Unsere Fam. zerbricht an Depression

    Hallo Ihr Lieben, ich bin ganz neu hier bei Euch und schreibe aus tiefer Verzweiflung. Vielleicht kann mir jemand ein paar Tipps geben oder einfach mal seine Sicht der Dinge schildern, wodurch ich die Welt nicht mehr so schwarz sehe.


    Mein Mann und ich sind seit 10Jahren ein Paar, davon 7Jahre verheiratet und haben 2Kinder (7&3,5).


    Mein Mann leidet seit 4Jahren an einer schweren Depression. Er ließ sich damals Medikamente geben, die er jedoch nicht vertrug. Daher hat er diese freiwillig und ohne Rücksprache mit seiner Ärztin abgesetzt. Auslöser war damals wohl, dass sein Projekt, an dem er arbeitete, auslief und er trotz 8 Jahre Dozenten-/Forscherkarriere an der Uni plötzlich arbeitssuchend wurde. Er war fast 1,5Jahre zu Hause, die eine Absage folgte der anderen.


    Bei mir lief es damals unglücklicherweise recht gut, ich machte in dieser Zeit eine 3.Ausbildung, promovierte und machte mich nebenbei noch selbsständig. Dies war sicherlich nicht fördernd für seinen Zustand, dennoch betrachtete ich es als notwendig, da er nach dem ersten Jahr keine staatliche Unterstützung mehr erhielt und ich somit für die ganze Familie sorgen musste.


    Nach 1,5Jahren gelang es ihm bei einem (wie es sich herausstellte) dubiosem Unternehmen eine Stelle zu ergattern. Sie war mit seiner Uni-Stelle natürlich nicht zu vergleichen, er fühlte sich oft unterfordert, doch wir waren froh, dass es endlich wieder voran ging. 4Monate später, er steckte damals noch in der Probezeit, stürzte sein Chef mit seinem Privatjet ab. Mehrere Tochterunternehmen wurden damals veräußert und viele, die noch ihre Probezeit absolvierten, entlassen. So auch mein Mann. Dies intensivierte seine Depression zunehmend doch er lehnte weiterhin jede Behandlung ab.


    2Monate später gelang es ihm eine Stelle zu finden, bei einer Firma, die ihn damals bereits abgelehnt und die Stelle einer anderen Person vergeben hat. Die Gewissheit, er habe die Stelle nun nur bekommen, weil die andere Person kündigte, quälte ihn zusätzlich. Er wurde noch depressiver, erzählte nichts mehr über seinen Tag/ Kollegen, egal wie oder was ich ihn fragte, die Antwort fiel immer gleich aus: "Nichts ist den ganzen Tag passiert", er habe nichts zu erzählen.


    Im August letzten Jahres wurde bei ihm eine Zyste im Hirn diagnostiziert. Wir waren bei 7 unterschiedlichen Ärzten, mein Papa selbst ist Cehfarzt, mein Onkel ein anerkannter Pathologe. 6 Sepzialisten rieten ihm zur OP, der 7. sagte, es sei nicht dringend notwendig... Er ließ sich daher nicht operieren und nimmt lieber in Kauf, dass er seine Kinder nicht aufwachsen sieht. Für mich ist diese Entscheidung unbegreiflich. Es wäre keine offene Schädel OP, das Ganze würde druch die Nase durchgeführt werden, anschließend müsste er bis Ende seines Lebens Hormone nehmen. Das muss er aber auch jetzt schon: er hat Erektionsstörungen (wir haben seit Oktober letzten Jahres gerade mal 2x mit einander geschlafen), Sehstörungen, er ist stets angespannt und zittert vor Wut, er verfährt sich desöfteren in der Stadt, in der er seit 10Jahren wohnt und auf Strecken, die er mehrmals pro Woche fährt. Dennoch sieht er nicht ein, dass er dringend Hilfe braucht.


