Verunsichert - Meine Therapeutin wechselt den Arbeitsplatz

    Servus zusammen.


    Ich muss mir das gerade mal von der Seele schreiben.


    Ich bin seit etwa 2 Jahren in einer tiefenpsychologisch orientierten Traumatherapie. Aktuell befinde ich mich am Ende des zweiten Therapieblocks. Ich habe also noch 4 Stunden, bevor die Verlängerung beantragt wird.


    Ich habe in dieser Zeit große Fortschritte gemacht. Nach langen, langen Jahren war meine Therapeutin ein echter Glücksgriff. Wir konnten, für meine Verhältisse, schnell Vertrauen zueinander aufbauen und konstruktiv miteinander arbeiten.


    Anfang nächsten Jahres geht mein Psychiater ??hier werde ich medikamentös behandelt. Eine Therapie findet dabei nicht statt, außer mehr oder weniger regelmäßigen Updates?? nun in Rente. Er war mein erster... wie drücke ich das aus? Mein erster Ansprechpartner, der Erste, dem ich mich anvertraute, der mich medikamentös einstellte. Sowas eben. Das bedrückt mich sehr und das sagte ich meiner Therapeutin beim Termin letzte Woche auch und, mehr scherzhaft, fügte ich hinzu: (Zitat) "Ihnen ist klar, dass sie hier bis zu ihrer Rente weiterarbeiten müssen?"


    Diese Woche, genauer heute, ließ sie die Bombe platzen, nachdem sie es beim letzten Mal nach meinem Scherz nicht fertig brachte. Sie hört auf, wechselt den Arbeitsplatz in eine andere Stadt und wechselt auch den Scherpunkt hin zur Kinder- und Jugendpsychologie. Ich fiel aus allen Wolken.


    Im Zuge ihrer Facharztausbildung arbeitete in diesem Institut in einem fremden Fach. Die Stelle war auch maximal auf 4 Jahre begrenzt, diese Zeit ist jetzt fast rum. Sie blieb schon 2 Jahre länger, als sie ursprünglich wollte, weil ihr die Arbeit so sehr gefiel. Sie vergibt jetzt och Termine. Regulär bis Februar, 2 im März und ab 1. April ist sie endgültig weg.


    Ich fühle mich... leer. Nein, das stimmt nicht. Verraten, ja. Verraten, abgeschoben. Ich bin wütend. Warum jetzt? Warum das mir? Es hat so (objektiv, nicht für meine Verhältnisse) lange gedauert, bis ich Vertrauen fasste. Was wird aus mir jetzt? Vertrauen ist nicht übertragbar.


    Ich weiß, dass es sie auch betroffen macht. Sie hat sich oft entschuldigt. Warum überhaupt? Sie muss halt gehen, ihren Weg gehen, ihr Leben leben, in ihrer Stadt in ihrem Fach arbeiten, voran kommen. Ich weiß es, weiß es alles. Es hilft mir aber nicht. Ich bin wütend. Wütend, und traurig, und enttäuscht.


    Ich weiß, sie tut alles, um die "Übergabe" an ihre Nachfolgerin, die sie kennt, mit der sie gearbeitet hat, die den gleichen Therapieschwerpunkt hat, möglichst sanft zu gestaltet. Aber auch das hilft mir nicht. Nicht jetzt, nicht bald.


    Wir haben heute das Thema Abhängigkeit angesprochen. Wir stimmen beide überein, dass keine vorliegt. Aber ein Abschied sehr wohl, und mit dem komme ich nicht klar, auch wenn die Zeit noch "relativ" lange ist, wenn noch einige Termine folgen, wenn noch Zeit ist, sich zu... "verabschieden".


    Bin ich egoistisch? Ich grübele die ganze Zeit nach. Ja, ich bin es. Ich verstehe sie, aber ich wünschte, sie würde es sich überlegen. Für mich, für die anderen, für das Institut. Nein, das ist gelogen. Das Institut ist mir egal, die anderen sind mir egal. Ich bin einfach noch nicht stabil genug für sowas.


