Kleio

    Zitat

    Aufgrund eines Vorurteils Selbstmord?

    Ein Vorurteil? Was meinst du?

    Zitat

    Ich könnte, jetzt einen Satz schreiben, den du mir an den Kopf zurückschmeißen wirst, aber daran kannst wirklich nur Du etwas ändern und dass es nicht leicht ist, das steht außer Zweifel.

    hmmm, soll ich den Satz jetzt nun zurückwerfen, oder nicht... klar kann nur ich was daran ändern. aber ich könnte es ja auch auf eine endgültige weise ändern.

    Zitat

    aber auch das Leid zu überwinden - wenn ich mich nicht irre.

    ja, schon... beziehugsweise damit zu leben... es ist halt eine der vier edlen Wahrheiten("Das Leben ist leidvoll", "Ursachen des Leidens sind Gier und Hass", "Erlöschen die Ursachen, erlicht das Leiden ", "Zum Erlöschen der Ursachen führt der achtfache Pfad" (oder so ähnlich, ist alles frei zitiert) und bei diesem achtfachen Pfad bin ich halt irgendwo ausgestiegen.

    Zitat

    Ich würde jetzt fragen, ob Du solche Momente nachvollziehen kannst oder leben, aber Du bist ja jetzt entschwunden.

    Ich sagte doch, ich komm zurück: Nachvollziehen kann ich das. Leben? Ich glaube nicht.

    Zitat

    Jetzt etwas langsamer: Wäre es denn etwas, was Du gerne machen würdest?

    gut möglich - ich weiß es nicht. es ist zumindest nichts, was unter "das will ich definitiv nicht" fällt.

    Zitat

    Müsste es sich finanziell lohnen?

    ja.

    Zitat

    Darum finde ich Deine Aussage etwas widersprüchlich, denn damit hast Du ja schon ein enormes Interesse, oder?

    jein. Allgemeinwissen kommt halt auch dadurch, sich im Fernsehen, Büchern, CDs, Internet zu verlieren... und na ja, letztlich kann ich mir nur das Anschauen, was meinen Geist auch beschäftigt. Mit Sendungen wie GZSZ, Dschungelcamp(hieß das so?) oder den sogenannten Dokusoaps kann ich absolut nichts anfangen, und ich würde schnell an was anderes denken... aber dann halt wieder zur Sinnfrage gelangen. Na ja, das was die meisten Teenies halt irgendwann in der Pubertät für sich klären oder sich doch einfach im jugendlichen Alter selbst killen... ich habe es halt nie geklärt. Auch das wird Teil des Problems sein.

    Zitat

    Ich habe es jetzt nicht verstanden - interessiert Dich Dein Studium?

    Manchmal schon. Manchmal nicht. Manchmal will ich was tun, aber andere Dinge interessieren mich mehr.

    Zitat

    Das tust Du doch zumindest ansatzweise hier. Ich finde es allerdings recht schwierig, wenn Du nicht zumindest grob beschreibst, was Du für Probleme hast.

    Mag ich nicht. Aber es ist irgendwo alles dabei: finanzielles, familiäres, zwischenmenschliches... na ja, und der ganz persönliche Umgang mit mir. Mit meiner Paranoja. Und mit meinen wiederkehrenden depressiven verstimmungen.

    Zitat

    Ist Glücklichsein für Dich ein Gefühl?

    Ist es das nicht? Was ist Glück?

    Zitat

    So sehr ich diese Frage gerne umgehen würde, aber wie definierst Du Glücklichsein?

    gar nicht.

    Zitat

    Was würdest Du Dir für ein Leben wünschen? Womit wärst Du zufrieden?

    Ich habe keine Ahnung.

    Zitat

    Mir ist das Leben relativ gleichgültig

    ach?

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    Das einzige, das ich entscheiden kann ist, wie ich es lebe.

    na ja, auch das "ob" ist entscheidbar.

    Zitat

    Eines Tages war meine Entscheidung, dass ich es glücklich verbringen WILL.

    ok. und was hast du daraufhin konkret gemacht?

    Zitat

    Was ist denn ein Tiefphase? Das wirst Du sicher wissen.

    nein, nicht ohne selbstreferenziell zu werden. Ich glaube, ich bin einer von den Menschen, denen es einfach nie richtig gut gehen kann.

