• Positives Verhältnis zur Menschheit bewahren

    Oder wenigstens neutral. Fällt mir manchmal etwas schwer, manchmal geht's und manchmal ist's wirklich positiv. Momentan ist es arg schwer, geht schon ne Weile so und kann nicht mal sicher sagen warum. Gestern hab ich mich mit jemand unterhalten der schon langsam die Grenze zum Hass überschreitet und konnt anläßlich meiner eigenen diesbezüglichen Phase…
  • 339 Antworten

    @ a.fish

    Zitat

    Wie bist Du darauf gekommen, dass das ein Schutzmechanismus ist?

    äh^^ fühlt sich richtig an :-D Ist für mich intuitiv einfach zu offensichtlich als von was anderem auszugehen, jedenfalls gehe ich für mich persönlich davon mit Sicherheit aus, bei anderen ist es einfach eine Vermutung wie ich z.B. vermute dass Introvertiertheit in 99% (oder so^^) der Fälle keine Introvertiertheit ist sondern Hemmung.

    Zitat

    Ich kenne das halt von mir und versuche eigentlich seit einer Weile, zu akzeptieren, dass ich einfach so bin und oft emotional eine lange Leitung hab. Dass ich Dinge oft länger in meinem Kopf bewegen muss (auch unbewusst), um dann irgendwann zu einem Gefühl dazu zu kommen und das nicht mehr als so fehlerhaft anzusehen, sondern einfach als persönliche Eigenschaft. Mein Umgang damit ist nun eher, dass ich dann halt mit der Peinlichkeit leben muss, nach Tagen oder Wochen zu jemandem hinzugehen und olle Kamellen aufzuwärmen (wenn es etwas ist, aus dem sich Gesprächs- oder Handlungsbedarf ergibt).

    ja, das ist auch richtig so! Die Akzeptanz und der Umgang damit schließen ja nicht aus dass das möglicherweise Potential dafür da wäre es tatsächlich zu bessern. Läuft doch im Grunde mit allem an psychischen Macken so, die Akzeptanz ist überhaupt erstmal der Schlüssel, ob sich dann guter Umgang oder Besserung findet zeigt sich dann schon, mal geht's nach der Akzeptanz beinah automatisch und mal ist man besser beraten totale Problemauflösung gar nicht so unbedingt und zwingend anzustreben. Es in diesem Fall für nicht natürlich zu halten (also komm, Wochen!!^^) ist reine Rationalität die praktisch keine Relevanz hat und soll auch keine Wertung oder gar Verurteilung beinhalten, damit würde man die Akzeptanz ja gehörig untergraben. Man könnte es so sehen dass die jeweilige Emotionalität nicht verdrängt ist, dann muss man halt sagen dass man sich Schranken aufgebaut hat die die Emotion gar nicht erst zulassen, Definitionszeugs halt, an Nicht-natürlichkeit ändert das nichts außer man definiert halt dann daranrum weil ja natürlich war die Schranken aufzubauen, usw. das kann man dann Generation für Generation weiter zurück führen und stellt irgendwann fest alles ist natürlich, die Verkorkstheit ist ein natürlicher Zustand also ist ja alles in Butter.. oder so...^^

    Mal so reinplatz.

    Zitat

    Ich kenne das halt von mir und versuche eigentlich seit einer Weile, zu akzeptieren, dass ich einfach so bin und oft emotional eine lange Leitung hab. Dass ich Dinge oft länger in meinem Kopf bewegen muss (auch unbewusst), um dann irgendwann zu einem Gefühl dazu zu kommen

    Mich würde da noch ein anderer Aspekt interessieren, nämlich ob Du recht zeitnah das Gefühl tatsächlich gar nicht hast oder es eher ganz schnell wegschiebst oder relativierst. Und, da Du erwähnt hast, viel Wert darauf zu legen, höflich zu sein (hab ich doch richtig in Erinnerung?): Kann es sein, dass Du im Kontakt mit anderen Menschen so sehr auf Dein Gegenüber und sein Befinden achtest, dass Deine eigenen Gefühle sehr in den Hintergrund geraten, also eventuell erst deutlicher werden, wenn Du wieder alleine bist?

