Positives Verhältnis zur Menschheit bewahren

    Oder wenigstens neutral. Fällt mir manchmal etwas schwer, manchmal geht's und manchmal ist's wirklich positiv. Momentan ist es arg schwer, geht schon ne Weile so und kann nicht mal sicher sagen warum.


    Gestern hab ich mich mit jemand unterhalten der schon langsam die Grenze zum Hass überschreitet und konnt anläßlich meiner eigenen diesbezüglichen Phase nicht sonderlich was positives entgegensteuern (hab's trotzdem versucht und ist natürlich ziemlich lasch geraten^^) und beim Abschied wünschte ich dass er doch noch einen positiven Weg findet. Vielleicht hätte ich lieber mitfrusten sollen? Ich mein, tut das mal (ventilhaft und nicht in fortführende Dynamik mündend) gut, darf man das?^^


    Gestern, noch früher am Tag, ist ne Straßenbahn vorbei gefahren und ich sah die Leute drin und dachte, ..naja, nichts nettes. Einfach so. Hab mich dann gescholten, weil ich nämlich nicht glaube dass es gut tut überhaupt in diese Richtung zu gehen, das ist aber kein Wissen. Wissen und auch sehr überzeugendes Gefühlswissen ist dass eine generalverurteilend negative Sicht auf die Menschen schlecht ist. Mal ganz abgesehn dass es falsch ist dass die Menschenheit im Gesamten schlecht ist, tut es ganz sicher nicht gut, es verbittert, ist Opfertum in Reinform und es stinkt verdammt nach Verantwortungsverweigerung. Nur was ist das für eine spezielle Verantwortung? Irgendwie weiß ich das auch in diesbezüglich besseren oder gar guten Phasen nicht wo meine Sicht auf das Thema vllt etwas klarer ist. (aber ich mach den Faden eben jetzt, sonst mach ich ihn gar nicht^^).


    Es ist auch nicht so dass einfach alles gut laufen muss in meinem Leben und das Thema wär kein Problem mehr. Macht's aber natürlich nicht leichter wenn einem menschengemachter Scheiß passiert. Natur- oder selbstgemachter Mist übrigens auch nicht, was ein bißchen ein Hinweis sein könnte. Aber es kann auch der verschiedenste Mist passieren und da wackelt dann mal trotzdem nix am Menschenbild.


    Schwer zu trennen ist diese Schwierigkeit von der Schwierigkeit des Abgrenzens, aber ich fürchte die berühren sich nur und in letzterer liegt nicht die Lösung sondern höchstens Linderung, ist aber auch kein Wissen. Meine Abgrenzungsfähigkeit ist sehr schwankend und ich kann da keinen zwingenden Zusammenhang zum Thema feststellen wenn sie z.B. mal besonders schlecht oder gut ist. Ich krieg zwar mehr Vollidioten ab die sich an mir abreagieren als in einem normalen Leben (Kassierer und andere die leider auch einiges abkriegen mal ausgenommen), aber ich denke das fördert die Schwierigkeit nur und löst sie nicht aus, würde ich auf normal machen müsste ich mich dem ebenfalls stellen, vllt erst später aber zwangsläufig. Ich hab sogar den Verdacht dass kein noch so weitweggerer Rückzug würde mich davor endgültig bewahren können.


    Ein Gedanke der mir heut früh (quasi vorhin^^) kam ist dass es da nicht um die eine spezielle Verantwortung geht die ich nur nicht erkenne sondern dass es vllt um alle Verantwortungen geht. Ich kann euch gar nicht sagen wie mich das entsetzt, da kann ich ja nur verlieren. Manchen Verantwortungen stelle ich mich nicht, absichtlich, und erlaub mir das sozusagen, aber die sind vllt net mal das Problem, sondern ich muss ja davon ausgehen dass ich auch Verantwortungen nicht wahrnehme die mir nicht mal bewusst sind oder wo ich mich selbst täusche. Was wenn diese Schwierigkeit ein positives Menschenbild zu wahren damit steht und fällt ob man jeder eigenen Verantwortung nachgeht und jede nicht wahrgenommene macht anfälliger für diese Form des Opfertums? (ich weiß nicht ob dieser Absatz nachvollziehbar ist)


    Vielleicht kann mir hier jemand was aus eigener Erfahrung dazu sagen oder mag mal drüber nachdenken und diesen Denkprozess hier schriftlich da lassen?

  • 339 Antworten
    Zitat

    Mal ganz abgesehn dass es falsch ist dass die Menschenheit im Gesamten schlecht ist, tut es ganz sicher nicht gut, es verbittert, ist Opfertum in Reinform und es stinkt verdammt nach Verantwortungsverweigerung. Nur was ist das für eine spezielle Verantwortung?

    Wieso assoziierst du das mit Verantwortungsverweigerung? ... Dein letzter Abschnitt über das Verantwortungsthema macht es für mich nicht klarer. Wie meinst du das mit der Verantwortung?