    Die letzeten 4 Jahre blieb so ziemlich alles an mir hängen: Anträge stellen, unsere Umzüge organisieren und durchführen, Haushalt, Kinder, Autos in die Werkstatt fahren usw. Wenn ich versuche mit seinen Eltern über seinen Zustand zu sprechen, geben sie mir nur die Schuld daran. Ich würde ihn überfordern, denn wie stelle ich mir vor, dass ein 38jähriger Mann allein einen Koffer packen kann. In dieser Zeit habe ich eingekauf, das Mittagessen gekocht, 2Schränke ausgemistet und ihm immer wieder meine Hilfe angeboten. Außerdem sei ich eine schlechte Mutter denn meine Kinder haben Sand in den Schuhen, wenn sie aus dem KiGa nach Hause kommen. :=o So betrachtet kann ich mit ihrer Hilfe oder Unterstützung nicht rechnen, in bin ein Dorn in ihren Augen, denn ich habe es geschafft trotz Kinder, 3Jobs und Krebserkrankung (die ich wohlgemerkt ohnde die Unterstüzung meines Mannes durchmachen musste) fertig zu promovieren.


    Kurz vor Weihnachten rief mich eines Tages mein Mann weinend an, er könne sich gar nicht mehr bewegen, er sei gelähmt. Ich fuhr mit ihm in die Klinik und hoffte, dass es endlich mal bei ihm Klick macht und er sich behandeln lässt. 2 Wochen wurde er stationär behandelt, in dieser Zeit rief er mich kein einziges Mal an oder schickte mir eine Mail/Sms. Rief ich ihn an, war alles ok aber von ihm kam nichts. Seine Mutter kam erst am Ende der ersten Woche am Freitagnachmittag, warf mir vor, sie hatte meinetwegen :-o ihren Zahnarzttermin absagen müssen, und fuhr am Montag früh wieder zurück. (Seine Eltern wohnen knapp 300km von uns entfernt). In meinen Augen hat sie in ihrer Rolle als Mutter auf ganzer Linie versagt. Sie sollte nicht meinetwegen kommen sondern wegen ihres Sohnes, der krank in der Klinik lag.


    Seit Januar diesen Jahres wird es nur noch schlimmer mit ihm. Er stand nie für mich ein, unterstütze mich nie aber mittlerweile lässt er mich auch noch seine Kämpfe mit seinen Eltern austragen. Im Sommer wollten wir 2Wochen bei meinen Eltern im Ausland verbringen um an unserer Beziehung zu arbeiten. Unsere Tochter meinte schon 4 Wochen vorher, dass Opa mitkommen würde. Ich fragte in den 4Wochen bis zur Abfahrt 5x nach, mein Mann log mich im großen Stil jedes Mal an. Er wisse doch, wie angespannt meine Beziehung zu meinem Schwiegervater sei, er tut uns das doch nicht an, wir wollen wieder zu einander finden.


    Im Urlaub angekommen, stellte sich heraus, dass mein Schwiegervater - ein egozentrischer Fachidiot der mich und meine Familie stets beleidigt und meinen Eltern die 2Wochen, die sie pro Jahr mit unseren Kindern verbringen dürfen nicht einmal gönnt - doch kommt. Die Krönung aber war, dass meine Eltern es bereits seit 1Woche wussten und ihm mitteilten, er sollte es mit mir absprechen. Dies ist nie passiert. Das Ende vom Lied war, dass ich mich jeden Tag mit ihm rumstreiten musste denn mein Mann ist einfach nicht in der Lage z.B. zu verstehen, dass wir um 22Uhr nicht nochmal losziehen um dem Kind nochmal eine Pizza zu kaufen, wenn es bereits zu Mittag eine hatte. >:( Zudem wurde ich fast täglich mit seinen Suizidgedanken konfrontiert. Das ist hart. :-(


