Phonophobie (Angst vor Geräuschen) - Ein Gedankenexperiment

    Momentan habe ich es wieder mit dem Thema Phonophobie zu tun, also die Angst vor bestimmten Geräuschen.


    Eine interessante Beobachtung ist, dass einen bestimmte Geräusche in der eigenen Wohnung, gerade wenn sie von einem Nachbarn kommen, viel stärker beeinträchtigen als wenn man in der Wohnung eines Freundes ist, auch wenn es exakt die selben Geräusche sind. Alleine das zeigt, wie sehr die eigene Bewertung dieser Geräusche Teil der Angst sind.


    Nun hatte ich gerade ein Gedankenexperiment, das noch etwas woanders ansetzt ausprobiert:


    Was, wenn es eine Behandlung gäbe, die einen garantiert von der Phonophobie heilen würde? Wenn man nun einen Termin hat, dass diese Behandlung in, sagen wir, 2-3 Monaten stattfinden wird, wie gehen wir dann in dem Zeitraum bis dahin mit den Geräuschen um, die uns vorher geängstigt haben?


    ...und spätestens hier macht es klick. Dadurch ist das Problem zwar nicht gelöst, aber hier liegt ein wichtiger Denkansatz.


    Das kennen bestimmt einige, die auch unter Phonophobie leiden und deswegen in eine andere Wohnung umgezogen sind. In der Zeit, bevor die neue Wohnung bezogen wird und feststeht, dass man umziehen wird, sind plötzlich die Geräusche in der eigenen Wohnung, vor denen man ja im Begriff ist zu fliehen, nicht mehr so schlimm wie zu der Zeit, bevor der Umzug feststand.


    Es scheint also durchaus möglich zu sein, rein psychisch, das Leiden unter diesen Geräuschen stark zu verringern. Es ist leider nur sehr schwer zu kontrollieren und die richtigen "Hebel" zu finden.


    Falls ihr auch unter Phonophobie leidet, was hat euch geholfen damit umzugehen?

  • 6 Antworten
    Zitat

    bevor die neue Wohnung bezogen wird und feststeht, dass man umziehen wird, sind plötzlich die Geräusche in der eigenen Wohnung, vor denen man ja im Begriff ist zu fliehen, nicht mehr so schlimm wie zu der Zeit, bevor der Umzug feststand.

    Klar, weil du dann weißt, dass du die Geräusche loswerden wirst und ihnen nicht mehr ausgeliefert bist.


    Ich habe auch Angst, wenn es "böse" Geräusche sind.


    Ich habe unter mir psychopathische Leute wohnen, die für jedes normale kleinste Wohngeräusch, was ich mache, z.B. Klo abziehen oder Mikrowelle, Mixer...wer weiß wie urplötzlich gegen die Decke schlagen...so das ich jedesmal fast einen Herzinfarkt vor Schreck bekomme...und das von Leuten, die selbst wahnsinns laut sind, vor allem Nachts und Türen schlagen, Anlage bis hinten aufdrehen usw...oder ich hasse auch Türanklopfen, wenn man mir ein Gespräch aufzwingen will usw...


    Also immer vor Geräuschen, die mir Mieses geben. Es ist sozusagen nicht das Geräusch, was stört, sondern das, was man damit verbindet.

    ich hab eine Geräuschempfindlichkeit für bestimmte hohe oder höhere Frequenzen.


    Wenn das kommt, geht das sehr ungefiltert ins Gehirn und das schmerzt ziemlich.


    Angst habe ich davor eher nicht, nur wenn das mal passiert (ca. 1x im Jahr) dann ist es sehr unangenehm.


    Ich hab auch noch einen chronischen Tinnitus und Lautstärke allgemein lässt den Tinnitus wieder stärker werden und das braucht dann einige Wochen um wieder abzuklingen.


    Diagnose ist Tinnitus Überempfindlichkeit.


    Mit Heilhypnose kann man da recht gut Heilung erreichen, auflösende Hypnose.


    In dem Zustand tritt der Verstand in den Hintergrund und das Unterbewusstsein kann sagen woher die Ursache kommt.

    Ich habe seit gut 8 Jahren einen Verspannungs- und Stressbedingten Tinnitus. Also nicht durch Lärm verursacht. Das bedeutet, er könnte jederzeit wieder verschwinden (ich habe noch Hoffnung).


    Bei mir sind es die ganz hohen Frequenzen die mir ganz selten das Leben schwer machen. Z. B. liebe ich es an Konzerte zu gehen (Rock, Metal) und bei kleineren Events erwischt man manchmal leider einen Tontechniker, der sein Handwerk nicht so gut versteht und falsch abmischt und wenn es dann eine Rückkopplung gibt, versetzt mich das innert Milisekunden kurz in Panik. Das dauert aber vielleicht 1-2 Sekunden bis die Rückkopplung aufhört. Das ist also aushaltbar.


    Zudem quietschen bei uns in der Stadt die Busse extrem wenn sie Bremsen. Wenn man dann auf den Bus wartet und der angebremst kommt, gibt das für 3-5 Sekunden einen unsäglichen Hochfrequenzton, vor dem es mir echt graust. Das gleiche am Bahnhof. Züge können leider genau so quietschen. Daher trifft man mich am Bahnhof IMMER mit Kopfhörern an weil das die Frequenz filtert.


    Soviel zu meinen Erfahrungen.

