Ständig wiederkehrende Existenzängste

    Hallo zusammen,


    ich habe seit vielen Jahren Existenzängste. Mal ausgeprägter, mal weniger. Montag ist halt auch so ein typischer Tag, wo ich dann sehr oft drunter leide. Auch heute wieder ...


    Leider habe ich bisher nichts gefunden, dass mir diese Ängste nimmt. Meine Selbstständigkeit ist vielleicht nicht der beste Ausgangspunkt, um Existenzängste zu vermeiden, aber ich mache das ja nicht erst seit gestern. Und selbst bei sehr guter Auftragslage habe ich wiederkehrend Angst, dass es irgendwann nicht mehr läuft. Selbst als ich angestellt war, bangte ich oft um die Firma.


    Für schwierige Zeiten habe ich immer noch einen Notgroschen und auch das vermag mir nicht diese ständige Angst zu nehmen. Wahrscheinlich könnte ich 1 Million auf dem Konto haben und hätte dann auch wieder Sorge, dass es ja irgendwann alle sein könnte.


    Das Problem ist nicht wirklich ein materielles, sondern meine Einstellung. Grundsätzlich bin ich wenig risikobereit und mag Dinge, die planbar sind - wo ich weiß, was mich erwartet. Irgendwie müsste ich aber damit gelassener umgehen - nur wie tue ich das?


    Ein Psychologe wäre hier die falsche Adresse, da ich darin keinen Krankheitswert sehe. Nur möchte ich irgendwie lernen damit umzugehen. Hat jemand Tipps, Webseiten oder Literatur-Empfehlungen?

  • 9 Antworten

    dein wissen ist dein kapital, je mehr projekte/jahre zu sammelst, umso wertvoller ist deine erfahrung auf dem arbeitsmarkt.


    ich würde mir auch eine homepage zulegen, wo du mal richtig ranklotzt, quasi als visitenkarte und für dich als beweis, was du erreicht hast.


    in welcher branche arbeitest du denn?

    TimFaber schrieb:

    dein wissen ist dein kapital, je mehr projekte/jahre zu sammelst, umso wertvoller ist deine erfahrung auf dem arbeitsmarkt.


    ich würde mir auch eine homepage zulegen, wo du mal richtig ranklotzt, quasi als visitenkarte und für dich als beweis, was du erreicht hast.


    in welcher branche arbeitest du denn?

    Ich arbeite in der IT-/Medien-Branche. Wahrscheinlich würde ich auch recht schnell einen Job bekommen, wenn das notwendig wäre. Rational gesehen, gibt es keine Gründe sich Sorgen zu machen. Ich mache mir aber trotzdem welche.

    Seit ich denken ist das so - einerseits immer die Sorge irgendwo zu versagen und dann eingehend damit auch Existenzängste. Irgendwie beneide ich immer Menschen, die eine Rente beziehen. Nicht weil sie dafür nichts machen müssen, sondern die Gewissheit haben, dass es regelmäßig gezahlt wird - auch wenn es durchaus bei einigen knapp ist.


    Sobald man dem Arbeitsmarkt zur Verfügung steht, springt man in eine Art Haifisch-Becken. Nichts ist sicher - kein Honorar, kein Auftrag, kein Job, kein Gehalt. Diese Unsicherheiten bereiten mir Sorge. Wer das Risiko mag, kann sicherlich so richtig Geld verdienen. Ich möchte aber nicht das große Geld verdienen, sondern irgendwo Sicherheiten, die mich ruhig schlafen lassen.

    marblemadness schrieb:

    Ich möchte aber nicht das große Geld verdienen, sondern irgendwo Sicherheiten, die mich ruhig schlafen lassen.

    Ich sag mal so: Für das Unternehmertum ist man geboren oder nicht, man hat es im Blut oder nicht. Tatsächlich ist es nicht jedermanns Sache. Unternehmer zu sein, bedeutet immer Risiko, Mehrarbeit, etc. - es ist in nichts zu vergleichen mit dem Angestelltsein.


    Wenn du seit Jahren diesbezüglich Ängste hast, musst du vielleicht grundlegend über die Bücher. Stimmt das jetzige Berufsmodell wirklich überein mit deiner Persönlichkeit? Gibt es allenfalls eine Mischform, die du anstreben könntest?


    Ich war vor vielen Jahren ebenfalls selbstständig und habe irgendwann festgestellt, dass das nichts für mich ist. Genau aus den Gründen, die du genannt hast. Es fühlte sich immer wie ein Damokles-Schwert über mir an, obwohl ich auch ein finanzielles Polster hatte. Ich habe dann gemerkt, dass ich von meiner Persönlichkeit her einfach mehr Kontinuität und Sicherheit brauche, dass mir das einfach gut tut. Ich habe in mir seit jeher viel Unruhe und da brauche ich beruflich einfach mehr Sicherheit.


