• Verhaltenstherapie bei/mit/von/durch eine 17jährige

    Liebe Foris, ich brauche mal ein paar Ratschläge. Kurz zur Situation: meine 17jährige Tochter war schon immer ein recht "aufmerksamkeitsliebender" Mensch. Kommt sie zur Türe herein, hat sie viel zu erzählen und kann/möchte nur wenig zuhören. Spricht jemand über sich, hat sie gleiches oder deutlich schlimmeres schon oft erlebt. Ihr Tag war am…
  • 48 Antworten

    Also, was meines Erachtens echt mal gesagt werden muss: Es gibt wahrlich schlimmeres als eine ehrgeizige 17-jährige, die den Schulstoff erlernen will!


    Meistens hat man mit Kindern in dem Alter nämlich eher das umgekehrte Problem.


    Deine Tochter ist goldrichtig, und das solltest du ihr auch sagen. Und dass sie lernen will, ist auch richtig so!


    Es könnte allenfalls sein, dass sie es ein bisschen übertreibt. Wenn sie stundenlang büffelt, um auch die allerletzte Vokabel zu wissen, um die Klausur nicht nur mit 96 % sehr gut (+) zu schreiben, sondern mit 100 %, weil nur das ihr gut genug ist, wenn sie sich selber fertig macht, ja, dann könnte sie besser mal einen Gang zurückschalten. Aber braucht man dafür gleich ne Therapie?


    Nun ja, ich weiß ja nicht, wie schlimm es bei deiner Tochter ist.


    Aber zu der Sache mit dem Kurs abwählen: Wenn deine Tochter den Kurs nicht braucht, ihr alles etwas viel ist, und sie lieber einen Kurs weniger macht, um die anderen Dinge gut lernen zu können - warum denn nicht? Das erscheint mir eine durchaus vernünftige Überlegung. Natürlich kann man ihr vorschlagen, dass es ja auch möglich wäre, den Kurs weiterhin mitzumachen, aber eben da mal keinen Ehrgeiz reinzustecken und ggf. eine schlechtere Note zu holen. Da lernt sie vielleicht trotzdem noch mehr als ohne den Kurs. Aber letztlich muss sie das doch selber wissen.

    Update:


    Ich hatte gestern einen Termin bei unserer Erziehungsberaterin und das Thema einfach mal angesprochen. Sie hat sehr positiv reagiert und meine Tochter in ihrem Wunsch/in dieser Idee unterstützt. Sie hat außerdem Vorschläge gemacht, wie sie mit meinem Kind die Wartezeit bis zu einem Termin überbrücken könnte und würde sie gern zumindest bis dahin begleiten.


    Wie groß der "Leidensdruck" ist, weiß ich nicht genau. Denn wie gesagt, ein Splitter im Zeh erfordert einen Verband und ein 30-minütigges Beruhigungsgespräch. Das war mit 2 jahren so und ist es auch heute noch. ;-D


    Sie ist eine "Drama-Queen", ob das hier auch zutrifft? Ich bin nicht sicher, mlöchte aber in gar keinem Fall etwas übersehen. Aber ich möchte eben auch keine Therapie anschubsen, wenn kein Bedarf besteht... Es ist schwierig für mich.


    Ich habe insgesamt 3 Töchter, die, um die es mir hier geht, ist die Älteste.

    @ :)

    Zitat

    bei unserer Erziehungsberaterin und das Thema einfach mal angesprochen. Sie hat sehr positiv reagiert und meine Tochter in ihrem Wunsch/in dieser Idee unterstützt.

    Berufsbedingt? ;-)

    Sozialpädagogen präferieren Therapien mehr als der Durchschnitt der Bevölkerung? Wusste ich gar nicht... ;-D


    Nein, mir ging es auch darum, sie "mit ins Boot zu nehmen", weil sie meine Tochter von einer anderen seite kennengelernt hat als ich. Das heißt nicht, dass ich eine Entscheidung von ihr abhängig machen würde. Ich bin nur auf der Suche nach Ideen. @:)

    Zitat

    Sozialpädagogen präferieren Therapien mehr als der Durchschnitt der Bevölkerung? Wusste ich gar nicht... ;-D

    Doch, ich glaube, dass sie solchen Möglichkeiten aufgeschlossener gegenüberstehen als z. B. Friseure ... :-D ;-) Bitte mich nicht falsch verstehen: Ich bon selbst schon in Therapie gewesen. Nur finde ich es nicht unbedingt förderlich, junge Menschen mitten in ihrer Entwicklung insofern zu "pathologisieren". Dass sie selbst dem positiv gegenübersteht, kann ihrem Aufmerksamkeitsdrang geschuldet sein.