    Zitat

    Tue ich doch.

    Du glaubst also, dass du zu noch mehr befähigt bist, als alle anderen Menschen?


    Ich finde, dass dies schon sehr viel ist und ich frage mich - schon wieder/immer noch *g*- , ob es für dich einen gefühlsmäßigen Unterschied gibt zwischen bekannten Personen und der hier angesprochen Menschheit. Also gefühlsmäßig für dich selbst. Wie ändert sich das Bild bei bekannten Personen und wie ändert es sich eben bei der "Menschheit" - und wie viel hat dies wieder mit dir selbst zu tun.


    Ich merke für mich selbst, dass ich dieses Gefühl für die "Menschheit" so gar nicht so tief in mir drin habe, es sei denn, es geht mir schlecht ;-) . Wenn es mir gut geht, dann frage ich mich sowas menschheitsmäßiges gar nicht, stelle ich fest. Dann ist die Situation wirklich genau in dem Raum, bei und mit den Personen, die daran beteiligt sind. Wenn andere davon periphär berührt werden, dann ist es schön für sie, doch es ändert an meiner situationsbestimmten Sicht nicht so viel. Also, so wie ich manchmal über die Menschheit dann grübele und manchmal nur den Kopf schüttele, wenn es mir schlecht geht. Sowas passiert nicht, wenn ich mich freue. Zumindest nicht in dem tiefen Maße.

    Exkurs

    Zitat

    Mich würde von dir eine Einschätzung interessieren (wenn du Lust und Zeit hast), nämlich geht's um Vorrausleistung als Intension für gutes Handeln. Ich lese das aus der goldenen Regel raus (wahrscheinlich falsch aber ich lese es eben raus wenn ich mir ihre Herkunft in den verschiedensten REligionen durchlese (wiki) und ich erlebe es an Karmagläubigen. Glaub ioch ja nicht dran aber ich finde es eine interessante Sichtweise und da du dich da mal in nem anderen Faden geäußert hast scheinst du dich da auszukennen. Wie stellt sich das aus Karma-Sicht dar?

    Mh - ich bin nir nicht sicher ob ich erfasse wie du das meinst bzw welche Frage dahinter steckt:Vorrausleistung als Intension für gutes Handeln.


    Vorrausleistung wäre für mich A erbringt eine Leistung ohne vereinbahrten Leistungsaustausch mit irgendjemandem. Das wäre ganz praktisch gesprochen der "Mechanismus" wie ein großer Teil unserer Konsumgüterindustrie funktioniert ,): Man produziert und hofft das im Markt genügend Abnehmer sind, die wiederum interesse an einem Austausch Ware gegen Geld haben.


    Ist dem Grunde nach diese "Art" von Vorleistung gemeint? Ich vermute Du beziehst Vorleistung jetzt nur auf den zwischenmenschlichen Austausch und hast weniger den Objektaustausch im Fokus ;-).


    Meinst Du bei der Intension tatsächlich die Intension(im Gegensatz zur Extension) oder eher die Intention ( was im Zusammenhang mit Karma für mich eine anderen Fragesinn ergäbe)?


    Karma an sich ist für mich in erster Linie ein Begriff, der für ein Reflektionskonzept steht was der Bewusstwerdung dienen kann. Gehts Dir eigentlich mehr um eine (zen)buddhistische Sicht auf Deinen Ausgangsbeitrag?

    Warum ausgerechnet ein positives Verhältnis zur Menschheit aufbauen und kein einfach neutrales oder gemischtes?


    Das frage ich mich jedesmal, wenn ich den Thread lese.


