Umgang mit Hochsensibilität? Gibt es andere Betroffene?

    Hallo zusammen,


    ich weiß seit vielen Jahren, dass ich hochsensibel bin und musste über die Zeit auch immer wieder "lernen", was das letztendlich für mich bedeutet. Ähnlich wie bei Autisten prasseln fortwährend Reize in meinen Kopf. Meine Aufmerksamkeit liegt deshalb weit über dem Durchschnitt, was ja prinzipiell kein Manko ist - wenn ich schlafen möchte aber schon. Ich werde bei jedem kleinsten Geräusch wach, bleibe meist lange auf.


    Naja, und dann sind da viele andere Dinge, die mich eher belasten - ich bin viel zu empathisch und das macht vor allem beruflich nur Probleme. Teilweise habe ich Gedankengänge und "Querverbindungen", die niemand versteht, bin gedanklich schon zwei, drei Schritte weiter usw. - ich mag komplizierte Dinge, andere machen einen Bogen drum. Ich empfinde auch oft Langeweile, weil mir das "High Sensation Seeking" fehlt, was extrem selten unter Hochsensiblen ist - sprich ich benötige immer neue Reize.

    Weiß nicht, diese Mixtur ist so schwer händelbar finde ich. Immer dieses Auf und Ab zwischen "ich will meine Ruhe" und "ich brauche was Neues" und dann auch noch sowas wie Alltag - der weder interessant-komplex ist, noch großartig was neues hat ... ich stehe früh auf und habe eigentlich schon keine Lust, weil alles auch so erwartbar ist. Wie so eine Endlosschleife.

    Vielleicht gibt es ja andere Betroffene, die sich austauschen möchten. @:)*:)

  • 163 Antworten

    Ich schrieb ja, dass ich unter den ganz wenigen HSS (High Sensation Seeker) zähle, werden auch Scanner/Vielinteressierte genannt. Das besondere Problem ist immer dieser stetige Wechsel zwischen "Ruhe haben wollen" und "Action brauchen", ebenso der stete Drang immer etwas Neues kennenzulernen, erfahren zu wollen.


    Insbesondere Routine artet dann bei mir stellenweise in Antriebslosigkeit aus. Ich kann damit irgendwie umgehen, aber merke halt auch, dass es mich belastet - nun kann natürlich nicht jeder Tag ein Highlight sein - völlig klar.


    Hier vielleicht ein paar Informationen dazu:

    https://open-mind-akademie.de/der-high-sensation-seeker/

    https://open-mind-akademie.de/…scannerpersoenlichkeit-2/

    Hallo nemesis,


    hier *:)noch eine HSP @:) Allerdings bin ich weit davon entfernt, ein High Sensation Seeker zu sein, aber das Thema "Scanner Persönlichkeit" passt dagegen sehr gut zu mir.
    Und ja.. Routine wirkt sich bei mir auch sehr schnell in Langeweile und dann in Antriebslosigkeit aus. Also schon irgendwie ähnlich. Wenn ich wenig zu tun habe, dann tu ich eigentlich eher gar nichts, oder
    etwas, was mein Hirn mit Futter versorgt. Ich google also diverse, für mich interessante Themen - bis sie mich langweilen. Dann brauche ich was Neues, nur finde ich nicht immer was. Also suche ich oft nach spannenden Themen hier im Forum, die mich vom Hölzchen auf's Stöckchen bringen. Habe ich ein komplexes und interessantes Thema gefunden, beisse ich mich daran erst einmal fest und studiere es sozusagen, bis ich ... du ahnst es.. es irgendwann als langweilig empfinde und weiter suchen muss.

    Wenn es im Job so richtig abgeht und ich viel zu tun habe, funktioniere ich am besten. Ich brauche einen gewissen Druck und Abwechslung, sonst habe ich das Gefühl zu verblöden. Routine und jeden Tag das Gleiche emfpinde ich als Belastung.


