Suizid ohne Leiche

    Hallo liebes Forum,


    Ich schreibe als Alias, weil ich nicht möchte, dass durch diesen Thread Rückschlüsse auf meine Person gezogen werden können. Ich bitte um Nachsicht deswegen...


    Der Vater einer Freundin ist vor 3 Monaten verschwunden. Er fuhr mittags mit dem Auto davon ohne ein Wort zu seiner Frau und kam nicht mehr zurück. Das Auto wurde einen Ort weiter auf einem Parkplatz gefunden, der Schlüssel steckte im Schloss.

    Die Polizei geht aufgrund der Indizien von einem Suizid aus. Ein Verbrechen bzw ein freiwilliges Verschwinden wird weitestgehend ausgeschlossen. Letzteres u.A. auch, weil keine Dinge mitgenommen wurden und seitdem keine Kontobewegungen mehr statt fanden.

    Die Familie leidet sehr darunter, dass der Vater/Mann einfach ohne ein Wort verschwunden ist und vor allem, trotz großflächiger Suche der Polizei, keine Leiche gefunden wurde.

    Sie wissen nicht mehr weiter, leben im Ungewissen.

    Von Depression war nichts bekannt, nur dass der Mann mit der Umstellung auf die Rente, ein Jahr zuvor, haderte. Er fühlte sich nicht mehr so gebraucht.

    Warum der Thread hier?

    Ich möchte meine Freundin gerne helfen, weiß aber nicht wie. Sie fragt mich so oft, warum hat er das gemacht, wie kann das sein, wo ist er?

    Wo/wie kann man Suizid begehen ohne gefunden zu werden?(Das war wohl sein Ziel, erwähnte er mal bei Freunden so, diese nahmen das leider nicht so ernst)

    Mir fällt immer nur das Meer ein, aber dahin müsste er erstmal gefahren sein event. per Bahn und dann wohl auch mit einem Boot weiter hinaus oder? Sonst wäre er doch gefunden worden.

    Ich weiß es ja auch nicht. Ich verstehe zwar, dass ein Suizid für einen selber so eine Ausnahmesituation ist, dass man nicht an die Familie denkt. Aber dass man bewusst plant nicht gefunden zu werden, verstehe ich nicht. Das macht es umso schwerer für die Ehefrau und die Tochter...

  • 16 Antworten

    Jede Form von größerem Gewässer, Berge,...

    Es heißt in dieser Form ja aktuell "noch nicht gefunden", je nachdem kann sich das noch ändern.

    Ja, das stimmt.

    Er wurde "noch" nicht gefunden...Die Familie hat Angst, dass er gar nicht gefunden wird und sie so nicht richtig abschliessen können.

    Wenn würde es sich wohl nur um einen Zufallsfund handeln, denn die Polizei hat auch keine Ideen mehr.

    Eine schreckliche Situation für alle Beteiligten...

    Zitat

    Wo/wie kann man Suizid begehen ohne gefunden zu werden?

    Also jede Idee, die es da gibt, kann auch von anderen Suizidalen "genutzt" werden, die bisher vielleicht noch ideenlos waren. Daher möchte ich hier keine Ideen verbreiten. Gerade weil das für die Hinterbliebenen eine schreckliche Form der Ungewissheit bedeutet.


    Ich kann nachvollziehen, dass das für deine Freundin und deren Mutter sehr schwer ist. Mit vielen Fragen. Aber ich würde sie doch auf eine psychotherapeutische Begleitung verweisen. Dir wünsche ich eine passende Mischung aus Empathie und Abgrenzung.

    Zitat

    Letzteres u.A. auch, weil keine Dinge mitgenommen wurden und seitdem keine Kontobewegungen mehr statt fanden.

    Wenn man ohne Spur untertauchen will, sollte man das auch nicht machen. Was soll man gross mitnehmen, wenn man ein neues Leben anfangen will?

    Mir wären das zu wenig Indizien für einen Suizid.


