• Positives Verhältnis zur Menschheit bewahren

    Oder wenigstens neutral. Fällt mir manchmal etwas schwer, manchmal geht's und manchmal ist's wirklich positiv. Momentan ist es arg schwer, geht schon ne Weile so und kann nicht mal sicher sagen warum. Gestern hab ich mich mit jemand unterhalten der schon langsam die Grenze zum Hass überschreitet und konnt anläßlich meiner eigenen diesbezüglichen Phase…
  • 339 Antworten
    Zitat

    Das Problem was ich da mit euch habe ist dass ihr Ideale (z.B. drüberstehen, Realitätsanspruch, Empathie, Korrektheit) absolut macht

    Tun "wir" das? Oder machen wir vielleicht eher die Erfahrung, dass sie das sind und wir uns selbst unterschiedlich stark negativ belasten, wenn wir ihnen entgegen handeln?

    Zitat

    zumindest schreibt ihr stellenweise so als ob, als ob ihr das alles in Stein meiselt und euch tatsächlich so zu verhalten versucht als wäre ein Ideal schon eingetreten das vllt sogar nie eintreten kann, und das kann doch einfach nicht gesund sein. Und mir geht es da jetzt zusätzlich mal (ausnahmsweise^^) wirklich nicht nur um mich wenn ich euch davor warnen will sich derartig in Fesseln zu legen.

    Der Unterschied liegt möglicherweise darin, dass Du die Regeln als von außen aufoktroiert und Dich einschränkend erlebst, während der eine oder andere von uns das - durch Achtsamkeitstraining verstärkt - von innen heraus versucht zu erforschen, ob an dieser Regel etwas dran ist oder nicht, ob sie - wie von Dir abgelehnt ,) - ein Naturgesetz ist oder nicht und ob ihre Einhaltung uns selbst gut tut oder nicht.


    Wer das erforschen will braucht Realitätstests. Die sind nicht immer lustig. Dazu gehört z.B. natürlich auch Gefühle auszudrücken und dann mit den Reaktionen darauf zu leben, um herauszufinden ob Gefühle innen behalten und andere Reaktionen erhalten zu weniger leiden führt als Gefühle herauszulassen und die Reaktionen abzubekommen. Natürlich ist das Arbeit und es gibt - wie bei jeder Art von freier Forschung - weder eine Erfolgsgarantie, noch eine Sicherheit wie das Ergebnis aussehen wird, noch eine Garantie darauf, dass dieser Prozess für einen selbst am Ende wirklich positiv ist.


    Ich persönlich empfinde ihn mittlerweile als ernüchternd, wobei ich ernüchternd nicht mehr so negativ sehe wie vor ein paar Jahren noch.


    Eins nochmal ganz klar: Ob Du wie Dein Bewusstsein erforscht kann Dir keiner vorschreiben, auch wenn Du es anscheinend so empfindest, dass Dir Regeln das und sogar das handlen daraus vorschreiben. Wenn Dir klar ist, dass das Regeln Dir faktisch nichts davon vorschreiben können, könntest Du Dich fragen warum Du nach wie vor daran hängst es so zu empfinden, dass Dir jemand etwas vorschreiben kann. Davon hast Du psychologisch nämlich einen Vorteil. Sonst würdest Du diesen Glauben einfach aufgeben und er wäre Geschichte. Du thematisierst ihn hier aber ständig als eine Art "Fakt" während Du Arbeitshypothesen die Du in Feldforschung negieren oder bestätigt finden kannst als Fakten ablehnst. Merkwürdig oder?


    Es hängt (wie du bereits anfang Deines Fadens angedeutet hast) damit zusammen, dass Du Deine Verantwortung für Deine Entwicklung abgeben möchtest, an einen Weisen der "erfahrener " ist als Du, der also schon den Prozess durchgemacht hat. Du willst diese Verantwortung eigentlich nicht und kritisierst dann in "dem Weisen / der Regel" dass sie nicht Deine ist und Dich zu etwas anhält was Du nicht willst, oder vielleicht doch willst, aber nich weisst was ob Du das willst, oder vielleicht willst, dass sie nur für die anderen gilt, damit Du in Ruhe machen kannst was Du willst, weil Du verlässlich weisst, wie die handlen und so weiter.


