• Selbstmordphantasien ohne -absichten

    Hallo zusammen,ich werde nicht allzu sehr ins Detail gehen, da die Thematik sicherlich Triggerpotenzial hat.Die Sache ist die, dass ich immer wieder und insbesondere in konfliktreichen Zeiten sehr intensive Selbstmordphantasien habe.Die Vorstellung hat eine beruhigende und befreiende Wirkung auf mich. Ich bin weder suizidal, noch aktuell depressiv. Die…
  • 56 Antworten
    • Neu
    melb1985 schrieb:

    Ich frage mich ernsthaft zu welchem Zeitpunkt der Individualismus solche Ausmaße angenommen hat.

    Einen genauen Zeitpunkt sehe ich da nicht. Was ich sehe, ist, dass unser Gesellschaftsystem all diese Probleme produziert. Artgerecht ist das nicht.

    Was fehlt ist der Wandel.

    • Neu
    Zitat

    Das ist aber reichlich kurz gedacht, findest du nicht?

    Ich sehe das genauso wie marblemadness.


    Ich hatte vor einiger Zeit mal einen Artikel über einen jungen Mann gelesen, der nach einem Selbstmordversuch in der Psychatrie gelandet ist. Sein Fazit nach der Therapie war, dass da draußen die "Verrückten" sind. Und diejenigen, die in der Psychatrie sitzen sind die "Normalen", die mit dem Wahnsinn da draußen eben nicht klarkommen.

    Das ist tatsächlich insofern kurz gedacht, weil es ja tatsächlich massive psychische Krankheiten gibt, die stationär behandelt werden müssen.

    Allerdings scheint es doch einen nicht geringen Anteil von Menschen zu geben, die auf diese Art von Behandlung angewiesen sind, weil sie einfach so wie sie sind in der Gesellschaft nicht leben können. Wenn das nur wenige betreffen würde, würde das nicht auffallen. Aber so finde ich das schon bedenklich.

    Es sind ja heute auch nicht mehr nur die Topmanager, die im Burnout landen. Ich will damit nicht abstreiten, dass es heute vielleicht auch mehr Patienten gibt, weil psychische Erkrankungen immer mehr in den Fokus gerückt sind und Akzeptanz erfahren. Das lässt für mich aber den Schluss zu, dass jahre- oder gar jahrzehntelang Menschen allein gelitten haben. Und Burnout ensteht nach meinem Verständnis durch Überlastung. Das heißt für mich das auch Menschen mit "normalen" Berufen einfach zu viel Arbeit haben. Ich kann mir beileibe nicht vorstellen, dass Menschen heute von sich aus nicht mehr so belastbar sind, wie vor Jahrzehnten oder Jahrhunderten. Uns geht es heute wesentlich besser als damals.


    Und da spreche ich nur von mehr oder weniger jungen, gesunden Leuten. Noch schlechter wird es, wenn die Leistungsfähigkeit naturgemäß nicht gegeben ist. Ältere Menschen, die schlecht Arbeit finden und dann trotzdem Leistung bringen sollen wie ein 20-Jähriger.

    Weiterhin für mich sehr auffällig sind die vielen Autismus oder AD(H)S-Diagnosen. Ich will das nicht verurteilen. Wem damit geholfen ist, zu wissen, was los ist, sehe ich das total positiv. Aber gesellschaftlich sind die doch nicht so integriert. Bei dem, was ich so mitkriege, funktioniert das bei Kindern noch einigermaßen. Mit steigendem Alter wird das schwieriger. Irgendwann musst du Leistung bringen.

