Phonophobie

    Eigentlich bin ich gar nicht so übermäßig schreckhaft und kann die meisten Geräusche - bis zu einem gewissen Lautstärkepegel - ganz gut ausblenden.


    Bestimmte Geräusche treiben mich aber gerne mal fast an die Decke, wie z.B.


    - Türenknallen der Nachbarn


    - Laubbläser


    und weitere.


    Dabei liegt es durchaus auch an der Bewertung der Geräusche. Beim Türenknallen empfinde ich das als direkten persönlichen Angriff, vor allem, wenn das z.B. mitten in der Nacht um 23:30 passiert.


    Das hat dazu geführt, dass ich teilweise den kompletten Nachmittag bis Nachts mit Ohrstöpseln in der eigenen Wohnung verbracht hatte, nicht nur aus Angst vor dem lauten Knall, sondern auch aus Angst, vor Wut auszuflippen.


    Mich macht es einfach so unendlich wütend, dass es jemanden rund um die Uhr so scheißegal zu sein scheint, ob er die anderen stört, während man sich selber Mühe gibt, generell (nicht nur nachts) dir Türen nicht zu knallen oder laut herumzupoltern, wenn es gar nicht sein müsste.


    Dabei ist es nicht mal sooo oft. Gut so 1-3 mal pro Abend/Nacht kommt es schon vor, und wenn, dann wackelt die Bude.


    Vielleicht ist es auch gar keine Phonophobie... ich hatte lange in einer Wohnung gelebt, da war so etwas gar kein Thema. Da gab es dann irgendwann etwa 2 Jahre täglichen Baulärm, weswegen ich da weggezogen bin.


    Fragt sich: Ist das überhaupt noch Phonophobie oder normales Empfinden?


    Ob Phonophobie oder nicht... wie gehe ich am besten damit um? Ich habe das Gefühl, sich ständig die Ohren zuzustopfen macht es nicht unbedingt besser, eigentlich eher schlimmer.

  • 12 Antworten

    Die Frage ist nicht "Phonophobie oder normales Empfinden?", sondern, "Wie kannst Du Dich aus dieser unangenehmen Situation befreien?" Hast Du den Störenfried denn einmal darauf angesprochen? Vielleicht fällt der aus allen Wolken, weil er nicht ahnt, wie hellhörig das Haus gebaut ist. Die nächste Stufe wäre eine Beschwerde beim Vermieter. Der sitzt gegenüber dem Störenfried vielleicht doch am längeren Hebel.

    Mich wundert es halt nur, dass die meisten Leute völlig okay damit leben können, wenn um sie herum rücksichtslos rumgelärmt wird. Mir geht das unglaublich auf den Geist.


    Ansonsten ist es natürlich einfach gesagt, jemanden drauf anzusprechen. Es war am Anfang so, dass etwa alle 2-3 Tage Musik in Diskolautstärke lief. Sogar der nette Einweihungsabend fiel deswegen ins Wasser. Nach einem besonnenen Brief meinerseits wurde sich zwar entschuldigt, aber die Situation wurde erst mal nicht wesentlich besser. Erst 1-2 Monate später habe ich bemerkt, dass plötzlich laute Musik kein Thema mehr war, dafür aber eben nächtliches Türenknallen (war vorher auch da, ist aber wegen der ständigen Disko nicht so ins Gewicht gefallen). Da kommt man tatsächlich auf den Gedanken: "Wenn die sich schon so dermaßen zusammenreißen, nicht ständig laut Musik zu hören, ist es bestimmt zu viel verlangt, dass sie dann nicht wenigstens die Türen knallen. Man kann ja auch nicht von einem Schwerverbrecher verlangen, plötzlich aus eigenen Stücken ehrenamtlich zu arbeiten". Das ist auch ein Problem: Ich lebe alleine, die sind zu zweit. Und ich neige dazu, vom worst-case auszugehen. Also am Ende der Gedankenkette sehe ich mein Auto zerkratzt, die Reifen meines Fahrrades aufgestochen usw. Und aus leidvollen Erfahrungen, aber eben nicht nur meinen eigenen, sondern auch denen anderer aus dem Internet lernt man mit der Zeit, dass eben reden doch nicht wirklich hilft und es fast immer auf einen langen mühsamen, stressigen und nervenaufreibenden Prozess kommt, nur um zu erreichen, dass eine Partei sich nicht benimmt wie auf dem Planet der Affen (obwohl: Da waren die Affen immerhin irgendwie noch zivilisiert...). Ich denke ja auch, dass das Dinge sind, die man nicht ständig extra sagen müsste. Jedenfalls bin ich wieder auf Hochtouren auf Wohnungssuche.

