• 876 Antworten
    Paul-Kling schrieb:

    Überbevölkerung ist ein alter ideologischer Popanz aus dem 19. und 20. Jahrhundert. Die viel zu zahlreichen Menschen aus der eigenen Unterschicht (im 19. Jahrhundert), bei den östlichen Nachbarn (im frühen/mittleren 20.), im globalen Süden (in den 1960er und 1970er Jahren)... die Schreckensdiagnosen wandeln sich, dran ist jeweils vor allem, dass bestimmte Menschengruppen als zu viel definiert werden, weil man die eigenen Besitzstände schützen will.

    So in der Art sehe ich es auch.


    Und: als bequemen vorgeschobenen Grund warum man sich dafür, dass man keine Kinder großziehen "sollte" selbst als Held feiern kann.


    Dabei ist das schlichtweg eigene Sache.

    Paul-Kling schrieb:

    Überbevölkerung ist ein alter ideologischer Popanz aus dem 19. und 20. Jahrhundert.

    Überbevölkerung ist also nur ein historisch/ideologisches Problem? Das scheint mir etwas zu kurz gegriffen. Die Zahlen liegen doch auf dem Tisch: Geburtenrate, Kindersterblichkeit, Resourcenverfügbarkeit, Gesundheitssystem, Bildung, etc. etc.

    Mal anders rum gefragt: Wie viele Menschen könnte die Erde ernähren? Und wie sollte die momentane Staatensituation dies ohne Konflikte bewerkstelligen??

    Dann gibt es für euch kein Problem einer Überbevölkerung in Afrika, Asien und Indien?

    Ihr seht das einfach nur als reine Erfindung an, die das Ziel hat, "nicht weiße" Menschen zu kritisieren?

    _Lynx_ schrieb:

    Dann gibt es für euch kein Problem einer Überbevölkerung in Afrika, Asien und Indien?

    Ihr seht das einfach nur als reine Erfindung an, die das Ziel hat, "nicht weiße" Menschen zu kritisieren?

    Oooh, jetzt hier Lesezeichen setzen. Es könnte spannend oder zumindest unterhaltsam werden!;-D

    Ich sehe es generell kritisch, Menschen die Fortpflanzung quasi absprechen zu wollen. Egal ob weiß, schwarz oder grün-kariert.


    Wichtig wäre eher, kostenlose oder kostengünstige Möglichkeiten zu verhüten, Aufklärung, Bildung usw damit einfach jeder auf der Welt überhaupt die Wahl hat, wie viele Kinder er haben möchte.


    Mehr nicht.

    Paritu schrieb:

    Ich sehe es generell kritisch, Menschen die Fortpflanzung quasi absprechen zu wollen. Egal ob weiß, schwarz oder grün-kariert.

    Wenn jeder nur ein bis zwei Kinder bekäme in den angesprochenen Ländern/Kontinenten, gäbe es kein Überbevölkerungsproblem dort. Es würde ebenso keinem dort ein Recht zur Fortpflanzung abgesprochen.


    Ein Recht zu maßlosem Egoismus besteht dagegen nicht.


    "Asozial" ist es global in gewisser Weise, mit Blick auf das Überbevölkerungsproblem, sehr viele Kinder zu bekommen. Man mag sich streiten, ob die Grenze nun bei 3 oder doch erst bei 5+ Kindern anfängt.

    In vielen der angesprochenen Länder sind viele Kinder die einzige Altersvorsorge und es gibt eben oft kaum Bildung, kaum Zugang zu erschwinglichen Verhütungsmitteln und auch kaum wirtschaftliche Absicherung abseits der Familie. Da sind die (erwachsenen) Kinder die einzige Sozialversicherung, Arbeitslosenversicherung und Altersvorsorge in einem.


    Aus unserer Warte da ausgerechnet von Egozentrik zu sprechen ist meines Erachtens viel zu sehr aus Sicht von Menschen wie uns die sich dank Sozialversicherung und so weiter solche Lebensumstände kaum auch nur theoretisch vorstellen können...


    Es geht dabei um die globale wirtschaftliche Situation und nicht darum den Leuten das Kinderkriegen zu verbieten.

    Paritu schrieb:

    In vielen der angesprochenen Länder sind viele Kinder die einzige Altersvorsorge und es gibt eben oft kaum Bildung, kaum Zugang zu erschwinglichen Verhütungsmitteln und auch kaum wirtschaftliche Absicherung abseits der Familie. Da sind die (erwachsenen) Kinder die einzige Sozialversicherung, Arbeitslosenversicherung und Altersvorsorge in einem.