    So Anflüge von etwas ähnlichem wie Misanthropie kenne ich, wobei es mir zu anstrengend wäre gleich die ganze Menschheit zu verdammen; es ist eher eine Art Gleichgültigkeit und die Vorstellung, dass auch die größten Arschlöcher mal sterben werden, ist sehr beruhigend. Schade ist höchstens, dass ich nicht dabei sein kann. ... Mich nerven z.B. Moralisten sehr, die nur ihre Welt gelten lassen wollen. Findet man z.B. hier im Beziehungsforum bei der Frage, ob Sex zu einer Beziehung verpflichtet oder auch unverbindlicher Sex ok ist oder Frauen und Männer, die Liebe und Sex trennen bzw. bei denen das nicht unabdingbar miteinander verknüpft ist, irgendwie krank/gestört sein müssen. Und Letzteres dann in einer derart bornierten Art vorgetragen, die zum Reinschlagen ist. ... Joa wenn die Weltbevölkerung nur aus solchen Menschen bestünde, wäre es ein echter Gewinn, wenn die Welt zugrunde gehen würde (ok das tut sie ohnehin).


    Für mich hat es eher etwas mit Enttäuschung über die Menschheit zu tun, wenn sich jemand als Misanthrop bezeichnet. Aber ich finde es schwierig dich aufgrund deines Beitrags genauer zu verorten.


    Es scheint mehr zu sein als die alltägliche "Können die anderen Supermarktbesucher nicht Zuhause statt hier rumlungern, wenn ich einkaufe" und weniger als "ich hasse alle Menschen" zu sein.

    S. wallisii

    Ich denke, Du hast schön dargelegt, wie Du es schaffst der Menschheit oder Menschen negativ zu sehen. Die Logik ist natürlich schlüssig.


    Aus meiner Sicht ist es einfach, denn wenn ich ein anderes Ergebnis erzielen will, dann muss ich meine Logik ändern, also eine andere Sicht gewinnen. Das in die Tat umzusetzen ist etwas anderes. ;-D


    Ob Du es an der für Dich und Deiner definierter Verantwortlichkeit anderer festmachst, warum Menschen/andere/Menschheit (beliebig zu ersetzen) oder deren Handlung negativ sind, liegt nicht unbedingt an der Begründung. Meiner Ansicht nach ist es Deine Einstellung, andere oder deren Handlungen negativ zu bewerten. Einfachste Lösung also andere und/oder deren Handlungen nicht negativ zu bewerten oder negativ und positiv neutral auf eine Skala zulegen. Wobei - was ist so schlimm daran, die Menschheit negativ zu bewerten? Doch, dass man sich darüber aufregt, oder?


    Eine andere Möglichkeit ist loszulassen, seien es Wertungen, Erwartungen, etc. Was auch schon einen Unterschied macht ist, den Bezug zu erwähnen. Menschen sind schlecht für Dich. Müssen sie denn gut sein? Wenn ja warum? Letztlich geht es ja immer ums eigenen Ego.

    Zitat

    Ein Gedanke der mir heut früh (quasi vorhin^^) kam ist dass es da nicht um die eine spezielle Verantwortung geht die ich nur nicht erkenne sondern dass es vllt um alle Verantwortungen geht. Ich kann euch gar nicht sagen wie mich das entsetzt, da kann ich ja nur verlieren.

    Warum denkst Du dann so, dass es ein Entsetzen ergeben muss?


    Wessen spezielle Verantwortung wem gegenüber? Wer legt fest, wer welche Verantwortung hat? Was ist es, was Dich daran entsetzt? Was haben alle Verantwortungen mit Dir zu tun?

    Zitat

    Manchen Verantwortungen stelle ich mich nicht, absichtlich, und erlaub mir das sozusagen, aber die sind vllt net mal das Problem, sondern ich muss ja davon ausgehen dass ich auch Verantwortungen nicht wahrnehme die mir nicht mal bewusst sind oder wo ich mich selbst täusche.

    Was heißt, Du täuscht Dich?


    Ich sehe meine Verantwortung heute anders als vor 10 Jahren. Deswegen habe ich mich vor 10 Jahren nicht getäuscht. Wie denkst Du da?

    Zitat

    Was wenn diese Schwierigkeit ein positives Menschenbild zu wahren damit steht und fällt ob man jeder eigenen Verantwortung nachgeht und jede nicht wahrgenommene macht anfälliger für diese Form des Opfertums? (ich weiß nicht ob dieser Absatz nachvollziehbar ist)

    Wenn das auf die Kollektivverantwortung und/oder Kollegktivschuld bezogen ist, so ist es meiner Ansicht nach auch so. Jede meiner Handlungen hat eine Auswirkung und jede Handlung anderer hat eine Auswirkung auf mein Leben. Ob diese negativ oder wertfrei bewertet wird, liegt an mir Betrachter. Ob ich mich darüber aufrege, liegt an mir. Ob ich eine Erwartungshaltung habe, liegt an mir. Alles meine Entscheidungen.

    Zitat

    Eine andere Möglichkeit ist loszulassen, seien es Wertungen, Erwartungen, etc.

    Zuerst werten wir, automatisch, wir können gar nicht anders. Aber an der Wertung festzuhalten, muss nicht sein. Wir können "umdeuten", was nicht zwingend bedeutet, sich etwas schönzureden, sondern unsere Wertung, unsere Beurteilung nicht als in Stein gemeißelt zu sehen, stattdessen vielmehr erkennen, dass andere dieselbe Sache, dieselben Personen ganz anders als wir (vielleicht gegenteilig) wahrnehmen und nicht weniger Recht damit haben könnten als wir - das kann eine negative Sicht immerhin soweit relativieren, dass sie uns nicht als die absolute Wahrheit erscheint. Damit ändern sich unsere innere Haltung schon grundlegend.


