Ungebildet mit 30

    Ich bin für mein Alter sehr sehr ungebildet und das stört mich ungemein. Zum einen rein wegen mir selbst und zum anderen auch, weil man sich unentwegt dafür schämen muss, wenn man durch andere damit konfrontiert wird.


    Leider weiß ich nicht, was ich dagegen tun soll. Mir scheint es, als sei der Zug bereits abgefahren. Es gibt so viel, dass man wissen müsste und so wenig weiß ich davon, in Relation zum Durchschnittsbürger.


    Wo und wie fängt man bei so viel fehlendem Wissen überhaupt an?


    Ein paar Grundlagenbücher habe ich schon ausprobiert, aber davon konnte ich mir kaum etwas merken. Momentan notiere ich mir immer, wenn ich mir denke "Das solltest du aber eigentlich wissen" und informiere mich anschließend im Internet darüber. Auch auch dieses Wissen ist dann innerhalb einer Woche wieder verschwunden. Bloße Wiederholung scheint mich auch nicht weiterzubringen

  • 149 Antworten

    Die meisten Menschen lernen am besten, wenn sie intrinsisch motiviert sind. Deshalb würde ich bei Onlinezeitungen durchklicken, welche Artikel dein Interesse wecken, und auch generell wenn dir etwas begegnet, das dich weiter interessiert, dem nachgehen ...z. B. Begriffe, die du nicht kennst, nachschlagen. Es kann auch helfen, mehr unter die Leute zu gehen und zuzuhören, worüber die reden.


    Sich gezielt wie für eine reine Auswendiglern-Prüfung verschiedene zusammenhanglose Fakten ins Hirn prügeln würde ich an deiner Stelle auf keinen Fall tun.

    Von welchem Wissen sprichst du denn? Es gibt da ja so viele Facetten. Ich gehöre auch eher zu den Nichtwissenden.Ich frag nach Sachen,welche mich wirklich interessieren. Für mich kommt es dann auf mein Gegenüber an. So nach dem Motto: Frag ich oder lass ich es lieber bleiben.

    wintersonne 01 schrieb:

    Hast du die Probleme dir nichts merken zu können schon immer? Was hast du denn für einen Schulabschluss erreicht?


    Für welches Wissensgebiet interessierst du dich denn?

    Ich glaube nicht, dass das schon immer so war, aber das Probleme habe ich nun mindestens seit 10 Jahren. Gegebenenfalls schon bis zu 15 Jahre. Das Abi habe ich dennoch geschafft, aber dafür musste man auch nicht viel wissen.


    Was mich interessiert, weiß ich gar nicht mehr. Irgendwie (fast) alles, irgendwie aber auch rein gar nichts. Ich glaube eher, dass ich diverse Bereiche interessant finden möchte, weil ich weiß, dass sie wichtig sind. Aber ob da überhaupt noch irgendwo echtes Interesse ist, kann ich gar nicht mehr sagen.

    eule72 schrieb:

    Intrinsisch heißt was?

    Das bedeutet, dass man etwas aus eigenem Antrieb macht, z. B. weil es einem Spaß macht das zu tun. Das Gegenteil ist extrinsisch, bei dem man etwas macht, aufgrund von Faktoren, die nicht in der Tätigkeit selbst liegen, z. B. weil man sonst bestraft werden würde.

    Zitat

    Bloße Wiederholung scheint mich auch nicht weiterzubringen

    ein neurowissenschaftler hat mal den satz "use it or lose it" geprägt.

    wenn du also wissen ansammelst, nur um wissen anzusammeln, verlierst du das wieder.

    ist einfach evolutionär so vorgesehen: wir lernen das, was wir im alltag brauchen und mehr eben auch nicht - würde ja das hirn zu sehr fordern.


    daher könntest du überlegen, was du an deinem alltag ändern könntest. evtl. ein job, der dich geistig mehr fordert oder ein studium oder auch nur ein volkshochschulkurs. irgendwas, was dir einen grund gibt, dich regelmässig mit einer thematik - die dich interessiert - auseinander zu setzen. DANN kannst du dir dazu diverse bücher kaufen, dich über hintergründe und zusammenhänge informieren und dann bleibt das auch hängen.

    Farbstoff schrieb:

    Ich bin für mein Alter sehr sehr ungebildet und das stört mich ungemein. Zum einen rein wegen mir selbst und zum anderen auch, weil man sich unentwegt dafür schämen muss, wenn man durch andere damit konfrontiert wird.


    [...]


