Selbstironie -> Sarkasmus

    Was ist aus meinem Umfeld geworden, dass auf einmal Sarkasmus und Egoismus zur gängigsten Art geworden ist? Mein kleiner Bruder war mal ein süßer Knirps, der schon immer etwas frech war, aber mittlerweile ein richtiges Arschloch geworden ist (meistens zumindest). Mein Freundeskreis war vor einigen Jahren immer hilfsbereit, wir haben über Probleme geredet. Sogar mein damals bester Freund ist mir so fremd geworden, dass ich noch nicht einmal eine Unterhaltung mit ihm führen kann.


    Ist es normal, dass man ab 20 so wird? Ich bin 24 und mein kleiner Bruder 20. Ich habe das Gefühl, meinem ganzen Umfeld geht es nur noch um Konkurrenz und darum, wer der bessere ist bzw darum, wer den anderen mehr dominieren kann.


    Es ist wirklich nicht mehr zum aushalten.


    Ich sehe mich als einen netten und offenen Menschen an, der das alles satt ist. Klar mache ich mal freche Bemerkungen, aber irgendwie auch nur deshalb, weil das der gängige Humor geworden ist. Von Selbstironie hört man wirklich nichts mehr.


    Es ist regelrecht Mobbing, was stattfindet. Ich sehe mich nicht als komisch an, ich bin eigentlich recht "normal" (wenn man das so sagen darf), aber sobald ich Schwäche zeige nutzen dies meine Freunde aus um irgend eine dumme Bemerkung von sich zu geben. Bin ich das, oder sind das einfach die Zeiten? Oder bin ich im falschen Umfeld?


    Ich suche keine überfreundlichen Menschen. Die sind mir sogar meist zu heuchlerisch dauerfreundlich (natürlich gibts Ausnahmen). Ich suche einfach Menschen, die vielseitig sind und dessen Humor nicht immer mit Sarkasmus endet.


    Ist euch sowas auch aufgefallen oder bilde ich mir das nur ein?

  • 84 Antworten

    Das ist ganz normal. Konkurrenzkampf in allen Bereichen ist bei jungen Männern auch schon in jüngeren Jahren Gang und Gäbe. Mobbing wird generell aber im Alter von 20+ heftiger. Das ist eigentlich überall so.


    Es hat einfach etwas mit der Entwicklung zu tun: Wer in jungen Jahren merkt, was er sich alles leisten kann und wie er am besten andere dominiert, wird im Alter nur noch besser und hemmungsloser damit. Wie das im Alter von 30+ ausschaut kann ich hingegen nicht sagen.


    Schwäche zeigen solltest du auf keinen Fall.

    Aber was, wenn das nicht meine Art ist? Es ist anstrengend es immer aushalten zu müssen. Ich kenne viele Menschen aus anderen Ländern bei denen Selbstironie und eine freundliche Art gängig ist. Besonders hier in Deutschland, wo die Wirtschaft im Vordergrund steht, ist eben Konkurrenz angesagt. Ich konkurriere gerne mit Talent und wirklichen Dingen, in denen ich besser bin. Aber dieses vortäuschen man wäre besser, finde ich schrecklich.


    Es ist einfach nicht meine Art und ich komme damit nicht klar in den letzten Jahren. Ich weiss nicht ob das der Grund dafür ist, dass ich mich unter Jungs und Freunden nicht akzeptiert genug fühle? Mit Mädchen bin ich warum auch immer selbstbewusster (kaum zu glauben).


    Als kleines Kind hieß es mit meinen damals besten Freunden Konkurrenz, aber zb darum, wer besser im Fußball ist. Mittlerweile geht es nur noch darum, wer den anderen mehr auf einer psychischen Ebene dominiert und fertig macht. Diesen wirklichen Konkurrenzkampf haben wir natürlich auch noch, aber der psychische steht bei mir irgendwie im Vordergrund und lässt mich nicht klar denken.


    Es ist einfach unglaublich verrückt. Es fällt mir sogar bei Menschen auf, die eigentlich die liebsten Kerle sind. Sie werden alle Arschlöcher bzw. machen einen runter, damit sie sich selbst besser fühlen.


    Schwäche zeigen tu ich ja nicht. Aber nur deshalb, weil ich meinen Freunden oft aus dem Weg gehe. Wenn ich mich psychisch dazu in der Lage fühle unternehme ich was mit meinen Freunden, aber überwiegend ist das nicht der Fall.


