• Schweigepflicht Minderjährige/Hormontherapie

    Mein Kind hat im letzten Winter darauf bestanden, eine Psychotherapie anzufangen. Es ist minderjährig, aber knapp vor Volljährigkeit. Wir wussten nicht, warum es das wollte und haben auch nicht nachgebohrt und alle Befreiungen für die Schule etc. ermöglicht. Die Psychotherapie wurde über seinen Psychiater aus der Autismus-Ambulanz vermittelt, dort…
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    Zitat

    Dass dies allerdings nur die Außenansicht ist, ist mir jetzt auch sehr viel deutlicher geworden.

    Äußere und innere Identität hängen zusammen, bedingen sich gegenseitig;

    wir sind nicht nur nach außen "cool" - es ist nicht so einfach. Ein Teil unseres Inneren "brodelt", aber der andere Teil, der uns sagt, dass es für das Kind besser ist, es nun bei all seinem erlebten Chaos nicht auch noch mit unseren Sorgen (erfahrenere, älterer Individuen in einer ganz anderen Position im sozialen Raum Familie) zu belasten. Das wäre für das Kind zu viel. Andererseits kann man nicht nach außen "cool" sein, wenn nicht wenigstens ein kleiner Teil des Inneren es nicht auch ist, irgendwo ist die Grenze der Ratio mal gesetzt und das Verhalten ist immer auch emotional induziert. Insofern ist hier beides:

    "cool" nach außen, befeuert von einem inneren Teil, der auch "cool" ist, ergänzt durch Vernunft die uns sagt: unser Problem. Trotzdem bleibt noch ein Teil, der weint. Der aber nicht alles dominiert.

    Ich kenne mich mit den genannten Thematiken überhaupt nicht aus, deshalb verzeiht bitte meine Fragen, falls sie unangebracht sein sollten:


    Ist es denn üblich, die Geschlechtsangleichung nach nur etwa sechs Monaten Psychotherapie schon in die Wege zu leiten? Zumal es sich um eine jugendliche Person, deren geistige und körperliche Entwicklung altersgrmäß noch gar nicht abgeschlossen ist und die noch dazu andere "Baustellen" (Autismus) hat, handelt?


    Ich finde es toll, dass ihr eure Kinder unterstützt und sofort alles erforderliche getan habt, damit die Sehnsucht/das Leiden dieses Kindes gemildert werden kann. Und gleichzeitig frage ich mich, warum ihr euch vom Verhalten eures Kindes (nicht mehr zugänglich, weil sich der Beginn der ersehnten Hormontherapie um wenige Tage verschiebt) so unter Druck habt setzen lassen? Es ist doch nur natürlich, dass sich die erste Hormongabe durch bürokratische Dinge verzögern wird und dass gerade ihr als Eltern Zeit brauchen werdet, um die "Neuigkeit" zu verarbeiten und eure Zustimmung zu geben. Haben die behandelnden Ärzte das denn nicht mit eurem Kind besprochen? Die Reaktion eures Kindes wirkt auf mich weder reif noch erwachsen, sondern eher unreif und kindlich. Als Außenstehende frage ich mich deshalb, ob dieser Mensch denn tatsächlich (schon) in der Lage ist, die Konsequenzen der nun folgenden Therapien zu überblicken?

    :)^Deswegen bei mir immer "Jugendlich" oder "Kind";

    die Asperger-Komponente verstärkt das Ganze noch. Es ist nicht möglich bei einem Jugendlichen 17jährigen Asperger, aufgewachsen in der Manga-Kultur zu sagen:

    ja, alles in kurzer Zeit abgeklärt. Langfristig muss der richtige Weg ohne Reue gefunden werden und die Abzweigungen sind so gar nicht klar im Moment, aber jede hat große Konsequenzen.

    Zitat

    Egal, wo oder wie oder wodurch man "verliert" - das, was da war, ist nicht mehr.

    Hast du mal überlegt, ob du dadurch nicht etwas Neues gewinnen wirst? Einen Menschen, der einen selbstbestimmten Weg gehen wird. Mit einer ausgeprägten Persönlichkeit. Ist alle eine Sache der Perspektive. Alles Gute @:).