    Das ist das klassische sich aufbäumen des (psychologisch gesehen) inneren Kindes das sich 1. vor der Einsamkeit fürchtet (weil es bislang mit anderen darüber verbunden war, dass es tut was die sagen (Eltern = Intimität = Nähe= nicht allein = Grundbedürfnisdeckung) und sich so verbunden gefühlt hat) und 2. davor, dass es tatsächlich dafür verantwortlich ist was es tut obwohl das Leben immer wieder Situationen bereitstellt in denen nicht systemimmanent klar ist was "richtig" ist und für es selbst nicht zum leiden führt. Diese Veranwortung sollen andere "bessere" übernehmen und wenn die dann scheitern dann sind sie verantwortlich und man selbst hat einen "Schuldigen" ausserhalb sich selbst. Das hat was mit positiver Selbstbildbewahrung des Egos zu tun und ist insofern psychologisch eigentlich was was wir als gesund einstufen würden :).


    Macht das Sinn? oder entspricht das überhaupt nicht Deinen Erfahrungen?

    Eins vielleicht noch falls Du es noch nicht kennen solltest: Die spirituelle Welt hat einen Begriff für das worin Du Dich befindest - Dunkle Nacht der Seele. Das meiste dazu findest Du allerdings mal wieder auf englisch.

    Zitat

    Macht das Sinn?

    hm, soweit ich weiß stimmt das so ziemlich (nur was damit machen?^^). Das mit den Regeln check ich aber trotzdem net, ich kann keine Naturgesetzlichkeit darin erkennen, es ist nicht "Apfel hier und Schwerkraft da = Apfel fällt" sondern "sei soundso", was soll da denn dran sein? Sie beeinhaltet ja nichts weitergehendes das "stimmen" und überprüft werden kann.


    Und es sind nun mal menschengemachte Regeln die eben nicht dazu einladen sie zu überprüfen, dafür werden Regeln generell nicht gemacht. Also mal ehrlich, ich find's net sonderlich exotisch von mir Regeln als Regeln zu sehen die einem irgendwas vorschreiben dafür sind sie in der Praxis eben da! Und ja ich weiß dass da dennoch ein Grundproblem von mir drin steckt, dass ich es extrem sehe wenn irgendetwas über mich verfügen will und da wiederum Verantwortungsabschiebung mit drin steckt. Ich kann mir aber nicht vorstellen dass ich es selbst ohne dieses Problem anders sehen würde.

    Zitat

    Dunkle Nacht der Seele

    naja, ich glaub nicht dass ich es gern so nennen wollen würde^^ Ich häng halt grad etwas in der Luft *schiefgrins*

    @ Lewian

    Danke für deine Schilderung bzgl Alltagswirkung und explitem Gutes-tun!

    Zitat

    Ich fuehle mich hier ziemlich extrem misinterpretiert.

    kein Wunder, hatte nichts mit deinen hier geschriebenen Beiträgen zu tun. (findest du das unerhört?^^)

    Zitat

    ohne die Moeglichkeit, das auf andere zu verallgemeinern.

    das meinte ich auch nicht, ich meinte ihr ("buddhistisch angehauten") macht es für euch selbst absolut.

    Zitat

    Ich sehe noch nicht mal ein Problem dabei, wenn sich jemand selbst aufwertet, es ist ja gesund, ein positives Selbstwertgefuehl zu haben.

    =absolute Idealfestsetzung, findest du nicht? Oder ist dir wirklich keinerlei Situation konstruierbar in der du es unschön fändest? Und denkst du du könntest das so sehen wenn du selbst bespendet werden würdest? :-D Also ich würd's dir fast zutrauen aber ich glaub das würde dir auch nicht bedingungslos leicht fallen (festgesetztes Ideal wäre hier: es fällt leicht und ist ja völlig egal ob sich da jmd aufwertet), mir ist das jedenfalls ganz und gar nicht grenzenlos egal. Und das:

    Zitat

    wird denjenigen, die das dann haben und davon profitieren koennen, egal sein, ob ich deswegen innerlich mein Ego aufgewertet sehe

    ist lediglich eine Vermutung. In dem Fall merkt der Bespendete es natürlich nicht und wird sich da wohl wirklich nicht dran stören aber wenn dann in der Organisation jmd arbeitet der beispielsweise dann vor Ort ist und sich selbstaufwertet beim helfen sieht es potentiell wieder anders aus. (ich will übrigens das spenden oder sonstige Gutes-tu-nummern nicht an sich schlecht reden, das liegt mir völlig fern!)

