Visualisieren - Wie macht mans richtig?

    Hallo, habe mal eine Frage zu diesem Visualisieren:

    Man bekommt doch oft gesagt, dass man sich Dinge, die man sich für die Zukunft wünscht, vorher intensiv vorstellen soll, bewusst gedanklich ausmalen, in allen Einzelheiten.

    So, wenn ich mir nun wünschen würde, sagen wir mal im Sport od. auch musikal. Bereich Fortschritte zu machen: dann soll ich mir also mich selber in genau dieser Sit. intensiv vorstellen.

    Meine Frage wäre jetzt dazu: ist es besser, wenn man sich vorstellt, dass man sich selbst ZUSCHAUT, bei einer Aktion? So von außen? Oder soll man sich irgendwie vorstellen, dass man selber das halt macht? Das gelingt mir schlechter.

  • 7 Antworten

    Nein, ich denke, man soll sich die Sache / Tätigkeit intensiv vorstellen. Esoterisch finde ich das nicht, dadurch wird lediglich ermöglicht, dass man unbewusst besser auf Impulse reagiert, die in die gewünsche Richtung gehen, also ein mentales Training, wenn man so will. Die Thais sagen: "Man muss den Tiger im Geiste erschlagen."

    Das ist eigentlich völlig wurscht.


    Parkplatzsuche: schon vorher innerlich fühlen, toll, da will gerade jemand zu Tante Emma fahren, der Parkplatz ist meiner.


    Ich wollte mal ein Service von Villeroy & Boch haben. Ich habe mich bei Karstadt an der Kasse gesehen, wie ich das dort bezahle. So war es dann.


    Mit Sport hab ich nix am Hut, aber ich mache oft Touren um und bei. Vorher sich vorstellen, wie man das Rad wieder im Schuppen parkt.... Schließt aus, dass einem unterwegs ein Hubschrauber auf den Kopf gefallen ist. Sondern nimmt vorweg, was man haben will: wieder gesund ankommen.


    Das Gleiche mache ich, wenn ich fliege. Ich habe immer das Bild im Kopf, wie ich nach der Landung meinen Koffer vom Band ziehe....


    Rauchen abgewöhnen: ich habe ein Jahr gebraucht, bis es wahr wurde, aber dann hat es geklappt: ich habe mir immer wieder vorgestellt, wie ich im Leben zurückblicke und dann den Punkt sehe, wo ich das Rauchen aufgegeben habe. Beim Konsum von bis zu 80 (!!!!!) Zigaretten, also komplett süchtig, kein leichtes Unterfangen. Heute kann ich sagen: es war 1999, da legte sich der Schalter im Hirn um, seitdem völlig rauchfrei.


    Rechnungen: immer wieder habe ich gedanklich einen Stempel draufgesetzt. BEZAHLT. BEZAHLT. BEZAHLT. Auf wundersame Weise kam es immer so. Trockner kaputt? Genau die Summe dann gewonnen...


    Es ist völlig Banane wie man das macht, das Unterbewußtsein ist ja nicht blöde, es versteht einen schon. Und liefert.


    ES ist einfach wichtig, dass das Gefühl dabei stimmt. Zu denken, was man will, aber einen Knoten im Bauch haben, das klappt eh nicht, wird genau das produzieren. Nichts.

    Mmh, okay, also quasi aus Richtung der eig. Augen, u. nicht von außen betrachtet!? Dann sieht man sich halt selbst nicht richtig, naturgemäß. Ich dachte immer, dass es darum geht. Aber wäre ja auch komisch u. unnatürlich, u. geht ja normalerweise nur im Spiegel.

    Zitat

    Man bekommt doch oft gesagt, dass man sich Dinge, die man sich für die Zukunft wünscht, vorher intensiv vorstellen soll, bewusst gedanklich ausmalen, in allen Einzelheiten.

    Mh, das habe ich bisher nur ein einziges Mal so gehandhabt. Wir waren damals in Verhandlung mit einem Baumeister zwecks Hauskauf. Es scheiterte am Preis. Mein Mann sagte, wir sollten unseren Traum verwirklichen und auf einem schönen Grundstück ein Holzhaus bauen.


