Verbitterungsstörung - Wie kann ich mich lieben?

    Hallo liebe User,


    ich leide seit ca. 5 Jahren an einer Verbitterungsstörung. Dafür sind verschiedene einschneidende Lebensereignisse verantwortlich, von denen ich mich nie richtig erholt habe. Irgendwie kam dann eins zum anderen und dann gabs da ja auch die vielen kleine Dinge, die mich geärgert und schließlich alles immer schlimmer gemacht haben.


    Vielleicht kurz als Abriss: Die Verbitterungsstörung ist eine Reaktion auf Lebensereignisse, die derjenige als Kränkung oder Ungerechtigkeit empfindet. Es gibt viele Parallelen zur posttraumatischen Belastungsstörung - nur, dass hier nicht mit Angst oder Rückzug, sondern eher mit Aggression, Groll und Hass reagiert wird. Auch gegen sich selbst.


    In meinem Fall sind verschiedene, medizinischen Behandlungen (u.a. OPs) nicht so verlaufen wie geplant. Ich bin chronisch krank, habe Schmerzen und weiß, dass meine Ärzte daran Mitschuld tragen. Das äußert sich in Hass und Rachegefühlen. Ich bin sehr oft zynisch und gereizt, weil mich das alles dermaßen "ankotzt". Öfter gehen mir dann auch die Dinge von damals durch den Kopf, dann weine ich die ganze Nacht, trinke Alkohol. Manchmal habe ich auch Suizidgedanken, weil ja nun eh nichts mehr zu machen ist ... und so leben? Dafür muss man sehr stark sein und ich weiß nicht, ob ich das kann und will. :°(


    Ich bin in Behandlung - aber irgendwo komme ich da an meine Grenzen, denn ich müsste ja jenen verzeihen, denen ich mein Zustand zu verdanken habe. Die Ärzte, die mir damals nicht geholfen haben und meinten "es wäre nichts" oder schlichtweg Pfusch im OP gemacht haben. Ich müsste auch mir verzeihen, dass ich überhaupt diese und jene Entscheidung getroffen habe - ich hätte es ja auch anders entscheiden können. Dafür hasse ich mich so sehr. Wie soll ich mir verzeihen, wenn ich jeden Tag durch die Folgen eingeschränkt bin und mich mein Körper deutlich spüren lässt, dass ich mich falsch entschieden habe?


    Suche ich Hilfe? Keine Ahnung. Ich möchte bitte auch keine Ratschläge, aber vielleicht habt Ihr ein paar schöne Gedanken für mich ... etwas, dass mir helfen würde mir zu verzeihen. Mich ein Stück gern zu haben. Es muss ja nicht gleich Selbstliebe sein. Einfach nur, dass man sich morgens in die Augen schauen kann, ohne gleich zu weinen ...


    Ich danke Euch ... @:)

  • 11 Antworten

    Leider doch. Ich hatte u.a. zwei plastische OPs, die der Operateur nicht in meinem Sinne ausgeführt hat, sondern lediglich Geld verdienen wollte. Bei anderen OPs hatte ich Heilungsprobleme. Es geht hier auch gar nicht, um Schuldigkeit, sondern den Fakt, dass ich mein Leben als unfair empfinde, weil mir so viel Last auf den Schultern liegt. Sowas hat niemand verdient. Ich würde auch gern einfach mein Leben genießen und leben ...

    Woher kommt der Gedanke, dass das Leben in irgendeiner Weise FAIR ist/ sein sollte? Shit happens. Manchmal sind andere Menschen dran "schuld", manchmal man selbst, und oft genug auch niemand. Oder eine Mischung aus allem. Das ist eben so im Leben. Niemand hat ein Anrecht darauf, dass die Dinge im Leben so laufen, wie man will oder wünscht. Und wenn man zu den Glücklichen gehört, bei denen das so ist - es gibt kein Recht darauf, dass es so bleibt.


    Das vergisst man nur sooo schnell, weil wir in Deutschland in so einer unglaublich priviligierten Situation sind - niemand muss hungern oder in feuchten Hütten ohne Strom, Wasser und Heizung hausen; Naturkatastrophen passieren hier sowieso wenige und das Restrisiko ist durch technik und Versicherungen ziemlich gut abgedeckt; gegen Krankheiten und Gesundheitsbeschwerden (fast) jeder Art weiß die Medizin ein Mittel.


    Ich finde, dass Probleme viel besser zu akzeptieren sind, wenn man das mal von dieser Seite betrachtet.

    Ich sage mal so: Wenn ich die Fähigkeit hätte meine Probleme mit genug rationaler Logik zu entkoppeln, hätte ich ja keine Störung und wäre nicht in psychologischer Behandlung. Leute, die unter psychischen Störungen oder Depressionen leiden können ja eben dies nicht. Ich dachte soweit wäre das Verständnis vorhanden ...


    Ich behaupte ja gar nicht, dass meine Schicksale die schlimmsten auf der Welt sind. Wenn man das so betrachten würde: Wer hätte denn dann das Recht auf Depressionen? Ich finde so kann man da nicht rangehen ...


