Nur Egoisten haben ein Einzelkind

    Liebes Forum,

    Was haltet ihr von der Aussage, Eltern, die sich nur ein Kind wünschen, seien egoistisch?


    Hintergrund ist, dass ich einen fast zweijährigen Sohn habe und es „eigentlich“ gern bei dem einen Kind belassen würde. „Eigentlich“ in Anführungszeichen, weil ich mir nicht sicher bin, ob ich noch ein zweites Kind will.

    Mein Gefühl sagt mir: du bist mit einem Kind gut beschäftigt, teilweise überfordert und du sehnst dich nach mehr Freiheiten und Zeit für dich allein.


    Mein Umfeld sagt mir jedoch mehr oder minder direkt ins Gesicht, dass es egoistisch von mir sei, dem Kind ein Geschwister vorzuenthalten. Die „perfekte Kindheit“ sei mit und unter Geschwistern.

    Das triggert ein schlechtes Gewissen in mir. Ich bin ein Mensch, der sehr viel Zeit für sich allein benötigt. Momentan bekomme ich „meine Freizeit“, da mein Ehemann den Kleinen viel und gern betreut. Mit zwei Kindern wäre es sicher anders, ich müsste zurückstecken. Ich weiß nicht, ob ich das kann und will. Ist das egoistisch? Beraube ich meinem Sohn damit einer schönen Kindheit?


    Sollte man ein zweites Kind seinem Erstgeborenen zuliebe bekommen? Oder damit leben, eine Egoistin zu sein und die eigene Freizeit über ein Leben mit Geschwistern stellen?


    Habt ihr Input für mich? Danke!

  • 77 Antworten
    Alias 943336 schrieb:

    Mein Umfeld sagt mir jedoch mehr oder minder direkt ins Gesicht, dass es egoistisch von mir sei, dem Kind ein Geschwister vorzuenthalten. Die „perfekte Kindheit“ sei mit und unter Geschwistern.

    Das Umfeld sollte dir wirklich egal sein. Das ist und sollte doch immer eine Angelegenheit sein, die die jeweiligen Partner entscheiden sollten.

    Hast Du bezügl. deiner Zweifel schon mit deinem Mann gesprochen? Wenn ja, was meint er denn dazu?

    Mein Mann überlässt mir die Entscheidung für oder gegen ein zweites Kind. Er selbst hätte gern noch ein zweites, sagt aber, dass ich für mich wissen muss, ob ich es möchte. Mit ihm kann ich reden, aber eine Entscheidung nimmt er mir nicht ab.

    Alias 943336 schrieb:

    Mit ihm kann ich reden, aber eine Entscheidung nimmt er mir nicht ab.

    Ok. Nur dann solltest Du dich bewusst für oder gegen ein zweites Kind entscheiden, wenn Du dir sicher bist was Du willst. Nur aufgrund der Meinung anderer würde ich kein zweites Kind wollen.

    Warum bist Du in deiner Entscheidung so verunsichert? Kommt der Druck mehr aus deinem Umfeld oder stehen die engsten Familienmitglieder dahinter?

    Bleib bei dir, deinen Wünschen, Lebensvorstellungen und deiner Intuition und lasse dich nicht von anderen Menschen beeinflussen.


    Deinem Kind ist nicht geholfen, wenn es einen Bruder oder eine Schwester hat, aber dafür eine unglückliche und evtl. überforderte Mutter.


    Zudem können Einzelkinder genauso (un-)glücklich sein wie Kinder mit Geschwistern.


    Darüber hinaus sollte man auch an das imaginäre zweite Kind denken: Ist es ihm gegenüber fair, wenn es nur gezeugt wird, um dem ersten ein vermeintlich glücklicheres Leben zu ermöglichen? Ich denke, nicht.

    Meine Kinder sind froh, dass sie sich gegenseitig haben. Mein Neffe (Einzelkind) war immer traurig und hätte gern noch Jemanden gehabt.

    Ich bin mit meiner Mutterrolle immer zufrieden gewesen und konnte trotzdem im begrenzten Masse Zeit für mich haben. Mein Mann hatte selten Zeit für die Kinder.

