Therapie/Psychologisches Erstgespräch selbst bezahlen

    Hallo,


    ich werde nächstes Jahr wohl mal zu einem Psychotherapeuten gehen.


    Nun meine Frage: Wie sieht das mit Selbstzahlern aus? Kann man einfach zu einem Therapeuten gehen und sagen "ich zahle selbst" oder wie läuft das genau ab. Ich möchte nämlich nicht, dass meine Krankenkasse Informationen über etwaige Diagnosen (sollte es welche geben) bekommt. Kann man das direkt bei einem Erstgespräch mitteilen? Dieses wird dann auch schon in Rechnung gestellt, oder?


    Danke im voraus!

  • 48 Antworten

    Hallo Lars, natürlich kannst du sagen, dass du selbst zahlst.


    Du gibst einfach nicht deine Krankenkasse an und fertig bist du damit.


    Die Krankenkasse ist für den Therapeuten auch gar nicht interessant, wenn du selbst zahlst.


    Das erste Gespräch ist in der Regel kostenlos - so kenne ich das.


    Man muss ja erstmal schauen, ob man miteinander arbeiten kann.


    Da muss ein Gefühl von Vertrauen da sein.

    Zitat

    Kurze Frage, warum soll die Krankenkasse nicht erfahren, warum du dort hingehst?

    Weil ich Angst habe, dass ich durch eine Diagnose (was auch immer das sein wird; eine Befürchtung habe ich allerdings) nicht meinen größten Berufswunsch werde verwirklichen können. Ich weiß, dass ich dafür sehr gut geeignet bin und werde mich nach meinem Studium dafür auch bewerben (also in ca. 1.5 Jahren). Allerdings würde, sollte ich diese Diagnose tatsächlich gestellt bekommen, das ein KO-Kriterium sein :-/ Am Geld soll es nicht liegen ... ich zahle auch 150€-200€ pro Therapiestunde, wenn es sein muss.

    Ich kann das gut nachvollziehen.


    Wenn das Geld kein Problem ist, dann ist die Therapie deine ganz private Angelegenheit.


    Es gibt auch Menschen, die machen Therapien um sich selbst besser kennenzulernen.


    Therapie hat nicht unbedingt etwas mit Kranksein zu tun.


    Hast du dich schon ein wenig über verschiedene Therapieformen informiert?


    https://www.apotheken-umschau.de/Psychotherapie


    Es gibt noch bessere Seiten im Internet. Such mal selbst.


    In der ersten Stunde wird besprochen, wie der Therapeut arbeitet - also mit welcher Methode.


    Dann entscheidet man erst, ob man die Therapie machen möchte.


    Und wie schon gesagt, es ist total wichtig, dass dir der Therapeut sympathisch ist und dass du dir vorstellen kannst, ihm zu vertrauen.


    Manchmal muss man mehrere Erstgespräche bei verschiedenen Therapeuten führen um den passenden zu finden.

    Also für Arzt, Psychologe, Lehrer usw. ist Therapie kein K.O. Kriterium.


    Ich kann mir ehrlich gesagt nicht ein Beruf vorstellen wo das den Fall so sein sollte. Sogar die Bundeswehr stellen psychotherapeuten ein.


    Antrag für die Kostenübernahme wird anonym gestellt. Also der Gutachter weisst nicht wer du bist.


    Zudem nach dem Studium kannst du einfach die Kasse wechseln.


    Eine Sitzung als Selbstzahler - wird wie privat versichert abgerechnet. Kannst auf die Verordnung schauen wie viel das ist. Achtung: meistens wird nicht die einfachen Satz abgerechnet. Nur 1 oder 2 Sitzungen wird nichts bringen. Eine Therapie wird dir mehrere Tausand Euro kosten.

    Es gibt Umstände, unter denen es wirklich sinnvoll ist, eine psychische Diagnose zu vermeiden, zB wenn man verbeamtet werden will oder eine Lebensversicherung abschließen will. Als Arzt kann es Schwierigkeiten mit einer Berufsunfähigkeitsversicherung geben, wenn eine psychische Diagnose in der Vergangenheit vorlag. Ich bin mir nicht ganz sicher aber ich glaube nach 5 Jahren sind die Diagnosen "verjährt".


    Psychotherapie wird von der Krankenkasse ausschließlich dann übernommen, wenn eine Diagnose vorliegt. Der Therapeut hat die Möglichkeit maximal 4 Sitzungen als probatorische Sitzungen abzurechnen. Diese Sitzungen werden von der KK übernommen ohne dass eine Diagnose vergeben wird. Danach muss ein Antrag gestellt werden und die Diagnose geht bei der KK ein.


    Therapie auf Selbstzahlerbasis ist in der Regel kein Problem. Der Satz der Kasse liegt bei ca 90 Euro, wenn du also einen fairen Therapeuten findst, sollte er nicht unbedingt mehr als 100 € verlangen. 150 € finde ich schon sehr viel, kommt aber ein bissche drauf an wo du wohnst und wie hoch die Nachfrage ist.


    Mach dir bewusst, dass es eine kostspielige Angelegenheit werden kann, weil man in der Regel mindestens 20 Sitzungen braucht. Wenn du es dir aber leisten kannst, kann ich gut verstehen, dass du auf Selbstzahlerbasis bevorzugst.


