Quarterlife Crisis oder fürs Arbeitsleben nicht gemacht?

    Hallo Zusammen,


    ich stecke grade in einer ziemlichen Sinnkrise und frage mich, ob ich entweder im völlig falschen Job gelandet bin oder einfach für das Arbeitsleben nicht gemacht bin….


    Ich habe BWL studiert und arbeite nun seit 3 Monaten in einem großen Unternehmen. Die Krise kam mit dem Berufseinstieg bzw. dem ersten Vorstellungsgespräch. Auf die Frage, was ich mir als Arbeitszeiten vorstelle, gab es eine diplomatische Antwort meinerseits und die Aufklärung seitens des Unternehmens, dass man zwar vertraglich 39h arbeiten würde, in der Praxis jedoch deutlich mehr. Es war mir durchaus bewusst, dass das in dem Bereich so üblich ist, trotzdem fing damit meine Sinnkrise an. Ständig habe ich seitdem die Frage im Kopf: "Das also soll mein Leben sein? Den ganzen Tag in einem Büro zu sitzen?". Als ich die Zusage für den Job bekommen habe, habe ich erstmal losgeheult, aber trotzdem zugesagt. Bis zum ersten Arbeitstag habe ich immer wieder versucht alles nicht ganz so negativ zu sehen, sondern einfach mal abzuwarten wie es wird.


    So, nun ist die erste Zeit rum und ich bin immer noch ziemlich unzufrieden. Mein Leben sieht momentan wie folgt aus: Von Montag bis Freitag arbeite ich bis mind. 19Uhr, bin um halb acht zu Hause. Dann mache ich mir noch was zu essen, gehe duschen, setze mich noch 1 1 /2h vor den PC/Fernseher und gehe dann schlafen. Freitags fahre ich nach der Arbeit noch wieder zurück in die Heimat, da bin ich meistens gegen 20 Uhr. Zeit für Familie, Freunde, Hobbies ist also nur samstags und bis Sonntagnachmittag, dann geht es wieder zurück. Ich habe für nichts mehr Zeit und bin quasi nur am Arbeiten. Ich quäle mich jeden Morgen zur Arbeit, bin dünnhäutig geworden, ständig genervt und könnte bei jeder Kleinigkeit losheulen. Ich bin grade einfach nicht mit mir und meinem Leben im Reinen. Am Liebsten würde ich einfach alles hinschmissen. Ich habe auch überlegt nochmal was völlig anderes zu machen, aber ich weis zum einem nicht was und zum anderen nicht, inwiefern meine Unzufriedenheit wirklich aus dem aktuellen Job resultiert oder einfach der allgemeine Frust des Arbeitslebens ist.


    Was mich grade stört ist folgendes:


    - Ich bin gefühlt nur am Arbeiten (von 8 bis ca. 19 Uhr)


    - Der Umgangston ist sehr rau. Sowohl was Feedback von oben angeht, als auch mit Externen. Ich bin da eher sozialer eingestellt und vom Typ her "Everybody‘s Darling"


    - Es herrscht absoluter Dauerstress. Man hechtet nur von einer Deadline zu nächsten. Es gibt einige Kollegen, die seit langem bereits wegen Burnout oder ähnlichem ausfallen.


    - Zusätzlich musste ich für den Job auch noch wegziehen und wohne jetzt hier in einem ziemlich kleinen Ort ohne wirkliche Kontakte.


    Was ich mir eigentlich wünsche:


    - Einen Job für den ich wieder in meine Heimatstadt ziehen kann


    - Geregelte Arbeitszeiten (bis 16/17 Uhr, fange auch gerne früh an)


    - Vereinbarkeit mit später geplanten Kindern


    All das kann mir mein aktueller Job (und alles was in die Richtung geht) nicht bieten. Die Arbeitszeiten sind in anderen Unternehmen ähnlich, mein Job ist eher für größere Unternehmen gedacht, die es in meiner Heimatstadt nicht gibt, sodass ich zusätzlich immer noch einen längeren Fahrtweg einplanen müsste. Vereinbarkeit mit Kindern oder Teilzeit ist quasi unmöglich.


