• Positives Verhältnis zur Menschheit bewahren

    Oder wenigstens neutral. Fällt mir manchmal etwas schwer, manchmal geht's und manchmal ist's wirklich positiv. Momentan ist es arg schwer, geht schon ne Weile so und kann nicht mal sicher sagen warum. Gestern hab ich mich mit jemand unterhalten der schon langsam die Grenze zum Hass überschreitet und konnt anläßlich meiner eigenen diesbezüglichen Phase…
  • 339 Antworten
    Zitat

    Also wenn Du Dich wieder mal mit dem Thema befassen willst, dann melde Dich. :-)

    mach ich, danke für's Interesse

    Hm, versteh ich deine Ausführungen richtig, daß du irgendwie ein wenig wie ein 'Heiliger', keinen Ärger, keine Wut, keine bösen Gedanken auf jemanden verspüren willst, sondern die Menschheit als gut betrachten und auch wenn sie dir Gehässigkeiten entgegenbringt, ihr freundlich entgegenkommen willst?


    Oder lieg ich da falsch? (Bitte nicht am Wort 'Heiliger' aufhängen, aber das impliziert es für mich, wenn einer seine böseren Gefühle in jeglicher Lebenslage in freundliche transferieren will ;-) )

    Das ist schon übertrieben, zu jmdem der mir blöd kommt will ich i.d.R. auch net freundlich sein (außer ich bin tatsächlich tiefengelassen (kommt manchmal vor, hätt ich natürlich gern immer so, geht aber net) oder merke dass ich damit besser zurückschlagen kann als mit Unfreundlichkeit ]:D ), es geht aber schon auch mit in die Richtung: um Emotionen nicht haben zu wollen und/bzw nicht einzusehen sie haben zu müssen wenn sie ohne den Verursacher nicht da wären. Dass das Verantwortungsabschiebig ist ist mir bewusst aber das Wissen darum hilft mir nicht weiter. Aber jetzt mach ich wirklich mal Fadenpause.

    Ok, Du kannst selbstverständlich Pause machen, so lange Du willst.


    Wenn es nach mir ginge, würde es irgendwann auch mal wieder weitergehen.


    :)D

    Gestern gefunden:

    Zitat

    Obwohl die Menschheit nie zuvor so zufrieden war mit dem, was sie besitzt, und sich nie zuvor ihrer Möglichkeiten so sicher war, alles tun zu können, was sie sich vornimmt, trifft es doch gleichzeitig zu, dass sie nie zuvor eine so niedrige Wertschätzung von dem akzeptiert hat, was sie ist. Die gleiche wissenschaftliche Vorgehensweise, die ihr ermöglicht hat, den Wohlstand zu schaffen und die Kräfte freizusetzen, die sie jetzt besitzt, hat es der Biologie und Psychologie ermöglicht, sie wegzuerklären - oder zumindest alles wegzuerklären, das an ihr einmalig oder sogar irgendwie geheimnisvoll war ... Sie ist wirklich, trotz allen Wohlstands und aller Macht, arm im Geiste.

    Von Joseph Wood Krutch, Human Nature and the Human Condition, 1959. Zitiert in Donella H. Meadows, Die Grenzen des Denkens.


    Bevor sie zu diesem Zitat am Ende ihres Buches kommt, schreibt sie unter der Überschrift "Das Güteziel nicht verwässern" als 15. und letzte "Richtlinie für ein Leben in einer Welt der Systeme":

    Zitat

    Das schädlichste Beispiel für den Systemarchetyp "Leistungsschwund" ist der Prozess, durch den die moderne industrielle Kultur das Ziel moralischen Handelns untergraben hat. Diese Falle ist in klassischer Weise zugeschnappt; das Ergebnis ist erschreckend.


    Beispiele für schlechtes menschliches Verhalten werden hochgehalten, von den Medien aufgebauscht und kulturell noch als "typisch" bestätigt: Genau das war ja zu erwarten; schließlich sind wir alle nur Menschen. Die weit zahlreicheren Beispiele für menschliche Güte werden kaum wahrgenommen. Sie machen keine Schlagzeilen. Es sind Ausnahmen: Muss wohl ein Heiliger gewesen sein; kann man nicht erwarten, dass jeder sich so verhält.


    Und so werden Erwartungen zurückgesteckt. Die Kluft zwischen erwünschtem und tatsächlichem Verhalten wird kleiner. Es wird weniger dafür getan, Ideale zu stärken und einzupflanzen. Die öffentliche Diskussion ist voller Zynismus. Meinungsführer zeigen sich offen und ohne Reue amoralisch oder unmoralisch und werden dafür nicht zur Rechenschaft gezogen. Idealismus wird verspottet. Das Äußern moralischer Ansichten weckt Misstrauen. Es ist viel einfacher, in der Öffentlichkeit über Hass als über Liebe zu sprechen.