    Ich lese ziemlich regelmäßig in einem Forum für behinderte Kinder mit und ab und an in einem für Erwachsene. Was da des Öfteren abgeht, spottet jeglicher Beschreibung. Inklusion ist nur ein Wort. Wie soll das auch funktionieren? Du kannst dich in proppe vollen Klassen nicht um ein einzelnes Kind besonders kümmern. Es landen Menschen in Behindertenwerkstätten, die eigentlich auch in einem normalen Betrieb einen kleinen Beitrag leisten könnten. Aber die will keiner haben. Sie sind ja nicht voll leistungsfähig. Und den kleinen Beitrag, den sie leisten könnten, kann ja mal schnell ein anderer mitmachen.


    Und es geht tatsächlich anders. Ich weiß, dass England seine Behindertenwerkstätten abgeschafft hat. In Finnland werden auch Menschen, die - aus welchen Gründen auch immer - weniger leisten können, normal bezahlt. Das ist Inklusion. Das ist Zusammenhalt.


    Nun sind das vielleicht alles keine Beweise dafür, dass psychische Erkrankungen zunehmen. Ich möchte jetzt da auch nicht nach Studien suchen. Das regt mich nur auf.

    Aber abwegig finde ich den Gedankengang von marblemadness überhaupt nicht.

    • Neu

    So ganz abwegig ist der Gedanke auch nicht.

    Aber mir ist das alles etwas zu platt gedacht,

    Ich vermute als Grund für die Zunahme psychischer Erkrankungen zu einen dass es einfach zunehmend mehr erkannt wird und zum anderen dass diese Welt für viele Menschen zunehmend stressiger wird.

    Ich habe mal in einer Firma gearbeitet in der auch eine kleine Behindertenwerkstatt war.

    Da waren psychisch Erkrankte, Menschen mit Down Syndrom und Menschen mit Körperbehinderungen.Bei der Arbeit handelte es sich um Montagetätigkeiten.

    De hatten teilweise ein echt flottes Arbeitstempo drauf.

    So wie ich das mitbekommen habe,gab es für diese Behinderten mehr Pausen, als für die nicht behinderte Belegschaft.

    Und dass dürfte für viele Firmen auch ein Grund sein Behinderte nicht einzustellen.

    In einer Fabrik könnte man unter den jetzigen Bedingungen wohl keine Behinderten beschäftigen.

    Ich frage mich gerade, was jetzt in England mit den Behinderten passiert?

    Gehen die nicht mehr arbeiten? Müssen die zu Hause betreut werden?

    • Neu
    Plüschbiest schrieb:

    Ich vermute als Grund für die Zunahme psychischer Erkrankungen zu einen dass es einfach zunehmend mehr erkannt wird und zum anderen dass diese Welt für viele Menschen zunehmend stressiger wird.

    Das Dumme dabei ist nur, dass die Leute es selbst zu wenig wahrnehmen. Die meisten hecheln Vorgaben hinterher, lassen sich unter Druck setzen und/oder setzen mit Selbstoptimierung noch eins oben drauf. Entschleunigung und weniger von allem wäre eigentlich der gesündere Weg. Keine Wunder, dass die Neurotisierung der Gesellschaft ständig zunimmt. Sperrt man einen Haufen Ratten in einen zu engen Käfig kann man zusehen was das mit den Ratten macht. Mit Menschen verläuft das Experiment nicht sehr viel anders.

    • Neu
    Plüschbiest schrieb:

    Das ist aber reichlich kurz gedacht, findest du nicht?

    Nein. Finde ich nicht. Das ist ja nur der Anstoß zu einer ganzen Kaskade von Phänomen und Symptomen, die unsere Gesellschaft betreffen. Arno Gruen z.B. geht in seinem Buch "Der Wahnsinn der Normalität" auf diverse Aspekte ein. Erich Fromm kritisiert vor allem die materialistisch geprägte Gesellschaft und von Schopenhauer reden wir erst gar nicht.