    Was soll ich tun? Ich kann nicht mehr derselbe von früher sein. Die Persönlichkeit wird irgendwie nicht mehr akzeptiert. Ich habe das Gefühl, jeder versteckt sich hinter einer Schein-Persönlichkeit die er vorgibt zu sein.


    Ich bin selbst deutsch aber mir fällt es nun mal auf. In Deutschland werden nur dominante Persönlichkeiten geduldet. Besonders in Amerika und Südamerika gibt es eine so große Variation an Persönlichkeiten, die alle akzeptiert werden.


    Ich will nun mal kein Gruppenzwang Mensch sein, sondern mein eigenes Ding tun.

    Die Gesellschaft kannst du nicht ändern. Entweder du passt dich an, findest irgendeine Nischengruppe, die sich anders verhält (womöglich irgendwelche Losertypen mit geringem Selbstbewusstsein, natürlich keine Gewaltbereiten), oder gehst ins Ausland (wenn es denn da wirklich anders ist).

    Ah so siehst du das, für dich sind nette und selbstironische Menschen also loser? Ich halte Kompetenz nicht für Unsinn, aber die Kompetenz, bei der ein Mensch psychisch verachtet wird, schon. Sorry, aber vor diesem Kommentar dachte ich du wärst in Ordnung.

    Nö, das habe ich nicht geschrieben. Ich schrieb, dass du bei Losertypen weniger auf Mobbing stoßen wirst, weil solchen Typen die Basis fehlt, mit denen sie andere fertig machen könnten. Wer selbst keine Stärken hat, kann sich gar nicht erst in den Vordergrund drängen und ebenso wenig versuchen Eigenschaften anderer zu kritisieren.

    @ Paul_Revere

    Mag schon sein was du schreibst, aber um "loser" oder "nicht-loser" ging es mir in diesem Post nicht. Es gibt genauso gut charakterstarke Menschen, die es nicht auf ständige kritik oder Beleidigungen auslegen. Ich denke jeder Mensch steht auf andere, die eine Meinung vertreten und Charakter besitzen. Das steht außer Frage. Ich finde nur, deine Kommentare gehen in die völlig falsche Richtung.

    Ich glaube was du erlebst, ist jetzt nichts untypisches. Menschen entwickeln sich unterschiedlich. Und im Laufe der Jahre hat sich ein Wandel meines Freundeskreises vollzogen. Sprich es sind nur einige wenige aus meiner Jugendzeit übrig, dafür sind andere hinzugekommen. Natürlich nicht von heute auf morgen, sondern eher so im Laufe der Zeit und auch nicht bewusst so "Mit dem will ich nichts mehr zu tun haben.", sondern es ergab sich einfach so.

    Zitat

    Bin ich das, oder sind das einfach die Zeiten? Oder bin ich im falschen Umfeld?

    Ich denke eine Mischung aus dem allem. ;-)

    @ Paul Revere

    Ich sehe das gerade umgekehrt.


    Leute die mobben sind keine starken Persönlichkeiten. Ich sehe das eher als einen schwachen Charakterzug, wenn man sich in einer Gruppe gemeinsam auf einen vermeintlich schwächeren stürzt und diesen fertigmacht. Damit lenkt man womöglich von seinen eigenen Defiziten ab.


    So wie Du das beurteilst, mobben diejenigen die "es sich leisten können" weil sie stark sind. Ich sehe das so, dass man Mobbing nicht nötig hat, wenn man stark ist.

    Zitat

    Mag schon sein was du schreibst, aber um "loser" oder "nicht-loser" ging es mir in diesem Post nicht. Es gibt genauso gut charakterstarke Menschen, die es nicht auf ständige kritik oder Beleidigungen auslegen.

    Na dann mal viel Glück bei deiner Suche. Gib uns bitte Bescheid wenn du diese ominöse Gruppe gefunden hast.

    Zitat

    Ich sehe das gerade umgekehrt.


    Leute die mobben sind keine starken Persönlichkeiten. Ich sehe das eher als einen schwachen Charakterzug, wenn man sich in einer Gruppe gemeinsam auf einen vermeintlich schwächeren stürzt und diesen fertigmacht. Damit lenkt man womöglich von seinen eigenen Defiziten ab.


