schon gestresst beim Aufwachen - PTBS - Dissoziation

    Guten Morgen,


    wenn ich aufwache, bin ich schon gefühlt auf 180, fühle mich gestresst. Die Tage, an denen ich einfach friedlich und entspannt aufgewacht bin, sind seit ein paar Monaten vorbei. Ich hatte Ende April eine Diagnose, die mich aus dem nichts getroffen hat und mir völlig den Boden unter den Füßen weggezogen hat. Mich kaum mehr meinen Alltag hat bewältigen lassen, ich habe viel abgenommen, konnte es alleine manchmal nicht mehr aushalten obwohl ich das vorher geliebt habe. usw. Im Nachhinein gesehen, hätte mich an der Stelle eher die Diagnose umgebracht als die Krankheit. Ich habe ein paar Ereignisse gebraucht, dir mir gezeigt haben, dass ich körperlich gar nicht so schwach bin wie ich mich an manchem Punkt gefühlt habe und, dass sich zu vorher ja eigentlich nichts geändert hat.


    Mittlerweile bin ich wieder lebensfähig in meinem Alltag und mir geht es soweit gut. Diese Diagnose wird mir noch einiges an schwierigen Zeiten bringen, aber okay.


    Ich war zuvor bereits in psychotherapeutischer Behandlung, habe selbst gezahlt bis ich einen Kassenplatz bekommen habe. Das hat mir zu dem Zeitpunkt wenigstens geholfen, meine damalige schwierige Situation zu überstehen (geschuldet der Dissoziation + PTBS) - aber an meinem Grundproblem nichts geändert. Nachdem ich dann ein paar Sitzungen bei dem kassenzugelassenen Therapeuten war und die Therapie beantragen wollte, hat meine Hausärztin gemeint, ich bräuchte einen ordentlichen Traumatherapeuten, das würde mir so nichts bringen. Ich denke, sie hatte recht. Zu dem Zeitpunkt war immer die Rede von PTBS, Dissoziation nur als kleines Symptom das eben in bestimmten Situationen auftritt, aber da hat sich niemand darum gekümmert.


    Die körperliche Diagnose von oben kam während dem Wechsel der Therapeuten.


    Den Traumatherapeuten zu finden, war sehr schwierig, hier in der Gegend gibt es sowieso erstmal niemanden. Aber gesucht, gefunden. Ich habe mich dort gut aufgehoben gefühlt und er kam zu dem Schluss, dass im Moment wohl die Dissoziation mein Hauptproblem ist, und die PTBS dazu noch überdeckt, ich also da vermutlich noch schlimmere Symptome bekomme, wenn die Dissoziation aufgehoben ist.


    Dissoziation bedeutet in meinem Fall: Keinen Gefühlsbezug zu den Ereignissen in der Vergangenheit, bis vor 2,5 Jahren war wohl mit Gefühlen insgesamt recht wenig los bei mir, ich hatte jahrelang nicht wirklich geheult, schon gar nicht vor Menschen. Das hat sich mittlerweile dank meines Partners erheblich gebessert. Dann steige ich in gewissen Situationen, die mir wohl unterbewusst gefährlich vorkommen, aber völlig harmlose Alltagssituationen sind, gefühlsmäßig aus. Ich fühle in den Situationen nicht und diskutiere vermutlich teils eher etwas komisch, zähle dann Gründe auf, mich aus dieser Situation entziehen zu können - und meistens sind die nicht so tiefgründig schlüssig - denn ich weiß ja gar nicht so genau, warum ich mich jetzt entziehen will. Das alles fällt mir leider erst hinterher auf. %:| Sozusagen, wenn ich "aufgewacht" bin, so fühlt es sich manchmal an. Dissoziative Identitätsstörung habe ich nicht, also nix mit mehreren Personen in mir.