    Mein Vertrauen ist irgendwo angeknackst. Ich habe sie für selbstverständlich genmommen, aber nichts ist selbstverständlich, richtig? Nichts ist für immer, richtig? Abschiede gehören zum Leben, richtig? RICHTIG, gottverdammt. Aber warum JETZT? Warum in dieser sensiblen Phase.


    Wie soll es weiter gehen? Ich kann ihr in meiner Seele keine Türen öffnen, die ihre Nachfolgerin nicht zu schließen in der Lage ist. Nicht nur sie muss auf sich achtgeben. Ich muss auch auf mich achtgeben. Das habe ich gelernt. Von ihr. Bzw mit ihr.


    Mir schwirrt der Kopf.


    Ich bin traurig, wütend und fühle mich allein.

  • 19 Antworten

    Ich kann Dich so gut verstehen, mich wirft das immer so aus der Bahn, wenn in meinem Umfeld irgendein Wechsel stattfindet... ich mache mich immer viel zu schnell und viel zu sehr von anderen abhängig, aber ist doch gut für dich zu wissen, dass keine Abhängigkeit besteht?


    Aber das ändert jetzt natürlich nichts an Deinen Gefühlen...


    Ich kann Dir nur den Rat geben, dass ihr das gemeinsam in der Therapie vielleicht besprechen solltet? Einen Abschiedsprozess zu gestalten, damit du Dich sicher genug fühlst und mit diesem Abschied eben trotz der sensiblen Phase klar kommst?


    Ich weiß nicht, wie so etwas genau aussieht, aber sie wird Dir da bestimmt weiterhelfen können, wenn du sie lässt?


    Manchmal bereue ich, dass ich das nicht gemacht habe, sondern weggelaufen bin. Aus Wut, Enttäuschung, Verzweiflung und allem drum und dran. Seitdem fällt es mir auch schwer, etwas Neues zuzulassen, aber das ist nicht der richtige Weg.


    Ich wünsche Dir so sehr, dass du einen Weg findest und vielleicht können hier ja andere etwas mehr zu beitragen. Ich wollte nur gerne, dass du weiß, dass ich hier mitlese und Dir ganz viel Kraft wünsche und dass du nicht alleine bist!


    :)*

    @ Nurarihyon

    Zitat

    Ich fühle mich... leer. Nein, das stimmt nicht. Verraten, ja. Verraten, abgeschoben. Ich bin wütend. Warum jetzt? Warum das mir?

    Ich kann das sehr gut verstehen, mir ist das Selbe (halt nur Schwangerschaft) nach einem halben Jahr Therapie passiert. Ich hatte ganz ähnliche Gefühle.


    Letztlich war es für mich (das ist meine subjektive Sicht) aber nicht so schlecht. Ich habe / hatte immer Bindungsprobleme. Ich sah, dass ich in diesem halben Jahr richtig massive Fortschritte gemacht habe. Und ich habe es letztlich als Chance, jetzt endlich alleine zu schwimmen, nutzen können.


    Ich lese aus deinen Zeilen, dass ein Großteil deiner Verletztheit davon kommt, dass du mit dem Abschied deiner Therapeutin eben auf deinen Platz verwiesen wurdest (nämlich als Teil eines Jobs, der ebenso Wandlungen unterliegt). Ist das so? Bist du vielleicht gerade deswegen so verletzt (auch das wäre verständlich!) weil es dir vor Augen führt, dass du eben "nur" Patient, also Arbeitsinhalt, bist, und nicht mehr?

    Zitat

    Mein Vertrauen ist irgendwo angeknackst. Ich habe sie für selbstverständlich genmommen, aber nichts ist selbstverständlich, richtig? Nichts ist für immer, richtig? Abschiede gehören zum Leben, richtig? RICHTIG, gottverdammt. Aber warum JETZT? Warum in dieser sensiblen Phase.