    Ob wir eine Verantwortung gegeneinander oder besser füreinander haben - ich vermute, ja. Aber erst einmal haben wir sie für uns selbst. Wenn wir die Welt mit trüben Augen anschauen, tut uns das mal zunächst selbst etwas an, unsere Mitmenschen mögen davon unberührt bleiben. Was allein das Denken ausmacht, also indirekte Auswirkungen haben könnte, vermuten wir nur. Ich glaube schon, dass kollektiv negatives Denken einen unguten Einfluss auf die Geschehnisse hat, so wie umgekehrt gute Gedanken einen guten.

    Also, wenn Du einen Weg findest, sag mir bitte Bescheid. @:) Im Moment bin ich da irgendwie auch wieder sehr empfindlich und sehe nur die schlechten Dinge. Auch im Alltag reichen gerade schon Kleinigkeiten, um mich echt runtEltern ihre Kinder grob behandeln oder oder ... die allgemeine Lage der Welt und der Grundton der Nachrichten eignet sich ja nu auch nicht gerade, um die Stimmung zu heben.


    Eigentlich denke ich regelmäßig, ich hätte mich damit abgefunden, dass wir Menschen (ich sag extra nicht "die Menschen") halt so sind wie wir sind. Aber dann doch wieder irgendwie doch nicht.


    Mein Partner ist auch irgendwie gerade eher ungnädig drauf und äußert so die Gedanken, die ich lieber für mich behalte ;-D , und ich suche tatsächlich händeringend nach Gegenargumenten oder irgendwelchen Gedanken, die es zumindest erträglicher machen oder irgendwie okay. Das ist aber nicht so einfach, weil ich das in Wirklichkeit für Feig- und Bequemlichkeit halte, denn ich halte so alles in seiner Gesamtheit für wenig okay. Ich denke, authentischer wäre tatsächlich, Wut, Frustration und Traurigkeit zusammen auszuhalten. Ist nur nicht so einfach. :-/ Ich denke nämlich auch, das könnte Eskalationspotenzial haben oder sich zumindest selbst verstärken und verschlimmern.


    Wobei, wenn wir mal zusammen rumhaten und ranten, geht es uns/mir danach erst einmal besser. Nur ich weiß halt nicht, wohin das auf lange Sicht führen würde. Ich will nicht später zusammen verbittert in unserer Eremitenhütte herumgranteln und die Faust gen Himmel (oder gen Jugendliche auf unserem Rasen) schütteln. :-/


    (Auf der anderen Seite wieder: wenn's nunmal zum Schütteln ist, wäre es dann nicht richtig, das zu tun und alles andere wäre nur Bequemlichkeit, weil's mir ja lieber gut geht als nicht?)

    Zitat

    Hab mich dann gescholten, weil ich nämlich nicht glaube dass es gut tut überhaupt in diese Richtung zu gehen, das ist aber kein Wissen. Wissen und auch sehr überzeugendes Gefühlswissen ist dass eine generalverurteilend negative Sicht auf die Menschen schlecht ist.

    Ich glaube daher auch, dass man sich solche Gedanken verbieten muss. Also, nicht "man", sondern ich mir. Ich möchte kein Menschenfeind sein/werden und ich möchte nicht geringschätzig über andere Menschen denken.


    Ich versuche mir solche Gedanken vom Leib zu halten, indem ich mir entweder bewusst mache, dass ich gar nichts über andere Menschen weiß (schon gar nicht über alle) und das jedes Urteil über sie nur auf mich zurückfällt und mehr über mich und meine innere Hässlichkeit aussagt als über die Leute. Oder ich versuche es mehr zen, mit diesem mehr ganzheitlichen Nichts-Bewerten-Ansatz, den Kleio angeschnitten hat.


    Erfolg, wie gesagt, wechselnd. ":/

    Da wurde ein Teil eines Satzes verschluckt:

    Zitat

    Auch im Alltag reichen gerade schon Kleinigkeiten, um mich echt runter zu ziehen, wenn ich z.B. mitbekommen, dass Paare sich streiten, Eltern ihre Kinder grob behandeln oder oder ...

    Achso und was mir auch noch hilft - fällt mir gerade ein, weil ich es so eben tu ;-) - ist TED Talks gucken. ;-D Da geht es immer um die Zukunft und wie man sie besser gestalten kann und die dort beteiligten Menschen finde ich meist ganz großartig und insg. einfach aufbauend.

    Das ist für mich eine Sache des Fokusses. Insgesamt überwiegend die negativen Nachrichten, aber es gibt ja auch immer wieder gute Sachen, die schaffen es aber selten in die Nachrichten. Und das ist im Alltag ja nicht anders. Das streitende Paar ist laut und zieht daher vielmehr Aufmerksamkeit auf sich, als das nett in der Ecke rum albernde Paar.


