Therapeutin verlangt Ausfallhonorar auch bei Krankheit, Unfall etc.

    Hallo!


    Ich habe nach längeren Hin- und Her eine Psychoanalyse mit 3x die Woche begonnen.


    Ich kann noch nicht 100 Prozent sagen, ob mir diese hilft oder nicht, aber grds. fühle ich mich wohl mit der Therapeutin. Wir hatten gleich einen guten Draht zueinander und ich halte sie für sehr kompetent. Die große "Erleichterung" was meine Probleme angeht, ist nicht nicht erfolgt, aber das kann laut meiner Therapeutin auch ein wenig dauern. Eine Psychoanalyse ist ja auf Jahre ausgerichtet.


    Nun hat sie mir letztens erläutert, dass ich ein Ausfallhonorar bezahlen muss, wenn ich nicht innerhalb von 3 Werktagen davor absage. Damit kann ich noch irgendwie leben. Was mich aber stört, ist dass ich auch bei Krankheit, Unfall etc. (also bei unverschuldetem Verhalten) ein Ausfallhonorar bezahlen müsste.


    Sie argumentierte damit, dass sie die Stunde sonst nicht abrechnen kann und somit weniger Einnahmen hat in dem Monat - zumal sie so kurzfristig eher im Ausnahmefall den Platz belegen kann. Sie verstand aber durchaus, dass ich das als seltsam empfinde. Auf meinen Vorschlag, dass man einen Ersatztermin finden würde, argumentierte sie, dass sie dann aber "doppelt" arbeiten würde, da der Platz ja für mich reserviert ist (wir haben feste Tage und feste Zeiten).


    Ich kann das zwar verstehen, jedoch fühlt sich das irgendwie "falsch" an.":/


    Problem: Sie hatte es versäumt, dass zu Beginn der Behandlung mit mir zu klären, das hat sie auch zugegeben - daher müsste ich im jetzigen Fall nix zahlen, wenn es dazu kommen würde, weil nix vereinbart war diesbezüglich. Jetzt hängen wir aber beide so in der Luft, was den Umgang damit in der Zukunft angeht.???


    Wie ist eure Erfahrung?

  • 37 Antworten

    Hallo,

    ich kenne es so, dass man spätestens 24 h vorher absagen muss, ansonsten kann ein Ausfallhonorar je nach Vereinbarung fällig werden.

    In der Realität verlange ich es z. B. nur, wenn sowas häufiger passiert.. Bei sonst zuverlässigen Patienten nicht.

    Rechtlich gesehen ist es häufig nicht haltbar, da man beweisen müsste, dass man wirklich gar nichts anderes machen konnte (keine Doku, nichts..).

    Bei Krankheit oder Unfall würde ich nicht drauf kommen, Geld zu verlangen. Finde ich auch nicht okay.

    Solange du nichts unterschrieben hast, kann sie es nicht verlangen. Würde mit ihr da nochmal reden und schauen, ob sich da eine gemeinsame Basis finden lässt.

    Danke Line85,


    nein, ich habe nichts unterschrieben bisher. Ich habe es ihr ähnlich erklärt und sie meinte halt nur, dass die Frage dann im Raum steht, wer die Stunde bezahlen soll? Sozusagen müsste sie dann auf das Geld verzichten, meinte sie. Sie meinte aber auch, sie versucht dann natürlich den Termin zu füllen, aber da es sich um eine analytische Praxis handelt, ist das oft nicht so einfach (anders als bei z.B. Verhaltenstherapie).


    Naja, wir haben nochmal in Ruhe darüber gesprochen aber bisher noch keine gemeinsame Basis gefunden. Ich fühle mich auch komisch, mit ihr sowas zu "verhandeln".


    Aber abgesehen davon fühle ich mich eigentlich echt wohl mit ihr. Ich weiß nicht, was ich tun soll.

    War bei meinem Therapeuten (Verhaltenstherapeut) auch so. Drei Tage vorher absagen. Selbst bei Krankheit etc. Einzig bei kurzfristig stationären Aufenthalten in der Klinik hätte man nichts blechen müssen.

    Ich habe dann tatsächlich 2x Ausfallhonorar (2x 60€) zahlen müssen bei insgesamt 2x25 Sitzungen. Einmal, weil ich kurzfristik krank wurde und einmal, weil ich einen Termin nicht wahrgenommen habe, weil ich diesen falsch im Kalender notiert hatte.

    Zitat

    Sozusagen müsste sie dann auf das Geld verzichten, meinte sie.

    Ja natürlich ist es ärgerlich, aber das ist nun mal so, wenn man selbstständig ist.

    Puh schwierige Situation, wenn du dich eigentlich wohl fühlst, aber damit hätte ich auch ein Problem.

    sehe dir mal die andere Seite an. Die Therapeutin zahlt Miete, eigene Versicherung usw. Es gibt Menschen, die es mit der Zuverlässigkeit nicht so ernst nehmen.


