schlecht fühlen nach einer Therapiestunde

    Hallo :)


    Ich mache seit einem halben Jahr eine Therapie. Wir sind jetzt am Grundthema angekommen das mich blockiert und seit wir an diesem Thema dran sind geht es mir nur noch schrecklich. Der Selbsthass überrollt mich wieder mit voller Wucht, das schlechte Gewissen wegen jeder Kleinigkeit, das Verurteilen dass ich mich dadurch in die Opferrolle bringe und die Angst, dass ich diese Blockade nie lösen kann.


    Ich nehme mir jedes Mal vor während der Sitzung zu sagen, dass ich mich nach so einer Sitzung teilweise richtig schlecht fühle. Aber während einer Sitzung fühl ich mich nicht so schlecht und ich verfalle automatisch in einen neutralen Autopilot und kann diese Gefühle nicht zulassen.


    Ich versuche dankbar zu sein, dass ich schon einiges in der Therapie erreichen konnte und sage mir immer, dass ich durch diese Zeit jetzt durch muss und diese Gefühle einfach aushalten muss. Ich versuche auch darauf zu vertrauen, dass ich diese Blockade auch lösen werde, da ich andere Blockaden auch schon gelöst hab. Aber es fühlt sich so schrecklich an und weil diese Blockade so extrem tief und fest sitzt habe ich Angst, dass ich es bei dieser Blockade nicht schaffe. Ich weis gerade überhaupt nicht wo hin mit mir selbst. Direkt nach der Stunde hab ich ne Freundin angeschrieben, die hat mich aber abgewürgt, dass sie mir nicht helfen kann.


    Meine nächste Stunde ist erst Mitte nächste Woche und ich weis nicht wie ich mit diesem starken Gefühl bis dahin umgehen soll. Habt ihr Tipps und ist es normal, dass man sich teilweise so schlecht nach einer Therapiestunde fühlt, wenn die alten Gefühle plötzlich wieder über einen einprasseln?

  • 19 Antworten

    Das ist nicht normal, das ist der SINN der Sache.


    Eine Therapie dient dazu, dir das bewusst zu machen und zu verarbeiten, was so schlimm für dich war dass du es verdrängt hast.


    Als ich eine Therapie gemacht habe (warum ist jetzt egal) habe ich anfangs manchmal 3 Tage lang kein Wort mehr gesagt.


    Aber keine Panik, das vergeht. Schau auf das, was du erreicht hast und was du noch erreichen willst.

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    Danke für deine schnelle Antwort, das beruhigt mich etwas.


    Ich find dieses Gefühl so schwer auszuhalten und denke mir, dass ich es nicht mal schaffe dieses Gefühl einfach nur auszuhalten und bin dadurch wieder im verteufelnden Teufelskreis..


    Ich war etwas verunsichert warum ich mich jetzt nach einem halben Jahr so schrecklich fühle, die erste Zeit während der Therapie hab ich mich noch besser gefühlt. Aber ja das ist ja der Sinn diese Gefühle aufzuarbeiten an die ich jetzt erst direkt rankomme.


    Tut grad gut hier schreiben zu dürfen. Wenigstens verurteile ich mich dafür gerade nicht.

    Evt. könntest Du beim Therapeuten anrufen und bescheid sagen, dass es Dir nicht gut geht, ob er vllt. Zeit hätte für eine (kurze?) Telefonkonferenz...


    Wenn es Dir so schlecht geht und zu viel hoch kommt und Du damit nicht mehr umgehen kannst, gibts keine Grund, Dich jetzt über 1,5 Wochen damit zu quälen.


    Ansonsten könntest Du Dich auch alternativ an einen anderen (privaten) Therapeuten/Coach wenden (Selbstzahler), die sind manchmal hilfreich und man bekommt auch kurzfristig Termine, müsste halt an "den richtigen" geraten.


    Oder Du eröffnest einen Faden (evt. auch alternativer Nick oder anderes Forum) und schreibst Deine Gedanken und Gefühle von der Seele. Vielleicht kommen ja hilfreiche Kommentare.