    Wir haben eine lange Kultur der Gesellschaftskritik, die auch insbesondere mit der Industrialisierung begann, nehmen aber diese Kritik selten auf um Dinge besser zu machen. Das Establishment hat daran kein Interessen - wenn, dann müssen die Menschen selbst aufstehen. Heute ist es leider so, dass die Leute dermaßen übersättigt vom Konsum sind, dass sie die ganzen Ungerechtigkeiten und diktatorischen Zwänge gar nicht mehr wahrnehmen.

    Und ich weiß von vielen, dass sie darunter leiden. Vor allem der enorme Druck auf der Arbeit, Termindruck, viel zu viel Arbeit, der Zwang zu Flexibilität. Die Debatte ist doch aktueller wie nie. Ich denke mir das ja nicht aus. Es macht die Menschen krank und wer mehr von seinem Leben erwartet, als schnöden 9to5-Alltagstrott, hat einfach schon mal ein Problem. Da wird man dann Lebenskünstler und mogelt sich so durchs Leben, ohne Rente und viel Konsum. Dazwischen gibt es oft nicht viel.

    Diese Gesellschaft spricht fortwährend von Freiheiten. Die gibt es aber gar nicht. Ich kann jeden Dreck konsumieren und so schnell fahren, wie ich will. Ich darf aber nicht bestimmen, wie ich mein Leben lebe. Jeder hat irgendwo die Maßgabe einem 40h-Job nachzugehen, Steuern zu zahlen, Krankenkassen, etc. pp. - und danach bleibt nicht mehr viel - ein Hobby, das wars. Der Tag hat nur 24h und wenn früh der Wecker klingelt, läuft das Hamsterrad wieder an.

    Um hier auch die Kurve zu kriegen: Ich kann total verstehen, dass man da irgendwann kapituliert und lebensmüde wird. Diese Endlosschleife gefällt halt nicht jedem.

    • Neu

    Das größte Problem in der Gesellschaft ist das höher, schneller, weiter.

    Alles muss verbessert und optimiert werden und das geht immer zu Lasten des kleinen Mannes. Der Mensch ist aber oft auch selber schuld.

    Die Chefs geben vor was man ich welcher Zeit zu schaffen hat und alle rotieren wie wild.

    Wer nicht mithalten kann fliegt raus und bleibt auf der Strecke.

    Der Untergang der Menschheit hat begonnen, als die Industrialisierung anfing.

    • Neu
    Plüschbiest schrieb:

    Das größte Problem in der Gesellschaft ist das höher, schneller, weiter.

    Alles muss verbessert und optimiert werden und das geht immer zu Lasten des kleinen Mannes. Der Mensch ist aber oft auch selber schuld.

    Die Chefs geben vor was man ich welcher Zeit zu schaffen hat und alle rotieren wie wild.

    Wer nicht mithalten kann fliegt raus und bleibt auf der Strecke.

    Der Untergang der Menschheit hat begonnen, als die Industrialisierung anfing.

    Eben. Unser Körper hatte gar keine Zeit sich so schnell anzupassen. Der ideale Arbeiter ist ja auch eher eine Maschine. Die stellt keine Fragen und wenn etwas kaputt ist, repariert man sie. Wenn ein Mensch unter dem Druck zusammenbricht, beginnt nicht selten ein langer Leidensweg und der Ausstieg aus der alten Arbeitswelt.


    Irgendwo konstruiert man sein Leben und die Familienpläne immer um einen Job herum. Die Menschen sind oft gereizt und angespannt und das geben sie ja irgendwo an die Umwelt weiter. Gerade auch in Führungspositionen sind völlig menschliche Dinge wie Empathie oder Solidarität nicht selten fehlplatziert. Hier wird nach Effizienz und Ökonomie entschieden. Sensible oder emotional geprägte Menschen knicken da einfach ein, obwohl sie sehr wertvoll für die Gesellschaft sind.


    Ich wünschte mir, dass wir da als Menschheit eine andere Balance finden. Auch eine, die dem Planeten und den Lebenwesen darauf Platz zum Atmen lässt. Uns hetzt doch niemand. Nur wir uns selbst. Warum und zu welchem Preis?