    Wenn sie nun gleich mit offenen Karten spielt, weisst du auch, woran du bist.


    Ich bin seit 2 Jahren in Therapie. In der Zeit habe ich 1 Termin verbummelt. Ihre Reaktion war, dass sie besorgt bei mir anrief und fragte, ob es mir nicht gut geht. Mir war es unangenehm, da ich immer pünktlich und zuverlässig bin . Bei mir steht das Ausfallhonorar auch im Vertrag. Verlangt hat sie es nicht.


    Ich denke, Therapeuten schützen sich einfach damit.

    Das verstehe ich total! Ich mag sie ja auch.


    Ich würde es aber definitiv als vertrauensschädigend empfinden, wenn ich z.B. Mittwoch Abend mit Magen-Darm mit einem Fussbruch ausfalle, und sie mir für Donnerstag und Freitag ein Ausfallhonorar berechnen würde.


    Verstehst du meinen Gedanken?


    Ich bin immer sehr zuverlässig was Termine angeht, es geht nur um Termine, wo ich ein Nichterscheinen nicht beeinflussen kann (wie Krankheit, Unfall etc.)

    Stell dir mal vor es geht eine Erkältungs- und Grippewelle um. Stell dir vor, du bist nicht die Einzige, die sich beim Therapeuten kurzfristig krank meldet sondern noch viel mehr Klienten des Therapeuten.

    Es geht schlicht darum, dass der Therapeut ja auch irgendwie überleben und auch die laufenden Kosten der Praxis zahlen muss, sonst kann er seine Praxis dicht machen und das Land hätte einen Therapeuten weniger.

    Für den Therapeuten ist das sicher auch nicht angenehm ein Ausfallhonorar einzufordern. Jedoch kann er für deine kurzfristige Erkrankung ebensowenig wie du. Nur ist eben irgendwann seine Existenz bedroht, wenn er kein Ausfallhonorar verlangen würde.


    Ich muss aber auch sagen, dass man hier irgendwann eine andere Lösung finden sollte. Ich kann den Therapeuten durchaus verstehen, dass er Ausfallhonorar verlangt. Andererseits kann ich auch Patienten verstehen, die letztendlich für eine Dienstleistung bezahlen müssen, die gar nicht erbracht wurde. Allerdings wüsste ich jetzt auch nicht, wie man das Dilemma lösen könnte, so dass keiner der Beteiligten einen Nachteil hat.

    Einerseits kann ich den Therapeuten verstehen, andererseits finde ich 3 Tage im voraus etwas zu viel verlangt. Natürlich muß der Therapeut seine Ausgaben decken, andererseits finde ich, dass er sich als etwas anderes verstehen sollte als ein Automechaniker. Ich würde da etwas (etwas!) Idealismus erwarten, kein Samariter, aber eben jemand, der nicht in erster Linie Geschäftsmann/-frau ist. Dann hätte ich wohl schnell das Gefühl, dass nicht der Therapeut für mich (als Menschen, als Patienten) sondern ich für ihn (seine Einnahmen) da bin. Ich konnte damals meiner Therapeutin noch am selben Tag absagen mit triftigem Grund, sie hat nie etwas verlangt. Ich weiß nicht, was sie in der Stunde dann getan hat, aber vielleicht hat sie Bürokram erledigt den sie sonst nach Feierabend gemacht hätte oder hat sich einfach mal ein gutes Buch zu Hand genommen.

    Kurz: Bei mir würde diese Klausel auf Ablehnung stoßen. Gerade weil es menschlich ist, dass man mal krank wird ohne dass man das 3 Tage vorher weiß oder es sonst einen triftigen Grund gibt, und als Mensch möchte ich auch betrachtet werden.

    Bei mir gilt 24 Stunden vorher, das finde ich fairer...das ist in drei Jahren genau einmal vorgekommen und ich musste dann nicht bezahlen. Umgekehrt gab es mal den Fall, dass ich einen Tag vorher Bescheid gegeben habe, dass ich krank bin und nicht weiß, ob es am nächsten Tag klappt, und die Option bekam, am nächsten Tag noch spontan zu entscheiden, ob es geht. Diese ganzen Dinge gehen aber wahrscheinlich nur dann, wenn der Therapeut feststellt, dass es absolute Ausnahmefälle bleiben und der Patient sonst sehr zuverlässig ist. Was nicht automatisch bei allen Patienten der Fall ist, also braucht es zunächst schon die Absicherung.

    Ein Psychoanalytiker hat wahrscheinlich durch die drei Termine mehr Ausfall pro Woche und weniger Patienten, aber mich würde das auch stören...(Ich würde aber genau aus diesem und anderen Gründen auch nie ein Analyse machen...)