    Ich weis ziemlich genau, dass es so langfristig nicht weiter gehen soll, aber die Frage ist, wie soll es denn weiter gehen? Momentan gibt es zwei Optionen: 1) den Job eine Zeit lang machen und dann schauen, dass ich einen ruhigeren Job mit besseren Arbeitszeiten in der Nähe von meiner Heimatstadt finde 2) den Job eine Zeit lang machen, bis ich weis was ich wirklich will. Rein Interessen mäßig würde es mich in den sozialen oder medizinischen Bereich ziehen. Aber jetzt nochmal von vorne anfangen, ist schon ein großer Schritt. Von der Finanzierung und langfristigen Gehaltseinbußen ganz zu schweigen. Und ob das wirklich mein Problem löst, kann ich nicht mit Sicherheit sagen.


    Was würdet ihr an meiner Stelle machen?


    Vielen Dank fürs Lesen.

  • 42 Antworten

    Beide Varianten Deiner Überschrift dürften nicht zutreffen. Man kann sehr wohl für's Arbeitsleben gemacht sein. Das muss aber nicht heißen, jeden Tag von 8 bis 19 Uhr zu arbeiten. Das ist ein 11 Stunden-Tag, gepaart mit Deadlines die Dich mittelfristig höchstwahrscheinlich auch nach 19 Uhr nicht zur Ruhe kommen lassen werden.


    Ich denke, viele Menschen machen das mit, weil "Aufstieg im Job" für eine Weile Selbstzweck genug für sie ist. Die Frage "Das soll mein Leben sein?" finde ich aber sehr berechtigt. Immerhin hast Du nur das eine - jenes kannst Du Dir aber relativ frei gestalten.


    Wenn absehbar ist, dass sich die Rahmenbedingungen zukünftig nicht Deinen Vorstellungen von Leben annähren, würd ich Leine ziehen bevor Dich die statt der Quarterlife Crisis in einigen Jahren die Midlife Crisis einholt und Du deutlich weniger Optionen hast zu "korrigieren". Vor allem: Wenn Dich das, was Du gerade machst nicht packt, nicht interessiert - warum solltest Du dich damit freiwillig die nächsten 40 Jahre beschäftigen?

    Langfristig gesehen ist es vielleicht besser, wenn du dir eine andere Stelle suchst. Aber aktuell wirst du sicher auch die ein oder andere Lösung benötigen. Ich kann dir vorerst nur den Rat geben: Lege dir ein hartes Fell zu. Lerne "nein" zu sagen. Sage "nein" zur Mehrarbeit. Gehe nur die vertraglich vereinbarten Stunden arbeiten. Klar, der Chef wird toben und die Mitarbeiter dich schief ansehen, aber was soll dir passieren, sobald du nicht mehr in der Probezeit bist?


    Bei meinem Mann lief es mal ähnlich. Er hatte durch den Stress schon psychosomatische Beschwerden. Irgendwann hat er einfach keine Überstunden mehr gemacht. Klar, fiel dies auf und er hatte aufgrund dessen auch Gespräche mit dem Chef. Er sagte ihm, entweder würde er regelmäßig krankheitsbedingt ausfallen wegen dem Stress oder er bleibt gesund, belastbar und produktiv. Es ist ein Irrtum, dass man mehr schafft, nur, weil man mehr arbeitet. Das Gegenteil ist oft der Fall. Zudem passieren mehr Fehler, wenn man unter zu großen Druck arbeitet. Dann geht wieder Zeit verloren um die Fehler zu bereinigen.

    Zitat

    Freitags fahre ich nach der Arbeit noch wieder zurück in die Heimat

    Warum so oft? Lade dir doch diesen Stress nicht auch noch auf. Wieso nicht nur alle zwei oder drei Wochen in die Heimat fahren?


    Mit der Zeit hat der Chef von meinem Mann eingesehen, dass mein Mann recht hat. Jetzt ist der Chef froh, dass mein Mann so arbeitet, wie er selbst es für richtig hält. Bis jetzt war mein Mann auch nie krank und schaft in seinen 8h Arbeitszeit mehr, als seine Kollegen die Überstunden schieben.


    Nur Deadlines sind hin und wieder ein Problem. Mein Mann versucht hier seine Projekte so zu ordnen, dass die extrem wichtigen zuerst erledigt werden und im absoluten Notfall hierfür auch mal Überstunden eingelegt werden. Ansonsten werden Deadlines eben mal verschoben. Die Kunden sind zwar dann nicht immer begeistert, aber haben letztendlich mehr Verständnis als man denkt.

    Dein Leben. Deine Wahl.


    Kenne jemanden, der arbeitet bei einer der großen Unternehmensberatungen. Seine Frau macht das de facto zu einer Alleinerziehenden.