    Wo und wie fängt man bei so viel fehlendem Wissen überhaupt an?

    Welches Wissen fehlt dir denn und wann wird dir das deutlich? Du sagst, dass du dich unentwegt dafür schämen musst - aber ist das denn wirklich objektiv so? Um was für Situationen und Themen geht es, bei denen du keine Ahnung hast?

    Und gibt es wirklich keine Themen, bei denen das anders ist?


    Niemand ist perfekt, niemand kann alles wissen und gerade wenn ein Themengebiet einen nicht interessiert, ist man häufig recht planlos. Aber das geht jedem so und ist bei vielen Dingen noch lange kein Grund sich zu schämen.
    Und ein Wissensgebiet, welches für einen selbstverständlich ist, muss der nächste noch lange nicht beherrschen. Wenn mein Freund von irgendwelchen Motoren oder physikalischen Vorgängen erzählt, lächle und nicke ich und verstehe die Häfte nicht;-D Und andersherum gibt es durchaus Dinge, bei denen ich nicht einmal darüber nachdenke, dass man das nicht wissen könnte und er schaut mich fragend an.


    Sicher, dass es sich hier um ein wirkliches Wissensdefizit handelt und nicht nur um ein subjektives Problem und mangelndes Selbstbewusstsein?

    BeQuiet5 schrieb:

    Die meisten Menschen lernen am besten, wenn sie intrinsisch motiviert sind. Deshalb würde ich bei Onlinezeitungen durchklicken, welche Artikel dein Interesse wecken, und auch generell wenn dir etwas begegnet, das dich weiter interessiert, dem nachgehen ...z. B. Begriffe, die du nicht kennst, nachschlagen. Es kann auch helfen, mehr unter die Leute zu gehen und zuzuhören, worüber die reden.


    Sich gezielt wie für eine reine Auswendiglern-Prüfung verschiedene zusammenhanglose Fakten ins Hirn prügeln würde ich an deiner Stelle auf keinen Fall tun.

    Das mache ich, aber zum einen lernt man dabei nur in eine Richtung, während vieles unangetastet bleibt und zum anderen fehlen dort die Zusammenhänge. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass so noch weniger im Gedächtnis bleibt. Für mich ist das eher Unterhaltung als Bildung, wenn man nur sporadisch das anklickt, das interessant aussieht.

    eule72 schrieb:

    Von welchem Wissen sprichst du denn? Es gibt da ja so viele Facetten. Ich gehöre auch eher zu den Nichtwissenden.Ich frag nach Sachen,welche mich wirklich interessieren. Für mich kommt es dann auf mein Gegenüber an. So nach dem Motto: Frag ich oder lass ich es lieber bleiben.

    Ich kann das gar nicht konkretisieren. Es mangelt einfach überall. In allen Bereichen. Hier geht es mir zunächst um die Grundlagen, die man so braucht. Von tieferem Verständnis für irgendwas bin ich sowieso meilenweit entfernt.

    Ich kenne das Prinzip, weiß aber nicht, ob ich dem zu 100% zustimmen kann. Ja, größtenteils stimmt es, aber manche grundlegenden Fakten lernt man und vergisst man auch nicht mehr.


    Durch Ausbildung und Studium würde ich ja eher zum Fachidioten werden (immerhin eine Steigerung vom einfachen Idioten :D). Für beides braucht man jedoch auch die Grundlagen.


    Es fehlt halt der Anfang. Wie könnte ich Physik, Technik, Geschichte, Politik, Wirtschaft, Biologie usw. in meinen Alltag integrieren, wenn mir jeweils das Grundwissen fehlt?

    Ja, es ist ganz sicher ein Wissensdefizit, das auch anderen schnell auffällt. Von Physik und Technik weiß ich beispielsweise rein gar nichts. Als ich mir gerade ein Beispiel überlegt habe, fiel mir spontan auf, dass ich nicht mal mehr die 3 newtonschen Gesetze aufsagen kann. So viel dazu.


    Und so ist das in allen Bereichen. Geschichtlich kann ich vieles nicht einordnen, Politik überfordert sowieso. Ist das ein so fremdes Konzept, wenn ich von Sachen spreche, die man eigentlich wissen sollte? Du hast doch sicherlich auch eine Vorstellung davon, was man auf jeden Fall wissen sollte. An alltäglichen Gesprächen kann ich gar nicht teilnehmen. Ich kann nur zuhören und merken, was ich später alles auf jeden Fall noch nachlesen muss.


    Ein Thema bei dem ich bescheid weiß, gibt es nicht.