    Ich habe keine Ahnung, ob das unter eine Phobie fällt, mir erscheint es aber eher als allgemeine Geräuschempfindlichkeit. Ich denke, du bist schon ziemlich anspruchsvoll. Wenn du keine Geräusche von Nachbarn willst, kannst du halt nicht in Mehrfamilienhäusern wohnen. Irgendwer macht da immer Lärm. Es ist gerade 2:30 Uhr und mein Nachbar über mir duscht lautstark, das Kind von den Leuten unter mir schreit und reisst die Bude ab ( eben trommelte es, ich glaube man nahm ihm die Trommel netterweise ab ) - stört mich, würd ich aber nie bemängeln. Dafür singe ich beim Putzen tagsüber gerne und nehme die Geräusche meiner Mitmenschen in Kauf, weil Mietwohnungen sehr selten schalldicht sind. Du kannst dir natürlich eine neue Wohnung suchen, aber ich vermute dass du dort auch schnell wieder irgendetwas zu bemängeln findest ;-D vllt schaust du bei der neuen Wohnung zumindest auf ein Miethaus mit vorwiegend Senioren. Die sind wohl am ruhigsten. Für junge Leute ist 23:30 Wohlfühlzeit ;-D da bin ich meistens noch gar nicht von der Arbeit zurück, geschweige denn im Bett.

    zuerst wusste ich gar nicht, dass Phonophobie eine Angsterkrankung ist.


    In der Zwischenzeit bestimmt diese Krankheit mein Leben. Mein Mann ist seit 2006 schwerstbehindert und musste nach 5jähriger Pflege zuhause in ein Pflegeheim.


    Ich litt damals schon unter Depressionen und hatte einen Tinnitus bekommen, war traumatisiert durch die Krankheit meines Mannes.


    Nachdem ich dann aber aus finanziellen Gründen unsere gemeinsame Wohnung aufgeben musste, ging es los. Ich bin inzwischen 7 Mal umgezogen und gerate immer wieder an Nachbarn über mir, die diese Klopfgeräusche, die mich in Angst und Panik versetzen, ausüben. Möbel schieben und ständig hin und her laufen. Laut und aufdringlich Türen schlagen und sich bemerkbar machen, wenn sie mich hören, obwohl ich extrem leise bin.


    Nun habe ich 3 Jahre, bis vor zwei Wochen, in einem Apartmenthaus/Hochhaus gewohnt, wo ich diese Probleme nicht hatte. Das war ein herrliches Wohnen. Hotelcharakter.


    Kurz vor Weihnachten bekamen alle Mieter eine kurzfristige Kündigung. Bis zum 31.12. mussten die Wohnungen geräumt sein. Auch unsere Anwälte konnten nicht viel machen, außer klagen. Wir mussten raus.


    Ich habe zwar eine neue Whg gefunden, was ein Glücksfall war, aber habe wieder mein "altes" Problem. In die Wohnung zu gehen und die Nachbarn über mir zu hören, die auf jedes Geräusch von mir reagieren, macht mich handlungsunfähig.