    Wenn man 11h an der Arbeit ist, dann finde ich man weiß warum:


    - Wel man eine ruhige Kugel schiebt


    - Geile Atmosphäre ist


    - Man für seinen Job gemacht ist


    - Man wertgeschätzt ist


    - Man auch die Freiheit hat, mit Wissen des Chefs mal eine h Freizeitplanung im Internet zu machen


    Wer 11h arbeitet um 50.000 im Jahr zusammenzuraffen und dabei kaputtgeht, der ist in meinen Augen nicht frisch im Oberstübchen.


    Wenn die Arbeit stressig und die Bedingungen ätzend sind, dann würde ich da nach 9h einen Schlussstrich ziehen. Dann gibt das Dienst und Feierabend nach Vorschriftund mit dem reinsten Gewissen, auch wenn der Chef hinter mir in Flammen steht.


    Er kann gerne einen anderen Vollidioten suchen, oder seinen Mist auch alleine machen.


    Ich kenne jemanden der ist bei einer der großen Unternehmensberatungen = Ehefrau ist eine Alleinerziehende.


    Ich persönlich gebe mich eher als Akademiker mit 30.000 oder 25.000 brutto im Jahr zufrieden und lebe mein Leben, bevor ich sehenden Auges ein Wrack aus mir mache, für irgendeine gierige und kranke Organisation, oder schlicht eine Organisation, wo ich nicht reinpasse.


    Und dann im Besitz von möglichst vielen Immobilien abkratzen irgendwann. Aber das letzte Hemd hat halt bekanntlich keine Taschen.


    Dein Leben, deine Wahl.

    Hallo NelePele :-)


    Deine Gefühle können mehrere Ursachen haben. Zum Einen hast du dein Studium hinter dich gebracht und vielleicht vom Arbeitsleben überromantische Vorstellungen gehabt. Bisher warst du relativ selbstbestimmt, und plötzlich musst du 8-9 Stunden am Tag anderen Anforderungen genügen. Das ist natürlich eine Umstellung, die Zeit braucht. 3 Monate sind da noch etwas zu wenig. Vor allem wenn man sich innerlich sträubt und schon nach der Zusage anfängt zu weinen, dann sind das natürlich nicht die besten Voraussetzungen, um diesen Wechsel innerlich auf die Kette zu bekommen.


    Zum anderen ist das, was du schreibst, kein idealer Zustand. Ortswechsel, ohne wirklich dahinterzustehen, Fachrichtung eventuell auch daneben, lange Arbeitszeiten. Da muss man sich die Frage stellen, ob du das gemacht hast, um "irgendwas" zu haben, oder ob es schlichtweg ein Fehler war.


    Bevor du die große Keule rausholst und an Quarterlife-Crisis oder Arbeitslebensunfähigkeit denkst, würde ich an deiner Stelle einfach nochmal in dich gehen und überlegen, was du wirklich willst. Nach dem Studium solltest du alt genug sein, um eine ungefähre Vorstellung zu haben, wie dein Leben verlaufen soll und was du zum Leben brauchst (und brauchen wirst ... Vorsorge und mögliche steigende Ansprüche mit berücksichtigen). Und dann solltest du dir überlegen, welche Tätigkeiten dir wirklich Spaß machen würden. Wenn du das beides weißt, musst du gucken, wie realistisch eine Schnittmenge der beiden Seiten ist. Bis dahin kannst du erst einmal weiterarbeiten, aber immer schauen, ob du deinem Ideal näherkommen kannst. Du wirst noch lange genug arbeiten, um nicht einfach in der erstbesten Stelle sitzenzubleiben. Widerstreben kostet unheimlich viel Energie - wenn dich die Arbeit erfüllt und das Umfeld stimmt, wirst du feststellen, dass du auch nach 8 Stunden nicht ausgebrannt bist. :)z

    Ich würde mir ja mal die einzelnen genannten Punkte genauer anschauen - und überlegen, warum jeder dieser Punkte so belastet und was man konkret ändern kann. Du wirfst gerade alles in einen Topf, und dann überrollt es einen.


    Bei einem Teil der genannten Dinge würde ich sagen: Willkommen in der Realität nach dem Studium. Muss man sich dran gewöhnen. Bei anderen Dingen würde ich sagen: An Dir arbeiten; Haltung ändern. Und bei anderen Dingen: nicht gut, was Besseres suchen.