    Mit Freunden ist es schwierig. Die haben oft mit sich zu tun und selbst wenn einer zuhört, sind die Meinungen recht subjektiv und nicht immer weiterführend.

    @ :)

    Völlig normal und eine gute Nachricht, denn jetzt bist Du am Kern der Sache und es bewegt sich etwas! Und dass ihr dort angekommen seid zeigt auch, dass Du jetzt bereit dafür bist. Denn wärst Du es nicht wären diese Gefühle tief in Dir vergraben, aufgrund des Selbstschutzes der Psyche.


    Was meinst Du was ich geheult und gelitten habe. Aber gleichzeitig konnte ich damit endlich konstruktiv arbeiten. Es bringt ja nichts, die ganze Zeit drumherum zu tigern und nichts zu erreichen, weil das Kernproblem unberührt bleibt.

    Zitat

    Ich war etwas verunsichert warum ich mich jetzt nach einem halben Jahr so schrecklich fühle, die erste Zeit während der Therapie hab ich mich noch besser gefühlt.

    Das ist doch logisch, wenn ihr jetzt am Grundthema arbeitet.


    Halte durch, Du bist auf dem richtigen Weg! :)* @:)

    Danke, es tut gerade wirklich gut meine Gedanken hier loswerden und sortieren zu können.


    Ich bin schon Selbstzahler und fragen ob ich kurzfristig einen Termin bekomme, tue ich sehr ungern. Ich hab Angst, dass ich davon abhängig werde, dass mir dieser Termin nichts bringt und ich dann gar keinen Ausweg mehr habe, es ist mir unangenehm, ich will keine Belastung sein usw.


    Mir ist auch bewusst, dass Freunde nicht wirklich helfen können. Ich erwarte mir auch keine direkte Hilfe, ich wollte mich einfach nur etwas anlehnen können.

    Eigentlich ist es doch genau ein Fall für den Therapeuten oder? Wenn dir diese Gespräche so unangenehm sind im Nachhinein, solltest du mit ihm drüber sprechen und eine gemeinsame Lösung erarbeiten, auch wenn es z.B. ein Wechsel zu einem Kollegen sein könnte.

    Es ist nicht direkt das Problem, dass mir die Gespräche unangenehm sind, sondern dass mir das Gefühl gerade zu stark ist. Ich komme mit ihm sehr gut zurecht, ich möchte auch keinen Wechsel weil wir schon einige Probleme gelöst haben.


    Das einzige was ich mir anders wünschen würde ist, dass ich mir das mal direkt sagen traue, dass mich das alles ziemlich aufgewühlt hat in der Stunde und es mir damit gerade nicht so gut geht. Dieses zugeben, dass es mir gerade nicht gut geht fällt mir sehr schwer. Er kann mir meine Gefühle ja nicht abnehmen, mit diesen muss ich irgendwie selbst zurecht kommen müssen. Da ich mich selbst eh schon so oft in die Opferrolle bringe, will ich nicht in diesem Punkt auch noch das Opfer sein.. Ja ich weis in diesem Punkt bin ich noch sehr blockiert im Kopf.

    Wenn du es nicht schaffst es zu sagen...wäre auch eine möglichkeit die gedanken wenn du sie hast nieder zu schreiben und dieses niedergeschriebene dem therapeuten zum anfang der nächstem stunde zu geben.


    Er kann dann lesen was in deinem kopf vorgeht... ungefiltert durch den zeitabstand.


    Er kann dann darauf eingehen in der stunde.


    Ich hab das einmal gemacht weil ich meist grosse probleme hatte 2-3tage nach der therapie...aber nach 2 wochen wars dann irgendwie wieder...alles normal. Muss halt und so...


    (Ich hatte nur 2 mal im monat therapie )

    Zitat

    Du darfst deinem Therapeuten sagen, dass es dir nicht gut geht. Er wird es schon richtig einzuordnen wissen. Sieh deinen Therapeuten nicht als Aggressor und dich nicht als Opfer an.

