• Schweigepflicht Minderjährige/Hormontherapie

    Mein Kind hat im letzten Winter darauf bestanden, eine Psychotherapie anzufangen. Es ist minderjährig, aber knapp vor Volljährigkeit. Wir wussten nicht, warum es das wollte und haben auch nicht nachgebohrt und alle Befreiungen für die Schule etc. ermöglicht. Die Psychotherapie wurde über seinen Psychiater aus der Autismus-Ambulanz vermittelt, dort…
  • 228 Antworten

    Kenne ich alles und auch die Person. Vermittelt natürlich dem Durchschnittspublikum einen völlig falschen Eindruck. Dragqueens haben absolut nicht das geringste mit Transsexualität zu tun. Die ganze Bewegung ist aber mitunter selbst daran Schuld, dass diese Differenzierung eben nicht stattfindet.

    marblemadness schrieb:

    Die ganze Bewegung ist aber mitunter selbst daran Schuld, dass diese Differenzierung eben nicht stattfindet.

    Interessante Bemerkung. Ich formuliere mal "positiv": Probleme, die einem nicht jeden Tag mit dem Arsch ins Gesicht springen, gibt es eigentlich gar nicht. Die Mühe einer differenzierten Wahrnehmung macht sich eben nicht jeder. Braucht man ja auch gar nicht, so lange es heile Welt TV gibt und man selbst kein Betroffener ist. :=o

    Evoluzzer schrieb:
    marblemadness schrieb:

    Die ganze Bewegung ist aber mitunter selbst daran Schuld, dass diese Differenzierung eben nicht stattfindet.

    Braucht man ja auch gar nicht, so lange es heile Welt TV gibt und man selbst kein Betroffener ist. :=o

    Ich sagte doch, ich schaue kein Fernsehen. Und aus den Beiträgen von mir sollte man eigentlich mit etwas Geschick erkannt haben, dass ich sehr wohl betroffen bin.

    Marblemadnes,

    ich glaube die Antwort war nicht speziell an dich gerichtet

    Diese Sabrina Ryan Stecken meinte seinerzeit sie täte ja den Transsexuellen Menschen einen Gefallen, in dem sie durch ihre Auftritte für mehr Toleranz und Akzeptanz werben würde.

    Mein Bekannter war da ganz anderer Meinung.

    Der meinte wegen solchen Menschen nehmen die uns nicht ernst.

    Die meisten Menschen die im falschen Körper leben, wollen doch kein Glitzer Show Leben.

    Die wollen endlich im für sie richtigen Leben ankommen und das irgendwann idealerweise mit Partner, Haus und Hund oder so ähnlich.

    Noch mal, nun deutlicher:

    mir wäre es recht, wenn nicht iwelche C-Promis hier im von mir sehr ernstgenommenen Faden durchdiskutiert werden.

    marblemadness schrieb:

    Ich kenne durchaus mehrere transsexuelle Autisten. Die haben im Grunde selten ein Problem mit sich und ihrer Welt, sondern eher mit den anderen. Vor allem in puncto Empathie sind die ziemlich holzig unterwegs.

    Das ist aber eher kein Problem für eine eigene Entscheidungsfindung. Ich denke, dass es falsch wäre dem Kind eine solche Entscheidung abzunehmen, weil man der Meinung ist, dass es dafür nicht reif ist. Die Kinder entscheiden mit 18 ja auch, was sie später erlernen wollen und da stellt sich ja auch niemand hin und sagt: nee, also ich würde das ja so und so machen. Ein Mensch muss ja eben auch lernen mit den Konsequenzen der eigenen Entscheidungen zu leben.

    Hm... Alexithymie ist aber durchaus ein häufiges Phänomen bei Autisten und eben auch eine unvollständige Wahrnehmung der Welt. Muss nicht auf alle Autisten zutreffen, tut es aber durchaus. Nicht umsonst geht Autismus mit einem GdB zwischen 10 und 100 einher - da muss ein Psychologe schon sehr genau hinsehen.


