Therapeuten finden

    Hallo, ich überlege ob ich es noch einmal mit einer Therapie versuchen sollte ... Aber wenn ich dann konkret überlege wie, wo und wann und vor allem bei wem, bin ich schon komplett überfordert und demotiviert. Dann schaue ich ins Internet und finde (dank der Nähe zu Hamburg) ausreichend Kandidaten. Genau genommen schon wieder zu viele. Denn ... wer ist für mein Gebiet am geeignetsten ? Wer hat Termine frei (vermutlich niemand, und bei Kassenpatienten schon mal gar nicht) ? Das heißt ich soll jetzt blind beim ersten in der Liste einen Termin machen, der dann in zwei Jahren stattfindet um dann festzustellen dass er oder sie ein Idiot ist !? Entschuldigung, das ist Mist. Deswegen vermeide ich es jetzt schon seit 10 Jahren ... Wie zur Hölle soll man da vorgehen ? Und dann ist es so, dass meine Themen nicht etwas sind wie, "ich habe Angst vor Menschenmengen" (ich will das nicht klein reden). Sondern es sind Themen mit denen ich mich selbst schwer tue sie überhaupt auszusprechen oder zu formulieren. Ich muss absolute Gewissheit haben, dass der Arzt sich zu 100% an seine Schweigepflicht hält falls ich seine Praxis wieder unverrichteter Dinge verlasse. Ich brauche auch keine Ärzte die einen unter Druck setzen oder einen erpressen, das hatte ich nämlich bereits. Am liebsten würde ich sogar mal für unbestimmte Zeit komplett aus dem Alltag ausscheiden. Stationär in einer Klinik oder so. Aber das einzige das ich habe was mir wirklich extrem Spaß macht und mich quasi am Leben hält ist mein Job. Nach 2 Wochen Urlaub und Feiertagen habe ich mich schon total darauf gefreut endlich wieder zur Arbeit zu können (in der Vergangenheit habe ich sogar schon öfters meinen Urlaub abgebrochen um wieder zu Arbeit gehen zu können).


    Wie würdet ihr vorgehen ?

  • 38 Antworten

    Psychotherapeuten sind keine Ärzte und unterliegen eine sehr, sehr strenge Schweigepflicht. Da worum es um psychische Themen geht, ist die Schweigepflicht strenger als für Ärzte.


    Nicht mal meine Kollegen dürfen wissen, wer meine Patienten sind, geschweige in deren Akten gucken. Geht gar nicht.


    Wie sucht man jemand?


    Webseite der Kassenärztliche Vereinigung -> Arzt und Therapeutensuche.


    Welches Verfahren?


    Was will ich, was sind meine Ziele? Komme ich besser mit eine aktiven (Verhaltenstherapie) Vorgehensweise mit Konfrontation oder eher passiven (Psychoanalyse, Tiefenpsychologie) zur Recht.


    Will ich schnell etwas erreichen -> Verhaltenstherapie ist kurzer, auf hier und jetzt gerichtet


    Bei psychosomatischer Störungen finde ich persönlich Tiefenpsychologie besser, bei Angst, Suchts, Persönlichkeits- und Zwangsstörungen usw. dann Verhaltenstherapie.


    Bei Depression ist es eigentlich egal welche


    Will ich meine Kindheit, zurückliegende Sachen aufarbeiten - Tiefenpsychologie


    Hier und jetzt - Verhaltenstherapie


    Wie finde ich den richtigen?


    Du darfst 1 Sitzung bei bis zu 5 verschiedenen Therapeuten haben (probatorische Sitzungen). Danach muss du dich entscheiden.

    Zitat

    Webseite der Kassenärztliche Vereinigung -> Arzt und Therapeutensuche.

    Ja ok, aber das ist ja genauso gut wie eine Google-Suche. Da bekomme ich in und um Hamburg 600 Treffer (ist jetzt mal geraten). Damit ist mir ja nicht geholfen.

