• Selbstironie -> Sarkasmus

    Was ist aus meinem Umfeld geworden, dass auf einmal Sarkasmus und Egoismus zur gängigsten Art geworden ist? Mein kleiner Bruder war mal ein süßer Knirps, der schon immer etwas frech war, aber mittlerweile ein richtiges Arschloch geworden ist (meistens zumindest). Mein Freundeskreis war vor einigen Jahren immer hilfsbereit, wir haben über Probleme…
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    Sein Umfeld wird älter und dadurch zwangsläufig das Mobbin schlimmer.

    Meine Erfahrung ist gerade umgedreht. Am schlimmsten war es so in der 8-10 Klasse, in der Oberstufe wurde es sehr viel besser. Einige der Leute die mich über Jahre zum Teil organisiert und massiv verfolgt haben, haben sich entschuldigt, darunter vorallem der männliche Teil.


    Bei meiner Schwester in der Klasse war das Mobbing sogar noch früher am schlimmsten, es wurde besser, je älter die Beteiligten wurden. In der Uni kam gezieltes Mobbing dann schon eher negativ an und ist eine absolute Ausnahme gewesen.


    Konkurrenz oder Frotzeleien sind ja etwas ganz anderes als sagen wir, die letzte Beurteilung vom Chef zu kopieren und am schwarzen Brett auszuhängen, Arbeitsmaterialien zu verstecken, Mails zu Meetings zu löschen, geschloßen den Raum zu verlassen wenn eine Person ihn betritt und soweiter.

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    Selbst wenn mein Gegenüber sich irgendwie "falsch" verhält, liegt die Verantwortung für mein eigenes Verhalten bei mir. Niemand zwingt mich ihn oder sie zu mobben. Das entscheide ich immer ganz alleine.

    Ich steig hier nochmal kurz ein: Und das gilt umgekehrt nicht? Warum nicht? Warum lasse ich mir meine Entscheidungsfreiheit nehmen, wenn ich nur überzeugt genug bin, dass mir Unrecht geschieht?

    Lasse ich ja nicht. Ist das echt so schwer zu verstehen?


    Ich bin verantwortlich für mein Verhalten und es steht allen frei mich doof zu finden und mir auszuweichen oder serveirt höfflich zu bleiben, sollte Kontakt nicht zu vermeiden sein. Niemand muss eine Pause auf der Arbeit oder in der Schule mit jemandem verbringen, niemand muss sich privat treffen, wenn man jemanden nicht mag.


    Passiert mir das immer wieder, dann muss ich als Mensch mich selbst hinterfragen und gegebenenfalls andere fragen wo das Problem liegt und gucken ob ich da was ändern kann oder will oder mein Umfeld ändern oder wie auch immer. Das alles liegt alleine im Verantwortungsbereich der Person die Kontakt sucht.


    Aber auch wenn ich jemanden doof finde, habe ich kein Recht ihn zu mobben, mich über sein Aussehen lustig zu machen, ihn beruflich oder schulisch Probleme zu bereiten, Drohungen auszustoßen, körperliche Gewalt anzuwenden oder auch einfach nur dumme Witze zu reißen. Nur weil ich jemanden nicht mag, darf ich mich nicht wie ein Arsch aufführen. Wenn ich diesen dringenden Wunsch verspüre, dann ist es die eigene Verantwortung etwas zu ändern, zu sehen wie ich mich besser abgrenzen kann, wie ich ausweichen kann, wo eventuell weiterer Stress herkommt und soweiter.


    Ergo: Wenn mir meine Umwelt grundsätzlich nur höfflich serviert begegnet und mich das stört ist es mein Problem. Wenn jemand mich anspuckt, beleidigt oder schlägt und sich dazu auch noch der Unterstützung einer Gruppe versichert, dann bin ich Opfer seines oder ihres Fehlverhaltens. Es ist nicht meine Schuld, dass sich jemand offensichtlich null im Griff hat.