    Der Traumatherapeut meinte, es bringt so nichts, die Traumata zu behandeln, da ich dazu den gefühlsmäßigen Bezug zu den Ereignissen brauche. Wenn ich sie wirklich bearbeiten will, dann soll ich mich gezielt dazu entscheiden, wieder erinnern zu wollen und wieder fühlen zu wollen und ich muss erst die Dissoziation wegbekommen. Es würden dann wieder Flashbacks auftreten, vielleicht Alpträume oder Erinnerungsfetzen auftauchen. Oder im Alltag Gefühle auftauchen, die quasi aus vergangener Zeit sind. Mit diesem Auftrag, stehe ich jetzt nun also seit 2 Monaten erstmal alleine da.


    Die ersten Tage ging das mit dem nicht dissoziieren dann ganz gut, jetzt hab ich mal mehr und mal weniger "gefühlvollere" Momente. Nur das mit den Erinnerungen ??? Alpträume hatte ich die Tage - aber selbst in denen hatte ich keine Gefühle und hab sie nichts als schlimm empfunden, obwohl die Inhalte verstörend waren. Dissoziere ich schon im Traum? ;-D


    Ansonsten habe ich seit der Diagnose ab und an Angstanfälle, richtig Panikattacke würde ich nicht sagen, die aus dem nichts auftauchen und mich fertig machen. Ich bin dann immer sehr froh, wenn ich mit meinem Freund oder meiner besten Freundin telefonieren kann.


    Nachdem das als Hintergrund denke ich wichtig ist und ihr dazu vielleicht ja auch Input habt, habe ich mal die ganze Geschichte umrissen.


    Was aber eben im Moment mit ein Hauptproblem ist, das mich verrückt macht, ist dieses gestresste Gefühl. Schon nach dem Aufwachen. Ich versuche es zur Zeit schon mit meditieren, auch direkt nach dem aufwachen, einfach weil ich mich da schon so gestresst fühle. Und es ist nicht, wegen dem, was an dem Tag kommen wird. Ich habe auch viel Zeit morgens bis zur Arbeit, da ich sowieso gerne früh aufstehe. Deswegen auch der lange Beitrag um die Zeit. Es ist so eine generelle, innnere Gestresstheit die keinen Bezug zu meinem Alltag hat. Sie ist da, und ich krieg sie kaum weg. Es geht, wenn ich gerade meditiere. Wenn ich aufhöre, hat sich dieser Effekt aber innerhalb der nächsten 1-5 Minuten wieder gegeben und ich bin schon wieder sagenhaft gestresst. Ich habe vorhin nach dem gestresst aus dem Bett springen meditiert - ich könnte schon wieder im Viereck springen.


    TRE habe ich zwischendurch gelernt und es hat mir auch gut bei allem möglichen geholfen, für den Stress allerdings nur manchmal. Vielleicht sollte ich es mal wieder regelmäßig machen.


    Hat jemand eine Idee? *:) @:)

  • 25 Antworten

    Ich kenne diese nächtlichen Angstanfälle auch. Es gibt keine Patentlösung, damit es aufhört, oder es abzustellen. Ich würde es als Zeichen sehen, dass Verdrängtes langsam hochkommt. Damit kann man also arbeiten, in Therapeutensprache.

    Zitat

    Der Traumatherapeut meinte, es bringt so nichts, die Traumata zu behandeln, da ich dazu den gefühlsmäßigen Bezug zu den Ereignissen brauche. Wenn ich sie wirklich bearbeiten will, dann soll ich mich gezielt dazu entscheiden, wieder erinnern zu wollen und wieder fühlen zu wollen und ich muss erst die Dissoziation wegbekommen.

    Wie ich es verstanden habe (aufgrund meiner Therapieerfahrung), ist die Therapie dann am effektivsten, wenn der Angstlevel mittelhoch ist. Also im Körper spürbar, zB Schweissausbrüche, Herzklopfen, Verkrampfen der Muskulatur. Dissoziation heisst, die Angst ist zu gross. Also ginge es darum, den Angstlevel zu senken durch Stabiliserungsmassnahmen. Dann sollten auch die Gefühle kommen. Druck (hören Sie endlich auf zu dissozieren und stellen Sie sich den negativen Gefühlen!) halte ich aber kontraproduktiv - mich hat er blockiert.

    Hallo Cytex, schön dich hier wieder zu sehen.