    Also ja... jetzt wo ich das so schreibe, sind wir uns schon irgendwie ähnlich. Nur das ich mir den High Sensation Seeker jetzt eher so vorstelle, dass er einen Tag Freeclimbing macht, am nächsten Tag im Vergnüngungspark sämtliche Achterbahnen unsicher macht und am Wochenende am liebsten ständig Neues entdeckt und unterwegs ist, sei es zu Konzerten, Events, Sportarten etc... Also.. im übertriebenen Sinne stelle ich mir das tatsächlich so vor.

    Und ja, auch ich benötige meine Ruhephasen, habe aber häufig kein Problem diese auch zu finden und sie mir zu nehmen. Inzwischen jedenfalls! Das musste ich auch erst lernen und kann das auch erst, seitdem ich sicher von der HS weiß. Denn jetzt verstehe ich, warum ich soviel Ruhe brauche, so ein hohes Schlafbedürfnis habe etc.. Ich schlafe übrigens nur noch mit Oropax, da ich absolute Ruhe zum Ein - und Durchschlafen brauche. Ich bin sonst auch bei jedem Pieps wach, was mit 2 Katzen, die durchaus in der Nacht mal in Bewegung sind, echt blöd ist.. Also.. Ohren zu und gute Nacht ;-) Und ich nehme auch ein leichtes Sedativum/Antidepressiva zur Nacht, aufgrund von Ängsten und der Schlafprobleme. So geht es ganz gut mit der Schlaferei.. aber morgens aus dem Bett kommen ist....... naja....

    Habe ich allerdings am Tag etwas schönes vor, komme ich deutlich besser aus den Federn...


    LG Prada@:)

    Das Thema Hochsensibilität gab es hier schon mal und verlief iwann im Sande. Wahrscheinlich durch Kommentare einiger, die nicht verstehen (können) wovon die Rede ist oder auch weil sich einige nicht outen wollten/konnten. Mal schauen ob und wie es jetzt läuft.

    Ich gehöre definitiv zu den Scannern. Das war schon immer so ohne natürlich zu wissen, was mit mir los ist. Da ich zu der wesentlich älteren Generation gehöre, habe ich mich aus Angst für nicht normal angesehen zu werden, über Jahrzehnte vollkommen zurückgezogen. Heute kann das Thema zumindest mal angesprochen werden und auch der Umgang für mich mit anderen Menschen, hat sich für mich verändert.

    Dadurch das ich mir dessen bewusst geworden bin und daran gearbeitet habe, fällt es mir leichter mich an Gesprächen zu beteiligen, ohne Unverständnis zu erwecken. Wenn ich mich nur auf die eine Begebenheit konzentriere, kann ich zum Glück das was abläuft abstellen. War aber auch eine lange Zeit der Übung.

    Das führt dann auch schon mal zur Erschöpfung, weil ich ständig darauf achten muss die Ergebnisse zu filtern. Ich muss mich selbst ständig ausbremsen, um andere nicht zu überfordern. Leider macht sich das auch hier in schriftlicher Form bemerkbar, ich weiss es. Nur habe ich mir vorgenommen mich nicht mehr kleiner zu machen als ich es ohnehin tagtäglich tue. Hier gibt es ja nun auch mehr als genug "verrückte", da falle ich dann auch nicht mehr so auf - denke ich ;-D

    Fizzlypuzzly schrieb:

    Hier gibt es ja nun auch mehr als genug "verrückte", da falle ich dann auch nicht mehr so auf - denke ich ;-D

    Also falls es dich ein wenig aufmuntert und beruhigt.. mir bist du bisher schriftlich echt nicht negativ aufgefallen, oder missverständlich oder so... :-) Ich hatte deinen Nick eigentlich eher positiv im Hinterstübchen @:)

    PradaTeufel schrieb:

    für mich interessante Themen - bis sie mich langweilen. Dann brauche ich was Neues, nur finde ich nicht immer was. Also suche ich oft nach spannenden Themen hier im Forum, die mich vom Hölzchen auf's Stöckchen bringen. Habe ich ein komplexes und interessantes Thema gefunden, beisse ich mich daran erst einmal fest und studiere es sozusagen, bis ich ... du ahnst es.. es irgendwann als langweilig empfinde und weiter suchen muss.

