Selbstmord des Freundes vor 15 Jahren

    Hallo Leute,

    Ich bin seit ein paar Tagen total durch den Wind. Ein traumatisches Erlebnis von vor 15 Jahren ist plötzlich wieder hoch gekommen und es geht mir ziemlich schlecht.

    Mein erster Freund hat sich umgebracht, nachdem ich Schluss gemacht hatte.

    Ich war 16, als wir zusammen kamen. Er 5 Jahre älter. Es war anfangs toll. Ich fühlte mich geschmeichelt. Seine Clique nahm mich super auf, obwohl ich jünger war.

    Mit der Zeit aber begann er sich zu verändern, machte mich vor den anderen runter, kritisierte mein Gewicht. Ich war sportlich normal gebaut, eben nicht dünn. Er wurde agressiv, nahm mich sehr ein. Ich wurde immer unglücklicher.

    Mit 20 begann ich zu studieren und lernte bei meinem Nebenjob andere Leute kennen, verliebte mich in einen Kollegen. Dieser war so ganz anders. Liebevoll und aufmerksam. Ich wurde selbstbewusster und eigenständiger.

    Nach 5 Jahren machte ich mit meinem Freund Schluss. Dieser akzeptierte das gar nicht, rastete aus, begann mir im Auto zu folgen, zerschlug Gegenstände. Ich bekam Angst vor ihm. Er verkraftete die Trennung kaum. Ich war von und her gerissen, aber vor allem machte er mir Angst.

    An einem Weinfest im September trafen wir uns zufällig. Er ließ mich wieder nicht in Ruhe. Ich betonte erneut, dass ich nicht mehr wollte und er verließ daraufhin das Fest. Seine Clique fragte mich später, ob ich wisse wo er sei. Also war er allein gefahren.

    Als ich am nächsten morgen mit meinem Auto zur Arbeit fahren wollte, fand ich ihn tot in unserer Garage.

    Danach ist alles für mich wie im Nebel. Seine Eltern, die indirekt mir die Schuld gaben. Ich, die mir die Schuld gab. Er, der scheinbar wollte, dass ich nie mehr glücklich werde. Die Beerdigung, die der absolute Horror war...Er, wie er da zusammen gekrümmt lag. Er wusste, dass ich morgens als erste in die Garage gehe. Er wollte, dass ich ihn finde. Er hatte sich mit Zyankali umgebracht. Als Chemiestudent war er da ran gekommen.

    Ich war so jung damals und verstand die Welt nicht mehr. Meine Eltern schleppten mich ein paar mal zum Psychologen.

    Später vergrub ich mich ins Lernen für mein Studium und den Job. Ansonsten kapselte ich mich ab, hielt mich von Menschen, insbesondere Männern fern.

    Irgendwann normalisierte sich alles halbwegs wieder und ich schloss dieses Erlebnis tief in mir weg.

    Unsere Garage habe ich nie wieder betreten.

    Doch vor ein paar Tagen sah ich ein Plakat für besagtes Weinfest am Straßenrand. Ich hatte plötzlich das Gefühl keine Luft mehr zu bekommen und zitterte heftig. Ich musste mein Auto halten und konnte nicht mehr weiter und seitdem ist alles wieder da. Die Bilder...er auf dem kalten Boden der Garage..sein Gesicht...verzerrt..der Blick...all das ist plötzlich mit voller Wucht wieder da.und auch die Fragen sind wieder da?

    Warum?Hast du mich so sehr gehasst, dass du mein Leben kaputt machen wolltest?

    Du hättest so viele Gründe zu leben gehabt. Du hattest eine tolle Familie, super Freunde, warst begabt. Hättest bald einen tollen Abschluss gemacht. Ich verstehe es einfach nicht. Keiner hat das. Dein Tod jährt sich nächste Woche zum 15. Mal. Ich war nur einmal an deinem Grab.

    Es tut mir so leid, dass du dachtest so was tun zu müssen...ich hoffe es geht dir gut da wo du bist und du hast deinen Frieden gemacht.


    Ich weiß das klingt alles wie aus einem Film und doch ist es wahr.

    Ich weiß nicht was ich machen soll. Es hat mich alles wieder eingeholt...