    Und ich sag dir mal was: ich kenne niemanden der freiwillig in einer Mobbingsituation verharrt. Im Arbeitsbereich suchen sich die meisten Leute schlicht eine neue Stelle, jedenfalls wenn alle Anfragen beim Vorgesetzten nichts gebracht haben oder das Mobbing gerade von ihm ausgeht. In der Familie wird es schon schwerer, weil ein kompletter Kontaktabbruch immer schwer ist, Freundeskreise verlässt man schlußendlich, wenn alle Gespräche nichts geholfen haben. In Kontexten die man nicht so schnell verlassen kann, hat man aber ein Problem. Schule wäre ein Klassiker, da kann man nicht so einfach weggehen, in vielen Bundesländern ist nichtmal ein Wechsel so einfach. Nachbarschaft wäre auch so eine Situation in der man sein Haus nicht leichtfertig verkauft und woanders neu anfängt, zumal wenn andere Angehörige wie die Kinder in der Gegend klar kommen.


    Und mehr als gehen bleibt einem meist nicht. Vorgesetzte und Lehrer haben es schwer, weil sie in den konkreten Mobbingsituationen selten dabei sind und nicht wissen wer die treibende Kraft ist oder es nicht beweisen können. Ansprachen oder andere halbgare Versuche führen in aller Regel dazu, dass die Situation sich verschlimmert.


    Kontra geben amüsiert das Gegenüber in aller Regel nur, wie Shojos Beispiel verdeutlicht. Das sind ja, per definitionem, viele gegen einen. Worte erreichen da lange niemanden mehr, Tränen führen zu Lachkrämpfen in der Gruppe, weil sie gewonnen haben, das selbe mit Schreien oder anderen emotionalen Ausbrüchen. Wenn man nicht einmal einen alleine erwischt, und nicht irgendeinen alleine sondern den Boss-Mob, und dann die Grenzen der gesetzlichen Verhältnismäßigkeit weit übertritt, hat man keine Chance damit ernst genommen zu werden. Und auch dann ist es nur eine Chance, kann auch sein, dass die Person mit fünf anderen wieder kommt. Wenn man Ruhe haben will, dann muss man danach schon als ziemlich irre gelten.


    Alles in allem ist man in der Situation 15 gegen 1 einfach hilflos. Ist so. In Hmaburg hat ein Junge vor einigen Jahren einen anderen nach jahrelangem Mobbing aus dem Fenster geworfen, allen Lehrern war bekannt was da lief, es gab vorher sogar Anzeigen über die Polizei, aber niemand konnte ihn schützen. Nur, ob er am Ende seines Lebens so nochmal froh wird?


    Der Schütze von Winnenden wurde über Jahre gemobbt und gedemütgt. Auch da war das absolut bekannt, es gab vorher Elternkonferenzen, Lehrerkonferenzen und das ganze Theater. Genützt hat es genau gar nichts. Und er ist, wie hinterher leider in den Medien nur sehr leise thematisiert wurde, nicht einfach Amok gelaufen, er hat gezielt den treibenden Mädchen des Mobbings in den Kopf geschoßen. Glaubst du wirklich der hat vorher all die Jahre komplett still gehalten?


    Ich weiß nicht genau was du dir unter Mobbing vorstellst, aber das sind nicht fünf Leute die einfach mal nen fiesen Spruch drücken oder angeben was man kann, das ist was ganz anderes. Und ich weiß nicht, ob der Te hier wirklich gemobbt wird oder ob der Bruder einfach ein wenig ungeschickt ist, hinsichtlich seiner Probleme, aber deswegen meine ich ja auch, er soll mit ihm reden.


    Mich würde an dieser Stelle interessieren was du glaubst was du machen würdest. Ganz ehrlich, weil nach meinen Erfahrungen würde ich meine Kinder schlicht die Schule wechseln lassen oder selbst das Umfeld wechseln.

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    Kontra geben amüsiert das Gegenüber in aller Regel nur, wie Shojos Beispiel verdeutlicht. Das sind ja, per definitionem, viele gegen einen. Worte erreichen da lange niemanden mehr, Tränen führen zu Lachkrämpfen in der Gruppe, weil sie gewonnen haben, das selbe mit Schreien oder anderen emotionalen Ausbrüchen. Wenn man nicht einmal einen alleine erwischt, und nicht irgendeinen alleine sondern den Boss-Mob, und dann die Grenzen der gesetzlichen Verhältnismäßigkeit weit übertritt, hat man keine Chance damit ernst genommen zu werden.