    Plötzlich waren sie da, die inneren Bilder. Ich war nicht mehr zu bremsen und plante unser Holzhaus auf einem Karopapier, und zwar ab ca. 22 Uhr, begleitet von einer Flasche Rotwein. Mein Mann schlief längst. Als die Flasche leer war, war ich nicht nur tüchtig benebelt, es stand auch die Grundplanung des Hauses. Zu 90% wurde es ein halbes Jahr später so gebaut wie von mir in jener Nacht geplant. Das war vor 19 Jahren.

    Geerdeter schrieb:

    Meine Frage wäre jetzt dazu: ist es besser, wenn man sich vorstellt, dass man sich selbst ZUSCHAUT, bei einer Aktion? So von außen? Oder soll man sich irgendwie vorstellen, dass man selber das halt macht? Das gelingt mir schlechter.

    Ich glaube, dass das nur geringen Unterschied macht, ob nun externe Zuschauer-Perspektive oder Ich-Perspektive.


    Der entscheidende Punkt wird sein, dass man sich eben damit auf den Erfolg oder die Erreichung eines Zieles besser vorbereitet und dann auch weiter plant und dann nicht bei den ersten Anzeichen davon überrascht wird und erstmal wieder unsicher ist und auf den letzten Metern doch wieder Fehler macht. Denn so fühlt sich die Erfolgssituation dann vertraut an, und man kann leicht bei einer passenden Gelegenheit auf das Vorgedachte zurückgreifen. Aus einem aktiven, langsamen, rationalen Nachdenken (das braucht viel Zeit, manchmal so lange, dass die Gelegenheit schon vorbei ist) wird so ein intuitiver Rückgriff auf das Vorgeplante/Gedachte (geht sehr flott).


    Passt ja auch zu dem Spruch: "Luck is what happens, when preparation meets opportunity."


    Gleichzeitig sehe ich aber auch Risiken: zum einen das Risiko übersteigerter Erwartungen. Übertreibt man es nämlich mit den eigenen Erwartungen des Erfolgs und der ausgiebigen und detaillierten reinen Illusion von erreichten Zielen, so ist die Enttäuschung fast schon garantiert. Manch einer kennt das, wenn sich jemand die perfekte Hochzeit detailliert vorstellt. Und dann der Bräutigam über die Schleppe der Braut stolpert, oder die Torte innen noch gefroren ist, der Reißverschluss am Brautkleid nicht hält oder was weiß ich was. Irgendwas ist immer. Es gibt einen Punkt an überzogenen Erwartungen, dass es in dieser Perfektion gar nicht klappen kann. Und damit macht man sich dann selbst unglücklich, wer sich bei 99% "Perfektion" auf das 1% konzentriert, das schief gegangen ist, z.B. die verbliebenen Fehler (Rechtschreibung, Grammatik, Layout) in einer Abschlussarbeit. Hier lohnt sich eine gewisse Großzügigkeit.


    Und das andere: um so genauer und detaillierter geplant und vorgedacht wird - gerade bei komplexen Zielen, umso starrer der Plan des Vorhabens ist, um so weniger wird dann ja die echte, konkrete Realität zum Ausführungszeitpunkt (die ja von der in der Planung angenommenen Situation abweichen kann) und dort unvorhergesehenen Dingen einbezogen. Zum Beispiel wenn bei der "perfekt geplanten Hochzeit" dann das Wetter nicht mitspielt.


    Es lohnt sich, immer auch Improvisationstalent zu haben. Und auch das immer mal zu fördern . Und das kann der gut, der nicht immer so 100%-ig plant, sondern auch "Mut zur Lücke" hat.


    Naja, und je nachdem, um was für ein Ziel es geht: nicht alles liegt in eigener Hand. Gerade alle Sachen, die von menschlicher Kooperation abhängen, dort kann man eben nur das eigene Verhalten beeinflussen. Aber nicht direkt das Verhalten anderer.