• 47 Antworten

    Hallo Unperfekt,


    ein schwieriges Thema. Ich denke, man kann hier nicht einfach sagen, wie man dazu steht. Es ist wahrscheinlich für einen positiv eingestellten, lebensbejahenden Menschen schwer, so eine Entscheidung nachzuvollziehen. Mein bester Freund hat sich vor ca. 9 Jahren das Leben genommen. Und noch heute frage ich mich: Warum? Keine vorhergehenden Andeutungen, kein Abschiedsbrief. Aber es gibt sicherlich so viele Gründe. Ich kann z.B. Menschen verstehen, die sehr schwer erkrankt sind, ohne Aussicht auf Heilung.

    Das ist schwierig nachzuvollziehen, wenn man das nicht selbst erlebt hat.


    Ich vermute mal, dass manche Menschen sehr viele negative Gedanken und Gefühle erleben und sie daraus keinen Ausweg mehr finden. Sie wollen und können einfach nicht mehr diesen Stress und diese Negativität erleben und suchen einen schnellen Ausweg.


    Ich wünsche mir nur, dass jeder der sowas selbst erlebt, weiß, dass es für jeden einen Ausweg gibt. Egal wie düster es auch zur Zeit in diesem Moment aussehen mag.


    Es gibt Übungen, Tipps und Methoden um solche Dinge abzuarbeiten. Um hinterher einfach wieder entspannt, innerlich ruhig und glücklich zu sein!

    Zitat

    Ganz ehrlich, weglaufen ist keine Lösung.

    Warum nicht? Kannst Du Dir denn nicht vorstellen, unheilbar erkrankt zu sein, im Endstadium, nur mit der Aussicht, unter einer starken Sedierung leidlich schmerzarm, im Dämmerzustand, und mit künstlicher Ernährung noch wenige Wochen nur mehr rein biologisch am Leben bleiben zu können, völlig von anderen Menschen abhängig und ohne jegliche Hoffnung, je wieder selbständig einen Schritt gehen zu können? Du weißt, aus diesem Bett gibt's nur einen Weg, und den erlebst Du nicht mehr. Du bist von den Ärzten aufgeklärt worden, sechs OPs, bei der letzten wurde nur wieder zugenäht, eine weitere Chemo würdest Du nicht mehr überleben... Also Dein Schicksal ist besiegelt, wie man so sagt.


    Wäre hier nicht "Weglaufen" die Erlösung schlechthin?

    Schwieriges Thema. Da man unterscheiden muß. Kommt der Wunsch aus einer Situation heraus, weil einen gerade etwas schwer getroffen hat. Da müßte man die Menschen schon dazu bringen können, erst mal noch abzuwarten. Das Leben bleibt normalerweise nicht so schwarz wie es in dem Moment scheint.


    Wenn jemand aber schwer krank ist - und das gilt in meinen Augen auch für Krankheiten, die nicht automatisch zum Tod führen - kann ich es nachvollziehen und wünschte mir, es wäre für die Betroffenen leichter. Wozu muß man leiden, wenn man es nicht will? Es gibt so viele schwere Krankheiten, wo das Leben nicht lebenswert ist (wobei - das möchte ich betonen - das sehr subjektiv ist. Aber das ist ja auch eine Sache, die jeder für sich entscheiden könnte und sollte).


    Da verstehe ich wirklich nicht, warum man den Personen/den Betoffenen, nicht das Recht gibt, das selbst zu entscheiden.


    Und überhaupt: Warum soll man nicht selbst entscheiden können, ob und wann man sterben möchte? Und zwar ohne sich vor einen Zug werfen oder von der Brücke stürzen zu müssen (nur mal so als Beispiele).

    Zitat

    Und überhaupt: Warum soll man nicht selbst entscheiden können, ob und wann man sterben möchte?

    Weil das eine unumkehrbare Entscheidung ist, die man nicht mehr bereuen kann?


    Eine Affekthandlung (z.B. nach einem Schicksalsschlag) oder auch aus einer Depression heraus würde ein Leben beenden, welches durchaus noch lebenswerte Zeiten vor sich hatte.


    Eine Erleichterung für die genannten Konstellationen (z.B. Krebs im Endstadium usw. ) würde ich auch begrüßen.

    Ja, ich kenne jemanden, der ist über 80, dem geht es nach leidlich überstandener Krebserkrankung einigermaßen, er hat aber innerlich schon losgelassen ("morgen nicht mehr aufachen, DAS wäre schön") und lebt praktisch aus Rücksicht auf seine Frau weiter. Es gibt definitiv Leute die haben KEINE Angst davor, nicht mehr da zu sein. Mich stimmt diese Aussicht tröstlich, dass man im Alter bereitwilliger wird, loszulassen. Etwas das ich mir jetzt noch gar nicht vorstellen kann.

    Zitat

    Eine Affekthandlung (z.B. nach einem Schicksalsschlag) oder auch aus einer Depression heraus würde ein Leben beenden, welches durchaus noch lebenswerte Zeiten vor sich hatte. (Che)

    Das ist wohl wahr, Che...