    Na, gerade wenn man nur wenig Geld bzw. wirtschaftliche Absicherung hat, wäre es naheliegend, sich besonders sorgfältig zu überlegen, ob man sich ein Kind bzw. weitere Kinder leisten kann. Es wäre insofern eher ein Trend zu wenigen Kindern zu erwarten.


    Dass die Kinder einen im Alter versorgen, ist nicht garantiert. Erst recht, wenn die Kinder ihrerseits kaum finanzielle Aufstiegschancen haben und ihrerseits diverse Kinder in die Welt setzen, um selbst versorgt zu sein im Alter. Das geht sich finanziell nicht aus, wenn die Leute sehr arm sind und trotzdem sehr viele Kinder bekommen statt einiger weniger.


    Auch in armen Gegenden kosten Kinder, wenn auch weniger, als in den Industrienationen. Wer kaum Geld für sich selbst und bereits lebende Angehörige hat, von dem wäre zu erwarten, dass er sich das Kinderbekommen besonders gut überlegt und sorgfältig abwägt. Selbst wenn viele das natürlich doch nicht machen, müßte denen klar sein, dass ein Kind erst einmal lange kostet. Als Arbeitskraft könnte man das Kind auch erst später einsetzen, mal vorausgesetzt, man könnte sich mit Kinderarbeit anfreunden.


    Bzgl. Verhütung waren Verhütungsmittel bspw. im Alten Ägypten - lange vor der Erfindung des heutigen Kondoms - bekannt. Ebenso gibt es nicht nur Vaginalverkehr als einzige Möglichkeit, um Sex zu haben. Das Verhütungsproblem haben die Menschen seit Ewigkeiten, in allen Gesellschaftsschichten, und haben es auch in ärmeren Familien nicht überall blind über "Vermehrung wie die Kanickel" gelöst. Heutzutage sind religiöse Einflüsse in diesen Gegenden eher das Problem, aufgrund derer Verhütung dann abgelehnt wird.


    Da sich die Kindersterblichkeit verbessert hat, taugt auch diese nicht mehr als Scheinbegründung, warum man just als armer Mensch besonders viele Kinder in die Welt setzen sollte. Jedenfalls nicht, wenn man diese Kinder selbst (gut) versorgen möchte.


    Paritu schrieb:

    Es geht dabei um die globale wirtschaftliche Situation und nicht darum den Leuten das Kinderkriegen zu verbieten.

    Ums komplette Verbieten geht es nicht. Es würde reichen, wenn jeder maximal nur so viele Kinder bekäme, wie er selbst wirtschaftlich (und idealerweise emotional etc.) versorgen kann.

    Das Problem ist ja auch gar nicht die Überbevölkerung, sondern unser Lebenswandel. In den Industriestaaten verbrauchen wir pro Kopf viel mehr als in Schwellenländern oder Entwicklungsländern. Da kann man den Indern die Kinder ruhig lassen. Problematisch sehe ich da für die Erde eher China, das viele Menschen hat und dazu noch immer mehr Richtung Industriestaat geht.


    Sinnvoll wäre es wohl, wenn, wie schon geschrieben, alle Menschen die theoretische und tatsächliche Möglichkeit hätten, ihre Familiengröße zu planen. Und im ökologischen Sinne wären dann wohl 2, maximal 3 Kinder pro Familie wünschenswert.


    Wobei auch hier die Frage ist, wo dann soziale Überbevölkerung überhaupt anfängt. Was wäre hier eine normale Bevölkerungsdichte für die Erde?


    Ich habe mal gelesen, dass Menschen wohl eigentlich darauf ausgelegt sind, nicht mehr als 100 Sozialkontakte gleichzeitig zu pflegen. Mal angenommen, ein "Menschenrevier" wäre 10 x 10 km groß, wäre das also eine Bevölkerungsdichte von einem Menschen pro Quadratkilometer. Das wird heutzutage je nach Umfeld schwierig.


    Ein "Bewältigungsmechanismus" ist, seine Mitmenschen zu ignorieren. Daher grüßen wir in der Großstadt unsere Mitreisenden in der S-Bahn nicht und vergessen sogar meist, mit wem wir überhaupt gefahren sind. Bei sehr großen Städten führt das dann zur geliebten oder verhassten Anonymität, bei der man nicht mal mehr seine Nachbarn richtig kennt.


    Ich glaube, Menschen, die gerne in die Großstadt ziehen, wollen eben diese Anonymität. Viele Menschen ziehen aber auch in die Großstadt zum Studieren bzw. fürs berufliche Fortkommen und sind dann froh, wenn sie vor der Familiengründung in die nächstgelegene Kleinstadt ziehen können.