    Zitat

    Was Du nicht willst, das weißt Du und kannst es somit ausschließen.

    Joa, aber es wird bei mir auch oft widersprüchlich.... so nach dem motto: ich will nicht ausgehen. ich will aber auch nicht zu hause sein. und das ist ziemlich blöd...

    outsidex

    Zitat

    Die Verantwortung für sein Leben, sollte doch jeder für sich selbst tragen..

    Eben. Deswegen habe ich den Gedanken "Ach hätte er mich doch in ein KH gesteckt" auch nicht - das lag einfach nicht in seiner Verantworung.

    Zitat

    Ich bin zu feige dazu. Und heute ist wieder mal so ein Tag, da verfluche ich meine Feigheit in allen Lebensbereichen; nicht zu letzt die Feigheit mich selbst ...

    Ich verstehe dich. Sehr gut sogar. Obwohl es eine philosophische Richtung gibt, die sagt "Angst ist der Name des Gegners. Des einzigen Gegners." und mir auch sonst sicher niemand den Kopf abreißen wird, kann ich mir beides nicht zu eigen machen.

    Zitat

    Kennst du das Buch "Wenn es dunkel wird" von Kay Redfield Jamison?

    Nein, das kenne ich nicht. Auf der anderen Seite möchte ich meine depressiven Verstimmungen sicher nicht verstärken.

    Zitat

    Aber wenn´s dir besser geht, wenn du drüber redest, kannst du eine PN schreiben.

    Danke, aber das wird nicht nötig sein... Aber es ist lieb von dir.

    Zitat

    Das mit "Wie geht´s dir heute" meinte ich auf den damalig "heutigen" Tag bezogen... also nicht allgemein auf das Heutige. (Ooh je... schon wieder so kompliziert)

    Das verstehe ich nicht.

    Zitat

    nach außen hin top, nach innen hin flop.

    yepp, so ungefähr... ganz objektiv betrachtet geht es mir im vergleich zum rest der welt ja nicht schlecht: ich muss nicht hungerleiden, ich muss nicht fliehen, ich werde nicht beschossen; hej, ich habe eine wohnung, einen schulabschluß, ein auto und sogar einen internetzugang. wieviele menschen in der welt können das schon von sich behaupten?


    andererseits kann man seine existenz ja nun auch nicht darüber definieren... bzw., ich kann es nicht.

    Otilie

    Zitat

    Von da an ging es immer schlechter- Depression (die ich nicht war haben wollte- ich doch nicht)

    Das denke ich allerdings auch manchmal. Was jetzt? Depressionen? So'n quatsch: Ich mach jetzt das und das und das und dann geht's mir auch wieder gut. Tja, bis ich feststelle, dass ich 2 von den 3 "das" einfach weglasse, weil ich mich entweder nicht drum kümmern mag (aus Angst vor möglichen Folgen) oder weil ich meine Zeit einfach anderweitig verbraten hab (z.B. hier).

    Zitat

    Die ersten Wochen waren echt schlimm, aber heute weiß ich, dass es mir sehr geholfen hat- es war teilweise so ein bisschen wie "Schutzraum"

    egal wie, aber eingesperrt sein, will ich absolut in keiner weise. dann brauche ich mich nicht umbringen - dann sterbe ich von ganz alleine. es gibt für mich wirklich kaum etwas schlimmeres als unfreiheit: dagegen, also gegen das Problem schnellstmöglich frei zu sein, erscheinen dann alle anderen Probleme eher banal.


    Ich sehe wahrscheinlich aber auch zuviel als Problem an:


    Ein Freund von mir sagte mal: "Wenn du eine Million im Lotto gewinnen würdest, dann würdest du sagen 'so'n scheiß, was mach ich'n jetzt damit?'" Und, irgendwo hat er damit auch Recht.

    Zitat

    Es gibt immer wieder Tage, an denen denke ich, dass es nicht weiter geht, dass es eh sinnlos ist.

    Was machst du in genau einem solchen Moment?