    Mein eigenes Verhältnis zur Menschheit ist gespalten. Ironischerweise denke ich gleichzeitig negativ als auch positiv über die Menschheit an sich. Auf der einen Seite ist mir die Menschheit zu unterentwickelt und hat mir einen zu begrenzten Horizont, um mir ihre Weiterexistenz zu wünschen. Da wäre es wirklich besser, wenn entsprechend höherentwickelte Aliens die Erde bevölkern würden. Und es gibt auch weniger idealistisch betrachtet viele "typisch menschliche" Verhaltensweisen mit den entsprechenden Folgen, sodass ich es micht zumutbar finde, Nachwuchs zu zeugen und in diese Welt zu setzen. Die Menschheit wird sich ohnehin nicht überleben.


    Auf der anderen Seite, so im Hier und Jetzt, gibt es allerdings auch immer wieder mal auch die sympathischen Seiten der Menschheit zu sehen. Weshalb ich die Menschheit nicht direkt auslöschenswert finde. Aber manche Vertreter ihrer Gattung durchaus. Auch wenn das narzisstisch sein mag von mir.

    Zitat

    äh^^ fühlt sich richtig an :-D Ist für mich intuitiv einfach zu offensichtlich als von was anderem auszugehen, jedenfalls gehe ich für mich persönlich davon mit Sicherheit aus, bei anderen ist es einfach eine Vermutung wie ich z.B. vermute dass Introvertiertheit in 99% (oder so^^) der Fälle keine Introvertiertheit ist sondern Hemmung.

    Ich bezweifle, dass echte Intoversion einfach ein Synonym für Schüchternheit/Hemmungen ist. Im Gegensatz zu Extravertierten, haben die Gehirne von Introvertierten ein niedrigeres Stimulationslevel, auf dem sie ihren optimalen Erregungszustand haben. Deshalb erholen sich Introvertierte auch nicht auf einer Massenparty (in Diksos z.B.) und tanken da Energie, weil das eine sehr reizintensive Umgebung ist und das Gehirn über sein optimales Wohlfühl-Erregungsniveau hinaus stimuliert wird, sondern ziehen zum Erholen ruhige Umgebungen vor. ... Die meisten Menschen sind Ambivertiert.

    @ Cleeni

    Zitat

    Du glaubst also, dass du zu noch mehr befähigt bist, als alle anderen Menschen?

    :-D Wohl kaum^^ Ich hab deine Anregung so (und offensichtlich falsch) verstanden dass ich meine Selbstzentriertheit nutzen soll um was gutes für mich draus zu machen. Was meintest du also wirklich?

    Zitat

    ob es für dich einen gefühlsmäßigen Unterschied gibt zwischen bekannten Personen und der hier angesprochen Menschheit.

    klar, aber trennbar für mein Komplettverhältnis ist es für mich nicht. Ich kann auch Strömungen negativer Sicht und positiver nicht einfach nebeneinander her existieren lassen, bei mir beeinflusst sich das zwangsläufig. Ich find faszinierend wie das für dich oder danae87 funktioniert (ob ich es tatsächlich glauben kann weiß ich noch nicht, ich glaub ich bin aber tendeziell bereit es zu versuchen^^ (also das liegt an mir und wird vermutlich auch gar nicht tatsächlich erklärbar sein)

    @ NotMichaelCaine

    Zitat

    Ich vermute Du beziehst Vorleistung jetzt nur auf den zwischenmenschlichen Austausch und hast weniger den Objektaustausch im Fokus ;-).

    ja natürlich, aber scheint als hätte ich bisher gar nicht gewusst was Vorrausleistung bedeutet^^ (oder?) Ich meine gutes Handeln mit der Absicht und in der Erwartung dass man dann ebenfalls gut behandelt wird.

