• Übergriffigkeit in Freundschaften und Grenzsetzung

    Hallo alle miteinander :-) wegen eines aktuellen Falles in meinem Freundeskreis würde ich gern im Betreff genanntes Thema diskutieren. Es gibt einen Mann in meinem Bekanntenkreis, der eigentlich im Grunde ein guter Kerl ist. Wir kennen uns persönlich seit dem Frühjahr 2016, also ein knappes Jahr. Anfangs hatte er Interesse an mir als Frau, welches ich…
  • 141 Antworten
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    Und ich fange jetzt nicht an, die Verantwortung dafür bei mir zu suchen.

    Ach, Verantwortung, Schuld. Einfach: widerliches Verhalten von dem Typen. Die Frage ist doch: Fandest Du die Situation an dem Abend so blöd, dass Du für Dich für eine eventuelle vergleichbare Situation - ohne Garantie, dass das den anderen dann auch ausbremsen wird - etwas aus der Sache ziehen willst? Dann fände ich es sinnvoll, Dir auch Gedanken über Dich selbst zu machen. Findest Du, dass es möglich und besser gewesen wäre, ihn an dem Abend rigoroser abzuweisen? Falls ja: Wieso hast Du es nicht getan? Wie viel davon war "ungern jemanden abweisen" (und wieso?), wie viel "es schmeichelt mir sehr, dass der mich geil findet (aber diese "Körperlichkeit" ist mir nun doch zu viel)"?
    Ich selbst bin, wenn jemand meine Grenzen verletzt, ziemlich so gestrickt. Ich fühle mich nicht "verantwortlich", aber ich überlege mir - mit offenem Ergebnis -, ob ich nicht gegenüber manchen Leuten durch ein anderes Verhalten die Situation zu meinen Gunsten beeinflussen könnte, ob (und wieso) ich vielleicht meine Grenzen nicht sehr deutlich zum Ausdruck gebracht habe, obwohl ich sehr genau wusste, wo sie sind. Und dazu gehört für mich durchaus auch, zu überlegen, ob ich den anderen aus "falscher Rücksichtnahme" "geschont" habe, oder ob dahintersteckt, dass ich nicht möchte, dass der andere mich "nicht mehr lieb hat".

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    Das ist doch alles nur ein Grund mehr, den aus deinem Freundekreis zu streichen.

    ich bin selbst bestimmt auch nicht immer einfach und wer frei von Schuld ist, werfe den ersten Stein oder so ähnlich...


    wenn wir uns jetzt ständig sehen würden oder täglichen Kontakt hätten. Aber wir sehen uns eher selten und nur regelmäßig beim Tanzen. Das war's dann auch schon...

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    Und dazu gehört für mich durchaus auch, zu überlegen, ob ich den anderen aus "falscher Rücksichtnahme" "geschont" habe, oder ob dahintersteckt, dass ich nicht möchte, dass der andere mich "nicht mehr lieb hat".

    falsche Rücksichtnahme kommt in solchen Fällen sehr sehr oft vor, denke ich. Bei dem anderen Freund war das eventuell so, da wir eine engere Freundschaft gepflegt haben. Dieser hat aber auch niemals sexuelle Übergriffe versucht. Das war anders, irgendwie subtiler. Ach keine Ahnung, wie man das beschreiben kann. Ich bin einfach in dem Moment nicht fähig gewesen, etwas zu sagen. Es war laut, wir hatten Spaß und daher habe ich ihn einfach abgewehrt und weg geschoben. Hat nur leider nicht so richtig geholfen.

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    Er hat sich jetzt einem gemeinsamen Freund "anvertraut" und diesem gebeten, ein Auge auf ihn zu haben, wenn wir wieder im Club sind.

    Das ist ja noch besser: Verantwortungsdelegation an seinen Kumpel. Wie wäre es denn ganz simpel, wenn ER für SEIN Verhalten SEINE Verantwortung wahrnimmt und dich nicht mehr begrapscht oder sonstwie ungewollt Körperkontakt herstellt mit dir?


    Das ist doch so jetzt schon die Ansage, dass das nicht das letzte Mal gewesen sein wird. Wenn er sein eigenes verhalten nicht steuern kann, gehört der in die Hände eines Psychiaters oder Therapeuten. So eine dumme Ausrede als "Entschuldigung" ist ja glatter Hohn. Hält der dich für so dumm oder für so weich, dass du das schlucken wirst?

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    . Wenn er sein eigenes verhalten nicht steuern kann, gehört der in die Hände eines Psychiaters oder Therapeuten.

    ist er schon.


    Und sollte sich das tatsächlich wiederholen, geht das für ihn nicht mehr so glimpflich aus wie beim letzten Mal.

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    Verantwortungsdelegation an seinen Kumpel. Wie wäre es denn ganz simpel, wenn ER für SEIN Verhalten SEINE Verantwortung wahrnimmt und dich nicht mehr begrapscht oder sonstwie ungewollt Körperkontakt herstellt mit dir?

    Da muss ich dir recht geben. Kommt mir jetzt auch lächerlich vor, diese "Maßnahme". Und das für einen 51jährigen Mann. Seltsam. Bizarr irgendwie. :-/

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    Und sollte sich das tatsächlich wiederholen, geht das für ihn nicht mehr so glimpflich aus wie beim letzten Mal.

    Da wäre ich jetzt neugierig, welche "harte Strafe" ihm im Wiederholungsfall droht. An was hattest du gedacht?

    Was mich gerade beim lesen gestört hat ist das du nun nur noch beschreibst wie er durch Umarmungen etc. seine Zuneigung ausdrückt. Keine Rede mehr vom streifen der Brust, vom klatschen auf den Hintern ...