    Zitat

    Das Verrückte ist, dass ich genau weiß, dass es kein Problem ist, die Arbeit fertig zu schreiben,

    Na, so genau weiß ich das leider nicht...

    marvin

    Zum Buddhismus:

    Zitat

    das Leben ist leidvoll (...)


    ja, schon... beziehugsweise damit zu leben... es ist halt eine der vier edlen Wahrheiten ("Das Leben ist leidvoll", "Ursachen des Leidens sind Gier und Hass", "Erlöschen die Ursachen, erlicht das Leiden ", "Zum Erlöschen der Ursachen führt der achtfache Pfad" (oder so ähnlich, ist alles frei zitiert) und bei diesem achtfachen Pfad bin ich halt irgendwo ausgestiegen.

    Ich denke, es geht dem Buddhismus zum Teil darum, dass Leiden zu ueberwinden, zum Teil aber auch, es zu akzeptieren. Und es ist so, dass es zu akzeptieren schon ein Teil der Ueberwindung ist.


    Wie waere es denn, wenn du mit dir selber einen Vertrag machtest, in welchem du dich dazu verpflichtest, das Leben zwei Jahre lang einfach zu akzeptieren, unabhaengig davon, wei sinnvoll, leidvoll und motivierend es ist? (Ich will nicht sagen, du solltest dies tun - das musst du schon selber wissen - es koennte auch als reines Gedankenexperiment brauchbar sein.)


    Dann bekaemest du zwei Jahre Leben mit allen Leiden, aber abzueglich der Sinnzweifel, denn du hast dich verpflichtet, das mal einfach so zu akzeptieren. Waere es denkbar, dass das alleine die Sache schon etwas verbessert? Dieses koennte vielleicht die Idee illustrieren, dass Akzeptanz Teil der Ueberwindung ist.


    Es ist unheimlich schwer, Buddhismus zu erklaeren, und die Buddhisten legen, soweit ich das mitbekommen habe, m.E. zurecht viel Wert darauf, dass Erklaerung und Durchdenken ohne Praxis nichts bringt. Die buddhistische Praxis allerdings ist etwas anderes als Therapie. Es geht um Erfahrungen, und um Befreiung. Es geht darum, sich einer Paradoxie zu stellen: Sich von den Fesseln einer rationalen Reflektion freizumachen, wo es doch rationaler Reflektion bedarf, um den Sinn des sich Freimachens von diesen Fesseln zu erkennen. Erleuchtete Menschen berichten, dass sie die Art und Weise, wie sie frueher Meditation betrieben haben, und ihre Art, Befreiung und Erleichterung erreichen zu *wollen*, im Nachhinein als Irrweg ansehen. Trotzdem waeren sie, wenn sie das nicht mal angefangen haetten, nicht dahin gekommen, wo sie nun sind. Noch ein Paradox. An einer Stelle weitermachen, obwohl einem der Sinn abhanden kommt, gehoert dazu. Ob das motivierend ist?


    Von mir wuerde ich behaupten: Ich habe angefangen, ich bin ausgestiegen, aber ich glaube ehrlich, verstanden zu haben, wie es funktioniert und warum es gut ist (auch wenn ich's vermutlich nicht vollstaendig erklaeren kann - es sind auch so viele Paradoxien drin, die man akzeptieren muss). Noch ein Paradox Ich lege es mir als Schwaeche aus, ausgestiegen zu sein, und vielleicht fange ich irgendwann wieder an.

    marvin

    Einer der wesentlichen Punkte im Buddhismus ist m.E. Mitleid und Mitfreude. Wie ist deine Beziehung zum Leid und zur Freude anderer Leute? Wuerdest du Sinn darin sehen, andere Leute zu freuen oder ihnen Leid zu erparen oder zu erleichtern?


    Ich wuerde meinen: Ja. Schliesslich hast du mehrfach gesagt, du wuerdest Dinge tun, um andere nicht zu enttaeuschen.

    marvin

    Zitat

    ganz objektiv betrachtet geht es mir im vergleich zum rest der welt ja nicht schlecht: ich muss nicht hungerleiden, ich muss nicht fliehen, ich werde nicht beschossen; hej, ich habe eine wohnung, einen schulabschluß, ein auto und sogar einen internetzugang. wieviele menschen in der welt können das schon von sich behaupten?