    Ich stecke seit einem Jahr auch in einer bescheuerten Jobsituation. Habe in demselben Unternehmen zwei halbe und gänzlich unterschiedliche Stellen. Macht ein volles Gehalt (bzw. bis Steuererklärung erstmal weniger, da unterschiedliche Steuerklassen). Bedeutet aber, dass ich keine Woche unter 50-60 Stunden bleibe, jedes Wochenende zu Hause (nicht mitgezählte) Stunden arbeite. 12-Stunden-Tage oft ohne jegliche Pause. Das funktioniert nicht für jeden bzw. nicht unter allen Bedingungen auf Dauer. Ich nehme momentan jeden Infekt mit - und selbst dann arbeite ich noch zu Hause, weil die Deadlines gehalten werden müssen und die Arbeit sonst niemand macht und größere Projekte gefährdet werden. ??Mir würde es ja größtenteils noch Spaß machen, wenn nicht seit dem Sommer massive Probleme mit meinem direkten Chef da wären, wegen denen vor dem Eintritt von meinem Kollegen und mir schon mehrere Teams nach 6-12 Monaten aufgegeben hätten. Wir halten seit Jahren am längsten durch...??


    Sprich: Wenn diese Stundenbelastung plus weitere Unzufriedenheit innerhalb des Job aufeinandertreffen, wird es schwierig. Und auch wenn ich bei Dir den einen oder anderen Ansatzpunkt sehe (zuallererst nicht jedes Wochenende noch fahren!), mit der Situation anders umzugehen, wirst Du wohl an den Stunden und dem Klima im Unternehmen nichts machen können. Mein Fazit wäre: Jobsuche neu aufnehmen.

    Zitat

    Mein Fazit wäre: Jobsuche neu aufnehmen.

    Darauf wird es hinauslaufen. Ich denke hier prallen Wunsch und Wirklichkeit ziemlich hart aufeinander. Korrigiert mich wenn ich falsch liege aber hier wollte man mit Sicherheit studieren um Karriere zu machen, "sich selbst verwirklichen" und BWL passt für mich nicht zusammen. Wenn man "Karriere" machen will wird gerade von Neueinsteigern erwartet das sie richtig reinhauen, selbst wenn sie sich dabei aufreiben. Mit einer max. 40 Stunden Woche ist das nicht unter einen Hut zu bringe.


    Daher würde ich mich jetzt Fragen was meine realstischen Ziele sind. Will ich hoch hinaus oder reicht es mir ein "Rädchen" im Getriebe zu sein ? Da hat jeder andere Vorstellungen und das kann nur jeder für sich selbst beantworten.

    Zitat

    Korrigiert mich wenn ich falsch liege aber hier wollte man mit Sicherheit studieren um Karriere zu machen, "sich selbst verwirklichen" und BWL passt für mich nicht zusammen.

    Ich wollte es nicht so drastisch äußern; es war aber auch mein Gedanke. Denn zumindest in meinem Umfeld ist eigentlich klar, dass BWL/ BWL-Karriere eigentlich nicht ohne entsprechendes knechten geht. BWL ist da typisch; aber ebenso alle anderen Fächer, die bspw. in Unternehmensberatungen arbeiten. Entspanntes BWL'er-Dasein mit Selbstfindung erlebe ich eher bei Leuten, die nach Jahren/Jahrzehnten aussteigen. Mit ausreichend finanzielem Polster.

    Zitat

    Will ich hoch hinaus oder reicht es mir ein "Rädchen" im Getriebe zu sein ?

    Wie Du schon sagst, da hat wirklich jeder andere Vorstellungen. Für mich sind Leute die 50-60 Stunden die Woche als Unternehmensberater die Bilanzen von höchst sympathischen Großkonzernen verbessern der Inbegriff von Rädchen im Getriebe.

    BWL ist schon vielfältig.


    In der Hierarchie:


    (Abteilungs-)Leitung


    Assistenz der Leitung


    Sachbearbeitung


    In der Sache:


    Unternehmensführung


    Strategisches Marketing


    Personalwesen (evtl. Ausbilderschein)


    Controlling


    Buchhaltung


    Steuersachbearbeitung


    Logistiksachbearbeitung


    Lagerwirtschaft


    Business Intelligence


    Beschaffung


    Vertriebsorganisation


    Nach Organisationstyp:


    Öffentliche Verwaltung


    Gemeinnützige Vereine


    Verbände


    Konzerne


    Kleine und mittlere Unternehmen


    Kleinstunternehmen


    Gründung


    Nicht jeder BWL'er wird eine gierige Heuschrecke! Man kann so viel machen.