    Es folgt das Zitat oben, das ich dem Thema dieses Fadens entsprechend vorangestellt habe. Meadows endet ihr Buch danach mit:

    Zitat

    Was man gegen Leistungsschwund tun kann, wissen wir. Man darf den schlechten Nachrichten nicht mehr Gewicht geben als den Guten. Und man muss an absoluten Standards festhalten.


    Systemisches Denken kann uns nur nahelegen, das zu tun. Selbst tun kann es das nicht. Damit sind wir wieder bei der Kluft zwischen Verstehen und Umsetzen. Systemdenken selbst kann diese Kluft nicht überbrücken, aber es kann uns zum Rand dessen führen, was Analyse vollbringen kann, und uns dann den Weg weisen - zu dem, was vom menschlichen Geist getan werden kann und muss.

    Nämlich: Ein positives Verhältnis zur Menschheit bewahren.

    Vielleicht hilft es, mit dem Thema weiterzukommen, wenn man versteht, wie das positive Verhältnis zur Menschheit (= das Güteziel, um das es in diesem Faden geht) verwässert und wie man diese selbsterfüllende Prophezeiung (= selbstverstärkende Rückkopplung), um die es letzlich geht, unterbrechen kann.

    Ich habe die erste Frage beantwortet: "Hä?", die ich verstanden habe als: "Warum hast du das gepostet?" Die zweite Frage habe ich lediglich als raten von Möglichkeiten empfunden. Aber klar, ich beantworte auch die zweite Frage.


    Mit dem positiven Verhältnis zur Menschheit ist es wie mit dem Telefon: Es ist reichlich witzlos, der Einzige zu sein, der eines hat. Mein positives Verhältnis zur Menschheit ist um so wertvoller, je mehr Menschen es teilen. Leider ist die Tendenz gegenläufig. Der gepostete Text zeigt eine mögliche Dynamik auf, wie es dazu kommt, samt relativ einfacher Gegenmaßnahme. Also konkret auf deine Frage: Ich stecke nicht fest und bin zufrieden wie weit ich bin, aber mir ist daran gelegen, dass das Thema nicht um mich herum implodiert. Aufklärung, wie es dazu kommen könnte, leistet hier, so hoffe ich, einen Beitrag. Zumindest kann danach niemand mehr behaupten, man habe nicht gewusst, wie das positive Verhältnis zur Menscheit zu schützen gewesen wäre.

    Meine Fragen waren gerade umgekehrt gemeint. Die erste als Feststellung, dass es mir nichts bringt.


    Auf die zweite wollte ich eine Antwort.


    Ich habe schon länger kein positives Verhältnis mehr zur Menschheit. Vielleicht eher ein ungeklärtes.


    Mein Ziel ist es nicht, wie S. wallisii es zumindest noch am Anfang anstrebte, ein positives Verhältnis zur Menschheit zu haben. Mein Ziel ist es, die Menschheit so zu akzeptieren, wie sie ist.


    Deshalb wäre für mich ein Schritt, mir die Frage zu beantworten: Wie ist die Menschheit eigentlich?


    Du bist anscheinend gerade auf einem ganz anderen Dampfer.

    Mit Verantwortung hat Verbitterung rein gar nichts zu tun. Wenn man immer wieder die Erfahrung macht, dass man belogen, betrogen, genervt oder sonstwie von homo sapiens geschädigt wird, ohne dass man selbst irgendwas dazu beigetragen hätte, dass es so kommt, dann hat es nichts mit Verantwortung zu tun.


    Immer mehr Menschen ziehen sich von Menschen zurück, lese ich immer öfter und ich selbst gehöre auch dazu.


    Wieso willst du dich mit Gewalt zwingen, die Menschenheit toll zu finden?

    Zitat

    Wie ist die Menschheit eigentlich?

    Die Antwort meines (Meadows) Beitrags darauf ist: Nicht so schlecht, wie der Bias auf Negativität vermuten lässt. Aber auch nicht so gut, wie sie sein könnte, würde man nicht zulassen, dass ethische Maßstäbe erodieren.

    Die Menschheit ist nicht so gut, wie ich glaube. Das ist es, was mir zu schaffen macht.


    Ich sehe die Welt um mich herum und das, was ich sehe, erschüttert mich in meinem Glauben. Nur da Du nicht weißt, was ich glaube, kannst Du mich nicht verstehen.


    Das entnehme ich auch Deinem letzten Beitrag. Denn der Bias von dem Du schreibst, ist Dein Bias.


    Ich habe einen anderen Bias.