    Kokolores. Wie es einem geht, ist vollkommen subjektiv. Mal abgesehen davon, dass das Konzept Objektivitaet ohnehin grundsaetzlich nicht funktioniert, ist es bei dieser Sache nun wirklich voellig fehl am Platze.


    Es geht dir, wie es geht, und wenn es dir trotz Internetzugang schlecht geht, dann ist das eben so. Punkt.

    Zitat

    andererseits kann man seine existenz ja nun auch nicht darüber definieren... bzw., ich kann es nicht.

    ...was meiner Meinung nach fuer dich spricht...


    Aber wenn dem so ist, warum vermischt du so oft dein inneres Befinden mit aeusseren Zwaengen und Anreizen? Also warum mokierst du Zeitverschwendung (wenn du selbst sagst, du weisst gar nicht, wie du deine Zeit sinnvoll verbringen kannst) und forderst finanziellen Nutzen (wenn du doch weisst, dass sowas zur Sinngebung deiner Existenz nichts beitraegt)?


    Du hast extrinsische Motivation bemaengelt und willst mehr intrisische... aber in vielen scheinst du dich innerlich sehr von extrinsischen Anforderungen abhaengigh zu machen.

    Zitat

    Ich verstehe dich. Sehr gut sogar. Obwohl es eine philosophische Richtung gibt, die sagt "Angst ist der Name des Gegners. Des einzigen Gegners." und mir auch sonst sicher niemand den Kopf abreißen wird, kann ich mir beides nicht zu eigen machen.

    Wie meinst du das: "kann ich mir beides nicht zu eigen machen". Da steh ich jetzt irgendwie auf dem Schlauch.

    Zitat

    Kennst du das Buch "Wenn es dunkel wird" von Kay Redfield Jamison?


    Nein, das kenne ich nicht. Auf der anderen Seite möchte ich meine depressiven Verstimmungen sicher nicht verstärken.

    Kann ich verstehen. Das Buch handelt von Suizid... die Autorin hat selbst einmal versucht sich selber das Leben zu nehmen; mittlerweile ist sie Psychologin. Naja... falls es dir mal besser gehen sollte, kannst du ja mal ein bischen reinschnuppern.

    Zitat

    Das mit "Wie geht´s dir heute" meinte ich auf den damalig "heutigen" Tag bezogen... also nicht allgemein auf das Heutige. (Ooh je... schon wieder so kompliziert)


    Das verstehe ich nicht.

    Naja... war ja auch blöd beschrieben und eigentlich wäre es auch wurst gewesen. Vor ein paar Tagen wollte ich dich nur fragen, wie es dir an diesem einen Tag geht. Vielleicht hast du es allgemein auf dein momentanes Leben bezogen. Aber ist ja auch egal...

    Zitat

    yepp, so ungefähr... ganz objektiv betrachtet geht es mir im vergleich zum rest der welt ja nicht schlecht: ich muss nicht hungerleiden, ich muss nicht fliehen, ich werde nicht beschossen; hej, ich habe eine wohnung, einen schulabschluß, ein auto und sogar einen internetzugang. wieviele menschen in der welt können das schon von sich behaupten?


    andererseits kann man seine existenz ja nun auch nicht darüber definieren... bzw., ich kann es nicht.

    Ich kann es auch nicht. Es gibt Menschen, die sind von innen heraus glücklich, obwohl sie im Urwald Leben und kein Auto und kein Telefon haben. Aber es gibt glaube ich mehr Menschen, die unglücklich sind, obwohl sie Auto, Internet und Telefon haben.


    Mein Leben ist ab einem gewissen Punkt sehr von negativen Ereignissen geprägt. Allerdings waren das keine Ereignisse von körperlicher Gewalt. Und doch meine ich, dass viele Menschen, die körperliche Gewalt erfahren haben, glücklicher sind als ich und mit diesen negativen Ereignissen besser zurecht kommen, als ich mit meinen "nur" phsychisch negativen Ereignissen. Und wenn ich an sowas denke, dann fühle ich mich noch mehr als Versager.