    Zitat

    Ich finde im uebrigen ueberhaupt nicht, dass man solche Sachen machen muss, spenden und so

    ich auch nicht, und/aber das:

    Zitat

    Aber die Angst vor "Kompensation", "Selbstaufwertung" etc. leuchtet mir von allen Gruenden, die man dagegen haben kann, so ziemlich am wenigsten ein.

    wären für mich tatsächlich gute Gründe es sein zu lassen. Wenn es so angewandt wird ist es lediglicher Ablasshandel und geht dann vermutlich automatisch damit Hand in Hand sich anderswo gegenteilig von helfend zu verhalten.

  • Anzeige
    Zitat

    ich meinte ihr ("buddhistisch angehauten") macht es für euch selbst absolut.

    Die Absolutheit kommt von dir, die finde ich bei mir nicht. Ich kenne meine Kriege und Diskrepanzen mit mir selber ziemlich gut. Das kann man aber schwer beim Schreiben ausbreiten, das wird ja dann leicht verworren und keiner kommt mehr mit.

    Zitat

    =absolute Idealfestsetzung, findest du nicht?

    Nein.


    Fast jeder Satz fuer sich, wenn er nicht lang und kaum verdaulich ist, kann als absolut gelesen werden.


    Mein Motto ist, "das Gegenteil ist auch wahr", und ich koennte das "positive Selbstwertgefuehl" auch problematisieren; sogar als ich das geschrieben habe, fiel mir schon ein, was man dagegen einwaenden koennte, wenn man wollte. Aber ich hab's dann so stehen gelassen, weil es fuer den Moment mal mein Punkt war. Wenn ich versuchen wuerde, alles aufzuschreiben, inklusive aller gegenlaeufiger Gedanken, die ich fast immer habe... das wuerde mich so sehr anstrengen, dann wuerde ich schon gar nicht mit Schreiben anfangen. (Ich bin ja nicht Cleeni ;-) *:) )

    Zitat

    In dem Fall merkt der Bespendete es natürlich nicht und wird sich da wohl wirklich nicht dran stören aber wenn dann in der Organisation jmd arbeitet der beispielsweise dann vor Ort ist und sich selbstaufwertet beim helfen sieht es potentiell wieder anders aus.

    Findest du entscheidend, ob die Empfaenger seiner Hilfe das merken?


    Wenn ja, verstehe ich, was du meinst. Wenn nein, warum ist es ein Problem?

    Zitat

    Wenn es so angewandt wird ist es lediglicher Ablasshandel und geht dann vermutlich automatisch damit Hand in Hand sich anderswo gegenteilig von helfend zu verhalten.

    Das unterstellst du dem Helfenden erstmal bloss.


    Wenn es wirklich so ist, ist es natuerlich ein Problem, aber das Problem ist dann das "Gegenteil von Helfen", nicht das Helfen. (Also jedenfalls mal angenommen, die Hilfe selbst ist erwuenscht und effektiv.)


    So lange einfach nur geholfen wird, sehe ich das Problem nicht.


    Eine weitere Unterstellung steckt im Wort "lediglich". Du unterstellst damit, dass der Helfende nur an seinem Selbstwert und dem "Ablass" interessiert ist und an nichts anderem. Es koennte doch auch ehrliches Mitgefuehl dabei sein, und der Wunsch, jemanden anders gluecklicher zu machen? Biedes zu beliebigen Anteilen gemischt.


    Das laeuft bei dir auf so eine komische Vorstellung von "Gefuehlsreinheit" hinaus - entweder ich bin total rein und heilig, aber wenn auch nur ein Funken "an mich selber denken" hinzukommt, bin ich unrettbar schmutziger Egoist?

    Um dem "Gegenteil ist auch wahr"-Gedanken noch etwas mehr Luft zu geben: Gerade erinnerte ich mich an ein Buch, das ich vom Buddhisten Alan Watts gelesen habe, und hatte die Vorstellung, dass Watts zu dieser Diskussion vermutlich ein paar Sachen gedacht haette, die deiner Linie entsprechen (z.B. dass das Helfen und sein Gegenteil zwei Seiten derselben Medaille sind und man das nicht trennen kann). Diese Vorstellung kann man so weiterspinnen, dass du hier moeglicherweise den buddhistischeren Punkt vertrittst. Also sofern das "Punkte vertreten" ueberhaupt zum Buddhismus passt (das tut es vielleicht nicht, aber der Verwicklungen sind jetzt schon genug aufgebaut).

    Zitat

    Diese Vorstellung kann man so weiterspinnen, dass du hier moeglicherweise den buddhistischeren Punkt vertrittst. Also sofern das "Punkte vertreten" ueberhaupt zum Buddhismus passt (das tut es vielleicht nicht, aber der Verwicklungen sind jetzt schon genug aufgebaut).