    Mittlerweile geraten wir fast jeden Abend an einander. So auch gestern. Im Streit warf er mir vor, dass ich ihn so kaputt mache, dass er bereits auf der Arbeit nicht mehr die erforderliche Leistung erbringen kann und er deswegen schon abgemahnt wurde. Seit Juni nimmt er zwar Psychopharmaka, eine Verbesserung seines Zustandes konnte ich noch nicht festellen. Er kann sich nicht konzentrieren und ist stets gereizt. Hat er einen Arzttermin, nimmt er diesen nicht wahr, wenn ich ihn nicht persönlich hinfahre. Über seine Probleme/Gefühle redet er nicht, weder mit mir noch mit seinen Eltern. Freunde hat er seit mehreren Jahren keine mehr. Er geht nie weg auch wenn ich es ihm anbeite. Ich habe ihm in einem Fitnessstudio eine Mitgliedschaft erworben, er war in den letzten 4Monaten sagenhafte 3xda. Für mich das schlimmste aber, ich habe das Gefühl, dass die Familie an dem Ganzen zerbricht. Ich muss immer stark sein, immer einspringen, wenn er mal wieder Mist baut (lässt z.B. das Kind mit der Steckdose spiele und sitzt keine 2m entfernt an seinem PC oder lässt die Nudlen anbrennen! so dass ich schon unten im Treppenhaus den Rauch und Gestank riechen konnte.)


    Irgendwie sehen ich mich nach ein wenig Liebe, dass ich mich auch mal fallen lassen kann. Zu wissen, da ist jemand mit dem ich das Leben gemeinsam meistern kann und auf den ich mich verlassen kann.


    Unsere Kinder leiden zunehmend auch, mit der Großen gehe ich seit Juli zum Psychologen. Sie ist extrem intelligent, Klassenbeste, hat viele Freunde aber sie ist sehr sensibel. Jeden Morgen geht der Tag mit Tamtam los, Ausraster ohne Ende, das Shirt passt ihr grade nicht, sie will nicht dies sondern jenes haben usw. Das strapaziert zusätzlich die Nerven. Der Kleine ist ein Sonnenschein aber extrem aufgedreht und tendenziell eher agressiv. Man braucht halt viel Geduld und gute Nerven.


    Ich bin schon am Überlegen, ob ich die Scheidung einreichen soll. Vielleicht aus Angst, Bequemlichkeit oder weil ich gerade keine Kraft mehr habe, denke ich aber auch,dass die Kinder ihren Vater brauchen. Eine Zeit lang trat er ihnen gegenüber agressiv auf, mittlerweile hat sich das gelegt und ist im Prinzip ein liebervoller, wenn auch hoffnungslos überforderter Vater. Ich merke aber auch immer wieder, dass er versucht die Kinder für sich zu gewinnen und er fällt mir immer wieder in den Rücken. Sachen, die ich verboten habe, lässt er kommentarlos durchgehen oder er gibt sogar seine explizite Erlaubnis obwohl er anwesend ist, wenn die Diskussion mit dem Kind gerade läuft. Oft denke ich, dass es allein mit den beiden Kindern einfacher wäre. Im Falle einer Scheidung müsste ich wohl aber eins der beiden bei dem Vater lassen. Davor habe ich große Angst, denn er erzieht nicht, er lässt einfach alles geschehen. Da ich z.Zt. leider arbeitssuchend bin (ich wurde bei meinem alten Arbeitgeber monate lang erpresst, bedroht und angegriffen, so dass ich am Ende kündigen musste) und keinerlei staatliche Unterstützung erhalte (ich bin ja nebenbei weiterhin selbsständig, auch wenn es gerade gar nicht läuft), habe ich sicherlich keine Chance beide Kinder bei mir zu behalten. Ich zerbreche langsam an der ganzen Situation, denn ich weiß nie, wann ich mich an ihn verlassen kann und wann er wieder mal "komisch" drauf ist. :°( Immerhin hat er sich bereit erklärt eine Therapie zu machen. Aber das habe ich in den letzen 12Monaten schon so oft gehört, ich weiß nicht, ob ich ihm überhaupt noch Glauben schenke kann.