    Ich versuche ganz bewusst nach den Sachen ausschau zuhalten die mich aufbauen. Die anderen sehe ich ganz automatisch. Das ist für mich auch kein verdrängen, kein wegschieben, sondern einfach nur ein bewusster Wahrnehmungsausgleich.

    Hallo, danke für eure Beiträge!

    Zitat

    Wieso assoziierst du das mit Verantwortungsverweigerung? ... Dein letzter Abschnitt über das Verantwortungsthema macht es für mich nicht klarer. Wie meinst du das mit der Verantwortung?

    Weiß ja eben nicht genau, es ist in erster Linie Intuition was mich vom hingeben an ein negatives Verhältnis zu den Menschen fernhält, da ist ein gewisser Sog der mich da hin zieht und ihm nachzugeben wär in gewisser Weise "einfach". Was da der Wissensanteil rationaler Art ist ist einfach statistische Beobachtung anderer: Menschen die sich dem hemmungslos Hingeben sind auch meistens, vllt sogar immer, Verantwortungsabschieber und beständige Schuldzuweiser. Zum Beispiel ist eine wirklich extrem häufige Verantwortungsabschiebung im Suchtbereich zu sagen "dies und jenes schlimmes ist mir heut passiert und die Sache/die Person ist schuld dass ich konsumieren musste". Bei Normalos ist es manchmal weniger offensichtlich aber die sind auch eher selten frei von Verantwortungsabschiebereien. Z.B. sich in selbstgemachten Stress begeben und der 30s zu spät kommende Busfahrer kriegt dann die Aggros ab. Da ließen sich viele Beispiele finden wo Selbstverantwortungen einfach abgeschoben werden. Natürlich werden nicht alle die sich einzelnen Selbstverantwortungen nicht stellen dann Menschheitshasser. Aber vielleicht ist es eben ein begünstigender Faktor sich Einzelverantwortungen nicht zu stellen und ich persönlich halte mich eben für besonders gefährdet sowohl was das Thema direkt betrifft als auch einzelne Verantwortungen zu verweigern, jedenfalls so vom Naturell her. Es fühlt sich einfach nach Verwandtschaft an eine Einzelverantwortung nicht wahrzunehmen und in ein übles Menschenbild abzudriften.

    Zitat

    Für mich hat es eher etwas mit Enttäuschung über die Menschheit zu tun, wenn sich jemand als Misanthrop bezeichnet.

    hm, keine Ahnung. Ein so positives Menschheitsbild hatte ich vielleicht nie so wirklich (hatte allerdings ne esoterische Phase die diesbezüglich bestimmt ziemlich ponyhofig war) als dass es zu großem Enttäuschen hätte kommen können. Aber mal drüber nachdenken. Enttäuschung ist generell kein Gefühl dass ich kategorisch von mir weisen könnte, da ist schon etwas oder mehreres, ich weiß nur nicht was genau und ob es mit dem Thema oder "den Menschen" im speziellen zu tun hat.

    Zitat

    Aber ich finde es schwierig dich aufgrund deines Beitrags genauer zu verorten.

    Na ich find mich da ja jetzt auch selber schwierig zu verorten^^ hab gestern auch selber noch etwas drüber nachgedacht und bin echt ziemlich planlos und sehr wahrscheinlich auch blockiert. Einziger neuer Gedanke der mir noch kam ist dass ein Faktor auch son albernes Selbstschutzprogramm sein könnte. Ginge dann in die Enttäuschungsrichtung, aber so richtig ansprechen tut mich das nicht (was leider nicht verlässlich heißt dass es nicht mit reinfließen könnte).

    Zitat

    Meiner Ansicht nach ist es Deine Einstellung, andere oder deren Handlungen negativ zu bewerten. Einfachste Lösung also andere und/oder deren Handlungen nicht negativ zu bewerten oder negativ und positiv neutral auf eine Skala zulegen.

    Ich muss doch erstmal auch gar nichts bewerten wenn ich sehe dass aus diesem und jenem Leid entsteht. Das Bewerten kommt erst danach, passiert das Leid nicht mir denke ich vllt "oh verdammt unschön" und es triggert u.U. eigenes oder auch nicht, und passiert's mir denke ich "du Arsch". Das einzige was ich da dran zu rütteln fände ist eben die Abgrenzungsthematik. Nur ändert doch noch so gute Abgrenzung nichts daran dass viel vermeidbares Leid passiert. Manche Dinge find ich auch nicht einfach unschön, sie widern mich an, aber so richtig heftig. Sowas rein auf Gedanken-/Einstellungsbasis abzustellen halte ich leider für reine Selbstdiziplin mit gehörigen Prisen Selbsttäuschung, Augenverschluss (nicht vor dem Leid, vor dem eigenen Empfinden darüber) und vllt sogar antrainierter Abstumpfung.

    Zitat

    Wobei - was ist so schlimm daran, die Menschheit negativ zu bewerten? Doch, dass man sich darüber aufregt, oder?

    Nichts. Es geht mir natürlich nicht darum mir künftig irgendwas schönreden zu können oder darum die Menschheit zu bewerten, sie ist ja wie sie ist, sondern um mein Verhältnis zu ihr. Und ja, aufregen oder sonstiges Empfinden ist das was es eben nicht bei ner Feststellung belässt.