    Im Grunde genommen hängt S. Wallisii hier klassisch in der buddhistischen Diskussion um Punkt eins des noblen achtfachen Pfades fest. (right intention)


    https://de.wikipedia.org/wiki/Edler_Achtfacher_Pfad


    Man kann das aber auch aus philosophischer Sicht sehn und z.B. Herrn Spinoza bemühen. ;-)

  • Anzeige
    Zitat

    Das mit den Regeln check ich aber trotzdem net, ich kann keine Naturgesetzlichkeit darin erkennen, es ist nicht "Apfel hier und Schwerkraft da = Apfel fällt" sondern "sei soundso", was soll da denn dran sein? Sie beeinhaltet ja nichts weitergehendes das "stimmen" und überprüft werden kann.

    Nicht? Oder dauerts einfach länger bis der Apfel runter gefallen ist plus wie haben zusätzlich das Problem dass nicht der Apfel runter kommt sondern statt dessen ein Fisch und nur der Fakt das er fällt ist die Konstante?

    Zitat

    Und es sind nun mal menschengemachte Regeln die eben nicht dazu einladen sie zu überprüfen, dafür werden Regeln generell nicht gemacht. Also mal ehrlich, ich find's net sonderlich exotisch von mir Regeln als Regeln zu sehen die einem irgendwas vorschreiben dafür sind sie in der Praxis eben da!

    Mh. Spätestens in der Pubertät stellen wir eigentlich Regeln in Frage, oder nicht? (eigentlich schon viel früher: Zimmer aufräumen? Neeeeee - großer Zeh böse an spielzeug geschnitten - buhuhuhuhu - Mama: hättest Du mal dein zimmer aufgeräumt dann wär das nicht passiert. - Kind für kurze Zeit kausalzusammenhang gelernt). Diese Rebellionsphase ist verwirrend legt aber eben auch den Grundstein wie wir Selbstverantwortung lernen. Das geht dann unterschiedlich gut oder schief und viel davon hängt damit zusammen wie gut wir bereits zu diesem Zeitpunkt in der Lage sind unsere eigenen Gefühle zu verdrängen - oder nicht? Wenn Eltern eine Regel machen, die nicht dem entspricht was wir fühlen können wir entweder die berühmte "Will aber" Diskussion lostreten oder den Wunsch innerlich begraben - das gefühl das zu wollen wegsperren und gut is. (mal ganz verkürzt dargestellt). Das "will aber" Gefühl ist für die herausragendesten Köpfer der Menschheitsgeschichte, aber eben die Forschungsgrundlagen: Die Welt ist nicht so wie ich sie haben will, also lern ich erst mal wie sie denn eigentlich ist und versuche dann eine Möglichkeit zu finden sie umzuformen dass sie mir passt. Geht dann unterschiedlich schief, wenn man gegen Grundprinzipien verstößt (Der Apfel wird einfach weiter runterfallen und kann höchstens durch eine Apfelwegfangmenchanismus daran gehindert werden, falls das einzige was mich daran so furchtbar stört und was ich nicht haben will die Tatsache ist, dass der Apfel auf dem Boden aufschlägt - am Fallen werde ich ihn nicht hindern). "Will aber" kann eine Einladung dazu darstellen herauszufinden was man denn genau will? Das alle Äpfel zukünftig nach oben fallen? Oder vielleicht eher, dass Äpfel keine Falldruckstellen haben? Oder man findet raus,dass man eigentlich gar keine Äpfel mag und die heruntergefallenen Äpfel mit nervigem Obsteinsammeln verbunden sind was man zukünftig gerne vermeiden will und so weiter. "Will aber" ist eine Einladung konkreter zu werden.


    Wenn Dich Regeln betreffen deren Sinn Du nicht erfasst - deren Nutzen du für Dich selbst nicht siehst hast Du die Möglichkeit die zu übertreten und zu sehn was passiert. z.B. passiert erst mal nichts wenn Du in Deiner ersten eigenen WG die Aufräumregel in Deinem Zimmer verletzt. Du kannst sie solange verletzten bis Du nur noch per Weitsprung von der Tür ins Bett kommst. Wenn Du dasselbe in der Gemeinschaftsküche machst kannst Du Dir allerdings sicher sein, dass es früher oder später Ärger gibt, weil irgendjemand ein Mindestmaß an Hygiene und das einhalten von Regeln fordert. Wenn Du Dich nicht dran hälst fliegst Du eventuell. Und so weiter.