    Jetzt sind die Kinder gross und ich habe weder etwas vermisst noch bereut.

    hallo, also meine eltern haben mir das so erklärt, dass sie zur zeit von erich und margarete unmöglich noch ein zweites kind hätten ernähren können.


    irgendwo trauring, aber es ist in ordnung. ich bin jetzt weder geschädigt, noch hatte ich eine schlimme kindheit als einzelkind.


    es ist deine entscheidung noch ein kind zu bekommen, nicht das deiner angehörigen. wenn du deinem kind liebe, zuneigung und geborgenheit gibst, dann wird es auch alleine glücklich und zufrieden aufwachsen. lass dich nicht unter druck setzen.


    als einzelkind kann ich sagen, dass ich eine schöne jugend hatte und meinen eltern keine vorwürfe gemacht habe, wieso sie nicht ein zweites oder drittes kind bekommen haben.


    wünsche dir alles gute @:)

    Ich wollte immer gerne mehrere. Eben weil ich weiß, wie schön es ist, mit Geschwistern aufzuwachsen.

    Aber letztendlich ist das doch deine bzw eure Entscheidung und da sollte ihr euch nicht für rechtfertigen.

    Es ist ja nicht automatisch so, dass es Einzelkindern schlechter geht.

    Wobei ich dazu sagen muss, dass ich denke, dass es mit zwei Kindern nicht unbedingt anstrengender wird. Klar, am Anfang sicher. Aber oft ist es ja auch so, dass die Kinder sich dann gegenseitig beschäftigen. War bei mir und meinen Geschwistern so, Zb wenn wir im Urlaub waren. Meine Freundin (einzelkind) dagegen war es gewohnt, immer bespaßt zu werden von den Eltern. Das war bei uns nicht nötig. Aber das ist natürlich auch Erziehungsache.

    Alias 943336 schrieb:

    Mein Umfeld sagt mir jedoch mehr oder minder direkt ins Gesicht, dass es egoistisch von mir sei, dem Kind ein Geschwister vorzuenthalten. Die „perfekte Kindheit“ sei mit und unter Geschwistern.

    Sorry, aber das ist doch Schwachsinn.

    Wer sagt denn dass sich die Geschwister vertragen werden? Vielleicht würde dein Kind es als "Entthronung" empfinden und nie darüber hinwegkommen, hat es alles schon gegeben. Und wer sagt dass ein zweites Kind auch gesund sein wird und nicht alle auf dieses Kind Rücksicht nehmen müssen?

    Man kann so pauschal überhaupt nicht sagen ob es besser ist Geschwister zu haben oder Einzelkind zu sein. Manche Einzelkinder haben viele Freunde um sich herum und sind glücklich dass sie ihre Eltern nicht teilen müssen. Manche Geschwister wären viel lieber Einzelkind.

    Ein zweites Kind sollte man bekommen weil man ein zweites Kind haben will, noch einmal die Schwangerschaft und Babyzeit erleben will, einfach weil man mehr als ein Kind haben will. Aber ein zweites Kind sollte nicht nur kommen um als Spielkammerad fürs erste zu dienen, das könnte nämlich genau so gut schief gehen.

    Du bist in der glücklichen Lage dass du ganz allein und frei darüber entscheiden kannst.

    Ich würde die Entscheidung nicht unbedingt vom Stress in den nächsten Jahren abhängig machen. Klar, kleine Kinder sind anstrengend, zwei sind anstrengender als eines, aber auf das ganze Leben betrachtet ist diese extrem anstrengende Zeit doch verhältnismäßig kurz und geht vorbei. Ich würde da eher 20 Jahre weiter denken... Glaubst du, du könntest es in 20 Jahren vielleicht bereuen nicht noch ein weiteres Kind bekommen zu haben? Würdest du dann lieber zwei (erwachsene) Kinder haben wollen?

    Also, nein, ich finde es keinesfalls egoistisch nur ein Kind zu haben.

    Ich hab irgendwann mal eine Studie gelesen, nach der die möglichen Verluste und die möglichen Gewinne durch Geschwister sich ausgleichen. Ich bin sehr froh, dass ich eine Schwester habe, aber in unserer Kindheit war das meist anders, und wir hatten noch lange daran zu sortieren. Kann so oder so laufen, weiß man nicht vorher.

