Umgang mit Borderliner

    Umgang mit Borderliner


    Ich hab mal ein paar Fragen an die in Psychologie Bewanderten oder auch gerne an Betroffene, die zur Selbstreflexion fähig sind. Ich kapier so einiges nicht, find die ganze Thematik nur gruselig und würde am liebsten gar nichts damit zu tun haben.


    Mit der Person um die es geht, verbindet mich ein Gemisch aus Geschäftsbeziehung und seltsamer „Freundschaft“. Phasenweise bin ich sowas wie seine absolute Traumfrau und die wichtigste Person in seinem Leben, dann wieder ein böses Biest, komplett unfähig, oder ein neutrales Etwas.


    Ich mag ihn in normalen Phasen sehr gerne, obwohl sich das auf einer komischen Ebene abspielt (viel gemeinsam haben wir nicht) und er ist mir wichtig genug, dass ich mich mit dem Thema beschäftige.


    Zu 100% hat er seine Krankheit mir gegenüber nie beim Namen genannt, aber er hat versucht, es mir zu erklären. Ich hab es damals nur überhaupt nicht verstanden. Wenn man alle Puzzleteile zusammensetzt, verhält er sich komplett nach Lehrbuch. Je besser wir uns kennen und je wichtiger er mir ist, desto weniger kann ich allerdings damit umgehen. „Offiziell“ weiß ich es also nicht und tue bei etlichen Seltsamkeiten so, als ob mir nichts auffällt. Manchmal lehnt er sich weit aus dem Fenster und ich hab den Eindruck, er will unbedingt, dass ich nicht mehr wegsehen kann, dann wieder tut er alles, um zu kaschieren, dass gerade gar nichts geht, inklusive komplettem Untertauchen.


    Was mich am meisten irritiert, ist der Umgang oder das Abschalten von für ihn negativen Gefühlen, Fakten oder auch Menschen. Phasenweise erzählt er mir alles aus seinem Leben, wozu auch ellenlange Geschichten aus der Vergangenheit gehören. Auffällig dabei, parallel zu seiner eigenen Familie, von der er sehr wenig und nur Gutes erzählt, existiert eine ominöse befreundete zweite Familie, in der so ziemlich alles vorkommt, was man sich an menschlichen Abgründen vorstellen kann. Der dazugehörige Sohn vereint sämtliche Eigenschaften eines Totalversagers mit psychiatrischen Auffälligkeiten. Es kommt öfter vor, dass extra betont wird, wie froh er wäre, dass es bei ihm nicht so sei. Fiktives Beispiel: „XY war Alkoholiker. Ich bin froh, dass ich keiner bin“.


    Wäre sowas ein klassisches Beispiel für eine Spaltung? Wie muss man sich das vorstellen, „glaubt“ derjenige selbst zu 100% daran? Was würde passieren, wenn ich meine Vermutung äußern würde? Wenn es so wäre, dass er seine eigene Geschichte erzählt, könnte ich damit gar nicht umgehen. Eigentlich mag ich mir das überhaupt nicht vorstellen.


    Mich erwischt dieses „Spalten“ auch öfter mal, nur dass ich ihm dann nicht dauerhaft egal bin, weil wir ja trotzdem noch geschäftlich miteinander zu tun haben. Manchmal hab ich den Eindruck, er lernt mich quasi neu kennen und mögen, nachdem er mich abgehakt hat, weil ich nicht so funktioniert hab, wie er das gerne gehabt hätte. Gerne nach Phasen mit ausgeprägter Nähe. Das kann man sich als normaler Mensch eigentlich nicht vorstellen, wenn man es nicht erlebt hat. Der Auslöser können Kleinigkeiten sein, wie z.B. ein Urlaub, in dem man nicht zur Verfügung steht. Interessant vielleicht noch, dass Gegebenheiten aus der „alten“ Beziehung teilweise nicht mehr vorhanden sind. Vereinfachtes Beispiel, jemand nennt dich bei einem bestimmten Spitznamen und das kommt dann nie wieder vor. Erinnerungen an sich sind aber (mit Lücken) vorhanden. Das Spielchen wiederholt sich in schöner Regelmäßigkeit. Reden und Erklärungen fordern, bringt genau Null, da könnte ich auch die Wand fragen.


    Wie geht man am Besten mit so jemandem um, verhindern kann man solche Phasen vermutlich nie, oder? Anfangs hab ich den oder die „Fehler“ noch bei mir gesucht, aber inzwischen bin ich mir sicher, dass ich wenig hätte anders machen können. Teilweise erkenne ich mich selbst nicht wieder, weiß überhaupt nicht, wie ich dann mit ihm umgehen soll und schwanke selber im totalen Gefühlschaos. Mein eigenes Umfeld bekommt wiederum den ganzen Rotz von mir ab. Sowas kenne ich normalerweise nicht.


    Bleibt da wirklich nur, innerlich auf Distanz zu gehen, quasi komplett zu blocken und sich privat überhaupt nicht mehr einzulassen? Gibts evtl. doch Alternativen?


    Vielleicht mag sich ja jemand den zugegeben langen Text durchlesen und hat ein paar schlaue Gedanken dazu.

  • 3 Antworten

    Bisschen was an einfachen Möglichkeiten der Beobachtung:

    * schau mal auf seine Unterarme und gerade die Gegend der Pulsschlagadern oder den Teil an Haut, den du halt siehst - sind da Schnitte, Ritzungen, Narben?

    * gibt's Tätowierungen? Viele?

    * wie ist sein Einkauf-Verhalten? also z.B. bei Lebensmitteln, aber auch in eurem geschäftlichen Kontext?

    * hast du mal sein Verhalten beim Autofahren erlebt? Wie war das?

    * weißt du etwas über seine Sexualität oder Gestaltung?

    * weißt du etwas über sein Essverhalten?

    * wie sieht es aus bei Pünktlichkeit, Verlässlichkeit, Disziplin?