    Das ausfüllen der Regeln mit Sinn oder nicht ist dabei Dein Job. Ob Du elterliche Regeln auch mit 70 noch befolgst ist voll und ganz Deine eigene Entscheidung. Sie können bequem sein, einen Rahmen bieten, oder Dich in Deiner Entwicklung behindern, wenn Du sie nicht in Frage stellst und mal versuchst was passiert wenn Du sie nicht einhälst. Sie können Dich auch total binden: Du bestehst auf deren Einhaltung während Dein Umfeld sich verändert und Anpassungen Deiner Regeln - z.b. auch an neue Hilfsmittel - aus der Perspektiver der Mehrheit eigentlich sinnvoll wäre. Trotzdem kannst Du in Deinem Umfeld weiter auf Deine erlernten Regeln bestehen - Dein Umfeld wird darauf eben reagieren - entweder mit "ja - find ich sinnvoll" oder "bleib weg mit dem alten Kram".


    Diesen Prozess zu beschreiben - den Prozess der relationalen Abhängigkeiten - ist ein Job den Philosophen, Religionen, spirituelle Bewegungen, aber eben auch die Wissenschaft (seit dem letzten Jahrhundert eben auch die Psychologie) versuchen zu füllen. Dazu sind alle auf Sprache angewiesen und damit auf deren Missdeutbarkeit. Da wir alle unsererseits individuelle relationale Abhängigkeiten erlebt haben wird eben viel abstrahiert und Zusammengefasst um nach Grundprinzipien zu suchen.


    Das Abstrakt der goldenen Regel in der Praxis ist läuft doch ungefähr so:


    A lehnt für sich selbst iwwueieujrrij (tunworteinsetzen) ab. A trifft auf B - B iwwueieujrrij A. A ist verletzt und iwwueieujrrij bei nächster Gelegenheit B. B geht zu C und erzählt dass A iwwueieujrrij B. C kannte A von früher und dachte immer A würde nie iwwueieujrrij und ist schockiert. Geht zu A. A erläutert das B zuerst iwwueieujrrij A und das A normalerweise niee iwwueieujrrij.


    Für C ist jetzt Fakt das A und B beide iwwueieujrrij. Sicher, die Sympathien liegen bei A - A wurde schliesslich provoziert. Trotzdem ist doch sicher: A lehnt iwwueieujrrij offentsichtlich doch nicht so streng ab was A's Vertrauenswürdigkeit erst mal mindert. A ist bezüglich iwwueieujrrij nicht mehr 100% einschätzbar: Tut A was A sagt oder passt A Handlungen an ?


    Das ist aber nur der äußere Prozess.Was passiert innen?


    A lehnt iwwueieujrrij für sich selbst. Nie würde A iwwueieujrrij tun - das wäre gegen A's Natur - so empfindet A das. Es ist Teil von A's Selbstbild iwwueieujrrij abzulehnen. B iwwueieujrrij A. A ist verletzt wie überhaupt jemand iwwueieujrrij kann. Dagegen muss man doch was tun können (Ego empört). iwwueieujrrij gehört bei Strafe verboten. Was würde dem entsprechen? Eigentlich doch nur iwwueieujrrij. B soll das auch mal erleben. Wie das ist, wenn jemand ihn iwwueieujrrij. Aber alle anderen sind viel zu anständig um B mal ordentlich eins zu iwwueieujrrij. Muss A das eben übernehmen. A iwwueieujrrij B. Ist ja schliesslich nur zum Ausgleich. Damit demontiert A sein Selbstbild. Er hat zwar gute Gründ warum er ge- iwwueieujrrij hat, aber Fakt bleibt: er hats getan.


    Die Frage ist jetzt eigentlich nur noch welche Schaden für A langfristig der gravierendere ist: Den B ungestraft davon kommen zu lassen oder den das eigene Selbstbild zu demontieren.


    Die Bibel hat dazu Adam und Evas Vertreibung aus dem Paradies und vertritt folgende Standpunkte: altes Testament: Auge um Auge Zahn um Zahn (Maßregeln anderer wichtiger als Schutz der eigenen Integrität) vs neues Testament: wenn dir wer auf die rechte Wange schlägt, dem halte auch die linke hin (Schutz der eigenen Integrität ist wichtiger als Maßregeln von anderen). (oder so ähnlich - bin nicht so bibelfest).

    Achso und das hier:

    Zitat

    naja, ich glaub nicht dass ich es gern so nennen wollen würde^^ Ich häng halt grad etwas in der Luft *schiefgrins*

    Das wollte ich nicht vorschlagen, sondern einfach nur andeuten, dass das ein Phänomen ist was viele Menschen betrifft und das es eben oft unter dem Begriff Dark night of Soul diskutiert wird.