    Viele Grüße und viel Glück bei der Suche :-)


    PS: Du kannst auch bei mehreren Theraeuten probatorische Sitzungen in Anspruch nehmen, um jmd zu finden, bei dem die Chemie passt.

    Privat ist ca. 120€ pro Sitzung.


    Als Arzt weiss man nichts von der Therapie, wenn man nichts sagt. Man braucht ja keine Überweisung.


    Wir haben eine sehr strenge Schweigepflicht. Ich kann nur Auskunft erteilen, wenn ich eine ausdrückliche Schweigepflichtsentbindungen habe. Das muss sogar für die Kassen unterschrieben werden. Konsilbericht kann jede Arzt unterschreiben - muss nicht deiner sein (Blutwerte mitnehmen, besonders TSH ist wichtig). Diagnose erfährt er nicht. Steht nur, dass es keine medizinische Gründe gibt, warum einer Therapie gefährlich sein könnte. Jede Psychotherapeut braucht das. Egal ob Selbstzahler oder nicht. Kann ja nicht jemand für eine psychische Erkrankung behandeln, wenn ich nicht weiss, ob etwas organisches dahintersteckt. Mache mich ja haftbar.


    Habe ich Kollegen nicht mal sie dürfen in die Akte schauen oder deiner Namen wissen. Es ist nicht wie bei Ärzte - bei denen ist die Schweigepflicht lockerer. Man sieht ja auch wer im Wartezimmer sitzt. Geht man um 5 Minuten vor die Sitzung, sieht dir keine.

    Zitat

    Wir haben eine sehr strenge Schweigepflicht. Ich kann nur Auskunft erteilen, wenn ich eine ausdrückliche Schweigepflichtsentbindungen habe.

    Luci32


    Es ist doch aber möglich, dass man bei bestimmten Berufen seine Vorerkrankungen angeben muss und auch eine Schweigepflichtsentbindung unterschreiben muss.


    Man ist zwar nicht gezwungen, diese zu unterschreiben, aber kann sich dann vielleicht nicht bewerben.


    Ich habe auch schon 2 Therapien selbst bezahlt, einfach weil ich nicht krank war, sondern mehr über mich selbst erfahren wollte. Wo ist das Problem?

    Zitat

    Informationen über etwaige Diagnosen

    soweit ich weiss (und da bin ich mir schon recht sicher, denn bei mir war es so) bekommt die Krankenkasse lediglich mitgeteilt, dass aufgrund eines unabhängigen Gutachtens eine Therapie zu bewilligen ist, aber das Feld, in dem die Diagnose/Begründung steht ist in der Kopie, die an die KK geht, geschwärzt. Also über das Durchsickern irgendwelcher Inhalte musst Du Dir gar keine Sorgen machen.

    Zitat

    Es ist doch aber möglich, dass man bei bestimmten Berufen seine Vorerkrankungen angeben muss und auch eine Schweigepflichtsentbindung unterschreiben muss.


    Man ist zwar nicht gezwungen, diese zu unterschreiben, aber kann sich dann vielleicht nicht bewerben.


    Ich habe auch schon 2 Therapien selbst bezahlt, einfach weil ich nicht krank war, sondern mehr über mich selbst erfahren wollte. Wo ist das Problem?

    Der Punkt ist doch, dass man als Selbstzahler Vorerkrankungen im Prinzip verschweigen kann. Als Gerüstbauer wird man wohl keine Höhenangst verschweigen wollen, aber wenn man sich durch eine Diagnose ungerechtfertigt stigmatisiert sieht, ist genau das das Mittel der Wahl. Zumal es eine Grauzone ist, da die Vorgeschichte im Grunde genommen Privatsache ist und nur aus guten Gründen erfragt werden darf.


    Ich weiß nicht, welche Schweigepflichten bei der von dir genannten Entbindung wegfallen. Die Schweigepflicht eines Arztes entfällt m. W. nur, wenn ich dem Arzt bzw. Therapeuten gegenüber diese Erklärung abgebe. Wenn ich das nicht tue, wird der Arbeitgeber mithin nie mitkriegen, dass ich zu ihm in Kontakt stand und das ist dann auch gewollt.

    Zitat

    soweit ich weiss (und da bin ich mir schon recht sicher, denn bei mir war es so) bekommt die Krankenkasse lediglich mitgeteilt, dass aufgrund eines unabhängigen Gutachtens eine Therapie zu bewilligen ist, aber das Feld, in dem die Diagnose/Begründung steht ist in der Kopie, die an die KK geht, geschwärzt. Also über das Durchsickern irgendwelcher Inhalte musst Du Dir gar keine Sorgen machen.

    Wie es etwa bei einer Verbeamtung oder der Aufnahme verschiedener Berufe aussieht, weiß ich nicht. Bei einer BU Versicherung reicht schon das Kreuzchen, dass überhaupt eine Psychotherapie statt gefunden hat. Die Diagnose, das Verfahren und die Frage, ob ein geheilter Patient nicht besser ist als ein depressiver spielen da keine Rolle mehr ...