    Aber man muss erkennen, was man für Ziele hat. Geldverdienen schön und gut. Aber für mich persönlich sind Lebensqualität und Qualität der Arbeitszeit nur bis zu einem gewissen Punkt verhandelbar. Wird eine Grenze überschritten ist das nicht mehr verhandelbar, dann ist bei mir das Geld noch eher verhandelbar.


    Dein Vorteil ist, dass du relativ jung bist. Finde dich erstmal ein paar Monate ein, dann mach dir einen Schlachtplan und agiere deinen Zielen entsprechend.

    Hallo Zusammen und erst einmal vielen Dank für eure zahlreichen Antworten @:)


    Ich versuche mal soweit es geht auf eure Fragen einzugehen. Warum ich überhaupt BWL studiert habe, ist eine gute Frage und leider gilt bei mir auch eher die Klischee Antwort "ich wusste nicht was ich machen soll" gepaart mit "ich will Karriere machen".


    Eigentlich wusste ich damals sehr genau, was ich machen will: ein Medizinstudium. Leider bin ich knapp am NC vorbei geschlittert und damit hatte sich das Studium erledigt. Obwohl mein Interesse bis heute geblieben ist, bin ich übrigens mittlerweile sehr froh nicht Medizin studiert zu haben.


    Naja, so stand ich da damals während dem Abi und wusste, dass ich auf jeden Fall einen Plan B brauche, da ein Medizinstudium nur mit viel Glück klappen würde. Den Plan B habe ich aber bis heute nicht so richtig. Dann kam damals Punkt 2 ins Spiel: "ich will Karriere machen". Ich komme aus einer recht gut situierten Familie (nein, nicht reich) und bin so erzogen worden, dass Geld und ein entsprechender Beruf sehr wichtig ist. Gleichzeitig war meine Schwester grade mit ihrem Studium fertig und ist groß in der Unternehmensberatung eingestiegen. Für sie ist es genau das Richtige, sie ist eher der Karrieretyp. Die Entscheidung für BWL war dann also wirklich eine Mischung aus "ich habe keinen Plan B", "möchte Geld verdienen" und dem Gefühl, dass sowas auch indirekt von mir erwartet wird.


    Am Anfang fand ich das Studium wirklich schrecklich und habe nur aus Mangel an Alternativen weiter gemacht. Im dritten Semester hatte ich die Möglichkeit an einem Praxisprojekt teilzunehmen, was mir auch ziemlich gut gefallen hat. Ich habe daraufhin beschlossen in dem Bereich ein längeres Praktikum zu machen und ich war damals auch sehr zufrieden. Die Aufgaben waren gut, das Arbeitsklima ebenfalls und einen netten Chef gab es auch noch. Die Arbeitszeiten waren damals schon lang, aber das hat mich nicht so gestört. Vielleicht weil die Rahmenbedingungen besser waren, vielleicht aber auch weil ich wusste, dass das nicht für immer ist.


    Ich habe dann ganz motiviert den Master gemacht, nebenbei als Werkstudent und Tutor an der Uni gearbeitet, ein Auslandssemester gemacht, ein Stipendium erhalten und den Master mit Auszeichnung abgeschlossen. Scheinbar alles perfekt und bis dahin war ich auch wirklich überzeugt von dem was ich mache.


    Die Krise kam dann mit der Jobsuche, da habe ich plötzlich kalte Füße bekommen. Nach dem ersten Vorstellungsgespräch und der Aufklärung bzgl. der Arbeitszeiten kam dann eben die Frage auf, ob das alles gewesen sein soll. Den ganzen Tag nur arbeiten. Ich wage mal zu behaupten, dass ich mit besseren Aufgaben, einem besseren Arbeitsklima und einem netteren Chef nicht alles so in Frage gestellt hätte, wie ich es jetzt tue. Aber aus dieser allgemeinen Unzufriedenheit bzgl. der Rahmenbedingungen kam dann die Grundsatzfrage auf, was ich denn da eigentlich mache. Eigentlich wollte ich doch immer was Soziales machen. Mit Menschen arbeiten, Menschen helfen.