    Es ist irgendwie schon traurig, wie viele auch junge Menschen es mittlerweile gibt, die unglücklich sind, obwohl ihnen ihr Umfeld mehr bieten kann, als in anderen Teilen der Welt.

    @ marvin

    Zitat

    egal wie, aber eingesperrt sein, will ich absolut in keiner weise. dann brauche ich mich nicht umbringen - dann sterbe ich von ganz alleine. es gibt für mich wirklich kaum etwas schlimmeres als unfreiheit: dagegen, also gegen das Problem schnellstmöglich frei zu sein, erscheinen dann alle anderen Probleme eher banal

    Ja, das kann ich verstehen. Ich habe einen Arzt in der Klinik mal übelst beschimpft (die Worte kann ich gar nicht wiedergeben- echt krass, ich schäme mich heute noch), weil er mich eingeschlossen hat. Ich war schlimm suizidgefährdet und im nachhinein bin ich ihm sehr dankbar, weil er mich nicht ruhiggespritzt hat, sondern sich auf ein "Gespräch" mit mir eingelassen hat.


    Tja, was mache ich, wenn die Sinnlosigkeit mich mal wieder gefangenhält?


    Sehr unterschiedlich. Am besten hilft oft der Gedanke an meine Kinder- also eher der, dass ich nicht will, dass sie Schuldgefühle haben wegen meines Todes. Der Große (11) macht sich sowieso schon oft genug Sorgen, selbst wenn ich versuche so zu tun als ob alles in Ordnung ist, er hat sehr feine Antennen.


    Ich zwinge mich oft etwas zu tun, auch wenn es im Moment sinnlos oder nicht zu verwirklichen erscheint. Aus Erfahrung weiß ich, dass es mir hinterher meist besser geht.


    Und manchmal gestehe ich mir einfach meine Traurigkeit zu. Über manche Umstände in meinem Leben bin ich sehr traurig und das kann auch keiner schön reden. Oft hilft mir dieses akzeptieren.


    Meistens versuche ich mit Leuten zu reden, von denen ich weiß, dass sie mich verstehen. Ich neige dazu, Probleme zu sehen, wo keine sind, zu generalisieren bzw. zu katastrophisieren. Nach so einem Gespräch sehe ich meist klarer.


    Ich bekomme es oft schlecht allein hin Ordnung in mein Gedankenchaos zu bringe, aber im Gespräch geht es oft besser.


    Und zu meiner Arbeit- die ist zur Zeit echt ein Problem. Ich schreibe nicht gut, bin eher der Typ für mündliche Prüfungen (Ich wollte das Studium schon schmeißen, obwohl ich alle Prüfungen bestanden habe, keine schlechter als 1,7, aber das ist auch so ein Problem- ich denke immer, irgendwann muss doch mal einer rausbekommen, dass ich eigentlich nichts kann und alle nur täusche. Wahrscheinlich fällt es mir deshalb so schwer, die Arbeit zu schreiben, weil da steht es ja dann schwarz auf weiß).


    Habe mich jetzt meinen kompletten Urlaub krank schreiben lassen und beim Prüfungsamt eine vierwöchige Fristverlängerung bekommen. Die Zeit habe ich mir als Auszeit genommen- mit meinen Kindern Kinderkassetten gehört, Kinderbücher gelesen, nichts gemacht und versucht, dabei kein schlechtes Gewissen zu haben.


    (Meine schönste Vorstellung zur Zeit: Alle Bücher fristgerecht in der Uni- Bibo abgeben und meine Arbeit beim Prüfungsamt vorlegen- fertig geschrieben und gebunden.


    Oh man, hört sich doch gar nicht so schwer an...)

    Kleio

    Nein, ich kenne die Fäden nicht.

    Zitat

    Angst VERSTEHEN statt Angst HABEN?


    Forum/Psychologie/148970/1/

    Ich habe es bisher nur überflogen, aber zuerst stieß mir dieses Zitat von dir ins Auge:Ein Schritt zur gedanklichen Umsetzung wäre einmal, die Gedanken, Gedanken sein zu lassen.?