    Ich finde es nicht in Ordnung.


    Jeder Selbstständige kennt das Problem, das er eben nur bezahlt wird wenn er auch Arbeit hat. Und eigentlich gibts auch immer was zu tun, wenn man mal keinen Kunden/Patienten hat (z.B. Verwaltungstätigkeiten).


    Allerdings scheint es den Psychoanalytikern so gut zu gehen (wenn man sich die Wartezeiten anschaut) das sie sich ihre Patienten aussuchen können und auch absolut kundenfeindliche Verträge schliessen können. Und so ihr unternehmerisches Risiko mal eben auf den Patienten abwälzen.


    Ich habe nicht gegen Vereinbarungen eines Ersatzhonoras wenn ein Patient aus Langweile nicht kommt. Aber wenn ich mit nem Herzinfakt im Krankenhaus liege erwarte ich KEINE Rechnung vom Psychoanalytiker.


    Aber solange die Nachfrage so enorm höher ist als das Angebot wird man daran wohl kaum was ändern...

    ich will damit sagen, dass es auch eine Art Erziehungsmethode ist, um Klienten dazu zu bringen, an ihre Termine zu denken. Es gibt genug Patienten, denen es einfach wumpe ist, dass durch einen verbummelten Termin der Physiotherapeut zum einen Leerlauf hat und den Termin anderweitig nicht vergeben kann.


    Wie gesagt, bei mir steht das auch im Vertrag, dass ich zahlen muss, wenn ich mich nicht mindestens 48 Stunden vorher melde. Als es mir aber dann tatsächlich passiert ist, hat sie kein Geld von mir verlangt.


    Lass es auf dich zukommen. Solltest du wirklich mal kurzfristig krank werden, rufe an und erfrage, was sie möchte. Biete an, dass du trotz Magenbeschwerden beispielsweise trotzdem mit kotzschale bewaffnet kommen wirst, um die Strafe nicht zu zahlen. Dann nämlich wäre es ihre Entscheidung, ob sie sich anstecken möchte oder nicht.

    Sagen wir es mal so:

    Ausfallhonorare sind juristisch nicht wirklich haltbar und der schon verlinkte Merkblatt gibt da eine gute Orientierung.

    Bei Analytikern ist das Problem, dass sie VIEL mit WENIG Patienten arbeiten. D.h. ein Ausfall ist da echt problematisch. Daher auch die 3 Tage, das ist so eine typische Analytiker-Frist... Und ja, bei nicht beeinflussbaren Dingen ist so ein Honorar blöd. Aber.


    Ich bin selber Therapeutin in eigener Praxis. In Anlehnung an das, was ich in meinem letzten Job (angestellt) als juristisch gesichertes Formular den Patienten gegeben habe, ist die Frist bei mir 48 Stunden und nur in Fällen "höherer Gewalt". Krankheit, Unfall und Kind krank fallen somit raus. Ist mir auch ganz lieb, weil Ansteckung durch kranke Patienten brauche ich nicht, die sollen zu Hause bleiben (das Problem ist bei uns oft diskutiert worden). Da ich viele Patienten habe, die nicht viel Geld haben, bin ich auch da nicht sonderlich streng mit Absagen.

    Absagen erfolgen aber meistens am Tag selber oder spät am Vortag (wo ich es dann nicht unbedingt mitbekomme). D.h. die Lücken bekomme ich selten gefüllt. Andere Absagen (wg. beruflichen Terminen,...) kommen viel eher, da bekomme ich die Lücken gefüllt. Aber das sind die Fälle, wo ein Ausfallhonorar greifen würde.


    Das Ende vom Lied:

    Ich habe ca. 25-30 Patienten pro Woche. In den letzten zwei Wochen hatte ich 25 Absagen, alle krankheitsbedingt und alle am Tag selber. Ausfallhonorar entfällt, da ich mich halt für ein anderes Modell entschieden habe.

    Der Ausfall ist aber immens und reißt bei mir finanziell ein richtiges Loch. Noch schlimmer, weil ich selber 4 Tage krank war. Mir fehlen also fast zwei Arbeitswochen und mein Einkommen deckt meine Fixkosten. Für mich bleiben einige Hundert Euro. Der Februar ist eh kurz gewesen. Tja... Der März für mich als Folge privat ein Desaster.

    Kurzum: Wenn sich solche Momente häufen, werde ich mein Ausfallhonorar anpassen. Denn ich kann nicht freundlich lächelnd in die Pleite rutschen.

    Wäre ich Analytikerin, wo Patienten mehrfach pro Woche kommen, sitzt man bei 10 kranken Patienten komplett ohne Einkommen da. Wie soll das gehen?


    Wenn es sich für Dich aber falsch anfühlt, solltest Du Dich nicht drauf einlassen.