    Und Autismus kann ein sehr großes Problem für die eigene Entscheidungsfindung sein. Es handelt sich nun mal um eine Entwicklungsstörung, bei der es gerade im emotionalen Bereich auch eine Entwicklungsverzögerung gibt. Man kann einen Autisten nicht per se mit einem gesunden Jugendlichen gleichsetzen und das soll gar nicht böse klingen. Mit sich nicht im Reinen sein, unreif sein im emotionalen Bereich - das kann sich bei Autismus lange hinziehen, auch wenn die kognitiven Fähigkeiten bei einigen Autisten überdurchschnittlich sind.


    marblemadness schrieb:

    Das ist aber auch eher ein gängiges Klischee. Die meisten Transsexuellen sind keine "Queer-Menschen", die eine dritte Toilette benötigen oder sich nicht entscheiden können. Die wissen ganz genau, was sie sind und möchten das auch konsequent sein. Wenn sich eine geborene Frau eine Latzhose anzieht, bleibt sie trotzdem eine Frau - das mag für sogenannte "Crossdresser" eine spannende Sache sein, hat aber nichts mit "echter" Transsexualität zu tun.

    Das empfinde ich jetzt aber auch als beleidigend. Jemand, der intersexuell ist oder einfach nichts mit Geschlechterkonzepten anfangen kann, ist doch kein Crossdresser.


    Übrigens wurde mir das, was du zitiert hast, genau so bei einer Beratungsstelle für jugendliche Transgender mitgeteilt. Gender ist eben genauso ein fließendes Konzept wie Homosexualität. Es ist die absolute Ausnahme, zu 100 % Mann oder Frau, zu 100 % homo- oder heterosexuell zu sein. Die allermeisten Menschen (90 %, wenn ich mich recht erinnere) liegen im Graubereich dazwischen - oder darüber hinaus, je nachdem, wie man sich fühlt, das für sich definiert.


    Das ist also kein Klischee, sondern die Realität. Von 3. Toiletten und Latzhosen schrieb ich nirgendwo etwas, wie du darauf kommst, ist mir nicht klar.


    Ich finde es eher unglücklich, Menschen, die mit Geschlechterkonzepten emotional nichts anfangen kann, dieses Empfinden abzusprechen. Es spricht ja auch umgekehrt niemand einem ab, sich als Mann oder Frau zu fühlen.

    Plüschbiest schrieb:

    Ich muss jetzt die ganze Zeit an diese, sorry, seltsame Boytunte Namens Ryan Stecken denken, die mal bei DSDS rumgeisterte, weil hier das Wort Crossdresser erwähnt wurde.

    Warum wird eigentlich von vielen Leuten versucht den Menschen die im falschen Körper leben einzureden, sie könnten sich ja auch als Nichts definieren?

    Die meisten Betroffenen wollen kein Nichts sein und können mit Non Binary nichts anfangen.

    Beziehst du dich auf mich? Falls ja:


    Man definiert sich doch nicht als "Nichts", wenn man die Konzepte "Mann" und "Frau" hinterfragt. Man definiert sich einfach als Mensch, als neutral. Warum muss man sich denn binär definieren? Die Natur an sich ist schon nicht binär. Ich würde mir nicht erlauben, zu sagen, was die meisten Betroffenen empfinden. Tatsache ist aber, dass die meisten Menschen nicht binär sind; nicht zu 100 % weiblich oder zu 100 % männlich. Wie man sich damit fühlt, ist wieder eine andere Sache.


    Wie gesagt, habe ich kein Probleme damit, definiert sich jemand als Mann oder Frau. Aber es muss so nicht sein, darauf wollte ich hinaus.

    Zitat

    Und Autismus kann ein sehr großes Problem für die eigene Entscheidungsfindung sein. Es handelt sich nun mal um eine Entwicklungsstörung, bei der es gerade im emotionalen Bereich auch eine Entwicklungsverzögerung gibt. Man kann einen Autisten nicht per se mit einem gesunden Jugendlichen gleichsetzen und das soll gar nicht böse klingen. Mit sich nicht im Reinen sein, unreif sein im emotionalen Bereich - das kann sich bei Autismus lange hinziehen

    Das wird aber alles nur dann zum Problem, wenn man einen autistischen Jugendlichen am gesunden Maßstab misst.