    Sicher gibt es phasenweise Schwankungen in der Verletzlichkeit. Aber wäre nicht irgendwie jede Phase für den Abschied falsch (und berichtige mich da ruhig, das spiegelt nur meine eigenen, klammernden Gefühle wieder)?


    Ich drück dich einfach mal ganz lieb :)_ :)_ :)_ :)_ :)_ :)* :)* :)*

    Hallo TE N..; einige Anmerkungen aus der Psychotherapiepraxis mit genau den gleichen Reihenfolgen. Für die meisten Klienten war es zunächst ein Schock, dass Therapeut nicht auf alle Zeit zur Verfügung steht, sogar dass nur noch wenige Monate für einen Teilabschluss der Therapie zur Verfügung stehen. In einigen Fällen haben sogar die Krankenkasse nicht mitgemacht und ab einem festen Datum war keine Stunde mehr möglich. Die Betroffenen haben es alle überlebt; es sind keine Selbstmorde bekannt geworden. Die erste gute Feststellung. Die meisten Betroffenen hatten bald einen Therapieplatz und machten weiter.


    Du stellst die Frage des Vertrauens sehr in den Vordergrund. Verständlich! Nur manchmal kann ich im Leben ein Ziel nur dann erreichen, wenn ich diese Vertrauensfrage etwas zurück stelle. Bildlich gesprochen: ich will auf die andere Uferseite des Flusses und nur eine Brücke hilft dabei; dann finde ich diese Brücke und ich frage mich, kann ich auf deren Stabilität vertrauen; dem Anschein (neuer Therapeut) nach ja. Oder soll ich warten, bis genügend andere Personen diese Brücke überschritten haben?

    Willkommen im richtigen Leben.


    Du meinst. Du bist nicht abhängig? Aus jeder Zeile liest man das aber hinaus.


    Du bist störrisch, wie ein 3 jähriges Kind. Fußaufstampf. Wutanfall. Ich will das nicht.... dass....


    Erwachsen geworden und dem Leben verpflichtet, sollte man sich eine gesunde Einstellung schaffen:


    Schade eigentlich, dass so eine fruchtbare Zeit zu Ende geht. Aber ich lege all mein Vertrauen in den Therapeuten, der von


    Frau XYZ eingewiesen wird. Ich gebe der Sache, schon wegen mir selbst , die besten Chancen.


    Sooo zu denken, ist erst mal besser für die Seele. Du trampelst wie ein Elefant nur in Anklagen und vermeintlichen Zukuftsgrauen rum.... Siehst das sogar offensichtlich als persönliche Attacke.


    Frage mich, was Du eigentlich während einer Therapie bislang gelernt hast.


    Sich den Fakten zu stellen, offensichtlich nicht.


    Auch aus Steinen, die auf dem Weg liegen, kann man was bauen.

    @ äpfelchen

    Weglaufen werde ich nicht. Das habe ich lange genug.


    Klar besprechen wir das in der Therapie. Das sind auch fast alles Dinge, die ich ihr gestern bereits sagte. Sie hält diese Gefühle auch für gesund, weil normal und verständlich. Nur die Intensität ist etwas zu stark.


    Wir befinden uns derzeit in der sogenannten Stabilisierungsphase. Diese ist/war langwierig und ist ein Grundpfeiler für das weitere Vorgehen innerhalb der Therapie. Und gerade in dieser Phase muss ich die Therapeutin wechseln? Das ist schon ungünstig.


    Danke für die lieben Wünsche.

    Zitat

    Ich lese aus deinen Zeilen, dass ein Großteil deiner Verletztheit davon kommt, dass du mit dem Abschied deiner Therapeutin eben auf deinen Platz verwiesen wurdest (nämlich als Teil eines Jobs, der ebenso Wandlungen unterliegt). Ist das so? Bist du vielleicht gerade deswegen so verletzt (auch das wäre verständlich!) weil es dir vor Augen führt, dass du eben "nur" Patient, also Arbeitsinhalt, bist, und nicht mehr?