    Deswegen kann man über das Verlorene trauern. Man trauert auch um seine Eltern, seine alte Kernfamilie, auch, wenn man seine "neue", die Familie mit eigenen Kindern dazu gewonnen hat. Übergänge sind immer mit (kleinem oder großem) Schmerz verbunden. Und den kann die "Freude" nie ganz kompensieren. Wie oben schon extrem limitiert dargestellt:

    Identitätskonstruktionen sind viel dimensioniert. Emotional, affektiv und kognitiv. Sowohl aus der Geber als auch aus der Nehmerperspektive.

    criecharlie schrieb:

    es sind zwei Ebenen. Eltern/Institutionen (1)

    Offenbar gibt es aber die Ebene Eltern/Institutionen nicht, siehe Schweigepflicht. Es gibt die Ebene Kind/Institutionen (bzw Behandler) und Kind/Eltern.

    Bei mir entwickelt sich der Eindruck, du vermischst die Ebenen bzw bist gekränkt, dass es keine Ebene Eltern/Institutionen gibt. Da können aber weder Kind noch Institutionen/Behandler etwas dafür, wenngleich ich dein Gefühl des Überfahrenseins voll und das des Gekränktseins in Teilen nachvollziehen kann.

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    Wenn er/sie die Operationen an seinem/ihrem - gesunden - Körper vornehmen lässt, kommt dabei kein gesunder und voll funktionsfähiger Körper des anderen Geschlechts heraus, sondern schlimmstenfalls nichts Fisch, nicht Fleisch; also gerade nicht so, als ob er/sie so geboren wäre im ersehnten Geschlecht/Körper. Das ist dem/der Betroffenen hoffentlich bewusst?

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    Ich meine ja nur, weil einige Transsexuelle auch nach den OPs unglücklich sind, weil sie unmittelbar erleben, was nicht möglich ist und wo die (körperlichen) Grenzen liegen.


    Wenn es ihm/ihr wichtig ist, den Körper des anderen Geschlechts zu bekommen, also vor allem die typischen Geschlechtsmerkmale und Körperformen/Gesichtszüge etc., kann das in einer ziemlichen Enttäuschung enden. Ist eine Abwägungssache.


    Wenn er/sie nur mit den Geschlechtsstereotypen bzgl. des angeborenen Geschlechts und mit dem eigenen Körper hadert, aber nicht explizit ... sorry .. Penis/Vagina, Klitoris usw., Brüste/Bart etc. - eben die Körperteile des anderen Geshclechts - haben möchte, könnte er/sie sich auch mit den Geschlechtsstereotypen auseinandersetzen und sich im eigenen Körper eine Nische suchen sozial. Die für das jeweilige Geschlecht akzeptierten Verhaltensweisen, Hobbys, Kleidungen etc. sind heutzutage ja zum Glück nicht mehr sooo eng gesteckt.

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    ps:

    Wenn er/sie evtl. auch wegen des Autismus' andersartig ist für die Geschlechtsgenossen und sich deshalb nicht als Mädchen/Junge fühlt (wird einem auch gerne so gespiegelt in dem Teenageralter, wenn man irgendwie eatypisch für sein Geschlecht ist), ist die Ursache keine Transsexualität.


    Möchte ich nur bedenken geben, weil ich das mitbekommen habe, dass jemand seinen Frauenkörper abgelehnt hat (und traumatisiert) war aufgrund von sexuellen Übergriffen in der Kindheit, und sich in die Vorstellung geflüchtet hat, dass Jungen "nicht befleckt"/cooler wären und "sie" deshalb eigentlich keine (*Aufzählung sämtlicher negativer Geschlechtsstereotype über Frauen*), sondern ein Junge. ... "Sie" hat ernsthaft die Diagnose Transsexualität bestätigt bekommen mit 18 und bekam auch Hormone etc..


    Kann man ja machen, wenn man sich so glücklicher fühlt, nur erscheint mir in solchen Fällen das Problem nicht im angeborenen Geschlecht/Körper gelagert.

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    Möchte ich nur bedenken geben, weil ich das mitbekommen habe, dass jemand seinen Frauenkörper abgelehnt hat (und traumatisiert) war aufgrund von sexuellen Übergriffen in der Kindheit, und sich in die Vorstellung geflüchtet hat, dass Jungen "nicht befleckt"/cooler wären und "sie" deshalb eigentlich keine (*Aufzählung sämtlicher negativer Geschlechtsstereotype über Frauen*), sondern ein Junge. ... "Sie" hat ernsthaft die Diagnose Transsexualität bestätigt bekommen mit 18 und bekam auch Hormone etc..