    Ich finde es erstens nicht egoistisch, zu sagen, ich bin relativ nah an meiner Belastungsgrenze und will nicht riskieren, mich drüberzukatapultieren, sondern klug und umsichtig. Und zweitens fänd ich es auch völlig okay, sich aus "egoistischen Gründen" gegen ein zweites Kind zu entscheiden. Die Leutem die Dir da Egoismus vorwerfen, haben nicht mehr alle Latten am Zaun, von denen würde ich mir nix anhören.

    Egoisten

    - parken das Kind / die Kinder vorm TV oder PC oder Smartphone um ihre Ruhe zu haben

    - geben ihr Kind 10 Std am Tag in den Kindergarten obwohl sie nur 6 Std lang arbeiten

    - zwingen ihr Kind zu einem Hobby als Karrierestart ("Eislaufmutti")


    Was nicht ok wäre: wenn du deinem Kind andere Spielkameraden vorenthältst. Aber mit ein bisschen Engagement geht das auch, und viele Kinder kommen ja auch schon zum oder vor dem 3.Geburtstag in den Kindergarten, da gibt es auch andere Kinder.


    Es kann ja auch sein, dein Sohn wird ein wilder Rabauke der gerne Fußball spielt und klettert, während er ein Geschwisterkind bekommt, das ruhige Spiele, lesen und basteln vorzieht. .Wenn du dann sagst: "Spiel doch mit deinem Bruder..."


    Oder du hast zwei Kinder und was dem einen nicht an Streichen einfällt, fällt dem anderen ein... Oder das nächste Kind kommt doch erst in 10 Jahren...


    Schaff dir ein zweites Kind an wenn DU

    Alias 943336 schrieb:

    Die „perfekte Kindheit“ sei mit und unter Geschwistern.

    Würd ich teilweise unterschreiben (unter dem Vorbehalt, dass natürlich auch mit Geschwistern andere Faktoren die Kindheit unperfekt machen können), die übrigen Aussagen deines Umfeldes allerdings nicht. "Nicht perfekt" heißt schließlich auch noch lange nicht "nur mittelmäßig" oder gar "schlecht". Vor allem wenn du mit einem Kind teilweise überfordert bist und dir kein weiteres zutraust, ist es dir und deinem Kind gegenüber sehr weitsichtig, nicht sehenden Auges auf die potentiell totale Überforderung zuzusteuern.

    Alias 943336 schrieb:

    Beraube ich meinem Sohn damit einer schönen Kindheit?

    Nein, und ich bin mir sicher, dass du das eigentlich auch selbst weißt. Es gibt eine Menge Spielraum, dafür zu sorgen, dass dein Kind kein verhätschelter und sozial inkompetenter Einzelkind-Prinz, wie er im Buche steht, wird.

    Was für absolut sinnfreie Argumente Du Dir da an hörst von Deinem Umfeld :|N ich bin Einzelkind, habe nie etwas vermisst. Hatte eine schöne Kindheit und bin heute weder egoistisch noch assozial. Mein Sohn ist 9, auch Einzelkind und wollte nie Geschwister. Er vermisst gar nichts, im Gegenteil. Er hat sehr viele Freunde, ist sehr sozial und offen. Ich wüsste nicht warum er keine schöne Kindheit haben sollte. Also: lass die Leute reden - nur Du allein weißt, was Du willst.@:)

    Zitat

    verhätschelter und sozial inkompetenter Einzelkind-Prinz, wie er im Buche steht, wird

    Die Frage ist halt wieviele es davon wirklich gibt. Vermutlich ähnlich viele/wenige wie es perfekte Geschwisterfreundschaften in Kindertagen gibt.


    Ich denke Glück und Unglück eines Menschen und die Qualität der Kindheit lassen sich nicht daran festmachen ob es ein Geschwisterchen gab oder nicht, da spielen zu viele andere Faktoren mit rein. Und in dem Fall hier finde ich das eine entspannte Mutter mehr wert ist.


    Wäre mal Interessant zu hinterfragen wer solche Sprüche bringt wie "die perfekte Kindheit geht nur mit Geschwistern". Böse geschätzt könnte das natürlich auch die Klischee Frau sein die ihre ganze Erfüllung im "Hausfrau und Mutter" sein gefunden und nen Haufen Kinder auf die Welt gebracht hat.