    Nein. Mehr wollte ich nie sein, im Gegenteil. Ich würde das als konstruktive Arbeitsbeziehung sehen. Nach 17 Jahren ohne wirksame Therapie, ob stationär oder ambulant, habe ich eben eine Person gefunden, die zu mir passt. Sie weiß die richtigen Knöpfe zu drücken, stellt die richtigen Fragen. Kritik kommt immer sehr zurückhaltend und passiv, so dass ich die Antwort selbst erarbeiten kann. Ich respektiere sie.


    Klar mag ich sie als Person, das, was sie preiszugeben bereit war. Zumindest fand ich es sympathisch, dass ich sowohl über virale Videos auf Youtube, als auch über aktuelle Politik mit ihr reden konnte. Aber darüber hinaus ist da nichts. Verstehst du? ":/

    Zitat

    Sicher gibt es phasenweise Schwankungen in der Verletzlichkeit. Aber wäre nicht irgendwie jede Phase für den Abschied falsch

    Klar ist die Situation eh immer scheiße. Aber an genau diesem Punkt in meiner Stabilisierungsphase eben besonders ungünstig.


    Wird meine Welt unter gehen? Werde ich sterben? Waren alle Fortschritte für die Katz? Nein, nichts davon. Was ich geschafft habe, kann mir eh keiner wegnehmen. Suizidal bin ich nicht. Zumindest nicht mehr als sonst. Und die Welt geht so oder so unter, irgendwann, irgendwie.


    Das ist sicherlich ein Rückschlag, kann auch gar nicht anders sein. Aber darüber hinaus werde ich keine großen Rückschritte machen. Das glaube ich nicht.

    @ aug233

    Zitat

    Für die meisten Klienten war es zunächst ein Schock, dass Therapeut nicht auf alle Zeit zur Verfügung steht, sogar dass nur noch wenige Monate für einen Teilabschluss der Therapie zur Verfügung stehen. In einigen Fällen haben sogar die Krankenkasse nicht mitgemacht und ab einem festen Datum war keine Stunde mehr möglich. Die Betroffenen haben es alle überlebt; es sind keine Selbstmorde bekannt geworden. Die erste gute Feststellung. Die meisten Betroffenen hatten bald einen Therapieplatz und machten weiter.

    Das ich nochmal 30 Stunden bewilligt bekomme steht eh außer Frage, und wechseln muss ich den Therapieplatz nicht. Bis auf die neue Therapeutin bleibt objektiv alles beim Alten.

    Zitat

    Bildlich gesprochen: ich will auf die andere Uferseite des Flusses und nur eine Brücke hilft dabei; dann finde ich diese Brücke und ich frage mich, kann ich auf deren Stabilität vertrauen; dem Anschein (neuer Therapeut) nach ja. Oder soll ich warten, bis genügend andere Personen diese Brücke überschritten haben?

    Das Bild passt mir nicht. ":/ Es ist eher, als wäre meine alte Therapeutin ein präzises Skalpell, das exakt die richtigen Punkte trifft, ohne größe Schäden am umliegenden Gewebe. Die neue ist ein stupmfes Steakmesser.


    Meine alte Therapeutin spricht der Neuen ihr Vertrauen aus. Und wenn ich ihr vertrauen kann und will, gebe ich der Neuen zumindest eine Chance. Trotzdem wackelt das Fundament.