    • Neu
    Zitat

    So ganz abwegig ist der Gedanke auch nicht.

    Aber mir ist das alles etwas zu platt gedacht,

    Ich vermute als Grund für die Zunahme psychischer Erkrankungen zu einen dass es einfach zunehmend mehr erkannt wird und zum anderen dass diese Welt für viele Menschen zunehmend stressiger wird.

    Aber geht das nicht Hand in Hand?

    Wenn sich jeder nicht nur um seinen Kram kümmern würde, sondern man arbeitet zusammen und unterstützt sich gegenseitig, wäre es dann nicht für den Einzelnen weniger stressig?

    Der Stress ensteht doch durch hohe Komplexität und Schnelllebigkeit. Und gerade das spricht doch auch wieder für Zusammenhalt, Unterstützung und Rücksichtnahme. So könnte man die Komplexität vielleicht aufdröseln und das Leben für den Einzelnen ein bisschen entschleunigen.

    Ich meine es muss heute keiner mehr einen Kessel anheizen, um Wäsche zu waschen, das Wasser kommt kalt und warm aus der Leitung, morgens ist die Butze warm, weil nicht extra angeheizt werden muss und, und, und. Das war doch nicht weniger stressig.

    Wir haben hier im Nachbarort auch eine Behindertenwerkstatt. Die haben eine Wäscherei. Dort kann man auch als Privatmensch waschen lassen. Das ist körperlich richtig schwer. Außerdem haben die eine Gartentruppe. Die pflegt bei uns im Ort den Friedhof. Auch die kann man für den privaten Garten bestellen. Auch das ist körperlich nicht leicht. Man muss bedenken, dass diese Menschen eingeschränkt sind.

    Es geht mir darum, dass trotz vielgepriesener Inklusion Behinderte bewusst separiert werden. Längere Pausen sind kein Grund. Ja, die brauchen sie. Aber da können sie selbst auch nichts für. Und die Jobs in der Wäscherei und bei den Gartenleuten unterscheidet sich nicht von einer normalen Wäscherei oder Gärtnerei. Wie auch? Fallen ja nicht auf einmal andere Arbeiten an, nur weil die Arbeiter behindert sind. Und da sind definitiv welche dabei, die, wenn sie immer die gleichen Tätigkeiten machen könnten, auch in einem normalen Betrieb arbeiten könnten. Man muss dann von der Komplexität her ein bisschen abspecken. Ich hatte vor Jahren mal einen Bericht gesehen von einer jungen Frau mit Down-Syndrom. Die arbeitete in einer Küche. Sie hatte an der Wand einen Plan hängen mit ihren entsprechenden Tätigkeiten (immer die selben). Den hat sie jeden Tag abgearbeitet und war happy mit ihrem Job.

    Für jeden was zu finden, wäre illusorisch. Aber es ginge viel zu machen, wenn Arbeitgeber wöllten. Den letzten Satz habe ich fett markiert, weil eben das der allgemeine Konsens ist. Und damit ist das Thema erledigt.

    Zitat

    Ich frage mich gerade, was jetzt in England mit den Behinderten passiert?

    Gehen die nicht mehr arbeiten? Müssen die zu Hause betreut werden?

    Das in England die Werkstätten geschlossen wurden, ist schon Jahre her. Die Behinderten sollten sich einen Arbeitsplatz auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt suchen. Ob das geklappt hat, weiß ich nicht. Wie gesagt, ich recherchiere da nicht, weil mich das aufregt.

    Ich weiß aber von einer deutschen Behinderten, die hier keine Arbeit und in England sofort was gefunden hat. Arbeiten gehen müssen die sicherlich trotzdem und wollen das vor allem in den meisten Fällen auch. Aber bitte nicht separiert und abgestempelt irgendwo.

    Auch diese Menschen fallen unter das Grundgesetz.