    Ist so ähnlich wie Lewians und letztlich auch deine "Was soll's - du lebst halt. Also denk nicht weiter drüber nach" - Aussage, die hier auch auf Gedanken zur Angst bezogen sind(was soll's die angst ist halt da, denk nicht weiter drüber nach...)? Und sofort auffällig war auch die Schädelgeschichte? Diese betrifft mich insofern nicht, als ich kaum Ekel habe - meine Angst/Ängste sind ja nicht wirklich objektabhängig (außer bei Riesenrädern, Achternbahnen und sonstigen nicht verschließbaren Räumen in schwindelerregender Höhe). Sie ist eher situativ bedingt... so nach dem Motto: Meine Eltern haben angerufen? Es muss was schlimmes vorgefallen sein... nein, ich mag nicht zurückrufen, ich will es einfach nicht wissen. Und dann mache ich mir logisch klar, dass die notwendigkeit des Wissens besteht, weil die Ungewissheit letztlich viel mehr Schmerz verursacht. Und dann versuche ich es. Und kann es körperlich nicht. Gleiches passiert bei ganz banalen Dingen wie der Verschiebung eines Termins.... das kann ich /hier/ an der Uni glücklicherweise per eMail erledigen, persönlich (oder auch am telefon) würde ich das mit menschen, die ich irgendwann wiedersehe, wiedersehen muss, eher nicht zustande bringen. Ich weiß, dass das niemand nachvollziehen kann. Aber mein Körper wehrt sich. Solange bis ich entscheide, dass zu tun was nicht richtig ist. Dabei ist mir eigentlich logisch völlig klar, dass sie in der Regel nur wissen wollen, wir's mir geht und was ich so mache.

    Zitat

    DBT - Dialektisch - Behaviorale Therapie


    Forum/Psychologie/168417/

    Das kannte ich nicht, werde es mir aber gleichmal zu herzen nehmen.

    Zitat

    Ist Selbstbewusstsein abhängig von der Sicht der Anderen?


    Forum/Psychologie/239176/1/

    Mir fehlt es in der Tat an Selbstvertrauen (und somit sicher auch an Selbstbewusstsein). Aber ich glaube, dass ist gar nicht so sehr auf andere zurückzuführen, ich habe da gerade anderweitig einen denkanstoß erhalten, welchem ich mal folgen muss... zuviele gedanken über die zukunft gemacht... und damit in der zukunft gelebt => die ist aber nicht eingetreten => unzufriedenheit. unzufriedenheit mit sich selbst. was natürlich direkt auf's selbstbewusstsein schlägt. Ich finde das nicht unstimmig. Und so erschreckend einfach - da hätte man doch selbst drauf kommen müssen.

    Zitat

    Das Andere anders sein lassen?!

    Diesen Wink verstehe ich leider gar nicht.


    Ach so nochwas:


    Bitte verzeih mir: die Fäden sind teilweise echt sehr lang. Ist es dir wichtig, dass ich alles aus den Fäden zur Kenntnis nehme? Dann werde ich mir später Zeit dafür nehmen. Dazu bin ich jetzt nicht fit genug. Oder könntest du die Fäden auch auf einen Start- bzw. Endpunkt eingrenzen?

    m a r v i n

    Zitat

    Bitte verzeih mir: die Fäden sind teilweise echt sehr lang. Ist es dir wichtig, dass ich alles aus den Fäden zur Kenntnis nehme? Dann werde ich mir später Zeit dafür nehmen. Dazu bin ich jetzt nicht fit genug. Oder könntest du die Fäden auch auf einen Start- bzw. Endpunkt eingrenzen?