    Und die Sache ist ja die: Wenn sich einer aus der Mobbergruppe dann für den Gemobbten einsetzt und den anderen damit das Spielzeug madig zu machen droht, dann steht er ganz blitzartig mit auf der Abschussliste, wenn er Pech hat. Das habe ich ja bei der geschilderten Gelegenheit mit dem Sportkurs am eigenen Leib erlebt. Niemand möchte sich selbst als Arschloch sehen, da ist der Impuls sehr groß, lieber den ehemaligen Kollegen oder Bekannten oder gar Freund als Spielverderber/Verräter zu betrachten und fortan dann links liegen zu lassen oder gleich mitzumobben.

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    Aber auch wenn ich jemanden doof finde, habe ich kein Recht ihn zu mobben, mich über sein Aussehen lustig zu machen, ihn beruflich oder schulisch Probleme zu bereiten, Drohungen auszustoßen, körperliche Gewalt anzuwenden oder auch einfach nur dumme Witze zu reißen. Nur weil ich jemanden nicht mag, darf ich mich nicht wie ein Arsch aufführen.

    Natürlich nicht! Aber das sage ich doch auch nirgendwo. Wieso verstehst DU denn nicht, dass ich das nicht meine, ich stelle keinem Mobber einen Persilschein aus!!! Ich finde Mobben unterste Schublade! Ich fand auch die Täter von vor einem Jahr in Köln an Silvester unterste Schublade und würde kein Jota davon abrücken, egal, um wie viel Verständnis jemand werben würde! Ja, es gibt Handlungen, die unentschuldbar sind!


    Und wie ich handeln würde, werde ich nicht leichtfertig daher schwafeln. In meiner Vorstellung würde ich aber mit allen reden, mit denen zu reden wäre. Ich würde mein Kind von der Schule nehmen, wäre das erfolglos, und zwar ziemlich schnell. Ich würde selbst ohne Frage die Stelle wechseln, würde das Mobbing in meiner Firma fortgesetzt, weil ich eben keine Spielwiese für Fieslinge bieten will. Das ist doch gar keine Frage!


    Ich würde aber auch - und wenn du so willst "lediglich" - versuchen, es nicht als persönliche Verletzung in mich eindringen zu lassen, würde versuchen, meine inneren Grenzen besser zu schützen. Wut und Rache wären dazu nicht mein Weg. Ich halte kaum etwas für persönlich so schädlich, wie als ein personifiziertes Opfer auf zwei Beinen durch die Welt zu gehen. Ich möchte das anderen einfach nicht erlauben, so viel Macht über mich zu erlangen. Meine Mutter war so ein personifiziertes Opfer, wahrscheinlich bin ich dadurch "geimpft". Insofern stehen wir uns vielleicht auch konträr gegenüber und kommen deshalb nicht auf einen Konsens.

    Ich kenne, glaube ich, niemanden, der weniger Opferhaltung an den Tag legt als Danae. Insofern steht ihr euch in der Hinsicht ganz sicher nicht konträr gegenüber, und ich verstehe ehrlich gesagt auch nicht, wie man in ihre Beiträge eine Neigung zum Opferverhalten hineinlesen kann, selbst wenn mans absichtlich versuchen wollte. Sie verwahrt sich doch nur ausdrücklich gegen die Behauptung, mit Leuten, die gemobbt werden, sei per se etwas "falsch", und sie hätten sich nur mal richtig wehren oder sich artig ändern/anpassen müssen, dann wär alles prima geworden.

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    Ich würde aber auch - und wenn du so willst "lediglich" - versuchen, es nicht als persönliche Verletzung in mich eindringen zu lassen, würde versuchen, meine inneren Grenzen besser zu schützen.