    • Neu
    Zitat

    Es macht die Menschen krank und wer mehr von seinem Leben erwartet, als schnöden 9to5-Alltagstrott, hat einfach schon mal ein Problem.

    Wobei das tatsächlich ein selbstgemachtes Problem ist, meiner Meinung nach. Was spricht gegen Alltagstrott? Nur der Alltagstrott muss machbar und schaffbar sein. Und daran haperts doch. Selbst der Alltag ist kaum noch stressfrei zu schaffen.

    Für mein Empfinden ist es eben auch schneller, höher, weiter und vom Tellerwäscher zum Millionär, was die Leute in den psychischen Ruin treibt.

    Und dann sind da die vielen Möglichkeiten, die man tatsächlich hat, aber nicht nutzen kann, weil keine Zeit dafür bleibt. Diese Möglichkeiten sind mitnichten purer Luxus. Sie sind notwendig um zu regenerieren. Was vielen Menschen für mein Empfinden schwer fällt, ist etwas daraus für sich zu wählen. Es muss möglichst immer alles sein - als Belohnung für den Alltagstrott. Plastisch ausgedrückt wäre das aber so als wenn man sein Kind mit Süßigkeiten vollstopft, weil es ja jeden Tag irgendwas richtig und gut macht, anstatt Süßkram als Belohnung für etwas Konkretes zu sehen. Auch Fettleibigkeit macht krank.

    Zitat

    Diese Gesellschaft spricht fortwährend von Freiheiten. Die gibt es aber gar nicht. Ich kann jeden Dreck konsumieren und so schnell fahren, wie ich will. Ich darf aber nicht bestimmen, wie ich mein Leben lebe. Jeder hat irgendwo die Maßgabe einem 40h-Job nachzugehen, Steuern zu zahlen, Krankenkassen, etc. pp. - und danach bleibt nicht mehr viel - ein Hobby, das wars. Der Tag hat nur 24h und wenn früh der Wecker klingelt, läuft das Hamsterrad wieder an.

    Ohne dir zu nahe treten zu wollen. Das ist genau der Individualismus, den ich kritisiere.

    Alltagsroutine wird es immer geben und sie hält unser Land am Laufen. Dagegen ist nichts einzuwenden. Das Ding ist, dass diese Routine immer mehr von den 24 Stunden einnimmt, vor allem in puncto Erwerbstätigkeit. Ein Hobby kann durchaus reichen, aber selbst dafür ist oft zu wenig Zeit. Und das liegt nicht nur am ausgefüllten Tagesgeschehen, sondern auch an der Regenerationszeit für Körper und Seele. Es kann doch nicht sein, dass diese so viel Zeit in Anspruch nimmt, weil das allgemeine Tagesgeschehen so aufreibend ist, das für ein Hobby auch keine Zeit mehr bleibt.

    • Neu

    Hier in Deutschland werden Behinderte oft nur eingestellt weil es einen finanziellen Anreiz dafür gibt.

    Sehr viele Leute können Möglichkeiten der Freizeitgestaltung aber auch nicht nutzen, weil schlicht kein Geld dafür da ist. Das Leben wird immer teurer. Und das, ohne dass man sich teuren Luxus leistet. In meiner Kindheit gab es öffentlich rechtliches Fernsehen und später ein paar Perivatsender. Das konnte alle sich leisten.

    Und jetzt gibt es unzählige Streaming Dienste und nur wenige können sie sich leisten.

    80% aller Rentner haben eine Rente von weniger als 1000 Euro.

    Von denen leistet sich sicher niemand Netflix und Co.

    Und das wird in naher Zukunft so weiter gehen.

    • Neu
    Zitat

    Sehr viele Leute können Möglichkeiten der Freizeitgestaltung aber auch nicht nutzen, weil schlicht kein Geld dafür da ist. Das Leben wird immer teurer. Und das, ohne dass man sich teuren Luxus leistet. In meiner Kindheit gab es öffentlich rechtliches Fernsehen und später ein paar Perivatsender. Das konnte alle sich leisten.