    Ehrlich !? Ich kann damit nichts anfangen. Konfrontation ? Tiefenpsychologie ? Verhaltenstherapie ? Ich war bereits 14 Monate erfolglos in einer Therapie und der Typ hat mich auch gefragt ob ich evtl. etwas anderes möchte. Ich habe kein Plan. Ich dachte dafür gehe ich zu einem Arzt !? Ich erwarte dass der mir sagt was ich habe und was ich dagegen tun muss. Und ich vertraue darauf das er mir sagt was am besten hilft.


    Der frühere typ hat sich auch nicht um Körperliche Dinge gekümmert (klingt irgendwie anstößig ;-D ). Ich wollte auch gerne wissen ob es evtl. andere Ursachen geben könnte. Vielleicht auch Dinge die weit zurück liegen usw. Stoffwechsel ... Herr je, ich bin kein Arzt, ich kann mir tausend Dinge ausdenken. Ich hatte ihn angesprochen und erwartet dass das irgendwie untersucht wird. Oder dass er irgendwelche Fragen stellt. Aber die einzige Frage war 14 Monate lang, "worüber wollen Sie heute sprechen, haben Sie irgendetwas mitgebracht?". Diese Frage hat mich bereits so blockiert dass wir 60 Minuten geschwiegen haben. Ein Wunder dass ich das 14 Monate lang mitgemacht habe.

    Zitat

    Wende dich an die Krankenkasse. Die können dir schneller einen Termin besorgen.

    Die stellen mir sicher Fragen die ich nicht beantworten kann (siehe vorherigen Absatz). Ich kann komplexe technische Dinge analysieren und beantworten. Aber solche Fragen überfordern mich. Und je stärker ich darüber nachdenken MUSS umso tiefer gerate ich ins Stocken.

    Zitat

    Was genau meinst du mit unter Druck setzen und erpressen?

    Wenn ich das hier jetzt beantworte ist es mit der Schweigepflicht dann wohl auch nicht mehr relevant. Was erwartest du was ich hier jetzt darauf antworte? Was eine Erpressung ist muss ich doch nicht erklären. Worum es genau ging dürfte zunächst keine Rolle spielen. Von jemandem der mir helfen soll und dem ich vertraue erwarte ich das zumindest so nicht.

    Zitat

    Die stellen mir sicher Fragen die ich nicht beantworten kann (siehe vorherigen Absatz). Ich kann komplexe technische Dinge analysieren und beantworten. Aber solche Fragen überfordern mich. Und je stärker ich darüber nachdenken MUSS umso tiefer gerate ich ins Stocken.

    Du musst doch aber dein Problem benennen können. Was erwartest du von einer Therapie?

    Zitat

    Du musst doch aber dein Problem benennen können. Was erwartest du von einer Therapie?

    Ja und nein. Wie schon gesagt, es fällt mir sehr schwer das anderen zu erzählen. Und bereits dort habe ich Bedenken was die Schweigepflicht angeht. Und dann die Blockade bei solchen Fragen zu mir selbst.


    "Was erwarten Sie von einer Therapie?" Zack, fällt mir nichts mehr ein. Und ich weiß auch gar nicht wo ich anfangen soll mein Problem zu schildern.


    Ich stelle es mir so vor dass ich irgendwelche Fragen beantworte oder solche Tests, und dann sagt der Arzt, "so und so ist das, jetzt fangen wir mal an..." und dann kann er ja gezielt einzelne Dinge erfragen und vertiefen.


    Aber, "Worüber möchten Sie heute sprechen?" Hilft mir leider überhaupt nicht.

    Du hast eine ganz falsche Vorstellung von Therapie, habe ich den Eindruck.


    Ein Psychotherapeut ist kein Arzt, der kann keinerlei körperliche Diagnostik machen. Soviel dazu. Wenn du also befürchtest du könntest in dem Bereich Probleme haben, dann brauchst du einen Arzt und keinen Therapeuten. Da würde ich beim Hausarzt anfangen und mit dem über den Bereich sprechen und nachfragen ob da überhaupt irgendwelche körperlichen Ursachen in Frage kommen. Gegebenenfalls wird der dich dann an einen Facharzt, also Neurologen oder Psychiater weiter verweisen oder wer auch immer dann zuständig ist.