    Ich möchte am liebsten wieder flüchten, kann aber nicht immer weglaufen, außerdem habe ich die finanziellen Möglichkeiten nicht mehr.


    Völlig verzweifelt verstehe ich nicht, warum es keine Hilfe dagegen gibt.


    Wenn ich zu denen hochgehen würde und um Verständnis bitte, dann würden die mich gar nicht verstehen. Ich habe auch die Erfahrung gemacht, wenn man sich beschwert, dann wird es erst recht provoziert und noch schlimmer.


    Kaum jemand, den ich kenne, kennt sich mit Phonophobie aus. Man soll sich zusammenreißen, oder das Radio aufdrehen....usw.


    Diese Klopfgeräusche sind für mich vernichtend. Ich weiß da keinen Rat wie es in Zukunft weitergehen soll. Deshalb verstehe ich Nin77 sehr gut. Alles was sie schreibt, trifft auch auf meine Lebenssituation zu.

    santosha, bist du in Behandlung? Hast du dir Hilfe für dein Problem gesucht? Ist dir bewusst, dass du eine Störung hast, nicht deine Nachbarn?


    Du wirst hier sicherlich noch Ratschläge von kompetenteren Personen bekommen, aber das hier

    Zitat

    Laut und aufdringlich Türen schlagen und sich bemerkbar machen, wenn sie mich hören, obwohl ich extrem leise bin.

    und das hier

    Zitat

    In die Wohnung zu gehen und die Nachbarn über mir zu hören, die auf jedes Geräusch von mir reagieren, macht mich handlungsunfähig.

    klingt schon sehr nach Paranoia, nicht nach Phonophobie. Du unterstellst deinen Nachbarn, dass sie absichtlich lärmen, wenn sie dich hören? Das machen die allermeisten Leute nicht.

    gauloise, danke für deine Antwort.


    Ich kann mit dieser Angsterkrankung/Störung überhaupt nicht umgehen, weil sie mir erst jetzt, nach so vielen Jahren , richtig bewusst geworden ist und ich weiß, dass ich etwas unternehmen muss, damit ich nicht daran zerbreche.


    Ich bin in psychotherapeutischer Behandlung schon seit Jahren. Aber werde dort nicht wegen der Phonophobie therapiert (Gesprächs-Verhaltenstherapie), sondern wegen meiner Depressionen. Anscheinend sind die aber eine Folgeerkrankung dieser Störung....nehme ich jetzt an.


    Die Phonophobie wurde mal diagnostiziert bei einer stationären Rehamaßnahme, wie ich so nebenbei bei einem Einzelgespräch davon erzählte.


    In den letzten 3 Jahren gab es auch keinen Grund über die Phonophobie zu sprechen, weil ich dachte, ich hätte das überstanden durch meine alte Wohnung, in der ich das nicht einmal hatte.


    Da ich mich mal in einer anderen Wohnung, bei meinen damals neuen Nachbarn, über mir gemeldet hatte und darum bat, nachts keine Möbel zu rücken, weil ich eben sehr geräuschempfindlich bin, bin ich auf Unverständnis gestoßen.


    Die Dame hatte einen Freund, der immer abends da war und wenn ich dann nach Hause kam und die mich hörten, dann ging die Post ab.


    Natürlich haben die sich lustig gemacht darüber.


    Ich hatte ja geschrieben, dass es bei mir "Klopfgeräusche" sind, die mir solche Ängste bereiten.


    In der Zwischenzeit nimmt diese Störung mir jede Lebenskraft. Mein Mann im Heim ist schon total verzweifelt, weil er bereits vor meinem Umzug ahnte, dass ich in einem normalen Mehrfamilienhaus nicht wohnen kann, aufgrund dieser Probleme und genauso ist es.


    Gestern Abend ist mir das so klar geworden.......ich bekam unerwartet Besuch bis ca. 23 Uhr. Ein Freund aus der SHG kam mich besuchen. Wir kennen uns gut und unternehmen öfter was zusammen.