    Zitat

    Gehts Dir eigentlich mehr um eine (zen)buddhistische Sicht auf Deinen Ausgangsbeitrag?

    eigentlich nicht, wär aber sicher interessant (auch wenn ich damit vermutlich nichts anfangen kann (sag ich mal sicherheitshalber dazu))

    @ HX2T6

    Zitat

    Auf der einen Seite ist mir die Menschheit zu unterentwickelt und hat mir einen zu begrenzten Horizont, um mir ihre Weiterexistenz zu wünschen. + Weshalb ich die Menschheit nicht direkt auslöschenswert finde.

    ;-D hui, das klingt wirklich nicht sehr positiv, sowas z.B. wäre mir als dauerinstallierte Sichtweise definitiv zu negativ und ich kann mir kaum vorstellen dass das überhaupt gesunde Sichtweise sein kann nachdem ja jeder auch selbst ein Mensch ist.

    Zitat

    Die meisten Menschen sind Ambivertiert.

    ja, (auch wenn ich da jetzt natürlich die Suchmaschine benutzen musste^^) eben! In den meisten Fällen (ich sag nicht jeder) wo sich jemand für Introvertiert hält ist das meiner Meinung nach einfach ein Versteck vor sich selbst.

    Zitat

    ;-D hui, das klingt wirklich nicht sehr positiv, sowas z.B. wäre mir als dauerinstallierte Sichtweise definitiv zu negativ und ich kann mir kaum vorstellen dass das überhaupt gesunde Sichtweise sein kann nachdem ja jeder auch selbst ein Mensch ist.

    Natürlich schließe ich mich in meine obigen Ausführungen mit ein, weil - wie du schon selbst erkannt hast^^ - ich selbst ein Mensch bin. Aber warum soll das keine gesunde Sichtweise sein?

    Zitat

    ja, (auch wenn ich da jetzt natürlich die Suchmaschine benutzen musste^^) eben! In den meisten Fällen (ich sag nicht jeder) wo sich jemand für Introvertiert hält ist das meiner Meinung nach einfach ein Versteck vor sich selbst.

    Wenn du meinst; ich finde es persönlich sehr ermüdend, wenn Menschen immer wieder Introversion mit sozialen/psychischen Hemmungen zusammenwerfen und es synonym gebrauchen. Man kann introvertiert und sozial scheu oder sonstwie gehemmt sein; man kann auch nur introvertiert sein ohne sozial scheu oder sonstwie gehemmt sein zu müssen. Wenn ich dir nun sage, dass ich introvertiert bin und das nicht ändern kann auch wenn ich selbst manchmal gerne mehr so funktionieren würde, wie ein extravertierter Mensch, ist es in deiner Welt wahrscheinlicher, dass ich in Wirklichkeit nur gehemmt bin als dass ich introvertiert bin. Das ist für mich keine sinnvolle Basis für einen Austausch darüber.

    Mich würde aber weiterhin interessieren, warum du die Menschheit gerne als gut bzw. positiv sehen möchtest?

    Zitat

    Gestern, noch früher am Tag, ist ne Straßenbahn vorbei gefahren und ich sah die Leute drin und dachte, ..naja, nichts nettes. Einfach so. Hab mich dann gescholten, weil ich nämlich nicht glaube dass es gut tut überhaupt in diese Richtung zu gehen, das ist aber kein Wissen.

    ... Und warum du dich für deine Gedanken selbst ermahnst, bloß weil du beim Anblick dieser Leute nix Nettes gedacht hast. Findest du, dass es "negative Gefühle" gibt bzw. Gedanken, die man nicht haben darf, weil man sonst ein schlechter Mensch ist? Hast du zwanghafte Persönlichkeitsanteile?

