Partnerschaft und Depressionen

    Hallo Forum,

    ich habe folgendes Problem: ich bin schon lange Depressiv (war letztes Jahr sogar für ein paar Wochen in der "Geschlossenen" weil es zu extrem war und ich Suizidgedanken hatte) und seit über 20 in einer Beziehung. Ihr könnt euch vielleicht denken, wo mein Problem liegt. Ich kann meiner Partnerin nicht verständlich machen, was meine Krankheit mit mir macht und was für tägliche Probleme mich fertig machen, überhaupt halbwegs zu "funktionieren". Arbeiten gehe ich um die Familie finanzell irgendwie durchzubringen (ich verdiene eigentlich recht gut - aber mit einem stressigen IT Job). Ich tu echt was ich tun kann, um meine Kinder irgendwie glücklich zu machen. Aber meine Frau hat da ganz andere Ansichten. Ich verstecke mich nur hinter den Depressionen, ich soll doch einfach mehr Medikamente nehmen, ich bin ja aus der Klinik entlassen worden - ergo bin ich ja gesund usw....

    Sie hat komplett andere Ansichten und wenn es mal "Unstimmigkeiten" gibt, bin ich an allem Schuld - ich bin ja schließlich der Kranke. Was um himmelswillen soll ich tun, das sie auch nur ansatzweise versteht, was mit mir los ist? Depressionen kann man schlecht beschreiben - erklärts jemand der keine Ahnung davon hat plus auch noch eine Menge Vorurteile und komplett voreingenommem ist ...


    Bin für jeden Ratschlag dankbar



    Archibald

  • 58 Antworten

    Oh Mensch, das tut mir wirklich leid für dich. Ich kenne die andere Seite und weiß wie fies, das eine Beziehung belastet! Bist du aktuell noch in Therapie? Vielleicht könnte deine Frau mal mit deinem Therapeuten sprechen? Mir hat damals das Bild "Du musst dir vorstellen, ich bewältige meinen Alltag unter einer Decke aus zähflüssigem Beton. Es geht zwar irgendwie, aber es ist unfassbar schwer!" Und nein, eine Depression ist nie wirklich vorbei, der Teufel sitzt immer auf der Schulter, und es dauert Jahre, bis man gelernt hat, den so handzahm zu bekommen, dass er die Klappe hält! Ich wünsche euch alles Gute dabei, diesem Teufel zu zeigen, dass er keine Macht mehr hat. Und bevor du fragst, das ging auch bei uns nicht ohne Heulen, Stress und Türenknallen ab.

    Hi Archibald,


    Gibt es dir Möglichkeit dass deine Frau mal ein Gespräch mit deinem Psychologen führt?
    Ich finde es immer sehr schade wenn sich Partner so gar nicht mit dem Problem ihres Partners auseinandersetzen. Da würde ja z.B. allein Google schon sehr weiterhelfen.


    Woraus bestehen diese 'Unstimmigkeiten'? Hast du eher den Eindruck deine Frau wäre hilflos zu verstehen, oder ist sie wütend (also verständnislos)?
    Und, ganz vorsichtig gefragt, hast du das Gefühl deine Frau würde deine Depressionen mit ihrer Ablehnung befeuern?

    Und hast du das Gefühl, dass deine Frau vielleicht überfordert ist und deswegen mehr von dir erwartet? Gerade wenn sie selber nicht in einer optimalen Lage ist, ist es evtl. mit der Rücksichtnahme schwierig.

    Neanuk, damit ist wahrscheinlich jede Frau überfordert! Wie gesagt, ich kenne das besser, als mir lieb ist. Und oft kommen mit der Überforderung die Vorwürfe. Es ist halt wirklich sehr schwierig zu begreifen, dass eine Depression Jahre brauchen kann, das gemeine ist halt auch, man sieht die Krankheit nicht. Und ja, gerade wenn man selbst aus dem letzten Loch pfeift, Kinder, Arbeit, Haushalt wieder an einem kleben bleiben, dann kommen einem die Gedanken, "krieg doch einfach mal deinen verdammten Ar.... hoch!" Dann muss man sehr tief durchatmen, innerlich zurücktreten und das eigene Mantra "Er kann nichts dafür, das ist nicht er, sondern die Depression!" So ungefähr 200-300 mal aufsagen, ne Runde heulen, kurz vor die Wand treten und weitermachen!