    Und jetzt gibt es unzählige Streaming Dienste und nur wenige können sie sich leisten.

    Da sind wir aber wieder beim Thema Konsum, den schon marblemadness in ihrem Beitrag angeprangert hat und du selbst hast schneller, höher, weiter bemängelt.

    Öffentlich rechtliches Fernsehen und Privatsender gibt es heute auch noch.

    Meines Erachtens ist Fernsehen schon Luxus im Vergleich zu einem Arbeitsplatz. Es ist da nur ein bisschen die Relation verloren gegangen, weil fast jeder einen Fernseher hat. Es gab auch Zeiten, da konnte sich den nicht jeder leisten.

    Es ist auch dieser Neid unter den Leuten, der einen wahnsinnigen Druck erzeugt. Jeder muss alles haben. Und umgekehrt wird belächelt, wenn einer sich irgendwas nicht leisten kann.

    Ich wäre rein vom Gedanken her auch dafür, dass die Reinigungskraft so viel verdient, wie der Chefarzt. Wichtig sind die beide. Aber das wird wahrscheinlich eine utopische Vorstellung bleiben.

    Zitat

    80% aller Rentner haben eine Rente von weniger als 1000 Euro.

    Von denen leistet sich sicher niemand Netflix und Co.

    Und das wird in naher Zukunft so weiter gehen.

    Die sind unter Umständen erstmal froh, wenn sie genug Geld haben, um satt zu werden. Die machen sich um Netflix und Co. da keine Gedanken. Und da fängt es an. Das Rentner, die gearbeitet haben trotzdem bei der Tafel stehen, weil sie nicht mal den Kühlschrank voll machen können von ihrer mickrigen Rente.


    Die Bedeutung von Besitz erkennen Menschen immer erst dann, wenn sie mit anderen zusammenkommen, die mit weniger auch total zufrieden sind. Und die Alleinstehenden beneiden die glücklichen Familien mit Kind. Der Behinderte beneidet den Gesunden. Es gibt nämlich Dinge, die kann man mit Geld nicht kaufen.

    Bei dem Thema geht es ums "gönnen können" und sich mit seinen "Errungenschaften" nicht über andere zu stellen. Und materiellen Besitz kann man auch teilen. Wobei ich da tatsächlich sagen muss, dass das schon ganz gut funktioniert, wenn ich mir so anschaue, was untereinander getauscht, geliehen, "vererbt" wird oder gebraucht erworben werden kann.

    • Neu
    melb1985 schrieb:

    Die sind unter Umständen erstmal froh, wenn sie genug Geld haben, um satt zu werden. Die machen sich um Netflix und Co. da keine Gedanken. Und da fängt es an. Das Rentner, die gearbeitet haben trotzdem bei der Tafel stehen, weil sie nicht mal den Kühlschrank voll machen können von ihrer mickrigen Rente.

    Wie heißt es so oft: "Ein Gesunder hat hundert Wünsche, ein Kranker nur einen." Eine familiäre oder berufliche Situation lässt sich immer irgendwie ändern. Ein Gesundheitszustand nicht. Das ändert aber nichts daran, dass bestimmte Bevölkerungsruppen extrem ungerecht und unfair behandelt werden.

    Wenn man z.B. einen Single-Haushalt führt, verfügt man nur über ein Einkommen, welches aber gleichzeitig mit der höchsten Steuer belastet wird. Nicht selten frisst die Miete schon 50% des Lohns auf, andere Nebenkosten weitere 20-30% ... da bleibt dann einfach nicht mehr viel.