    Da gibt es ja 3 verschiedene Dinge:


    Hyperakusis - also wenn man tatsächlich entweder generell zu geräuschempfindlich ist - also ohne Bewertung der Ursache der Geräusche - manchmal in einem bestimmten Frequenzbereich, z.B. schrille Geräusche oder Bässe.


    Und Tinnitus spielt dabei auch meist eine Rolle.


    Hier können wahrscheinlich Therapien ansetzen, wie Noiser (Eine Art Hörgerät, das ein Hintergrundrauschen erzeugt) und ansonsten alles, was man auch gegen den Tinnitus unternimmt.


    Misophonie - quasi der Hass auf bestimmte Geräusche. Jemand schmatzt beim Essen, ein bestimmter Klingelton des Kollegen, oder irgendetwas anderes, das im Prinzip harmlos ist, macht einen total aggressiv. Man hat keine Angst davor, ist aber unglaublich genervt davon und kann es einfach nicht ab.


    Und eben Phonophobie - selbst wenn das Geräusch selber gar nicht zu hören ist, hat man schon Angst, dass das Geräusch auftreten könnte. Oder wenn es Vorboten darauf gibt. z.B. hört man den Nachbarn nach hause kommen und hat sofort Angst, dass gleich wieder "das Remmi-Demmi" losgeht. Auch ein Klassiker: Man sieht wie ein Luftballon aufgeblasen wird. Als Kind habe ich mir da schon die Ohren zugehalten, weil ich vor dem lauten Knall Angst hatte. Ging wahrscheinlich recht vielen Kindern so!


    ...und manchmal ist es auch eine Mischung.

    @ _Surferin

    Das klingt wirklich übel! Dass deine Nachbarn selber lärmen aber bei kleinsten Geräuschen schon ausflippen. Ich kann mir sogar vorstellen wie sich so etwas entwickeln kann:


    Derjenige ist sehr Geräuschempfindlich anderen gegenüber und bestraft ständig seine Nachbarn für ihr lautes Verhalten mit eigenem lauten Verhalten - auch wenn es sich um normale minimale Wohngeräusche handelt. Evtl. hat sich das mit der Zeit immer mehr gesteigert (evtl. auch mit anderen Nachbarn vor dir) bis ins Irrationale. Da sind aber garantiert noch andere Störungen im Spiel, da kann man schon echt Pech haben. Das fiese ist, dass ich weiß, wenn ich selber mir nicht sagen würde "Ach das Poltern war sicher ein Versehen" ... "Die ist bestimmt gerade ganz aufgebracht und macht deshalb die Tür lauter zu" ... also mir quasi Entschuldigungen einfallen lasse, wenn mal mein Nachbar laut ist, ich mich auch in so etwas hineinsteigern könnte. Aber das macht eben den Unterschied aus zwischen gestört und ungestört.


    Ist auch nicht einfach von außen so einen Kreislauf zu unterbrechen. Hattet ihr mal miteinander gesprochen?


    Dennoch würde ich gerne noch viel gelassener mit so etwas umgehen, es ist immer auch ein Gefühl von Bedrohung dabei, obwohl es unbegründet ist. Naja, man selber ist alleine, die Nachbarn zu zweit oder haben Besuch, man selber ist neu, die anderen wohnen da schon länger...


    Manchmal klappt das sogar ganz gut, manchmal bin ich auch ein Nervenbündel.


    Momentan probiere ich mal wieder über mehrere Tage ein gewisses Lavendelprodukt und das ist schon mal ganz angnehm.

    Ich bin total geräuschempfindlich und habe auch noch einen sehr leichten Schlaf. Manchmal, wenn ich das Gefühl habe, nun Ruhe zu brauchen, kann ich auf jedes kleinste Geräusch konzentriert sein bis zur inneren Raserei.


    Ich habe Ohropax genommen, was auf die Dauer auch keine Lösung war, weil der Ohrenschmalz nicht richtig abgeflossen ist, und so meine Ohren verstopft waren.

    Was da helfen könnte, wären vielleicht angenehme Hintergrundgeräusche wie Meeresrauschen, Regen, etc. das überdeckt dann zumindest andere leise Geräusche. Wollte ich auch schon mal ausprobieren, aber das ist gar nicht so einfach, wie man denkt:


    * Erst mal eine Anlage oder Lautsprecher ins Schlafzimmer bekommen.


    * Dann ein Abspielgerät finden (Handy? Zweithandy, weil man mit dem eigenen Handy noch etwas machen will?)


    * Den richtigen Sound finden: Als App? Oder als Aufnahme irgendwo herunterladen? Oder eine entspr. CD kaufen?


    * So abspielen, dass es angenehm klingt, nicht zu laut und nicht zu leise und dass es sich vielleicht von alleine ausschaltet.


    Mit Kopfhörern wäre schwierig, weil die im Schlaf leicht rausrutschen (okay, dann schläft man ja eh schon ... aber man würde auch eben wieder von kleinen Geräuschen geweckt werden).


    Ich hatte auch mal überlegt, dass es eine nette Idee wäre, kleine Lautsprecher in ein Nackenkissen einzubauen.


    Ohrstöpsel sind für mich eine fast so wichtige Erfindung wie das Fahrrad... ohne wäre ich total aufgeschmissen.


    Ohrstöpsel mit Musik wäre mal was, dann hätte man Gehörschutz und könnte trotzdem zu Musik oder einem Podcast einschlafen:


    https://www.plugfones.com/