    Was sind Eure Erfahrungen? Ist Depression heilbar und wird er je wieder "normal"? Wie kann ich das alles hinbekommen? Und denkt Ihr, dass eine Zwangseinweisung bei Suizidgedanken zu rechtfertigen wäre?


    Ich danke Euch!


    Ameli

  • 7 Antworten

    Hallo Ameli,


    das ist eine sehr schwierige Situation, in der Du da steckst, weil die "Baustellen" so zahlreich sind. Du übernimmst Verantwortung für zwei Kinder und Deinen Mann, der sich zumindest gegenwärtig auch nicht sehr verantwortungsvoll verhält.


    Zunächst zu Dir:


    Ich rate in solchen Fällen immer gern dazu, eine Mutter-Kind Kur zu beantragen. Sprich mit Deiner Ärztin. Wenn sie es befürwortet, sollte es gehen. Ansonsten kann man - soweit ich weiß - auch über das Müttergenesungswerk einen Antrag stellen. Du kommst für ein paar Wochen raus aus der verfahrenen Situation und kannst Dich um Deine Kraftreserven kümmern und in Ruhe überlegen, was Du tun willst. Die Kinder sind dabei, werden aber tagsüber betreut und haben Kontakt zu anderen Kindern.


    Zu Deiner großen Tochter:


    Solche Probleme wie was will ich anziehen sind ja im Grunde Lapalien. Überlass Deiner Tochter die Entscheidung, aber trefft sie nicht morgens, sondern am Vorabend. Sie soll sich raussuchen, was ihr gefällt, aber im Gegenzug gibt es morgens keine Diskussionen über T-Shirts oder Socken mehr. Das ist Dein Angebot an sie. Es wird ein paar Wochen dauern, bis sie sich daran gewöhnt hat, aber solange würde ich es durchziehen und sie wird sich daran gewöhnen. Sie kann sich alternativ auch ein zweites Shirt rauslegen, falls sie doch etwas anderes will, aber die morgendlichen Diskussionen mit ihr hören auf.


    Solche "Deals" kannst Du evtl auch in anderen Bereichen mit ihr machen.


    Das Kinder ihrer Mutter "in den Rücken fallen" ist nicht ungewöhnlich und kommt glaub ich in vielen Familien vor. Wenn sie von Mama nicht das bekommen, was sie wollen, gehen sie halt zu Papa. So testen sie Grenzen aus.


    Und hier kommen wir zu Deinem Mann, dem schwierigsten Problemfall in Deiner Familie:


    Es liest sich so, als würde er sich selbst dann nicht kümmern, wenn er die Kinder beaufsichtigt. Er macht irgendwas anderes während die Kleine mit der Steckdose spielt. Auch hier gibt es technische einfache Möglichkeiten einer Kindersicherung, die ich bei Amazon einfach bestellen würde. Aber das eigentliche Problem liegt viel tiefer. Wenn er sich tatsächlich schon verfährt, obwohl ihr seit Jahren in der Stadt wohnt, könnte das auf gravierendere neurologische Probleme hinweisen, die ich erstmal abklären würde. Da wird eine Therapie allein nicht helfen. Es muss ein Termin in einer Klinik oder guten neurologischen Praxis gemacht werden. Auch hier muss eine klare Ansage erfolgen. Er ist für sein Leben verantwortlich, solange er nicht unter gesetzlicher Betreuung steht, oder die möglicherweise vorhandenen neurologischen Probleme die Übernahme von Verantwortung verhindern. Dazu gehört leider auch die Freiheit, sein Leben aufs Spiel zu setzen. Sollte er nicht bereit sein, etwas für den Erhalt seiner Gesundheit zu tun, wird er sein Leben ohne Dich und die Kinder führen müssen. Aber Du stehst ihm solange bei, wie er diese Bemühung zeigt.


