Ich frage mich auch ernsthaft, warum gleich Therapie ???


    Klingt alles doch fast normal und im Rahmen (+ bsschen Pupertätspobleme: "du hörst mir nie zu". Kannst du deine Tochter nicht mehr loben, (auch wenn ich deinen Ansatz ja verstehen kann... sie tut es für sich selbst, etc.). Der Mensch, gerade aber auch Jugendliche brauchen LOB und Annerkennung!!! sich immer nur selbst loben funktioniert nicht.


    Hat sie denn schon einen Studienwunsch?(mit 17 gehe ich mal davon aus, dass sie abi macht oder?) Da wäre zu schauen, ob es ein Fach mit Nummerus Klausus ist, wenn ja wäre jetzt ein: - ach sei doch zufrieden mit dem was du so und mit weniger Anstrengung erreichst - sicher nicht der richtge Rat. ":/

    Sorry, aber an der Stelle muss ich mal kurz, doch deutlich widersprechen:

    Zitat

    Aber diese Leichtigkeit im Leben kann man auch nicht einfach herbei zaubern. Woher diese Schwere kommt, wäre sinnvoll, herauszufinden. ungenügend Aufmerksamkeit in der frühen Kindheit? Schuldgefühle wegen Scheidung? Was immer. Diese Ursachen erforschen Psychologen oder andere Menschen, die sich auf sowas spezialisiert haben. Aber mit Sicherheit keine Verhaltenstherapeuten.

    Das ist einfach nicht wahr. Erstmal sind auch Verhaltenstherapeuten Psychologen. Es gibt innerhalb der psychotherapeutischen Ausbildung unterschiedliche Richtungen; die Hauptrichtungen sind eben Verhaltenstherapie und Tiefenpsychologie. Menschen aus beiden Bereichen sind qualifiziert, zu helfen. Und beide können auch sowohl bei tieferliegenden als auch bei "neueren" Problemen helfen - es gibt da einfach nur unterschiedliche Ansätze. Verhaltenstherapeuten schauen mehr "Was können wir jetzt tun, damit es dir aktuell besser geht?" während Tiefenpsychologen mehr den Fokus darauf haben, zu schauen "Woher kommt das, was dich bedrückt, und wie lässt sich das innerlich verarbeiten und auflösen?". Es ist aber nicht so, dass Verhaltenstherapeuten nur mit der Gegenwart arbeiten und Tiefenpsychologen nur mit der Vergangenheit, es sind nur Tendenzen, teils unterschiedliche Ansätze. Am allerwichtigsten ist sowieso, dass man mit dem Therapeuten gut harmoniert und die Chemie stimmt. Wenn man dem Menschen dort vertraut und verstanden wird, ist die Therapierichtung zweitrangig für den Therapie-Erfolg.


    Ich finde es schade, wenn man sich als Therapeut für eine Richtung entscheidet und die andere dann verteufelt. Das hilft dem Patienten/Klienten sicher nicht. Hilfreich ist es, alle möglichen Wege offen zu diskutieren, damit der Patient/Klient den für sich besten Weg auswählen kann. Das macht für mich gute Therapie-Arbeit aus.

    Und zum Thema:


    Ich denke, eine Psychotherapie ist dann indiziert, wenn die Tochter eine wünscht. Wenn sie unter den geschilderten Problemen leidet und diese Probleme gerne mit psychologischer Begleitung lösen will, sollte sie es tun. Wenn sie den Bedarf nicht sieht, bringt es nichts.


    Ich würde übrigens empfehlen, nach Möglichkeit einen Psychotherapeuten für Erwachsene zu konsultieren. ich kenne bei weitem nicht alle Kinder- und Jugendtherapeuten, wenn ich aber auf die Erfahrungen aus meinem Umfeld zurückgreifen darf, nehmen einen Erwachsenentherapeuten in der Regel einfach ernster.

    Oh doch, natüüüüürlich kann ich meine Tochter mehr loben! Und natüüüüürlich kann ich sie darin bestärken, dass zuerst ihre Wünsche und Bedürfnisse kommen und dass wir alle anderen uns stets und ständig brav hintenan stellen. Denn ich lobe alle meine Töchter viel und gern. Aber ich habe ihnen DARÜBERHINAUS auch beigebracht, dass Lob von außen das eigene Empfinden von "Stolz auf etwas sein" nicht ersetzen kann. Und das ist meine feste Überzeugung.