    Im Auto kann ich die Musik aufdrehen bis zum Anschlag und laut singen, das alles stört mich überhaupt nicht.


    Ich wollte jedenfalls gestern immer, dass er leiser spricht, die über mir sollten ihn nicht hören, aber irgendwie klappte das nicht.


    Ich war schweißgebadet und voller Panik. Mein Herz raste und nachts habe ich mich übergeben.


    Dabei macht es mir nichts aus, wenn ich in fremden Wohnungen bin, aber bei mir zuhause halte ich das nicht aus.


    Paranoia wurde mir damals in der Klinik nicht gesagt. Auch keine Persönlichkeitsstörung diagnostiziert. Ich hatte halt sehr viel Stress in den letzten Jahren und auch Burnout.


    Aber wo Du es sagst, sollte ich meine Therapeutin vielleicht mal darauf ansprechen.

    Man könnte bei einem Hynosetherapeuten auch mal auf eine andere Schiene gebracht werden.


    Deine Schallplatte mit Sprung ist: da könnte Lärm sein, der stört mich, die Nachbarn machen extra Lärm, wenn ich mich beschwere.... Macht mich alles verrückt ....


    Könnte man umwandeln in: jedes Geräusch untermalt meine Lebendigkeit und beruhigt mich mit jedem Mal mehr...

    Sapient,


    mit "nur" Türenknallen hat das bei mir nichts zu tun. Schön wäre es, wenn ich das auch so humorvoll nehmen könnte. Für mich sind das teilweise Todesängste, die ich empfinde.


    Ich habe hier nur geschrieben, weil ich den Beitrag von Nin77 gelesen habe und er mir zeigte, dass es auch andere Menschen gibt, die darüber völlig identische Aussagen machen, wie ich.


    Dem Kind hat meine damalige behandelnde Fachärztin f. Psychiatrie und Neurologie in der Rehamaßnahme den Namen " Phonophobie" gegeben. Ich war dort wegen einem Burnout durch jahrelange Pflege und machte dort auch eine Traumatherapie in 3 Stufen.


    BenitaB.


    Das, was du beschreibst, wäre eine Art Autosuggestion. Es gibt ja auch Meditations CDs. Vielleicht auch für so etwas. Das könnte ich nebenbei mal ausprobieren. Auf jeden Fall ist es ein guter Ratschlag.


    In der Klinik hatte ich im Gegensatz zur Gesprächstherapie, eine tiefenpsychologische Behandlung. Das war für mich wesentlich intensiver und ich reagierte ziemlich schnell mit Flashbacks.


    Deshalb habe ich mir aufgrund der erneut aufgetretenen Phonophobie überlegt, ob ich in diese Art von Therapie wechsele und evtl. durch tiefenpsychologische Methoden klären kann, woher diese spezielle Angst vor Klopfgeräuschen kommt. Ich muss ja irgendwas erlebt haben, was das auslöst.


    Natürlich will ich so nicht leben und weiß, dass ich was machen muss um gesund zu werden....

    Benita hast du mit ärztlichen Hypnotiseuren Erfahrung.


    Auf was muss ich bei der Suche nach ärztl. Hypnotiseuren achten? Sind das Psychiater mit einer Zusatzausbildung?


    Wenn du schreibst, dass er das Trauma löscht und eine andere Wahrnehmung suggeriert, dann ist das ein langer Weg.


    Traumatherapien werden auch in Kliniken, wie schon erwähnt, in 3 aufeinander folgenden Phasen durchgeführt, einmal im Jahr eine. Ansonsten wäre das für die menschliche Psyche nicht zu verkraften.


    Ich wohne in einer Großstadt und im Branchenverzeichnis habe ich diese Berufsgruppe nicht gefunden. Ich werde mal googeln.


    Einen guten Rutsch ins neue Jahr und dir auch alles Gute.


    LG Santosha