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    Ne im Ernst: Ich glaube das Problem ist halt auch, dass heute jeder (Arzt, Schulpsychologe, Sozialarbeiter, Arbeitsvermittler) immer gleich zur Therapie rät. Vermutlich ist das auch bequemer sein Kind jede Woche wegen ADHS zum Psychologen zu schicken und mit Ritalin vollzupumpen als mit dem Kind regelmäßig zum Sportverein zu gehen und draußen auf dem Spielplatz rumzutoben.

    So ist es! Hauptsache ein anderer kümmert sich drum. Und so landen unzählige Menschen am Ende beim Psychologen, der sie nicht abweisen kann und machen eine erfolglose Therapie nach der anderen, weil ihr Problem eigentlich ganz woanders liegt.

    Meine Erfahrung ist die, dass Männer i.d.R. viel weniger bzw. oftmals viel zu spät in eine Psychotherapie gehen, nämlich dann, wenn gar nichts mehr geht. Die überwiegende Mehrheit möchte Probleme mit sich selbst ausmachen, nach dem Motto, es werde sich schon eine Lösung finden lassen. Schwächen zeigen ist ausgesprochen unbeliebt. Ich war zweimal in einer psychosomatischen Klinik. In beiden Kliniken waren die Männer fast ausnahmslos 40 und älter, die Frauen durchschnittlich 10-20 Jahre jünger und insgesamt klar in der Mehrzahl.


    Wenn ich mir die Selbstmordrate in unserem kleinen Dorf vor Augen führe, so waren es in den letzten 20 Jahren genau 1 Frau und 14 Männer. Bei der Frau war bekannt, dass sie seit vielen Jahren manisch depressiv war. Bei 2 Männern war dies ebenfalls bekannt. Alle anderen nahmen sich wegen vermeintlicher Kleinigkeiten (z.B. Autounfall unter Alk-Einfluss, Mobbing am Arbeitsplatz oder Ehescheidung) das Leben. Darüber darf nun jeder selbst nachdenken.

    Sorry, aber Spielplatzbesuche und Sportvereine helfen nicht alleine bei ADHS!


    Die können unterstützend helfen, aber nicht alleine.


    Schon mal mit einem ADHS Kind zu tun gehabt? Ihr unterschätzt deren Energie und Bewegungsdrang.

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    z.B. Autounfall unter Alk-Einfluss, Mobbing am Arbeitsplatz oder Ehescheidung

    Da lag dann aber vorher schon eine Menge im Argen.


    Ein psychisch stabiler Mensch nimmt sich deswegen nicht das Leben.

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    und so landen unzählige Menschen am Ende beim Psychologen, der sie nicht abweisen kann


    und machen eine erfolglose Therapie nach der anderen, weil ihr Problem eigentlich ganz woanders liegt.

    Sorry, aber die Wartelisten werden immer voller und da kann ein Psychologe es sich locker leisten jemanden abzulehnen der seiner Meinung nach nicht wirklich therapiebedürftig ist, bzw. nur auf Drängen anderer dort ist,


    aber selbst keine Notwendigkeit sieht.

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    Da lag dann aber vorher schon eine Menge im Argen.


    Ein psychisch stabiler Mensch nimmt sich deswegen nicht das Leben.

    Eben. Ich glaube auch nicht, dass die enorm hohe Selbstmordrate bei Männern primär daran liegt, dass sich Männer seltener therapeutische Unterstützung suchen. Das ist nur die bequemste Erklärung.

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    Da lag dann aber vorher schon eine Menge im Argen.

    Natürlich, was denn sonst? Nichts anderes wollte ich mit meiner Antwort ausdrücken. Genannte Ereignisse waren lediglich der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte. Wie Du richtig schreibst:

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    Ein psychisch stabiler Mensch nimmt sich deswegen nicht das Leben.

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    Sorry, aber die Wartelisten werden immer voller und da kann ein Psychologe es sich locker leisten jemanden abzulehnen der seiner Meinung nach nicht wirklich therapiebedürftig ist, bzw. nur auf Drängen anderer dort ist, aber selbst keine Notwendigkeit sieht.

    Für Therapeuten ist aber quasi jeder therapiebedürftig. Das ist das Problem. Denn es geht da schon lange nicht mehr um konkrete klassifizierbare Krankheiten. Wer sich unwohl fühlt ist psychisch krank. Egal mit welchem Hintergrund.

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    Und so landen unzählige Menschen am Ende beim Psychologen, der sie nicht abweisen kann und machen eine erfolglose Therapie nach der anderen, weil ihr Problem eigentlich ganz woanders liegt.

    J_B Welche Menschen landen denn deiner Meinung nach beim Psychologen, die nicht dorthin gehören?


    Woran liegt es denn, wenn eine Therapie nach der anderen erfolglos ist?


    Wieso kann ein Therapeut niemanden abweisen?

    J_B

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    Für Therapeuten ist aber quasi jeder therapiebedürftig. Das ist das Problem. Denn es geht da schon lange nicht mehr um konkrete klassifizierbare Krankheiten. Wer sich unwohl fühlt ist psychisch krank. Egal mit welchem Hintergrund.

    Wie bitte? Woher hast Du denn diesen Unsinn? Übrigens ist eine psychische Störung (Neurose) nicht mit einer psychischen Krankheit (Psychose) gleichzusetzen. Wie sich psychische Störungen äußern, kannst Du hier in unzähligen Fäden lesen. Und ja, sehr viele halte ich persönlich für therapiebedürftig.