    Zitat

    Aber warum soll das keine gesunde Sichtweise sein?

    aus mehreren Gründen, z.B. Selbsthass als Folge (oder Menschenhass als Folge von Selbsthass, so oder so, die Spezies zu hassen der man angehört kann nur zu Selbstablehnung führen, alles andere wäre unlogisch), Selbstisolation (fügt Schaden zu (jedem, außer wahrhaften Eremiten und ich bin jedenfalls keiner)), Verantwortungsabschiebung und Opfertum (das kann ich argumentativ nicht belegen aber das Gefühl ist zu stark um mir nicht sicher zu sein)

    Zitat

    Mich würde aber weiterhin interessieren, warum du die Menschheit gerne als gut bzw. positiv sehen möchtest?

    hmja, Cleeni auch und ich hab einige zaghaften Antworten dazu gegeben .. und mich übrigens (so ganz nebenbei erwähnt^^ (es steht im Faden)) von dem Wunsch nach dem positiven Bild getrennt. Der Negativität werde ich mich trotzdem nicht hingeben, nicht als festinstallierte Sichtweise/Verhältnis zu den Menschen, vllt mal als Gefühl (vllt auch nicht). Darüberhinaus bin ich ziemlich davon überzeugt dass das Verhältnis zu der Menschheit gar nicht all zu schlecht werden kann je besser man mit sich selbst klar kommt.

    Zitat

    ... Und warum du dich für deine Gedanken selbst ermahnst, bloß weil du beim Anblick dieser Leute nix Nettes gedacht hast. Findest du, dass es "negative Gefühle" gibt bzw. Gedanken, die man nicht haben darf, weil man sonst ein schlechter Mensch ist?

    das ist eins der Grundprobleme, ist aber nur ein Ausschnitt des Ganzen, über den ich durchaus auch bescheid weiß aber eben erst dabei es zu ändern, langsam. Aber wie willig und erfolgreich ich auch immer sein mag da dran zu arbeiten, eins bleibt trotzdem hemmender Fakt: Die Selbstprogrammierung. In ungebremster Weise die ganze Zeit Scheiße zu denken erzeugt auch Scheiße *schulterzuck* das ist ein anderer Ausschnitt und im Faden stehen noch weitere.

    Zitat

    Wenn du meinst; ich finde es persönlich sehr ermüdend, wenn Menschen immer wieder Introversion mit sozialen/psychischen Hemmungen zusammenwerfen und es synonym gebrauchen.

    Mein ich^^ du hast mich nicht verstanden und ich weiß es nicht noch präziser auszudrücken. Ich will dir deine Introvertiertheit nicht absprechen, ich kenn dich doch gar nicht. Und ich gebrauche es auch nicht synonym, 99% (oder so und keine 100 ;-)), vllt bist du das eine %, vllt machst du dir selbst was vor, was weiß ich (deine Reaktion spräche (indizienhaft) dafür, trotzdem weiß ich es nicht, wo ich aber aber generell eher nicht glauben kann ist wenn Leute im Netz mächtig kommunikativ sind aber ja sooo introvertiert, so lang bist du aber ja noch nicht hier (und schreib jetzt deshalb bloß nicht weniger :-D aber überleg vllt mal, falls du anderswo sehr aktiv bist oder warst, wie das denn zusammenpassen soll)

    Zitat

    Hast du zwanghafte Persönlichkeitsanteile?

    wie weiß man sowas?^^ (ich vermute ich hätte eine Ader dazu (wie zu so vielem) aber irgendwelche offensichtlichen Zwangsstörungen hab ich zumindest nicht (erstaunlicherweise vermutlich))

    Zitat

    wie weiß man sowas?^^ (ich vermute ich hätte eine Ader dazu (wie zu so vielem) aber irgendwelche offensichtlichen Zwangsstörungen hab ich zumindest nicht (erstaunlicherweise vermutlich))

    Nein, Zwangsstörungen meinte ich nicht. Ist nicht weiter wichtig.

    @ wallisii

    Zitat

    äh^^ fühlt sich richtig an :-D

    ;-D Okay. Ich überdenke das mal ein paar Wochen oder Monate und komme dann sicher irgendwann zu einem Schluss dazu.