    Das ist bei mir auch so. Und wenn etwas für mich langweilig wird, werde ich lustlos, unzufrieden und dann unglaublich müde. Ich freue mich schon auf den weiteren Austausch und vielen Dank für dein Kompliment @:)

    Fizzlypuzzly schrieb:

    Das ist bei mir auch so. Und wenn etwas für mich langweilig wird, werde ich lustlos, unzufrieden und dann unglaublich müde. Ich freue mich schon auf den weiteren Austausch und vielen Dank für dein Kompliment @:)

    Oh jaaaa das kenne ich auch zu gut, vor allem diese Müdigkeit und diese Antriebslosigkeit. Bei mir ist es gerade im Job seeeeeehr ruhig. Viel zu ruhig.. Ich hätte zwei, drei Kleinigkeiten zu erledigen, bei denen es aber egal ist, ob ich sie heute, oder in 2 Wochen mache. Also... schiebe ich sie vor mir her, weil der Antrieb irgendwo am Strand liegt, mit einem Cocktail und ner Fussmassage... ;-D
    Und ein tolles Thema finde ich gerade auch nicht.. aber der Austausch hier, der weckt wieder ein wenig die Lebensgeister und ich freue mich auch darauf @:)

    Thema Arbeit als Scannerin: Ich war in zwei Berufen tätig, jeweils mit Abschluss. In meinem ersten Beruf war ich fast zwanzig Jahre tätig und habe mehrfach die Stelle gewechselt. Vom Typ her scheine ich auch ein Talent zum Organisieren zu haben. Mit einem Blick habe ich zunächst mal alle nicht durchdachten und unnütze, mit großem Aufwand betriebenen Tätigkeiten abgeschafft in 1- 3 Tagen. Chefs, die sich auf eine Umstellung der Systeme einließen, hatte ich besonders gerne - aufgrund der freien Hand wohlgemerkt. Der Aufwand vorher war bis dahin teilweise schwer nachvollziehbar oder Vorgänge nicht mehr aufzufinden.

    Ich behaupte mal im Grunde faul zu sein, weil ich jeden nicht erforderlichen Aufwand zutiefst verabscheue. Nach meiner Änderung der Systeme konnten Vorgäge von A - Z innerhalb von ein paar Minuten nachvollzogen werden und auch nicht mehr verloren gehen. Iwann war auch der Rest durchorganisiert, wobei das Problem der Durchführung auf die Behäbigkeit mancher Mitarbeiter/Innen beruhte - die Ausbremser/Innen.

    Nachdem ich ein paar Tagen Urlaub hatte, hatten sich zwischenzeitlich aber alle daran gewöhnt und fanden es sogar gut - auch wenn die Wenigsten sich dazu äusserten.

    Mit dem was ich jetzt hier geschrieben habe will ich auf keinen Fall angeben. Nur Du ahnst es sicher - iwann wurde es wieder schrecklich öde und langweilig. Ich hatte keine Aufgabe mehr, die ständige gleichförmige und sich immer wiederholende Tätigkeit erschöpfte mich.

    Ich machte Fehler weil ich unkonzentriert war und hatte null Bock. Was mir blieb war - eine neue Stelle antreten. Meistens hatte ich die schon sicher, obwohl ich immer noch ein paar Tage "abzusitzen" hatte :-D. Von daher kann ich dich wirklich gut verstehen.

    Zitat

    Das besondere Problem ist immer dieser stetige Wechsel zwischen "Ruhe haben wollen" und "Action brauchen", ebenso der stete Drang immer etwas Neues kennenzulernen, erfahren zu wollen.

    Ist das nicht einfach menschlich?