    Mir gehts auch nicht darum Dir was aufzuzwingen. ich stell einfach nur meine Sichtweise neben die anderen die da sind.


    Ich würde auch nie jemanden bekehren wollen, sondern bin der Überzeugung, dass jeder seinen Weg selbst aussucht - bewusst oder unbewusst - und das dabei zwangsläufig die Grundprinzipien durchscheinen, weil die - aus meiner Sicht - überall gleich sind, nicht in ihrer Einzelregelausgestaltung sondern in ihrer Beschreibung der Realität. Und jede Realitätsveränderung startet eigentlich damit zu erkennen welche Realität vorhanden ist und nicht damit davon auszugehen man hätte die gewünschte Realität schon. Erst schaut man was da ist, dann überlegt man sich wie das zu dem passt wo man hin will und dann fängt man mit Try and Error an sich in die Richtung zu begeben.

    Hallo zusammen. Mich hat mein Freund mond+sterne auf diesen Faden aufmerksam gemacht. Es sind schon sehr viele Gedanken zusammengetragen worden, wie ich sehe. Erlaubt, dass ich meine Überlegungen zum Thema hier aufschreibe, dann können wir sehen, ob und was davon weiteren Platz bekommt. Ich nehme dabei ernst, dass der Faden nicht im Café sondern im Psychologie-Forum steht. Ich stütze mich dabei auf das Lehrbuch "Persönlichkeitspsychologie" von Prof. Julius Kuhl. Ich denke, es gibt hier Konsens, dass das Verhältnis zur Menschheit eine Frage der Persönlichkeit des Menschen ist, der dieses Verhältnis hat.




    Zunächst ein bisschen Persönlichkeitspsychologie, mir ist das alles ziemlich neu, aber nützlich für die Fragestellung. Deshalb schreibe ich es auf (auch weil es mir selber beim Verstehen hilft), kann aber gerne übersprungen werden, wenn bekannt oder uninteressant:


    Am Anfang steht für mich die Unterscheidung von positiven und negativen somatischen Markern. Wie sie sich genau anfühlen, ist für jeden Menschen unterschiedlich, aber positive Marker fühlen sich üblicherweise lachend, freundlich, frei, offen, fließend etc. an. Negative Marker angespannt, rumorig, gewitterwolkig, abstandsuchend etc.


    Im Grunde sind diese Marker Reaktionen des (unbewussten) Erfahrungsgedächtnisses auf Sinnesreize. Ein solcher Reiz kann ein Mensch sein, dem wir begegnen (wir wissen sehr genau, wen wir mögen und wen nicht) oder auch nur ein Wort. Der Marker tritt auf, bevor wir überhaupt Zeit gehabt haben, irgendetwas bewusst mit dem Reiz anzufangen und sorgt für eine charakteristische Affektlage.


    Dabei gibt es zwei von einander unabhängige Affekte, die aktiv oder gedämpft sein können. Diese Affektlagen sind wie Schalter für unterschiedliche psychische Funktionssysteme. Aktive Affekte schalten elementare psychische Systeme an: Eine aktive, positive Affektlage das intuitive Verhaltenssteuerungssystem IVS, mit dem wir ohne groß nachzudenken "einfach wir selbst" sein können. Wird negativer Affekt aktiv, schaltet das Objekterkennungssystem OES ein, das Abweichungen von der Normalität blitzschnell erkennt und erst mal "Achtung Gefahr" ruft und das dazugehörige Handlungspotenzial hochfährt. Da wird nicht nach Genehmigung des bewussten Ich gefragt, das passiert automatisch. Aber dann ist doch das bewusste Ich gefordert, sich genau anzusehen, womit ich es zu tun habe. Der Lichtkegel des Bewusstseins wird auf das Objekt fokussiert, alles andere ausgeblendet.


    Sind die Affekte gedämpft, kommen die höheren psychischen Systeme zum Einsatz. Bei gedämpftem positiven Affekt, das sequentiell arbeitende und damit bewusste Intentionsgedächtnis IG, mit dem wir unsere Pläne machen, um auch komplexere Ziele zu erreichen, bei denen man nicht einfach loslegen kann. Bei gedämpftem negativen Affekt ist das Erfahrungs- oder Extentionsgedächtnis EG eingeschaltet, das vernetzt alle Erfahrungen des bisherigen Lebens gespeichert hat, auf Grund der Komplexität nicht bewusst zugänglich ist, aber seine Situationsbewertungen per somatische Marker "bekanntgibt", das berühmte Bauchgefühl.