    Meine Therapeutin hat mir ein gemeinsames Gespräch mit der Neuen vorgeschlagen. Ich denke, ich werde das Angebot annehmen. ":/

    @ Ahornplatt

    Deinen Beitrag finde ich reichlich blödsinnig und werde ich dementsprechend nicht weiter kommentieren. Nicht böse gemeint. *:)

    @ N..,

    verabschiede dich mal von der Vorstellung, der "Neuen" eine Chance zu geben. Die Denkweise ist menschlich verständlich, ich würde vermutlich auch so denken. Ist aber bei einer Therapie kontra. Umgekehrt: die neue Therapeutin gibt Dir eine Chance, dass trotz Umstellung Du aus der Therapie bei ihr einen Nutzen für dich ziehst.


    Und dieses Festhalten an Phasenmodellen, vor allem wenn sie dem Klienten so vorgestellt werden; Therapie muss mehr Flexibilität aufweisen als Abarbeitung von Modellschritten. Und zu dem Bild von Skalpell und Steakmesser: das Skalpell ist nicht mehr verfügbar, es gibt nur noch das Steakmesser. In der Not ist das besser als kein Messer.

    @ aug

    Zitat

    Und dieses Festhalten an Phasenmodellen, vor allem wenn sie dem Klienten so vorgestellt werden

    Informier dich mal über Traumatherapie.

    Zitat

    verabschiede dich mal von der Vorstellung, der "Neuen" eine Chance zu geben. Die Denkweise ist menschlich verständlich, ich würde vermutlich auch so denken. Ist aber bei einer Therapie kontra. Umgekehrt: die neue Therapeutin gibt Dir eine Chance, dass trotz Umstellung Du aus der Therapie bei ihr einen Nutzen für dich ziehst.

    Oh man, das ist halt so ein Ausdruck. Lass die ruminterpretiererei mal.

    Naja, irgendwo las ich mal, dass die persönliche Beziehung zwischen Therapeut und Patient etwa 50% des Therapieerfolges ausmachen, insofern kann man m.E. auch objektiv von aussen verstehen, dass ein unerwarteter Wechsel immer schwierig ist. Und dann aug, gerade wenn du, wie man öfter liest, Einblick in die Therapiepraxis hast, solltest du doch eigentlich wissen, dass sich Emotionen nicht eben mal mit irgendwelchen Argumenten wegdiskutieren lassen. Der Schmerz in dieser Situation ist denke ich normal und darf und sollte geäussert werden, damit man ihn im Abschiedsprozess auch bearbeiten kann.

    @ Nurarihyon

    Ich wünsche dir viel Kraft. Vielleicht gibt es dennoch die Chance, dass auch etwas Gutes aus dem Wechsel entstehen kann.

    @ blue heron

    Zitat

    Der Schmerz in dieser Situation ist denke ich normal und darf und sollte geäussert werden, damit man ihn im Abschiedsprozess auch bearbeiten kann.

    Wurde er und ja, wir werden sicher noch darüber reden und daran arbeiten. Es ist ja auch etwas Zeit bis dahin, die ich nutzen werde.


    Danke für die Wünsche.

    Zitat

    Informier dich mal über Traumatherapie.

    Danke für den Hinweis, ich habe Frau Reddemann auf Fortbildungsveranstaltungen gehört und die Konzepte anderer Traumatherapeuten in der Diskussion erlebt. Es gab auch vor diesen Konzepten Menschen mit einem Trauma und die Therapeuten wussten um einen fachlichen Umgang damit.

    Jetzt pass mal gut auf, denn ich sage es nur das eine Mal. Deine Meinung zu der Art und Weise, wie eine Therapie gefälligst abzulaufen hat, was modern idt und was nicht, geht mir völlig am Heck vorbei. Ich muss jetzt mit dieser Scheiße leben, seit ich 18 bin, was über 17 Jahren entspricht. Ich habe etliche Dinge probiert und hiermit etwas gefunden, was mir hilft. Und du glaubst, du könntest hier rumtröten, wovon ich mich zu verabschieden habe, was angeblich veraltet ist? Sonst noch Probleme? Du hast genau null Ahnung, was und wie es in meiner Therapie abgeht, also halt dich gefälligst zurück.