    Zitat

    Ich kenne diese nächtlichen Angstanfälle auch. Es gibt keine Patentlösung, damit es aufhört, oder es abzustellen. Ich würde es als Zeichen sehen, dass Verdrängtes langsam hochkommt. Damit kann man also arbeiten, in Therapeutensprache.

    Nächtlich ist es bei mir nicht, da schlaf ich tief und fest ;-D ich glaube Schlaf ist vielleicht einer meiner Verdrängungsmechanismen, deswegen funktioniert schlafen sehr gut bei mir, vielleicht besser als beim Durchschnittsmensch...


    Kann gut sein, dass die Angstattacken irgendwelche unverknüpften Gefühle sind die hochkommen. Ich versuche mittlerweile auch regelmäßig, diese Angst dann zu fühlen und zu schauen, was sie mir sagen möchte. Kam aber bis jetzt noch nicht viel raus, letztens mal wurde es dann etwas besser.


    apropos Schlaf, vielleicht kennt das jemand?


    Ich mache das heutzutage nicht mehr so, habe es aber gerade in den traumatischen Zeiten viel gemacht. Ich wurde dann immer sehr sehr müde und habe mich hingelegt. Und ich hatte dann beim Aufwachen auch das Gefühl, als hätte ich um mich herum nichts mitbekommen, also wie im Schlaf. Gleichzeitig aber auch das Gefühl, als wären meine Gedanken hell wach gewesen, und das nicht im Sinne von Träumen, sondern super effektiv im Probleme verarbeiten. Was ist das? Schlaf? Wach? Dissoziation im Sinne des Zurückziehens und Ausblendens der Umwelt?

    Zitat
    Zitat

    Der Traumatherapeut meinte, es bringt so nichts, die Traumata zu behandeln, da ich dazu den gefühlsmäßigen Bezug zu den Ereignissen brauche. Wenn ich sie wirklich bearbeiten will, dann soll ich mich gezielt dazu entscheiden, wieder erinnern zu wollen und wieder fühlen zu wollen und ich muss erst die Dissoziation wegbekommen.

    Zitat

    Wie ich es verstanden habe (aufgrund meiner Therapieerfahrung), ist die Therapie dann am effektivsten, wenn der Angstlevel mittelhoch ist. Also im Körper spürbar, zB Schweissausbrüche, Herzklopfen, Verkrampfen der Muskulatur. Dissoziation heisst, die Angst ist zu gross. Also ginge es darum, den Angstlevel zu senken durch Stabiliserungsmassnahmen. Dann sollten auch die Gefühle kommen. Druck (hören Sie endlich auf zu dissozieren und stellen Sie sich den negativen Gefühlen!) halte ich aber kontraproduktiv - mich hat er blockiert.

    Als Druck habe ich das nicht empfunden. Er hat nie gesagt, ich muss mich den negativen Gefühlen stellen, sondern, dass wenn ich das will und ich dafür bereit bin, ich mich dafür entscheiden kann - und dass es dann ganz natürlich so kommen wird. Es bringt mich eher in eine Situation des wartens, als dass es mich unter Druck setzt.


    Die Dissoziation hilft mir ja nicht nur um die negativen Gefühle herumzukommen. Ich weiß ja noch nicht mal, welche da wären. Mein größtes Problem akut ist ja eigentlich, dass mich die Dissoziation um die schönen Gefühle bringt. %:| Nachdem eins meiner Traumata sexueller Missbrauch ist, dissoziere ich eigentlich grundsätzlich wenns zur Intimität kommt. Ich falle in Starre, im Extremfall bin ich der festen Überzeugung ich kann mich nicht mehr bewegen, ich fühle keine Lust mehr, ich fühle die Berührungen nur noch gedämpft. Meine Gedanken schweifen ab. Ich hab Lieder im Kopf. Ich bekomme schon mit was passiert, aber halt so "unbeteiligt".Und weil die Berührungen so gedämpft sind, kann ich noch nicht mal die ertragen, die ich eigentlich total toll finde.