    Soweit die psychologischen Zusammenhänge. Nun zum eigentlichen Fadenthema.




    Was könnte das bedeuten, ein "positives Verhältnis zur Menschheit"? Und wenn ein solches Verhältnis gewünscht wird, wozu dient es? Bzw. was würde ein fehlendes Solches verhindern?


    "Menschheit" ist ein sehr abstrakter Begriff. Ich persönlich verspüre keine ausgeprägten somatischen Marker, die mir das Herz aufgehen lassen oder mich in Hab-Acht-Stellung versetzen, wenn ich das Wort "Menschheit" höre. Das sagt mir, dass ich keine besonderen Erfahrungen mit einem Ding Namens "Menschheit" gemacht habe. Also ist für mich "Menschheit" ein abstrakter Begriff, über den ich nachdenken, den ich aber nicht nachfühlen kann.


    Je nachdem, womit ihr "Menschheit" assoziiert, welche persönlichen Erfahrungen mit diesem Begriff gekoppelt sind, kann das für jeden von euch anders sein. Sicher hängt es auch davon ab, wie ihr diesen Begriff gelernt, kennengelernt habt. Vielleicht auch von den Menschen, die ihr im Sinn hattet, als ihr in Richtung Menschheit verallgemeinert habt.


    Was bedeutet es, sich ein positives Verhältnis zur Menschheit zu wünschen? Ich wünsche mir ein solches Verhältnis, weil ich es als notwendige Voraussetzung empfinde, mich als Persönlichkeit weiterzuentwickeln. Ohne ein solches Verhältnis würde ich mich von mir selber abgeschnitten fühlen. Also eigentlich vom Rest der Menschheit - hier ich, dort die Menschheit, vor der ich mich in Acht nehmen muss - aber im Grunde bedeutet es, dass ich mir selber nicht über den Weg traue. Das fühlt sich giftig an.


    Also weiter: Welcher Art Zutat ist das "positive Verhältnis zur Menschheit" zur Persönlichkeitsentwicklung? Zuerst: Wie stelle ich mir Persönlichkeitsentwicklung überhaupt vor? Also ein bisschen komplexer als die jederzeitige Befolgung der goldenen Regel ist es schon, aber ich hoffe dennoch nachvollziehbar :-D .


    Ich sehe zwei Seiten: Die Handlungsseite und die Erlebensseite. Auf der Handlungsseite sehe ich Aktion und Reflexion, Bewegung und Pause, rin ins Geschehen und Abstand vom Geschehen. Wenn ich Auto fahre, kann ich Gas geben und Bremsen. Beides brauche ich, sonst nützt es nichts, ein Lenkrad in der Hand zu halten. In den psychischen Systemen ausgedrückt (falls das jemand oben gelesen hat), entspricht das der Regulierung des positiven Affektes: aktiv = Gas geben, IVS schnurrt; gedämpft: überlegen, nachdenken, planen, IG speichert Ziel und entwickelt Route. Wenn Aktion und Reflexion Hand in Hand gehen, findet Persönlichkeitsentwicklung auf der Handlungsseite statt. Gibt es mit dem Gas oder mit der Bremse Probleme, stockt auch die Entwicklung.


    Auf der Erlebnisseite sehe ich Fokussierung und Relativierung, Anspannung und Entspannung, Aufmerksamkeit und Integration. In den psychischen Systemen ausgedrückt, entspricht das der Regulierung des negativen Affektes: aktiv = fokussierte Aufmerksamkeit, OE hat seinen Lichtspot angeschaltet; gedämpft = das Erlebte wird ins EG integriert, verknüpft mit allen Vorerfahrungen. Auch hier müssen beide Systeme Hand in Hand arbeiten. Ist man im Dauerstress, ist alle Welt nur noch Gefahr und man vermeidet, was immer vermieden werden kann. Ist alles immer locker und cool, bleibt die Persönlichkeit flach, weil das Erfahrungsnetzwerk nicht mehr wächst.


    Soweit, wie ich mir Persönlichkeitsentwicklung vorstelle. Selbstregulationsfähigkeit wäre dann, in der Lage zu sein, die eigenen Affekt-Segel so zu setzen, dass ich kein loses Blatt im Wind der Geschehnisse bin, sondern darin einen Kurs wählen kann und dabei von Handlung zu Handlung, von Erleben zu Erleben reicher werde. So als Ideal. Havarien nicht ausgeschlossen. Und natürlich kann man auch als Blatt im Wind leben - stehen Selbstregulationsfähigkeiten nicht zur Verfügung, muss man das sogar. Mögen dann die Windgeister gnädig gestimmt sein.


