Ständige Müdigkeit + innere Unruhe/keine Konzentration

    Guten Tag,


    zu meiner Person: Ich bin 26 Jahre alt, männlich und musste bis jetzt glücklicherweise noch nie wirklich Medikamente zu mir nehmen.


    Allerdings habe ich seit meinem Abitur 2010 diverse Symptome, die sich im Laufe der Jahre verstärkt haben. Mein Abitur war eher unterdurchschnittlich, aber immerhin habe ich es damals gepackt. Danach habe ich eine Ausbildung zum Industriekaufmann begonnen und auch abgeschlossen. Allerdings merkte ich schon während der Ausbildung, dass ich die Dinge mit extremer Sorgfalt (vielleicht auch zu viel Sorgfalt) angegangen bin. Zum Beispiel habe ich mir Emails mehrfach durchgelesen, ehe ich sie verschickt habe. Oftmals musste ich dann im Nachhinein trotzdem noch etwas abändern. Ich habe also meistens sehr perfektionistisch gehandelt, obwohl mein Schreibtisch immer im Chaos versunken ist (Bestellungen, Angebote) alles lag verstreut auf meinem Schreibtisch. Nach erfolgreichem Abschluss der Ausbildung mit besseren Noten im Vergleich zum Abitur, wurde ich von der Firma übernommen und habe dort ein halbes Jahr gearbeitet. Dies war der Punkt, ab dem meine Müdigkeit zunahm. Mein Kollege wollte die meisten Aufgaben selber erledigen, sodass ich meistens relativ wenig zu tun hatte. Wenn er allerdings in den Urlaub ging, war ich ziemlichen Stress ausgesetzt. In dieser Zeit kam ich kaum aus dem Bett und habe mich auch nach Arbeitsschluss gedanklich mit Problemen aus dem Büro auseinandergesetzt, weswegen ich auch erst spät einschlafen konnte.


    Ich war unzufrieden mit meinem Job, da ich kaum Aufgaben übertragen bekommen habe. Gegen meinen Kollegen habe ich nicht interveniert, um dem Betriebsklima im Büro nicht zu schaden. Letztendlich habe ich mich nach dem halben Jahr dazu entschlossen, BWL studieren zu gehen. Anfangs war das auch okay. Ich war wieder motiviert, weil ich ein neues Kapitel beginnen durfte. Diese Motivation ließ allerdings Stück für Stück wieder nach. Jetzt, seit dem 4. Semester spüre ich eine ziemliche Erschöpfung. Ich stehe spät auf (durch mein Vollzeitstudium ist dieser Luxus nun möglich) und gehe früh ins Bett. Und trotzdem bin ich tagsüber ständig müde und abgeschlagen. Ich will lernen und mich mit den Dingen beschäftigen. Aber ich kann einfach keine Kraft aufwenden und lenke mich lieber mit anderen unwichtigen Dingen ab. Selbst bei den "unwichtigen" Dingen bin ich nicht ganz bei der Sache. Ich schaue Fernsehen und konzentriere mich nicht auf den Inhalt. Ich schaue quasi durch den Fernseher hindurch. Genauso ist es bei dem Lesen von Fachbüchern oder Romanen. Mir ist es einfach nicht möglich, mich auf den Inhalt zu konzentrieren. Ich gehe mir dann oftmals dabei durch die Haare, schaue aus dem Fenster oder lege mich wieder auf die Couch, weil mich meine Müdigkeit dazu zwingt. Folglich habe ich dieses Semester auch ein ziemlich mieses Gefühl, weil ich kaum Vorlesungen besucht bzw. mich mit dem Stoff beschäftigen konnte. Ich spüre nicht nur eine Müdigkeit, sondern eine Schwäche, die sich in Beinen und Armen bemerkbar macht. Des Weiteren leide ich seit fast 2 Jahren unter einem breiigen Stuhlgang und heftigen Blähungen. Die zuvor angesprochene Müdigkeit wird oftmals von innerer Unruhe begleitet. Klingt komisch, ist aber so. Ich gehe wegen jeder Kleinigkeit an die Decke. Ob es Rolladen sind, die morgens mein Vermieter hochzieht oder der Nachbarshund der bellt. Ich reagiere dann sehr gereizt und verärgert.


    Dies zur Symptomatik und meiner Vorgeschichte. Ich bin daraufhin natürlich zum Arzt und habe meine Probleme, die im Laufe der Zeit mehr geworden sind, geschildert. Daraufhin wurde mir Blut abgenommen, Stuhlproben abgegeben, selbst meine Schilddrüse habe ich gründlich (auch mit entsprechendem großen Blutbild) untersuchen lassen. Alles ohne Befund. Magenspiegelung war auch ohne Befund. Nahrungsmittelunverträglichkeiten: ohne Befund. Keine Lactose, keine Fructose und laut Test auch kein Gluten. Ich habe auch einfach mal die Ernährung umgestellt und auf Gluten verzichtet. Allerdings änderte sich am Stuhl absolut gar nichts.