    ArchibaldTuttle schrieb:

    Sie hat komplett andere Ansichten

    Das, was du da wiedergibst, sind nicht einfach "andere Ansichten". Das zeugt von kompletter Unwissenheit über das Krankheitsbild Depressionen. Überforderung, wie sie hier genannt wurde, kann grundsätzlich sein. Aber nein, diese Aussagen deiner Frau lasse ich nicht als "Sie ist nur überfordert damit" durchgehen. Inwiefern hat sie sich damit schon befasst, mit Angehörigen, Betroffenen gesprochen? Bücher gelesen? Gegoogled, irgendwas?

    Hallo und erstmal Danke für eure Antworten. Sie hat schon viel getan um mich verstehen zu können: Vorträge besucht, Gespräche mit meinem Therapeuten umd meiner Ärztin im Krankenhaus geführt. Leider ist da nichts hängen geblieben. Sie hat auch viel mitmachen müssen mit mir - sie nennt mich ihr "3. Kind". Ich hab viele Jahre nur funktioniert und jetzt seid 2 Jahren wird es schlimmer. Und ja, sie "befeuert" das ungewollt mit ihrem Unverständnis. Ich denke schon länger über eine Trennung nach. Einerseits sie zu entlasten (ihr das "Problem" zu nehmen) und mir irgendwie den Druck zu nehmen. Ist aber sehr kompliziert (nicht abbezahltes Haus, meine Eltern wohnen noch mit im Haus). Ich habe sehr oft die typischen Gedanken "ich bin an allem Schuld, bin nicht gut genug für sie, etc". Ich komm da echt nicht raus ohne einen Partner, der das halbwegs versteht. Mein Psychiater wollte mich vor kurzen für 6-8 Wochen aus dem Verkehr ziehen weil ich schon wieder "abdrifte" Richtung suizidale Tendenzen. Aber ich kann es mir nicht leisten, meinen Job zu verlieren. Und versuche eben verzweifelt zu funktionieren.


    Boah, beim Lesen meines Beitrag hier wird mir erst klar, wie ich mich kaputt mache ...


    Ich liebe meine Frau wirklich - bin aber echt am Ende wg. den 1000 Missverständnissen und nicht verstanden zu werden. Ich habe Angst vor mir selbst - entweder geh ich psychisch kaputt oder ....


    Alles Bullshit, sorry für das was ich hier von mir gebe - aber ich hab keinen zum "auskotzen"


    Archibald




    Ohne jetzt an Frau, Familie oder AG zu denken: Wäre eine Kur nicht ideal?


    Nach dem was und wie du schreibst bist du ein liebenswerter Mensch der ganz viel gibt und an den Punkt gekommen ist endlich selbst Rückhalt zu bekommen. @:)
    Schön das du da und hier bist!:-)


    Hallo Eleonora,

    vielen Dank für deine aufbauenden Worte @:)

    An sowas wie eine Kur habe ich auch schon gedacht - aber ich habe Angst davor, mit meiner Frau deswegen Ärger zu bekommen. Meine Frau hat letztes Jahr fast 6 Wochen komplett alles zuhause alleine gewuppt, als ich in der Psychiatrie gelegen bin. Sie ist auch psychisch am Ende und ich verstehe ja zum Großteil ihre Wut und ihren Ärger. In der Klinik habe ich durch viele Gespräche und verschiedenen Therapien wieder richtig Freude am Leben gehabt. Wieder "draußen" ist alles aber wieder beim alten. Keine Zeit für mich. Aber sie macht es sich einfach und schiebt alles auf meine Krankheit und ich soll mich doch bitte anstrengen und beeilen, dass ich "gesund" werde. Eben das "Übliche", was man bei einer Konstellation wie meiner eben erwarten kann bzw. muss.


    Sie will überhaupt nicht das ich gehe - aber haut mir permanent Vorwürfe um die Ohren. Da baut sich in meinem Hirn der Kontext auf, das es hier nicht wirklich um mich als Person und Partner geht, sondern mehr als "Funktion" gesehen werde: Geldverdiener und Hausbesitzer (ich sorge dafür, das wir ein Dach über den Kopf haben, uns einen tollen Urlaub leisten können, Entlastung für sie mit dem Haushalt - und letztendlich bei einer Scheidung müsste ich das Haus verkaufen).