    Zitat

    Eine andere Möglichkeit ist loszulassen, seien es Wertungen, Erwartungen, etc.

    glaub Selbstüberwindung in irgendeinem gewaltsamen Sinne ist derzeit nicht nach meinem Geschmack, sicher meinst du nichts gewaltsames und vermutlich meint auch nie ein Buddhist irgendwas im gewaltsamen Sinne, mag schon sein aber was ihr da in meinen Augen immer verkennt ist dass ihr zu diesen Standpunkten durch Entwicklung kommt, präsentiert man da dann entwickelte Istzustände kann die Nacheiferung so nett klingender Wahrheiten nur zum gewaltsamen Akt verkommen. Die auseinanderaufbauenden Zwischenschritte fehlen einfach absolut.

    Zitat

    Menschen sind schlecht für Dich.

    hm, nicht nur. Und selbst wenn ich das im Gesamten so sehen würde würde ich da eine Formulierung dranhängen die die Verantwortung bei mir belässt. So wär der Sprung zu "die Menschen sind schuld wenn mir nicht gut geht" viel zu klein.

    Zitat

    Müssen sie denn gut sein? Wenn ja warum?

    müssen sie nicht, aber gar so krachen müssten sie es auch nicht lassen.

    Zitat

    Warum denkst Du dann so, dass es ein Entsetzen ergeben muss?

    ich denke es nicht ich fühle es

    Zitat

    Wessen spezielle Verantwortung wem gegenüber? Wer legt fest, wer welche Verantwortung hat? Was ist es, was Dich daran entsetzt? Was haben alle Verantwortungen mit Dir zu tun?

    Es geht nur um meine Verantwortungen für mich, und ich glaub nicht dass die jemand, incl mir selbst, festlegen kann. Ich kann nur entscheiden sie wahrzunehmen oder eben nicht und das auch nur dann wenn ich um sie weiß.

    Zitat

    Was heißt, Du täuscht Dich?

    na keine Ahnung im speziellen, erliege ich einer Selbsttäuschung ist mir das mindestens vorerst nicht bewusst.

    Zitat

    Ich sehe meine Verantwortung heute anders als vor 10 Jahren. Deswegen habe ich mich vor 10 Jahren nicht getäuscht. Wie denkst Du da?

    Selbstverantwortung sehe ich nicht als etwas variables. Variabel ist nur inwieweit man ihr nachkommt was jeweils automatisch Konsequenzen hat.


    Ich versuche mir zu verzeihen wenn ich ungut mit mir umgehe/-ging, ich kann Gründe finden warum es so war ich kann sogar in einige Destruktivitäten gewissen Sinn erkennen, aber das ändert nichts daran was es jeweils war.

    Zitat

    Ob ich mich darüber aufrege, liegt an mir. Ob ich eine Erwartungshaltung habe, liegt an mir. Alles meine Entscheidungen.

    Das ist sehr selbstverantwortlich. Und sehr theoretisch, jedenfalls für mich in themabezüglich schlechten Phasen (und was Erwarten betrifft habe ich mich noch nicht so wirklich entschieden, keine zu haben würde ich derzeit eher auch für son selbstdiziplinares Selbstüberwinden halten). Es geht derzeit auch wenig um aufregen (jetzt ein passender Trigger im Alltag könnt's aber vermutlich auslösen) sondern um Angst vor dem Abdriften. Es ist Entscheidung, das sehe ich haargenauso, jetzt. Deshalb wehre ich mich ja, deshalb schimpfe ich i.d.R. nicht mit über die Schlechtigkeit der Welt oder versuch sogar was entgegen zu setzen. Nach dem Abdriften(/Aufgeben dagegen zu wehren) sieht man es vermutlich nicht mehr so sondern hält sich für ein Opfer der Umstände das ja gar net anders kann/konnte.

    Zitat

    Zuerst werten wir, automatisch, wir können gar nicht anders. Aber an der Wertung festzuhalten, muss nicht sein. Wir können "umdeuten", was nicht zwingend bedeutet, sich etwas schönzureden, sondern unsere Wertung, unsere Beurteilung nicht als in Stein gemeißelt zu sehen, stattdessen vielmehr erkennen, dass andere dieselbe Sache, dieselben Personen ganz anders als wir (vielleicht gegenteilig) wahrnehmen und nicht weniger Recht damit haben könnten als wir - das kann eine negative Sicht immerhin soweit relativieren, dass sie uns nicht als die absolute Wahrheit erscheint. Damit ändern sich unsere innere Haltung schon grundlegend.

    das ist natürlich schon äußerst sinnvoll solange es geht, es geht aber oft genug eben nicht. Es gibt genug Häßlichkeiten in unserer Gesellschaft wo eine Relativierung schon in Richtung Unmenschlichkeit ginge. Beispiele kann sich da bitte jeder selber ausmalen. Der Faden kann schon gehn wohin er will, aber mich selbst in die Rolle des Schimpfers zu begeben fände ich aus vermutlich naheliegenden Gründen grad nicht soo hilfreich^^

    Zitat

    Ob wir eine Verantwortung gegeneinander oder besser füreinander haben - ich vermute, ja

    mir gefällt ja sehr der Spruch "denkt jeder an sich selbst ist an jeden gedacht"^^ Und da ist im Sinne des Selbstverantwortungsthemas druchaus einiges dran, aber über Mitverantwortung im gesellschaftlichen Sinne denke ich momentan auch ein bißchen nach (danae87 ist schuld^^), weiß aber nicht wieviel das mit dem Thema zu tun hat (ist aber egal, das dürfte von mir aus hier gerne Platz kriegen, an Verantwortungsthemen bin ich immer interessiert).