    @ quacksalberei

    Zitat

    Mich würde da noch ein anderer Aspekt interessieren, nämlich ob Du recht zeitnah das Gefühl tatsächlich gar nicht hast oder es eher ganz schnell wegschiebst oder relativierst.

    Ich würde behaupten, dass ich oft spontan tatsächlich kein Gefühl habe. Ob Teile von mir es nicht vielleicht so schnell wegschieben, dass das lahme bewusste Ich es nicht mitbekommt, kann ich aber natürlich nicht ausschließen.

    Zitat

    Kann es sein, dass Du im Kontakt mit anderen Menschen so sehr auf Dein Gegenüber und sein Befinden achtest, dass Deine eigenen Gefühle sehr in den Hintergrund geraten, also eventuell erst deutlicher werden, wenn Du wieder alleine bist?

    Ja, das ist bestimmt so. Vor anderen Menschen spontan irgendeine Bewertung/Einschätzung von irgendwas abgeben, stresst mich oft sehr, da hab ich nur Rauschen im Kopf (selbst wenn die Frage ist: Schmeckt's Dir? ;-D ). Aber ich kann das auch allein nicht erzwingen, ich kann das irgendwie sich einfach nur entwickeln lassen und irgendwann macht es irgendwie Pling! und dann weiß ich, wie ich etwas finde.

    Zitat

    Ja, das ist bestimmt so. Vor anderen Menschen spontan irgendeine Bewertung/Einschätzung von irgendwas abgeben, stresst mich oft sehr, da hab ich nur Rauschen im Kopf (selbst wenn die Frage ist: Schmeckt's Dir? ;-D ). Aber ich kann das auch allein nicht erzwingen, ich kann das irgendwie sich einfach nur entwickeln lassen und irgendwann macht es irgendwie Pling! und dann weiß ich, wie ich etwas finde.

    Das kommt mir bekannt vor ;-).


    Es gibt sicher auch Menschen, die von Natur aus "gefühlsblinder" sind als der Durchschnitt, aber dennoch würde ich die These wagen, dass gerade wenn Du irgendwann dann plötzlich ein Gefühl für eine vergangene Situation erkennst, möglichst wenn Du gar nicht mehr damit gerechnet hast, diese Art der Gefühlsblindheit von (Selbst oder Fremd) Konditionierung kommt. Das bedeutet die Gefühle sind da, aber wir rationalisieren sie weg. Gerade die simple Frage: Schmeckt es Dir? nicht direkt beantworten zu können deutet auf Konditionierung hin. Die Frage offen zu beantworten hat ja "nur" soziale Konsequenzen, die man durch nicht fühlen meidet.


    Das kann ja auch über Jahrzehnte als System funktionieren, bis durch irgendeinen Stressauslöser plötzlich etwas aufbricht. Das Problem ist dann, dass die Gefühle die aufgestaut sind zu Situationen gehören, die Jahre zurückliegen und die Situationen in denen diese Gefühle tatsächlich hätten Handlungen auslösen können, die zu total anderen Entwicklungen geführt hätten ( positiven oder negativen) längst vorbei sind. Das ist dann ein Punkt an dem Menschen massiv anfangen zu hadern: Hätt ich doch ... und das Verbitterungspotential zum Vorschein kommt.


    Erzwingen zu fühlen geht nicht, weil das bereits eine Wertung beinhaltet. Je nachdem wie Du erst konditioniert wurdest und später Dich selbst konditioniert hast kommt ein Gefühl gar nicht hoch, weil Deine eigene Erfahrung mit Dir selbst womöglich ist: sobald es ankommt wird es negativ bewertet und in die Ecke geschickt - sprich gedeckelt. Wenn Du das schon lange so produziert hast braucht es ewig und vor allem keine Aufmerksamkeit vom Kopf sondern reine nicht bewertende Aufmerksamkeit um das wieder direkter und zeitnahe klar wahrnehmen zu können.