    Nurarihyon, versuch dich nicht aufzuregen. Ich glaube Aug ist für seine zuweilen etwas...sagen wir nicht ganz so gefühlvoll formulierten Kommentare nicht ganz unbekannt, nimm es nicht persönlich.


    Was du in den letzte zwei Jahren erreicht hat, kann dir keiner mehr nehmen. Und dementsprechend wirst du auch von einem anderen Standpunkt aus losgehen als vor deiner jetzigen Therapeutin. Du hattest zwei gute wichtige Jahre und bist dadurch jetzt auch doch ein anderer als vor den zwei Jahren, das heißt andere Dinge könnten greifen als vorher, oder anders funktionieren als vorher. Ich hoffe, dass du die Hoffnung nicht verlierst, dass es weitergehen kann. :°_

    @ blue heron

    Du hast recht, ja.


    Es ist ja auch nicht so, als ob ich der Sache keine Chance geben möchte. Im Gegenteil, ich bin zwar weit gekommen, aber noch längst nicht dort, wo ich hin möchte. Aufgeben werde ich definitiv nicht, das steht außer Frage.


    Ich hoffe einfach, dass meine Therapeutin das richtig einschätzt. Sie kennt mich ja nun recht gut und denkt, dass ich bestimmt mit der Neuen klar komme.


    Mal sehen, wie der nächste Termin verläuft, wenn der erste Schock vorbei ist.


    Danke für deinen Zuspruch.

    Kleines Update:


    Am 2. Februar habe ich nun den letzten Termin mit meiner Therapeutin. Da findet dann die "Übergabe" an die Neue statt. Meine neue Therapeutin wird also dabei sein. Ich weiß wirklich nicht, wie sich dieser Termin genau gestalten wird und bin erwarzungsgemäß sehr nervös.


    Die letzten beiden Termine waren eher seicht und oberflächlich. Es wäre wohl nicht gut, da jetzt Türen aufzustoßen, die die Neue u.U. nicht mehr zu bekommt. Bevor man also tiefer schürft, muss sich erst eine Vertrauensbasis bilden.


    Ich hänge ein wenig durch aktuell.


    Immer und immer wieder frage ich mich, we es weiter gehen soll, wenn die Therapie vorbei ist. Habe ich dann gefälligst spontan gesund zu sein und zu funktionieren, wie es ein braves Rädchen im Gefüge nunmal idealerwerise tut? Und was, wenn ich nicht gesund bin?


    In der Tat habe ich Fortschritte gemacht, das ist unbestreitbar. Viele Fortschritte, wichtige Fortschritte. Trotzdem bin ich gerade mal so lebensfähig. Ich habe das Gefühl, dass von mir erwartet wird, nach der Therapie gefälligst wieder in Ordnung zu sein, denn darum ginge es ja. Und ich will es ja auch. Ich reiße mir seit zweieinhalb Jahren den Arsch auf. Schon seit zweieinhalb Jahren, erst seit zweieinhalb Jahren... zweieinhalb Jahre, die 32 Jahre verkorkstes Leben mal eben so wieder richten sollen? Eigentlich stehe ich noch am Anfang, habe die ersten Schritte hinter mich gebracht. So fühlt es sich zumindest an. Und ich habe noch so viel vor.


    Aber dieser Druck macht mich fertig, hindert mich, schränkt mich ein, wirft mich zurück.


    Ich hasse es "krank" zu sein. Ich habe mir das so nicht ausgesucht. Ich habe es nicht verursacht, nicht verschuldet. Trotzdem muss ich damit fertig werden. Mein "Umfeld", mein "soziales Netz", hilft dabei nicht. Sie stehen nur da, sehen zu. Kämpfen muss ich allein, und das tu ich. Jeden Tag.