    Aber ersten schrieb ich das ja weiter oben schon, und zweitens hast du als Mutter natürlich das Hoheitsrecht. ;-)

    Zitat

    Sie ist eine "Drama-Queen", ob das hier auch zutrifft?

    Ja, das könnte ich mir gut vorstellen. Sie ist eine Drama Queen. Du nimmst die Drama-Queen schon lange nicht mehr ernst (das entnehme ich auch Deinen Beiträgen hier). Sie produziert deshalb immer mehr Drama, damit Du sie endlich ernst nimmst.


    Das ist eine fatale Beziehungsdynamik, die im Rahmen einer Therapie eventuell aufgearbeitet werden könnte.

    Zitat

    Ja, das könnte ich mir gut vorstellen. Sie ist eine Drama Queen. Du nimmst die Drama-Queen schon lange nicht mehr ernst (das entnehme ich auch Deinen Beiträgen hier).

    Da bin ich zum Glück nicht die einzige, die das so sieht. Mir ist das schon im Eröffnungsbeitrag aufgefallen aufgrund der Aussagen und entsprechenden Smilies der TE. Ich denke mal, dass das die Tochter spüren wird und wahrscheinlich hofft, durch professionelle Hilfe endlich mal ernst genommen zu werden, wenn es schon die Mutter nicht gebacken kriegt. Ehrlich, würde meine Mutter hier so schreiben, wie es die TE hier tut, würde ich ihr was husten :|N

    Liebe TE,


    ich habe jetzt nicht alle Antworten gelesen, daher entschuldige bitte, wenn jetzt was doppelt kommt, oder ich "blöde" Fragen stelle die vielleicht längst beantwortet wurden ;-)


    Ich selbst bin 37 Jahre alt und stecke inzwischen in Therapie Nummer 5! Und ich finde es sehr, sehr schade, dass einer Therapie offenbar immernoch in manchen Köpfen etwas Negatives anhaftet. Damit meine ich jetzt nicht dich liebe TE.


    Natürlich will gut überlegt sein, ob eine Therapie sinnvoll ist, oder nicht. Im Zweifel kann das ein Psychologe aber in den ersten 5 probatorischen Sitzungen gut einschätzen. Stimmt die Chemie nicht, muss man weiter sehen, sich einen anderen Therapeuten suchen.


    Ich bin mir heute sehr sicher, dass ich schon als junges Mädchen dringend in eine Therapie gemusst hätte! Das hätte mir sicher nicht alles erspart, aber einige Dinge hätten vermieden werden können. Davon bin ich überzeugt! Doch damals war das Thema "Therapie" noch nicht so "in" wie es heute (meiner Meinung nach zum Glück) ist und meine Eltern haben sich darüber leider keine Gedanken gemacht.


    Ich denke, aus einer Therapie kann man für sich selbst IMMER etwas mitnehmen, sich selbst reflektieren, wachsen... Und wenn deine Tochter jetzt schon solche Probleme damit hat und sich Druck macht.. Nun, kätzerisch von mir gesagt, ist sie dann eine prima Kandidatin für ein späteres Burnout im Job! Das muss natürlich nicht sein, aber wenn man jetzt schon den Grundstein dafür legen kann, das Selbstvertrauen deiner Tochter zu stärken.. nun dann gibt es aus meiner Sicht nichts mehr zu überlegen. Ich hätte mir im Nachhinein so sehr gewünscht, meine Eltern hätten mich damals darin unterstützt und GESEHEN, dass eine Therapie nötig gewesen wäre...