    An mir selbst merke ich, dass ich Soziale Kontakte seit Corona wieder mehr genießen kann und sogar neue Freunde gefunden habe, weil ich durchs Home Office nicht mehr damit beschäftigt bin, möglichst alle Reize um mich herum zu ignorieren. Daher bin ich auch froh, dass wir nicht für immer in der Großstadt wohnen bleiben werden.

    Ja, so in der Art sehe ich es auch. Es gibt da keine einfache Lösung und ich sehe das Problem auch vorrangig im Lebenswandel der reichen Länder gepaart aber auch mit dem wahnsinnigen Ungleichgewicht gegenüber den armen Ländern.


    Das eine bedingt ja das andere, nichts davon ist für sich losgelöst ganz alleine verantwortlich.


    Solange wir hier einerseits über Überbevölkerung in Indien zB meckern, aber andererseits von den billigen Arbeitskräften dort profitieren durch die wir unseren Lebenswandel überhaupt aufrechterhalten, solange ist es illusorisch das sich etwas ändert.


    Ich bin überzeugt, wenn wir hier bescheidener würden wäre auch genug für alle da... Aber dann müssen wir einige "Standards" aufgeben, die wir uns angewöhnt haben.


    Ich bin so jemand, der die Großstadt wegen der Anonymität liebt.. aber auch zu spüren bekommen hat, wie hart gerade auch das sein kann. Man kann es Fluch und Segen zugleich nennen. Jetzt lebe ich in einem "Großstädtchen" (=Atmosphäre und Mentalität eher die von vielen kleinen Städtchen die zusammen eine "Großstadt" sein sollen aber nicht im Geringsten in die Kategorie passen. Zuviel Grün, zu stark abgegrenzte Bezirke, zu viel Lokalpatrionismus für das "Dorf" - den eigenen Stadtteil) und nicht mehr einer Metropole und irgendwie fühlt es sich tatsächlich besser an...Ich bin froh, nicht mehr in Berlin zu leben sondern in meinem Großstädtchen.

    _Lynx_ schrieb:

    Dann gibt es für euch kein Problem einer Überbevölkerung in Afrika, Asien und Indien?

    Ihr seht das einfach nur als reine Erfindung an, die das Ziel hat, "nicht weiße" Menschen zu kritisieren?

    Ich weiß nicht, ob du alles gelesen hast, aber hier gibt es durchaus unterschiedliche Meinungen. Ein "euch" und "ihr" als Meinungsblock lese ich hier nicht.

    Leider hast du mit deinem Beitrag erst mal nur Fragen in den Raum gestellt, ohne dabei etwas eigene Meinung kundzutun. Her damit!

    Das Problem ist ja weniger wie viele Leute geboren werden, sondern dass keine Sau mehr stirbt. Dank Impfungen und Antibiotika bleiben so viele Leute am Leben. Und tagesaktuell: Seuchenschutz.

    Normalerweise regelt sich die Bevölkerungszahl durch regelmäßige Seuchen, Kriege, Hunger. Aber so? 8-(

    Fiorentina2017 schrieb:

    Das Problem ist ja weniger wie viele Leute geboren werden, sondern dass keine Sau mehr stirbt. Dank Impfungen und Antibiotika bleiben so viele Leute am Leben. Und tagesaktuell: Seuchenschutz.

    Normalerweise regelt sich die Bevölkerungszahl durch regelmäßige Seuchen, Kriege, Hunger. Aber so? 8-(

    Wenn man das als Problem sieht, ist die Antwort ja einfach. Das lässt sich regeln, indem man dafür sorgt, dass mehr Menschen sterben. So haben das die Deutschen in Weißrussland auch gemacht.

    Evoluzzer schrieb:

    Ich weiß nicht, ob du alles gelesen hast, aber hier gibt es durchaus unterschiedliche Meinungen. Ein "euch" und "ihr" als Meinungsblock lese ich hier nicht.

    Hab ich im ersten Moment auch gedacht, dann aber gesehen, dass er Lynx und Paritu zitiert und das "euch" direkt auf sie und ihre zitierten Aussagen bezogen hat. Das "euch" ist hier also völlig in Ordnung.

    Paul-Kling schrieb:

    Wenn man das als Problem sieht, ist die Antwort ja einfach. Das lässt sich regeln, indem man dafür sorgt, dass mehr Menschen sterben.

    Na, passiert ja und kommt ja. Wie sonst ist die Situation an den Küsten Europas zu interpretieren? Wird noch ganz ungemein lustig dank Klimawandel.