    Eine Depression ist - soweit ich weiß - nicht heilbar, aber mit Therapie und Medikamenten gut behandelbar. Es ist natürlich fraglich, wo die Ursachen liegen, aber sie kann salopp formuliert gut in Schach gehalten werden. Dazu muss man experimentieren. Es gibt viele Medikamente oder Wirkstoffkombis. Welche von Deinem Mann am Besten vertragen werden, muss er ausprobieren. Es dauert einige Wochen bis sie anschlagen. Wenn sich nach der sechsten Woche keine merkbare Veränderung zeigt, würde ich Rücksprache mit einem Psychiater halten. Sollten die Nebenwirkungen zu gravierend sein, natürlich vorher.


    Ich würde also zunächst die Sache mit Deinem Mann ins Rollen bringen und parallel einen Kurantrag stellen.


    Ich wünsche Dir viel Kraft für die kommenden Wochen.

    Was ich hier herauslese ist, dass sich zwei Gegensätze gegenüberstehen, einerseits, auf der anderen Seite scheint es mir, als ob das Ungleichgewicht gerade durch eure unterschiedlichen Herangehensweisen aufrecht erhalten wird.


    Ich halte das Problem deines Mannes, für ein sehr menschliches, zumindest so wie es angefangen hat. Für die meisten Menschen ist es normal sich gewisse Fähigkeiten und Talente im Leben anzueignen. Das macht im Grunde Freude, denn es macht einen selbstständiger und auch selbstbewusster, wäre da nicht das Problem, dass man diese Fähigkeiten und Talente verkaufen muss, um überleben zu können und um einen gesellschaftlichen Status zu haben. Solange hier alles glatt geht, ist man selbst auch einigermaßen zufrieden und man kann auch anderen Menschen gegenüber freundlich und neutral bleiben, im Idealfall. Sobald aber etwas von dem Lebensmodel wegfällt, fällt auch das Selbstbewusstsein weg. Man fühlt sich mit einem mal nutzlos und wertlos, auch in der Partnerschaft und eine gewisse Resignation macht sich breit.


    Das du das Geld verdient hast, ist im Grunde eine gute und hilfreiche Sache, weil eure Existenz damit gesichert gewesen ist. Du selbst hast die Schwäche, die dein Mann hat nicht. Du packst jede Sache an und führst sie zu Ende. Du siehst alle Notwendigkeiten und versuchst mit deiner Kraft sie zu bewerkstelligen. Er hingegen sieht nur seinen Verlust, weil dies sein bisheriges Lebensmodel gewesen ist und ein anderes Leben nicht für ihn in Frage kommt, also entweder das oder gar nichts. Und natürlich wird man darüber depressiv. Und dann kommt noch die Krankheit hinzu, wovon man nicht weiß, welchen Anteil sie an diesem Verhalten haben kann. Was sagen denn die Ärzte dazu?


    Du sagst, du brauchst jemanden, der mit dir lebt, der das Leben mit dir teilt und wo du auch einmal schwach sein darfst. Warum darfst du nicht jetzt auch einmal schwach sein, ich würde es auch gar nicht Schwäche nennen, sondern einfach mal eine Auszeit haben dürfen.


    An deiner Stelle würde ich einmal diese Bedürfnisse, die du zu recht hast, nach außen transportieren und sagen, dass du nicht mehr kannst, dass du Hilfe brauchst. Dein Mann kann sich im Haushalt betätigen und dich entlasten. Wir kennen in unserer Partnerschaft auch beide Varianten, in der ich einmal das Geld verdient habe, einmal mein Mann und beide zusammen. Auch Krankheiten auf beiden Seiten, haben wir erlebt. Und doch kann sich jeder mit seinen Talenten immer in die Beziehung so einbringen, dass ein Ganzes daraus wird. Versteift man sich aber auf bestimmte Lebensbereiche, dann funktioniert das nicht. Das ist etwas, was du ihm sagen kannst, denn einseitig kann eine Partnerschaft nicht funktionieren.