    Zitat

    Also, wenn Du einen Weg findest, sag mir bitte Bescheid. @:)

    na den finden wir hier jetzt einfach mal eben schnell ;-D ;-)

    Zitat

    Im Moment bin ich da irgendwie auch wieder sehr empfindlich und sehe nur die schlechten Dinge.

    Vllt liegts an der Jahreszeit^^ Also ohne Witz eigentlich, es könnte sein dass ich Herbst/Winteranfangs da fragiler bin als sonst.

    Zitat

    Das ist aber nicht so einfach, weil ich das in Wirklichkeit für Feig- und Bequemlichkeit halte, denn ich halte so alles in seiner Gesamtheit für wenig okay.

    hm, findest du? Also, richtig schwer könnte sein da mal rumzumaulen und trotzdem net abzudriften, aber sich dagegen zu wehren ist auch net leicht und letztendlich ist nur das Abdriften ins differenzierungslose Hassen, Verachten und dergleichen wirklich einfach.

    Zitat

    Ich denke, authentischer wäre tatsächlich, Wut, Frustration und Traurigkeit zusammen auszuhalten. Ist nur nicht so einfach. :-/ Ich denke nämlich auch, das könnte Eskalationspotenzial haben oder sich zumindest selbst verstärken und verschlimmern.

    meine Intuition (oder eben Angst im Fehleinschätzungsfall) rät mir jedenfalls dringendst davon ab mich in negativen Rauslassungen zu ergehen. Sich den Gefühlen gänzlich zu verweigern kann aber natürlich auch nirgends sinnvolles hinführen. Vllt ist das ein Gratwanderungsdings (was ich aber reichlich uncool fände, da gibt's mir echt schon zu viele davon).

    Zitat

    Ich glaube daher auch, dass man sich solche Gedanken verbieten muss. Also, nicht "man", sondern ich mir. Ich möchte kein Menschenfeind sein/werden und ich möchte nicht geringschätzig über andere Menschen denken.

    ja, das will ich auch nicht.


    Selbst wenn ich Gratwanderung annehmen wöllte, ich glaub damit auf die Leute in ner Straßenbahn zu schimpfen würde ich vom Grat runterfallen. Ist mir aber eh wirklich sehr sehr unsympathisch da Eiertänze aufführen zu müssen damit ich gesund mit mir umgehe. ":/

    Zitat

    Wobei, wenn wir mal zusammen rumhaten und ranten, geht es uns/mir danach erst einmal besser. Nur ich weiß halt nicht, wohin das auf lange Sicht führen würde. Ich will nicht später zusammen verbittert in unserer Eremitenhütte herumgranteln und die Faust gen Himmel (oder gen Jugendliche auf unserem Rasen) schütteln. :-/

    jo genau^^


    Meine Mutter geht ja exakt so ab, gut, ist zu einem großen Teil die Schizophrenie aber nicht nur und ich hab da neben dem Entsetzen auch immer eine Art Resonanz gefühlt wenn sie so abging, das Gefühl dass das auch in mir schläft und dass ich, selbst wenn ich ganz unpsychotisch alt werde, genau so enden kann und das macht mir seit Jahren große Angst.


    Netzcafe macht zu.. hätte noch mehr schreibimpulse gehabt aber über einige, grad bei deinem Beitrag, a.fish, muss ich eh noch nachdenken. Auch über die Fokussache muss ich erst nachdenken (@danae87).

    Einfacher als an das Gute im Menschen zu glauben, ist es manchmal an das Bessere im Menschen zu glauben. ;-)


    Dieses Bessere wird nicht immer realisiert, aber ich finde es schoneinmal sehr positiv, dass das zumindest jederzeit MÖGLICH wäre.


    Außerdem finde ich manchmal den Gedanken gut, dass wir in der besten allermöglichen Welten leben. Besser schaffen wir es als Menschheit leider noch nicht. Aber ich bin und bleibe da irgendwie fortschrittsgläubig... :-)

    Zitat

    Es gibt genug Häßlichkeiten in unserer Gesellschaft wo eine Relativierung schon in Richtung Unmenschlichkeit ginge.

    Sicher. So meine das Relativieren auch nicht. Das schrieb ich ja schon: nicht, dass ich gutheiße, was definitiv schlecht ist, dabei käme Schönreden heraus und Verdrängen. :|N


    Aber es gibt tatsächlich Möglichkeiten, über das Prüfen von Werturteilen zu einer anderen Sicht zu gelangen und so vielleicht nicht mehr mit dem unangenehmen Gefühl intensiver Ablehnung zu reagieren. Man kann vieles von mehr als einer Seite sehen.

    S. wallisii

    Zitat

    Es fühlt sich einfach nach Verwandtschaft an eine Einzelverantwortung nicht wahrzunehmen und in ein übles Menschenbild abzudriften.