    Als ich mit 17 in die Therapie kam gabs relativ am Anfang eine Sitzung als der Therapeut mir klar zeigte, dass ich versuchte das zu fühlen was er von mir erwartete. Das war meine Konditionierung um mich vor den Ausbrüchen meines Vaters zu schützen. Dieses Schema - einschätzen wie er sich fühlt und was er für ein Gefühl von mir ihm gegenüber oder in einer Situation erwartete und dann dieses Gefühl irgendwie auszudrücken, um so wenig Angriffsfläche wie möglich zu bieten, trennte mich völlig von den Gefühlen die ich tatsächlich hatte. Das war für mich eine unbewusste Routine, die bei ihm als erwartungslosem Therapeut nicht sehr gut funktionierte. In der Folge fühlte ich mich ständig falsch und war völlig darauf angewiesen das die Umwelt mir mitteilte, dass ich mich richtig fühlte, was es leicht machte mich zu manipulieren. In der Therapiesituation war ich das erste mal mit jemandem konfrontiert, der mir einfach keinen Anhaltspunkt gab wie ich mich gerade fühlen sollte, aber nachfragte wie ich mich den fühlte. Mein Kopf konnte das nicht lösen, was zu Wut und Angst führte und dann eben zu sehr viel Trauer, die mein Kopf damals überhaupt nicht verstand, was aber eben den Zugang zu meinen tatsächlichen eigenen Gefühlen in ersten Schritten ermöglichte.


    Das ich eine sehr eigene intensive Gefühlswelt unabhängig davon hatte war für mich zu dem Zeitpunkt seltenst erahnbar. Es ging immer darum wie "man" sich in bestimmten Situationen zu fühlen hatte. Diese Art der Konditionierung, die ich selbst sehr aktiv wenn auch völlig unbewusst betrieben habe, weil sie gute Ergebnisse brachte, ist sehr hartnäckig zu durchbrechen, weil die Routine angstbasiert ist und so unendlich stark sein kann.


    Was ich zusammengefasst sagen wollte ist: Solange Du nach einiger Zeit für eine alte Situation etwas fühlst und da dann auch zu Ergebnissen kommst die Dich die Zeit zurückdrehen lassen wollen und Dir eine andere Handlungsalternative für einen bestimmten Moment anbieten spricht das stark dafür, dass Du wesentlich gefühlsstärker bist als Du momentan vielleicht glaubst und das nur über alte Konditionierung deckelst. Die Frage ist dann aus meiner Sicht nur, ob für Dich eine Zusammenarbeit Deiner momentan verschütteten Gefühle mit dem Verstand in einer aktuellen Situation attraktiv sind oder Du Dir sagst: es geht auch so wie es jetzt ist.

    @ NotMichaelCaine

    Zitat

    Als ich mit 17 in die Therapie kam gabs relativ am Anfang eine Sitzung als der Therapeut mir klar zeigte, dass ich versuchte das zu fühlen was er von mir erwartete.

    Macht dich das nicht sehr sozial kompetent? Ich meine es ist sehr praktisch, wenn man das automatisch so drin hat und dadurch ein gutes Verhältnis mit dem Gegenüber aufbaut, dadurch, dass man das zeigt, was die Person in einem sehen möchte.

    Zitat

    Macht dich das nicht sehr sozial kompetent? Ich meine es ist sehr praktisch, wenn man das automatisch so drin hat und dadurch **ein gutes Verhältnis mit dem Gegenüber aufbaut **dadurch, dass man das zeigt, was die Person in einem sehen möchte.

    Das Fettgedruckte ist ein Fehlschluss. Du baust dadurch ja eben kein Verhältnis - genauer keine Verbindung mit dem anderen auf, weil von Dir selbst in der Beziehung mit dem anderen nichts vorkommt. Höchstens Deine eigene Interpretation dessen was Du glaubst was er will. Das bist aber nicht Du.