    Schließlich: Welches besondere Elixier ist dabei das "positive Verhältnis zur Menschheit"? Braucht es das überhaupt? Mit meinen Überlegungen sind es vor allem zwei Aspekte der Persönlichkeitsentwicklung, die damit angesprochen werden: Einmal überhaupt die Verfügbarkeit von positivem Affekt, um handlungsfähig zu bleiben (außerhalb der Automatismen von Gewohnheiten). Zum anderen die Ganzheit und Integrität des gesamten Erfahrungsnetzwerkes im EG, das mit einem Urvertrauen beginnt und mehrheitlich mit positivem Erleben gefüttert wird, so dass die Integration schmerzlicher Erfahrungen, die ja für die Entwicklung von Tiefe in der Persönlichkeit wichtig ist, immer in ein intaktes EG erfolgt.


    Zusammenfassend drückt für mich "positives Verhältnis zur Menschheit" die Erlebens-Handels-Achse aus aktivem positivem Affekt und gedämpftem negativem Affekt aus, die die Normal-Achse ist, wenn die Persönlichkeitsentwicklung nicht ins Stocken geraten soll. Diese Achse befindet sich außerhalb des bewussten Zugriffs, philosophisch ausgedrückt: sie ist dem Ich transzendent. Ist diese Achse stabil, dann kann "Ich" mit meinen bewussten Wahrnehmungen, Gedanken, Entscheidungen etc. darauf vertrauen, dass meine Pläne nicht Makulatur sind und alles Neue, vielleicht auch Gefährliche, dem ich mich aussetze, mich nicht zerstören sondern bereichern wird.

  • Anzeige

    Hat was von Modern Art. :-D

    Zitat

    Muss A das eben übernehmen. A iwwueieujrrij B. Ist ja schliesslich nur zum Ausgleich. Damit demontiert A sein Selbstbild. Er hat zwar gute Gründ warum er ge- iwwueieujrrij hat, aber Fakt bleibt: er hats getan.

    Und wenn A sein Selbstbild neu aufbaut? Das Problem entsteht doch erst, weil A sein Selbstbild so rein von "iwwueieujrrij" halten wollte. Hätte er sich das von Anfang an zugestanden, selbst - ggf. unter gewissen Einschränkungen - "iwwueieujrrij" zu tun, hätte er kein inneres Problem. "iwwueieujrrij" muss auch nicht per se problematisch sein - je nachdem um welche Handlung es geht. Wenn es z.B. um die Tötung eines anderen Menschen gehen würde. Kann ja in einer Notsituation durchaus für einen selbst ok sein - mal unabhängig von äußeren Wertungen.

  • Anzeige
    Zitat

    Und wenn A sein Selbstbild neu aufbaut?

    Das ist das was wir im Prinzip öfter mal tun. Daher mein Zusatz:

    Zitat

    Die Frage ist jetzt eigentlich nur noch welche Schaden für A langfristig der gravierendere ist: Den B ungestraft davon kommen zu lassen oder den das eigene Selbstbild zu demontieren.

    In Deinem Fall wäre ja garantiert zweiteres der Fall, da überlebensnötig. Die Folge daraus könnte sein, dass jemand der ursprünglich Tötung prinzipiell abgelehnt hat jetzt anfängt zu differenzieren und zukünft Mitgefühl für Täter aufbringt, oder nicht?

    Zitat

    Hat was von Modern Art. :-D

    hab ich gehofft ;-) (es sollte die funktionsmechanismen so abstrakt darstellen, dass inhalt nicht von ihnen ablenkt)

    oje - missverständlich - Freud lässt grüßen.


    In Deinem Fall wäre ja garantiert zweiteres der Fall, da überlebensnötig. Die Folge daraus könnte sein, dass jemand der ursprünglich Tötung prinzipiell abgelehnt hat jetzt anfängt zu differenzieren und zukünft Mitgefühl für Täter aufbringt, oder nicht?


    Der Schaden wäre im beschriebenen Fall ( Überlebenssituation) für Dich natürlich größer wenn Du B nicht aufhälst. Dann gäbs eventuell hinterher ja kein Selbstbild mehr zu retten. Dein Notfallprogramm sorgt normalerweise dafür das noch eins da ist.

  • Anzeige