    Das erstmal zum Ersten.


    Dann der zweite Punkt. Eine psychische Störung oder Belastung ist keine Lungenentzündung. Das läuft nicht so, dass man das anhand von ein paar klaren Punkten diagnostiziert und dann Standardbehandlungsplan A fährt, der in 60% aller Fälle zur Genesung führt. So wie du dir das vorstellst, Fragen stellen, Diagnose, klarer Weg zum Ziel, wird das also wohl nichts.


    Selbst wenn es eine klare Diganose gibt, undzwar in Folge eines umfassenden diagnostischen Programms in einer Klinik oder bei einem Psychiater, bedeutet das nicht, dass deshalb der Weg zur Genesung quasi klar vor einem liegen würde. Die Ursachen jeder Störung sind individuell, bei dem einen führt Vernachlässigung in der Kindheit zu Problemen mit dem Essverhalten, bei dem anderen zu Aggressivität und ganz oft ist es mehr ein Geflecht als eine klare Kausalekette.


    So individuell die Grundlage der Probleme, so individuell sind die Wege zum Ziel und daher würde ich eine Therapie eher mit einer Reise vergleichen, denn mit einer ärztlichen Behandlung. Man sucht etwas neues, irgendwo im Urwald. Dafür muss man erstmal eine Standortbestimmung durchführen (Vergangenheit durchleuchten), dann ein Ziel definieren. Dann wandert man halt los und sucht undzwar idealerweise nach einem sinnigen raster und nicht einfach drauf los. Fehlversuche gehören dazu. Und damit das alles klappt, braucht man auch noch ein paar spezifische Forscherfähigkeiten um sich nicht rettungslos zu verfransen oder jede Nacht zu frieren oder immer auf dem Schlangennest das Nachtlager aufzuschlagen.


    Weil man das alles noch nie gemacht hat, hat man einen Therapeuten dabei, quasi einen erfahrenen Abenteurer, der hat die nötigen Fähigkeiten, weiß wie man den momentanen Standort bestimmt und wie man ein Vorgehen festlegt, um das neue Ziel zu finden. Außerdem weiß er wie man sinnvoll sucht damit man nicht zuviel Sackgassen mitnehmen muss.


    Das klappt also nur in gemeinsamen Gespräch, ständigem Kontakt und Austausch, nicht nach Schema F wo du einfach machst was man dir sagt. Das ist ein Prozess bei dem du aktiv mitarbeiten muss, damit er überhaupt in Gang kommt.

    Psychotherapeuten sind in der Regel keine Ärzte. Was für Tests sollten wir bitteschön machen? Was haben wir mit Stoffwechselerkrankungen zu tun? Wir geben euch nur Konsilarberichten mit, dass alles organisch abgeklärt wurde. Das liegt an deinem Arzt das auszufüllen und davor alle Tests und Untersuchungen machen. Nicht wir. Wir können das gar nicht.


    Ich glaube du solltest dir erstmal auseinandersetzen mit was ein Psychotherapeut überhaupt ist.


    Und wer das durchführt.


    Verhaltenstherapie und sonst was ich geschrieben habe, sind die einzige Verfahren, die von die Kassen übernommen werden.


    Und helfen können wir nur wenn jemand sagt was er hat, wie er sich fühlt usw. Hellsehen können wir leider nicht.


    Ein Patient muss mitarbeiten, sonst kannst du es dir schenken. Du verschwendest sonst nur der Therapeutens Zeit. Du wirkst nicht besonders kooperativ und weisst gar nichts was du willst.


    Dahin gehen, nichts sagen aber eine Diagnose erhalten. Das kannst du zuhause mit irgendwelche dubiose Online-Tests machen.

    Zitat

    Du hast eine ganz falsche Vorstellung von Therapie, habe ich den Eindruck.