    Welche Befürchtung steht dahinter? Dass er/sie später merkt, dass sie/er sich "vertan" hat und das eigentlich doch lieber nicht wollte?

    Ich kann mir schwerlich vorstellen, dass jemand sich ernstlich damit auseinandersetzt, sich willentlich Körperteile abschneiden zu lassen (sofern OPs angestrebt werden, das will ja nicht jeder), ohne sich das vorher wirklich sehr reiflich und gründlich zu überlegen. Ein gewisses Maß an Zweifeln gehört sicherlich immer dazu (und sind womöglich sehr gesund und hilfreich in dem Prozess), und soweit ich weiß, machen viele Betroffene während der Transition "Pausen", um sich Zeit zu geben, sich mit den jeweils neuen Veränderungen einzuleben.

    Überhaupt ist der Angleichungsprozess doch eher langwierig und lässt sich aufteilen in viele kleine Einzelschritte, von denen nicht jede/r alle machen lässt, und bis es da an chirurgische Maßnahmen geht (falls gewünscht), wird es doch auch noch eine ganze Weile dauern.


    Für mich stellt sich daher im Zusammenhang mit der Autismus-Diskussion die Frage, ab wann ein Autist "reif genug" für eine erste (!) Entscheidung von ganz vielen (!) ist, und verglichen damit, wann dies bei einem Nicht-Autisten gegeben ist und wie man jeweils zuverlässig herausfinden kann, wann jemand soweit ist.

    marblemadness schrieb:

    Die ganze Bewegung ist aber mitunter selbst daran Schuld, dass diese Differenzierung eben nicht stattfindet.

    Damit wären wir meinem Gefühl nach bei einer Argumentation analog zu "Die Schwulen müssen sich nicht wundern, dass sie abgelehnt werden, wenn sie auf dem CSD immer so schrill und laut sind. Könnten sich doch einfach normal benehmen, wenn sie als normal gesehen werden wollen."


    Und das ist kein schönes Gefühl. Ich fänd es sehr viel schöner sowie zielführender, wenn die Community zusammenhielte.

    Homo- und Transphobie ist nicht in Ordnung. Nie.


    Danke cleasan-teine für deine Darlegung bezüglich non-binary. Diese Worte sind mir nichtbeingefallen. Finde ich gut, dass auch Beratungsstellen die breite Palette der Möglichkeiten vermitteln. Es ist ein Spektrum, auf dem jeder Mensch seinen ganz eigenen Platz finden muss.


    Dorfnixes Anmerkung bezüglich der vielen kleinen Schritte möchte ich unterstreichen. Das kann Eltern vielleicht auch Sorge nehmen. Eine Transition bedeutet nicht morgen im äußerlich "anderen" Geschlecht aufzuwachen und ein anderer Mensch zu sein. Der Mensch bleibt der Selbe, wird nur glücklicher und vermutlich dadurch selbstbewusster.

    Bezüglich medizinischer Schritte geht es hier zunächst um Blocker. Deren Wirkung ist nicht unumkehrbar. Als nächstes kommen vielleicht Hormone. Nach (im Moment) frühstens 6 weiteren Monaten sind OPs möglich. Alles wird psychologisch begleitet, was ich gerade bei Jugendlichen besonders wichtig finde. Insbesondere bei solchen mit an anderere Stelle vorhandenem Unterstützungsbedarf.

    Bei Erwachsenen mitten im Leben, kann man darüber streiten, wieviel Begleitung da wirklich nötig ist. Das sollte selbstbestimmt verlaufen, ist aber hier nicht das Thema. Auch bei Jugendlichen sollte aber eine gemeinsame Lösungsfindung und Ergründen der als notwendig empfundenen Behandlung das Ziel sein und keine Begutachtung/Regelementierung am Mensch und seinen Bedürfnissen vorbei.