    Meine Verbitterungsstörung ist genau deshalb da, weil ich persönlich nicht mehr in der Lage bin mein Hass und meinen Ärger aufzuarbeiten - es dominiert mich in jeder Hinsicht. Dieser Vorgang hat doch nichts damit zu tun, wie es anderen geht und die Tatsache, dass es vielleicht anderen noch schlechter geht, interessiert meinen Ärger nicht. Der ist da. Und er verbittert mir in jeder erdenklichen Lage mein Leben, weil man halt immer irgendwie "angepisst" ist. Entweder man ist sauer und gereizt oder fällt unter allem zusammen und trauert um die "gute alte Zeit" ... weint stundenlang, betrinkt sich.


    Ich habe Mühe meinen Alltag aufrecht zu erhalten. Schlafe schlecht. Man dreht sich da um sich selbst und ist gefangen ... :°(

    Ich glaube, das jeder Dinge in seinem Leben hat, die nichr rund laufen.


    Manchmal kommt alles auf einmal und man denkt, es geht nicht mehr weiter.


    Die Welt hat sich gegen einen verschworen.


    Ich selber liege oft in der Nacht wach, wenn etwas in der Firma doof lief, mein Einsatz nicht gewertet wurde.


    Ich habe für mich gemerkt, das ich mich vielleicht oft zu wichtig nehme.


    Es gibt Menschen, denen es wirklich dreckig geht. die alleine sind am Ende ihres Lebens und/oder totkrank.


    Ich bin Gärtner und freue mich jeden Tag über die Natur um mich herum.


    Gespräche mit Freunden, kleine nette Gesten anderer Menschen.


    Ich habe eine warme Wohnung, genug zu Essen, meine Kinder sind gesund und ich auch.


    In der Nähe meines Hauses ist ein Kinder-Hospiz.


    Kannst du dir vorstellen, wie schrecklich es sein muß, sein Kind beim sterben zu begleiten?


    Das sind wirklich schlimme Schicksale.


    Jeder Tag ist ein Wunder, für das wir dankbar sein müssen.


    Jeder Tag ist ein Geschenk.


    Das sir meine Einstellung zum Leben.


    Es würde mich freuen, wenn es dir geholfen hat.


    Alles Gute für dich.

    Ich glaube, du hast noch nicht wirklich getrauert. Du bist nur wütend. Das ist einfacher, leichter, als den Schmerz wirklich zuzulassen.

    Zitat

    Entweder man ist sauer und gereizt oder fällt unter allem zusammen und trauert um die "gute alte Zeit" ... weint stundenlang, betrinkt sich.

    Wütend sein lenkt toll ab und sich betrinken erfüllt den gleichen Zweck. Ja nicht den Schmerz zulassen. Und dann schreit eben der Körper, wenn die Seele es nicht darf und es entstehen chronische Krankheiten/Schmerzen.


    Ich nehme keine Medikamente. Würde sofort welche bekommen, aber irgendwie mag ich nicht. Weiß auch nicht. Mein Arzt und ich glauben, dass ich das auch so schaffe. Die Weisheitstherapie habe ich mir angeguckt und ist genau das, was mir hilft. Es sind wunderbare Formeln darin. Und ich mag das ja auch. Ich hatte viele Jahre eine Angststörung und man lernt daraus ja auch so unheimlich viel.


    Und da kann ich Dir Jakoby so viel beipflichten. Diese Ansätze verhelfen einem auch sich weiterzuentwickeln. Ich rede öfter viel lieber mit "psychisch kranken" Menschen, weil sie meist eine ganz andere Erfahrung haben - in Bezug auf sich selbst, auf die Welt, die Gesellschaft ... wer krank ist, merkt auch, was wirklich zählt im Leben. Und ich mag es auch sehr anderen Menschen zu helfen. In Gesellschaft bin ich irgendwie auch viel "gesünder" ... wenn mein Freund da ist. Einsamkeit macht krank. Mich zumindest. Ich brauche auch mal Ruhe, aber dauerhaft lähmt es die Zufriedenheit massiv.

    Zitat

    Ich nehme keine Medikamente. Würde sofort welche bekommen, aber irgendwie mag ich nicht. Weiß auch nicht.

    Vielleicht könnten dir Medikamente aber doch helfen. Ist der Arzt, der dich behandelt Psychiater? Ich weiß nicht aber wenn du nachts nicht schlafen kannst und unter Suizidgedanken leidest, würde ich es wirklich Mal mit Medikamenten probieren. Fünf Jahre ist schon eine lange Zeit. Ich nehme auch Medikamente und bin froh, sie zu haben, denn sie helfen mir tatsächlich.

    Zitat

    Ich müsste auch mir verzeihen, dass ich überhaupt diese und jene Entscheidung getroffen habe - ich hätte es ja auch anders entscheiden können. Dafür hasse ich mich so sehr.

    Du konntest aber nicht wissen, dass die Operation schief laufen würde. Wer geht denn vorher davon aus? Man vertraut doch den Ärzten, die einen operieren.


    Kann man denn nachweisen, dass die Operation verpfuscht wurde? Wenn ja, hast du denn einmal daran gedacht, auf Schadensersatz zu klagen? Vielleicht könnte dir das helfen, damit besser klar zu kommen.

    Ich würde dir Achtsamkeit empfehlen, z.B. MBSR oder MBCT.


    Da geht es darum, im hier und jetzt zu sein. Wenn du einen der 8-wöchigen Kurse machst und dabei regelmäßig übst, am besten danach auch noch weiter eine Gruppe besuchst, merkst du irgendwann selbst eine Veränderung in dir.


    Machst du eine Psychotherapie?