Trypophobie ....wer kennt dieses Phänomen

    Hallo, liebe Interessierte,


    in der letzten Apotheken-Umschau stand ein Artikel über das Gefühl Ekel. In diesem Zusammenhang wurde eine Phobie erwähnt, die ich seit meiner Jugend habe. Es ist dieses Gefühl des Ekels, wenn ich "kleine Löcher" sehe. Ich habe dieser Sache nie Bedeutung beigemessen, aber schon seit längerer Zeit leide ich heftig darunter . Diese "kleinen Löcher" bilden sich vor meinem inneren Auge ungewollt ab. So wie etwa die Synästesie verschiedene Sinneseindrücke zu kombinieren versucht.


    Kennt jemand diese Phobie und was sie bedeutet? Wie kann man das abstellen?


    Viele Grüße

  • 13 Antworten

    Interessant, ich habe davon noch nie gehört, aber das scheint ja weit verbreitet zu sein. Aber helfen kann ich dir leider nicht, es gilt wohl wie bei jeder Phobie, wenn es dich zu sehr im Alltag beeinträchtigt, solltest du dir Hilfe suchen.

    Ich habe vor längerer Zeit mal nach Bildern zu dieser Phobie gegoogelt weil ich mir nichts darunter vorstellen konnte. Sollte man echt nicht machen ....


    Und auch mich beschlich ein Gefühl des Unbehagens beim Anblick der Bilder, kein Ekel in dem Sinne aber sehr unangenehm.


    Die Phobie habe ich aber definitiv nicht, denn im Alltag stören mich keine Löcher jedweder Art, nur eben diese Bilder fand ich fies.

    Diese Phobie steht ja noch am Anfang ihrer wissenschaftlichen Erforschung, aber erste Ergebnisse deuten darauf hin, dass sie eher auf normalen Instinkten basiert, als dass man sie als "erworbene" Phobie betrachten könnte.


    Ich finde dieses Phänomen jedenfalls auch interessant. Wirklich betroffen bin ich davon nicht (mehr), habe aber auch schon von einigen gehört, die beim Betrachten besagter Bilder Juckreiz o.ä. bekommen. Angenehm zu betrachten finde ich die Google-Suchergebnisse jedenfalls auch nicht, aber das findet wahrscheinlich keiner.


    Als Kind war ich übrigens ein bisschen davon betroffen (glaube ich). Als ich noch sehr klein war z.B., bin ich bei Spaziergängen öfter mal an einer Mauer vorbeigegangen, die sehr viele kleine Löcher hatte. Habe immer einen großen Bogen um sie gemacht und mich nie getraut, da näher heranzugehen, aus der Angst heraus, dass da irgendwas in diesen Löchern lebt und evtl. rauskommt, wenn ich zu nah rangehe. Laut dem englischen Wikipedia-Artikel über Trypophobie soll sowas ja auch ein zentraler Aspekt dieser Angst sein.


    Ich finde allerdings deinem Fall folgendes bemerkenswert:

    Zitat

    Diese "kleinen Löcher" bilden sich vor meinem inneren Auge ungewollt ab.

    Meinst du damit, dass du diese Löcher auch dann siehst, wenn sie gar nicht da sind?

    Hallo,


    ja so ist es. Du weißt bestimmt, was Synästhesie ist. Da hört man einen Ton und denkt eine Farbe oder riecht etwas Bestimmtes dazu. Bei mir ist es zwischenzeitlich so, dass die Bilder einfach auftauchen. Kann dagegen nichts machen. Das mit dem Jucken kenne ich auch. Das ganze Denken ist nun auf die Verhinderung dieser Bilder gerichtet. Früher war das nicht so schlimm. Warum es jetzt da ist, so massiv, weiß ich nicht. Ich glaube, dass diese Bilder einen Gegenpol zum Gefühl des Ekels bilden. Nun ist der Ekel nicht mehr draußen in der Umwelt, sondern ich habe ihn in mir. Halte dieses Phänomen für eine Verschiebung auf etwas anderes, obwohl der Ekel gemeint ist.


    Übrigens: Kleine Löcher erinnern mich auch an den Tod. Prozesse der Verwesung. Sicherlich ist diese Phobie ein Konglomerat aus vielen paradoxen Gefühlen.


    Schön, dass ihr schreibt. Das hilft... :-)


    VG


    Der Leidende

    Ja, Synästhesie kenne ich und habe es z.T. auch. Finde ich ebenfalls sehr interessant. Aber ob man das vergleichen kann? Werden die Bilder durch irgendetwas bestimmtes ausgelöst bzw. besteht eine Verbindung mit irgendwas, oder ein Schlüsselreiz, der die Bilder auslöst?


    Wenn du sagst, dass deine Gedanken vollkommen darauf fokussiert sind, solche Bilder zu vermeiden, dann ist es natürlich umso weniger verwunderlich, dass sie dadurch präsenter wirken. Das hört sich für mich nach einer sehr typischen Verhaltensweise bei Phobien an. Ich bin kein Psychologe, aber bin selbst von einer anderen Phobie betroffen und wende natürlich entsprechende Vermeidungsstrategien an. Wie ich mit meiner Phobie sonst zurechtkommen soll, weiß ich noch nicht, daher wüsste ich auch hier nicht, was die beste Strategie wäre. Sind bspw. die Abflusslöcher eines Waschbeckens ausreichend, um dich in Panik zu versetzen?

    Hallo, Canis,


    nein, Abflusslöcher haben keine Wirkung auf mich. Diese Löcher müssen eher klein sein. Du kennst die Löcher, die Holzwürmer hinterlassen? Das ist ungefähr die Größe. Eventuell bewegt sich etwas darin. Löcher in Verbund mit


    einer geometrischen Form, meist eingebettet in etwas Rundes. Früher habe ich von jemandem gehört, dass er


    einen entsetzlichen Ekel empfindet, wenn er Knöpfe sieht. Du kennst die Bilder im Internet ?