    Die Krankheit deines Mannes, habe ich bei einer Bekannten von mir erlebt. Es gibt unterschiedliche Wege um damit umzugehen und etwas zu tun. Das sie, wie gesagt evt. mit schuld am Verhalten deines Mannes sein kann, das ist möglich. Umso wichtiger wäre, das er sich selbst informiert und schaut, was er tun kann. Ob OP oder anderes, das muss er selbst auch entscheiden. Eine Zyste kann in der Größe bleiben, sie kann wachsen, aber auch kleiner werden.


    Ich wünsche dir jedenfalls viel Kraft und dass du es schaffst, auch einmal nach dir zu schauen und nicht nur für andere zu funktionieren und ihre Emotionen aufzufangen und auszugleichen. Wenn man immer stark ist, dann kann der andere Partner umso schwächer sein und gar nicht die Notwendigkeit sehen, etwas tun zu müssen. Ich habe auch schon einige Paare sich aus solchen und ähnlichen Gründen trennen sehen. Und manche sind auch wieder zusammengekommen, aber wenn sich grundlegend nichts am Verhalten auf Dauer ändert, dann bleibt das zerstörerische Verhalten nach anfänglichen Bemühungen, die ein paar Monate andauern können, weiter bestehen.

    beim depressiven isses immer eine gratwanderung: wo bin ich krank, was kann ich wirklich nich- und wo bin ich bequem, was is charakter..


    für den dazugehörigen partner ist das nicht rauszufinden, wann fördern/fordern gut ist und wann es ÜBERfordert.


    ABER dein mann hat hirn, und das ist offensichtlich auch brauchbar (forscher wird man ja nich einfach so)


    weisste... ich find es toll, wenn partner (in dem fall du) nicht einfach aufgeben und den anderen unterstützen.


    aber wie du grad bemerkst, macht es dich kaputt.


    ich finde auch nich, daß du vorschnell das handtuch wirfst, wenn du den gedanken weiterspinnst, daß es ohne ihn leichter wäre


    vielleicht wäre das sogar auch für deine kinder besser. du musst dir ja auch mal vor augen halten, was er ihnen vorlebt.


    und- er hat keinen handlungsbedarf.


    er is nun das opfer. das opfer seiner pleite gegangenen firma, das opfer seiner krankheit. er lebt das voll aus. und er kann das auch. weil: es läuft ja. er hat doch gar keinen handlungsbedarf. mutti (du) macht. mutti fährt ihn sogar zum arzt, mutti is hinter allem hinterher. er muss sich um nix kümmern, an nix denken- mutti macht


    du musst damit aufhören. du musst aufhören, seine mutti zu spielen. du musst lernen, dich davon azugrenzen. seine aufgaben von deinen trennen.


    und du musst vor allem deine bedürfnisse wahrnehmen und befriedigen.


    ich wünsche dir viel kraft dabei


    (übrigens, ich bin auch ausgezogen und hatte quasi nix. zum glück werden solche fälle vom staat aufgefangen finanziell, und wenns erstmal nur für den start ist. pro familie, lichtblick- schau was es in deiner nähe gibt und lass dich beraten)

    Würde auch überlegen, ob es nicht für Kinder besser wäre, auszuziehen. Das ist keine gesunde Umgebung.


    Du kriegst beide Kinder. Erstens weil die Gerichte sie ungern trennen und 2. weil er nicht in der Lage ist, sie zu erziehen. Seine Krankheit wird berücksichtigt.


    Manchmal müssen Menschen ganz tief fallen, bis sie etwas dagegen tun. Du musst auch an deiner Gesundheit denken.

    Hallo visio electri: Wie Baldurhh schon festgestellt hat, habt Ihr ja wirklich genügend Baustellen. Falls es sich bei der "Zyste" im Hirn um ein hormonaktives Hypophysenadenom handelt, wird dadurch zuviel des SD-Regelhormons TSH ausgeschüttet, das wiederum die SD auffordert, ihre Hormonproduktion zurückzufahren, d.h. es könnte eine SD-Unterfunktion resultieren. Das wäre dann keine gute Voraussetzung, Deinen Mann wieder ins Lot zu bekommen (wenn er eine OP weiterhin ablehnt) - aber auf dieser Seite seid Ihr ja familiär gut aufgestellt.