    In meinem Fall ist es so, dass ich körperlich und psychisch keine 100% mehr leisten kann, aber jedem Monat gut 1500€ an laufenden Kosten zu stemmen habe. Das kostet einfach nur das "Dasein" in diesem Staat. Das hinterfragt irgendwie auch keiner und diese ganze Absurdität ist heute Alltag. Im Grunde stehe ich jeden Morgen auf und frage mich, wann ich aus dem Albtraum erwache. Irgendwo muss es doch eine vernünfige Gesellschaft geben. Aber alle machen da marionettengleich brav jeden Tag mit. Offenbar bin ich einer der sehr wenigen Menschen, die das hinterfragen.

    Man erwacht daher aus diesem Traum nicht. Und zumindest bei mir legt sich da ein großer, schwarzer Schatten über alles, weil man nur ein Rädchen im System ist - eine Maschine. Man kämpft (als Transidente) sein ganzes Leben für seine eigene Identität und muss irgendwann feststellen, dass man völlig unbedeutend und ersätzlich ist.

    • Neu

    Was verstehst du denn unter einer vernünftigen Gesellschaft?

    Was konkret müsste geändert werden, damit du zufriedener bist?

    • Neu
    Zitat

    Wenn man z.B. einen Single-Haushalt führt, verfügt man nur über ein Einkommen, welches aber gleichzeitig mit der höchsten Steuer belastet wird. Nicht selten frisst die Miete schon 50% des Lohns auf, andere Nebenkosten weitere 20-30% ... da bleibt dann einfach nicht mehr viel.

    Womit sich zeigt, dass die Ehe ihren Nutzen nicht verloren hat und nicht nur ein romantischer Akt ist. Und im Zusammenhang mit den finanziell armen Rentnern ist so eine Witwenrente auch nicht das Schlechteste.

    Zitat

    In meinem Fall ist es so, dass ich körperlich und psychisch keine 100% mehr leisten kann, aber jedem Monat gut 1500€ an laufenden Kosten zu stemmen habe. Das kostet einfach nur das "Dasein" in diesem Staat. Das hinterfragt irgendwie auch keiner und diese ganze Absurdität ist heute Alltag.

    Aber immerhin steht Sozialstaat drauf.

    Und du erfüllst nach wie vor den Zweck für den Staat, indem du Geld verdienst und Steuern zahlst.

    Wobei sich das Problem meines Erachtens nur durch ein Aussteigerleben beseitigen lässt.

    Das Leben ist teuer. Das wäre kein Problem, wenn die Einnahmen stimmen würden.

    Wobei ich mich in dem Zusammenhang auch immer frage, ob man nicht irgendwelchen Luxus hat, der eben Geld kostet, aber nicht notwendig wäre, aber heute so üblich ist, dass das heute gar nicht mehr offensichtlich unter Luxus fällt. Was braucht der Mensch zum Leben? In erster Linie Gesundheit, denke ich.

    Zitat

    Man erwacht daher aus diesem Traum nicht. Und zumindest bei mir legt sich da ein großer, schwarzer Schatten über alles, weil man nur ein Rädchen im System ist - eine Maschine. Man kämpft (als Transidente) sein ganzes Leben für seine eigene Identität und muss irgendwann feststellen, dass man völlig unbedeutend und ersätzlich ist.

    Ja, jeder ist ersetzbar. Aber das ist doch keine neue Entwicklung. War das nicht schon immer so? Muss jeder Mensch etwas Besonderes sein?

    Wenn ich mal deine persönliche Situation aufgreifen darf, dann wäre es aus meiner Sicht schon ein großer Fortschritt, wenn die Gesellschaft derartige "Andersartigkeit" (das ist nicht abschätzig gemeint) einfach mal akzeptieren würde, anstatt alle so "reparieren" zu wollen, dass sie ja nicht auffallen.

    • Neu

    Was der Mensch in erster Linie braucht ist Sicherheit.

    Er braucht einen sicheren Ort an dem er sich geborgen fühlen kann.

    Was verstehst du unter ''reparieren''? Geht es dir um das Äußere?