    So wie Du das beurteilst, mobben diejenigen die "es sich leisten können" weil sie stark sind. Ich sehe das so, dass man Mobbing nicht nötig hat, wenn man stark ist.

    Ja und nein: Natürlich schwingt beim Mobbing eine gewisse Unsicherheit mit. Man fühlt den Drang andere zu dominieren. Es ist eine Schwäche im Charakter. Dennoch mobben immer nur diejenigen, die es sich leisten können, d.h. diejenigen, die in vielerlei Hinsicht stark sind. Starke soziale Stellung, starke Körperkraft etc. Zumindest eine dieser Sachen.


    Und gemobbt werden fast ausschließlich die Schlechteren. Diejenigen, die in einem, oder vielen Bereichen massive Mängel haben.


    Dominanz lenkt häufig die Aufmerksamkeit auf die Schwächen anderer. Wer diese Schwächen offensichtlich selbst hat, der kann das nicht tun. Daher mein Vorschlag Menschen mit vielen Schwächen zu suchen. Zudem werden die wissen wie es sich anfühlt, schlecht behandelt zu werden und vermeiden es sich ebenfalls so zu verhalten.

    Mobben geschieht ja meistens aus einer Gruppe heraus. Dort gibt es "Alphatierchen", auf die Deine geschilderten" Stärken" zutreffen mögen, der Rest der Gruppe sind meistens Mitläufer, die aus Angst, selbst in den Fokus der Gemeinheiten zu rücken, mitmachen.


    Man möchte dazu gehören und sich damit das Selbstbewußtsein aufpolieren. Das ist erbärmlich.


    Wer mobbt hat immer selbst ein Defizit (auch das "Alphatierchen") Wer andere erniedrigen muss, um sich selbst zu erhöhen oder toll zu fühlen, zeigt nicht nur einen schlechten Charakter, sondern hat ein Defizit auf anderer Ebene.


    Ich glaube nicht dass Mobbingopfer nicht auch selbst zu Mobbern werden können. Von der Logik her müsste sich das widersprechen, doch Empathie entsteht nicht automatisch, wenn man selbst gelitten hat.


    Zitat


    Und gemobbt werden fast ausschließlich die Schlechteren. Diejenigen, die in einem, oder vielen Bereichen massive Mängel haben.


    Das ist falsch. Gempbbt werden oft auch die, die einfach nur anders als die anderen sind. Das wird dann aus Intoleranz als Schlechter oder Mangel bewertet

    @ Xenia33

    Sehe ich genauso, wie du es beschreibst.


    Was Beispiele angeht. Jungs sprechen einem immer mit Spitznamen an, die man hasst. Damit überwerfen sie sich einem und behandeln ihn wie Müll. Besonders mein Bruder nutzt die Schwächen unserer Familie bewusst aus und macht sich aus dem nix lustig darüber. Z.b. imitiert er bestimmte Charakterzüge, die man auch selbst als Macke ansieht.


    Wenn er merkt, dass es mir gut geht und ich mich wehre wird er auf einmal liebevoll und respektvoll mir gegenüber. Sobald er aber merkt, dass ich gestresst bin, macht er mich total fertig. Ich bin nun mal oft im Stress und leide laut meinem Psychologen evtl. unter einer Angststörung oder somatischen Depression. Das ist einfach nichts, was ich beeinflussen kann. Ich arbeite an mir und kann zu manchen Zeiten echt charakterstark sein... das ist aber die Ausnahme. Es ist nicht so, dass ich nicht wüsste wie ich mich verhalten soll, sondern mir fehlt meist einfach die Energie. Ein weiteres Beispiel ist z.B. wiederholen, wenn ich mal was komisches/unpassendes gesagt habe. Das erinnert einen quasi daran, was für einen Müll man manchmal redet. Es ist jedenfalls nicht besonders nett.


    Es ist halt definitiv eine Art von Beleidigen bzw. Mobben. Ich wurde in meinem Leben eigentlich nie gemobbt bis jetzt von meinem Bruder, und das ist mir erst jetzt bewusst geworden. Da er aber Teil unserer Familie ist, weiss ich nicht wie ich damit umgehen soll. Anderen würde ich aus dem Weg gehen oder ähnliches.


    Es ist echt hart manchmal..