    Heißt es, dass Du eine Idealvorstellung davon hast, wie jeder einzelne Verantwortung für sich übernehmen sollte? Und Du dieser Vorstellung auch nicht entsprichst?

    Zitat

    Ich muss doch erstmal auch gar nichts bewerten wenn ich sehe dass aus diesem und jenem Leid entsteht. Das Bewerten kommt erst danach, passiert das Leid nicht mir denke ich vllt "oh verdammt unschön" und es triggert u.U. eigenes oder auch nicht, und passiert's mir denke ich "du Arsch". Das einzige was ich da dran zu rütteln fände ist eben die Abgrenzungsthematik. Nur ändert doch noch so gute Abgrenzung nichts daran dass viel vermeidbares Leid passiert.

    Meinst Du wirklich? Welches Leid z. B. wäre denn vermeidbar?

    Zitat

    Na ich find mich da ja jetzt auch selber schwierig zu verorten^^ hab gestern auch selber noch etwas drüber nachgedacht und bin echt ziemlich planlos und sehr wahrscheinlich auch blockiert.

    Für mich wäre es auch wichtig zu wissen, ob Du Dich einfach mal mental auf den Weg machst, eine bessere Erkenntnis für Dich zu gewinnen und wo Deine jetzigen Gedanken herkommen. Mit dem Herkommen meine ich, ob Du sie Dir bewusst gebildet hast oder ob die aus einer Konditionierung stammen, die nicht wirklich an Deine restlichen Gedankenzusammenhänge anschließen. Zumindest war es bei mir so und ich finde teilweise immer wieder noch so übriggebliebene Fragmente, die ich dann für mich hinterfrage und sie dann bewusst in mein Denken aufnehme oder sie auflöse, indem ich erkenne, dass es nicht "meine" Gedanken sind. Die Fragen tauchen bei mir auf, weil ich selbst in meiner Erkenntnisphase bezüglich Verantwortung viele solcher ungreifbaren Phrasen hatte, die sich für mich während der Bewusstwerdung als völlig sinnlos herausgestellt hatten.

    Zitat

    Sowas rein auf Gedanken-/Einstellungsbasis abzustellen halte ich leider für reine Selbstdiziplin mit gehörigen Prisen Selbsttäuschung, Augenverschluss (nicht vor dem Leid, vor dem eigenen Empfinden darüber) und vllt sogar antrainierter Abstumpfung.

    Wie meinst Du das?

    Zitat

    glaub Selbstüberwindung in irgendeinem gewaltsamen Sinne ist derzeit nicht nach meinem Geschmack, sicher meinst du nichts gewaltsames und vermutlich meint auch nie ein Buddhist irgendwas im gewaltsamen Sinne, mag schon sein aber was ihr da in meinen Augen immer verkennt ist dass ihr zu diesen Standpunkten durch Entwicklung kommt, präsentiert man da dann entwickelte Istzustände kann die Nacheiferung so nett klingender Wahrheiten nur zum gewaltsamen Akt verkommen. Die auseinanderaufbauenden Zwischenschritte fehlen einfach absolut.

    Nein, so meine ich es nicht. Mit loslassen meine ich vorgefertigte und unrealistische Urteile und Erwartungen loszulassen. Damit verringere ich meine Enttäuschungsrate deutlich, denn dann werde ich nicht enttäuscht. Natürlich nicht gewaltsam. Dafür aber muss ich loslassen wollen und dass ich das will, muss ich für mich selbst die Erkentnis haben, dass solche Urteile und Erwartungen sinnlos sind.

    Zitat

    hm, nicht nur. Und selbst wenn ich das im Gesamten so sehen würde würde ich da eine Formulierung dranhängen die die Verantwortung bei mir belässt. So wär der Sprung zu "die Menschen sind schuld wenn mir nicht gut geht" viel zu klein.

    Das verstehe ich nicht ganz. Kannst Du das noch näher erläutern?

    Zitat

    ich denke es nicht ich fühle es

    Das ist mir schon klar. Wie kommt es zu diesem Gefühl?

    Zitat

    Es geht nur um meine Verantwortungen für mich, und ich glaub nicht dass die jemand, incl mir selbst, festlegen kann. Ich kann nur entscheiden sie wahrzunehmen oder eben nicht und das auch nur dann wenn ich um sie weiß.

    Wer legt denn die Verantwortung sonst fest, wenn nicht Du?

    Zitat

    na keine Ahnung im speziellen, erliege ich einer Selbsttäuschung ist mir das mindestens vorerst nicht bewusst.

    Das könntest Du ja dann ändern, wenn es eine Selbsttäuschung ist, oder?

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    Selbstverantwortung sehe ich nicht als etwas variables. Variabel ist nur inwieweit man ihr nachkommt was jeweils automatisch Konsequenzen hat.

    Hast Du ein Beispiel?

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    Ich versuche mir zu verzeihen wenn ich ungut mit mir umgehe/-ging, ich kann Gründe finden warum es so war ich kann sogar in einige Destruktivitäten gewissen Sinn erkennen, aber das ändert nichts daran was es jeweils war.

    Wieso musst Du Dir verzeihen? Es klingt, als müsstest Du Dir verzeihen so zu sein, wie Du bist?

