Homosexualität gilt (medizinisch!) nur dann als Problem bzw. therapiebedürftig, wenn jemand drunter leidet. Aber dann wird man auch nicht daran arbeiten, diese Empfindungen zu unterdrücken. In den USA gibt es allerdings "Therapieprogramme": Stockchristlich und mehr als umstritten. V.a. kommen da sehr viele Menschen sehr viel kaputter raus, als sei reingegangen sind.


    Fakt ist auch:


    "Homo" und "hetero" sind keine zwei Kategorien nach dem Motto "entweder oder". Letztlich haben viele Menschen auch einen unterschiedlich ausgeprägten "bi"-Anteil in sich. Wie bei malagena deutlich wird, da war das Interesse beiderseits halt sehr ausgeprägt.


    Eine Entscheidung kann man meistens aber erst dann treffen, wenn man aus ausprobiert hat (siehe malagena: Erfahrungen gesammelt, Gefühlen nachgegangen, Schlussfolgerung gezogen).


    Der Knackpunkt ist aber immer: Warum will jemand nicht "homo" sein? Angst vor Ablehnung, Vorurteilen? Bei eindeutigen Gefühlen? Oder eben uneindeutige/beiderseits ausgerichtete Interessen und echte Unsicherheit, was man denn nun ist?


    Die eigene Sexualität dauerhaft zu unterdrücken macht einfach nicht glücklich. Umerziehen kann man Menschen auf Dauer nicht. Gut, man kann an der Abstinenz arbeiten, wenn man die eigene Sexualität nicht leben möchte (oder DARF, bspw. bei Pädophilie, wo die THerapie wirklich drauf ausgerichtet ist, diese Bedürfnisse NICHT auszuleben). Aber bei "homo" gibt es einfach keinen so schwerwiegenden Grund, diese Bedürfnisse zu unterdrücken.


    Und wie viele Menschen, die ihre Homosexualität unterdrücken, brechen dann nach JAHREN aus einer Ehe aus?

    Zitat

    Ich bin ja auch schon ohne Therapie, ganz für mich allein, relativ weit gekommen. So weit, dass ich den homosexuellen Trieb in mir ziemlich gut im Griff habe und ihn bei Bedarf auch unterdrücken kann, ohne ihm nachzugeben.

    Das klingt halt nicht nach befriedigender Sexualität. Mir geht's wie 4Andi4: Du tust mir wirklich leid. Auf empathischer Ebene.


    Ich habe in meinem Bekannten- & Freundeskreis Heteros und auch schwule und lesbische Pärchen. Die entsprechen KEINERLEI Klischee und leben ihre Sexualität genauso unauffällig wie andere auch. Bei Treffen sind die Partner mit dabei. Ein Pärchen hat gerade via Samenspende ein Baby bekommen, da gab's eine ganz unspektakuläre Karte. Es ist so, es ist selbstverständlich, es wird nicht diskutiert und spekuliert.


    "Homo" ist halt längst nicht das, was manchmal in den Medien verbreitet wird. Die meisten leben ihr Leben und ihre Sexualität genauso unspektakulär wie alle "langweiligen" Heteros auch. Und auch meine schwulen Freunde leben NICHTS von der Gay-Szene, was man so hört. Und längst nicht alle davon sind Akademiker, etliche haben auch "einfachere" Berufe mit Kollegen, wo man vielleicht gewisse Sprüche erwarten würde. DASS sie schwul sind, machen sie nicht zum Thema und tragen es nicht auf die Stirn tätowiert, aber bei Paareinladungen wurde dann man klagestellt, WER da mitkommt. Punkt. Unspektakuläre Selbstverständlichkeit.


    Eine gute Freundin hat sich mit ihrem Coming Out über 10 Jahre abgequält. Das ist jetzt 10 Jahre her, und ihr Leben genauso wie vorher – nur glücklicher und sexuell zufriedenstellend.

    Zitat

    Der Grund, warum ich mir nun denke, es mal mit einer TherapeutIN zu versuchen liegt darin, dass ich nun primär versuchen möchte meine sexuelle Begierde auf Frauen zu fokussieren.

    Aber BITTE NICHT in einer Therapie. Solche "Begierden" gegenüber einer Therapeutin ruinieren jede Therapie und führen ggf. durch den Therapeuten zum Abbruch. Ein Therapeut ist ein Fachmann für seelische Probleme, aber keine Zielscheibe für sexuelles Interesse. :|N

    Danke für den Tipp mit "Wüstenstrom". Habe mir die Internetseite gerade angesehen, das klingt vielversprechend.

    @ malagena

    Kannst du mir die Adressen bitte per Nachricht schicken? Wäre dir sehr dankbar.

    @ Sunflower_73

    Meine Überlegung mit der Therapeutin bezog sich darauf, dass eine Frau als Gegenüber vielleicht einfach einen anderen Zugang zu meinem Problem bzw. meinem Wunsch hat. Eben weil sie eine Frau ist und mein gewünschtes Therapieziel darin besteht, eine Frau auch sexuell begehren zu können.


    Ich meine, ein Therapeut ist ja nicht einfach nur Therapeut, sondern eben auch Mann oder Frau und hat eine geschlechtsspezifische Sicht auf das Thema. Zumal es bei meinem Problem ja eben gerade um Geschlechtlichkeit geht.