    Wenn nur dieser verdammte Druck nicht wäre. Der Druck, gefälligst wieder gesund zu sein, und nicht nur lebensfähig. Manchmal frage ich mich, für wen ich das alles mache. Ich dachte für mich, nicht für die Anderen. Richtig?


    Alles nicht so leicht gerade. Aber ich versuche es durchzustehen. Habe ich denn eine Wahl?

    Zitat

    Ich habe das Gefühl, dass von mir erwartet wird nach der Therapie gefälligst wieder in Ordnung zu sein, denn darum ginge es ja.

    Wer baut denn den Druck auf? Dein Umfeld? Wer genau?


    Du dir selber?


    Ich bin ja selber so ein Fan von Extrem-Denke (entweder richtig krank oder richtig gesund), in dem Punkt hat sich das bei mir aber irgendwie eingependelt: Richtig gesund bin ich nicht, werde ich wahrscheinlich auch nicht sein. Ich sag nur Thema Essstörung, das eigentlich immer mehr oder weniger aktuell ist, Thema Suchtverhalten, wo es Auf und Abs gibt. Thema Psychohygiene, wo ich einfach auf bestimmte Dinge achten muss (z.B. viel Zeit für mich selber, bestimmte Hobbies, Meditation usw.) um nicht wieder abzugleiten.


    Andererseits bin ich weit von vergangenen Untiefen entfernt (Gott sei Dank!) und es ist vieles leichter geworden. Man beachte: leichter, nicht leicht ;-)


    Dass ich z.B. wieder Termine (meistens ;-) ) einhalten kann, meine Post erledigen, mein Studium (im Vergleich zu vorher: schneckenlangsam) weitermachen konnte usw. usw..

    Zitat

    Alles nicht so leicht gerade. Aber ich versuche es durchzustehen. Habe ich denn eine Wahl?

    Das klingt bitter, aber das muss es nicht sein: Wahllosigkeit heißt ja auch, dass man sich eben nicht mehr in den Strukturen der Krankheit bewegen kann / will, dass es Lösungen jenseits von pathologischen Verhaltensweisen geben muss. :)* :)_

    @ schnecke

    Entschuldige, habe gar nicht gesehen, dass noch jemand geantwortet hat.


    Nun, ja. Zum Teil mache ich mir den Druck selber. Ein anderer Teil ist die Seite meiner Familie, die nicht zu verstehen scheint, dass eine erfolgreiche Therapie nicht zwingend heißen muss, dass man zu Tag X wieder voll auf der Höhe ist. Was psychische Erkrankungen angeht, haben die nicht viel Ahnung. Entsprechende Aussagen sind also nichtmal böse gemeint, es ist eben das fehlende praktische Verständnis.


    Meine (noch) Therapeutin sieht das viel pragmatischer. Solange es mir noch zu schlecht geht, bin ich eben nicht gesund. Und wenn diese Therapie noch nicht reicht, muss eben eine zweite angeschlossen werden. Ich wünschte, ich wäre da auch so gelassen, aber natürlich ist meine persönliche Sicht wesentlich subjektiver als die ihre.


    Morgen ist die "Übergabe", mal sehen, wie es so wird. Ich versuche allem offen gegenüber zu stehen.

    Ich habe das auch lange gehabt, so nach dem Motto: 1 bis 2 Jahre und dann muss alles wieder funktionieren. Hat natürlich nicht geklappt und ich bin schon mehr als doppelt so lange dran. Trotzdem geht es schon viel besser als früher. Ich habe es bei meiner Familie aufgegeben, mich immer wieder zu erklären, habe aber für mich gelernt: es ist nicht alles gut, und das ist ok so. Die Zeit, die ich brauche, ist ok. Und ich habe mich so verändert, dass ich auch nie wieder die gleiche sein werde, die ich mal war. Und das ist auch gut so, denn das war auch ein Teil meines Problems. Sowas ist für Angehörige extrem schwer zu verstehen und wahrscheinlich auch auszuhalten. Das mache es uns nicht leichter. Wenn du in die Auseinandersetzung mit dem Thema gehen willst, dann könntest du ja vielleicht versuchen, ihnen ein Buch in die Hand zu drücken mit Erfahrungsberichten oder so. Irgendwas, wo du nicht immer mit deiner persönlichen Erfahrung gefragt bist, aber sie mehr verstehen können (Das geht natürlich nur, wenn sie es wollen).