    Trotzdem sage ich ihnen natürlich gern, wenn sie etwas gut gemacht haben und wo sie stolz auf sich sein können und auch wo ich es bin! Und meine Kinder wissen, dass sowohl ich als auch ihr Papa froh sind, drei so liebenswerte, humorvolle und auch kluge kleine Geschöpfe in die Welt gesetzt zu haben. Das sage ich ihnen sehr häufig, daran liegt es nicht.


    Meine Tochter plant ein Studium, Literaturwissenschaften oder Germanistik. Und genau das war der Anlass für den Lehrer, ihr nahezulegen, etwas gegen diesen unglaublichen Stressaufbau zu unternehmen.

    Ich habe mal einen überdenkenswerten Satz gelesen: Zu viel Erziehung schadet. Kann das zu viel Therapie nicht möglicherweise auch?


    Sie ist 17 und steckt somit mitten in der Entwicklung. Wäre ich die Mama, würde ich wohl versuchen, ihr dazu mehr Raum zu lassen.


    Du als Mama, die sie liebt (und du klingst liebevoll besorgt) und ihr diese "Luft" gibt, dass kann für sie das eigentlich Wichtige sein. Sie eventuell mit Therapien zu überfrachten, birgt auch ein Risiko.

    Hallo liebe 3grazien,


    vorab danke cinnamon4 für die öffentliche Korrektur. Mir stößt das Verteufeln verschiedener Richtungen (egal ob in der Psychologie oder auch woanders) auch immer auf. @:)


    Zum Thema:


    Ich war auch eine überperfektionistische Jugendliche und auch Erwachsene, aber nicht mehr so schlimm. ;-D Mein Erfolgsdruck lähmt mich teilweise und schränkte mich erheblich ein. Ich wollte nur die besten Noten und in allem die beste Leistung haben, dabei haben mir meine Eltern überhaupt keinen Druck gemacht. Im Gegenteil: sie versuchten mir klar zu machen, dass Leistung nicht alles ist.


    Damals bin ich tatsächlich zu einer Verhaltenstherapeutin gegangen (Oh, Schreck! ;-D ), die mir damals auch gut getan hat. Ich wende selbst heute noch gewisse Übungen an, wenn ich zu viel von mir fordere. Da deine Tochter die Idee ganz gut findet würde ich es versuchen. :)-


    Perfektionismus ist übrigens nicht zwingend ein Resultat fehlender elternlicher Liebe etc., der Mensch verfügt tatsächlich auch über charakterliche Eigenschaften. ;-D


    Liebste Grüße

    Zitat

    Ich habe mal einen überdenkenswerten Satz gelesen: Zu viel Erziehung schadet. Kann das zu viel Therapie nicht möglicherweise auch?

    Bei Therapie schadet dieses Gefühl, da könnte irgendwo ein Therapeut sein, der einen aus der Grube holt. Wenn man klar weiß, da ist niemand, der einen rausholt, dann versucht man auch eher, selbst zu krabbeln. Das schreibe ich aus meiner persönlichen Erfahrung.


    So in der Richtung sehe ich es auch mit der Tochter. Sie ist fast erwachsen und muss jetzt lernen, allein klar zu kommen. Wenn sie sich einbildet, ein Verhaltenstherapeut könnte ihr die Schritte ins Erwachsenenleben abnehmen, hält es sie nur davon ab, sie selbst zu gehen.

    Aber die TE schreibt doch, dass ihre Tochter selbst das Bedürfnis hat eine Therapeutin aufzusuchen? Warum wird das dauernd überlesen? ???


    Ganz ehrlich: ihre Tochter wird einen massiven Leidensdruck haben (sonst würde es sie nicht belasten). Das hat nichts mit "Schritte ins Erwachsenenleben" zu tun oder Unselbstständigkeit.

    @ frau_mueller_streikt

    Zitat

    Aber die TE schreibt doch, dass ihre Tochter selbst das Bedürfnis hat eine Therapeutin aufzusuchen? Warum wird das dauernd überlesen?