    In selten Fällen dissoziere ich nicht, dann passiert das oben beschriebene nicht und ich kann sowohl physisch als auch psychisch alles intensiv spüren und es ist total schön. Da kommen dann auch eigentlich nie negative Gefühle hoch. Aber soweit kommt es vielleicht alle halbe Jahre mal.


    Aber es hat (auch bevor der Therapeut das zu mir gesagt hat) schon ganz gut funktioniert, wenn ich davor für mich beschlossen habe, dass ich das jetzt eben alles fühlen möchte. Ich kann also für mich nur bestätigen, dass diese Vorgehensweise mit dem beschließen funktionieren kann und ich finde sie auch gut, denn ich denke, dann kommt zum jeweiligen Zeitpunkt so viel, wie ich auch ertragen kann. ... ich glaube sogar, ich hab mich als circa 3 jährige fürs "nicht-fühlen" entschieden %:| und jetzt hab ich den Käse {:(


    Meine Dissoziation umfasst im übrigen auch den Körper. Einmal wurde mein Körpergefühl über Wochen dermaßen ausgeschaltet, dass ich mit Verdacht, von den Ärzten, auf Multiple Sklerose im Krankenhaus gelandet bin. Gefunden haben sie natürlich nichts, neurologisch alles in Ordnung. Ich habe es dann jahrelang auf Stress geschoben, wo ich mir zwar nicht erklären konnte, was ich zu dem Zeitpunkt für Stress gehabt haben sollte...aber das kann man ja immer haben. Bis der Therapeut meinte, das könnte gut Dissoziation gewesen sein. Und im Nachhinein gesehen ist mir jetzt auch eine Ereignisreihe eingefallen und vom Datum her tatsächlich damit in Zusammenhang, bei der ich es sogar völlig nachvollziehen kann, wenn sich da meine Empfindungen ausgeschaltet haben.


    Hat zufällig jemand sonst noch Tipps zum "fühlen lernen"? Techniken, Bücher etc.? Und ne Ahnung, wie ich dieses Dauerstressgefühl aus meinem Körper bekomme, bzw. den Parasympathicus aktivieren kann?

    ye-ye, Du wolltest zwar andere Stimmen, aber ich schreibe dennoch einmal hier. Meinem Verständnis nach ist es gerade das Ziel der Dissoziation, das Fühlen zu unterbinden. Ein gutes Buch, das beschreibt, wie sich die psychische Struktur nach Traumatisierungen verändert ist: http://www.junfermann.de/titel-1-1/das_verfolgte_selbst-9863/

    Zitat

    Hat zufällig jemand sonst noch Tipps zum "fühlen lernen"? Techniken, Bücher etc.?

    Der Eintritt ins fühlen geht über den Körper. Jedes Gefühl manifestiert sich im Körper. Das Wahrzunehmen kann man lernen und üben. Da gibt es viele Bücher und Anleitungen. Ich benutze diese Audioanleitung:


    http://www.mike-hellwig.de/index.php?option=com_content&view=article&id=36:radikale-erlaubnis-im-koerper&catid=14&Itemid=115

    Danke, ich schau es mir nachher an wenn ich daheim bin. :)


    Du darfst immer schreiben, du war das nicht gemeint. Du bist hier willkommen!... Das wäre ja was wenn jede nur einen Beitrag abgeben dürfte ;-)

    Entschuldige die Autokorrekturfehler |-o

    Zitat

    Du darfst immer gerne schreiben, so war das nicht gemeint. Du bist hier willkommen!... Das wäre ja was wenn jeder nur einen Beitrag abgeben dürfte ;-)

    So sollte das heißen.

    Danke, es war kein Problem.


    Ich habe schon dieses Warten als Druck empfunden. Der Druck bestand darin, dass etwas passieren muss, dass sich etwas ändern muss in mir.


    Besser ist es, alles in sich anzunehmen, total, auch das Unmögliche, diesen Beton, den man eigentlich weghaben will. Das hilft zu entspannen.


    Aber wie Du ja beschreibst, funktioniert es bei Dir anscheinend, dass Du es Dir wieder erlaubst. Anscheinend gab es einen bestimmten Moment, wo Du Dir diese Erlaubnis entzogen hast, mit drei Jahren?