    Du benimmst dich gerade mütterlich (schützend).


    Und da denk ich schon das du zu relativieren beginnst ... da du es nun nicht mehr erwähnst. Deinen

    Frieden damit gemacht hast. Du solltest aber nun nicht in die Richtung gehen noch verständnisvoller zu werden, sondern ihn vorläufig weiter auf den Prüfstand stellen.


    Du bist jetzt nicht diejenige die ihm vor den Kopf gestoßen hat, sondern diejenige die eine Bedingung/ein Ultimatum gestellt hat. Bevor du dich also schützend vor ihn stellst muss er erst einmal beweisen das er verstanden hat. Und glaube mir, damit hilfst du ihm mehr als nun im Nachhinein für ihn einzustehen.


    Ich finde des weiteren deine Umgang mit der ganzen Situation sehr gut. Ich möchte dich nur warnen einzuknicken.

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    falsche Rücksichtnahme kommt in solchen Fällen sehr sehr oft vor, denke ich.

    Ja, aber man sollte vorsichtig damit sein, sich dabei dann sehr edel und gut zu fühlen. Es hat ja oft vor allem damit zu tun, dass man nicht "fies" sein will, weil man doch "ein netter Mensch" ist, also ganz viel mit dem Selbstkonzept und dessen Erhaltung.

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    Da muss ich dir recht geben. Kommt mir jetzt auch lächerlich vor, diese "Maßnahme". Und das für einen 51jährigen Mann. Seltsam. Bizarr irgendwie. :-/

    Japp. Auf jeden Fall nicht so arg weit vorn, wenn es um Verantwortung für sein eigenes Handeln geht.

    Sollte er wider Erwarten (die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt) erneut meine Grenzen überschreiten und mich unsittlich anfassen, könnte es sein, dass er ne Ohrfeige kassiert. Diesmal würde ich sofort reagieren. Insbesondere deshalb, weil ich ihm heute die Ansage gemacht habe, dass ich DAS nicht will. Zudem würde das auch noch einen sofortigen Kontaktabbruch nach sich ziehen.

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    Ja, aber man sollte vorsichtig damit sein, sich dabei dann sehr edel und gut zu fühlen. Es hat ja oft vor allem damit zu tun, dass man nicht "fies" sein will, weil man doch "ein netter Mensch" ist, also ganz viel mit dem Selbstkonzept und dessen Erhaltung.

    Genau deshalb dachte ich bei "falscher" Rücksichtnahme auch an zwei Arten von "falsch". Einerseits, weil es in der Situation "das Falsche" ist, andererseits, weil sich die Rücksichtname oft eben nicht auf den anderen bezieht, sondern auf einen selbst - wie man sich selbst sehen und von anderen gesehen werden möchte. Ist mir ja nicht gänzlich unbekannt.

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    Sollte er wider Erwarten (die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt) erneut meine Grenzen überschreiten und mich unsittlich anfassen, könnte es sein, dass er ne Ohrfeige kassiert.

    Sei aber nicht zu streng mit Dir, falls das dann auf Anhieb nicht so ganz nach Plan funktioniert (ich weiß ja nicht, wie "wehrhaft" Du sonst so bist, oder ob Du Dich da gerade erst "rantastest").

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    Was mich gerade beim lesen gestört hat ist das du nun nur noch beschreibst wie er durch Umarmungen etc. seine Zuneigung ausdrückt. Keine Rede mehr vom streifen der Brust, vom klatschen auf den Hintern ...

    Das bezog sich auf die Frage von mariposa wegen "körperlicher Mensch". Diente nur der Erklärung.

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    Du benimmst dich gerade mütterlich (schützend).

    um Gottes Willen, nein. Dann kommt das falsch rüber.

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    Und da denk ich schon das du zu relativieren beginnst ... da du es nun nicht mehr erwähnst. Deinen

    Frieden damit gemacht hast. Du solltest aber nun nicht in die Richtung gehen noch verständnisvoller zu werden, sondern ihn vorläufig weiter auf den Prüfstand stellen.

    So leicht mache ich es ihm nicht.


    Er steht auf jeden Fall weiter auf dem Prüfstand.

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    Du bist jetzt nicht diejenige die ihm vor den Kopf gestoßen hat, sondern diejenige die eine Bedingung/ein Ultimatum gestellt hat. Bevor du dich also schützend vor ihn stellst muss er erst einmal beweisen das er verstanden hat. Und glaube mir, damit hilfst du ihm mehr als nun im Nachhinein für ihn einzustehen.

    Gar nicht mal so verkehrt gedacht, denn genau so fühlt er sich wohl. Vor den Kopf gestoßen. Mich hat sehr geärgert, dass er das Geschehen so runtergespielt hat. Und sich an manches nicht erinnern kann. Jaja, der böse Alkohol...

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    Ich finde des weiteren deine Umgang mit der ganzen Situation sehr gut. Ich möchte dich nur warnen einzuknicken.

    Danke, das ist lieb von dir. @:)

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    Sei aber nicht zu streng mit Dir, falls das dann auf Anhieb nicht so ganz nach Plan funktioniert (ich weiß ja nicht, wie "wehrhaft" Du sonst so bist, oder ob Du Dich da gerade erst "rantastest").

    Naja, meine Gegenwehr beim letzten Mal hat das offenbar nicht ausgereicht, also muss ich ja energischer werden.


    Bisher habe ich noch keine Ohrfeige erteilen müssen, weiß also nicht, ob mich das dann alles auch total überfordert, wenn er sich nicht an sein Versprechen halten sollte...