    3 Monate sind aber nun auch nicht lange. Wo ist der Parkplatz denn? Wald, Autobahn, Bahnhof?

    Alias 976924 schrieb:

    Ein Verbrechen bzw ein freiwilliges Verschwinden wird weitestgehend ausgeschlossen.

    Dann bleibt nur die Möglichkeit eines Unfalls.

    Alias 976924 schrieb:

    Von Depression war nichts bekannt, nur dass der Mann mit der Umstellung auf die Rente, ein Jahr zuvor, haderte. Er fühlte sich nicht mehr so gebraucht.

    Von Depression war nichts bekannt?

    Alias 976924 schrieb:

    Wo/wie kann man Suizid begehen ohne gefunden zu werden?(Das war wohl sein Ziel, erwähnte er mal bei Freunden so, diese nahmen das leider nicht so ernst)

    Und weil sie das nicht ernst nahmen war "von Depression nichts bekannt"??


    Er haderte mit seiner Umstellung in das Rentnerdasein, erwähnte vor Freunden als Ziel sich umzubringen....aber es wird sich trotzdem gewundert?


    Ich will damit sagen, an Dich direkt: Du hast nicht den Einblick in die Familie. Sehr häufig werden bewußt oder unbewußt (gewollt oder ungewollt) doch sehr relevante Dynamiken oder Ereignisse seitens der Familie verschwiegen.


    Aber das ist ja nicht Deine Frage.


    Wie Du für sie da sein kannst, ihnen helfen kannst? Eben einfach für sie da sein. Leider kannst Du nicht mehr tun.

    DarkerShark

    Danke für deine Antwort und du hast natürlich Recht, dass jegliche "Ideen" von Suizidalen genutzt werden könnten. Das möchte ich natürlich nicht!

    gato

    Die Polizei hat für das Ausschliessen eines freiwilligen Verschwindens ihre Gründe, alles habe ich hier auch nicht geschrieben.( U.a. ohne Geld sehr schwierig)

    3 Monate sind für die Angehörigen verdammt lange, wie du dir vielleicht denken kannst.

    Auto stand auf einem Supermarkt Parkplatz. Ein Bahnhof befindet sich in der weiteren Umgebung.

    Alias 976924 schrieb:

    ( U.a. ohne Geld sehr schwierig)

    Geld kann man sich ansparen, auch über Jahre hinweg, ohne, dass die Familie das mitbekommt.

    Ich will damit nicht sagen, dass man das 10 oder 20 Jahre mit einem solchen Vorsatz macht - man kann es aber bei Bedarf dafür dann nutzen. Und das muß auch nicht über den eigenen Namen laufen.


    Aber auch wenn es sich jetzt etwas herzlos anhört:

    Ist es für die Mutter und die Tochter nicht letztendlich langsam egal was mit ihm nun ist? Natürlich will man es wissen, klar. Aber ich würde ehrlich gesagt sollte es sich um ein "nur Verschwinden" handeln dem Mann so oder so in den Hintern treten falls er wieder mal auftritt.


    Sprich: Nach drei Monaten wäre für mich Zeit den Loslass-Prozess anzukurbeln.

    Bellaisadonna

    Richtig, ich weiß nicht was die Frau des Vermissten bezügöich der Psyche ihres Mannes genau weiß/wusste.

    Die Tochter wusste nichts von Depressionen und jeder hadert mal mit einer Sache/Situation und nicht jeder bringt sich gleich um.

    Was er zu Freunden sagte, erfuhr die Familie erst nach seinem Verschwinden von eben diesen.

    Von einem Unfall geht die Polizei nicht aus. Sicher wissen die einiges, was ich nicht weiß. Ich fühle eben nur mit der Freundin und weiß kaum mehr was ich sagen soll...eventuell lief es zwischen ihren Eltern auch nicht mehr so gut und sie wusste das nicht. Möchte ich aber nicht so sagen...

    Zum Verarbeitungsprozess:

    Ich denke das können sie (noch) nicht, zumindest nicht ohne Gewissheit was passiert ist. Ist doch klar, dass man da Kopfkino hat und über alle möglichen Szenarien nachdenkt.