    Letzte Instanz die mir einfiel, war ein Psychiater. Dieser verschrieb mir erst Ecitalopram 20mg. Dadurch merkte ich allerdings keinen Effekt. Vielleicht hätte ich die Tabletten noch länger nehmen müssen. Ich habe sie nur für ca. 2 Wochen genommen. Mein Fehler. Ich wollte mir keine Depression eingestehen und habe weiter unter der Situtation gelitten. Bei einem späteren Besuch, nachdem ich die Müdigkeit einfach nicht mehr aushalten konnte und mein Studium zienmlich darunter litt, verschrieb er mir dann Medikinet adult 20mg 2x am Tag. Eine Tablette um 09:00 Uhr, die andere um 14:00 Uhr jeweils nach den Mahlzeiten und nur in den Lernphasen. Nach der ersten Tablette merkte ich rein gar nichts. Kurze Zeit nachdem ich die zweite Tablette eingenommen hatte, dachte ich meine Pumpe würde stärker arbeiten. Allerdings hatte sich mein Puls und Blutdruck nicht wesentlich durch die Einnahme verändert. Jedenfalls habe ich mir ein Buch zur Hand genommen (erst mal nur einen Thriller zum Test) und ich konnte erstmals ein Buch flüssig und schnell lesen, ohne nicht ständig wieder einzelne Sätze wiederholen zu müssen. Ich war auch wach und konzentriert. Lediglich die Unruhe ist geblieben. Ich habe innerhalb kürzester Zeit 140 Seiten gelesen und war sprachlos. So habe ich noch nie gelesen. Schnell und zusammenhängend. Vor allem dieser wache Zustand war nach der langen Zeit sehr angenehm.


    Nun stellt sich mir die Frage, kann es wirklich sein, dass ich ADS als Erwachsener habe, obwohl sich das in meiner Kindheit nicht bemerkbar gemacht hat? Ich war nie ein Zappelphilipp - bin ich im Übrigen auch heute nicht-, sondern eher verträumt und nicht richtig bei der Sache. Klingt die Diagnose logisch oder weisen die Symptome eher auf eine Depression hin? Bin schließlich auch manchmal agressiv, weil ich nicht mit diversen Geräuschen klar komme. Ich habe jetzt nur Angst, dass ich eventuell auch als Mensch ohne ADS auf dieses Medikament reagieren könnte. Viele Studenten nehmen schließlich Ritalin, um bessere Noten zu erzielen. Oder wirkt es bei denen anders? Oder könnte eine dritte Ursache eine Rolle spielen, wegen meines Magens bzw. Darms?


    Ich hoffe, ich habe durch dieses langen Text nicht den Rahmen gesprengt. Nur meine Beschwerden haben mittlerweile eine jahrelange Geschichte und ich wollte nichts auslassen, was eventuell wichtig sein könnte. Über Tipps, Erfahrungen oder Ideen bin ich sehr dankbar.

  • 5 Antworten

    Hey :)


    Für mich ist es schwierig darauf zu Antworten aufgrund mangelndem Wissen bezüglich ADS/Depression aber da ich es aufmerksam gelesen habe, will ich dir nun antworten :)


    Wollte erst ohne mich vorher über ADS ein wenig einzulesen auf depression tippen und jetzt bin ich verunsichert und würde sogar ADS ohne Hyperaktivität in betracht ziehen.


    Ich denke, dass dir das keiner so richtig beantworten kann (ich habe auch das gefühl, dass ich unter depressionen leide, da ich zuvor nie ads in betracht gezogen habe und nun stark verunsichert bin) :)


    Ich empfehle dir, einen Arzt aufzusuchen. Wenn du dich nicht wohl fühlst, dann ab zum nächsten!


    Bin nun beim 3. Arzt und habe das gefühl bei ihm, dass er sich für mich zeit nimmt und mich auch wahrnimmt. (Trotz voller praxis und stress nahm er sich die zeit und wollte mich auch nicht "schnell los werden" (war wegen anderem bei ihm und hab vorsichtig das thema angesprochen und lange mit ihm darüber geredet) werde die nächsten wochen nochmal nen termin bei ihm machen :)


    Wünsche dir viel Glück und Erfolg


    Gruß

    Hallo,


    also wenn ich das so lese hört sich das fast nach meinem Weg an. Bei der Ausbildung hat es angefangen, im Studium ist es schlimmer geworden. Von Arzt zu Arzt gerannt, alles würde untersucht, nichts gefunden.


    Dann beim Psychiater eine Angststörung diagnostiziert bekommen und dazu Tabletten. War dann auch eine lange Zeit gut aber die eigentlichen Probleme waren damit nicht gelöst. Die waren/sind viel tiefgreifender.


    Angefangen bei innerfamiliären Problemen, fehlendem Selbstbewusstsein, eine destruktive On-/Off-Beziehung, permanente Übeforderung bis hin zur Unfähigkeit mein Leben so zu gestalten, dass es mir gut geht und mich dementsprechend abzugrenzen. Viele kleine Bausteine für ein großes Problem.


    Ich kann dir nur den Rat geben, dich nach einem Psychotherapeuten umzuschauen der dir zusagt. Lass dir das von deinem Hausarzt verschreiben. Ich habe das auch gemacht und dadurch bin ich zumindest mal auf den richtigen Weg gekommen. Aber es wird ein lebenslanges dazulernen.


    Also bevor ich noch viel mehr schreibe... Ich will von meinem Fall jetzt nicht eindeutig auf deinen schließen aber das kommt mir schon ziemlich bekannt vor was du da so schreibst. Vielleicht hinterfragst du dich mal.

    Hallo


    ADS heißt nicht automatisch Zappelphillip. Es könnte auch eine Verträumtheit sein. Andere Diagnosen sind auch denkbar. Wobei zahlreiche negtaive Erfahrungen natürlich die Gedankenflucht in die Traumwelt begünstigen. Ich denke ein Psychiater (mit Psychologe) ist keine so schlechte Idee. Du hast erkannt das etwas nicht stimmt und weißt aber nicht genau was (was bei mir übrigens genauso ist). Manchmal muss man eben eine Weile suchen, wenn es nicht sofort körperlich erkennbares ist.


    LG


    'Ich

    Es gibt das Zappelphillipsyndrom, allgemein bekannt als ADHS.


    Und dann noch die Variante ohne Hyperaktivität bekannt als ADS.