    Nur weil jemand in der Kindheit missbraucht wurde heißt das nicht automatisch dass keine Transsexualität vorliegt.

    Die Psychotherapie ist ja unter anderem deswegen vorgeschrieben um eben solche Gründe wie du sie hier ansprichst für eine Transition auszuschließen.

    Mann muss zu zwei Gutachtern die beide die unabhängig voneinander ein Leben im falschen Körper bestätigen müssen,

    Es wäre übrigens sehr nett von dir diese Person als Mann zu akzeptieren und nicht das Pronomen sie zu verwenden

    Und nur weil da jemand denkt Jugs sind cooler etc. muss das ja nicht automatisch bedeuten, dass das die Gründe für eine Transition waren.

    Ich hab in jungen Jahren Jungs auch mitunter beneidet, weil sie Dinge selbstverständlich ausüben durfte die man uns Mädels gerne verweigert hat.

    Ich wäre deshalb aber sicher nicht hingegangen und hätte über eine Angleichung nachgedacht.

    Ich bin aber heute ganz froh drüber dass auch Mädels so genannte Männerberufe wählen dürfen und Männer sogenannte Frauenberufe ausüben dürfen.

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    Plüschbiest schrieb:

    Und nur weil da jemand denkt Jugs sind cooler etc. muss das ja nicht automatisch bedeuten, dass das die Gründe für eine Transition waren.

    Es ging in ihrem Fall darum, dass der eigene (weibliche) Körper als "dreckig" abgelehnt wurde. Explizit auch ausgelöst durch den Missbrauch. Ging eben in die sexuelle Schiene mit dem dreckig, schmutzig, unrein etc.. Der Missbrauch erfolgte durch die Mutter, weshalb ein schlechtes Frauenbild bei ihr entstanden ist. Sie wollte sich größtmöglich von Frauen/weiblichen abgrenzen. Deshalb die OPs.


    Natürlich lassen sich die meisten Missbrauchsopfer nicht zum anderen Geschlecht umoperieren, nur weil sie ihren eigenen Körper und ihr eigenes Geschlecht infolge der Traumatisierung ablehen. Nur ist doch klar, was der Psychologe hören möchte, damit man den "Schein" bekommt und die Diagnose transsexuell.


    Plüschbiest schrieb:

    Ich hab in jungen Jahren Jungs auch mitunter beneidet, weil sie Dinge selbstverständlich ausüben durfte die man uns Mädels gerne verweigert hat.

    Ich wäre deshalb aber sicher nicht hingegangen und hätte über eine Angleichung nachgedacht.

    Hm mir ging es ähnlich, durfte auch einiges nicht, weil "für mein Geschlecht nicht schicklich", und hatte als Kind und Teenager lange damit gehadert, nicht als jemand des anderen Geschlechts geboren worden zu sein. Aber OPs + Hormone wären kein adäquater Ersatz gewesen für mich, deshalb habe ich es gelassen. Transsexuell bin ich aber definitiv nicht.

    • Neu
    _Equinox_ schrieb:

    Es ging in ihrem Fall darum, dass der eigene (weibliche) Körper als "dreckig" abgelehnt wurde.

    Edit: dreckig, schwach etc. <= auch auf Frauen generell gemünzt, die hatte ein völlig klischeemäßiges Bild davon, wie Frauen und wie Männer bzw. Mädchen/Junge allesamt wären. ... Solche engen Vorstellungen sind ja immer noch sehr verbreitet, auch ohne dass die Leute missbraucht worden wären.


    Einige Transsexuelle pflegen diese überholten Geschlechterklischees besonders stark. Sie sagen dann zB, dass sie immer schon in Wirklichkeit ein Junge gewesen wären, weil sie als Kind lieber mit Bauklötzen gespielt hätten statt mit Puppen etc.. ... Das ist bezeichnend. Wenn sie sagen würden: Ich wollte immer schon einen Penis statt einer Klitoris u. Vagina etc. haben, könnte ich solche Menschen ernst nehmen.