    Heute arbeite ich seit vielen Jahren angestellt, es hat natürlich Vor- und Nachteile. Der grösste Nachteil ist, dass man meistens Chefs oder Kollegen hat, über die man sich grausam aufregt... Ich habe jetzt dieses Jahr wieder angefangen, eine Teil-Selbstständigkeit aufzubauen und so im kleinen Rahmen finde ich es total spannend - wer weiss, wohin es führen wird. Ich bin jedenfalls froh um beides.


    Vielleicht kannst du damit etwas anfangen.

    Vielleicht würde es dir gut tun, zunächst einmal eine 20% Arbeit in Anstellung anzunehmen, irgendetwas, was eher Routine braucht, etwas Ruhiges, Konstantes, Stetiges - sozusagen als Gegenpol zur Selbstständigkeit.


    Am besten jeweils montags, da mit du dann nicht auf trübe Gedanken kommst und die Woche mit einem Fixpunkt starten kannst.

    Ich finde in der derzeitigen Situation sind Existenzängste mehr als angebracht.

    Wenn wir uns weiter so verschulden und die EZB Geld druckt, als gäbe es kein Morgen mehr, könnte uns der Laden irgendwann komplett um die Ohren fliegen.

    Ich sage nur Inflation. Zumindest destabilisiert sich momentan alles und niemand kann sich mehr seines derzeitigen Wohlstandes sicher sein.

    Insofern kann Deine Existenzangst zumindest momentan aus meiner Sicht wohl kaum pathologisch sein.

    Skolka schrieb:

    Vielleicht würde es dir gut tun, zunächst einmal eine 20% Arbeit in Anstellung anzunehmen, irgendetwas, was eher Routine braucht, etwas Ruhiges, Konstantes, Stetiges - sozusagen als Gegenpol zur Selbstständigkeit.


    Am besten jeweils montags, da mit du dann nicht auf trübe Gedanken kommst und die Woche mit einem Fixpunkt starten kannst.

    Klar, die Jobs fliegen ja momentan wie Brathähnchen durch die Lüfte. Weißt Du wieviele durch den Lockdown schon ihren Job verloren haben und nun einen neuen suchen?

    Warum hast Du eigentlich nie einen Beamtenjob, z.B. beim Finanzamt angestrebt. Sicherer geht´s eigentlich nicht.

    Skolka schrieb:
    marblemadness schrieb:

    Ich möchte aber nicht das große Geld verdienen, sondern irgendwo Sicherheiten, die mich ruhig schlafen lassen.

    Ich sag mal so: Für das Unternehmertum ist man geboren oder nicht, man hat es im Blut oder nicht. Tatsächlich ist es nicht jedermanns Sache. Unternehmer zu sein, bedeutet immer Risiko, Mehrarbeit, etc. - es ist in nichts zu vergleichen mit dem Angestelltsein.

    Wie ich bereits im Eingangspost schrieb, hatte ich diese Existenzängste auch, als ich angestellt war. Sicherlich wird das dort anders abgefedert, aber auch dort kann es immer sein, dass man gekündigt wird oder das Unternehmen pleite geht - was dann auch passierte. Um mich herum haben etliche Firmen die 16 Jahre, die ich selbstständig bin, nicht überlebt.


    Ich weiß, dass ich generell ein Typ Mensch bin, der sich übermäßig sorgt. Das sagte mir auch mein Therapeut. Er hatte es "einen guten Nährboden" für Ängste genannt. Irgendwie würde ich gern lernen, wie ich grundsätzlich gelassener werden kann und nicht immer auf Nummer sicher gehen möchte. Das ist hinderlich.


    Poppeye schrieb:

    Warum hast Du eigentlich nie einen Beamtenjob, z.B. beim Finanzamt angestrebt. Sicherer geht´s eigentlich nicht.

    Das stimmt. Aber sowas wäre ja nun überhaupt nicht meins. Ich bin ein kreativer Mensch und muss das auch beruflich ausleben dürfen. Es ist mir schleierhaft, wie Leute Sachbearbeiter werden können. Ein Leben lang Monotonie und Routine. Das muss doch grauenvoll sein.


    Damals wollte ich zum Wetterdienst - Wetter gibts auch immer, aber meine Eltern waren davon gar nicht begeistert - und IT war Mitte der 90er natürlich auch noch was für Entdecker. Ich fand das total spannend. Heute ist vieles völlig normal geworden und extrem komplex. Man entdeckt nicht mehr, sondern produziert am laufenden Band.

    Ich hatte Deinen Eingangspost schon richtig gelesen. Diese Ängste mögen ja vorher übersteigert gewesen sein, aber ich bleibe dabei. Momentan sind sie mehr als berechtigt und Du solltest vielleicht auch nicht künstlich dagegen angehen. Denn Ängste können uns ja auch schützen. Momentan sehe ich diese wie gesagt nicht als irrational an. Was vorher war, interessiert im Moment m.E.n. nicht.