    Zitat

    Das ist sehr selbstverantwortlich. Und sehr theoretisch, jedenfalls für mich in themabezüglich schlechten Phasen (und was Erwarten betrifft habe ich mich noch nicht so wirklich entschieden, keine zu haben würde ich derzeit eher auch für son selbstdiziplinares Selbstüberwinden halten).

    Seine Einstellung zu Erwartungen bwz. Erwartungen aufzustellen bewusst zu werden, bedeutet ja nicht unbedingt auf Null Erwartungen zu kommen. Ich denke, dass man sich dessen bewusst ist, dass man sie aufstellt bzw. wie realistisch diese Erwartungshaltung ist, macht es einem auch einfacher mit dem Ergebnis umzugehen. In Folge dessen auch mit dem Ärger, den man in sich auslöst, wenn man bewusst an unrealistischen Erwartungen festhält bzw. auch zu merken, wenn man sich so ärgert und stresst, dass es einem anfängt nicht mehr gut zu tun.

    Zitat

    Es ist Entscheidung, das sehe ich haargenauso, jetzt. Deshalb wehre ich mich ja, deshalb schimpfe ich i.d.R. nicht mit über die Schlechtigkeit der Welt oder versuch sogar was entgegen zu setzen. Nach dem Abdriften(/Aufgeben dagegen zu wehren) sieht man es vermutlich nicht mehr so sondern hält sich für ein Opfer der Umstände das ja gar net anders kann/konnte.

    Naja, das eine ist, sich über etwas aufzuregen, woran man selbst nichts tun kann und das selbst etwas dagegenzusetzen ist das, woran Du etwas ändern kannst bzw. es eben in diese Waagschale der Menschen hineinzulegen, selbst vielleicht Dinge richtig zu machen, wo Du Deine Verantwortung siehst.

    Zitat

    das ist natürlich schon äußerst sinnvoll solange es geht, es geht aber oft genug eben nicht. Es gibt genug Häßlichkeiten in unserer Gesellschaft wo eine Relativierung schon in Richtung Unmenschlichkeit ginge. Beispiele kann sich da bitte jeder selber ausmalen.

    Ich weiß nicht, vielleicht wäre ein Beispiel, an dem Du Dich aufreiben kannst, nicht schlecht. Ich kann mich erinnern, ich habe mich als ich jünger war und gewisse Zusammenhänge erkannt habe zeitweise schrecklich unglücklich gefühlt. Damals hätte ich auch nicht Kollektivverantwortung sondern Kollektivschuld gesagt, hätte auch Schuld bei mir gesehen. Ein Wort, das keine wertfreie Beobachtung zulässt, sondern eine wertende und die war es auch. Als ich die Welt durch diese Brille sah, fand ich auch sehr vieles entsetzlich. Durch meine Identifizierung mit den Opfern, war natürlich alles schlimm, was jene taten, die dafür verantwortlich waren. Sie waren natürlich Schuld daran, dass es anderen so schlecht ging. Ich sehe die Zusammenhänge heute nicht anders. Gerade weil nicht jeder die Welt so sieht wie ich und auch Selbstverantwortlichkeit nicht so definiert. Viele sehen schlicht die Schuld für xy bei anderen. Sie sind entsetzt über die Gefühle und Denkweise anderer. Es ist auch nicht so, dass ich völlig frei davon bin, mir von jemandem zu denken - so ein Arsch -, weil er etwas tut oder sagt, das für mich nicht gut ist. Aber ich hole mich zurück auf die neutrale Ebene. Er ist wie er ist und ich bin, wie ich bin und egal wie ich suche, so sehe ich nichts, wer da "anzuklagen" wäre, dass jemand so ist, wie er ist, weil meiner Ansicht nach alles und alle determiniert ist.

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    Vllt liegts an der Jahreszeit^^ Also ohne Witz eigentlich, es könnte sein dass ich Herbst/Winteranfangs da fragiler bin als sonst.

    Was ich an mir gemerkt habe ist, dass ich sehr schnell in diese Negativspirale gerate, die mir sehr schadet, wenn ich nicht auf mich achte. Gerade weil ich gewisse Dinge gar nicht loslassen will. Deswegen muss ich sehr auf mich aufpassen. Ich finde es zwar phantastisch, wenn so ein buddhistischer Mönch jeden und alles annehmen kann und viellecht kann ich das noch in meiner Pension auch praktizieren, aber so lange ich berufstätig bin, in einem sozialen westlichen Gefüge mit klassischen intersubjektiven Werten, kann ich mich nicht ausklinken. Wenn ich aber mittendrin bin, dann habe ich Werte und dann auch Gründe, dass ich mich ärgere, was ja nicht unbedingt schlecht ist. ;-D

    "Antrainierte Abstumpfung"? Eigenartig, wieso haben wir ein schlechtes Gewissen und kommen auf Abstumpfung, wo doch nur ein nicht direktes mit-Leiden angesprochen ist und nicht das Abriegeln gegen Unrecht und Leid?


    Wahrnehmen ist ja nicht zwingend auch Mitleiden. Mitzuleiden kostet Kraft und kann sogar blockieren und Handeln verhindern und sich so der Veranwortung in den Weg stellen.