    Ich habe beide Therapieformen hinter mir. Die Tiefenpsychologische, als auch die Verhaltenstherapie. Ich konnte aus beiden Therapieformen viel für mich mitnehmen. Die Tiefenpsychologische fand ich allerdings zeitweise für mein Problem sehr, sehr anstrengend und ich musste danach erst einmal wieder aufgebaut und aufgefangen werden. Es hat was gebracht, ich hab viel mitgenommen, aber ich persönlich fand es heftig. Ich selbst fühle mich in einer VT sehr gut aufgehoben, denn auch hier wird selbstverständlich nach den Ursachen geschaut und nicht nur an den Symptomen geschraubt.


    Alles Liebe für dich und deine Tocher! Ich finde es toll, dass du dir solche Gedanken um sie machst und sie unterstützt, wo du kannst! :)^ @:)


    LG PradaTeufel

    Ach und was ich noch vergessen habe.: Vielleicht ist es sinnvoll, ihr macht die Therapie, oder einen Teil davon, zusammen... Da würde ich den Therapeuten fragen.


    Evtl. sendest du ungewollt Signale aus, die deine Tochter glauben lassen, sie müsse sich deine Aufmerksamkeit erkämpfen, während du denkst, dass alles ok ist und du ihr zuhörst etc.. Aber irgendwo muss dieses extreme Kämpfen um Aufmerksamkeit ja kommen...

    Es stimmt, manche ihrer "Allüren" kjann ich nicht ernst nehmen. Daher dann der smiley... ;-D


    Aber wenn ich sie und ihre Bedürfnisse im grundsatz nicht (mehr) ernst nehmen würde, würde ich hier weder schreiben, noch zu einer Erziehungsberatung gehen, noch abendliche Gespräche mit meiner tochter führen, noch sie unterstützen wollen, dass sie sich wohler fühlt und AUCH anderswo nicht ständifg aneckt...


    Aber ich habe mir gedacht, dass es hier einige "unebachtete Töchter" gibt, die ihren Müttern ähnliche Vorwürfe machen, ohne je die Sichtweise gewechselt zu haben, sondern einfach nur Wasser auf ihren Mühlen empfangen. *:)


    Ich hätte keine Probleme damit, meiner Tochter diesen Faden zu zeigen, denn sie wüsste genau, dass ich mir hier Rat suche und mich nicht nur einfach über ein unbequemes Kind "auskotzen" möchte.


    Viele haben scheinbar nicht gelesen (oder überlesen), dass mein Kind und ich ein sehr offenes Verhältnis haben und beide vieleviele Gespräche miteinander führen...


    WIR wollen zusammen überlegen, ob eine Therapie ihr helfen könnte, gelassener mit sich und anderen zu sein!


    Komisch, dass das hier irgendwie untergegangen ist!?

    Ich habe das defintiv nicht überlesen und finde es gut, dass ihr ein Vertrauensverhältnis habt. Natürlich ist auch das Reden total richtig.


    Meine Vorbehalte gegen eine Therapie nehme ich insofern zurück, wenn deine Tochter selbst sie will, dass sie kaum etwas direkt verschlechtern dürfte, und auch die Chance, dass sich etwas bessert, vorhanden ist. (Die 3. Möglichkeit, dass sich nichts verändert, ist ja auch weiter nicht schlimm. ;-) )


    Kleiner Kommentar noch: Wir leben im "Therapie-Zeitalter", aber auch dahinter können sich Dynamiken verschanzen, das hat mond + sterne schon ganz richtig bemerkt.

    Zitat

    Es stimmt, manche ihrer "Allüren" kjann ich nicht ernst nehmen. Daher dann der smiley... ;-D

    Man muss es hier aber auch nicht ins Lächerliche ziehen - zumindest kommts hier manchmal so rüber.


    Und klar solltest du gerade ihre "Allüren" ernst nehmen, denn hinter diesen verbirgt sich womöglich auch ein ernster Hintergrund. Sie legt ja nicht ohne Grund regelmäßig das Verhalten an den Tag, was du hier kritisierst. Und wenn sie ständig übertrieben nach Aufmerksamkeit "schreit" zeigt das eigentlich, dass in der Erziehung irgendwas schief gelaufen sein muss. Gut, du bist immerhin zur Erziehungsberatung gegangen, aber das war wahrscheinlich schon zu spät.