    Ich fand z.B. das Buch "Das Monster, die Hoffnung und ich" von Sally Brampton ganz hilfreich. Da geht es um ihre Depression, darum wie schlecht es einem gehen kann, aber auch, wie sie es geschafft hat. Sie macht am Ende aber auch klar, dass das Thema nie durch ist, dass man sein ganzes Leben lang aufpassen muss, auch wenn es einem wieder gut geht.


    Sei geduldig mit dir.


    Ansonsten drücke ich dir die Daumen, dass es morgen mit der neuen gut wird!

    Zitat

    Sei geduldig mit dir.


    Ansonsten drücke ich dir die Daumen, dass es morgen mit der neuen gut wird!

    Danke @:)


    Und ja, stimmt. Ich bin da selbst strenger mit mir als meine Umwelt. Ich denke der Rest ist ein Lernprozess, durch den ich einfach durch muss. Durch den die meisten Therapierten wohl durch müssen.

    @ topic

    Der Termin war... "in Ordnung", schätze ich. "Die Neue"

    scheint in Ordnung zu sein. So weit ich das eben bisher sagen kann.


    Meine ehemalige Therapeutin hat nochmal grob umrissen, an welchen Baustellen wir gearebeitet haben. Das war natürlich nur ein grober Querschnitt, der aber insgesamt gut zusammengefasst war. Ich habe mich dann immer noch mit Details eingebracht.


    Das Gespräch floss so dahin, pendelnd zwischen "Wissen Sie noch, als..." und "Wie geht es weiter?". Die Neue kommt aus der gleichen Fachrichtung. Der grundlegende Stil der Therapie bleibt also wie gehabt.


    Es war schon auch traurig. Ich habe mich doch sehr an sie gewöhnt. Sie ließ es wohl auch nicht kalt, aber die Ebene blieb... respektvoll distanziert? Das klingt so kalt, aber ihr wisst sicher, was ich meine. Keine Gefühlsausbrüche oder Abschiedstränen etc.


    Zum Abschied bekam ich einen kleinen Elefanten aus so einem hübschen, blauen Stein.


    Über große Fortschritte würde sie sich freuen infrmiert zu werden. Der Kontakt geht dann über das Sekretariat.


    Tja, das war es nun. Ein Abschnitt ist vorbei, ein neuer beginnt. Vielleicht tut frischer Wind auch gut. Andere Menschen haben andere Ideen. Ich möchte den Wechsel als Chance betrachten.


    Dass ich auf der Hinfahrt heute einen Autounfall hatte war dem allgemeinen Stresspegel auch nicht gerade zuträglich. %-| Aber wenn nicht heute, wann dann, oder? Das ist so typisch mein Leben... es ist eigentlich beinahe lustig. ;-D


    Ich bin jetzt ziemlich im Eimer, körperlich und mental. Habe 2 Tage nicht geschlafen und fühle mich ziemlich... leer. Leer ist eigentlich gut. Leer ist zumindest nicht depressiv.


    Ja, insgesamt war der Tag... ich hatte schon schlimmere.


    Nächste Woche habe ich noch einen Anschlusstermin vereinbart, bevor ich ein paar Wochen in den Süden fahre. Wollte ich eigentlich nicht, aber es hilft bestimmt der Vertrauensfindung, wenn da nicht gleich mehrere Wochen zwischen Übergabe und Ersttermin liegen.


    Ich halte euch auf dem Laufenden.