    Außerdem hat sich in den letzten Jahren mein Freundeskreis ziemlich verändert und alle meine Freunde haben wirklich Traumarbeitszeiten. Ich sehe was das für eine Lebensqualität bringt und weiß mittlerweile, dass ich mein Leben nicht nur mit Arbeiten verbringen möchte.


    Momentan plane ich eher den Job noch eine Zeit lang zu machen und mir langfristig was Ruhigeres zu suchen. Auch wenn es schwer wird, aber das muss es doch auch bei BWL geben…


    Und gleichzeitig ist da diese Unzufriedenheit, die sagt, mach nochmal was völlig anderes. Nur leider weis ich nicht was. Und alles was irgendwie in Frage kommen würde, sind Berufe mit eher geringem Gehalt und das traue ich mich einfach nicht. Obwohl ich nicht auf großem Fuß lebe und eher sparsam bin, wäre es doch irgendwie eine Einschränkung...

    Hallo Zusammen,


    1 ½ Jahre ist es nun her, dass ich diesen Faden gestartet habe und leider bin ich immer noch nicht weiter gekommen...


    Vielleicht mal ein kurzes Update was in der Zwischenzeit passiert ist:


    Als ich damals diesen Faden gestartet habe, steckte ich noch relativ am Anfang des Traineeprogramms, das ich nach dem Studium direkt angefangen hatte. Ich habe damals meine erste Phase absolviert und wusste nicht, dass ich in einer eher schwierigen Abteilung des Unternehmens gelandet bin. Hinzu kamen dann noch die langen Arbeitszeiten und der ungewollte Umzug. All das hat bei mir eine leichte Sinnkrise ausgelöst.


    Kurz danach ging es dann aber bergauf. Ich war in diversen anderen Abteilungen mit besseren Teams, habe mich an das Arbeitsleben und die damit verbundenen Strukturen in Bezug auf meinen Tagesablauf gewöhnt und die Arbeitszeiten waren immer noch lang, aber zumindest oftmals besser. Alles in allem war mir klar, dass ich diesen Job nicht bis zur Rente machen möchte, aber ich konnte mich mit dem Gedanken gut anfreunden nach dem Traineeprogramm noch 2-3 Jahre Berufserfahrung zu sammeln und mich dann in Ruhe umzuschauen.


    Das Traineeprogramm habe ich aufgrund einer dringend zu besetzenden Stelle vorzeitig beendet und bin nun seit einem halben Jahr auf meiner aktuellen Position. Und seitdem geht es wieder steil bergab. Ich bin unzufrieden mit meinem Job, fühle mich oft überfordert und komme mit der Arbeit nicht hinterher. Ich habe oft das Gefühl, der Job passt nicht zu mir. Hinzu kommt noch ein überengagierter Chef und mal wieder lange Arbeitszeiten. Vor 19:30 Uhr bin ich nie zu Hause.


    Seit Monaten kämpfe ich mich Tag für Tag dadurch, aber es wird eher schlimmer als besser. Langsam bin ich mir nicht mehr ganz sicher, ob psychisch bei mir noch alles ok ist oder ich nicht langsam in eine Depression rutsche. Ich merke oft, dass ich antriebslos bin und kann mich nur schwer aufraffen. In einem Job mit hohem workload und einem zwingend notwendigen Maß an Elan und Eigeninitiative ist das natürlich mehr als ungünstig. Ich fiebere die ganze Woche dem Freitagabend entgegen. Freitagabend und Samstag sind die einzigen Tage an denen ich wirklich glücklich und zufrieden bin. Da widme ich mich voll und ganz meinem Privatleben, bin voller Tatendrang und immer gut drauf. Sonntag kommt dann leider schon wieder die Wende. Allein zu wissen, dass ich am nächsten Tag wieder arbeiten muss zieht mich komplett herunter. Bis zum frühen Nachmittag gelingt es mir oftmals noch durch Beschäftigung mich abzulenken und meiner schlechten Laune entgegen zu wirken, aber spätestens dann stürze ich in ein tiefes Loch. Das schlimme ist, ich habe schon einiges probiert, aber ich kann dem nicht entgegen wirken. Sobald die Woche dann wieder angefangen hat, wird es etwas besser, trotzdem kämpfe ich mich eigentlich nur durch bis endlich wieder Freitag ist.


    Alles in allem steht für mich mittlerweile fest: ich will und ich kann so nicht mehr und so langsam muss wirklich eine Änderung her. Nur leider weis ich immer noch nicht was. Es ist echt zum Verzweifeln.