• Schweigepflicht Minderjährige/Hormontherapie

    Mein Kind hat im letzten Winter darauf bestanden, eine Psychotherapie anzufangen. Es ist minderjährig, aber knapp vor Volljährigkeit. Wir wussten nicht, warum es das wollte und haben auch nicht nachgebohrt und alle Befreiungen für die Schule etc. ermöglicht. Die Psychotherapie wurde über seinen Psychiater aus der Autismus-Ambulanz vermittelt, dort…
  • 224 Antworten
    Plüschbiest schrieb:

    Viele Betroffene möchten dann am besten sofort alles weibliche bzw. männliche entfernt haben, weil eine Frau nun mal nichts männliches bzw. ein Mann nichts weibliches an sich haben möchte.

    Das ist bei einer Body integrity dysphoria ja ähnlich. Bei dieser Erkrankung ist es, soweit ich weiß, so, dass die Betroffenen eine Behinderung (Amputation, Querschnittlähmung, Erblindung etc) als richtig und zu sich selbst gehörend empfinden. Es gibt wohl sogar Fälle, in denen sich BID-Betroffene selbst Gliedmaße amputiert haben, um den realen Körper mit dem als richtig empfundenen Körper in Einklang zu bringen.

    Oft helfen Betroffenen andere Maßnahmen wie Therapien oder Medikamente nicht, dennoch wird in diesen Fällen praktisch nie eine Operation durchgeführt, die das reale körperliche Erscheinungsbild an das als vom Betroffenen als richtig empfundene "angleicht".

    Natürlich ist es etwas anderes, wenn man sich "nur" die Keimdrüsen und gegebenenfalls Brüste oder den Penis entfernen lässt, als wenn man sich den Sehsinn nimmt / nehmen lässt oder wenn man Gliedmaße amputiert werden. Aber es ist doch nicht verwunderlich, das bei Menschen, auch denjenigen, die hier nur lesen oder schreiben, Emotionen hochkommen, wenn es um eine Geschlechtsangleichung von einem jugendlichen Menschen, der offensichtlich auch noch andere psychische Baustellen hat, geht.

    Plüschbiest, Lehrerin?


    Nein, bin hier aber irgendwie beim Lesen durcheinander gekommen, ;-D

    Ich habe einige Beiträge offensichtlich überlesen.|-o


    Das Wort Geschlechtsumwandlung ist natürlich nicht verboten, aber viele Betroffene lehnen diesen Begriff ab.

    Aus Respekt den Betroffenen gegenüber verwende ich diesen Begriff nicht mehr.


    @ Schlabbermaul,

    viele Betroffenen gehen den Weg der Angleichung nicht, um danach immer wieder mit ihrem "alten Leben" konfrontiert zu werden.

    Die allerwenigsten möchten nach einer Angleichung "enttarnt" werden.

    Betroffene möchten nicht hören, aber du warst früher mal,........

    Die meisten werden antworte, nein ich war füher nie.....,

    ich war immer schon .......

    Ich kann es verstehen dass Criecharlie hier nicht genauere Angaben zum Geschlecht des Kindes macht.

    Graógramán schrieb:
    Plüschbiest schrieb:

    Viele Betroffene möchten dann am besten sofort alles weibliche bzw. männliche entfernt haben, weil eine Frau nun mal nichts männliches bzw. ein Mann nichts weibliches an sich haben möchte.

    Das ist bei einer Body integrity dysphoria ja ähnlich. Bei dieser Erkrankung ist es, soweit ich weiß, so, dass die Betroffenen eine Behinderung (Amputation, Querschnittlähmung, Erblindung etc) als richtig und zu sich selbst gehörend empfinden. Es gibt wohl sogar Fälle, in denen sich BID-Betroffene selbst Gliedmaße amputiert haben, um den realen Körper mit dem als richtig empfundenen Körper in Einklang zu bringen.

    Transidentität ist aber keine Krankheit. Insofern ist ein Vergleich mit einer psychischen Störung, bei der sich Leute Gliedmaßen amputieren wollen, völlig unangebracht.

    criecharlie schrieb:

    es geht nicht um Schuld oder Kind, sondern darum, dass man dem Kind als Erwachsene schon einiges hätte ersparen können, wenn man an einem Strang gezogen hätte, was wir gerne machen bzw. gemacht hätten.

    Was meinst du damit. Bisher verstehe ich das Problem nämlich noch nicht ganz. Ihr wurdet nicht einbezogen, aber als das der Fall war, hattet ihr keine Einwände bzw. unterstütz ihr euer Kind sowieso. Was konkret ist das Problem? Oder geht es dir ums Prinzip?


    Das Thema war dir ja scheinbar auch nicht neu, oder kam die Überrumpelung daher?

    criecharlie schrieb:

    Es ist aber immer noch ein Jugendlicher - aber von den Erwachsenen hätten wir ehrlich gesagt mehr erwartet.

