 2 Wochen mit ihm im gemeinsamen Bett geschlafen. Ich hatte direkt wieder einen Alptraum. Oder ist das einfach ein blöder Zufall?

    Wieso hast du denn mit ihm in einem Bett geschlafen? Also hier hattest du doch gerade deutlich gesagt, eine Beziehungspause würde dir wohl gut tun, aber statt dann in die Richtung zu gehen und zu arbeiten, gehst du genau in die andere, weshalb?


    Vielleicht hilft dir und ihm auch folgender Gedanke: Traumata kommen oft hoch, wenn man sich sicher, wohl und geborgen, also gut angekommen fühlt. Dann sind im Kopf die entsprechenden Kapazitäten frei, die Seele hat das Gefühl sich Schwäche in dem Umfeld erlauben zu können und die Schranken fallen langsam.


    Das nun dies Trauma hochkommt, kann auch einfach dafür sprechen, dass es vorher zwischen euch gut war, so gut, dass nun eben Vertrauen da ist. Es bedeutet also nicht, dass es zwischen euch zu Ende sein muss oder das eure Beziehung ein Fehler war oder so. Deine Ablehnung jetzt muss kein Misstrauensvotum an ihn als Person bedeuten, sondern kann einfach etwas das schon länger in der Warteschleife hängen und nun hochkommen.

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    Ich habe heute Nacht das erste Mal wieder seit 2 Wochen mit ihm im gemeinsamen Bett geschlafen.

    Was hast du dir davon erhofft?

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    Ich hatte direkt wieder einen Alptraum. Oder ist das einfach ein blöder Zufall?

    Möglich, dass die Nähe zu deinem Mann der Auslöser für deinen Alptraum war, im Moment steht sein Verhalten als Trigger generell im Raum, oder du letztendlich doch befürchtet hast, dass er deine Grenzen nicht respektiert und wieder zudringlich wird.

    Die Trennung im Schlafzimmer kam ich Grunde zusätzlich, da unser kleiner seit einiger Zeit schlecht schläft. Jetzt war er heute Nacht so ruhig, dass ich ihn nicht stören wollte und habe deswegen im Schlafzimmer geschlafen.


    Ich hoffe schon, dass ich irgendwann darüber hinweg komme. Denn gerade habe ich das Gefühl, ich wäre nicht in der Lage eine Beziehung zu führen.

    Also hast du dich in Sachen Trennung nicht mit deinem Mann auseinander gesetzt sondern dich rauslaviert. Mh. Also ich fürchte auf die Dauer wirst du um ein offenes Gespräch nicht herum kommen. Hast du Angst davor?

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    Ich hoffe schon, dass ich irgendwann darüber hinweg komme. Denn gerade habe ich das Gefühl, ich wäre nicht in der Lage eine Beziehung zu führen.

    Vielleicht kannst du das gerade auch nicht. Wäre ja aber auch nicht schlimm, denn auch das wäre ja nur ein temporärer Zustand. :)*

    new_here

    du kommst mir vor wie ein zartes Pflänzchen das nach Pflege lechzt, und die solltest du auch bekommen, deine beziehungsperson ist scheinbar nicht in der Lage dir dies zu bieten, nach deinem Sexuelen missbrauch sollte er dich aufpäppeln, nicht mit prachial gewalt Sex verlangen, sondern ihr solltet euch aneinander Kuscheln, miteinander die Themen ausdiskutieren, er sollte deine verletzten Wunden auskurieren, mit vorläufiger platonischer Liebe, nur so kriegt Ihr wieder eine Gemeinsamkeit.


    habe noch eine Frage sind die Kinder von ihm. wenn nicht dann kann es sein das du in eine Abhängigkeit von ihm gekommen bist.


    und dieses Problem solltet ihr als erstes lösen. in der Hoffnung dies gelingt euch Grüsse ich euch. :)^