    Ich habe Deine Antworten durchgelesen und mir fiel auf, dass Du so ziemlich jedes Thema, das ich jetzt gepostet habe, gestreift hast. Das waren nicht alle Fäden, aber so als Anfang. ;-) Das sind eben lange Fäden, weil schon alleine Angst (und da gäbe es noch einige) allein schon ein Thema ist, das man eben nicht so schnell überfliegt. Dasselbe bezüglich Selbstbewusstsein usw. usw. Den Faden von Gras-Halm finde ich persönlich sehr gelungen und da gäbe es schon einmal ein paar praktische Gedanken und Übungen, ein paar Dinge, die man sich ordnen kann, denn wenn man das Negativdenken so intus hat, dann wird man schon etwas länger brauchen, um alles wieder ins Lot zu bringen und positive Affirmation z. B. hat mir z. B. damals sehr geholfen, um einmal überhaupt positive Gedanken zu haben. Ich bin mir so etwas von saublöd vorgekommen. %-| Oder ein Lächeln zu produzieren! Was für eine Anstrengung, wo ich mich doch am liebsten 5 km unter der Erde vergraben hätte. Mir ging es ähnlich wie Dir. Im Prinzip hatte ich alles und war unglücklich. Die Leute hatten doch alle keine Ahnung wie mies es mir ging. Die hatten ja alle leicht zu reden. Du liebe Güte - was für ein Schwachsinn, habe ich mir gedacht. Aber so schnell geht es nun einmal nicht, eine andere Einstellung zum Leben zu gewinnen. Ich dachte mir, wenn Dich die Fäden interessieren und Du vielleicht irgendwo etwas findest, womit Du etwas anfangen kannst, was Dich zum Denken anregt und das geht nur, wenn Du Dinge für Dich auch reflektiers, dann ist es ein längerer Erkenntnisprozess. Er ist zeitintensiv und Du könntest es machen, wenn Dir gerade danach ist.


    Positive Affirmation ist eine schwierige Übung, eine, die man nicht wirklich einsieht. Du wirst mir wahrscheinlich gleich an den Kopf schmeißen, dass es Dir doch schlecht geht, Du depressiv bist, Du keinen Sinn siehst, Du manchmal an Selbstmord denkst und es wohl das Allerletzte ist, woran Du denkst, dass Du Dir einen positiven Satz a la "das Leben ist schön" für einen Tag suchen sollst, den Du Dir dann auch nocht täglich bewusst werden sollst. Was für ein Hohn, wirst Du Dir denken: "Die spinnt doch. Ich frage hier, warum ich überhaupt leben soll und diese unsensible Tussy meint, ich soll ernsthaft etwas Positives finden, ich m a r v i n, der seit seinem 11 Lebensjahr mehr oder minder depressiv bin, mehr oder minder Suizidgedanken hat. Das Leben ist doch Scheiße. Was will die von mir überhaupt. Die hat doch keine Ahnung." Wenn es so ist, dann ist das schon der Grund, warum ein einziger einzelner positiver Satz etwas in dieses Negativgerüst ein schwierige Übung ist und mit dem Du anfangen könntest, Deine Einstellung zu ändern. Für mich war es eine Überwindung und es hat lange gedauert, bis ich damit anfangen konnte, weil ich ja das Vorurteil hatte, dass ich es nicht kann. Mein nächstes Problem war, dass ich einfach keinen Satz gefunden habe. An mir war doch alles Scheiße. Ich war doch zu blöd um herauszufinden, was ich wollte, was ich machen sollte, ich war für alles zu blöd, ich war ja zum Leben zu blöd. Hässlich war ich sowieso, niemand hörte mir zu, alle wollten nur etwas von mir und zeigen durfte ich das schon gar nicht. Dafür hatte ich viel zu sehr Angst. Einen Freund hatte ich auch noch nie. Jeder glaubte, dass es mir gut ging, aber innerlich war ich Angstzerfressen. Ich hatte Angst, dass mich niemand mochte, also verbog ich mich bis zum Gehtnichtmehr, ich hatte Angst, dass ich nicht gut genug war, also tat ich in allen erdenklichen Richtungen, dass ich die "Beste" war, usw. Trotzdem war ich innerlich leer, verzweifelt. Ich reichte nie aus. Niemand konnte mir auch nur Anerkennung, Zuwendung zeigen, das ich glaubte, dem ich vertraute. Ich konnte es nicht annehmen. Wenn jemand sagte, ich könnte etwas gut, glaubte ich, dass das eine Lüge war, denn dies und dies konnte ich ja nicht. Wurde meine Intelligenz gepriesen, so fiel mir sofort ein, was ich doch alles nicht wusste. usw. usw.