    Depressionen sind für Menschen, die damit noch keine eigenen Erfahrungen sammeln konnten, selten zu verstehen. Schwere Depressionen können mit fehlendem Antrieb, Leistungsabfall, Entscheidungsschwäche, erhöhter Reizbarkeit, abrupten Stimmungswechseln, "das Leben ist so beschwerlich", Sozialphobie, Schlafstörungen, Libidoverlust und ggf. Suizidgedanken verbunden sein. Das generelle Übel läßt sich einigermaßen treffend mit "Er will, aber kann nicht" beschreiben. Sofern, wie bei Deinem Mann, Suizidgedanken eine Rolle spielen, nenne ich eine Depression "schwer"; in solchen Fällen ist die Gabe von Antidepressiva angebracht, die übrigens den Patienten oft erst für eine Psychotherapie behandelbar machen. Niemand ist an seiner Depression selbst schuld, aber wenn jemand krank ist und Familie hat, hat er in meinen Augen auch die verdammte Pflicht und Schuldigkeit, alles zu unternehmen, um wieder gesund zu werden. Damit ist eine Behandlungsverweigerung nicht vereinbar. Allerdings ist das weiter oben erwähnte "Fordern" des Patienten meist kontraproduktiv. Jeder depressive Patient wünscht sich den Zustand, den er vor der Erkrankung hatte, zurück. Das Umsetzen dieses Wunsches ist aber außergewöhnlich schwer, weil einem die Fähigkeiten, über die man sich definiert hat, unter den Füßen weggezogen worden sind. Man befürchtet, dass die Familie zerbricht, man weiß nicht, ob man jemals wieder in seinem alten Beruf arbeiten kann, man weiß nicht, ob man eingegangene Verbindlichkeiten begleichen kann und ob man eventuell komplett durch das soziale Netz fällt. Wenn man sich nicht entscheiden kann, ob man eine grüne oder blaue Krawatte tragen soll, oder im Baumarkt angesichts zweier Maschinen die Entscheidung nicht treffen kann, welche von beiden zu wählen ist und deswegen den Baumarkt mit leeren Händen wieder verläßt, wenn man sich weiter klarmacht, dass jeder Tag aus einer Aneinanderreihung lauter kleiner Entscheidungen besteht, ahnt man vielleicht, wie zerstörerisch die Krankheit sein kann. Ein schwer depressiver Patient ist erst recht nicht in der Lage, schwerwiegende Entscheidungen zu treffen, wie sie z.B. bei einer geplanten Scheidung anfallen. Man darf einem solchen Patienten auch bei kleinen Dingen helfen, durch die er sich überfordert fühlt (z.B. die telefonische Vereinbarung eines Arzttermins). Unbedingt vermeiden sollte man Aussprüche wie "Jetzt reiß Dich doch endlich mal zusammen", "ich hatte noch viel schlimmere Depressionen als Du" oder "Du gibst ja nur Deinem Hang zur Bequemlichkeit nach". Solche unbedacht gemachten Äußerungen können sogar ein Auslöser zum Suizid sein, wenn der Patient erfahren muß, dass ihn selbst seine engsten Angehörigen nicht (mehr) verstehen.