    Zitat

    Mein letzter Therapeut war zwar nett und verständnisvoll, aber es war am Ende zu offensichtlich, dass er mich in eine andere Richtung drängen wollte, doch einfach homosexuell zu sein, obwohl ich ihm schon am Anfang klar gesagt habe, dass ich das nicht will. So eine Enttäuschung möchte ich nicht nochmal erleben.

    Das wirst du aber...

    Zitat

    Aber wo finde ich den richtigen Fachmann?

    Für dein Anliegen: Beim Papst...oder bei Fundamentalisten kannst du es auch versuchen...


    Du wirst dir damit schaden...und dein Lebenstraum wird sich dadurch auch nicht erfüllen...


    Alles Gute!

    @ Wandersmann

    In ein paar Jahren wirst du dich darüber ärgern so viel Zeit damit verschwendet zu haben, dich selbst zu bekämpfen. :-|


    Vielleicht ist es aber auch deine persönliche, etwas verschrobene Weise sich Klarheit zu verschaffen und damit um zu gehen. Ich wünsche dir das du dich bald so annehmen kannst, wie du bist.

    Zitat

    Es ist nicht ausgeschlossen, dass die Hetero-Seite langfristig stärker ist. Das weiss niemand von uns.

    Nein.


    Aber die Entscheidung für eine Seite/Gewichtung setzt voraus, dass man beides akzeptiert, ausprobiert – und dann merkt, was einen mehr anspricht. Ob man eine Seite leben möchte, oder gar beide (ich kenne eine absolut "bi" ausgerichtete Person, die mal hetero-, mal homo-Beziehungen hatte. Da wurde mal gewitzelt, dass man diese Auswahl auch gerne hätte). Letztlich kann man sich nicht für etwas entscheiden, was man gar nicht kennt und (warum auch immer) ablehnt. Nichts ist fataler, als tiefsitzende eigene Bedürfnisse zu verleugnen.


    Eleonora hat es aber auch gut formuliert...

    @ Wandersmann:

    Ich halte da ehrlich gesagt einen guten (!) (und ggf. spezialisierten) männlichen Therapeuten für hilfreicher. Weil er Dir mehr "männliche" Sicht vermitteln kann als eine Frau es kann.

    Mein vermittelter Anti-Homo-Therapeut ist männlich.


    Es ist ja schon legitim, nicht Homo sein zu wollen. Einer meiner Brüder ist von der Neigung her Homo, wollte es nicht und lebt nun halt zölibatär. Seine Entscheidung.


    Ein befreundetes Paar hat nach einem Homo-Seitensprung des Mannes beschlossen, es trotzdem zusammen zu versuchen. Offenbar geht es auch sexuell wieder. Bei denen ist die Motivation religiös. Ihre Entscheidung.

    Ja, einerseits ist es natürlich legitim und denkbar. Wir können über unser Leben – im Rahmen unserer Möglichkeiten – schließlich frei verfügen. Aber ist das, was denk- und machbar ist automatisch auch gut – für einen selbst?


    Michael Jackson wollte hellere Haut und eine schmalere Nase. Er wollte partout nicht so sein wie Mutter Natur ihn haben wollte. Er hat bewiesen, was alles machbar ist. Aber war er wirklich glücklich damit? Kennt man Michael Jackson als glücklichen Menschen???


    Die Vorstellung von etwas mag wesentlich schöner sein, als es dann tatsächlich ist. Warum nicht dem eine Chance geben, was schon da ist? Ach, ich weiß ja es bringt so rein gar nichts, was ich da schreibe. Der TE ist gewillt die Brechstange zu benutzen, und er wird es tun. Mein Beitrag ist off-topic, und wird höchstens für Quatsch befunden oder sogar komplett ignoriert.


    Ich muss ständig an all die Linkshänder denken, die früher mit Gewalt zu Rechtsschreibern gemacht wurden. Mit ungeahnt gravierenden psychischen Folgen. Was mag da erst ein Eingriff in die sexuelle Orientierung (egal ob freiwillig oder unfreiwillig) bewirken...

    Ich finde das gar nicht so off-topic.


    Denn die komplette Unterdrückung führt sehr häufig zu Folgeproblemen (Depression,...). Das sieht man bspw. bei Pädophilen, wobei da die Unterdrückung nun mal völlig legitim ist.


    Ein erfülltes Sexualleben ist halt nicht unwichtig. Und die Unterdrückung deutlicher Bedürfnisse ist nun mal nicht als "Erfüllung" zu sehen.


    Aber vielleicht muss der TE den Weg gehen, um doch letztlich irgendwo anzukommen. Vielleicht geht Akzeptanz in dem Fall nur über "Umerziehung" und Unterdrückung. Oder den Versuch davon.


    Ich finde es letztlich einfach traurig...

    Ich finde es auch traurig, dass man nicht zu seiner Persönlichkeit stehen will. Vorallem da Homosexualität inzwischen weitaus akzeptierter ist in der Gesellschaft, als vor 30 Jahren. Man muss die Sache nunmal so sehen wie sie ist: Man wird nicht Homosexuell, man ist Homosexuell. Es ist etwas, was man selbst am allerwenigsten beeinflußen kann, also sollte man dies auch so akzeptieren und dazu stehen.