    Alias 976924 schrieb:

    Die Tochter wusste nichts von Depressionen und jeder hadert mal mit einer Sache/Situation und nicht jeder bringt sich gleich um.

    Das ist klar.

    Ich kenne zwei Leute die mit ihrem Ruhestand lange zu kämpfen hatten - aber da war nie etwas in der Richtung....

    Ich persönlich glaube ja, dass es nie nur eine Ursache für einen Suizid gibt - aber letztendlich dann einen Auslöser.


    Alias 976924 schrieb:

    Ich fühle eben nur mit der Freundin und weiß kaum mehr was ich sagen soll...eventuell lief es zwischen ihren Eltern auch nicht mehr so gut und sie wusste das nicht.

    Das verstehe ich sehr gut.

    Alias 976924 schrieb:

    Ich denke das können sie (noch) nicht, zumindest nicht ohne Gewissheit was passiert ist. Ist doch klar, dass man da Kopfkino hat und über alle möglichen Szenarien nachdenkt.

    Ja natürlich ist das klar!

    Und vor allem ist da noch Eines: Hoffnung.

    Je nachdem wie die Beziehung(en) vorher waren, egal wie schwierig...man hat doch noch die Hoffnung, dass er sich "besinnt" und wiederkommt, einfach nur eine Auszeit brauchte usw..

    Nur wäre für mich eben irgendwann der Punkt erreicht an dem ich abschließen müsste. Und der wäre bei mir nach drei Monaten zumindest im Ansatz erreicht. Doch der Zeitraum bis dahin ist natürlich bei Jedem anders.

    Ich kenne aus dem Bekanntenkreis meiner Eltern einen Fall, dass jemand verschwand und nie mehr auftauchte. Es gab aber auch in der Vorgeschichte Gründe, einen Suizid anzunehmen. Und es ist für die Hinterbliebenen auch 10 Jahre nach dem Verschwinden immer noch eine riesige Belastung. Auch wenn der Mensch natürlich irgendwann für tot erklärt wurde.


    So zu verschwinden ist ja kein Ding, wenn man es darauf anlegt. Es ist brutal für die Menschen, die trotz allem einem nahe stehen. Ob es aber angenehmer ist, einen geliebten Menschen tot aufzufinden, weiß ich nicht. Besser ist, man kämpft um sein Leben und lässt sich helfen.

    Comran schrieb:

    So zu verschwinden ist ja kein Ding, wenn man es darauf anlegt.

    Genau.

    Comran schrieb:

    Besser ist, man kämpft um sein Leben und lässt sich helfen.

    Das meine ich.

    Der Punkt ist doch: Ein Mensch der mich auf eine solche Art zurücklässt (egal ob durch Suizid oder "nur" Verschwinden ohne jegliche Erklärung), sollte der mir nicht irgendwann egal sein? Mein Leben, mein Wohlbefinden nicht mehr bestimmen (dürfen)?

    Ich finde so ein Verhalten ist das Allerschlimmste was man einem (geliebten oder zumindest Menschen von dem man selbst geliebt wird) antun kann.

    Um richtig verstanden zu werden: Damit meine ich nicht Suizid/Verschwinden per se. Manche Menschen können nicht anders, das sollte man akzeptieren lernen. Doch wie gesagt: Ohne Gespräch(e)? Ohne Erklärung? Einfach abhauen?

    Es ist schon mit Erklärung schlimm, zeugt aber von einem Mindestmaß an Respekt (und Liebe) für die Verlassenen. Aber ohne?


    Ich hätte dann keinen Hass, ich würde meine Wut verrauchen lassen - weil dieser Mensch es in meinen Augen nicht verdient hat. Und schon gleich drei Mal nicht (mehr) Macht in meinem Leben haben sollte.

    PS:

    Und mal ganz nebenbei: Mein Vertrauen in diesen Menschen wäre unwiederbringlich zerstört, wenn nicht gar mein Urvertrauen stark angekratzt.