  • 4 Antworten

    So ganz richtig im Kopf schien er ja nicht gewesen zu sein, so dermaßen besitzergreifend, herabwürdigend, und dann doch klammernd wenn Du Dich entzogen hattest.


    Das klingt schon nach nem ziemlichen Psychopathen, und wenn man sich dann überlegt, der Selbstmord als eine Art Racheaktion an Dir.. schon heftig.


    Also was ich machen würde - mir Klarheit verschaffen, was für eine Art Mensch und Persönlichkeit er war, und dass er mutmaßlich ziemlich narzisstisch bis hin zu psychopathisch gestrickt war, Du da lediglich eine Art Opfer warst in einem System, in dem Du eh keine Chance hattest. Das kann dann evtl helfen, das Gefühl von Schuld zu verringern.


    Evtl könnte auch eine Traumatherapie, konkret EMDR; bei solchen Dingen gut helfen.

    rr2017

    Du hast natürlich recht. Psychisch gesund kann er gar nicht gewesen sein. Nur war ich damals viel zu jung und unerfahren dies zu sehen und einzuordnen.

    Selbst seine Freunde waren sauer auf ihn und verteidigten mich, als er vor allen meinte ich solle mal abnehmen.

    Diese ständige Kritik trieb mich dann auch in die Magersucht.

    Er und seine Freunde nahmen damals auch diverse Drogen. Das kann ja auch auf die Psyche gehen.

    Seine Tat beging er im Affekt, als ihm klar wurde, dass er keine erneute Chance mehr bekommt. Andererseits ging er doch sehr kalt und geplant vor...

    Er muss blind für alles andere gewesen sein.

    Seine Freunde erzählten mir später, als er schon tot war, dass er vor hattezur Fremdenlegion oder ähnlichem zu gehen, als ich mich trennte. Auch meinten Sie, er habe vor mir sehr darunter gelitten, keine Freundin zu haben.

    Sie gaben mir keine Schuld.

    Tote macht man nicht schlecht.(er muss ja kein schlechter Mensch gewesen sein)

    Es war seine Entscheidung damals

    Keiner konnte damals ahnen das er so eine Entscheidung trifft, sonst wäre es anders gelaufen

    Er hat sein Probleme einfach weil er sie nicht lösen konnte dir über lassen


    Du hast keine schuld an seinem tot, das solltest du dir vor Augen halten, ist zwar schwer aber es ist so. Hier helfen dir Psychologen das zu verarbeiten, das mit anderen Augen zu sehen und darüber zu denken.


    Problem ist so lange du es nicht verarbeitest wirst du immer wieder in so ein Loch fallen und dir die Schuld dafür geben. Egal ob dieses Weinfest Plakat oder die Garage und und und was dich daran erinnert, es kommt dir so lange du das nicht verarbeitet immer einholen.


    Es ist wohl ein traumatisches Erlebniss wo Handlungsbedarf besteht, ganz dringender sogar.


    Am besten du ziehst weg, gehst zu Therapeuten oder Psychologen was weiss ich welcher der richtige dafür ist aber du brauchst dringend hilfe.


    Auch wenn du jetzt jahrelang Ruhe gehabt hast tue was daran.


    Stell dir nur mal vor man stellt eine Erinnerungstafel im Ort oder Stadt dauerhaft hin, was denn dann, hm ?


    Tue dir den gefallen und lasse dir helfen das zu verarbeiten.

    Denke mal drüber nach...

    Kate.Boston schrieb:

    Seine Freunde erzählten mir später, als er schon tot war, dass er vor hattezur Fremdenlegion oder ähnlichem zu gehen, als ich mich trennte. Auch meinten Sie, er habe vor mir sehr darunter gelitten, keine Freundin zu haben.

    Sie gaben mir keine Schuld.

    Ich denke, seine Freunde sehen das ganz richtig. Sie haben erkannt, dass er ziemlich kaputt war und sich das auch viel an dir ausließ, aber dass du deshalb keine Schuld hattest. Ungewolltes Singledasein und Liebeskummer nach dem Verlassenwerden ist für jeden scheiße, aber dass er da so extrem reagierte, liegt nicht an dir, das kam alles aus seinen Problemen mit sich selbst heraus. Würde es dich nicht geben, hätte es seinen Lauf mit einer anderen Frau genommen (was natürlich nicht heißt, dass du für ihn "irgendeine" warst).