    Zurück zur "verdammten Pflicht und Schuldigkeit": Man kann einen Patienten schlecht zum Arzt tragen, und hier darf man auch die Forderung stellen, dass er einer Behandlung zustimmt. Leider ist die Kenntnis über Depressionen in unserer Gesellschaft wenig verbreitet, 1) weil die Krankheit lange tabuisiert worden ist und 2) weil die Kranken ungern darüber sprechen. Leider erfährt der Patient in einer psychiatrischen Praxis auch selten die wesentlichen Punkte, die ihm beim Verständnis seiner Krankheit helfen könnten: Ein Antidepressivum (AD) wirkt auf jeden Patienten anders, so dass die 1:1-Übertragung von Erfahrungen Dritter nicht möglich ist. ADs werden eingeschlichen, um unerwünschte Nebenwirkungen möglichst zu vermeiden. Die Dosis wird langsam gesteigert, so dass sich der beabsichtigte Wirkstoffspiegel bilden kann. Treten unerwünschte NW auf, unterrichtet man den Arzt, der zu entscheiden hat, ob ein Medikamentenwechsel erfolgen soll. Insbesondere bei Behandlungsbeginn sollte man einen kurzen Draht zum behandelnden Arzt halten, damit der immer weiß, wie es dem Patienten geht. Was sich mit einem AD bessert und was sich verschlechtert, notiert man sich am besten, damit man dies dem Arzt berichten kann; der kann nur dort helfen, wo er die Situation kennt. Niemals sollte man ein AD ohne Rücksprache mit dem Arzt absetzen oder die Dosis ändern; die möglichen Komplikationen sind für den Patienten nicht überschaubar.


    Es kann vorkommen, dass ein AD keine Wirkung zeigt. Das heißt dann nicht, dass die Behandlung für die Katz war, sondern dass man ein anderes AD einsetzen sollte. Ich habe im Laufe der Jahre über 20 ADs ausprobiert; teilweise haben die ADs bei mir nicht gewirkt, teilweise waren die NW einfach nicht akzeptabel, teilweise haben ursprünglich wirksame ADs plötzlich ihre Wirksamkeit verloren. Ich weiß aus Erfahrung, wie frustrierend es sein kann, wenn mich wieder einmal ein medikamentöser Mißerfolg getroffen hat. Ich fand es erleichternd, wenn ich immer eine Lösung 1 b in petto hatte, so dass ich immer wußte: Selbst bei einem Mißerfolg des aktuellen ADs ist das Ende der Fahnenstange noch nicht erreicht.


    Ich wünsche Dir und Deiner Familie, dass Ihr die Schwierigkeiten, die sich momentan als unüberwindbar darstellen, letztendlich doch meistern könnt.

    Hallo,


    eine wirklich schwierige Lage, und Du hast mein Mitgefühl. Bei Deinem Mann hat offenbar eine Verarbeitungsstörung alles eingeleitet, er hätte zeitnah nach dem Berufsdilemma vielleicht eine Gesprächstherapie gebraucht, um rechtzeitig aufgefangen zu werden. Allerdings nützt es jetzt keinem mehr, weil die Chance nicht mehr besteht, und um jetzt handfeste Schritte zu unternehmen, braucht es vor allem seinen eigenen Willen, und gerade der scheint völlig danieder zu liegen.

    Zitat

    Ich habe ihm in einem Fitnessstudio eine Mitgliedschaft erworben, er war in den letzten 4Monaten sagenhafte 3xda. F

    Es erscheint mir sehr typisch, dass Du die gegensätzliche Position wie er einnimmst und durch Aktivitäten versuchst, ihm zu helfen. Das ist aber eine Schiene, die nicht ungefährlich ist; leider setzt ihn jede solcher Aktionen unter Druck, und ich würde es auch an Deiner Stelle lassen, denn es bringt wirklich nichts, ihn wie ein Kind irgendwo hin zu "tragen". Stattdessen erweckt es in ihm vermutlich sogar Widerstand, und er wird immer inaktiver.


    Meine Empfehlung ist, dass DU Dir Hilfe über therpeutische Gespräche suchst. Man wird in einer solchen Lage schnell betriebsblind, und gerade dabei, Erziehungsprobleme und ähnliches anzugehen, kann man gut das Durchsprechen mit einem Fachmenschen für diese Dinge brauchen.


    Alles Gute!


    LG Sviva