    Criecharlie, vielleicht findest du hier hilfreiche Infos und Ansprechpersonen:

    https://www.trans-kinder-netz.de/

    https://www.bv-trans.de

    Plüschbiest schrieb:

    Diese Sabrina Ryan Stecken meinte seinerzeit sie täte ja den Transsexuellen Menschen einen Gefallen, in dem sie durch ihre Auftritte für mehr Toleranz und Akzeptanz werben würde.

    Mein Bekannter war da ganz anderer Meinung.

    Der meinte wegen solchen Menschen nehmen die uns nicht ernst.

    Die meisten Menschen die im falschen Körper leben, wollen doch kein Glitzer Show Leben.

    Die wollen endlich im für sie richtigen Leben ankommen und das irgendwann idealerweise mit Partner, Haus und Hund oder so ähnlich.

    Eben. Mein Lebensentwurf sah so "normal-binär" aus und natürlich steht jedem frei das anders zu gestalten. Ich kenne Menschen aus so ziemlich jeder Ecke und habe damit überhaupt keine Probleme. Wieso sollte ich?

    Mein persönliches Problem ist nur, dass man den Leuten immer extra deutlich mitteilen muss, dass man jetzt z.B. keinen Fetisch hat oder auf rosa Glitzerzeugs steht. Das wird dann mitunter einfach vorausgesetzt und ich finde das sehr dreist. Andere Menschen müssen sich doch da auch nicht diesbezüglich erklären. Viele kennen das aber eben nur aus dem Fernsehen oder vom CSD und da zeichnet ja niemand ein reales Bild dieser Menschen.

    marblemadness schrieb:

    Mein persönliches Problem ist nur, dass man den Leuten immer extra deutlich mitteilen muss, dass man jetzt z.B. keinen Fetisch hat oder auf rosa Glitzerzeugs steht. Das wird dann mitunter einfach vorausgesetzt und ich finde das sehr dreist. Andere Menschen müssen sich doch da auch nicht diesbezüglich erklären.

    Genau. Dreist und mega nervig, von denen, die solche unreflektierten Annahmen treffen und die dann schlimmsten Falls auch noch ungefragt mitteilen oder meinen erfragen zu dürfen. Macht man bei vermeintlich 0815-weiß-cis-hetero Mensch auch nicht ohne eine vorhandene persönliche Ebene.

    Andererseits, was mittgeteilt wird, kann man richtig stellen...schwierig.


    Unbestritten ist es super nervig mit Annahmen überschüttet zu werden und sich im Rechtfertigungsmodus zu fühlen.


    Die Ursache dafür liegt nicht bei denen, die dieser Norm erkennbar nicht entsprechen, sondern bei denen, die ganz selbstverständlich Grenzen überschreiten und ihr Gehirn nicht benutzen.

    Würde das weniger passieren, wären vielleicht auch die Ängste und inneren Hürden kleiner bei Betroffenen und begleitenden Anghörigen/Eltern.

    cleasan-teine schrieb:
    marblemadness schrieb:

    Ich kenne durchaus mehrere transsexuelle Autisten. Die haben im Grunde selten ein Problem mit sich und ihrer Welt, sondern eher mit den anderen. Vor allem in puncto Empathie sind die ziemlich holzig unterwegs.

    Das ist aber eher kein Problem für eine eigene Entscheidungsfindung. Ich denke, dass es falsch wäre dem Kind eine solche Entscheidung abzunehmen, weil man der Meinung ist, dass es dafür nicht reif ist. Die Kinder entscheiden mit 18 ja auch, was sie später erlernen wollen und da stellt sich ja auch niemand hin und sagt: nee, also ich würde das ja so und so machen. Ein Mensch muss ja eben auch lernen mit den Konsequenzen der eigenen Entscheidungen zu leben.

    Hm... Alexithymie ist aber durchaus ein häufiges Phänomen bei Autisten und eben auch eine unvollständige Wahrnehmung der Welt. Muss nicht auf alle Autisten zutreffen, tut es aber durchaus. Nicht umsonst geht Autismus mit einem GdB zwischen 10 und 100 einher - da muss ein Psychologe schon sehr genau hinsehen.

    Fachlich gut. Gehe ich mit!