    Leider habe ich schon versucht, mich umzubringen. Durch Zufälle wurde ich gefunden, zwei Mal.


    Das ist fünf Jahre her und ich bereue meine Versuche zu tiefst. Auch die Tatsache, dass ich Menschen, die ich liebe, erschreckend verletzt habe.


    Und ich bin von Herzen froh und dankbar, dass ich gefunden wurde. Ich hätte, gefangen in einer schweren Deppression, mein Leben weggeschmissen.


    Es steckt keiner in der Haut des Menschen, der den Suizid plant, vorhat, oder gar vollzieht. Darüber, dass es Hilfe gibt (immer), war ich mir kaum mehr bewusst, trotz etlicher Therapien. Meine Skills waren alle in dem Moment nichtig..


    Artikel 1 unseres GG's besagt, die Würde des Menschen sei unantastbar. Gehört es nicht auch zur Menschenwürde, selbst den Zeitpunkt des Todes bestimmen zu dürfen?


    (Damit möchte ich nicht mir selbst widersprechen, ich wurde gefunden und freue mich, am Leben zu sein. In der Psychiatrie danach wurde mir erst richtig bewusst, was ich getan habe..)


    Ein Wunsch, den ich für jeden Menschen habe ist, dass er, wenn es soweit sein sollte, schmerzfrei gehen kann. Im Hinblick auf Krankheit. Die Palliativmedizin ist ständig in der Weiterentwicklung und ich habe große Hoffnung, dass es irgendwann der Regelfall ist, dass keiner, so schwer krank er auch sein mag, Schmerzen hat und leiden muss.

    @ :)

    Zitat

    Artikel 1 unseres GG's besagt, die Würde des Menschen sei unantastbar. Gehört es nicht auch zur Menschenwürde, selbst den Zeitpunkt des Todes bestimmen zu dürfen?

    Genau das ist der Punkt. Mit den genannten Gefahren natürlich. Aber letztlich muß ich es doch selbst entscheiden können. (Kann ich ja aktuell auch, wenn man es so nimmt. Nur eben nicht "legal". Letztlich ginge es ja nur darum, den Menschen, die das wollen, einen "einfacheren" Weg zu bieten - und dem könnte bzw. sollte man sicher auch ein Gespräch/eine psychologische Beratung voranstellen, die verpflichtend ist).

    Unperfekt

    Zitat

    Hallo zusammen, wie steht ihr zu dem Thema wenn es Menschen gibt die sich dazu entscheiden nicht leben zu wollen?

    Du hast den faden unter Psychologie eröffnet, also würde ich von einer psychischen Störung ausgehen oder meinst du Selbstmord aufgrund eines körperlichen Gebrechens wie Krebs?

    Zitat

    Du hast den faden unter Psychologie eröffnet

    Ich bin davon ausgegangen dass sie von Selbstmord wegen einer psychischen Erkrankung spricht.


    Daher auch meine Antwort. Ich habe so das Gefühl dass sie sich deshalb auch so vorsichtig und neutral in der Eingangsfrage ausgedrückt hat.


    Wer auf Grund einer unheilbaren Krankheit, Krebs im Endstadium oder ähnliches sterben möchte,


    gibt dies in aller Regel als Begründung für seinen Todeswunsch an.

    Hallo zusammen,


    entschuldigt das ich jetzt erst antworte aber ich hatte einiges zu tun.


    Ich danke euch erst einmal für die Rückmeldungen und auch Meinungen. Jeder hat bei dem Thema ja eine andere.


    Bei einer Erkrankung kann ich nachvollziehen oder sogar zu 100 % Prozent dahinter stehen, dass jemand nicht mehr leben möchte und sich dann umbringt oder ich würde sogar soweit gehen wie es in anderen Ländern schon der Fall ist das man eine aktive Sterbehilfe anbietet.


    Zu dem Psychischen Selbstmord hab ich 2 Meinungen oder bin mir da ziemlich unschlüssig.


    Auf der einen Seite denke ich es gibt so viel schönes im Leben und viele Menschen die einen Lieben es wäre sehr schade wenn jemand sich das Leben nimmt.


    Auf der anderen Seite denke ich es gibt vielleicht einfach Menschen die nicht für das Leben gemacht sind. Man kommt auf die Welt und wurde auch nicht gefragt ob man Leben möchte. Ich kann viele Menschen verstehen die sich einfach ein anderes Leben gewünscht haben und es klappt nicht oder die starke Depressionen haben.


    Und warum sollte man an die anderen Menschen denken? Das ist ja eine Entscheidung die man für sich trifft weil man dann die Vorstellung hat man ist glücklicher.


    Ich habe in letzer Zeit viel darüber gelesen. Selbstmord, Selbstmordversuche, Familie wie die damit umgeht und dann habe ich mir einfach sehr viele Fragen gestellt.