    Naja ich weiß zumindest, dass ich zu dem Zeitpunkt beschlossen habe, nicht mehr zu lachen wenn mich jemand kitzelt - bis ich es einfach nicht mehr spürte, nicht mehr zu weinen wenn mich jemand schlägt. Weil ich damals schon gemerkt habe, dass die anderen Kids /meine Brüder damit aufhören, wenn halt die erwünschte Reaktion nicht kommt.


    Keine Ahnung ob es daher kommt, aber das ist ja schon ein Ausschalten der Gefühle. Und das habe ich dann vermutlich später gut gebrauchen können und als meinen Schutzmechanismus übernommen.


    Ich habe bevor ich drei war auch schon beschlossen mich jetzt selbst ins Bett bringen zu können und das von da an gemacht. (das weiß ich nur aus Erzählung) Willensstärke war in dem Alter schon da bei mir.

    Ich hatte meine Mutter mal gefragt, ob mit etwas potentiell traumatisches in der Kindheit passiert ist (sie weiß sonst von nix und hat sich schon über die Frage gewundert). Sie meinte dann nur, vielleicht der Tod von meiner Oma als ich circa 2,5 war, die hätte uns ja schon öfter ins Bett gebracht.


    Kann mir vorstellen, dass das mit dem selber ins Bett bringen damit in Zusammenhang steht, aber ist natürlich reine Spekulation.


    Aber ich finde es schön auffällig, dass ein Kind in dem Alter so etwas beschließt und damit ja auch die Zuwendung etc. beim ins Bett bringen von sich schiebt. Im Endeffekt habe ich vielleicht ja da schon nicht mehr wirklich Nähe zulassen wollen. Um mich zu schützen weil meine oma einfach irgendwann weg war?


    Oder es hing halt da schon mit meinem Vater zusammen, aber da weiß ich nicht wie er in dem Alter war.


    Und ich frage mich ja auch, aus welchem Grund ich zu meiner Mutter so ein zwar gutes aber halt distanziertes Verhältnis habe. Ich habe sie schon mit 10 oder vorher nicht mehr als Ansprechpartnerin für meine Probleme gesehen. Kann mich aber nicht wirklich erinnern, dass da was war. Vielleicht habe ich sie ja auch selbst von mir ferngehalten ":/

    Konkrete Erlebnisse und Erinnerungen können einen Einstieg sein, zu fühlen, wie es war. Das hat bei mir recht gut funktioniert. Der Therapeut würde in Deinem Fall vielleicht fragen: Wie hat sich das angefühlt damals, mit drei Jahren, was war das für ein Gefühl, gekitzelt zu werden etc? Und so tauchst Du dann hinab, nimmst diese Teile in Dir wahr und gibst ihnen im Unterschied zu damals die volle Unterstützung und Anerkennung. Je nach Methode (zB PITT


    Psychodynamisch Imaginative Trauma Therapie nach Reddemann) hat man dann imaginäre Helfer und eine sichere Umgebung. Wichtig ist es, nicht rein mit dem Kopf zu rekonstruieren. Das ist die ewig gleiche Gedankenmühle und die bringt nichts. Das hat meine Therapeutin jeweils schnell gestoppt. Sie war sehr gut darin zu unterscheiden, ob ich wirklich etwas fühle, oder nur so tue als ob und etwas rein gedanklich rekonstruiere. Das ist für einen Therapeuten natürlich viel anspruchsvollere Arbeit als Gesprächstherapie.

    Das versuche ich zur Zeit auch manchmal. Aber Gefühle tauchen so gut wie nie auf. Ich versuchs auch gerade mit Focusing, klappt aber noch nicht.


    Ich glaube meine Therapeutin damals ist auch verzweifelt wie ich immer nur " nichts " oder " weiß ich nicht " antworten konnte auf die Frage, was ich fühle.

    Welche Erwartung hast Du an ein Gefühl?