    Meinst du das im Sinne seiner Reife oder bist du einfach nur geschockt, dass andere dein Kind nicht als Jugendlichen sehen, sondern selbstverantwortlichen jungen Erwachsenen? Du schreibst ja selbst, dass es kurz vor Volljährigkeit ist und das passiert ja nicht mit einem Geburtstag. Entweder ist das Kind eben kein Jugendlicher mehr, sondern junger Erwachsener oder nicht. Die paar Monate machen es ja nicht mehr aus. Allerdings hat es eher etwas Erwachsenes gemacht, nämlich seine Entscheidung für sich ohne euch einzubeziehen getroffen. Aber nur du kannst es einschätzen. Meisnt du, dass euer Kind noch keine entsprechende geistige Reife für diese Entscheidung mit Hilfe der Fachleute hatte oder glaubst du, dass die Ärzte es fachlich inkompetenz beraten haben?

    Schlabbermaul schrieb:

    Wieso? Wir kennen doch sie/ihn gar nicht, also auch nicht ihre/seine Kinder.

    Ich finde es auch völlig irrelevant, welches Geschlecht das Kind oder auch criecharlie hat.

    Bater W. schrieb:

    Die allermeisten Eltern wollen informiert sein, wenn bei ihren MINDERJÄHRIGEN Kindern so eine Behandlung begonnen wird, unabhängig von der Rechtslage.

    Verstehen kann man das sehr schnell. Viele Eltern haben Schwierigkeiten sich abzunabeln bzw. sind dann mal schockiert, wenn ihr Kind, das eben kein Kind mehr ist, eigene Entscheidungen trifft und sie nicht einbezieht. Es kann natürlich einer der Gründe sein, dass das Kind kein Vertrauen hat, es kann auch sein, dass es einfach richtig erzogen wurde und es sich zutraut eine eigene Entscheidung zu treffen, weil es weiß, dass die Eltern trotzdem hinter es stehen.

    Evoluzzer schrieb:

    Ein Psychologe, der frei von "Umwelt" therapiert, ist für mich allerdings ebenso schwer vorstellbar. Wer weiß, was da wieder an Formulierung daneben gegangen ist.

    Das hätte ich jetzt nicht so verstanden, sondern dass er den jungen Erwachsenen als Patient sieht und ihn unterstützt, nicht unbedingt notwendigerweise so, dass er die Welt um es herum ausschließt und nicht berücksichtigt. Er bekommt den Auftrag von cirecharlies Kind und vielleicht sieht er in ihm kein Kind, keinen Jugenlichen, sondern einen jungen erwachsenen Menschen.

    Schlabbermaul schrieb:

    Politische Korrektheit lässt grüßen.

    Spricht ja nichts dagegen, auch dazuzulernen.

    criecharlie schrieb:

    Nachdem Kind offensichtlich hohen Leidensdruck hat, was ich nachvollziehen kann, haben wir nun in einem organisatorischen Kraftakt alles regeln können, damit es mit der Behandlung anfangen kann, aber wir Eltern fühlen uns von Psychiater/Psychologen so richtig über den Tisch gezogen.

    du schriebst, dass ihr das innerhalb wenger Tage geregelt habt.

    Warum so schnell... vielleicht kommt daher das Gefühl über den Tisch gezgen worden zu sein - erst werdet ihr außen vor gelassen , dann aber doch zum regeln benötigt.


    Vielleicht hättet ihr da ein bisschen Zeit gebraucht um auch mizukommen. Denn beim unterstützen werde ihr gebraucht , deswegen solltet auch ihr euch Zeit nehmen es zu verarbeiten und nicht nur funktionieren müssen.


    Warum hatte es denn nicht nochz. B. einen Monat Zeit?


    Vielleicht seid ihr in dem KOnflikt eurer Kind unterstützen zu wollen , tolerant zu sein ... aber eben doch einiges anders zu sehen ..ihr macht es weil ihr gute Eltern seid wollt ... sozusagen vom Kopf her , das Gefühl kommz aber noch nicht mit und rebelliert?

    marblemadness schrieb:

    Transidentität ist aber keine Krankheit. Insofern ist ein Vergleich mit einer psychischen Störung, bei der sich Leute Gliedmaßen amputieren wollen, völlig unangebracht.

    Was krank und was gesund ist, ist oft nicht glasklar voneinander zu trennen. Und die Definitionen ändern sich ja auch immer wieder mal.


    Zitat

    Nach ICD-10, der bis Juni 2018 gültigen Fassung der Internationalen Klassifizierung von Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme der Weltgesundheitsorganisation, zählte Transsexualismus (F64.0) als Geschlechtsidentitätsstörung zu den Persönlichkeits- und Verhaltensstörungen. Diese Klassifikation wurde mit der ICD-11,welche im Juni 2018 verabschiedet wurde, gestrichen. Stattdessen ist gender incongruence („geschlechtliche Nichtübereinstimmung“) enthalten, welches wertfrei als Zustand verzeichnet ist, welcher medizinisch von Belang ist. Der neue Katalog soll 2022 in Kraft treten, 2019 wird er den WHO-Mitgliedsstaaten vorgelegt.