    Die Werte-Diskussion in Schwimmerins Faden endet natürlich auch wieder beim Selbstbewusstsein, beim Selbstwert. Dass alle Fäden auf einmal zu viel sind, ist mir klar. Ich habe nur nicht gewusst, ob Du bisher im Psychologieforum Fäden mitgelesen hast. Ich kenne Deine Beiträge hauptsächlich aus den Diskussionen im Cafe. Noch ein Grund, warum ich die Fäden gepostet habe ist, dass Du ja hauptsächlich abstrakt über das Thema diskutierst und ich der Meinung bin, dass es ohne Auseinandersetzung, Selbstreflexion nur zu einer abstrakten theoretischen Abhandlung führen könnte. So aber, wird sich meiner Meinung nach aus Deiner Sicht nicht ändern. Ich denke nämlich nicht, dass Dich niemand "überzeugen" kann leben zu wollen. Du kennst das aus den philosophischen Diskussionen. Für jede These gibt es eine Gegenthese. Es geht aber nicht um eine These, sondern um DICH, Deiner Gefühlswelt und Deinen Denkzusammenhängen. Abstrakt also kannst Du jedes Argument aus den Angeln heben. Theoretisch funktioniert alles, praktisch nur, wenn Du Dir das Ziel setzt das und das zu ändern und darauf hinarbeitest. Das funktioniert. Mit Vorurteil meinte ich eben - wenn Du Dir ständig vorsagst, dass Du nicht glücklich sein kannst, dass Du dies und jenes probiert hast, aber es nicht funktioniert hat und Du jetzt nur noch die Wahl hast, Dein Leben unglücklich und problembeladen zu fristen oder ihm ein Ende zu setzen, dann ist es eine selbsterfüllende Prophezeiung. Wenn Du so weitermachst wie bisher, dann wirst Du phasenweise eben immer wieder bei Deiner tiefen Depression landen. Ich könnte natürlich "Anleitung zum Unglücklichsein" von Watzlawick nennen. Ein dünnes Buch. Schnell gelesen. Theorie, Analyse - alles schön und gut, aber dadurch ändert sich Dein Lebenswille, die Lebensfreude nicht.


    Gibt es denn eine Situation in Deiner Kindheit, als Du glücklich warst?

    Hallo Marvin

    Erstmal: ich kann Dich gut leiden @:) bzw. ich kann Deine "Schreibe" gut leiden. Vielleicht bist ja in Wirklichkeit ein Wicht. ;-) ;-D


    Zunächst mal:

    Zitat

    Weil kein Mensch sein ganzes Leben lang immer nur von einem Problem ins nächste stolpern wird. Sonst würde wohl niemand mehr leben - wer hat da schon Lust drauf

    Ich! Ich hab Lust drauf! Und immer her mit der Gewöhnlichkeit, mehr, mehr! Rauf und runter geht es immer wieder. Normalität ist zwar stinklangweilig, aber das nächste kommt bestimmt. Wie beneidete ich früher immer die Leute, deren Leben in gewöhnlichen, oft sorgsamt geplanten, weil vorbestimmten Bahnen verläuft. Ganz ehrlich: ich will das nicht. Vielleicht geht es deshalb immer rauf und runter. Zur Ruhe setzen ist nicht, immer kämpfen, kämpfen, kämpfen.


    Sei ehrlich: dieses Forum lebt deshalb so stark, weil hier viele Leute sind, deren Leben eben nicht in sorgsamt geplanten, geordneten Bahnen verläuft. Und: wir sind doch interessanter? Zumindest einen Tick..;-) oder sehe ich das falsch?


    Auch sehe ich es nicht ein, dass der Mensch alleine von Hoffnung lebt- wozu denn? Auch in der Gewissheit: es wird nicht besser- es wird schlechter, läßt es sich noch leben. Und dieses Leben ist sogar oft brillianter, weil kostbarer als das althergebrachte, welches die Menschen dahindümpeln läßt und immer blinder gegenüber allem lebenden.


    Vielleicht gefällt Dir das:

    Zitat

    Die großen Lebensprobleme sind nie auf immer gelöst. Sind sie es einmal anscheinend, so ist es immer ein Verlust. Der Sinn und Zweck scheint nicht in ihrer Lösung zu liegen, sondern darin, daß wir unablässig an ihnen arbeiten. Das allein bewahrt uns vor Verdummung und Versteinerung.

    (C.G. Jung)


    Grüße