    Dann beginne vielleicht mit einfachen Dingen. Temperatur. Körperliche Anstrengung. Hunger, Appetit. Müdigkeit. Schönheit - was gefällt Dir? Musik, die Natur (eine schöne Landschaft, Bäume)?

    Vielleicht war der Beitrag missverständlich. Ich meine, im Moment, wo man dissoziiert, hilft es, durch bekannte Reize oder durch Aufrufen bewährter Bilder zurückzufinden in den Körper und die Angst zu reduzieren. Und je einfacher und zuverlässiger diese Reize sind, desto besser. Auf dem gleichen Prinzip funktionieren ja auch die "Skills" bei der DBT Therapie.


    Ich aktiviere Erinnerungen an meinen Besuch im State Park "the Path of 1000 giants" mit den Sequoia Bäumen. (In der Therapie habe ich das jeweils auch probiert, nachdem ich wie Du auf die Frage, was ich fühle, sagte: "Weiss nicht.") Oder ich gehe in die Sauna zB, mache Sport, höre Musik (intensiv, nicht als Hintergrund) - die Möglichkeiten sind endlos und persönlich.

    Zitat

    Welche Erwartung hast Du an ein Gefühl?


    Dann beginne vielleicht mit einfachen Dingen. Temperatur. Körperliche Anstrengung. Hunger, Appetit. Müdigkeit. Schönheit - was gefällt Dir? Musik, die Natur (eine schöne Landschaft, Bäume)?

    Temperatur und körperliche Anstrengung: kann ich ;-D


    Hunger: dieses Gefühl, kenn ich sehr sehr selten. Ich weiß, dass ich was essen muss, wenn ich ein Gefühl von Übelkeit habe. Ist aber immerhin auch ein Gefühl. Sättigungsgefühl? Selten.


    Schönheit und was mir gefällt: Habe ich wohl mittlerweile gelernt. Sonst hätte ich mir auch einen anderen Job suchen müssen. Wobei das früher vielleicht auch ein: "Ich traue mich nicht, zuzugeben was ich mag" war. Bei Musik tue ich mich da heute noch schwer.


    Habe gestern mit meinem Freund einen Film geschaut. Mein Gehirn hat gesagt: Ja, das ist traurig. Mein Freund hat geweint. Und ich? %:| Nichts.

    Zitat

    Vielleicht war der Beitrag missverständlich. Ich meine, im Moment, wo man dissoziiert, hilft es, durch bekannte Reize oder durch Aufrufen bewährter Bilder zurückzufinden in den Körper und die Angst zu reduzieren. Und je einfacher und zuverlässiger diese Reize sind, desto besser. Auf dem gleichen Prinzip funktionieren ja auch die "Skills" bei der DBT Therapie.


    Ich aktiviere Erinnerungen an meinen Besuch im State Park "the Path of 1000 giants" mit den Sequoia Bäumen. (In der Therapie habe ich das jeweils auch probiert, nachdem ich wie Du auf die Frage, was ich fühle, sagte: "Weiss nicht.") Oder ich gehe in die Sauna zB, mache Sport, höre Musik (intensiv, nicht als Hintergrund) - die Möglichkeiten sind endlos und persönlich.

    Ich habe zu Erinnerungen keine Gefühle, ich kann an noch so schöne Dinge denken, solange ich das nicht fühle, hilft es mir auch nicht weiter. Im Moment gehe ich wieder relativ abgestumpft durch die Gegend. Sehr schade. Da helfen dann nicht mal die traurigen Lieder, die mich sonst doch manchmal schaffen, zum weinen zu bringen.


    Wenn mich etwas schafft, aus einer "tiefen" Dissoziation zu holen, dann ist es wie aufwachen und ich frage mich, was gerade mit mir war. Ich weiß einzelne solcher Momente. Der eine war, als ich die (von mir verschuldete aber nicht gespürte) Traurigkeit in den Augen meines damals noch nicht Freundes gesehen habe - und ein anderes Mal, als er ein: wieso riecht es hier so nach XYZ gesagt hat und ich völlig aus der Situation gerissen war und angefangen habe zu schnuppern.


    Aber ich für mich, habe leider noch nichts zuverlässiges gefunden.