    Das verstehe ich nicht. Ich sehe da keinen Widerspruch. Die Tochter hat das Bedürfnis nach einer Therapie. Meiner Ansicht nach, weil sie sich Illusionen macht.


    Wenn es keine Therapeuten gäbe, wäre das Leben für sie leichter, weil sie sich dann keine Illusionen machen könnte. So sehe ich das.


    Wenn andere meinen, eine Therapie könne der Tochter helfen, dann ist es ihre Meinung.

    Zitat

    ihre Tochter wird einen massiven Leidensdruck haben

    Ja, das glaube ich auch. Ich glaube allerdings nicht, Verhaltenstherapeuten können allen helfen, die einen großen Leidensdruck haben.

    Zitat

    Wenn es keine Therapeuten gäbe, wäre das Leben für sie leichter, weil sie sich dann keine Illusionen machen könnte. So sehe ich das.

    Woher nimmst du die Annahme, dass sie sich Illusionen macht? Nicht alle Probleme und Schwierigkeiten "wachsen" sich im Erwachsenenalter aus. Man kann nicht alles aussitzen und Perfektionismus wird sicherlich nicht weniger. Ich finde es gut und wichtig die Bedürfnisse und Probleme von Kindern und Jugendlichen ernst zu nehmen und dementsprechend zu handeln. ;-)


    Es geht hier doch nicht um einen Abnablungsprozess, sondern um den Leidensdruck der Tochter durch ihre zu großen Maßstäbe. Was spricht denn dagegen, dass ihr beigebracht wird wie sie entspannter mit sich umgehen kann? ??? Weder sie noch ihre Mutter finden anscheinend dazu einen passenden Weg.


    *:)

    @ frau_mueller_streikt

    Zitat

    Woher nimmst du die Annahme, dass sie sich Illusionen macht?

    Das hatte ich in meinem Beitrag von 18:49 geschrieben. Ich halte es für eine Illusion, ein Verhaltenstherapeut könne ihr die Schritte ins Erwachsenenleben abnehmen.


    Du scheinst Dir sehr sicher zu sein, ein Therapeut könne ihr helfen oder den Leidensdruck nehmen. Woher nimmst Du diese Sicherheit? Bist Du Dir so sicher, dass Du Deine Prognose für die einzig denkbare hältst?

    Zitat

    Nicht alle Probleme und Schwierigkeiten "wachsen" sich im Erwachsenenalter aus.

    Nein, natürlich nicht. Es kann auch sein, dass es immer schlimmer wird.

    Zitat

    Ich finde es gut und wichtig die Bedürfnisse und Probleme von Kindern und Jugendlichen ernst zu nehmen und dementsprechend zu handeln.

    Ja, ich auch.

    Zitat

    Es geht hier doch nicht um einen Abnablungsprozess, sondern um den Leidensdruck der Tochter durch ihre zu großen Maßstäbe. Was spricht denn dagegen, dass ihr beigebracht wird wie sie entspannter mit sich umgehen kann?

    Natürlich spricht nichts dagen, und es wäre schön, wenn es jemanden gäbe, der es ihr beibringen könnte.


    Ich bin der Meinung, das ist nicht so leicht wie Du glaubst.

    Zitat

    Das hatte ich in meinem Beitrag von 18:49 geschrieben. Ich halte es für eine Illusion, ein Verhaltenstherapeut könne ihr die Schritte ins Erwachsenenleben abnehmen.

    Aber darum geht es doch garnicht? ":/

    Zitat

    Du scheinst Dir sehr sicher zu sein, ein Therapeut könne ihr helfen oder den Leidensdruck nehmen. Woher nimmst Du diese Sicherheit? Bist Du Dir so sicher, dass Du Deine Prognose für die einzig denkbare hältst?

    Sicher kann man sich nie sein, aber man kann es versuchen. Vorallem weil das Mädchen es selber möchte. ;-)


    Du darfst gerne meinen ersten Beitrag dazu lesen. Ich bin froh, dass mir jemand damals geholfen hat und würde es auch jedem empfehlen. Natürlich ist das Mädchen nicht ich, aber ich weiß wie schwierig es ist unter Perfektionismus zu leiden.