    Ich verstehe nicht wie sie sagen kann, sie liebt mich noch, steht zu mir "in guten als auch in schlechten Zeiten" und gleichzeitig immer auf mich verbal herumtrampelt. Sie weiß genau, wo es mir besonders wehtut - und da trifft sie immer ins Schwarze.


    Ich bin keine Maschine, die einfach 24/7 funktionieren kann - aber alle um mich herum, die von der Depression wissen, meinen, ich müsste mich doch einfach mal zusammenreißen.


    ich denke, es gibt keine Alternative zur Trennung. Wenn es so weiter geht, gibt es nur permanent Stress zwischen und und die Kinder leiden unter unseren Streitereien.


    Ich bin echt am Ende - Gott sei dank habe ich heute Abend meinen regulären Termin bei meinem Psychotherapeuten. Mal schauen, was er dazu meint ...


    LG

    Archibald

    Wie viele kinder habt ihr und wie alt sind sie.


    Sie scheint auch sehr überlastet zu sein. Können eure eltern und freunde euch evtl entlasten? Ist evtl finanzieller spielraum für kinderbetreuung oder haushaltshilfe?


    Ihr beide scheint mir urlaubs-/kurreif zu sein.


    Wie ist dein sonstiges umfeld? Freunde, hobbys, bewegung/spaziergänge/sport, ernährung, schlaf, gespräche, cousins/cousinen, reisen/tagestouren, urlaub


    Wie ist deine frau integriert. Hat sie ein gutes umfeld, welches ihr halt gibt?


    Wie gehts euren kindern? Haben die freunde und kennt ihr deren eltern?

    Hallo ArchibaldTuttle, tut mir sehr leid, von deiner Situation zu lesen. Klar ist (das wurde ja hier schon erwähnt), dass deine Frau selbst überfordert mit der Situation ist und du dir (zu recht) Unterstützung von ihr wünschst, die sie nicht in der Lage ist zu leisten. Ich habe auch mehrfach gesundheitliche und psychische Probleme gehabt (wenn auch nicht so schlimm wie bei dir) und musst jedes Mal die Erfahrung machen, dass meine jeweiligen Partnerinnen ab einem gewissen Punkt eher frustriert als verständnisvoll reagiert haben. Man wünscht sich dann Unterstützung und erhält sie ausgerechnet vom wichtigsten Menschen nicht.


    Wichtig finde ich zunächst mal, dass du dir klar machst, dass sie da nicht ungewöhnlich reagiert. Die meisten Leute - gerade Frauen - scheinen da so zu reagieren. Ich weiß aber auch von mindestens einer Partnerin, dass ich ein ähnliches Verhalten gezeigt habe, ohne dass das meine Absicht gewesen wäre bzw. es mir in dem Maße bewusst gewesen wäre. Also: Sei ihr nicht böse sondern hab auch etwas Verständnis mit ihr.


    Versuch, soweit es dir möglich ist, dich nicht nur an den täglichen Pflichten abzukämpfen. Denn die sind sehr anstrengend und stressig und fallen Anderen kaum auf. Zeig deiner Partnerin auch mal auf ungewöhnliche Weise, was sie dir bedeutet und dass du sie unterstützen möchtest. Müssen keine tausend Rosen an der Haustür sein, sondern vielleicht auch einfach mal etwas, womit du ihr auf unerwartete Weise Arbeit abnimmst und was ihre Aufmerksamkeit erregt.


    Ich habe rausgelesen, dass du regelmäßig bei einem Therapeuten bist? Besprich sowas auch mal dort. Denn auch das ist ja eine Belastung für dich, die letztendlich auch zu deiner Erkrankung beitragen kann.

    dsquared

    wir haben 2 Kinder, 4 und 8 Jahre alt und ja, wir sind beide überlastet. Ich verstehe meine Frau ja auch. Wenn ich in der gleichen Situation wäre und hätte keinerlei Ahnung von Depressionen - ich würde vielleicht ähnlich reagieren. Aber die Gespräche, die sie mit mein Therapeuten & Co. hatte müssten doch irgendwie zum Verständnis beitragen. Aber da ist leider nichts ...


    Meine Eltern sind auch schon über 70 und tun schon, was sie können um meine Frau zu entlasten. Meine Mutter will mich verzweifelt zum Beten und einem Gespräch mit einem Priester bewegen. Ähm, .... nein, nicht mein Weg.