    Auf was reagierst du denn phobisch?


    Danke für die Zuschrift.


    VG

    Ja, das mit den Knöpfen ist mir auch bekannt. Für mich im Gegensatz zur Trypophobie z.B. absolut nicht nachvollziehbar - das heißt aber natürlich nicht, dass ich jmd. deswegen nicht ernst nehmen würde.


    Ich selbst leide an der sog. Emetophobie. Also Angst vor Erbrechen und allem, was damit in irgendeiner Weise zu tun hat, d.h. es fängt schon bei Übelkeit an. Ich empfinde dieses Gefühl einfach als pure Hölle. :-(


    Ich kriege auch Herzrasen, wenn ich mitbekomme, wie sich andere übergeben, da reicht es auch schon, wenn ich es bloß höre.


    Was die Vermeidungsstrategien sind, kann man sich ja denken. Bei leicht verderblichen Lebensmitteln besonders strenge Kontrolle des Haltbarkeitsdatums, ggf. komplett vermeiden, Fleisch immer gut durchbraten, Hände desinfizieren etc. pp., also im Prinzip alles, was die Gefahr auch nur geringfügig steigern könnte, komplett umgehen.

    Hallo,Canis,


    von der Emetophobie habe ich auch noch nichts gehört. Seit wann hast du die denn? Hat es etwas mit Fleisch zu tun?


    Reicht bei dir auch nur die Vorstellung, das sich jemand und du übergeben musst? Oder kommt es auf das Ereignis selbst an? Den Geruch.


    Das Herzrasen kenn ich auch...Habe vor einigen Tagen mir diese Bilder im Internet angeschaut. Dachte es wäre eine Art von Verhaltenstherapie... Das Gegenteil. Musste mich fast übergeben und hatte starken Kopfdruck. Mein ganzer Körper hat fürchterlich gejuckt. Was haben wir beide denn erlebt, dass wir das haben? Einen Grund muss es doch geben. Zurzeit bin ich auch sehr ratlos. Glaube nicht an Psychotherapie. Und Medikamente gibt es auch nicht.


    Ich habe bei mir gemerkt, dass Stress die "Sache" reduziert und Ablenkung total. Leider kann ich mich niemandem anvertrauen in meiner Umgebung. Habe Angst davor, mich lächerlich zu machen. Wie ist das bei dir?


    Viele liebe Grüße


    aus dem Phobienland

    @ klapperschlanke:

    Eine Creepypasta-Geschichte mag zwar ganz lustig sein, ist hier aber m.E. fehl am Platz und nicht hilfreich. Sorry. :|N :(v Das ist eher was für die Unterhaltungs-Ecke.

    @ mutigermann:

    Zitat

    von der Emetophobie habe ich auch noch nichts gehört. Seit wann hast du die denn? Hat es etwas mit Fleisch zu tun?

    Nein, mit Fleisch an sich hat das nichts zu tun, das Fleisch war nur ein Beispiel, weil es ein leicht verderbliches Lebensmittel ist. Die Phobie habe ich eigentlich seitdem ich denken kann, sie hat allerdings in der Kindheit zugenommen und ist seitdem auf einem konstanten Level geblieben. Was die Ursache ist, kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen.


    So selten, wie man annimmt, ist die Phobie übrigens nicht (Zitat Wikipedia):

    Zitat

    Die Emetophobie ist gar nicht so selten, wie man aufgrund ihrer Unbekanntheit meinen würde (Rink, 2006).[8] Es gibt Prävalenzschätzungen von verschiedenen Forschern. Die Prävalenz ist das Auftreten einer Störung in der Bevölkerung. Die vermuteten Zahlen reichen von 1,7 bis 3,1 % für Männer und 6 bis 7 % für Frauen (Philips, 1985;[9] vanHout, Lansink & Bouman, 2005[10]). Offensichtlich gibt es also mehr Frauen als Männer unter den Emetophobikern. Die erste Internetstudie[1] fand unter den vorwiegend amerikanischen Teilnehmern 89 % weibliche Emetophobiker, ein englisches Forscherteam (Veale & Lambrou, 2006)[11] kam sogar auf 97 % Frauen, in den Niederlanden[5] waren 88 % weibliche Teilnehmer in der Studie.

    Zitat

    Glaube nicht an Psychotherapie. Und Medikamente gibt es auch nicht.

    Ich glaube in meinem Fall auch nicht an eine Therapie, weil die Angst einfach so fest in meinem Kopf verankert ist, dass die einzige Möglichkeit, die rauszubekommen, wohl eine Gehirnwäsche wäre (das heißt aber nicht, dass ich Therapien grundsätzlich für sinnlos halte). Die Reaktionen, die du beschreibst, sind allerdings heftiger, als meine. Ich weiß ehrlich gesagt nicht, was ich dir raten soll.

    Zitat

    Leider kann ich mich niemandem anvertrauen in meiner Umgebung. Habe Angst davor, mich lächerlich zu machen. Wie ist das bei dir?

    Normalerweise bin ich jemand, der Angst hat, von anderen negativ bewertet zu werden, aber das hier ist einer von wenigen Punkten, mit dem ich sehr offen umgehe. Jeder aus meinem Umfeld weiß, dass ich davon betroffen bin, und wirklich lustig gemacht hat sich keiner drüber. Wer das tut, ist selbst eine Lachnummer.


    Es gibt natürlich schon sehr außergewöhnliche Phobien, bei denen das Risiko höher ist, auf Unverständnis zu stoßen, aber für mich fallen unsere Phobien nicht unbedingt darunter.