    Um es noch einmal etwas ausführlicher zu schreiben: Ich finde es menschlich, seine Ruhe haben zu wollen. Ich finde es menschlich, wenn man bisweilen auch etwas "Action" braucht. Und aus beidem zusammen ergibt sich dann ein ganz natürlicher Wechsel aus Handlung und Entspannung.


    Ich nennen es den Atemrhythmus der Seele.


    Selbstverständlich sind nicht alle Menschen so. Es gibt auch Gewohnheitstiere, die tagein, tagaus dasselbe machen, nichts vergessen und auch nichts dazulernen wollen. Sie kann nichts aus der Ruhe bringen, weil sie ein Leben lang einfach nur ihren Gewohnheiten nachgehen, egal, was um sie herum passiert.


    So sehe ich es. Und Ihr?

    criecharlie schrieb:
    Zitat

    Das besondere Problem ist immer dieser stetige Wechsel zwischen "Ruhe haben wollen" und "Action brauchen", ebenso der stete Drang immer etwas Neues kennenzulernen, erfahren zu wollen.

    Ist das nicht einfach menschlich?

    Ja, es ist ja nur Teil "des Problems" und ich denke, dass hierfür auch immer die Dosis entscheidend ist. Mit Action meine ich keineswegs Nervenkitzel oder Adrenalin-Schübe. Da mein Kopf sowieso in Reizen erstickt, liebe ich es eigentlich eher gemäßigt, was das angeht. Ich liebe es aber neue Dinge und neues Wissen zu entdecken. Andere bestellen sich das zigste Mal ihr Schnitzel mit Pommes und ich probiere jedesmal ein anderes Gericht - wohl wissend, dass ich damit auch falsch liegen kann.

    In einem schlummert immer diese unstillbare Hunger nach Neuem. Ich habe hier zig Fachbücher, meine Freunde lachen schon immer. Da liegt tatsächlich das asiatische Kochbuch neben eine Physikbuch zur Abhandlung der Quantenmechanik, ein Buch weiter Anästhesie, dann Schopenhauer. Ich bin kein Arzt, kein Physiker, aber kenne mich für einen Laien manchmal gar nicht schlecht aus. Mich beschäftigen ständig neue Dinge und das hatte ich als Kind schon.

    Ich bin einfach manchmal - zumindest rein oberflächlich - sehr widersprüchlich. Das höre ich sehr oft, auch in Foren. Das liegt sicher daran, dass meine Gedankengänge immer sehr - vielleicht auch zu komplex - sind. Ein guter Freund von mir ist auch HS und ich mag diese Unterhaltung auch einfach unheimlich. Und er hat auch diese Tendenz zur "Sucht" - sprich Genussmittel, gutes Essen, Schmerzmittel, sowas - ob das jetzt typisch ist, weiß ich nicht. Aber ich denke, dass HS und/oder Scanner und/oder HSS irgendwie immer "Sklave ihres Belohnungssystems" sind - zumindest erfinde ich das so.

    Zitat

    Da liegt tatsächlich das asiatische Kochbuch neben eine Physikbuch zur Abhandlung der Quantenmechanik, ein Buch weiter Anästhesie, dann Schopenhauer. Ich bin kein Arzt, kein Physiker, aber kenne mich für einen Laien manchmal gar nicht schlecht aus. Mich beschäftigen ständig neue Dinge und das hatte ich als Kind schon.

    Das ist in allen Haushalten die ich kenne so, in denen intelligente, normal entwickelt Leute wohnen.

    ich sehe nach wie vor nicht das Auffällige.

    criecharlie schrieb:

    Kann es sein, dass du einfach die falschen Leute kennst?

    Ich empfinde das "anders sein" als Belastung. Und wenn es so viele Menschen gäbe, die "anders" sind, hätte ich sicher davon was mitbekommen. Ich sehe auch keinen Grund mich jetzt irgendwie rechtfertigen zu müssen, was Hochsensibilität bedeutet und was nicht. Du bist nicht der erste, der das in Frage stellt. Darf man ja. Ich stelle Religionen in Frage. Darf man auch.