    Quelle: https://de.m.wikipedia.org/wiki/Transsexualität

    Vielleicht seid ihr in dem KOnflikt eurer Kind unterstützen zu wollen , tolerant zu sein ... aber eben doch einiges anders zu sehen ..ihr macht es weil ihr gute Eltern seid wollt ... sozusagen vom Kopf her , das Gefühl kommz aber noch nicht mit und rebelliert?


    Das wäre auch mein Gedanke.

    Heutzutage muss man ja tolerant und politisch korrekt sein, auch wenn das Gefühl was anderes sagt


    Plüschbiest schrieb:

    Ich vermute Criecharlie fühlt sich einfach total überrumpelt.

    Zack und ab ins kalte Wasser geschmissen.

    Das liegt dann aber auch daran, dass man zwar eingeweiht war, aber sich nie so wirklich klargemacht hat, was die Schritte bei einer Geschlechtsangleichung so sind. Man geht doch als Eltern nicht davon aus, dass es bei ein bisschen Therapie und Namensänderung bleibt.

    Enttäuschung und ein "Jetzt ging alles so schnell voran"-Gefühl seien criecharlie ja zugestanden. Alles normal, natürlich. Aber diese Wut und das Aufregen über die Behandler - nee, die Verantwortung darf man auch bei sich selbst suchen.

    Graógramán schrieb:

    Was krank und was gesund ist, ist oft nicht glasklar voneinander zu trennen. Und die Definitionen ändern sich ja auch immer wieder mal.

    Sie ändern sich nicht immer wieder mal, sondern jetzt endlich in die Richtung, dass es keine Krankheit bzw. mehr Störung ist. Zeit wurde es ja.


    Betroffene müssen sich immer noch von 2 Gutachtern als "geistig gestört" einstufen lassen, um Anspruch auf medizinische Leistungen zu erhalten. Das ist nach wie vor gegenwärtige Praxis.

    Plüschbiest schrieb:

    Es ist sehr schwierig überhaupt einen Psychologen zu finden, der so eine Therapie durch führen darf.

    Dazu bedarf es speziell ausgebildeter Psychologen

    Hast du dafür eine Quelle?

    Ich kann die TE verstehen, auch wenn das Kind bald 18 wird ... alles total vorbei an den Eltern zu machen finde ich von den behandelnden Ärzten auch nicht o.k.


    Gerade weil die Eltern tolerant sind wäre es doch sinnvoll gewesen die Eltern mit einzubeziehen, damit sie die Behandlung unterstützend begleiten .


    Die Behandler haben riskert, dass es zum Bruch zwischen Kind und Eltern kommt, was für das Kind ncht gut wäre und in dieser speziellen Situation extrem falsch.


    Zu sagen Kind bald 18, damit braucht es keine Familie mehr ist zwar überspritzt formuliert aber letztendlich oft das was Phsycholgen so empfehlen bei Problemen ...Loslösung von Eltern in extremer Form - das halte ich prinzipiell fü falsch.


    Da auf ein emotionales Zusammenbleiben der Familie hinzuarbeiten wäre sinnvoller und gerade wenn Eltern immer tolerant waren. Seine Familie zu verlieren ist eine traurige Angegelenheit und das durch nicht einbeziehen der Eltern zu riskieren halte ich für falsch. DAs würde ich den Ärzten auch mitteilen.

    wintersonne 01 schrieb:

    Da auf ein emotionales Zusammenbleiben der Familie hinzuarbeiten wäre sinnvoller und gerade wenn Eltern immer tolerant waren. Seine Familie zu verlieren ist eine traurige Angegelenheit und das durch nicht einbeziehen der Eltern zu riskieren halte ich für falsch. DAs würde ich den Ärzten auch mitteilen.

    Tja, da hat der Psychologe wohl andere Prioritäten... Oder musste er gar davon ausgehen, dass zuhause alles mit den Eltern kommuniziert, abgesprochen und paletti ist. Wir wissen es nicht. Vielleicht kommt von Criecharlie auch mal wieder etwas Information, bevor es zu sehr in Richtung Spekulation geht.

    Zu lesen ist für mich, dass sich die Eltern hier nicht "mitgenommen" gefühlt haben. Ich denke, dass das ein ebenso berichtigtes Anliegen der Eltern ist und bleiben muss. Denn wenn etwas schief läuft, wer ist denn dann noch da? Da bleiben dann ja nur die zurückgelassenen Eltern als Anlaufstelle. Etwas mehr Familientherapie scheint hier durchaus angesagt.

    Problem ist eben, wenn jeder nur auf seine eigene Baustelle schaut, dann klappt es möglicherweise eben zum Schluß nicht mehr so gut mit den Nachbarn.