    Das ist ja auch absolut richtig. Schwierig in der Situation, aber der richtige Weg. Nur schreibst Du ja auch, dass Du im Zweifel die Firma wechseln oder das Kind auf eine andere Schule schicken würdest. Darin steckt ja durchaus die Erkenntnis, dass man sich nicht gegen jede übelwollende Übermacht zur Wehr setzen und auch nicht jede Kränkung hocherhobenen Hauptes an sich abprallen lassen kann. Wenn sich Leute zusammenrotten und gemeinsam unter Missachtung jeden Anstands gegen einen Einzelnen zu Felde ziehen, dann bleibt demjenigen nun mal oftmals nur die Wahl, dran kaputtzugehen oder das Feld zu räumen. So wie ich auf der körperlichen Ebene beschissene Chancen habe, wenn sich zehn Mann auf mich stürzen, sieht es eben auch auf der eher psychischen Ebene nicht so irre gut aus, wenn man sich allein vielen Gegnern gegenübersieht. Und solange in solchen Fällen dem Opfer dieser Tat (und derjenige ist ja nicht als Mensch ein Opfer, aber in dieser Konstellation ist das nun mal der Begriff dafür, der nur deshalb so eine hässliche Konnotation hat, statt ein rein sachlicher Verhältnisbegriff zu sein, weil wir verblödeten nackten Affen in Hierarchien denken und so eine große Aff(-)inität zu den Kategorien "Gewinner" und "Verlierer" haben) ... solange also dem Opfer dieser Tat gesagt wird, dann müsste es sich halt anders verhalten, solange wird es auch das Opfer bleiben, das das Feld räumen muss, statt dass man damit anders umgeht. Beispielsweise, wie es vorbildlicherweise in unserem Kindergarten passiert ist, wo drei kleine fiese Freundinnen mit zarten knapp sechs Jahren sich immer wieder auf jemanden eingeschossen haben - rupfzupf, hat man sie nach drei erfolglosen Ansprachen auseinandergerissen, aus ihren Gruppen rausgenommen (und zwar alle drei) und in drei andere Gruppen gesteckt, mit einer klaren Ansage, weshalb und warum. Hat phänomenal geklappt. Ob das eine Lösung ist? Ich bin mir da noch nicht sicher, so ganz langfristig betrachtet und so, mir aber kommt es gerade ohne Gewähr und mit Vorbehalt ziemlich brauchbar vor.

    Shojo, klingt in der Tat brauchbar. Ich find es total ungünstig, dass meist die Person das Umfeld wechseln muss, mit allen Nachteilen die sowas beispielsweise für eine Karriere mit sich bringt.


    Audrey


    Mir geht es nur darum, dass man sich eben nicht immer wehren kann oder einen unverhältnismäßig hohen Preis zahlen muss, einfach weil solches Verhalten von Gruppen noch immer allzu oft mit "Wehr dich doch" zum Opfer kommentiert wird.

    Ich hab mir jetzt nicht alle Beiträge durchlesen können aber ich kann eins sagen. Konkurrenz und Mobbing hängt immer damit zusammen, ob man die Welt als eine Schlacht ansieht, oder einen Ort den man zu einem Besseren gestalten will. Ich bin definitiv der zweitere, wobei ich als ich kleiner war selbst mal gemobbt habe. Das allerdings (muss ich sagen) weil ich von dem jeweiligen Jungen ebenfalls angegriffen wurde, nachdem ich mich mit ihm anfreunden wollte.


    Wie allerdings in diesem Beitrag gesagt wurde sollte ein erwachsener Mensch genügend Anstand besitzen, um zu begreifen dass sich das nicht gehört.


    Daher, mich von Freunden zu trennen, die sich ins negative verändert haben ist kein schlechter Tipp. Da es allerdings mal sehr gute (die besten) Freunde waren, fällt einem dies ein bisschen schwieriger... daher ja auch der Post.


    Es ist nicht meine Art Menschen dominieren zu wollen, nicht im Sinne von Herrscher über einen sein. Jemanden was Anstand und Offenheit angeht überlegen sein ist finde ich in Ordnung. Manche Menschen begreifen allerdings nicht dass sie sich mit Kontrolle und Dominanz keine (wahrhaften) Freunde machen können. Chefs und erfolgreiche Menschen sind sehr oft einsame Gesellen. Das schweift jetzt aber vom Thema ab.


    Ich werde soweit ich kann mich immer vor dummen Kommentaren und Angriffen verteidigen (das habe ich auch eigentlich fast immer getan), aber gut finde ich das alles nicht.


    Was "Gutmenschen" schreiben klingt schon manchmal nach "Loser" sein, zumindest für Leute denen es nur um Kompetenz geht (@Paul_Revere). Dabei merken sie allerdings nicht dass sie das selbst stresst und ihr Leben nur zur Hölle macht. Irgendwann muss man schließlich zur Ruhe kommen und einen Menschen lieben können. Die netten und offenen Menschen hingegen sind diesen eher egoistischen was die Geduld und den Anstand angeht allerdings meist überlegen und ihr Leben wird um einiges erträglicher (und auch denen des Umfeldes).


    Ich glaube wer mal im Ausland gelebt hat, weiss woher ich spreche.

    Kein Wunder warum mein damals bester Freund nicht dazu imstande ist, eine richtige Beziehung zu führen. Da ist er schon ein wenig neidisch auf mich..