    Zitat

    "Wie ist dein sonstiges umfeld? Freunde, hobbys, bewegung/spaziergänge/sport, ernährung, schlaf, gespräche, cousins/cousinen, reisen/tagestouren, urlaub"

    Da ist leider gar nichts - NULL! Ich habe in der Klinik gelernt, das deine Themen sehr wichtig für einen sind und ich habe auch dort mit dem Malen angefangen, mit Holz zu arbeiten, usw. Hat mir alles sehr viel gebracht - aber ich schaffe es nicht in den Alltag zu integrieren. Ich komme vom Arbeiten, helfe zuhause was ich kann (kochen etc., kümmere mich um meine Kinder soweit es geht) und nachdem die Kinder im Bett sind geh ich duschen und das war dann mein Tag - weil ich einfach nicht mehr schaffe - und falle ins Bett.


    Meine Frau hat einen größeren Bekanntenkreis und ist eigentlich dort gut integriert.

    Meine Kinder bekommen leider immer mehr von unseren Stress mit - liegt auch großteils an mir: ich fange einen Streit an, wenn ich mich zu verletzt fühle - und das oft vor den Kindern. Ich weiß dass das sehr schlecht ist - aber in diesem Moment "fliegt mir einfach die Sicherung" und ich nehme dann leider auf die Kinder keine Rücksicht ...


    kaltwarm

    Genau so ist es - sie ist völlig frustriert und ich verstehe das ja auch alles. Sie braucht Unterstützung und ich kann das depressionsbedingt nicht leisten. Dazu hat sie festgemauerte Erwartungen gegen mich - die ich leider nicht erfüllen kann. Viele Dinge sind für sie einfach so selbstverständlich und es muss doch klar sein, das ich ihre Erwartungen erfüllen muss.

    Ich erwarte keine Hilfe von ihr (das mit meinen Depressionen kann ich nur selbst lösten) - nur etwas mehr Verständnis. Und das bekomme ich nicht. Wenn ich zum Beispiel sage, wie schwer es ist für mich, morgens aufzustehen und arbeiten zu gehen - dann kommt sowas wie "Soll ich jetzt dafür auch noch danke sagen?". Das tut dann sehr weh und setzt die Spirale nach unten wieder in Gang ("kann nix - bin nix & bin nix wert").

    Ich zeige ihr durchaus Verständnis - aber das beruht eben nicht auf Gegenseitigkeit.


    Ich werde heute Abend mit meinem Doc darüber reden - aber gefühlsmäßig habe ich die Entscheidung für eine Trennung vor mir. Ich habe bloß absolut keine Ahnung, wie ich das finanziell und vor allem gefühlsmäßig durchziehen kann.


    Vielen Dank für eure Tipps und Beistand


    Archibald

    Verstehe. Wenn deine Beziehung schon dermaßen destruktiv ist, hast du natürlich nicht viel Handlungsspielraum. Eine Trennung ist natürlich auch nichts, was mit Depressionen mal so nebenbei geht. Vor allem eine mit Ehe und Familie, wo dermaßen viel Logistik dahinter steht. Aber wenn du keinen anderen Weg siehst, muss es vielleicht sein und kann dich längerfristig sogar sehr entlasten.


    Da ich gerade lese, dass du keinen sehr ausgeglichenen Alltag hast: Es ist sehr gefährlich, alles darauf zu fokussieren, im Job leistungsfähig zu sein (man empfindet ja seine eigene Erkrankung schnell als Zumutung für Kollegen und Arbeitgeber) und alles andere zu vernachlässigen. Das hilft nämlich oft langfristig nicht weiter. Ich bin kein Therapeut und spreche hier mehr aus gesundem Menschenverstand und eigener Erfahrung: Schau, dass du regelmäßig Zeit UND ENERGIE für dich selbst übrig behältst und machen kannst, was dir Spaß macht und wobei du dich entspannen kannst. Und das, ohne dabei schon vorher ausgepowert zu sein. Wenn du keine "echten" Hobbys hast, lauf einfach mal bei schönem Wetter ohne Zeitdruck los, das ist für mich z. B. immer sehr befreiend. Oder lies dir Artikel im Internet durch über Dinge, die dich interessieren oder die du schön findest, auch wenn es vielleicht gerade keinen konkreten Grund oder Anlass gibt.


    Über den Absatz über deine Mutter musste ich etwas schmunzeln. Ja, so sind sie, die Mütter ;)