    Nee, nee, mir ist schon klar dass Therapeuten keine Ärzte sind und umgekehrt. Gerade das stört mich ja.


    Wenn ich zu meinem Hausarzt gehe macht der allen falls ein Blutbild. Er macht halt nur dass was er machen muss damit er diesen Bericht erstellen kann. So ist es ja überall im Gesundheitssystem. Ich würde mir wünschen dass das viel umfassender untersucht wird. Ich höre immer mal wieder das per Zufall plötzlich jemand entdeckt dass irgendwelche Ernährungsgewohnheiten der Auslöser sind, oder eine Fehlfunktion eines Organs, usw.


    Nur als Beispiele. Ich würde mir halt wünschen dass das alles vollständig und in Gesamtheit untersucht wird.

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    Wusste dieser Therapeut was dein Problem ist? Konntest du dich öffnen?

    Ja, wusste er, nein, konnte ich nicht, da er mich, wie gesagt, unter Druck gesetzt hatte.

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    Psychotherapeuten sind in der Regel keine Ärzte. Was für Tests sollten wir bitteschön machen? Was haben wir mit Stoffwechselerkrankungen zu tun? Wir geben euch nur Konsilarberichten mit, dass alles organisch abgeklärt wurde. Das liegt an deinem Arzt das auszufüllen und davor alle Tests und Untersuchungen machen. Nicht wir. Wir können das gar nicht.

    Siehe oben. Ich finde genau DAS problematisch.

    Zitat

    Und helfen können wir nur wenn jemand sagt was er hat, wie er sich fühlt usw. Hellsehen können wir leider nicht.


    Ein Patient muss mitarbeiten, sonst kannst du es dir schenken. Du verschwendest sonst nur der Therapeutens Zeit. Du wirkst nicht besonders kooperativ und weisst gar nichts was du willst.


    Dahin gehen, nichts sagen aber eine Diagnose erhalten. Das kannst du zuhause mit irgendwelche dubiose Online-Tests machen.

    Du klingst als würdest du dich angegriffen fühlen ... Zu einem Therapeuten der so über seine Patienten redet würde ich schon mal nicht gehen wollen. Und "sich öffnen" wird sich dort auch niemand. Und wenn ich immer und zu jeder Zeit wissen würde was ich wolle. Ich hatte eher gehofft dass mir ein Therapeut bei exakt solchen Problemen und Lebenskriesen dabei hilft heraus zu finden was ich will.

    Herauszufinden was du willst, ist nicht die Aufgabe einer Psychotherapeuten. Das kannst nur du wissen.


    Man setzt Ziele und hilft Patienten dahin zu arbeiten, wo sie sein wollen. Man nimmt den Patienten nicht alle Aufgaben ab.


    Es erfordert auf beide Seiten Arbeit - Therapeut und Patient.


    Sich hinsetzen und passiv therapieren "lassen". Das wird nichts.

    Zitat

    Herauszufinden was du willst, ist nicht die Aufgabe einer Psychotherapeuten. Das kannst nur du wissen.

    Habe ich nicht behauptet, ich habe gesagt ich erwarte dass ein Therapeut dabei "hilft".

    Zitat

    Man setzt Ziele und hilft Patienten dahin zu arbeiten, wo sie sein wollen. Man nimmt den Patienten nicht alle Aufgaben ab.

    Ich habe auch nie erwartet dass er mir alles abnimmt.

    Zitat

    Es erfordert auf beide Seiten Arbeit - Therapeut und Patient.


    Sich hinsetzen und passiv therapieren "lassen". Das wird nichts.

    Auch das habe ich weder verlangt, eingefordert oder behauptet.


    Aber danke, du klingst genauso wie mein vorheriger Therapeut. Was mich mal wieder darin bekräftigt dass ich den Kack nicht brauche. Meinem vorherigen Therapeuten wollte ich schon fragen ob ER vielleicht Hilfe benötigt. "Ziele" haben wir NIE vereinbart, hat er mir nicht mal vorgeschlagen. Und wir haben auch auf nichts "hin gearbeitet".