    Ich möchte gerne noch kurz auf einen anderen Beitrag von dir eingehen, weil der hier gut rein passt:

    Zitat

    Wie groß der "Leidensdruck" ist, weiß ich nicht genau. Denn wie gesagt, ein Splitter im Zeh erfordert einen Verband und ein 30-minütigges Beruhigungsgespräch. Das war mit 2 jahren so und ist es auch heute noch. ;-D

    Weißt du, der Leidensdruck ist von Person zu Person individuell. Klar, kann man es auch übertreiben. Objektiv gesehen, übertreibt auch ein Hypochonder. Aber er empfindet nun mal anders als ein "Normalo". Aber nur, weil er aus einer gesunden Perspektive heraus übertreibt, heißt das noch lange nicht, dass man ihn nicht (mehr) ernst nehmen sollte. Denn er leidet durchaus - nicht an den Krankheiten die er glaubt zu haben sondern er leidet unter der Erkrankung Hypochondrie.

    Zitat

    Aber wenn ich sie und ihre Bedürfnisse im grundsatz nicht (mehr) ernst nehmen würde, würde ich hier weder schreiben, noch zu einer Erziehungsberatung gehen, noch abendliche Gespräche mit meiner tochter führen, noch sie unterstützen wollen, dass sie sich wohler fühlt und AUCH anderswo nicht ständifg aneckt...

    Es ist ja schön und gut, dass du sie unterstützt und mit ihr redest, aber in manchen Bereichen wird deine Tochter wahrscheinlich mal zu kurz gekommen sein und/ oder wurde nicht oder nicht ausreichen ernst genommen, sonst wäre sie ja jetzt nicht so wie sie jetzt ist.

    Zitat

    Es ist ja schön und gut, dass du sie unterstützt und mit ihr redest, aber in manchen Bereichen wird deine Tochter wahrscheinlich mal zu kurz gekommen sein und/ oder wurde nicht oder nicht ausreichen ernst genommen, sonst wäre sie ja jetzt nicht so wie sie jetzt ist.

    Was aber natürlich auch (und ich denke so hast du es gemeint, richtig?) an einer anderen Bezugsperson als der Mama liegen kann... *klugscheisserModusaus*


    Also liebe TE, für dich vielleicht eine Anregung einmal zu überlegen, wem deine Tochter vielleicht etwas beweisen möchte? Von wem möchte sie wirklich "gehört" werden?


    Ich kann verstehen, dass du dir Gedanken um sie machst. Und das ist auch gut so. Klasse, dass du sie unterstützen möchtest und es wahrnimmst. Tut leider auch nicht jeder... @:)

    Zitat

    WIR wollen zusammen überlegen, ob eine Therapie ihr helfen könnte, gelassener mit sich und anderen zu sein!


    Komisch, dass das hier irgendwie untergegangen ist!?

    Es ist nur scheinbar untergegangen. Ich habe den Eindruck, die Diskussion ist gelaufen. Deshalb finde ich sie inzwischen bedeutungslos.

    Danke @mond+sterne für Dein Fazit und Deine konstruktive Beurteilung einer Situation zwischen zwei Menschen, deren Psyche Dir scheinbar bekannter sind als den Betroffenen selbst. :)*


    Dass es immer Menschen gibt, die ihre persönlichen Befindlichkeiten nicht von sachlichen Antworten trennen können, war und ist mir klar. Und dass nicht jeder aus einem längeren Text ein zentrales Thema und auch eine konkrete Frage extrahieren kann, auch. @:)


    Allen anderen herzlichen Dank für die interessanten Sichtweisen und konstruktiven Vor- und Ratschläge!


    Ich habe viele Denkanstöße bekommen, auch was mein persönlicher Anteil (aktuell und in der Vergangenheit) an dieser Situation sein mag. (hab ich im Vorfeld natürlich noch nie getan... ":/ *sorry, musste mal sein jetze..*) Es ist aber natürlich nie verkehrt, sich immer wieder neu zu hinterfragen, besonders wenn es den Umgang mit Kindern betrifft. Dessen bin ich mir natürlich bewusst.


    Schönen Abend Euch Allen!