    In kleinen Dörfern war früher der Pfarrer ein wichtiger und zur Verschwiegenheit verpflichtender Ansprechpartner. Heute entfällt er weitgehend. Hinzu kommt die mittlerweile sehr schnelllebige Zeit, eine Flut von Informationen und die Reduktion sozialer Kontakte auf WhatsApp, Facebook & Co. Gehe ich heute auf eine Fete von jüngeren Menschen, glotzen viele primär auf ihr Smartphone. Viele Menschen haben schlicht verlernt, eine konstruktive Kommunikation zu pflegen. Dass das an der Psyche nicht spurlos vorübergeht, ist doch nur logisch.


    Ein Therapeut ist nichts anderes als ein Coach. Die Hauptarbeit muss man selbst erledigen, sofern man das will.

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    Sorry, aber das ist nun wirklich Blödsinn.

    Was du so schreibst? Ja, das stimmt.

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    J_B Welche Menschen landen denn deiner Meinung nach beim Psychologen, die nicht dorthin gehören?

    Ich kann jetzt hier schlecht zig theoretische Fälle auflisten. Ich kann nur sagen, dass ich mir manchmal echt an den Kopf fasse, wenn ich in der Psychologie Rubrik hier im Forum den Rat "Geh mal zum Therapeuten" lese.


    Ich persönlich gehöre zum Beispiel auch nicht in psychotherapeutische Behandlung. Und trotzdem wird da links und rechts zu geraten und jeder Therapeut würde mich nehmen.


    Unzufriedenheit ist keine Krankheit. Und dennoch wird Unzufriedenheit heutzutage mit Depressionen gleichgesetzt.

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    Woran liegt es denn, wenn eine Therapie nach der anderen erfolglos ist?

    Habe ich oben schon erwähnt. Zum Teil daran, dass die Therapie gar nicht wirken kann, weil der "Patient" gar keine benötigt.

    Zitat

    Wieso kann ein Therapeut niemanden abweisen?

    Weil alle Probleme vollkommen gleichwertig sind. Denn es entscheidet ja der nicht messbare "Leidensdruck". "Ich leide und möchte eine Therapie" ist Grund genug. Egal was nun dahintersteckt.

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    In kleinen Dörfern war früher der Pfarrer ein wichtiger und zur Verschwiegenheit verpflichtender Ansprechpartner. Heute entfällt er weitgehend. Hinzu kommt die mittlerweile sehr schnelllebige Zeit, eine Flut von Informationen und die Reduktion sozialer Kontakte auf WhatsApp, Facebook & Co. Gehe ich heute auf eine Fete von jüngeren Menschen, glotzen viele primär auf ihr Smartphone. Viele Menschen haben schlicht verlernt, eine konstruktive Kommunikation zu pflegen. Dass das an der Psyche nicht spurlos vorübergeht, ist doch nur logisch.

    Dann sollen solche Leute sich Freunde suchen und keinen Therapeuten.

    @ J_B

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    Ich glaube wir meinen doch im Endeffekt sehr ähnliche Dinge, nur dass ich eben den Begriff "schwach" zur Beschreibung benutze.

    Nein, meinen wir nicht.

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    Na was soll es denn sonst sein? Wenn einer etwas schafft, was ein anderer nicht schafft, dann ist der eine stark/unempfindlich und der andere schwach/empfindlich.

    Du unterscheidest in Stark und Schwach. Wenn man so will: Schwarz und Weiß. So denke ich nicht. Gerade wenn es um das menschliche Empfinden, die menschliche Psyche geht, funktioniert das nicht. Da gibt es deutlich mehr Farben und Nuancen als entweder Schwarz oder Weiß.


    Deswegen funktioniert deine eindimensionale Denke einfach nicht.

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    Gibt zig Männer die deine "Probleme" haben und das überhaupt nicht als Problem ansehen.

    Nein, der Großteil nimmt sich das Leben.

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    Ich persönlich gehöre zum Beispiel auch nicht in psychotherapeutische Behandlung. Und trotzdem wird da links und rechts zu geraten und jeder Therapeut würde mich nehmen.


    Unzufriedenheit ist keine Krankheit. Und dennoch wird Unzufriedenheit heutzutage mit Depressionen gleichgesetzt.

    Ja, was denn nun J_B? Haben die Männer, die dein Problem teilen, und sich - deiner Aussage zufolge - mehrheitlich das Leben nehmen lediglich aus Unzufriedenheit gehandelt?

    J_B

    Zitat

    Dann sollen solche Leute sich Freunde suchen und keinen Therapeuten.

    Das sagst Du so leichtfertig. Ich kenne genug Leute, deren "Freundeskreis" sich auf Facebook & Co. beschränkt und stolz darauf sind, "Hunderte" von Freunden zu haben. Ein Therapeut ist eine neutrale Person und sieht die Knackpunkte von außen, das hat schon mal einige Vorteile. Abgesehen davon wird kein Mensch dazu gezwungen, sich in eine Therapie zu begeben, außer es liegt akute Eigen- und/oder Fremdgefährdung vor.


    Viele gehen mit einem banalen Schnupfen zum Arzt. Das scheint ganz selbstverständlich zu sein, auch wenn Ärzte darüber nicht selten mit den Augen rollen. Klemmt es aber in der Psyche, macht man offenbar einen Unterschied. Ich sehe da keinen.