    Zitat

    Natürlich spricht nichts dagen, und es wäre schön, wenn es jemanden gäbe, der es ihr beibringen könnte.


    Ich bin der Meinung, das ist nicht so leicht wie Du glaubst.

    Auch hier verweise ich auf meinen ersten Beitrag an die TE. Ich habe übrigens nie geschrieben, dass es leicht ist. ":/ ???

    @ 3grazien:

    du schreibst "alle meine Töchter". Wieviele sind es denn? Und wo in der Geschwisterreihe steht deine 17jährige?


    Ich frage, weil deine Beschreibung fast 1:1 auf mein mittleres Kind, auch Mädchen, jetzt 19, passt. Bei der wird das Verhalten jetzt gerade sachte besser. Sie hat immer noch Attacken in Richtung "Du interessierst dich doch sowieso nicht für mich / du hörst mir nie zu / ich bin dir doch egal", aber seit sie ausgezogen ist, regelt sich das allmählich und wird von Woche zu Woche besser.


    Tatsächlich war sie immer das Kind hier, was am meisten Aufmerksamkeit gebunden hat. Steter Redefluss, jeder Pups, der quer saß, musste unbedingt mitgeteilt und von mir teilnahmsvoll begutachtet werden...und wehe, ich grätschte in und-dann-hat-Lara-gesagt-und-dann-habe-ich-und-dann-meinte-die-blöde-Frau-Rohde-etcetc rein: siehe oben. ;-D


    Einen Riesendämpfer bekam sie, als sie zu ihrer eigenen Überraschung nicht das brillante Abi machte, das sie erwartet hatte (ist immer eine Scheißidee, wenn man versucht, klüger als die Lehrer zu sein, es aber leider nicht so richtig drauf hat!), jetzt gerade macht sie ein FSJ im örtlichen Krankenhaus, muss "richtig" arbeiten und sich den lieben, langen Tag scheuchen lassen...und genau seitdem wird unser Verhältnis wieder besser.


    Ich habe mir jahrelang sehr, sehr große Sorgen um dieses Kind gemacht, weil ich eben sah, dass sie ihren eigenen, dass ihre Umwelt nie ihren Ansprüchen genügen konnte.


    Therapeutische Hilfe hat sie fast zwei Jahre lang bekommen, weil sie sich - auch aus diesem Anspruchsdenken heraus! - ganz, ganz schrecklich an ihrem von mir geschiedenen Vater abgekämpft hat. Da war sie etwas jünger als deine Tochter.


    Ich kenne mich da nicht so gut aus, weil ich natürlich nicht dabei war, aber das war eine Art von Gesprächstherapie, die einfach Gold wert war. Ich glaube aber auch, dass wir da sehr großes Glück mit dem Kinder- und Jugendtherapeuten hatten, der Mann war klasse, sie spricht heute noch mit viel Dankbarkeit von ihm.


    Über eine Verhaltenstherapie habe ich nie nachgedacht. Ich vertraue nach wie vor auf die regulierenden Einflüsse ihrer Umwelt. Das mag etwas schmerzhafter sein, aber ich glaube nicht, dass eine solche Therapie großartige Veränderungen bewirken könnte: letztlich ist das ihr Charakter.


    Ihr seid, wie du sagst, bei euren Einzelgesprächen gut aufgehoben: bleibt dabei. Schaden kann es nicht. Und wenn es euch guttut, umso besser. @:)

    Zitat

    Aber die TE schreibt doch, dass ihre Tochter selbst das Bedürfnis hat eine Therapeutin aufzusuchen? Warum wird das dauernd überlesen? ???


    Ganz ehrlich: ihre Tochter wird einen massiven Leidensdruck haben (sonst würde es sie nicht belasten). Das hat nichts mit "Schritte ins Erwachsenenleben" zu tun oder Unselbstständigkeit.

    Ich habe das auch nicht überlesen, sehe das aber mehr im Zusammenhang mit ihrer Forderung nach Aufmerksamkeit und als eine weitere, für sie willkommene Gelegenheit, ihrem von der Mutter gut beschriebenen Geltungsdrang ein Ventil zu verschaffen. So glaube ich auch nicht an den massiven Leidensdruck, der würde sich noch anders darstellen.