    :)z Das denke ich auch.


    Vielleicht hilft es Dir ein bisschen, es so zu sehen: wenn Du wegen eines körperlichen Problems in Behandlung wärst, würdest Du dem Behandler auch von Schmerzen oder anderen Veränderungen in Deinem Wohlbefinden erzählen, oder? Er kann sie Dir nicht abnehmen, aber er hat vielleicht Vorschläge für Dich, weil er damit Erfahrung hat. Außerdem könnte es für die weitere Behandlung wichtig sein. Und als Opfer oder Last würdest Du Dich dort vermutlich weniger empfinden. In einer Therapie ist es im Grunde nicht anders.

    Lieben Dank für die ganzen Antworten. :)


    Ihm es schriftlich zu geben ist auch eine Idee, das stimmt. Mir fällt es unglaublich schwer über sowas zu reden. Es hat auch ein paar Stunden gedauert bis mir überhaupt mal über die Lippen gekommen ist, dass ich das Gefühl traurig sein spüre. Und als ich das Wort traurig irgendwann endlich mal über die Lippen gebracht hab, hat mir das richtig gut getan.


    Er frägt auch nach jeder Stunde ob mir noch was auf dem Herzen liegt, das ich loswerden möchte und einmal hat er auch direkt gemeint, dass er das Gefühl hat dass irgendwas unausgesprochenes noch in mir drin liegt das ich loswerden möchte. Als er das gesagt hat, hab ich sofort wieder dicht gemacht, ich konnte nur mit dem Kopf schütteln und bin gegangen. Innerlich hab ich so dagegen angekämpft, weil ich mich so danach gesehent habe, dass ich mal das Gefühl zulassen darf mich bei einem Menschen traurig zu zeigen. Und danach war der Selbsthass wieder in vollem Ausmaß da.


    Ich werde bei der nächsten Stunde versuchen gleich am Anfang zu sagen, dass es mir nach der letzten Stunde nicht gut ging, damit sich diese neutrale Mauer erst gar nicht aufbaut bis zum Schluss, wenn ich dann wieder kein Wort rausbekomme.

    Vielleicht hilft es dir den Therapeuten als "Dienstleister" zu sehen.


    Wenn du jedes mal nach einem Friseurbesuch todunglücklich bist, sagst du deiner Friseuse hoffentlich auch, dass sie dir doch bitte keinen Pony zu kurz schneiden soll.


    Du musst den Therapeuten nicht schonen, oder ihm gefallen, du musst nicht alles richtig machen bei ihm.


    Sieh ihn als die eine Person, wo du alles aussprechen darfst was du denkst, ohne das man dir böse ist.


    (Meist hat man mit Freunden und Familie ja einen Filter a la "Na das darf ich jetzt aber nicht sagen, sonst ist die Kacke am Dampfen...")


    Bei der Therapie ist alles erlaubt (außer vielleicht den Therapeuten zu küssen oder sich in diesen verlieben... oder ihn zu schlagen oder so). Er ist deine Person ohne Vorgeschichte, eine weiße Wand. Man muss ihn nicht schonen, ihm nicht gefallen.


    Das muss man erst lernen, dass man auch von Rückschlägen berichtet, aber nur wenn man das kann...dann wirds langfristig was...


    Wenn du jetzt etwas unterdrückst und die Therapie beendest, ist es garnicht abgehandelt...sondern lodert immernoch in dir...

    Genau das ist das Problem an dem wir gerade arbeiten, dass ich mich nicht traue meine Meinung zu sagen (generell nicht gerne rede und nicht gut im reden bin). Das versuche ich gerade zu lernen.


    Beim Friseur würde ich es wahrscheinlich auch herunterschlucken und mir denken, dass der Pony schon wieder nachwächst (und innerlich auf mich wütend sein, dass ich es nicht schaffe dass zu sagen und wieder mich selbst zerfleische statt auf den Friseur wütend zu sein und das auch dem Friseur im angemessenem Ton zu sagen).